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Thailand - Feb 2005

Erstellt von Mang-gon-Jai, 14.03.2005, 18:05 Uhr · 45 Antworten · 3.159 Aufrufe

  1. #21
    Avatar von Mang-gon-Jai

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    Re: Thailand - Feb 2005

    Teil V

    Dann war da noch eine Frau. Ihren Namen habe ich vergessen, ich nenne sie einmal „Phukao Nüa“ (Fleischberg). Dieser Name beschreibt ihr Äußeres bestens.
    Ich lernte Frau Fleischberg kennen, weil ich auf die Frage, ob ich nicht einmal massiert werden wolle, leichtfertig genickt hatte.
    Nachmittags, ich lag gerade auf dem Bett und betrieb Augenpflege, während Pui das Fernsehprogramm abarbeitete, wurde an unsere Tür geklopft.
    Geklopft? Nein, ich dachte, es wolle jemand mit einem Rammbock unsere Tür aus den Angeln reißen.
    Der Auftritt von Frau Fleischberg!
    Um zu verhindern, dass die Tür zerschlagen wurde, öffnete Pui.
    Eine riesige Frau, eine Thailänderin stand in der geöffneten Tür. Ich bin sicher, dass sie in ihrem vorherigen Leben Preisringer gewesen war. Sie füllte den Türrahmen fast völlig aus. Sie war aber keineswegs fett, aber riesig groß und muskulös.
    Sie machte, weil es in Thailand so üblich ist, einen knappen Wai zu Pui. Mich schien sie nicht zu sehen. Dann kam sie zur Sache:
    “Khau mai? (der da?)“, fragte sie Pui während sie in meine Richtung nickte.
    Pui nickte bestätigend.
    “Tua jai (ein großer Brocken)“, meinte sie, wobei mir nicht klar war, ob diese Bemerkung eine Anerkennung oder eine Beleidigung darstellte.
    Ich erhielt von ihr den Befahl, mein Hemd auszuziehen, während sie ganz selbstverständlich unser „Hong naam“ aufsuchte, um sich etwas frisch zu machen. Es war ja auch ein heißer Tag heute.
    Erfischt und gestärkt kam sie zurück, um sich auf mich zu stürzen. Anfangs war sie jedoch noch direkt feinfühlig, als sie begann, meinen Alabasterkörper mit duftenden Ölen einzureiben.
    Dann, plötzlich - ohne jede Vorwarnung – wohl um mich an Gegenwehr zu hindern, renkte sie mir mit geübtem Griff beide Arme aus. Meinen Angstschrei erstickte sie in ihren Fleischmassen, da sie sich inzwischen über mich geworfen hatte.
    Ich wurde gewalkt, geknetet und gekniffen. Alle Glieder wurden aus- und wieder eingerenkt.
    In meinem Kopf bildete sich dabei ein Bild von einer kleinen und zierlichen Thaifrau, die leicht bekleidet auf mir hockte und liebevoll meinen ermatteten Körper streichelte. So, oder ähnlich war bislang meine Vorstellung von einer Thaimassage gewesen. Ich aber hatte Frau Fleischberg.
    Sie befahl mir, mich zu setzen und die Hände hinter meinem Kopf zu verschränken. Ich gehorchte.
    Das hätte ich besser nicht tun sollen. Sie kniete sich hinter mich und schob hinterrücks ihre Arme unter meinen hindurch und legte ihre Hände in meinen Nacken.
    Sie hob mich etwas an und wiegte mich, wie eine Mutter ihr Baby, liebevoll hin und her.
    Natürlich hätte ich wissen müssen, dass sie dieses nur tat, um mich in Sicherheit zu wiegen.
    Dann plötzlich, als ich ganz entspannt in ihren Armen hing, verdrehte sie schlagartig meinen Oberkörper.
    Sämtliche Rückenwirbel sprangen aus ihrer ursprünglichen Lage. Lebenslang gelähmt zu sein, war mir sofort klar.
    Doch noch ehe ich mich mit diesem Gedanken anfreunden konnte, verdrehte sie meinen Oberkörper in die entgegen gesetzte Richtung. Meine Wirbel sprangen zurück – einige sogar in ihre ursprüngliche Position.
    Endlich, nachdem sie mir auch die Arme wieder eingerenkt hatte, ließ sie von mir ab.
    “120 Baht“, sagte sie zu Pui, die eingeschüchtert bezahlte.
    Frau Fleischberg strich ihre Belohnung ein und verließ uns indem sie die Tür hinter sich zuschlug – aber nicht ohne vorher zu fragen, ob sie mich morgen erneut ............. dürfe.
    Aus Angst nickte Pui.

    Der Unterricht mit Toi fand jetzt täglich statt. Auch Pui war meine Schülerin und saß bei uns. Warum nur?
    Der Lernerfolg, besonders bei Toi, war aber recht mäßig. Täglich, zur vereinbarten Zeit, erschien sie in der Sala, stellte mir eine Flasche Chang-Bier und ein Glas hin, setzte sich und begann zu träumen. Den Stoff vom Vortag hatte sie regelmäßig vergessen.

  2.  
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  3. #22
    Avatar von phi mee

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    Re: Thailand - Feb 2005

    MGJ, wer ist denn jetzt Lian :???:
    Oder habe ich da was überlesen

    Ansonsten, mach blos schnell weiter! :bravo:


    phi mee


    Reiner Schreibfehler. Habe ich korrigiert.

    Gruß

    Mang-gon Jai

  4. #23
    Avatar von Serge

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    Re: Thailand - Feb 2005

    Fleischberg!!
    Sei froh - ich hatte letzte Woche das maennliche Pendant :O
    Konnte drei Tage nicht laufen! Jedenfalls nicht richtig.

  5. #24
    Avatar von Mang-gon-Jai

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    Re: Thailand - Feb 2005

    Teil VI

    Am folgenden Nachmittag unternahm ich einen Spaziergang, allein. Pui wollte nicht mitkommen. Die Sonne stand noch hoch am Himmel und da bestand die ernste Gefahr, dass ihre Haut etwas dunkler werden könnte. Dieses Risiko konnte sie auf keinen Fall eingehen und so machte ich mich also allein auf den Weg, während Pui das Fernsehprogramm durcharbeitete.
    Als ich dann nach etwa zwei Stunden zurückkam, hatte sie Besuch in unserem Bungalow: Frau Fleischberg.

    Frau Fleischberg saß in einem großen geschnitzten Sessel und konzentrierte sich auf das Fernsehen.
    Pui lag auf dem Bett und auf ihr hockte eine niedliche junge Thaifrau, die sie massierte. Wieso bekommt Pui solch eine niedliche Thaifrau, während ich von Frau Fleischberg vergewaltigt werde?
    “Das ist Nok“, sagte Pui. „Nok ist Lehrling bei Frau Fleischberg. Sie lernt Leute zu massieren. Nok darf mich massieren; das ist kostenlos, weil Nok ja noch lernt.“
    “Ach so.“
    “Soll Frau Fleischberg dich auch massieren?“
    “Nein, danke. Ich habe heute etwas Rückenschmerzen.“
    “Gerade dann sollte ich dich massieren“, meldete sich der Preisringer zu Wort.
    “Nein! Heute nicht.“ Ihr Massieren musste ich mir ja nicht jeden Tag antun. Heute nicht!

    In einem kleinen Kramladen in Soeng-Sang standen zwei PCs. Hier hatte man tatsächlich die Möglichkeit, ins Internet zu gelangen. Das nutzte ich natürlich.
    Beim Einloggen ins Nittaya bemerkte ich, dass mir ein anderer Europäer genauestens auf die Finger schaute. Bewusst gab ich ein falsches Password ein und verließ dann das Geschäft.
    Nach etwa zwei Stunden saß ich wieder vor dem gleichen Computer. Jetzt war ich allein. Jetzt konnte ich mich nicht mehr ins Nittaya einloggen. Mein Account war gesperrt. Sollte da etwa jemand….?
    Mein Verdacht erhärtete sich. Im Verlaufsordner konnte ich sehen, dass mehr als zwanzig mal auf Nittaya zugegriffen worden war. Das war es – mein Account war gesperrt.

    Meist steht Pui morgens früh auf – sehr früh. Jetzt jedoch, in der Bungalowanlage, nutzte sie ihren „Urlaub“ um morgens sehr lange zu schlafen. Ich war jetzt der, der früh aufstand. Das gefiel ihr nun gar nicht.
    “Kikiet norn lap (zu faul zum Schlafen)“, schimpfte sie im Halbschlaf. Solch eine Satzkonstruktion hatte ich bislang noch nie gehört. In Zukunft werde ich dieses Konstrukt nutzen.

  6. #25
    Awenndragon
    Avatar von Awenndragon

    Re: Thailand - Feb 2005

    (zu faul zum Schlafen)

    Hallo Mang-gon-Jai

    Ein klasse Reisebericht, hab in Gestern Nacht angefangen
    zu lesen und muste so lachen das mein Mitbewohner davon
    aufgewacht ist :bravo:
    Freu mich schon auf die Vortsetzung

    Awenndragon

  7. #26
    Avatar von Mang-gon-Jai

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    Re: Thailand - Feb 2005

    Teil VII

    “Kikiet norn lap (zu faul zum Schlafen)“, schimpfte sie im Halbschlaf. Solch eine Satzkonstruktion hatte ich bislang noch nie gehört. In Zukunft werde ich dieses Konstrukt nutzen.
    Nach meinen ausgedehnten Spaziergängen in der schon morgens recht heißen Sonne weckte ich Pui dann jedoch. Frühstücken war angesagt.
    Khao-thom und ein Glas Wasser sowie Toast mit Spiegelei und eine Tasse Kaffee. Wer was bekam, verrate ich nicht.

    Pui und ich waren uns zwischenzeitlich deutlich näher gekommen. Ihr Besuch in Deutschland wurde geplant. Also brauchte Pui einen Reisepass. Die erforderliche Verpflichtungserklärung und den Nachweis einer Versicherung wollte ich ihr von Deutschland aus zusenden.
    Wir mussten also nach Bangkok um einen Reisepass zu besorgen.
    Zusammen mit Pui war die Busfahrt nach Bangkok kein Problem. Sie kann lesen und schreiben und so musste ich nicht die Beschriftungen an den Bussen zusammen buchstabieren. Es ging alles flott, schließlich hatte ich ja auch keinen Koffer zu schleppen. :-)
    Pui war richtig aufgeregt, nach Bangkok zu fahren. Zwar war sie in der Vergangenheit schon einmal dort gewesen, hatte aber im Grunde von Bangkok noch nichts gesehen.
    “Wo werden wir wohnen? In einem Hotel?“
    Pui hatte in ihrem Leben noch nie in einem Hotel gewohnt.
    “Möchtest du in einem ganz großen Hotel wohnen?“
    Sie nickte begeistert.
    “Im höchsten Wolkenkratzer Thailands?“
    “Geht das?“
    „Ja, es hat mehr als 80 Stockwerke, es ist weit mehr als 300 Meter hoch. Oben befindet sich ein Restaurant. Während des Essens kannst du dann ganz Bangkok überblicken.“
    “Ehrlich? Ich habe dieses Hotel im Fernsehen gesehen. Hohe Politiker haben dort gewohnt.“
    Wir bezogen also das Bayoke 2 an der Ratchprarop-Road und bekamen ein sehr schönes Zimmer in der 37. Etage.
    Am ersten Tag in Bangkok war es schon zu spät, uns um den Pass von Pui zu kümmern. Das verschoben wir also auf den zweiten Tag.
    Wir fuhren zum Menam, zum Oriental-Anleger. Mit dem Linienschiff ging´s von dort für 8 Baht / Person zum Anleger „Tien“. Hier gibt es, direkt am Wasser, ein kleines und einfaches Restaurant mit gutem Essen. Grapau Gai und ein kühles Chang-Bier, das ist schon was.
    Dann besuchten wir den in unmittelbarer Nähe gelegenen Wat Poo. Hier war ich schon so oft gewesen, dass ich ihr alles zeigen konnte, auch die Massageschule, die Frau Fleischberg besucht hatte.
    Es war schon etwas eigentümlich – ich, der Farang, war der Fremdenführer einer Einheimischen.
    Die Rückfahrt zum Hotel per Taxi gestaltete sich als Geduldspiel. Buchstäblich Stunden standen wir im Stau.
    Schon seit Jahren stelle ich fest, dass bei jedem neuen Aufenthalt in Bangkok die Staus größer und länger geworden sind.
    Als wir dann endlich im Hotel ankamen, war es bereits dunkel geworden. Nach dem Duschen und Umziehen saßen wir dann im Nightclub in der 83. Etage und hörten Musik mit Blick auf das nächtliche Bangkok.
    Pui war begeistert. Ich hatte genau ihren Geschmack getroffen.
    Sie trank den ersten Cocktail in ihrem Leben – mit den zu erwartenden Folgen.

  8. #27
    Rene
    Avatar von Rene

    Re: Thailand - Feb 2005

    mit den zu erwartenden Folgen
    so oder so ......

  9. #28
    Avatar von Mang-gon-Jai

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    Re: Thailand - Feb 2005

    Zitat:
    mit den zu erwartenden Folgen
    so oder so ......
    Na, beides. Erst das Eine... dann das Andere.


    Gruß

    Mang-gon Jai

  10. #29
    Avatar von Mang-gon-Jai

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    Re: Thailand - Feb 2005

    Teil VIII

    Am nächsten Morgen, auch wenn Pui einen etwas schweren Kopf hatte, fuhren wir mit dem Taxi nach Samut-Prakan, ihren Reisepass zu besorgen.
    Es ist zwar schon ein paar Jahre her, seit ich das letzte Mal dort war, aber ich war mir sicher, die Passstelle zu kennen.
    Dort, wo uns der Taxifahrer hingebracht hatte, war es auf jedenfalls nicht! Natürlich war er sofort wieder weg, noch ehe ich reklamieren konnte.
    Da standen wir nun in Samut-Prakan vor einem riesigen Kaufhaus und wollten eigentlich zur Passstelle.
    Energisch zog mich Pui in das Kaufhaus. Frauen müssen immer irgendetwas kaufen.
    Sie wollte aber nichts kaufen. Sie fragte an der Information, wo man Reisepässe bekommt. Zu meiner Verwunderung wurde sie nicht ausgelacht sondern man beschied ihr, in den fünften Stock zu fahren, dort sollte es Reisepässe geben. Reisepässe in einem Kaufhaus? Lächerlich!
    Trotzdem fuhr ich mit ihr etliche Rolltreppen nach oben. Hier sah es im Grunde ganz genau so aus, wie unten: Shop neben Shop. Es gab chinesische Vasen, künstliche Blumen, Bayrische Brezeln, Gehäuse für Handys und Büstenhalter in Übergrößen. Aber selbstverständlich keine Reisepässe.
    “Lass uns gehen. Hier sind wir falsch. Hier ist ein Kaufhaus und keine Behörde.“
    “Aber der Taxifahrer hat gesagt, hier sei es richtig.“
    “Der hatte doch keine Ahnung. Er hat uns irgendwo hin gebracht und ist dann, sobald er sein Geld hatte, schnellstens verduftet.“
    “Die Frau am Infostand hat gesagt, wir müssten in den fünften Stock fahren.“
    “Das hätte sie dir auch gesagt, wenn du gefragt hättest, wo du einen Ozeandampfer kaufen kannst. Du siehst doch, hier sind nur Läden. Die verkaufen dir keine Pässe.“
    “Wir fragen noch einmal.“ Und schon sprach sie den nächsten Passanten an. Der würde sich totlachen.
    “Ihr müsst bis ganz hinten in die Ecke gehen. Dort gibt es Pässe“, meinte er, ohne zu lachen.
    Langsam hatte ich den Eindruck, als steckten hier alle unter einer Decke. Wir schlürften also die riesige fünfte Etage entlang, bis in die hinterste Ecke. Dort war dann Schluss, es ging nicht weiter – nein, nicht ganz. Dort war der Eingang zum Parkhaus.
    “Glaubst du mir jetzt? Oder willst du auch noch das Parkhaus nach einer Passstelle durchsuchen?“
    Sie hörte nicht auf mich sondern sprach einen der Parkwächter an, der dort stand. Der schickte sie tatsächlich in das Parkhaus.
    “Was sollen wir im Parkhaus? Glaubst du denn wirklich, dass du dort einen Reisepass bekommst? Glaube doch einmal mir. Die Passstelle ist hier nicht. Machen wir uns nicht weiter lächerlich, gehen wir.“
    Ich hatte tatsächlich langsam den Eindruck, mich lächerlich zu machen. Aber gegen eine Thaifrau, auch wenn sie noch so klein ist, kommt der gesunde Menschenverstand einfach nicht an.
    Pui griff meine Hand und zog mich in das Parkhaus.
    Da standen wir nun zwischen all den Autos. Links war die Auffahrrampe, hinter uns der Eingang zum Kaufhaus, rechts ging es abwärts und vor uns… die Passstelle.
    Hatte ich doch gleich gewusst, aber mir glaubt ja keiner.

  11. #30
    Avatar von Mang-gon-Jai

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    Re: Thailand - Feb 2005

    Teil IX

    In der Passstelle erhielt Pui einen Vordruck, den sie ausfüllen sollte sowie eine Wartenummer. Diese Nummern wurden laufend per Lautsprecherdurchsage aufgerufen und die Person dann an einen der vielen Schalter verwiesen. Pui war noch lange nicht dran.
    Sie füllte alles sorgfältig aus. Also Name, Vorname, Wohnort, Geburtstag usw. Dann kamen die Fragen nach Größe und Gewicht. Das gestaltete sich als schwieriger.
    “Was für ein Gewicht soll ich eintragen?“
    “Ich denke, das, was du wiegst.“
    “Nein, so schwer bin ich nicht“
    “???“
    “Was für ein Gewicht soll ich eintragen?“
    “Wie viel wiegst du denn?“
    “Fast 48 Kg.“
    “Dann trag das doch ein.“
    “Nein, das ist zu viel und so schwer bin ich ja auch gar nicht.“
    “???“
    “Ist 45 Kg o.k.?“
    Ich nickte, verstanden hatte ich das aber nicht so ganz.
    Dieses Problem schien sie aber nicht allein zu haben, wie ich aus Gesprächen anderer Frauen (es waren fast nur Frauen hier) entnehmen konnte. Es wurde um Gewichte gefeilscht, Gebote gemacht, korrigiert und die Korrektur wieder verworfen.
    Ähnlich ging es dann bei der nächsten Frage, der Körpergröße.
    “Wie groß bin ich?“
    „Keine Ahnung. Das musst du doch wissen.“
    „Ich weiß es ja auch, 148 cm.“
    “Warum fragst du dann mich?“
    “Weil das zu klein ist.“
    “???“
    Zum Glück sah ich in einer Ecke des Raums ein, an der Wand befestigtes Bandmaß. Dort konnte man sich messen.
    “Dort!“, ich zeigte zu dem Bandmaß.
    Wir gingen zu diesem Gerät. Jetzt sahen wir auch, dass dort eine Personenwaage stand. Erstaunlicher Weise wurden aber weder das Bandmaß noch die Waage von den Thaifrauen benutzt. Man verlegte sich hier wohl mehr auf das Schätzen. Nun, zwei mal geschätzt ist sicher genau so genau, wie einmal gemessen.
    “Schuhe aus!“. An der Wand hing ein Schild auf dem darauf hingewiesen wurde, dass die Körpergröße ohne Schuhe zu messen sei.
    Pui gehorchte und zog die Schuhe aus. Ich schob sie an die Wand mit dem Maasband.
    “147 cm.“
    “Das Bandmaß geht falsch!“ Pui war empört.
    “Warum?“
    „Ich war schon immer größer. Ich weiß, dass ich 148 cm groß bin.“
    “Dann trag doch 148 cm auf dem Blatt ein.“
    “Ich bin bestimmt noch größer. Miss noch einmal.“ Sie war dabei, ihre Schuhe anzuziehen.
    “Ohne Schuhe steht dort.“ Ich wies auf das Schild an der Wand.
    Also ohne Schuhe. Erneut stand sie mit dem Rücken an der Wand und versuchte, sich so groß wie möglich zu machen.
    “148 cm.“
    “Siehst du! Das Maas geht falsch. Ich bin größer“, triumphierte sie.
    “Wie groß?“
    “150? Wenn ich 150 cm eintrage, meinst du, dass man das merkt?“
    “Nein, wenn du nicht 180 cm schreibt, wird niemand nachmessen.“
    Genüsslich malte sie eine 150 in die dafür vorgesehene Spalte auf dem Blatt.
    “Was die alles wissen wollen.“
    “Da kommt noch mehr. Du musst noch die Größe deiner ..... angeben.“
    Da war er wieder, dieser unsichere Blick. War das wohl Ernst gemeint?
    “Die haben hier extra jemanden beschäftigt, der per geübtem Griff die Mopsgröße der Frauen ermittelt.“ Dabei überlegte ich, ob das evtl. ein Job für mich sein könnte.
    “Gohok tok nalok“, grinste sie.
    Das Formblatt, welches jeder Antragsteller ausfüllen musste, bot jedoch noch einen weiteren problematischen Punkt.
    Geben Sie ihren Vornamen und Namen in englischen Buchstaben an, stand da. Das empfand ich wirklich etwas eigentümlich. Nicht alle Thai sprechen englisch. Englisch schreiben können sicher noch weniger. Ihren Namen in englischer Schreibweise einzutragen, war für viele sicher zu schwer.
    “Manilai Pinkontod“ schrieb ich für sie.
    Das war es damit für sie. Ihr Formblatt war ausgefüllt und sie konnte sich auf einen der Wartestühle setzen und hoffen, dass ihre Laufnummer bald aufgerufen würde.
    Für mich fing jetzt allerdings die Arbeit erst an.
    Einige Thaifrauen hatten nämlich gesehen, dass ich Puis Namen ins Englische transkribiert hatte. Sofort waren sie bei mir, um sich hierbei auch helfen zu lassen. Ich setzte mich also an eine der Tische und schrieb die Namen von thailändischen Frauen in englischer Schrift.
    Sie hielten mir ihre Ausweise hin. Dann mussten sie ihren Namen noch einmal langsam und deutlich vorsprechen und ich schrieb. Ich hatte nicht übel Lust, den einen oder anderen Namen mit „Rita Riechfinger“ oder ähnlich zu transkribieren – tat ich aber natürlich nicht.
    Es war vielleicht die achte Frau, deren Namen ich geschrieben hatte. Sie war die erste, die fragte „Was kostet das?“
    “Free - das kostet nichts.“
    Sie bedankte sich mit einem Wai und legte dann zwei Orangen auf meinen Tisch.
    Das machte Schule. Von jetzt ab bezahlten meine Kundinnen mit Naturalien. Selbst einige, die ihren englischen Namen bereits von mir erhalten hatten, kamen zurück und legten irgend etwas zu meinen Schätzen.
    Dann kam Pui zurück.
    “Ich kann den Pass in vier Tagen abholen.“
    Sie musterte meine Beute und verschwand, kam aber bald zurück. Jetzt hatte sie eine Plastiktüte bei sich. Weiß der Teufel, wo sie die Plastiktüte bekommen hatte.
    Dann packte sie ein. Sechs Orangen, sieben Bananen, ein Bund Pak-Schii, ein Sandwich, dreieckig geschnitten und in Plastikfolie verpackt und ein 10-Baht Stück.
    “Möchtest du eine Banane?“, fragte sie, als wir im Taxi saßen.

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