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Unsere Auswanderung

Erstellt von Khun Han, 14.06.2007, 09:19 Uhr · 6 Antworten · 3.622 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Khun Han

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    Unsere Auswanderung

    Vielleicht ist es für Manchen interessant oder gar hilfreich, wenn ich hier von unserer (bevorstehenden) Auswanderung berichte, sozusagen live und ganz persönlich.


    Unsere Auswanderung, Teil I, Gründe



    Die Entscheidung, nach Thailand auszuwandern, traf ich in einer schlaflosen Nacht im Frühling letzten Jahres. Sie fiel als Doppelentscheidung. Die Überlegung, unsere Enkel- und Pflegetochter ihrer Mutter zurückgeben, führte zu einer Reihe von Gründen dafür, sobald wie möglich unser Haus zu verkaufen und nach Thailand umzuziehen.

    Vor drei Jahren hätte ich ein solches Ansinnen noch abgelehnt. Als Altenpfleger hatte ich einen anscheinend sicheren Beruf. Wir besitzen ein eigenes Reihenhaus mit einem 1000 qm großen Grundstück in ruhiger Lage, angrenzend an einen Wald und ein Naturschutzgebiet. Neben der Rasenfläche und dem Gemüsegarten, den meine Frau Deng mit Hingabe pflegt, habe ich einen Japangarten angelegt, den ich teilweise mit einer Mauer umgeben habe. Man betritt diesen durch ein Bambustor, geht über Trittsteine am Koiteich vobei zu einem Nebengebäude mit 50 qm Wohnfläche und angebautem Teehaus.



    Ich hatte viel Geld und Zeit investiert. Viele Stunden verbrachte ich bei meditativer Musik und dem Duft von Räucherstäbchen mit dem Lesen von Zenbüchern. Der Wert des Gartens für unsere körperliche und seelische Gesundheit kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Dennoch wurde mir bewußt, dass ich eines Tages alles zurücklassen muß. Zudem würde ich immer wieder investieren müssen und die Arbeit, vor allem das Rasenmähen, würde mir immer schwerer fallen.




    Kurz vor der Entscheidung hatte ich im Haus neue Fenster einbauen, beide Heizöltanks auffüllen und einen Nachtstromzähler installieren lassen. Für eine alte Dame hatte ich eine Betreungsfunktion übernommen. Doch gerade die hohen Kosten für Strom und Wasser, für die absehbaren Instandhaltungen des Hauses und für Versicherungen und das Auto machten mir die finanzielle Situation bewußt. Das Einkommen als Alleinverdiener reichte hinten und vorne nicht. Wir gaben jeden Monat mehr aus als hereinkam. Nach dem Tod meiner Mutter, die wir bei uns gepflegt hatten, fehlten ihre Rente und das Pflegegeld. Wir hatten beide ein angenehmes Leben geführt, uns nie ums Sparen gekümmert. Auch wenn wir jetzt versuchten zu sparen, alles wurde immer teurer und wir würden uns in Zukunft große Wünsche oder einen Urlaub nicht mehr leisten können. Das Dach müßte neu gedeckt und ioliert werden, das Garagentor erneuert werden und am Auto dürfte nichts passieren. Und Darlehen waren auch noch zurückzuzahlen.

    Die Arbeit im ambulanten Pflegedienst machte mir zwar Freude, aber ich konnte mir nicht vorstellen, bis 65 die Tätigkeit weiterzuführen. Ich fühlte mich gesund, doch die körperliche und geistige Belastung würde größer werden. Ständige Neuerungen, wechselnde Dienstleitungen, zunehmender Arbeitsdruck, Dienst am Wochenende und am Abend wollte ich nicht länger mitmachen. Und ich sah wie alte Menschen lebten und starben, freudlos, einsam, in zugemüllten Wohnungen. Ich mußte an mein eigenes Leben im Alter denken und das meiner Frau. Wer von uns beiden übrigbleibt, würde es schwer haben. Wir konnten nicht hoffen, von jemand betreut zu werden. Deng wäre in schriftlichen und behördlichen Belangen hilflos. Jetzt war der Zeitpunkt, alles loszulassen und einen Neuanfang zu wagen. Das Haus müßte irgendwann sowieso verkauft werden. Man kann nichts mitnehmen. Lieber jetzt, da wir uns noch jung und gesund fühlen, die Kraft für einen Neuanfang daist und mir das Erlernen der thailändischen Sprache noch leichter fällt, ein neues Leben in Thailand beginnen! Der Erlös vom Hausverkauf würde uns die Jahre bis zum Bezug der Renten überbrücken lassen und wir könnten uns sogar etwas Eigenes leisten. Unsere beiden Renten zusammen würden uns in Thailand genügen, im Gegesatz zu Deutschland. Beim Sohn meiner Frau wären wir versorgt. Wir hatten viel Schönes erlebt und gehabt, Urlaube, der Garten, Hobbies. Jetzt könnte ich mich anderen Dingen zuwenden, Bücher schreiben, Tuschemalen.

    Das Leben mit der pubertierenden Enkeltochter war zur Qual geworden. Eigentlich war ihr Halbjahreszeugnis der Ausschlag zu diesen Überlegungen. Sie würde das Gymnasium wieder verlassen und eine andere Schule besuchen müssen. Veränderungen standen sowieso bevor. Sie muß nun ihre Lektionen auf eine härtere Weise lernen.

    In Deutschland zu leben hatte den Reiz verloren. Die bevorstehende Mehrwertsteuererhöhung, Energiepaß fürs Haus, der Anteil junger Ausländer im Straßenbild, Trennungen von Ehen im Bekanntenbereich – ich hatte den Eindruck, alles würde sich auflösen und verschlechtern. Der lange, kalte Winter gab mir den Rest. Zwei große Kois waren eingegangen, obwohl ich den Teich beheizt und abgedeckt hatte.

    Bereits zweimal, im Alter von 20 und 22 Jahren, war ich nach Indien geflogen, ohne die Absicht, Deutschland oder meine Familie je wiederzusehen. Ich habe hier keine Wurzeln. Auch meine Eltern sprachen als Heimatvertriebene immer von ihrem Daheim in Donauschwaben. Nun war meine demente Mutter gestorben. Die Beziehung zu meinen beiden Brüdern ist gut, aber nicht eng. Bisher hatte wir für Andere gelebt. Ich hatte meinen Beitrag für die Gesellschaft geleistet. Jetzt konnten wir unser Leben führen.




    Das waren meine Gedanken in dieser Frühlingsnacht. Noch eine andere Überlegung war auschlaggebend. Ich würde mehr Zeit und eine bessere Umgebung haben, um mich auf das Wesentliche des Lebens, seinen Sinn zu konzentrieren. Zu erfahren, was ich seit meiner Kindheit suche: die Wahrheit, Erleuchtung, Erlösung. Ich glaube, dass es ein Erwachen gibt, eine Befreiung aus diesem Netz von egogeschaffenen Gedanken und Gefühlen, das uns nur Leiden bringt - so wie es Buddha und Jesus erfahren haben. Die Vorstellung, alles loszulassen, vielleicht eine Zeit lang als buddhistischer Mönch zu leben, nur eine Robe und eine Bettelschale zu besitzen, war sehr anziehend. Mein mit unnützen Dingen vollgestopftes Haus war mir zu eng geworden. Ich wollte aufräumen, Ordnung schaffen und wie ein indischer Familienvater den Hausstand übergeben und mich dem spirituellen Leben hingeben. Auch der Gedanke vom Prophet in seiner Heimatstadt kam dazu.

    Mir war bewußt, dass ich in Thailand ein Ausländer sein würde. Keiner kann in die Zukunft schauen. Aber ich hatte die Hoffnung, mich unseren Bedürfnissen entsprechend einrichten zu können und mit dem Erlös vom Hausverkauf und der späteren Rente ein sorgenfreies Leben führen zu können. Zuerst würden wir für 2-3 Wochen runterfliegen und in Bangkok ein Haus kaufen, dann unser Haus ausräumen und den Container beladen. Pok, Deng´s Sohn, würde uns bei allem helfen und auch bei uns wohnen.
    Mein Entschluß stand fest.

  2.  
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  3. #2
    Avatar von Khun Han

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    Re: Unsere Auswanderung

    Es freut mich, dass der Bericht Anklang findet und bedanke mich für das Interesse. Wer Fragen hat oder mit mir in Kontakt treten möchte, kann dies ja über PN tun. Jedenfalls würde ich sehr gerne die Expats kennen lernen. Wenn sie meine Beiträge gelesen haben, kennen sie uns ja schon.


    Unsere Auswanderung, Teil II, Erste Vorbereitung


    Am Morgen nach dieser Nacht besprach ich die beiden Entscheidungen mit meiner Frau Deng. Die zahlreichen Beweggründe leuchteten ihr ein. Sie litt gleichfalls unter der Lieblosigkeit und Zickigkeit der Enkeltochter. Unsere Herzen waren gebrochen. Deng klagt oft selbst, dass es in Deutschland nicht mehr so schön wie früher sei. Seit der Euroeinführung ärgert sie sich immer wieder über die gestiegenen Preise. Es klingt seltsam, wenn sie sagt, es seien zuviele Ausländer hier und wenn sie die Regierung wäre, würde sie sie zurückschicken. Das hat nichts mit Ausländerfeindlichkeit zu tun. Unsere Bekannten – viele sind ehemalige Arbeitskollegen - kommen u.a. aus Italien, Griechenland, Vietnam und der Türkei. Ich grüße einige in der Stadt mit „Merhabah“. Mein Vater wurde manchmal für einen Türken gehalten, weil er sich stets bemühte, die Sprache seiner Arbeitskollegen zu lernen. Außerdem konnte er Ungarisch, Serbisch und Russisch und war zum Dolmetscher bestellt. Heute gehören arbeitslose junge Menschen aus den Sowjetstaaten zum Straßenbild und Vandalismus ist zum Problem in unserer Kleinstadt geworden. Es ist nur ein Aspekt unter anderen, der macht, dass sie sich unwohl fühlt. Die heutige Mode sagt ihr nicht zu und die Musik ist nur Krach und Geschrei. Naja, früher war selbst die Zukunft noch besser.

    Dennoch würde sie, wenn wir das nötige Geld hätten, lieber in Deutschland bleiben. In Thailand, das sie vor 32 Jahren verließ, ist sie nicht nur mit ihrem deutschen Paß eine halbe Ausländerin. Sie hat vieles von der deutschen Mentalität angenommen. Und die Nähe zu ihren Brüdern, ihren Eltern und Verwandten könnte einige Probleme bereiten. Ihre Mutter war pflegebedürftig und wir hätten sie wohl mitversorgen müssen. Trotzdem war und ist sie bereit, mir zu folgen. Wir vertrauen dabei ihrem Sohn Pok, dem Vater unserer Enkelin, der ab seinem 16. Lebensjahr 7 Jahre lang bei uns war und nun bei der LTU ein geregeltes, wenn auch bescheidenes Einkommen hat. Er betont immer, dass wir auf jeden Fall bei ihm leben können, auch wenn wir nur mit Koffern kommen.

    So gingen wir also daran, unsere Pläne bekanntzumachen. Alle, die wir vor die Tatsache stellten, waren überascht oder geschockt. Manche beneideten unseren Mut, wünschten uns Glück oder würden auch gern mitgehen. Viele, vor allem meine Kunden im ambulanten Dienst (Nur der Dame, für die ich die Betreung übernommen hatte, verschwieg ich es. Ich befürchtete, sie würde zusammenbrechen.) und die Nachbarn bedauerten es. Wir rechneten mit einem baldigen Vollzug unseres Vorhabens. Keinen einzigen Tag kamen mir Bedenken. Dennoch fragte ich mich zu Beginn, ob es in Wirklichkeit nur eine Flucht sei. Aber wenn ich mir alle Gründe vor Augen hielt, spürte ich im Innern, dass eben jetzt die Zeit für einen Neubeginn oder ein Weiterschreiten dawar, v.a. in spiritueller Hinsicht. Und wer es nicht wagt, macht sich vielleicht später Vorwürfe.

    Zunächst machten wir der Enkelin die Situation klar. Deng bot ihr an, sie mitzunehmen, was sie aber ablehnte. Jedenfalls konnten wir sie, ihre Mutter und die Lehrer davon überzeugen, dass wir sie nicht verstoßen. Seit September letzten Jahres lebt sie nun bei ihrer thailändischen Mutter und dem deutschen Stiefvater, teilt sich mit ihren beiden jüngeren Geschwistern ein Zimmer und muß auch sonst auf manches verzichten. Sie besucht die Realschule und hat ebenso dort ihre Schwierigkeiten. Ihr Dorf ist eine halbe Autostunde entfernt und in den Ferien und häufig an Wochenden holen wir sie zu uns, wo sie dann ihre Freiheiten, gutes Esen und die DSL-Flatrate genießen kann und uns mit ihrem Musikgeschmack nerven kann. Nein, um es vorweg zu nehmen, sie hat sich sehr geändert. Sie sagt selbst, dass sie jetzt weiß, wie gut sie es bei uns hatte und wie sehr sie uns liebt. Eigentlich ist sie unsere Tochter. Wenn mit dem Hausverkauf alles klappt und wir im August für 2 Wochen runterfliegen, darf sie mitkommen. Nach Beendigung ihrer Schul- und Berufsausbildung kann sie bei uns leben.




    Wir gingen daran, einen Käufer für das Haus zu finden. Dreien unserer Nachbarn gaben wir die Gelegenheit, sich selbst neue Nachbarn zu suchen. Dann beauftragten wir den Makler unserer Hausbank. Doch es erwies sich als schwierig einen Liebhaber für Haus und Garten zu finden. Wer ein Reihenhaus sucht, legt keinen Wert auf einen großen Garten, der sich auf den Kaufpreis niederschlägt. Und wer ein großes Grundstück sucht, möchte darauf ein freistehendes Haus haben. Anfangs waren unsere Nachbarn, Fam.W. denen wir vor 10 Jahren das meiner Mutter gehörende, angebaute Hausteil verkauft hatten, bereit, dieses mitzuveräußern. So hätte die Bank alles erwerben und auf dem Grundstück selbst Bebäude errichten können. Dazu waren Pläne und Berechnungen notwendig und der Aufsichtsrat mußte entscheiden. Unsere, das heißt vor allem meine Geduld wurden auf die Probe gestellt. Immer wieder rief ich an, schwankte zwischen Hoffnung und Entäuschung. Schließlich wurde uns mitgeteilt, dass es der Bank zu teuer kommen würde. Nach einen halben Jahr beauftragte ich einen anderen Makler, der uns versprach in 3 Monaten einen Käufer zu finden. Das Problem blieb das große Grundstück. Nur wenn es eine Zufahrt geben würde, könnte der Garten als Baugrundstück verkauft werden. Aber über das Grundstück der W´s hatte ich nur ein Geh-, doch kein Wegerecht, und sie waren nunmehr weder bereit, ihr Haus mitzuverkaufen, noch etwa 20 qm für eine Zufahrt abzutreten.

    Gleichzeitig mit der Käufersuche hatte ich begonnen, mich über die Bedingungen für eine Auswanderung zu informieren. Ich erfuhr, dass Thailand kein Einwanderungsland ist. Auf der Suche nach Informationen bin ich auf dieses Forum gestoßen, wo ich mich sehr wohlfühle. Alles schien zu passen, die Bedingungen für das Visum konnten wir erfüllen, mit 63 hätte ich nach der damaligen Rechtslage in Rente gehen können. In Gedanken war und bin ich jeden Tag in Thailand. Der Putsch änderte nichts. Deng stellte Überlegungen an, wie wir ein paar Bath dazuverdienen können: ich könnte Pok´s Freunden Deutschuntericht geben, sie könnte in ein kleines Geschäft investieren oder deutsches Essen anbieten.

    Im verregneten, kalten August kam Pok zu Besuch. Wir hatten ihn ohne Probleme zusammen mit 6 seiner Freunde einladen können. Er kam dann doch allein und brachte Bilder und Prospekte von Häusern mit. Doch wir müssen alles selbst sehen und vor Ort entscheiden.

    So verging fast ein Jahr. Wenigsten war der Winter mild. Im Februar verstarb meine Schwiegermutter. Ich habe in anderen Postings davon berichtet. Deng war nicht begeistert von der Hitze, den Schlangen und Moskitos und dem Verhalten ihrer Verwandten. Bei uns war es kalt, als sie zurückkehrte, zum Teil lag Schnee, was sie aber nicht davon abhielt, den Garten umzugraben. „Ich kann in Thailand nicht ohne Gras leben!“ sind ihre Worte. Sie meint damit einen Garten, Orchideen und Kaktusse.




    Unser Garten hier wird unter Umständen plattgemacht. Aber solange nichts entschieden ist, pflegt sie ihren Gemüsegarten weiter und ich lasse die Japanelemente so stehen. Und wir fangen auch nicht damit an, unser Haus auszuräumen. Das ist sowieso das, wovor mir am meisten graut.




    Ich sagte mir immer wieder, dass alles seinen Sinn hat, auch dass wir so lange auf unsere Abreise warten müssen. Seelisch ging es mir trotz allem gut. Es freut mich, wenn im Forum über Gott, Glück oder Buddhismus diskutiert wird. Ich ziehe es aber vor, mich nicht dabei zu beteiligen. Der letzte Urgrund muß erfahren und nicht zerredet werden. In meiner spirituellen Praxis folge ich keiner Lehre, nehme keine vorgeschriebene Haltung ein. Viele Pfade bin ich gegangen. Ich glaube an eine Religion hinter allen Religionen. Wenn ich heute im Internet nach den Personen suche, die ich vor über 30 Jahren in Indien und Japan kennen gelernt habe, bin ich selbst erstaunt: Sai Baba, Yogi Ramsuratkumar, Goenka, Omori Sogen, Pater Lasalle. Nach meiner Rückkehr ging ich den Inneren Weg im Universellen Leben, der freien, weltweiten, urchristlichen Gemeinschaft mit Gaby, der Prophetin als Schwester unter Geschwistern. Ihr Wort: „Was ist Wahrheit? - Die gelebte Gegenwart Gottes.“ ist mir Richtschnur. Eine Zeitlang leitete ich eine Innere Kirche in Kempten. Doch es gibt im UL keine Ämter, keine Sakramente und keine Mitgliedschaft. Ich war frei zu gehen und wandte mich wieder dem Zen zu. Ich fühlte mich im Taoismus daheim und übte auch kurze Zeit Falun Gong. Dann stieß ich letztes Jahr auf das Buch von Eckhart Tolle „Jetzt! Die Kraft der Gegenwart“. Und kam durch ihn zum „Ein Kurs in Wundern“. Wer will kann ja danach googeln. Jedenfalls suche ich Erleuchtung nicht mehr außerhalb von mir und nicht mehr in der Zukunft. Im Augenblick, wenn ich meinen Atem beachte, habe ich alles, was ich zum Leben brauche. Eines Tages überkam mich die Empfindung: Ich bin der glücklichste Mensch der Welt! Es gibt keinen Anlass dafür. Ich erwarte nur nicht, dass mich Etwas oder Irgendjemand in Zukunft noch glücklicher macht. Und ich blicke nicht zurück und bedauere nichts. Solange ich nicht in einen anderen Menschen hineinschauen kann, darf ich mich für den Glücklichsten halten. (Nur an meiner Überheblichkeit muß ich noch arbeiten.) Ich kann mit einem Lächeln durchs Leben gehen. Und mir fiel auf, wie verbissen viele meiner Mitmenschen sind. Diese Erkenntnisse teilte ich auch meiner neuen Pflegedienstleiterin bei einem Mitarbeitergespräch unter vier Augen mit, zusammen mit der Bemerkung, wie herzlos ich die Atmosphäre in der Sozialstation empfand und wie seltsam und unpersönlich ihre Vorstellung war. Ihr blieb zwar das Gesicht stehen, aber erst als mir ein unbedachtes Wort über eine Kollegin entfuhr, meinte sie, ich sei unverschämt. Eine Woche nach Ostern, gleich nach Ablauf des Kündigungschutzes wegen meiner MAV-Mitgliedschaft, wurde ein Versehen zum Anlass genommen, mir mitzuteilen, dass eine Fortführung des Dienstverhältnisses keinen Sinn mehr machen würde. Man bot mir eine Abfindung an und die Weiterzahlung des Gehalts für 2 Monate.
    So war ich nach fast 12 Jahren bei der Sozialstation und 3 Jahren Ausbildung in einem Altersheim des gleichen Ordens, wenige Tage vor meinem 55. Geburtstag arbeitslos geworden.

  4. #3
    Avatar von Khun Han

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    Re: Unsere Auswanderung

    Unsere Auswanderung, Teil III, Weitere Vorbereitung


    Eigentlich hatte mir nichts Besseres passieren können. Bei einer Eigenkündigung hätte ich evtl. 5 Monate Kündigungsfrist einhalten müssen. So bekam ich noch Geld dazu. Die Höhe der Abfindung konnte ich fast auf das Doppelte der angebotenen Summe aushandeln. Ich genoß jeden Tag in diesem sommerlichen April. Ich fühlte mich frei, konnte ausschlafen solange ich wolte. Und ich verspürte keinen Groll gegen irgendjemand. Jetzt mußte nur noch der Hausverkauf klappen. Zwar meldete ich mich arbeitslos – schon um den Anspruch auf Arbeitslosengeld aufrechtzuhalten, falls ich innerhalb der nächsten 3 Jahre doch zurückkehren müßte - , aber ich sagte dem Job Center gleich, dass ich nicht beabsichtige, wieder zu arbeiten oder Arbeitslosengeld zu beziehen.

    Es hatte sich kurz zuvor eine Möglichkeit ergeben, das Haus und das Grundstück getrennt zu verkaufen. Ein Nachbar, der auch mein Kollege bei der Sozialstation war und den ich schon von Kindheit an kenne, war bereit, sein Gartengrundstück ebenfalls zu verkaufen und an seinem Haus vorbei eine Zufahr zu schaffen. Weiterhin gab es Anzeichen, dass irgendwann die Stadt einen Weg von der Seite des Naturschutzgebietes erstellen wird. Der Makler hatte schon Pläne, auf den beiden Grundstücken 2 Häuser zu errichten. Wieder Hoffnung, wieder Entäuschung. Bei den geforderten Preisen und den notwendigen Abrissen und Leitungslegungen würde der Makler zu wenig verdienen. Aber er brachte einen Käufer für das Haus. Nächste Woche wird beim Notar der Kaufvertrag unterschrieben. Das junge Ehepaar mit 2 kleinen Kindern hat zwar Interesse an dem Garten, aber das Geld dafür erst evtl. in 10 Jahren. Vielleicht sind aber deren Eltern bereit, das Grundstück zu kaufen oder eine monatliche Nutzungsentschädigung zu zahlen. Bis zum Verkauf bleibt es eben in meinem Besitz. Ich habe aber die Hoffnung, dass es nach der Abwicklung des Hauskaufes ganz schnell über den Makler seinen Abnehmer findet. Wir wollen nur nicht jetzt die Käufer abschrecken.

    Verkaufen will ich auf jeden Fall. Ich rechne mir aus, dass nach Abzug der Schulden genug für ein Leben in Thailand übrigbleibt, wenn ich das Geld anlege und monatlich über eine feste Summe verfügen kann. Wohnen können wir ja bei Pok. Der hat sich zusammen mit seiner neuen Freundin, die ebenfalls am Flughafen arbeitet, im März ein Reihenhaus gekauft, an dem er allerdings noch 30 Jahre lang abzuzahlen hat. Es liegt zwar abgelegen in einem Moo Ban in Chacheongsao, ist aber dafür nicht so weit von ihrem Arbeitsplatz. Wir könnten sogar auf dem angrenzenden Land ein Haus an seins anbauen. Oder wir mieten zusammen ein anderes und vermieten seines. Im August wollen wir uns alles anschauen.

    Ich habe mir eine Liste erstellt über all das, was zu erledigen ist, was ich kündigen oder abmelden muß. Zuerst habe ich meine Abos gekündigt. Die Zeitung brauche ich nicht mehr, ich muß nicht mehr die Todesanzeigen und Stadtberichte lesen, um Gesprächsstoff bei meinen Kunden zu haben. Mitgliedschaften bei ACE, Malteser und Gewerkschaft werde ich demnächst kündigen. Daueraufträge sind storniert. Ich war beim Zahnarzt. Deng läuft lieber mit Lücke rum und möchte sich ihre Zähne in Thailand richten lassen. Gemeinsam waren wir beim Augenarzt (bei mir ließ ich den Innendruck messen), haben unser Blut untersuchen (bei ihr optimale Werte, bei mir in annehmbaren Bereich) und uns gegen Tetanus, Diphteri, Polio und Hepatitis impfen lassen. Die 3. A/B-Combi-Injektion werden wir uns in einem halben Jahr in Thailand geben lassen. Der Arzt wird uns wohl die Spritzen mitgeben, wobei die Kühlkette nicht unterbrochen werden darf. Noch sind wir gesetzlich krankenversichert. Die Zeit bis zu unserem „Urlaub“, also dem zweiwöchigen Aufenthalt, ab dem wir für ein Jahr bei der DKV abschließen wollen, um danach eine thailändische Krankenversicherung zu suchen, muß ich aus eigener Tasche bei der AOK überbrücken. Mein Bruder und ein Freund, der auch mit einer Thai (mit Deng verwandt), verheiratet ist, bekommen Bankvollmacht und nehmen meine Post an. Das Familiengrab pflegt Dengs Schwester. Mein Autohaus ist so nett, mir den Golf abzunehmen und mir bis zur Abreise einen Leihwagen zu geben. Dengs Lebensversicherung und meine private Rentenversicherung lassen wir uns vorzeitig auszahlen. Das Geld lege ich voraussichtlich bei der Hausbank an und überweise von da an die DKB oder die Postbank. Da habe ich mich noch nicht entschieden. Wasser, Strom, Telekom, 1&1, GEZ und Versicherungen werden gekündigt, wenn die Abmeldung gemacht ist. Den Zeitpunkt bestimmt das One-Way-Ticket, die Flüge buchen wir erst nach der Unterschrift beim Notar. Laut Kaufvertrag muß es vor dem 1. Oktober sein.

    Eigentlich sollten wir jubeln, dass unser Traum endlich in Erfüllung geht. Aber seltsamerweise stellen sich keine Hochgefühle ein. Alles geht seinen ruhigen Gang. Deng ist weiter mit ihrem Garten beschäftigt. Bis vor kurzem hat sie noch Kräuterpflanzen und Kakteen gekauft, sich Orchideensetzlinge aus Thailand mitbringen lassen. Ich denke nicht, dass dies ein Ausdruck von unbewußtem Festhalten ist. Sie liebt eben ihre Pflanzen und möchte neben ihren Lieblingskakteen einen Apfel-, einen Birnen- und einen Kirschbaum, Beerensträucher und Erdbeersetzlinge mitnehmen. Notfalls im Koffer. Angebote für den 20 ft Container will ich demnächst über eine Internetfirma einholen.

    Vor ein paar Tagen haben wir mit dem begonnen, was ich am meisten fürchte, nämlich das Haus leerzuräumen, d.h. zu trennen, was wir mitnehmen, was wir bei einem Garagenflohmarkt verkaufen und was wir wegwerfen. Nicht weil ich nicht loslassen will. Im Gegenteil. Küche, 6 Zimmer, Dachboden, 3 Kellerräume, 2 Stallräume und das Nebengebäude, viele Schränke, Regale und Schubladen sind voll mit Dingen, die sich in 30 Jahren angesammelt haben. Dies bedeutet nicht nur eine logistische Herausforderung, sondern auch schwere körperliche Arbeit. Und Streit. Denn Deng würde am liebsten alles mitnehemen. Von der Einrichtung kommt nur ein Esstisch und meine Zimmermöbel mit. Sonst stehen auf meiner Liste nur der PC, einige Bücher, CDs und meine Sammlung an Japansachen. Aber mit den Haushaltswaren könnten wir 3 Restaurants ausstatten. Alles ist mehrfach vorhanden. Allein an Trinkgläsern hat sie bestimmt 200 eingepackt Wenn ich frage, ob wir soviele Besteckgarnituren, Teller, Pfannen, Reiskocher, Fonduesets wirklich brauchen, kocht sie. „In Thailand ist das teuer. Das gibt es dort nicht. Dort ist das alles minderwertig. Das brauche ich. Das ist doch schön.“ usw. Noch ein paar Zahlen: Von ihren Handtaschen nimmt sie 110 mit. Etwa 250 Plüschtiere – meist aus Automaten gezogen - werden wir an Waisenkinder verschenken. Tambun. Vieles werden ihre Verwandten bekommen. Doch sie will nicht einsehen, dass der Zoll z.B die Angabe jeder einzelnen Gabel verlangt, in Englisch und in dreifacher Ausfertigung. Auch wenn ihr Name in den Papieren steht, geht das über die erlaubte Hausstandsrückführung hinaus. Bei der Abholung werde ich nicht dabei sein. Und fürs Entladen werden wir einen Raum anmieten müssen.
    Na ja, ich werde Euch auf dem Laufenden halten.

  5. #4
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    Re: Unsere Auswanderung

    Bevor wir nun in wenigen Tagen in den Flieger nach Bangkok steigen, überwinde ich mal meine Trägheit und setze den Bericht fort.


    Unsere Auswanderung, Teil IV, Letzte Vorbereitungen

    Es sind schon 5 Wochen her, seit wir die Unterschrift unter den Kaufvertrag für das Haus setzten. Keine Euphorie kam dabei auf, nur das Gefühl, dass eben nun alles seinen Lauf nimmt. Doch seltsam war es schon, als ich am selben Abend die One-way-tickets bestellte (bei LTU, 498 Euro für uns beide), so mit einem Mausklick eine entscheidende Wende im Leben zu besiegeln. Am 27. September werden wir also „Good-by Deutschland“ sagen. Deng hört das nicht gerne, sie läßt das Land nicht beleidigen, das ihr zur Heimat eworden ist.

    Am anderen Tag meldete ich mich auf der Gemeinde ab. Die Abmeldebestätigung brauche ich bei vielen Vertragskündigungen. Polizeiliche Führungszeugnisse und den internationalen Führerschein habe ich für alle Fälle auch gleich beantragt. Für Letzteren mußte ich mir zuerst noch den Euroführerschein ausstellen lassen. Manche Kündigungen gingen reibungslos vonstatten, z.B. Unfall- und Rechtschutzversicherungen, ACE, SKL, Malteser und Gewerkschaft, Telecom und T-online. Manchmal mußte ich eben die Abmeldebestätigung nachreichen. Die GEZ wollte wissen, ob der Auslandsaufenthalt von Dauer ist und der Haushalt vollständig aufgelöst wird und was mit den Geräten passiert. 1&1 ist nur aus Kulanz zu einer vorzeitigen Kündigung bereit und verlangt eine Bescheinigung mit Firmenstempel des Arbeitgebers, dass ich aus beruflichen Gründen ins Ausland umziehen muß, oder alternativ die Auslandsabmeldebescheinigung des Einwohnermeldeamtes sowie eine Abmeldebestätigung der Telecom. Ich warte noch auf Bescheid.

    Schon Tage vor dem Hausverkauf hatten wir begonnen, die Zimmer und Schränke, den Dachboden und die Nebengebäude auszuräumen, d.h. zu trennen, was wir wegwerfen, was wir verkaufen und was wir mitnehmen wollen. Es ist wirklich eine Herkulesarbeit, vergleichbar mit dem Ausmisten des Augiusstalles. Vieles wurde gekauft oder aufgehoben, weil man es irgendwann einmal brauchen könnte, vieles noch neu und in Vergessenheit geraten. Deng würde am liebsten alles mitnehmen. Über 40 Katons haben wir schon gepackt und mit Folie umwickelt, unzählige Fahrten zum Wertstoffhof gemacht und ca. 18 Säcke in den Kleidercontainer geworfen. Dengs Schwester ist uns eine große Hilfe, sie bekommt auch vieles geschenkt. Übrigens wird sie Deng das Flugticket für den Deutschlandurlaub in 2 Jahren bezahlen. Ob ich mitkomme, weiß ich noch nicht. Überall stapeln sich Kisten und Flohmarktartikel. Meist räumen wir nur Sachen von einem Eck ins andere. Ach ja, den Umzugscontainer habe ich noch nicht bestellt. Ich bin dabei, Angebote einzuholen. Sie reichen von 5155 Euro, über 4970 zu 3650 Euro.
    Es ist auch ein bischen wie Sterben. Erinnerungstücke aus der Vergangenheit wollen losgelassen werden. Für meinen Biographen sind viele Dokumente unwiederbringlich verloren, so meine Zeichnungen aus dem Kindergarten und der Grundschule. Von meinen Reisen hatte ich jeden Zettel, jede Quittung aufgehoben. Eine Nacht im Malaysia Hotel kostete vor 32 Jahren 78 Bath.

    Unser Auswanderungsplan hat eine entscheidende Änderung erfahren. Doch davon später. Obwohl noch keine Gelder eingegangen sind, sind wir bei der ursprünglichen Planung geblieben, vorab runterzufliegen und die Übersiedlung vorzubereiten. Das Reisebüro unseres Vertrauens hat einige Tage gebraucht, um freie Plätze zu finden. Am 26. Juli fliegen wir von München ab, 905 Euro pro Person mit der Thai. Wir steigen wieder im Asia Hotel ab, 1600 Bath mit Frühstück für 3 Personen. Richtig, 3 Personen, wir nehmen unsere Enkeltochter mit. Wenn wir am 16. August wieder hier sind, ist ein Tag später der Notartermin für den Verkauf des Restgrundstückes. Am 1. September sind alle Gelder auf der Bank. So hat doch alles wie erhofft geklappt.
    In Bangkok werden wir uns neben dem Einrichten des Bankkontos vorallem um die neue Bleibe kümmern. Pok hat ja zusammen mit seiner Freundin eine Doppelhaushälfte in einer Siedlung in Chachoengsao gekauft, ca. 11 km von seiner Arbeitsstelle Subvarnabumi entfernt.




    Wir könnten daran anbauen oder ein anderes Haus für uns in der Siedlung kaufen oder zusammen woanders ein Haus mieten. Laut dem Reiseführer Know-How Bangkok ist Chachoengsao eine der angenehmsten Städte in der Umgebung Bangkoks. Sie liegt am Fluss Bang Bakhong, der an beiden Seiten mit dichter Vegetation bewachsen ist. In ihr befindet sich eines der wichtigsten Heiligtümer der Region, Wat Sathorn. Fahrtzeit mit Zug oder Bus von Bangkok ist 1,5 Stunden.




    Ein weiterer wichtiger Punkt bei unserem Probeauswandern ist der Besuch der deutschen Schule in Bangkok. Zunächst wollten wir unsere Enkelin nur in den Urlaub mitnehmen. Doch nachdem sie erklärte, sie könne es bei ihrer Mutter nicht mehr aushalten, und es wiederholt zu Handgreiflichkeiten gekommen ist, haben wir beschlossen, sie bei uns leben zu lassen. Ich denke, dies ist schon seit längerem ihr Wunsch gewesen. Das bringt natürlich unsere Pläne ziemlich durcheinander, vor allem in finanzieller Hinsicht. Denn die Schule ist bekanntermaßen sehr teuer: 150 000 Bath Einschreibegebühr, 10 000 pro Jahr Elternclub, Schulbus 30 000 pro Semester, Schulgebühr 194 000 pro Semester und 200 000 wiedererstattbare Kosten fürs Gelände. Ich bin schon mit dem Direktor in Verbindung getreten und wir hoffen auf eine Reduzierung der Gebühren.
    2 oder 3 Tage wollen wir auch nach Chiang Mai, hin mit dem Zug, zurück per Flugzeug. Wir wollen uns nach Möbeln umschauen und unseren Schwager besuchen, der ja seit einigen Jahren dort lebt.

    Soweit in Kürze der Stand der Dinge. Nach unserer Rückkehr werde ich weiter berichten.

  6. #5
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    Re: Unsere Auswanderung

    Einige Ergänzungen möchte ich noch nachreichen.

    Thema Krankenversicherung. Ab dem 26. Juli, dem Abflugtag zum Probeauswandern, sind wir bei der DKV krankenversichert, Tarif AVL, Kosten monatlich für mich 40,60 Euro, für Deng 74,20. Damit sind wir auch versichert, wenn wir uns danach wieder in Deutschland aufhalten. Der Vertrag ist auf ein Jahr geschlossen, evtl. aber vorher kündbar, sobald wir bei einer thailändischen Versicherung abschließen. Wir werden uns nach einer Lebensversicherung mit Krankenversicherung umsehen. Im Moment sind wir gar nicht versichert. Die AOK wollte unter Einbeziehung der Abfindung für ein paar Wochen über 400 Euro haben. Mit dem Hausarzt werde ich noch reden müssen, denn die 2. Impfungen für Tetanus stehen noch aus und die Hepatitisspritzen wollen wir ja auch noch mitnehmen und sie uns in 5 Monaten in Thailand geben lassen.

    Thema Geld. Ich muß gestehen, ich habe wenig Beziehung zum Geld. Ich liebe schöne Dinge, ohne allzusehr daran zu hängen, und leiste mir gerne, was ich haben will. Geld kommt und geht. Mir fehlt auch jetzt etwas der Überblick. Bei meiner Entscheidung habe ich kurz überschlagen, was an Rente eingeht und mit wieviel ich die Jahre bis dahin überbrücken kann. Groß werden unsere Renten nicht sein. Eine Lebensversicherung, die wir weiterlaufen lassen, wird uns in 5 Jahren 11 000 Euro bringen. Mit dem Erlös vom Hausverkauf hätten wir zwar einigermaßen gut leben können, aber erst dadurch, dass der Makler den Garten kauft, um darauf und auf dem Nachbargrundstück, über das die Zufahrt möglich ist, zu bauen, haben wir ein ausreichendes Polster. Das allerdings kann schrumpfen, wenn wir für Jenny, unsere Enkelin, das volle Schulgeld bezahlen müssen. Den Antrag auf Schulgeldreduktion hat mir die Schule schon gemailt. Der Container und der Urlaub werden auch noch einiges kosten. Aber bisher hat alles geklappt und ich glaube an einen Höheren Plan. Wenn alle Stricke reißen, kann ich immer noch als Mönch in ein Kloster gehen. Den Garten kann ich bis zum Beginn der Abbruch- und Erschließungsarbeiten an einen Freund verpachten, dem dann auch die Pflanzen und Japangartenelemente gehören, oder an die Nachbarn.

    Thema Enkelin. Noch nie war Jenny liebenswürdiger zu uns. Dafür beleidigt und provoziert sie ihre Mutter. Mit deren deutschem Ehemann versteht sie sich gar nicht. Sie bewohnt mit den beiden kleinen Brüdern ein Zimmer und hat keine Rückzugsmöglichkeit. Wenn sie bei uns ist, ist sie gelöst und glücklich, bedankt sich für alles und sucht unsere Nähe. Hier findet sie Wärme, wie sie sagt. Wir werden sehen, wie sie mit Pok, ihrem Vater, und dessen Freundin auskommt. Er befürchtet jedenfalls Probleme. Ich glaube aber, dass sie gelernt, wo ihr Platz ist. In der Schule erzählt sie schon, dass sie auswandert. Sie begreift aber, dass sie nicht gleich mit uns übersiedeln, sondern erst zu Beginn des 2. Semesters nachkommen kann. Sie besitzt einen Thaipaß, was für sie eine Rückkehr nach Deutschland schwierig macht, aber für uns bei der Einwanderungsbehörde in Thailand ein weiteres Argument für die Erteilung des Jahresvisums darstellt, da wir ja für ein thailändisches Kind sorgen.

    Thema Wohnen in Thailand. Deng hat Poks Haus schon gesehen und ist nicht so begeistert. Neben der leichten Bauweise stört sie die nicht gerade gute Verkehrsanbindung und die fehlende Nähe zu Einkaufszentren. Wir könnten zwar auf 4x10 Meter anbauen, doch dann haben wir keinen Garten mehr. In dem Fall schwebt mir ein japanischer Innengarten vor, über 2 Stockwerke. Vielleicht finden wir ein Haus im gleichen Moo Ban und sind so in Poks Nähe. Oder er vermietet oder verkauft sein Haus und wir mieten oder kaufen in einer anderen Siedlung ein freistehendes Haus in einer besseren Lage und mit besserer Ausstattung. Wir können dies nur auf Poks Namen tun, aber da sehe ich keine Probleme. Wir werden uns alles ansehen, auch die Nachbarschaft, und dann entscheiden. Auch können wir überlegen, was wir noch alles fürs Haus in den Container packen; die Waschmaschine wollen wir jedenfalls mitnehmen. Wichtig ist natürlich ein guter Internetanschluß.

    Thema Leben in Thailand. Wenn ich die fast 3 Wochen in Bangkok bin, werde ich mir immer wieder den Gedanken ins Bewußtsein holen: das ist das Land, in dem ich den Rest meines Lebens verbringen werde, meine neue Heimat. Einen ersten Kulturschock habe ich auf einer früheren Urlaubsreise schon abbekommen. Ich denke, dass ich mich jetzt zurechtfinde und anpassen kann. Natürlich will ich die Sprache und Schrift lernen. Ansonsten denke ich nicht weit voraus. Ich weiß, dass wir im Alter versorgt sind. Zu Pok haben wir vollstes Vertrauen. Er ist vernünftig und sparsam, fast geizig. Und er und wir kennen noch manch Andere, die uns zur Seite stehen können. Vor allem aber können Deng und ich uns auf unsere gegenseitige Liebe und Unterstützung verlassen. Jeder kennt die Wünsche und Gedanken des Anderen. Wenn es auch manchmal Meinungsverschiedenheiten gibt, so finden wir doch bald zu Harmonie und Heiterkeit zurück. Wir leben wie Bruder und Schwester, zärtliche Berührungen sind uns genug. Wie viele sagen: meine ist anders.
    Wenn manche in Thailand alles negativ sehen, oder wie in den Foren beschrieben eine schwarze oder eine rosarote Brille aufsetzen, so sehen sie meist nur das Äußere. Für mich gibt es auch ein inneres Leben. Glück und Zufriedenheit hängen nicht von äußeren Faktoren ab, sondern einfach davon, wie aufmerksam, wie bewußt ich bin. Zenweisheiten geben mir da viel ( „Was fehlt mir im Augenblick?“). Das Licht, das uns umgibt, der Atem, der uns durchströmt, kann als reine Liebe wahrgenommen werden. Die politische Lage und die wirtschaftlichen Aussichten können beunruhigen, doch das innere Leben ist das größere Abenteuer. Zudem verspüre ich wie Gautama das Verlangen, den Weg für sich und viele zu finden, der über Leiden, Geburt und Tod hinausführt.
    Solange genieße ich es, nicht mehr arbeiten zu müssen, freue mich über das warme Klima und das gute Essen. Ich esse gern japanisch und auf deutsches Essen muß ich natürlich nicht verzichten. Deng wird weiterhin Spätzle hobeln und Schnitzel, Schweinebraten und Knödel auf den Tisch stellen. Vielleicht ein Widerspruch zu dem Vorhergesagten. Aber so ist der Mensch, so ist die Zeit. Der größte Widerspruch ist für mich, dass die Menschen Gott menschliche Eigenschaften zusprechen, aber selbst nicht wissen, dass sie göttlich sind.
    Genug filosofiert. Langweilig wird es mir bestimmt nicht werden. Ich werde Kontakt zu anderen Expats suchen, mich evtl. irgendwo einbringen oder meine Gedanken dem PC anvertrauen.

  7. #6
    Avatar von Khun Han

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    Re: Unsere Auswanderung

    Unsere Auswanderung, Teil V, Vorbereitung vor Ort


    Es war die richtige Entscheidung, vor unserer Umsiedlung nach Thailand zu fliegen, um uns anzusehen, wo und wie wir künftig leben werden, und weitere Vorkehrungen zu treffen. Um es vorwegzunehmen, wir haben ein Haus gekauft, in das wir gleich nach der Ankunft einziehen werden. Und ich kann jetzt sagen, ich kann nicht nur dort leben, sondern ich will dort leben.

    Bei dem Wunsch auszuwandern hatte ich vor allem ein Bild vor Augen: wie ich an einem warmen Morgen barfuß und in leichter Kleidung über einen polierten Holzfufboden laufe, vorbei an Blumen in einer großen Vase und einer Schale voll von exotischem Obst. Meine romantischenVorstellungen rühren von meinem ersten Aufenthalt im Land des Lächelns her, als ich noch zu Fuß Bangkok erkundete, als man noch die Wahl hatte zwischen einem Taxi mit oder ohne Air, als Hochstraßen erst gebaut wurden und man noch über Felder laufen konnte, als man noch Münzen in die Musikbox warf, um die Carpenters, John Denver und CCR zu hören. Das war vor 32 Jahren, der Vietnamkrieg war gerade zu Ende. Seither war ich oft genug dort, um zu wissen, dass sich vieles geändert hat. Die Erinnerungen an das Erste Mal bleiben aber bei uns allen. Das Gefühl, jung und frei zu sein, die Wärme des anderen Körpers neben sich, der Gedanke an die letzte Nacht, der Geschmack nach fremden Soßen und Gewürzen auf ihren Lippen....

    Bei unserer Ankunft war ich wieder überwältigt von den neuen Eindrücken, den Straßen und Gebäuden, der Menschenmenge, der Wärme und den Gerüchen. Nach wenigen Stunden der Anpaßung fühlte ich mich wohl, besonders beim Essen am gleichen Abend bei meinem Lieblingsjapaner, im Tagoto im MBK. Wir hatten wieder das Asia Hotel gewählt, weil wir von da in Minuten zu Fuß ins MBK, ins Paragon oder Siam Center gelangen können. Übrigens fanden wir auf dem Weg kurz vor dem MBK in der kleinen Wechselstube Siam Exchange stets den günstigsten Kurs, immer über 46 Bath. Fast 3 Wochen Asia Hotel, 3 Wochen Bangkok, 3 Wochen das gleiche Frühstücksangebot. Aber wir waren ja nicht zum Urlaubmachen hier. Neben einem Ausflug nach Nakon Pathom und einigen Shoppingtouren standen die Besichtigungen mehrerer Moo Bans auf dem Programm, nachdem beim Besuch von Poks Haus sofort feststand, dass wir hier nicht wohnen wollen. Obwohl es neu ist, zeigen sich viele Mängel: Risse, Rost und klemmende Holztüren. Dazu zu nahe und zu laute Nachbarschaft. Links eine Familie aus dem Isaan, rechts und gegenüber eine Muslimfamilie. Pok mag keine Muslims. Die Siedlung ist auch zu weit abgelegen.

    Mit Pok hatten wir einen Fahrer und ein Auto. Ich brauchte mich um nichts kümmern. Im MBK ließ er in unsere 3 Handys Simkarten einsetzen, sodass wir uns stets absprechen und erreichen konnten. Mir seiner Hilfe eröffnete ich ein Konto. Bei der Bankok Bank am Airport war dies nicht möglich. Es wurde eine Arbeitserlaubnis verlangt. Tagsdarauf am Sonntag gings bei der Kasikorn Bank im MBK, 3. Stock, Moneypark, ohne Probleme. Es genügte, seine Adresse anzugeben. Ich erhielt eine ATM-Karte mit Visa und eine Karte für Deng und nach Änderung der Pin war uns die Angestellte behilflich, telefonisch den Abhebungsbetrag zu erhöhen. Als ich Geld für die Anzahlung des Hauses brauchte, rief ich per Handy bei meiner Bank an und ein Tag später war es auf dem Konto. Da der Überweisungsbetrag auf 20.000 Dollar täglich beschränkt ist, ließ ich jeweils 10.000 Euro auf mein und Poks Konto überweisen. Diese Beträge wurden mir auch abgezogen. Auf dem Kasikornkonto waren jeweils 46.320.000 Bath, glaube ich, denn das Buch und die Karte ließ ich bei Pok. So kann ich über die Gebühren nichts sagen.

    Bei der Auswahl des Hauses waren vor allem 2 Kriterien wichtig: die Nähe zum Flughafen, dem Arbeitplatz Poks und seiner Freundin, und es sollte groß genug sein oder die Möglichkeit zum Erweitern haben, um uns fünf zu beherbergen. Wir gehen ja davon aus, dass Jenny mit uns kommt. Das Problem mit dem teuren Besuch der deutschen Schule ist gelöst. Pok erklärte, dass sie nicht mehr der sechsjährigen Schulpflicht unterliegt. Nach 2 Jahren intensiven Thaiunterrichtes zuhause, was mich miteinbeziehen würde, könnte sie nach einem Jahr in einer Art Sonntagsschule mit einem Schultag pro Woche die Prüfung ablegen, die 3 Schuljahren entspricht, und nach einem weiteren Jahr und erfolgreicher Prüfung die Universitätsreife erlangen. Es ist beschlossen, dass sie zunächst ein halbes Schuljahr auf ihrer Realschule wiederholt. In den letzten Tagen meinte sie aber selbst: wenn ich in der Schule gut bin und ich ein großes Zimmer bekomme.... Ihr Stiefvater hat schon seit längerem den Bau eines Fertighauses in Auftrag gegeben. Vielleicht nimmt sie doch den von Allen gemachten Vorschlag ernst, zuerst in Deutschland die Schule fertig zu machen. Sie kann jedenfalls immer zu uns kommen, wenn sie will.

    Das Verhältnis zu ihrem Vater Pok ist sehr gut. Nur einmal explodierte er. Bei jeder Hausbesichtigung beklagte sie sich, dass sie das kleinste Zimmer bekommen soll. Sie habe nur eine Nase zum Atmen und die Anderen zwei und außerdem gehöre sowieso einmal das ganze Haus ihr, schrie er sie an. Er wird ein Testament machen, in dem er sie zur Erbin einsetzt. Als wir dann in Erwägung zogen, Jenny doch nicht mitzunehmen, war er es, der sich dagegen aussprach.
    Auch mit Poks Freundin versteht sie sich gut. Sie heißt C. Das ist keine Abkürzung, sondern der englische Buchstabe (sprich Si), nachdem ihre beiden älteren Schwestern, Zwillinge, A und B genannt werden. Eigentlich ist sie noch ein Kind, spricht wenig und leise und macht seltsame Augen- und Fingerbewegungen. Sie arbeitet an 3-4 Tagen in der Woche bei der Tourist-Information am Flughafen. Deng ist nicht so begeistert von ihr. Einmal kam zu einem Eklat. C verdarb uns den Abend, weil sie eifersüchtig war und nicht mehr sprach. Wir hatten lediglich Deng und Jenny bei dem Frisörsalon abgeholt, den Poks frühere Freundin betreibt. Mir ihr ist er nach buddhistem Ritus verheiratet und wir haben ein gutes, herzliches Verhältnis zu ihr und ihrer Mutter, die bei Neckermann arbeitet und perfekt Deutsch spricht. Am anderen Morgen wurde das Problem auf thailändische Weise gelöst. C entschuldigte sich mit einem Wai und im Auto wurde ihr Verhalten kritisiert, während sie stumm und weinend dasaß. Mir wurde bewußt, dass das Leben zu viert nicht ganz konfliktfrei verlaufen wird. Jeder hat seine eigenen Vorstellungen und Wünsche. Pok träumt von einem großen Flachfernseher und würde am liebsten einen Innenarchitekten herbeiholen. Unsere Buddhas bekommen natürlich einen besonderen Platz im Haus, aber dafür ein Hong Phra einzurichten, wie er es gerne hätte, lehne ich ab.

    Ein paar Tage lit ich unter Zahnschmerzen. Es war nur eine Schwellung unter der Prothese und mit Mundspülungen verschwandt sie wieder. Auch Deng klagte über das Gleiche. Sie meint, es käme vom Wasser im Hotel. Ansonsten fühlte ich mich sehr wohl. Ich hatte nie den Eindruck, fremd oder unerwünscht zu sein. Alle waren freundlich und zuvorkommend. Mein Thai und Englisch reichte aus, um mich verständlich zu machen. Ich tauchte ein in das Leben dort. Am Geburtstag der Königin, dem thailändischen Muttertag, stand ich unter den Anderen mit brennender Kerze vor dem Einkaufszentrum. Alles ist erhältlich, was zu einem Leben, wie wir es gewohnt sind, gehören würde, sogar ein Brotbackautomat. Dennoch nehmen wir außer diesem noch die Waschmaschine und einem Gefrierschrank mit. Einen Herd mit Kochplatten und ausziehbarem Backwagen werden wir noch hier kaufen.

    Wir schauten uns also mehrer Moo Ban an. Dabei wurde schnell klar, dass die gesuchte Größe, Ausstattung und Qualität und die gewünschte Nachbarschaft und Lage erst ab 3 Millionen Bath zu haben ist. Pok ist ein Ass im Handeln, aber am Preis war kaum etwas zu machen, nur an den Konditionen, bzw. Beigaben wie AC, Gartenbepflanzung, Wasservorratsbehälter u.a.. An dem Haus, das uns zuerst gefiel, hätten wir ein Zimmer mit Bad für Pok und seine Freundin anbauen müssen. Der Architekt war schließlich dagegen. Es hätte dem Anblick geschadet und es war zudem das Musterhaus. In einer anderen Siedlung schrie um die Mittagszeit ein Tuckae. Da war es bei Deng und Pok vorbei. Schließlich legten wir uns auf ein Haus fest, das allerdings erst in ein paar Monaten fertig wird. Gerade wurde die Betongrundplatte gegoßen. Das Musterhaus und der Garten gefiel uns. Wir hätten solange bei Pok wohnen müssen. Mit der Anzahlung in der Tasche besuchten wir noch ein weiteres Moo Ban. Und entschlossen uns sofort für das Haus, obwohl es das teuerste von allen war. Von den 1000 geplanten Häusern der Siedlung sind etwa 300 fertig, zur Hälfte verkauft an Expats aus Europa, Japan und Nordamerika. Es ist eher ein Resort, liegt an einem großen See, darüber ein Swimingpool vor dem Bürogebäude, das einmal ein Restaurant sein wird. Ein Teil des Pools hat Massagedüsen und angrenzend ist ein Fitnessraum. Zu dem bestehenden Park werden noch 2 weitere angelegt. Und von der Ankunftshalle des Suvanarbhumi bis zur Haustüre sind es nur 15 Minuten. Die Siedlung liegt nicht in der Einflugschneiße. Es ist nicht weit bis zur Hauptstraße, einer Verlängerung der Sukumvit. Um die Ecke sind 2 Kliniken, Banken, Pizzaservice, Restaurants und Geschäfte und dreimal wöchentlich ein großer Markt. Wenn der Airportlink (der Tod vieler Taxis, wie uns ein Fahrer klagte) fertig ist, können wir schnell ins Herz Bangkoks mit dem Zug fahren. Einkaufszentren wie Big C oder das Seri-Center sind nicht weit.

    Das Haus selbst hat 160 qm Wohnfläche, 3 Schlafzimmer und 3 Bäder. Na ja, eigentlich Naßzellen mit WC, Waschbecken und Brause und der Spritzvorrichtung neben dem WC. Nur das zu unserem Zimmer gehörende ist etwas größer, zugänglich über ein kleines Ankleidezimmer. Neben den 3 Zimmern im Obergeschoß bietet ein offener, ca. 9 qm großer Raum Platz für ein kleines Wohnzimmer und die Aufstellung unserer vielen Buddhas. Unten befindet sich ein ca. 55 qm, gefließter Raum, das Wohn- und Eßzimmer. Alle Räume haben Textiltapeten. Die Küche mit einer Durchreiche zum Eßzimmer ist allerdings nur Thaistil, d.h. die 3 Fenster haben lediglich kippbare Glaslamellen und der gekachelte Arbeitsbereich ist für eine Gaskochstelle eingerichtet, was Deng gar nicht gefällt. Natürlich führt von der Küche eine Tür ins Freie auf einen betonierten Bereich mit Wasserablauf. Wir haben gesehen, dass Thais, die in solchen oder ähnlichen Häusern wohnen, ihren Lebensstil beibehalten, also dort draußen ihr Geschirr spülen und die Wäsche waschen, die sie dann vor dem Haus auf Ständern trocknen lassen. Hauptsache im Wohnzimmer steht ein großer Kühlschrank, ansonsten findet das Leben auf dem Fußboden statt. Das ist nichts für Deng. Sie will ihre europäische Küche mit Elektroherd. Wir werden noch einiges zu ändern haben. Den ganzen Raum hinter dem Haus wollen wir überdachen und darunter anstelle des Betonplatzes einen größeren, gefließten Bereich schaffen. Auch die Zufahrt und der Autostellplatz soll gepflastert werden. Die mit einer niederen Mauer umgebenen Grundstücke sind zwar nicht allzu groß, aber mit Rasen, Bäumen und anderen blühenden Sträuchern bepflanzt.

    Da wir nun für das Haus, die Einrichtung und weitere Investitionen mehr ausgeben, als ich geplant hatte, wird der Betrag, der für die Überbrückung bis zum Rentenbezug und zum täglichen Leben kalkuliert ist, recht klein. Aber selbst wenn er unter dem von der Immigration gefordertem Betrag liegen sollte, mache ich mir keine Sorgen. Nach der von Pok telefonisch dort eingeholten Auskunft zählt das Familieneinkommen, zudem auch das von ihm und C gehört. Pok verkauft sein Haus und zahlt ein Viertel des neuen in Raten ab. C soll Wasser und Strom bezahlen. Und bedruckte, farbige Papierschnipsel und runde, glänzende Metallscheiben dürfen nicht die Lebensqualität bestimmen. Bisher hat alles geklappt, wenn auch auf seine Art und zu seiner Zeit. Ich werde mich in manchen Dingen mit Weniger zufrieden geben müssen. Aber das wollte ich auch. Mein geistiges Ziel werde nicht aus den Augen lassen. Jedenfalls weiß ich nach diesem Aufenthalt, was auf uns zukommt, wo und wie wir wohnen werden, was mir evtl. fehlen wird (unter Umständen genügend Privatsphäre, räumliche Distanz zu Nachbarn, tiefergehende Freundschaften und Gespräche) und wovon ich träumen kann. Ich kann jedem Auswanderungswilligen empfehlen, nicht zuviel Zeit zwischen letztem Thailandbesuch und Auswanderung zu lassen.


    Deng war froh, wieder in ihr Heimatland zurückzukehren, während ich lieber gleich in Thailand geblieben wäre. Inzwischen haben wir unser Non-Immigrant O, per Post in 3 Tagen vom Konsulat in Stuttgart. Auch der Container ist bestellt. Durch einen Hinweis im Forum fand ich die Spedition Panamerican, die für ca. 2000 Euro nach Bangkok überführt. Das Angebot, für 817 Euro an die Haustür zu liefern, werde ich wohl annehmen, falls ich von hier aus keinen günstigeren Forwarder in Bangkok finde. Die übrigen Angebote lagen zwischen 3400 und 5000 Euro, bei 1200 Dollar für die Überführung vom Hafen zum Haus. Die Fa. Panamerican lieferte als einzige eine detailierte Auflistung der Kosten, sowie umfangreiche Informationen. Jedenfalls werde ich berichten, wie der Container angekommen ist.

    Ansonsten sind wir weiter dabei, auszuräumen und Dinge auszusortieren und zu verpacken. Langsam leert sich das Haus. Es ist auch allmählich Zeit, sich von Freunden, Nachbarn und meinen Kunden/Patienten zu verabschieden. Einige Tränen sind bereits geflossen. Unser Riesenzwerghase hat ein neues Zuhause gefunden. Es gäbe wohl noch manches zu schildern oder zu ergänzen. Aber das kann ich bei den „Reaktionen“ tun. Vor unserer endgültigen Ausreise werde ich nocheinmal Bericht erstatten.












  8. #7
    Avatar von Khun Han

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    Re: Unsere Auswanderung

    Unsere Auswanderung, Teil VI, Ausführung


    Es ist wieder da, das Gefühl, nein die Erfahrung, dass am Ende doch alles gut wird und so wird wie geplant. Jetzt nachdem ich Internetanschluß habe, die Schränke aufgestellt und gefüllt sind, die Regale angebracht und die Bilder aufgehängt sind und der Garten in Form gebracht ist, haben wir unser neues Zuhause gefunden. Wenn ich morgens aufstehe, gehe ich an einer mit exotischem Obst gefüllter Schale vorbei, allerdings nicht über einen Teakfußboden, sondern über helle Fliesen.

    In den Wochen zwischen unserem Urlaub in Thailand und unserer Ausreise hatten wir viel zu tun. Das Haus leerräumen, die Dinge, die wir im Container mitnehmen, seefrachtmäßig zu verpacken, Dinge für den Flohmarkt oder zum Entsorgen aussortieren, manches noch einkaufen und Behördliches und Schriftliches regeln. Das Restgrundstück konnten wir an den Makler verkaufen, der es gleich weiterverkaufte. Vom neuen Besitzer erhielten wir dann auch Geld für die Sachen, die wir im Garten und im Japanhaus lassen konnten. Außer einem Koi, den wir für 50 Euro weggaben, blieben unsere Fische im Teich zurück. Das Geld für das Haus und das Grundstück, Geld vom Arbeitsamt, die Ablöse für die Küche und das Heizöl, das Geld für das Auto, das ein Freund abkaufte, Rückzahlungen von Versicherungen und Bausparvertrag, alles ging erst in den letzten Tagen ein. Davon habe ich einen Teil für das Haus an Poks und mein Konto bei der Kasikorn geschickt und einen Teil in einem Vorsorgeplan angelegt, sodass jeden Monat ein fester Betrag auf mein Konto hier geht (das übrigens als Ausländerkonto geführt und von mir online genutzt wird), und es bis zum Rentenbezug reichen müßte. Die Rentenanträge habe ich dabei. Bei dieser Gelegenheit möchte ich dem Filialleiter und seinen Mitarbeitern meiner Leutkircher Bank einen herzlichen Dank aussprechen. Sie waren mir stets hilfreich zur Seite. Ein Anruf aus Bangkok oder eine kurze Mail, und das benötigte Geld wurde überwiesen.

    Über 2 Tonnen Möbelholz und weitere 2 Tonnen Restmüll landeten im Abfallcontainer. Ein Flohmarkt unter Nachbarn brachte nicht viel, nur Deng konnte ihre Pflanzen gut verkaufen. Einiges stellte ein Freund bei Ebay ein, einen Teil der Flohmarktsachen schenkten wir einem Händler und das meiste bekamen Dengs Schwester und andere Thais. So lebten wir 3 Wochen in einem fast leeren Haus, schliefen auf Luftmatrazen und hatten Koffer als Schränke. Dennoch war es eine schöne Erfahrung, mit wie wenig man auskommen kann. Wir bekamen viel Besuch und viel Hilfe beim Verpacken. Und ich hatte das Gefühl, geliebt zu werden, und ich meine dabei nicht (nur) von Menschen.




    Mit Herrn Grimm von der Panamericantransport, den ich bestens weiterempfehlen kann, stand ich wegen des Containers in ständiger Verbindung, per mail oder per Telefon. Die Rechnung für die Seefracht belief sich auf 3.124,76 Euro, davon 1.982,04 Euro Frachtpreis, incl. 150,28 Euro terminal handling charges Hafen Bangkok, 50 Euro customs clearance und 65 Euro Handling, sowie 817,72 Euro für die Lieferung an die neue Adresse und 325 Euro für die Versicherung gegen Totalverlust, die ich unnötigerweise und ohne nach dem Preis zu fragen auf 20.000 Euro erhöht hatte. Hinzu kamen noch 50 Euro für ein wiederverwendbares Spezialschloß am Container. Am 14. September war Beladetag. Wir hatten befürchtet, dass wir nicht alles reinbekommen und dass der Laster nicht durchkommt (die Parallelstraße war gesperrt) und unsere Straße blockiert. Doch alles lief gut, sogar der Stadtbus konnte vorbeifahren. Wir hatten die Kisten an die Straße gestellt und mit der Hilfe von Freunden, Nachbarn und nicht zuletzt von Bruder und Schwägerin, die uns in den Tagen oft zur Seite standen, war der Container in einer Stunde beladen. Und er war nur zu 2/3 voll, sodass wir kurzerhand noch ein altes Fahrrad, einen Computertisch und den schweren Granitbrunnen aus dem Japangarten dazupackten. Wir hatten indes wenig Hoffnung, dass der Container ohne weitere Probleme und Kosten vor die Haustür in Bangkok gestellt werden würde. So sollte es auch kommen. Nach dem Beladen mußte ich noch die Ladeliste am PC (ich hatte Jennys Notebook ausgeliehen und später den PC von Nachbarn benutzt) ausfüllen und die 212 Einzelteile in Deutsch und Englisch auflisten. Am Tag vor der Abreise erhielt ich dann den Frachtbrief mit Angaben zum Schiff, Ankunftstag und dem Forwarder in Thailand.




    Bei der Verabschiedung von Arbeitskollegen, Kunden, Freunden, Verwandten und Nachbarn spürte ich erst, wie sehr mir diese Menschen am Herzen liegen. Ich dachte nur: lieber eine Umarmung jetzt, als ein Abschied in schwarzer Kleidung. Es floßen einige Tränen. Mir wäre eine stille Ausreise lieber gewesen, doch 14 Personen ließen es sich nicht nehmen, uns zum Flughafen zu begleiten. Manche werde ich wiedersehen, doch es tut mir etwas weh, wenn ich zurückdenke, dass ich vielen nicht mehr in die Augen sehen oder sie umarmen werde können. Jenny bleibt übrigens bei ihrer Mutter, wird uns aber in den großen Ferien besuchen. Deng fiel der Abschied wohl noch schwerer. Sie hat einen kleinen Topf Erde mitgenommen. Ihr Lieblingskaktus steckte darin. Auch Erdbeerpflanzen, ein Brombeer- und ein Himbeerstrauch waren im Gepäck.

    Wir hatten die LTU gewählt, weil sie die billigsten One-Way-Tickets anbietet. Als ich von zuhause Plätze reservierte, erhielt ich dafür eine Rechnung von 20 Euro, die auch am nächsten Tag abgebucht wurden. Ein Anruf bei LTU bestätigte das Vorgehen. Ich stornierte und erhielt das Geld zurück. Auch sonst mußte auf dem Flug gezahlt werden, für Kopfhörer oder Bier 2 Euro, für Wein 4 Euro, und wer einen Platz mit Beinfreiheit vor den Ausgängen haben wollte, mußte 60 Euro zahlen. Das Essen war wenig und nicht schmackhaft, der Service nicht besonders freundlich. Der Standard liegt im Vergleich zur Thai um Jahre zurück. Wenigstens mußten wir nichts für unser leichtes Übergepäck zahlen und ich konnte die mitgenommenen Hepatitisspritzen im Kühlfach des Flugzeugs lassen. Ansonsten verlief der Flug reibungslos. Am Savarnabhumi bekamen wir eine Aufenthaltserlaubnis bis zum 26.12. in den Paß gestempelt.

    Da wir nicht im Hotel wohnten, sondern privat, d.h. in Poks Haus (also unserem Haus), mußten wir uns innerhalb von 24 Stunden bei der Polizei oder der Immigration anmelden. Zunächst aber gingen wir einkaufen. Pok war am Tag zuvor eingezogen, die Sitzgarnitur war aufgestellt, die Vorhänge und Klimageräte angebracht sowie Warmwasserboiler in seinem und unserem Bad (wir duschen aber nur kalt), doch sonst war bis auf einen niedrigen Tisch das Haus leer, die Böden noch mit Plastikfolie abgedeckt. Wir kauften das Nötigste für Bad und Küche und zum Kochen, z.B. Butter und Toastbrot. Kaffeemaschine und Marmelade hatten wir mitgenommen. Das Wichtigste war ein großer Kühlschrank. Als wir uns am Tag darauf bei der zuständigen Polizeistelle anmelden wollten -das Formular hatte ich heruntergeladen und von Pok ausfüllen lassen-, war niemand zu sprechen, weil Samstag war. Am Montag verbrachte Pok 2 Stunden, um von einem Büro ins andere zu laufen. Ausländer hatten sich hier noch nie angemeldet. Schließlich wurden wir gebeten, uns vorzustellen, ein Beamter machte ein gemeinsames Foto von uns vor einer Größentabelle und schlief kurz darauf am Schreibtisch ein.

    Bis zur Ankunft des Containers lebten wir in einem fast leeren Haus, ohne Schränke und Stühle, schliefen auf Sofa und Luftmatratze. Deng widmete sich gleich dem Garten und zauberte oft mit einfachen Mitteln ein Essen auf den Tisch. Bereits am Tag unserer Einreise hatte sich der Importmanager der Forwarderfirma bei Pok gemeldet und mitgeteilt, dass es Probleme beim Zoll geben werde, da Deng deutsche Staatsbürgerin ist und ihren Hausstand nicht zollfrei einführen kann. Das stimmt zwar nicht, denn auch Ausländer können mit dem entsprechenden Visum diesen zollfrei mitnehmen, aber was blieb uns anderes übrig als beim Gespräch in seinem Büro, wo er uns mit zitternden Händen Beispielzollrechnungen vorlegte, seiner Forderung nachzugeben, 18.500 Bath zu zahlen. 3.500 Bath werden unter dem Tisch weitergegeben, sagte er offen. Er gab uns Kopien seines Ausweises und seiner Bankverbindung, und wenn wir das Geld überweisen, ihm den Schlüssel für das Schloß und Dengs Paß geben, würde er alles weitere erledigen, bis zu Dengs nachgemachter Unterschrift. Er kenne sich aus, schließlich sei er schon 15 Jahre im Geschäft. Wir wollten nicht riskieren, dass der Zoll noch mehr verlangt und die Kartons alle öffnet und darin Dinge findet, die man eigentlich nicht einführen darf, wie einige Flaschen Wein und Spirituosen, Samen und Blumenzwiebeln und Lebensmittel wie Spagetti, Mehl, Kaffee und vieles mehr. Sich ihm zu widersetzen oder ihn bloßzustellen, wäre ebenso gefährlich. Er könnte Pok und uns Schwierigkeiten machen. Rache für Gesichtsverlust kann in Thailand fürchterlich sein, bis hin zum bezahlten Mord. Einige Tage vor Ankunft des Containers rief er uns an und sagte, dass die Zollrechnung geringer ausfallen werde und er uns 4.400 Bath zurücküberweisen könne. So geschah es auch. Auf der Zollrechnung wurden einfach Beträge eingesetzt, z.B. für die gebrauchten Matratzen. Der Container kam aber zum angesagten Tag, nur 2 Kartons waren geöffnet worden, der vom PC und der mit den Buddhas. Nichts fehlte. Mit Hilfe von C´s Arbeitskollegen war er in weniger als einer Stunde entladen. Die schweren Granitteile, ließen wir auf Polster vom Laster fallen. Es dauerte aber eine Woche, bis alle Kartons ausgepackt waren. Ein Glas und eine Vase waren zu Bruch gegangen. Einen Teil der Dinge haben wir Dengs Bruder zum Verkaufen geschenkt.




    Ich könnte jetzt noch unser Haus beschreiben, wie wir es eingerichtet haben, wie unser Alltag, das Leben im Moo Ban, mit und unter Thais aussieht, welche Erfahrungen wir mit Handwerkern, Ameisen und Moskitos machen, aber dafür kann ich ja, wenn Interesse besteht, einen neuen Thread aufmachen. Unsere Auswanderung ist jedenfalls zu einem vorläufigen Ende gekommen. Noch bestehen zwei Unsicherheitsfaktoren: ob wir in Thailand bleiben dürfen, also das Visum für ein Jahr verlängert wird, und wie wir das Bleiben in diesem Haus absichern können.

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