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Tham daaiii....

Erstellt von Kali, 21.01.2005, 12:33 Uhr · 3 Antworten · 818 Aufrufe

  1. #1
    Kali
    Avatar von Kali

    Tham daaiii....

    Heute Morgen stand ich vor der Wahl: Entweder ich schreibe nach mittlerweile dritter Aufforderung meiner Chefin eine Stellungnahme wegen ´Untätigkeit im Dienst´ oder aber ich brainstorme ein wenig über dieses berühmte tham dai- frei nach Kali: ´Geht ! Können wir machen !´, wie´s allerorten zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit aus thailändischen Munden schallt.

    Hatte mich für die zweite Alternative entschieden, weil, wie kann ich zur Untätigkeit besser Stellung nehmen als durch Untätigkeit ?! ;-D

    Das erste Mal fiel mir dieses herzhafte und meist von einem selbstbewussten Lächeln auf den Lippen herausgeschmetterte tham dai, dem ja meist die simple, zaghaft hervorgebrachte Frage vorausgeht: ´dai mai ?´, in Ban Tab Kung auf - meine Frau kannte ich zu dem Zweitpunkt gerade etwas über 2 Monate. Hatten ja die Papiere soweit alle zusammen, lediglich die Ledigkeitsbescheinigung des Ampoes sowie die Bescheinigung des Zentralstandesamtes mussten neu beschafft werden, da sonst die Gültigkeit (6 Monate) abgelaufen wäre, wenn wir denn in D die Eheschließung beantragen wollten.
    Am 27.02.01 war´s, der Tag, an dem dieser ehrwürdige Haufen bei Schwiegermutter zusammensaß, um Suay und mir alles Gute zu wünschen für unser zukünftiges Leben. Diese ´Verlobungsfeier´ war´s, deren Tragweite mir allerdings erst am späteren Abend deutlich wurde. Auch ein netter Mann von der Gemeinde war da, Forstbeamter, an dem Abend ohne Uniform. ´Na, das war doch der Richtige, der konnte doch seine Beziehungen einsetzen, damit´s unkompliziert gehe mit der Ledigkeitsbescheinigung´. Ich also mein Dokumentenmäppchen von oben geholt, jedes ´Dokument´ fein säuberlich, schädliche Umwelteinflüsse fernhaltend, in Plastikhüllen eingelegt.
    Ich versuchte Suay zu erklären, welche Bescheinigung wir denn benötigten, sie versuchte es dem Forstbeamten zu erklären, der lächelnd erst einmal das Dokumentenmäppchen in alle Richtungen drehte - und nicht aufhörte zu lächeln, als er es mir zurückgab. "Dai mai ?", wollte ich von Suay wissen, die diese Frage unverfälscht an den Forstbeamten - sein Name übrigens Bun Mee - weitergab.

    L., das is´ er, in ´Dienstkleidung´...



    Und da kam´s auch schon, mit melodischer Hingabe :"Tham dai !". Und er lächelte dabei. Und Suay lächelte ebenfalls, als sie diese Bestätigung ganz speziell für mich noch einmal wiederholte. So lächelten wir alle, ich allerdings etwas nachdenklich, weil mir nicht so ganz klar war, was denn nun eigentlich gehen sollte.
    Doch es ging wirklich. Am nächsten Tag bin ich mit Suay und dem Mäppchen zum Ampoe, haben artig gewartet, Suay hat dem Menschen 500 THB unter der Zeitung in sein Schwarzgeldtäschchen geschoben, und dann waren wir um eine neue, mit einem schönen Stempel versehene Bescheinigung reicher.
    Tham dai - es ging also ! ;-D

    Damit hatte es sich ja noch nicht ausgethamdait. Wir also drei Tage später via Udon Thani nach Bangkok. Aufgrund der sehr unvollkommenen Sprachkenntnisse - verstärkt auch durch eine etwas überzogene Selbstsicherheit in bezug auf meine erlernten Fähigkeiten - hatte ich dem Fahrer des so:ng twao etwas von krueng bin und reo reo erzählt. Der legte sich tatsächlich auf das Gaspedal, karrte uns unter Ignorierung sämtlicher Verkehrsregeln nach Udon Thani und setzte uns vor einem Kasernentor raus, vor dem eine einsame Jagdmaschine - vermutlich aus dem letzten Krieg - neben dem Eingang stand. Nun, er hatte mich wenigstens halbwegs verstanden.
    Was tun ? Und während ich noch überlegte, ob´s ging, hatte Suay mit dem Militärpolizisten vor dem Tor gesprochen, kam auf mich zu, lächelte und meinte: ""Tham dai !". ´Wie, wo, was geht ?´, ging´s mir durch den qualmenden Farang-Schädel. Es ging tatsächlich. Der Militärpolizist fuhr uns in seinem Dienstwagen - gegen eine Aufwandsentschädigung von 100 THB - quer durch die Kaserne zum Flugplatz. Die Maschine bekamen wir noch rechtzeitig.

    Der Taxifahrer chinesischen Ursprungs in Bangkok lächelte noch hintergründiger, als er die Frage nach dem Standort des Zentralstandesamtes und dem damit verbunden Fahrauftrag mit einem schon mehr gezischten Singsang beantwortete: "Tham dai !, während er spitzbübisch die oberen Schneidezähne nach vorne schob, so, als wären diese an kardanisch aufgehängten Gelenken befestigt.
    Er hatte seinen chinesischen Mund nicht zu voll genommen - es ging tatsächlich, und mit seiner Hilfe - gegen eine Aufwandsentschädigung von 100 THB - sogar recht schnell.

    Wieder in Ban Tab Kung, schloss ich recht schnell Freundschaft mit dem li. Nachbarn, Pon, ein ewig lächelnder, den ´Lao Khao´ nicht verschmähender Mittvierziger, der bereits am frühen Morgen seiner nicht genehmigten Schwarzarbeit - im wahrsten Sinne des Wortes - nachging. Der Mann machte - am Finanzamt vorbei - Holzkohle für seinen eigenen und den Bedarf so manch anderer.



    Die Neonröhre über der Eingangstüre von Schwiegermutters Haus war defekt, brannte nicht mehr. Mir traute man wohl nicht, außerdem ist keine Leiter im Haus. Doch wozu gibt es Pon ? Diesmal wurde dieser inhaltsschwere Dialog über den Zaun zwischen Suay und Pon geführt. Suay: "Dai mai !?", zu dem jenseits des Zaunes lächelnd stehenden Pon gewandt. "Tham dai !", schallte es sonor und lao-khao-getränkt zurück. Und schon eilte er behenden Schrittes um den Zaun in Schwiegermutters Haus, erst einmal das Hintere des unteren Treppenabsatzes checkend, ob auch das speziell für ihn angeschaffte Fläschchen parat. Nachdem er einen - oder waren´s zwei ? - Schluck genommen hatte, wurde das Arbeitsgerät bereit gestellt. Klapptisch und Klappstuhl ersetzten die Leiter, die insgesamt drei Schubladen des
    Hauses nach entsprechendem Werkzeug durchsucht, neue Neonröhre beschafft, noch einen Kräftigungsschluck, und nachdem ich ihn als Nichtelektriker davon überzeugen konnte, daß er den Hammer nicht unbedingt benötigte, machte er sich ans Werk.



    Und es ging wirklich, das Licht nämlich, nachdem er das Werk beendet, welches er auch noch gebührend nach einem weiteren Besinnungsschluck bestaunte, bevor er sich leise, eine laotische Weise vor sich hinsummend, auf den Heimweg machte.

    Es hat schon eine besondere Bedeutung, dieses mit einem steten Lächeln vorgetragene ´Tham dai´. Hat so gar nichts mit unserem platten ´Tam Tam´ zu tun, wobei dieses - an falschem Ort ausgesprochen -, eine entfernte Ähnlichkeit mit dem aus dem russischen Sprachraum bekannten ´dawai´ zu haben scheint. Auch aus hiesigen Regionen ist ähnlicher - auch bei ernsthafteren Anliegen - Sprachgebrauch bekannt. Im Ostriesischen z.B. würde der Dialog in solchen wie von mir beschriebenen Situationen wie folgt lauten: "Geit dat ?", die Antwort in der Regel: "Geit !", unter Freunden begnügt man sich mit einem markigen "Jou !
    Sprache reduziert auf das wirklich Notwendige - ein faszinierender Gedanke.

    ´Som tham´ ist nun nicht direkt mit dem ´tham dai´ verwandt - obwohl, auch das geht, wie jedermann weiss .

  2.  
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  3. #2
    Avatar von Olli

    Registriert seit
    09.01.2004
    Beiträge
    2.899

    Re: Tham daaiii....

    Heute Morgen stand ich vor der Wahl: Entweder ich schreibe nach mittlerweile dritter Aufforderung meiner Chefin eine Stellungnahme wegen ´Untätigkeit im Dienst´ oder aber ich brainstorme ein wenig


    du bist aber auch ein Fuchs bloß nicht auffallen ;-D

  4. #3
    PETSCH
    Avatar von PETSCH

    Re: Tham daaiii....

    Beim nächsten Wechselintervall bitte
    ein Foto mit Pon AUF der "Leiter" ;-D
    wie immer:

  5. #4
    mrhuber
    Avatar von mrhuber

    Re: Tham daaiii....

    Zitat Zitat von Kali
    Sprache reduziert auf das wirklich Notwendige -
    Das kenne ich allerdings, so wird von mir behauptet, nur aus dem bayrischen. Und so mancher Ureinwohner des deutschen Südens, welchen unser member Chak2 an anderer Stelle als nicht zivilisiert bezeichnet, munkelt sogar, der Unterschied zwischen Preissen und Bayern wäre, daß der Preiss die Gedanken begleitend mitspricht, während der Bayer nur das Ergebnis erwähnt.

    Dein brainstorming ist wieder mal top

    Karlheinz

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