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Verlorene Paradiese

Erstellt von HPollmeier, 13.10.2008, 15:55 Uhr · 37 Antworten · 8.863 Aufrufe

  1. #21
    Avatar von HPollmeier

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    Re: Verlorene Paradiese

    Hallo!

    Begeben wir uns wieder auf See, im Auftrag einer Fachzeitschrift, die ueber das Hochseefischen vor Pattaya berichten wollte.

    In den Jahren von 1990/95 waren wir nur mit einheimischen Fischern unterwegs gewesen; sie kannten uns, wir vertrauten ihnen, ihrer Freundlichkeit, ihrem Wissen, ihrer Geschicklichkeit. Mangelnde Sprachkenntnisse auf beiden Seiten wurden durch verstaendnisvolles Wohlwollen kompensiert.

    Solche Parameter kann man einem Chefredakteur, der nie vor Ort gewesen ist, absolut nicht beibringen. Die Ausgangsbedingungen lauteten: Deutschsprachiger Profifischer, vorschriftsnaessige – nach deutschen Kriterien - Sicherheit und Topqualitaet der Ausruestung.

    Der Chef kennt schliesslich den Markt, die Werbung und die dadurch ausgeloesten Trends; er weiss, was der Kunde (will?) soll und muss den Artikel vermarkten: Abbos und Anzeigen muessen rollen, der Einzelleser am Bahnhofskiosk ist uninteressant.

    Muss ich betonen, dass diese Presse luegt?

    (Hier erscheinen evtl. Bilder, die von anderen Artikeln bekannt sind; das laesst sich bei der Fuelle des Materials nicht immer vermeiden.)

    Verlorene Paradiese
    6.1 Siamesische Taenze - Big Game in Pattaya

    © Texte & Photos Pollmeier

    Packt ein Segelfisch den Koeder, schnellt er wie eine Rakete aus dem Wasser, tanzt auf der Schwanzflosse ueber die Wellen und schlaegt wilde Saltos. Die Hot Spots fuer diese Luftakrobaten liegen in Thailand ueberwiegend vor Pattaya.



    Pattaya verfuegt ueber das vielleicht umfangreichste Angebot an Sportmoeglichkeiten in Asien zu weltweit unschlagbar niedrigen Preisen - auch fuer das Hochseefischen. Darum ist es verwunderlich, dass Angelreiseveranstalter diese phantastischen Reviere noch nicht im Programm haben. Denn vor Ort gibt es hervorragende ‚Big-Gamer’. Ein unentdecktes Terrain fuer Anfaenger und Profis.



    Der Golf von Siam ist - wie der Blick auf eine Seekarte zeigt - insgesamt ein recht flaches Meer von Tiefen zwischen 20 und 40 Metern. Die felsendurchsetzte Inselwelt bleibt von der Berufs-Netzfischerei grossen Umfanges verschont. Diese Gefilde sind eine ideale Kinderstube fuer den Fischnachwuchs. Darum tummeln sich zwischen den Inseln nicht nur Arten, die ohnehin in Bodennaehe leben wie Rochen, sondern die Kleinfische locken alle grossen Raeuber an: Man kann den Koenigsmakrelen und Barrakudas, riesigen tropischen Hornhechten, den Cavallas und Barschen, aber auch einigen von den ungefaehr 320 verschiedenen Haiarten wie Ammen-, Riff- oder Tigerhaien nachstellen.




    Wer Haie will, ist in Pattaya am richtigen Ort. Spezialist Dieter Floeth vom Deutschen Haus haelt den Rekord im Golf von Siam mit einem 280 Kilogramm schweren Tigerhai, den er nach dreistuendigem Kampf bezwingen konnte. Riff- und Ammenhaie von mehr als 100 kg sind keine Seltenheit. Dieter Floeths Boot, speziell fuer das Hochseeangeln ausgeruestet, liegt in Samae San, etwa 45 km suedlich von Pattaya. Die Fischgruende erreicht man nach einer halben Stunde Fahrt. Waehrend der Saison nehmen bis zu 30 Personen an den Angeltouren teil, allerdings nicht nur Fischer. Wer noch kein geuebter Hochseeangler ist, findet bei Dieter einen guten Einstieg zu guenstigen Preisen.



    Ein besonders aufregendes Erlebnis ist bei einer Ausfahrt mit kleinen Booten der "Abendsprung" der Thune. Breite Bugwellen peitschen pl0etzlich die See, das Meer kocht. Dann werden selbst die gelassenen Thais hektisch. Waehrend der Kapitaen versucht, mit dem Kutter eine Bugwelle zu queren, reissen sie Stoffetzen von ihren Hemden und binden sie an Einzelhaken. Akkordarbeit ist angesagt: Biss, Drill, Biss... Die rasende Meute nimmt sogar den blanken Haken.





    Aber so schnell wie die Tropensonne im Meer versinkt, ist der Spuk vorbei.



    Kein Jig fliegt mehr achteraus, denn die Gelenke schmerzen. Wohltuende Muedigkeit breitet sich aus, wenn man bei einem Glas Mekong (Thai-Whisky) das Eintauchen der Sonne ins Meer geniesst.

    Gruss
    HPollmeier

  2.  
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  3. #22
    Avatar von HPollmeier

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    Re: Verlorene Paradiese

    Hallo!

    Verlorene Paradiese
    Siamesische Taenze - Big Game in Pattaya


    6.2 Faires Sail-Fischen

    Segelfische ziehen Big-Gamer weltweit in ihren Bann, weil sie durch ihre Kraft und Schnelligkeit das ganze Koennen eines Anglers herausfordern. Sie gehoeren zur Familie der Istiophoridae. Verwandt mit dem grossen Bruder Marlin,

    wie z. B. dieser rd. 700 lbs schwere Blue Marlin vor Teneriffa,



    gab der kleinere Sailfish mit seiner Gattungsbezeichnung (Istiophorus) der ganzen biologischen Gruppe den Namen. Billfish heissen sie wegen ihres Schwertes im Englischen. Man trifft sie in fast allen Meeren der Welt, aber sie sind keine Standfische, sondern wandern ueber Tausende von Kilometern durch die Ozeane. Kommen sie zu bestimmten Zeiten auf ihren Zuegen in Kuestennaehe, stellt man ihnen meist mit kleinen, schnellen Booten nach,

    aber nicht mit diesen, schon gezeigten Holz- und Gumminussschalen zum Spielen in Strandnaehe:



    Ganz anders in Pattaya! Hier kann man die Jagd auf diese Kraftpakete nicht mit der Angelei vor den Kuesten Ostafrikas, um die Kanaren oder in Florida vergleichen. Dort werden meist tote Koeder- oder Tintenfische durch Schleppen "zum Leben erweckt" oder man verwendet Kunstkoeder und zusaetzlich "Teaser", Lockkoeder ohne Haken, die Tintenfische imitieren und einen Fischschwarm vortaeuschen. Neuerdings faengt man Billfische tatsaechlich ohne Haken. Man befestigt ein Vorfach in der Mitte eines halben Meters ausgefransten Nylonseils. Segelfische betaeuben ihre Beute mit heftigen Schlaegen des Schwertes, Hunderte von Zaehnchen ihres Spills verheddern sich in den Fransen des Kunststoff-Tampens und jede Bewegung fesselt sie staerker an das Tauende.

    Vorbereitungen muessen sein:

    Der Thai arbeitet,




    der Autor stellt sich in Pose.



    Im Golf von Siam herrschen andere Bedingungen und es werden einfachere Boote benutzt. Es geht zwar nicht so anspruchsvoll, aber nicht weniger professionell, wenn nicht gar sportlicher zu. Dafuer sorgt Horst Milewski, Boss des Fisherman´s Club, seit mehr als zwei Jahrzehnten Hochseeangler aus Leidenschaft und zweifelsohne der beste Big-Gamer im Golf.

    Er ist Eigner der "Stefanie", die er als ehemaliger Produktionsingenieur nach eigenen Vorstellungen mit 16,5 m Laenge und 4 m Breite in Pattaya auf Kiel legen liess.

    In einer Werft



    Dem geuebten Anglerauge faellt sofort auf, dass das stabile, hochseetuechtige Holzboot von einem Fachmann entworfen wurde: Der Gamefischer kann sich beim Drillen ungehindert von stoerenden Stuetzpfosten fuer Oberdeck und Aufbauten an der Reling bewegen. Und das ist beim siamesischen Schwerter-Tanz eines gehakten Sails unbedingt noetig.

    Gute Beifaenge sind nicht selten:









    Seit zwei Stunden ankert die "Stefanie" im Windschatten einer Insel. Im Golf herrscht nicht die langgezogene Duenung des Atlantiks, sondern bei auffrischendem Wind machen sich wegen des flachen Wassers, die uns von Nord- und Ostsee her bekannten, kurz aufeinanderfolgenden Wellen unliebsam bemerkbar.



    Nun duempelt das Boot nur ein wenig. Ein Laie koennte annehmen, Horst sei ziellos herumgekreuzt und ankert jetzt zwischen Himmel und Meer in der Mitte von Nirgendwo.



    Er unterbricht die paradiesische Ruhe: "Ich habe jahrelang mit eigenen Schnellbooten vor der ostafrikanischen Kueste gefischt. Im Golf wende ich eine ganz andere, spezifische Technik an, weil uns das grosse Boot einschraenkt. Mit acht Knoten Hoechstgeschwindigkeit kann ich den grossen Fischen nicht folgen. Sie muessen vom verankerten Boot ausgedrillt werden. Das ist Schwerstarbeit, aber hoellisch aufregend. Mit Schnellbooten, ausgeruestet mit zwei Maschinen von je 180 PS, kannst Du einen Fisch spielend ausmanoeverieren. Wenn der Skipper Gas gibt, bruellen die Motoren auf und die Kiste macht einen Satz vorwaerts wie ein bockendes Pferd. Da laeuft kein Fisch aus der Leine oder schiesst unter das Boot, denn es geht mit dem Fisch. Hier hast Du von Anfang an den Kampf in der Hand - und Du gewinnst oder verlierst." Horst sieht es gerne, dem Fisch im Duell eine echte Chance zu geben. Zeugt es nicht von Sportsgeist, wenn auf Kampfguertel verzichtet wird?

    Sail - die Ballerina der Meere



    Wir haben mit drei Anglern nur vier Ruten - Shimano- und PEN-Geraete - alles vom Feinsten - auf Sail ausgelegt. Ein Luftballon ist geplatzt, Horst holt den lebenden Koeder ein, prueft ihn und wechselt den Ballon aus.



    "Vor Malindi", faehrt er fort, "kurven die Boote mit einer Geschwindigkeit von 10-12 km/h in weiten Schleifen auf der Suche nach Fischen oder fahren mit Bugwelle und schaeumendem Kielwasser Kreise, um die tropischen Raeuber in der Tiefe aufmerksam zu machen.




    Gruss
    HPollmeier


  4. #23
    Avatar von HPollmeier

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    Re: Verlorene Paradiese

    Hallo!

    Siamesische Taenze - Big Game in Pattaya

    6.3 Faires Sail-Fischen

    Hier im Golf haengt alles vom Skipper ab: Er muss die Gewaesser kennen und genau wissen, wohin er wann gehen muss. Und dann heisst es, warten, warten, warten...


    Hier gibt es nicht so viele Fische wie vor Malindi, sie sind sehr sensibel und zu verschiedenen Jahreszeiten an verschiedenen Plaetzen. Aber waehrend vor Ostafrika die Saison fuer Segelfische nur drei Monate von Mitte November bis Mitte Februar dauert, koennen wir hier doppelt so lange bis Ende Mai mit guten Erfolgsaussichten auslaufen. Wer keine Nase fuer die Fischgruende hat und das Wasser nicht lesen kann, sollte als Veranstalter einpacken."




    Ein kurzes, surrendes "Krrr" an der Rolle laesst uns aufhorchen. Mit einem Panthersprung - das haette ich dem massigen Athletiker gar nicht zugetraut - packt Horst die Bootsrute, laesst den Koeder abtaumeln, die Schnur laeuft sekundenlang aus, Horst schliesst den Freilauf und setzt blitzschnell ruecksichtslose Anschlaege, um den Haken in das knochenharte Maul zu treiben.



    Pierre Angel - nomen est omen - Geraetehaendler aus Neumuenster, uebernimmt die Rute und knallt an die Reling, weil der Sail wie eine Polaris in die Luft steigt und 30, 40 Meter auf dem Schwanz stehend ueber das Meer rennt, um den Haken loszuschlagen. Tail-Walking heisst es kurz und buendig im Englischen, beschreibt aber nicht die Explosionen eines Turbo-Kraftpaketes, das man fassungslos anstarrt. Als ich endlich wie in Trance meine Canon hochreisse, taucht der Sail ab, und die Rolle laeuft und laeuft und laeuft. Als der Fisch steht, nimmt Pierre ihn hart ran und schwitzt sich pumpend das Bier der letzten Woche aus - kein Wunder in dieser Affenhitze von 32° C und 90 Prozent Luftfeuchtigkeit.



    An Bord ist der Teufel los: Die zweite Rolle singt. Der kleine taiwanesische Professor Dr. Yu-Juan Liang ist, obwohl behindert durch eine Polioerkrankung, wieselflink am Geraet - und arbeitet wie ein Weltmeister, hatte aber noch nie eine Bootsrute in der Hand, geschweige denn einen springenden Sail an der Leine. Horst packt ihn von hinten, weil er bei den gewaltigen Luftspruengen des Sails ueber Bord zu gehen droht. Aber als der Fisch nach der rasenden Flucht in die Tiefe stehen bleibt, beginnt der zaehe Chinese - gehalten von Horst - einen Drill, dass man meint, "die Knochen knacken". Meter fuer Meter quaelt er die Schnur auf die Rolle, zwingt den Fisch mit groesstem Krafteinsatz vorwaerts, 15, 20 Minuten lang, saust - Horst im Schlepp - dreimal um die Reling, als der Fisch die Taktik wechselt und auf das Boot zuschiesst. Aber er schafft ihn. Horst fasst das Vorfach, fuehrt den Sail vorsichtig heran,



    sein Thai-Captain reisst den Gaffhaken ein,



    hebt den Fisch an, Horst packt mit Handschuhen das Schwert, zieht ihn ueber die Reling.



    Benommen, mit zitternden Knieen, total erschoepft, den Traenen nahe, staunt unser Prof. ueber das Unglaubliche: Zwei Meter Sail, bezaubernd in seiner Schoenheit, blaugrau-lilarot changierend, sein glitzernder Leib wie von fluessigem Silber uebergossen,





    mit senkrechten Streifen und Punkten in Maerchenblau. Schaute der Meereskundler anfangs recht skeptisch in das Wasser,



    strahlt sein Blick nun ueber einen Fisch, den er nie vergisst.



    Spiegelglatt liegt der Golf, als wir heimwaerts tuckern. Die Skyline von Pattaya taucht in der Abendsonne unter. Bei der ruhigen Fahrt vom Golf auf das Lichtermeer verstehe ich Horst, der Pattaya zu seiner Heimat gewaehlt hat, weil er hier seiner Passion froenen kann wie sonst nirgendwo - Sail, die Ballerina der Meere.



    Informationen – aber ohne Gewaehr, weil sich in unserer schnellebigen Zeit Infos sozusagen ueberschlagen:

    Fishermann´s Club, Horst Milewski, 437/96-97 Moo 9, Soi Yodsak 6, Pattaya City, 20260 Thailand, Tel. und Fax: 00 66 38/42 30 14.

    Er hat zwischenzeitlich sein Geschaeft aufgegeben; aber wer einen faehigen Farang-Fischer sucht, wird ihn finden. Ob sie noch mit eigenen Booten ausfahren, koennen wir nicht beantworten, da wir nicht nur wegen der Preise die einheimischen Fischer bevorzugen.



    Haiangeln mit Dieter Floeth, Deutsches Haus, Pattaya-City, Beach Road, Ecke Soi 4, Tel. und Fax: 00 66 38/42-8725.
    Hauptsaison: Oktober bis Maerz - das ist gleichzeitig auch die beste Reisezeit mit Temperaturen bis 35° Grad und geringer Luftfeuchtigkeit.

    In der Druckausgabe des Textes wird wie im Reflex Pattaya natuerlich zum Paradies hochstilisiert - war es auch fuer Otto-Normalverbraucher bei den damaligen Angel- und Puffpreisen. Aber jede Autoren-Ironie geht floeten, wenn noch Bilder aus der Phanghna-Bucht bei Pattaya eingebunden werden.





    Gruss
    HPollmeier


  5. #24
    Avatar von HPollmeier

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    Re: Verlorene Paradiese

    Hallo,

    als Kontrast zur Kritik ein paar schottische Burgen - teilweise mit Gelbfilter aufgenommen - die mehr oder minder in den Tourismus eingebunden sind:

    Castle Stalker, Turmburg, um 1320 auf der kleinen Insel Rock of the Cormorants in der Mündung des Loch Laich erbaut.






    7. Trends im Tourismus
    © Pollmeier

    Tourist ist jeder, der auf Reisen geht und dies nicht aus beruflichen oder familiaeren Gruenden tut. Aber mit dieser Tatsache kann man sich bei Mitreisenden ganz schoen unbeliebt machen. Warum eigentlich?

    Halten wir zunaechst fest: Jeder verfaellt der Werbung. "Die Werbung verkauft keine Produkte, sondern ein verfaelschtes und hypnotisierendes Gluecksmodell. Man muss die breite OEffentlichkeit mit einem Lebensmodell blenden...", sagt der Photograph Oliviero Toscani, der nicht nur mit seinen Benetton-Bildern provoziert. Er sollte es wissen.



    Wenn wir also in einem fliegenden Ohrensessel entschweben und ohne Verspaetung frisch rasiert am anderen Ende der Welt ankommen, ging´s mit LTU "ab in den 7. Himmel" oder nach dem verheissungsvollen Motto: "Adam und Eva wurden aus dem Paradies vertrieben. Wir fliegen Sie jeden Tag hin." Alles wie gehabt und keiner sollte sich wundern, dass das Geschaeft mit den angeblich "schoensten Wochen des Jahres" laengst zur Ware geworden ist wie Kaffee oder Bananen. Pauschalreisen werden wie ein Konsumgut gestaltet, das effizient berechenbar und bedarfgerecht zugeschnitten auf den Markt geworfen wird. Lediglich die schnell wechselnden Trends tummeln sich buntschillernd in den Marktluecken, im Verkauf keinen Deut anders als die Pauschalreisen, nur in der Werbeansprache subtiler, um den Konsumenten zu seinen verborgenen Erwartungen hinzufuehren.





    Nehmen wir beispielsweise den Trend "Reisen nach innen" mit Muesli, Mystik und gluehenden Kohlen: Es wird nicht nur getoepfert, meditiert, gefastet oder getraeumt, sogar das Laufen ueber gluehende Kohlen wird zur Urlaubsfreude bei der touristischen Seelenwanderung hochstilisiert. "Die Werbung verfuehrt den Einfaltspinsel", sagt Toscani.

    Wenn das die buddhistischen Moenche aufschnappen und sich von ´Studien-Kontakt-Reisen´ vermarkten lassen, lechzen die uebersaettigten Stadtmenschen foermlich nach "fasten - verzichten - gewinnen" im Kloster Suan Moke bei Chaiya, Schnupperwoche ganz ohne Essen. Macht das in Thailand Schule, buchen wir demnaechst Kurse wie "Schule der Geistheilung", "Entfaltung des inneren Schmetterlings" oder zwei Wochen fuer die "Versoehnung mit dem Schatten".



    Auch Studienreisen sind nicht mehr das, was sie einmal waren: "Die klassische Form der Studienreise stirbt", erklaerte Klaus M. Vetter. Er muss es wissen, denn gerade sein Marktfuehrer Studiosus Reisen hat verknoecherte Strukturen aufgeweicht durch lockere Wanderstudienreisen, Varianten mit einem Freizeit-Plus und weniger Besichtigungen; à la carte kann jeder daheim oder vor Ort nur die Ausfluege buchen, die ihm ins Konzept passen. Die Studienreisenden sind also nicht mehr "ehrfurchtsvoll, gluecklich und dankbar", wie sie ein Pionier beschreibt: "Heute hat jeder einen oder mehrere Reisefuehrer dabei, will nur noch das Exemplarische praegnant und plastisch vermittelt bekommen..."

    Dunottar Castle: Hier wurde 1990 Hamlet mit Mel Gibson verfilmt.



    "Diese Jahr machen wir Thailand, naechstes Jahr ist der Nahe Osten dran, zwischendurch schieben wir eine Gourmet-Reise ins Elsass ein", so oder so aehnlich hoeren wir Mitreisende im Flieger. Seltsamerweise sind es die Studienreisenden, die nichts so stoert wie "diese Touristen". Falsch getippt: Im Marktforscher-Jargon heissen sie "multioptionale Konsumenten", haben Otto-Normalverbraucher, der sein Stammurlaubsziel rechtzeitig buchte, abgeloest, wechseln ihre Urlaubsziele wie Chamaeleons ihre Farbe und sind anspruchsvoll und sprunghaft. So buchen viele Pauschalurlauber erst eine Woche vor dem Start ihres Ferienjets - bei dem, der "am meisten bietet". Denn bei den Beratungswuenschen steht der Preis-Leistungsvergleich verschiedener Veranstalter an erster Stelle, es folgen die Auswahl der richtigen Kataloge und Beratung bei den guenstigsten Reiseverbindungen mit Flug oder Zug.



    Nun wollen die heutigen Urlauber kein Produkt kaufen, sondern immer haeufiger ein "Lebensgefuehl", einen zeitlich befristeten Traum. "Urlaub sei die emotional empfindlichste Situation, in die moderne Menschen geraten", sagt eine Tourismusforscherin. Dafuer will man einen angemessenen Preis zahlen.

    Nicht verwunderlich, dass sich "Extremreisen" zu einer eigenen Spielart des Tourismus entwickelt haben. Immer mehr "Produkte" dieser Art, die Konditionsstaerke, alpine Routine, Hoehenanpassung usw. voraussetzen, werden in deutschen Reisebueros angeboten und angenommen. Kommerzielle, veranstalterorganisierte Gruppenreisen muessen allerdings trotz perfekter Zubereitung noch ein Restrisiko enthalten, wenn man von der Expedition auf "Katalogbergsteigen" umsteigt, immer extremer, aber immer bequemer.

    Schleppten einst die Sherpas fuer ein paar Rupien das Gepaeck barfuss ueber die Gletscher, werden die einheimischen Traeger heute gut bezahlt und versichert, bekommen vom Veranstalter einen gruenen Parka und natuerlich eis- und felsfeste Schuhe. Waren vor einem Vierteljahrhundert erst sechs Ziele (Wege) im Angebot, so sind es heuer fast 150 verschiedene Reisen. Beim steilen Aufstieg des Trekking-Tourismus - und seinen vielen Abarten - ist nicht irgendein Gipfel, sondern der "Weg" das Ziel. Wer solche Feinheiten nicht spuert, stolpert in eine Krise; wenn die Branche Urlaub nur verramscht, schliddert sie in ihr eigenes Crash-Syndrom.



    Konjunkturschwaeche hin, Arbeitslosigkeit her, die Bundesbuerger werden Jahr fuer Jahr mehr als 40 Milliarden Euro fuer Auslandsreisen ausgeben. Dagegen lassen auslaendische Besucher Deutschland immer oefter links liegen, wir werden von der Konkurrenz schlicht abgehaengt mit dem Resultat: Zur deutschen Handelsbilanz traegt der Tourismus ein Minus von ca. 30 Milliarden Euro bei.

    Mehr als zwei Drittel der Bundesbuerger entfliehen ins Ausland - so wie unlaengst die Branchenvertreter des deutschen Tourismusgewerbes: Zu dem jaehrlichen Gipfeltreffen hatte der Deutsche Reisebuero-Verband bezeichnenderweise nach Orlando in Florida gebeten.

    Dort diskutierten tausend Delegierte - was der deutsche Kunde wuenscht.

    Gruss
    HPollmeier

  6. #25
    Avatar von Dieter1

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    Re: Verlorene Paradiese

    Heinz, klasse Bilder von Phi Phi .

    Da werden alte Erinnerungen wach. Weisst Du noch von wann die Bilder ungefaehr sind?

    Mein letzter Besuch dort war 1987. Damals war die Situation die, zwischen 11.00h und 15.00h gind es zu wie in Muenchens Fussgaengerzone im Weihnachtsgeschaeft :-) .

  7. #26
    Avatar von HPollmeier

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    Re: Verlorene Paradiese

    Hallo,

    noch zwei Angelartikel, in Erinnerung an den unvergessenen @khon jöhraman , der so gerne ausgefahren ist.


    8.1 Komm zu Fisch!



    Der Tourismus beginnt an dem Tage, an dem die Menschen sesshaft wurden. Aber „In Zukunft wird es immer schwieriger, im Massentourismus Erlebnisse mit Ernstfallcharakter anzubieten. Der Tourismus, der groesste Arbeitgeber der Welt, kann im 21. Jahrhundert fast alles ertragen - Kriege, Krisen und Konflikte - nur eines nicht: Langeweile. Wenn die organisierte Reise durch Rundum-Sorglos-Pakete zu professionell, perfekt und sicher wird, kommt zwangslaeufig Langweile auf." Davon ist Opaschowski bereits in der Studie „Urlaub 95/96" ueberzeugt.



    Die ‚Trend-Scouts’ in der Zeitgeist-Metropole London stiessen sogar auf die allerneueste ‚Lifestyle-Entwicklung’ – Angeln als Kult-Sportart. Vor allem Yuppies und karrierebewusste Frauen entdecken dieses Hobby immer mehr als „mentalen Ausgleichssport". Sogar Madonna soll dazugehoeren. Wer tagsueber in klimatisierten Raeumen sitzt, will nicht auch noch den Abend im geschlossenen Fitness-Studio verbringen: Im Zuge des Naturtrends ist jetzt „Outdoor" angesagt. Angeln als Markt, der sich fuer die ‚Trendsetter’ unter den Investoren lohnen koennte?



    Fuer die ‚Speed-Gesellschaft’ steht Angeln offensichtlich auf der gleichen Stufe mit Selbsterfahrungs-Seminaren, Yoga oder Psychotherapie. Auch mit der Rute in der Hand kann man mental einen Gang runterschalten. Die Zukunfts-Forscher beobachten einen Trend zu „selbsterzeugten Mehrfach-Identitaeten": Der am Morgen noch langweilige Bueroangestellte mutiert nach Feierabend zum Abenteuer-Angler mit Indiana-Jones-Ambitionen.



    Soweit ist es in Thailand noch nicht. Darum geben wir - mit kleinen Abschweifungen - schlicht einige Hinweise zum Hochseefischen in Thailand.




    Bootsangeln vor Thailands Kuesten
    © H. & R. Pollmeier

    Das Angelfieber packt den Touristen in Thailand.



    Wer bei der Planung eines Thailandurlaubs zunaechst gar nicht an das Angeln gedacht hat, wird im Land leicht zu seinem Hobby verfuehrt: das reiche Fischangebot auf den Maerkten, die Atmosphaere am Meer mit dem geschaeftigen Treiben der Fischer oder einfach die Sehnsucht nach den tropischen Inseln reizen den Jagdtrieb. Wenn man ein wenig mit dem Meeresangeln vertraut ist, erliegt man unweigerlich den Verlockungen.


    Die Thais bauen solide, traditionelle Boote:





    Der Tourist, der auch im Urlaub ein paar Tage seiner Leidenschaft froenen will, sollte zu Hause ein wenig vorsorgen oder sich spaetestens in Bangkok besinnen. Halten Sie im Land die Augen offen, beweisen Sie ein wenig Mut und ergreifen eine guenstige Gelegenheit, dann kroenen Sie Ihren Urlaub bei der Freundlichkeit der Thais mit einer preiswerten Ausfahrt zum Hochseeangeln!

    Man muss kein Spezialschiff chartern:





    Die Ausruestung
    Generell gilt fuer einen Badeurlaub in Thailand: So wenig Gepaeck wie moeglich. Diesen Tip sollte man auch fuer die Angelausruestung beherzigen. Eine Teleskoprute, universell einsetzbar, eine mittlere Multi- und eine ordentliche Stationaerrolle sowie ein wenig Zubehoer passen in jedes Handgepaeck. Den Rest, Bleie und Senker, Angelhaken, Wirbel, Ersatzschnuere usw. sollte man wirklich erst in Thailand kaufen.

    Es gibt viele Moeglichkeiten:



    Hat man in der Hektik der Reisevorbereitung alles vergessen oder moechte seine Ausruestung ergaenzen, so sollten Sie sich in Bangkok einige Stunden Zeit nehmen, denn fast alle gaengigen Materialien, vor allem aus Taiwan, sind viel billiger als in Deutschland. Angelutensilien gibt es ausserdem in jedem groesseren Fischerdorf. Werfen Sie nachts einen Blick auf das Meer und Sie wissen, warum!

    Aber diesem Seelenverkaeufer sollte man sich nicht anvertrauen:



    Der "Central Department Store" auf der Rama 1 Road in Bangkok ist eine gute Adresse fuer Ihre Einkaeufe; hier koennen Sie auch eine Schnorchelausruestung erstehen. An der Mahachai Road gibt es einige Fachgeschaefte fuer Fischereibedarf. Wenn Sie dort zufaellig Khun Wanchai Changam.... treffen, erhalten Sie von dem Herausgeber des "Sea World Magazine" noch kostenlose Hinweise zum Angeln, Schnorcheln oder Harpunieren.

    In der Fischfabrik ‚klammert’ sogar ein Schiffshalter:





    Bootsangeln - aber wie?
    Kuestenangeln an den flachen Sandstraenden Thailands ist meist unergiebig



    und Brandungsangeln an den Steilkuesten wegen vorgelagerter Riffe sehr materialintensiv, daher schaut man sich bald nach Mietbooten um. Nun stehen in Thailand trotz wachsender Touristenstroeme nicht ueberall, wie an vielen europaeischen Kuesten, Boote von Angelvereinen, Hotels, Berufsfischern oder privaten Reedereien bereit, um Angler gegen Bezahlung fuer Stunden oder Tage aufs Meer hinauszufahren. Man weiss also in Asien nicht so recht, wie man an ein Boot kommen soll.

    Man faengt gewiss viele kleine Fische:







    In den Touristenzentren wie Pattaya, Phuket und neuerdings auch Krabi ist das natuerlich einfacher als an den abgelegenen Straenden oestlich von Trat oder an der unendlich langen Kueste von Hua Hin bis in den tiefen Sueden. Erste Anlaufstationen sind die Rezeption des Hotels, der Manager eines Resorts, der Besitzer eines Bungalows oder in Nationalparks, soweit sie am Meer oder auf den Inseln liegen, das Park-Office. In den meisten Faellen wird man auf diesem Wege an einen Fischer weitergereicht, mit dem man dann handelseinig werden muss: Preis, Zeit, Koeder - wer sichergehen will, besorgt sich fuer einige Baht Tintenfisch (Plahmuek) in der Kueche.





    Die naechste Moeglichkeit ergibt sich bei Bootsausfluegen zu vorgelagerten Inseln. Am Ziel der Bade- oder Schnorcheltouren wartet der Bootsfuehrer oft stundenlang untaetig auf seine Gaeste. Fuer eine Schachtel Zigaretten und/oder einen Unkostenbeitrag wird er gern bereit sein, zum Fischen die Riffkante anzusteuern. Mit Maske und Flossen koennen Sie sich davon ueberzeugen, was unter Wasser los ist. Es dauert bestimmt nicht lange, und der Thai wird die Handangel hervorkramen und mit dieser traditionellen thailaendischen Angelmethode selbst fleissig fischen. Man kann einiges lernen, und, wenn man das Glueck hat, einen Bootsfuehrer zu treffen, der die Angelgruende kennt, sich fuer die naechsten Tage arrangieren. Nur sollte man sich dann, was natuerlich von Boot und Ausruestung abhaengt, entscheiden, ob man am Riff fischen, auf Hornhechte schleppangeln oder gar auf groessere Fische gehen will.





    Wenn diese Bemuehungen erfolglos bleiben, muss man in die Fischerdoerfer und -haefen. Falls ein Laden mit Fischereibedarf vorhanden ist und Sprachbarrieren noch mit Englisch ueberwunden werden koennen, wird man von dort aus weitervermittelt und erreicht sein Ziel, meist zu Preisen, an die man in Europa gar nicht mehr zu denken wagt.

    Vertrauen ist gut, Kontrolle zwecklos
    Die Boote, ihre Ausruestung und Sicherheit duerfen nicht nach europaeischen Massstaeben beurteilt werden. Auch bei Ausfluegen dicht vor der Kueste muss man viel Vertrauen mitbringen. Mit Wasser und Proviant sollte man sich selbst versorgen, auf ausreichenden Treibstoff zumindest achten. Nautische Einrichtungen wie Radar, Echolot, Kompass oder sonstige Kleinigkeiten wie Radio, Sprechfunkgeraete, Rettungswesten, Signalraketen usw. wird man vergeblich suchen. Sie werden durch seemaennische Erfahrung des Bootsfuehrers ersetzt, der in der Regel seine Kuestenabschnitte von Kindheit an wie seine Westentasche kennt. Wem diese Voraussetzungen zu mangelhaft erscheinen, der sollte das Bootsangeln in Thailand vergessen.



    Nun sind die Gefahren im Golf von Thailand keineswegs mit denen im Atlantik oder Mittelmeer zu vergleichen, auch wimmelt es in allen Kuestenbereichen von Fischern, die ihr Handwerk verstehen und jederzeit hilfsbereit sind. Trotzdem muss es - leider - ganz deutlich gesagt werden: Wer nicht im Innersten bereit ist, europaeische Hast und UEberempfindlichkeit und die besondere deutsche Gruendlichkeit und Besserwisserei nach einigen Tagen abzuschuetteln, sollte seine Asienambitionen grundsaetzlich ueberdenken, weil er nicht nur beim Angeln Aerger bekommt.



    Die geschilderten "Annaeherungsversuche" wurden mit wechselndem Erfolg in Thailand erprobt. Freundlichkeit und Zigaretten waren die besten Begleiter im Umgang mit den Thais. Gewiss, man sollte auch "handeln", eine Kunst, die Europaeer erst wieder muehsam erlernen muessen. Aber wenn man bedenkt, wie gering der staatlich ferstgelegte Mindestlohn ist, sollte man nicht kleinlich sein. Vielmehr zahlt sich ein grosszuegiges Verhalten, weniger in Geld als in praktischen Geschenken, so sehr aus, dass man Jahr fuer Jahr wiederkommen kann. Die Thais vergessen kein Gesicht.



    Nach einigen Jahren "Erfahrung" weiss man allerdings noch nicht, wie die Mietpreise fuer die Boote entstehen. Einige Beispiele fuer unterschiedliche Preise: An der Thung Bua Laen Beach, etwa 11 km noerdlich von Chumphon, werden vom Cabana Beach Resort Bootstouren zu den vorgelagerten Inseln veranstaltet. Der Preis fuer das Motorboot liegt fest, Angeln ist Verhandlungssache. An der Westkueste in Krabi kostet an der Ao Nang Beach eine Angeltour rd. 50 Euro pro Tag, in Krabi Stadt dagegen kann man auf Fischer treffen, die fuer ihre kleinen Boote mit Sonnenschutz zum Schleppangeln auf Barrakudas in der Krabibucht lediglich die Spritkosten berechnen und den Fang teilen.

    Aber auch ‚dicke Brocken’:



    Auf Koh Samet wiederum, Bangkoks ueberlaufener Wochenendinsel, ist es aeusserst schwierig, zu vernuenftigen Preisen ein Boot zu bekommen. Man kann sich hoechstens zu der unbewohnten winzigen Nachbarinsel Koh Chan uebersetzen lassen und von der Nordspitze auf Hornhechte angeln, die dort in der starken Stroemung jagen. Mit etwas Glueck sieht man die seltenen Warane.



    Der Fang - no problem fuer die Kueche
    Die Thai-Kueche gehoert wegen ihrer Vielfalt und raffinierten Wuerzkunst zu den besten der Welt. Sie koennen also getrost Ihre Beute der Kueche anvertrauen, die Thais wissen schon, wie sie Ihren Fisch zubereiten. Er wird ueberall gern entgegengenommen, Sie zahlen - falls ueberhaupt - lediglich einige Baht fuer Gewuerze und Beilagen.



    Das hatten wir schon einmal, bin wohl ein Kinderschaender.



    Die Fische bekommen eine letzte Chance:



    Aber wenn sie einen Barrakuda oder eine Makrelenart erbeutet haben, versuchen Sie einmal Sashimi - fangfrischer, in duennen Scheiben aufgetragener roher Fisch, Japans Delikatesse, eine auch in Thailand sehr beliebte, fuer uns ungewohnte Gaumenfreude!



    Gruss
    HPollmeier


    Und evtl. zum Ausdrucken:






  8. #27
    Avatar von HPollmeier

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    Re: Verlorene Paradiese

    Hallo Dieter1,

    die Bilder muessen von 1980 oder auch ein wenig spaeter sein.

    Weil man dort damals gut Segelfische angeln konnte, war die Insel in den Naechten unser Stuetzpunkt.

    Die Zeiten scheinen wohl vorbei zu sein.

    Gruss
    Heinz

  9. #28
    Avatar von HPollmeier

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    Re: Verlorene Paradiese

    8. 2 Angelabenteuer Thailand - Tips fuer Individualisten
    © Pollmeier



    Hochseeangler wissen, wo sie gezielt in Europa oder Uebersee ihr schweres Geschirr auf die Grossen des Meeres: Conger, Rochen, Hai, Marlin, Thun oder Schwertfisch einsetzen koennen. Die organisierten Reisen dieser Spezialisten haben allerdings ihren Preis. Nicht jeder Angler kann sich das leisten.




    Ganz anders in Thailand! Asiens Urlaubsland Nr. 1 bietet Moeglichkeiten und Preise, von denen man in Europa nicht mehr zu traeumen wagt. Faenge werden sozusagen garantiert: ´no fish, no money´, heisst die Devise. Auf nervenstarke und seeerfahrene Meeresangler warten aufregende Abenteuer, z. B. in der Andamanensee.





    Wer sich professionelles Fischen nicht leisten kann, sollte Long-Tail-Boote mieten. Erstaunliches geht an den Haken, mit diesen Nussschalen faengt man sogar Segelfische. Und die Preise stimmen! Da der Tourismus in Thailand boomt, spezialisieren sich immer mehr Fischer auf die Belange der Meeresangler. Long-Tail-Boote sind die Renner der Saison.



    Krabi-Stadt, quirlige Drehscheibe fuer den Bootsverkehr zu den Inseln Phee Phee, Si Bo Ya, Jum, Lanta und in die Buchten von Ao Nang und Phang-Nga, ist ein idealer Standort fuer "Long-Tail-Fishing". Unterkuenfte jeder Preiskategorie sind vorhanden.





    Long-Tail-Boote sind traditionelle Holzboote unterschiedlicher Groesse mit starken Dieselmotoren, die ueber einen langen Ausleger das Boot antreiben, sozusagen vorwaertsquirlen und steuern. Die Motoren sind zwar laut, aber die Boote ausserordentlich wendig, geeignet zum Schlepp-, Treib- oder Grundangeln. Bei ruhiger See kann man ueber lange Distanzen von 20 bis 25 Kilometer ausfahren. Die Bootsfuehrung erscheint spielerisch, erfordert aber Kraft, Ausdauer und hoechste Geschicklichkeit bei unruhiger See. Sie ist Knochenarbeit; ein Fischer laesst sich gern einmal abloesen. Die Thais durchpfluegen mit diesen Booten das Meer auf der Suche nach Barrakudaschwaermen, jagenden Thunen oder Koenigsmakrelen.





    In Krabi bieten mehrere Veranstalter Tages- und Mehrtagestouren mit diesen Booten an. Wer zufaellig auf Khun (Herr) Nongyan stoesst - sein Spitzname ´Taovorn´ bedeutet der ‚Zuverlaessige´ – kann sich ihm bedenkenlos anvertrauen. Er betreibt sein Geschaeft seit Jahren und kennt die Inselwelt und die Fischgruende wie seine Westentasche. In Krabi geniesst er den Ruf eines Fischprofessors; und nicht selten folgen ihm andere Boote, um von seinem Spuersinn zu profitieren.



    Die Tagestour fuehrt durch die mangrovenreiche Bucht von Krabi zu einer kleinen, namenlosen Nachbarinsel von Chicken Island. Dort wird mit Grundblei und ganzen Tintenfischen an 2.5 bis 3 Meter langen Vorfaechern auf Monkfisch geangelt, ein ausdauernder und starker Kaempfer. Bei der Ausfahrt wird geschleppt; Barrakudas und Koenigsmakrelen sind die haeufigsten Faenge. Wenn man auf der Rueckfahrt einen Barrakudaschwarm erwischt, geht es Schlag auf Schlag. Innerhalb einer Stunde liegen oft mehr als zehn gierige Raeuber an Deck.



    Die Zweitagestour ist fuer Farangs (Auslaender) ein besonderes Abenteuer. Die Fahrt geht ueber Chicken Island - Angeln auf Monk - Koh (Insel) Jawasa, Yung und Mai Phai oder Bamboo Island mit Gelegenheit zum Schnorcheln



    – noch fast das Beste, was Thailand in dieser Hinsicht zu bieten hat; also Brille und Flossen nicht vergessen! - nach Koh Phee Phee, jener traumhaft schoen gelegenen Insel, die der Tourismus leider in wenigen Jahren ueberrannt und entstellt hat. Fuer die Nacht kann man einen Bungalow ordern oder am Strand oder im Boot uebernachten, wenn man in Erwartung eines Segelfisches ueberhaupt schlafen kann.



    Das ´Sailfish-Aquarium´ liegt etwa zwei Bootsstunden von Koh Phee Phee entfernt, an einer Stelle suedwestlich von Koh Ma. Die hin und wieder von einem Rudel Delphine begleitete Fahrt unterbricht Kuhn Taovorn mitten auf offener See, um in Windeseile mit der Handangel und einem Fliegenpaternoster eine bestimmte, uns unbekannte Art kleiner gelber Fische als lebende Koeder fuer die Segelfische zu fangen. Die Haelterung stellt kein Problem dar. Taovorn zieht einfach einen Stoepsel aus dem Deck, durch das Loch laeuft staendig Meerwasser in eine Holzkiste, und die Koederfische bleiben so den ganzen Tag quicklebendig.



    Eine Viertelstunde spaeter ist es dann soweit. Taovorn deutet mit der Hand auf die See und kann bei unserem Ausruf: "Sailfish!" ein Laecheln nicht unterdruecken. Er stoppt das Boot und die Koeder gehen ueber Bord. Der Rest ist Nervensache. Schon nach einer knappen Stunde sehen wir eine maechtige, dunkle Rueckenflosse immer engere Kreise um eine der Styroporposen ziehen. Alle fiebern dem Biss entgegen. Taovorn gibt das vereinbarte Zeichen. Anschlag! Dann geht die Post ab. Ein maechtiger Schwall, die Rute biegt sich, die Rolle singt und, ehe wir uns besinnen koennen, sind gut hundert Meter Schnur abgezogen. Jetzt beginnt ein unvergesslicher Kampf an leichtem Geschirr. Nachdem die erste Flucht gestoppt ist, wechselt der Fisch die Taktik: rasend schnell schiesst er auf unser Boot zu, wendet, um mit gewaltigen Luftspruengen erneut zu fluechten. Nach einer Dreiviertelstunde harten Drills gibt er scheinbar auf, kurz vor der Landung jedoch ein letzter, kraftvoller Sprung, um den laestigen Haken aus dem Schwert zu schuetteln; aber er hat verloren.



    Taovorn schaetzt unseren ersten thailaendischen Sailfish auf gut 30 Kilogramm. Wir waren allerdings mehr von der Schoenheit seines blaugrau glitzernden Leibes als von seinem Gewicht beeindruckt. Im Laufe des Tages hakten wir noch drei weitere elegante Kaempfer, der groesste wog an die 40 Kilogramm, ging aber verloren. Das erspart das muehsame ´Ausklinken´ des Fisches vom Haken, denn unsere Sails erhalten in der Regel ihre Freiheit zurueck.



    Den Hoehepunkt - neben dem Naturschauspiel, staendig springende und vorbeiziehende "Sails" erleben zu koennen - bot uns ein Thai, der mit einer Handschnur den Segelfischen auf die Schuppen rueckte. Schon bei der ersten Flucht schoss ihm die komplette Leine, an deren Ende ein Plastikkanister befestigt war, durch die Haende. Notgedrungen warf er ihn ueber Bord, zog im Eiltempo den Anker ein, startete den Motor und jagte dem weithin sichtbaren Kanister hinterher. Das Spiel wiederholte sich mehrmals, bis er den erschoepften Fisch in sein Boot ziehen konnte. Auf nach Thailand, wenn Sie sich wie "der alte Mann und das Meer" fuehlen wollen!

    Angelsaison ist von November bis April, die Touren kosten 1.500 Baht bis 2.000 Baht pro Tag, 500 Baht je Tag werden nicht selten erstattet, wenn kein Fisch gefangen wird oder kein Sailfisch anbeisst.





    Die Ao Nang Beach, etwa 17 Kilometer suedwestlich von Krabi, bietet weitere ausgezeichnete Moeglichkeiten zum Long-Tail-Fischen. Khun Eed Amata von den Three Brothers, einem kleinen Fischrestaurant an der Schotterpiste nach Krabi, ist Fischer von Kindheit an, ein Huene unter den Thais, der, wie so oft bei baerenstarken Maennern, ein wenig zurueckhaltend wirkt. Wer sein Vertrauen gewinnt, kann sich auf spannende Ausfahrten gefasst machen. Mit dem Meer geht er kein Risiko ein; er prueft sehr frueh am Morgen die See - und wenn er Nein sagt, helfen weder Geld noch Ueberredungskuenste.



    Man kann Tages-, Frueh- oder Spaettouren vereinbaren. Der Preis ist Verhandlungssache, Eed Amata verzichtet auf sein Geld, wenn man nichts faengt. Wer jedoch fair ist, zahlt Sprit, Leihgebuehr fuer das Geraet und einen angemessenen Beitrag fuer die Arbeit. Khun Eed Amata ist Spezialist fuer das Schleppangeln, unermuedlich durchkaemmt er das Meer und jagt den Fisch. Ist kein Fang an Bord, spielt die vereinbarte Zeit keine Rolle. Dieser Fischer gibt nicht auf.



    Wer mit Khun Taovorn den Sueden der Bucht von Krabi erkundet hat, hat jetzt die Chance, in den Norden bis weit in die phantastische Phang-Nga-Bucht vorzustossen. Starke Thune, grosse Makrelen und gefraessige Barrakudas sind der Lohn fuer schweisstreibende Angeltage. Khun Eed Amata wuchtet sie locker mit dem Schwanzgriff ins Boot.



    Selbstverstaendlich werden Sie abends bei den Three Brothers zum Essen eingeladen, denn Eed Amata laesst es sich nicht nehmen, Ihnen sein Spezialgericht zu servieren: Barrakuda in Thaicurry. Spaetestens jetzt ueberlegen Sie ernsthaft, ob man den Segelfischen einfach so den Ruecken zukehren soll oder ob der Abschied aus diesem gastfreundschaftlichen Land nicht noch um eine Woche hinausgezoegert werden kann.



    Wenn Sie den Empfehlungen nicht folgen, noch einige Hinweise: Auch unter den Thais gibt es Schlepper und Nepper, die fuer einen schnellen Baht den angelnden Touristen an der Nase herumfuehren. Gute Fischer haben ihr eigenes Boot; wer Sie mit einem Mietboot koedert, jagt Sie nur ziellos ueber die See, verfaehrt den Sprit und die vereinbarte Zeit, sonst erleben Sie nichts ausser Sonne und Landschaft – aber Nichtanglern genuegt das.



    Freundlichkeit und Zigaretten sind die besten Begleiter im Umgang mit den Thais. Grundsaetzlich sollte man nicht kleinlich sein; groesszuegiges Verhalten, weniger in Geld als in praktischen Geschenken, zahlt sich so sehr aus, dass man Jahr fuer Jahr gern gesehen wird. Die Thais vergessen kein Gesicht. Wenn Sie einem guten Fischer nach einer erfolgreichen Ausfahrt einen Schleppkoeder, einen Tiefenwobbler oder sonstiges Zubehoer schenken, gewinnen Sie einen Freund fuers Leben.



    PS:
    Eed Amata haben wir nach einem Jahr nicht wiedergesehen. Er ist den harten Drogen verfallen, das Restaurant wurde verkauft. Eine bittere Realitaet, die wir als Touristen nicht gerne wahrnehmen. In guter Erinnerung haben wir die Geschichte nicht veraendert.



    Wenn Sie fischen wollen, treffen Sie garantiert einen anderen faehigen Bootsfuehrer. Aber seien Sie nicht enttaeuscht: Bei dem ´brutalst´ praktizierten Umweltschutz der Thais laesst auch der Fischreichtum immer mehr nach. Von ´Fisch-Ernten´ ist nicht mehr die Rede!




    Gruss
    Heinz Pollmeier



    Nun, wir bekommen immer wieder einmal Anfragen, wie es heute mit dem Fischen in Thailand bestellt ist; wir koennen keine verlaesslichen Angaben machen, besser ist es aber nicht geworden.

    Das musste auch der Autor folgender Zeilen feststellen, der unsere Warnungen wegwischte:

    http://www.anglerpraxis.de/content/view/502/14/

    Eigentlich schade, dass er an einem "Schappiteich" endet; Kommerz hat die Sportfischerei laengst ueberholt - aber ein guter Angler gibt die Hoffnung nie auf, wie z. B dieser Asphaltfischer, den wir mitten in Bangkok antrafen.




  10. #29
    Avatar von Dieter1

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    Re: Verlorene Paradiese

    Zitat Zitat von HPollmeier",p="645440
    die Bilder muessen von 1980 oder auch ein wenig spaeter sein.
    Und war damals der bald einsetztende Touristenstrom schon am Horizont sichtbar?

  11. #30
    Avatar von HPollmeier

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    Re: Verlorene Paradiese

    Hallo Dieter1,

    absehbar schon, aber die Insel war noch hauptsaechlich von Rucksackreisenden bevoelkert.

    Die ´anspruchsvollen´ Hotels fuer ´Qualitaetstouris´ fehlten noch, auch die Tagesreisen nach Phee Phee waren noch nicht durchorganisiert.

    Ich war 1986/87 noch einmal kurz da, dann aber nie mehr. Die Insel bleibt in guter Erinnerung - mehr auch nicht.

    Gruss
    Heinz

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