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Tapetenwechsel nach Penang

Erstellt von HPollmeier, 19.08.2004, 18:45 Uhr · 0 Antworten · 1.616 Aufrufe

  1. #1
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    Tapetenwechsel nach Penang

    Hallo,

    wir versuchen, ein wenig vom Trendtourismus zu sogenannten Trauminseln abzulenken und blicken ueber die Landesgrenzen Thailands:

    Tapetenwechsel nach Penang
    Von Heinz & Rainer Pollmeier


    "...und wenn es stimmt, daß man glücklicher wird, wenn man reist", sagt der Tourismusvordenker Jost Krippendorf, "dann ist für die Reisenden sicher dieses vorübergehende Glücksgefühl während des Urlaubs ein Segen."



    Die Wissenschaftler nennen den Tapetenwechsel auch Flucht-Motivation: nicht arbeiten müssen und nicht zu Hause sein als höchstes der Gefühle. Wem Thailand sehr vertraut ist, den erwischt das Nix-wie-weg-Phänomen bisweilen an den Rändern des Königreiches und er macht eine Stippvisite ins Nachbarland, wenn es denn politisch möglich ist.




    Sungai Ko-lok (Golok) an der malaiischen Grenze beispielsweise lädt zu einem Sprung nach Kota Baharu ein oder Hat Yai zu einem Flug nach Penang. Beide Städte sind Shopping-Center für Malaysier, leben vom 5ex und leben sehr gut davon. Nach Gelesenem und Gehörtem müßte man sich dort in den großen Touristikhotels mit Massagesalons, Discos und zwielichtigen Friseurläden so richtig schön verkommen fühlen. Aber weit gefehlt: Im Gegensatz zu Bangkok, Pattaya und Phuket spielt sich das Nachtleben so diskret ab, daß unbefangene Europäer gar nicht merken, was muslimisch-puritanische Malaien zu später Stunde finden, was Mohammed verboten hat. Nur das typisch thailändische ewige Lächeln zerläuft bisweilen zu einem süßlichen Grinsen, weil Aids die Geschäfte gründlich verdorben hat.


    Wem Chinatown in Bangkok bereits chinesisch vorkommt, kommt in Georgetown nicht aus dem Staunen heraus. Die Stadt auf Pulau Pinang, wie die Insel der Betelnußpalmen auf malaiisch heißt, hat Charakter und Atmosphäre, ist gewiß die kosmopolitischste Stadt Südostasiens. Hier leben Moslems, Hindus, Christen und Buddhisten eng zusammen. "Es gibt wohl kaum in irgendeinem Gebiet der Welt einen so kleinen Ort, in dem viele verschiedene Menschen unterschiedlichster Nationalität leben, und in dem eine solche Vielzahl verschiedener Sprachen gesprochen wird", schrieb bereits der englische Gouverneur Sir George Leith. Es ist unverkennbar eine chinesische Stadt mit malaiischen und indischen Einsprengseln, repräsentativen, kolonial-englisch geprägten Palästen, farbenprächtigen Tempeln, Restaurants aller Völkerküchen und Läden mit einem unübersehbaren Angebot.





    Gilt die Insel Penang als Malaysia in Taschenformat, tourismusgerecht mit Urwald, Tempeln und Folklore, an den Stränden Luxushotels,


    ist die Altstadt von Georgetown besonders aufregend mit ihren enggedrängten und schmalen, zwei- und dreistöckigen Wohn/Ladenhäusern und offenen Geschäfts- und Handwerksräumen im Straßengeschoß. Viele dieser Wohn- und Handelsquatiere mit integriertem Kleingewerbe im Familienbetrieb sind 80 bis 120 Jahre alt, werden aber nicht niedergerissen wie in Singapur - dort ist es schwierig, tatsächlich noch wirklich chinesische Überreste zu finden - sondern wurden und werden wundervoll restauriert.



    In Georgetown, der Inselhauptstadt, bleibt ihre Welt der Traditionen und Lebensformen erhalten. Nie endende Geschäftigkeit kennzeichnet die rostförmigen Gassen mit ihren geradlinigen Reihenhäusern in den tiefgestaffelten, schmalen Bauparzellen. Die Krämerläden zeigen prächtige Farben und Reklamen, der Gründerzeitstuck wurde erneuert. Ein Glück für die Nachwelt, denn die Malaien verfügen im Unterschied zu den Chinesen oder Indern über keine städtische Tradition. Es gibt keine ursprüngliche malaiische Stadtkultur, die der Rede wert wäre. Abgesehen von den versunkenen Gründungen des Sri Vijaya-Reiches, wie das sagenhafte "Kedah", ist Malakka die einzige einheimische, historische Stadt Malayas. Die Sultans-Sitze hatten ländlichen Charakter.





    Aber der morbide Charme von Georgetown kann über einige Tatsachen nicht hinwegtäuschen: Die Altstadt wird nach und nach entvölkert; von einst 60.000 Menschen leben nur noch etwa 20 bis 25.000 in den alten Gemäuern. Als die Mietbindung fiel, schossen die Entgelte in die Höhe – auch hier Kapitalismus pur. Wie bei uns Kinderspiel- den Parkplätzen weichen, wird manche alte Gasse zu Stellflächen für Touristenbusse planiert. Beim chinesischen Monopoly liegt ohnehin die Hälfte aller Altstadthäuser in den Händen weniger Chinesenklans. Bei mangelnder Stadtplanung werden sie die Bodenpreise weiter in die Höhe treiben.

    Spritztour nach Lankawi





    Charlotte Wiedemann schreibt dazu in ihrem Buch „Die Hütte der kleinen Sätze“:
    „Kulturerbe soll lebendiges Erbe sein, sagen die Richtlinien der Vereinten Nationen, Living Heritage, eine Altstadt mit gewachsenen Communities, seien sie ethnisch, religiös oder gewerblich. Der „Penang Heritage-Trust“ arbeitet nach diesem Konzept: eine Bürgerinitiative von Architekten, Historikern, Künstlern, Publizisten, einig im Bemühen, sterbende Häuser und sterbende Berufe vor dem kalten Wind des Marktes zu schützen. Eine wohlmeinende Elite, sachkundig, international vernetzt – aber vom sozialen Mikrokosmos der Altstadt-Bewohner selbst weit entfernt.

    Darin liegt eine gewisse Ironie: Diejenigen, die Heritage leben, verstehen am wenigsten davon. Die Altstadt wird heute notdürftig bewahrt durch den schieren Konservatismus einer chinesischen Unterschicht, in der Malaysias Modernisierung noch nicht Fuß gefasst hat. Mit Denkmalschutz haben die Leute nicht viel im Sinn.“


    Malaysia mit rd. 18 Mio. Einwohnern hat heute ca. 60% Malaien, 30% Chinesen und 8% "Inder", Einwanderer aus Indien, Pakistan, Bangladesch und Sri Lanka. Die Chinesen wanderten etwa ab 1820 mit dem Zinnrausch ein, ihre Schwerpunkte liegen immer noch in den Zinnbergbaugebieten. Singapur, Penang und Malakka waren ihre Haupteinwanderungshäfen und blieben am stärksten chinesisch bevölkert. Eine Exkursion durch Georgetown ist ein Ausflug in die wechselvolle Geschichte:

    Für chinesische und indische Kaufleute war die malaiische Halbinsel ein günstiger Zwischenaufenthalt. Sie brachten den Hinduismus, den Buddhismus und vor allem den Islam in das von halbnomadisierenden Eingeborenen besiedelte Land. Wohlhabende Handelsmetropolen entstanden entlang der Küste. Unter ihnen entwickelte sich Malakka im frühen 15. Jahrhundert zu einem bedeutenden Machtzentrum. Der Kaiser von China erhob es 1409 zum Königreich, 1511 eroberten es die Portugiesen, die 1641 von den Niederländern vertrieben wurden. Als Tauschgeschäft kam es 1824 an die Briten. Um 1930 standen alle malaiischen Staaten der Halbinsel unter britischem Protektorat. 1963 entstand Malaysia.


    Den Briten lag im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert vor allem an einer Flankendeckung für Indien, insbesondere gegen die rivalisierenden Franzosen; außerdem wollten sie den Seehandel mit China - Opium aus Bengalen gegen Tee aus Kanton - und zu den Gewürzinseln sichern. Aus diesen Motiven erwarben sie 1786 die Insel Penang. Nach der napoleonischen Unterwerfung der Niederlande besetzten sie ab 1794 Malakka, die Molukken und die Westküste Sumatras, von 1811 bis 1816 auch Java, das allerdings an Holland zurückgegeben wurde. Sir Stamford Raffles baute 1819 die britische Kontrolle über die Meeresstraßen durch die Gründung Singapurs zu einer strategischen und handelspolitischen Schlüsselstellung aus, so daß mit späteren Erwerbungen von Sarawak (1842), der Insel Labuan mit ihren Kohlenlagern (1846), Sabah und Honkong die Kontrolle über das Südchinesische Meer und die Seewege nach Ostasien und Australien gesichert waren. Penang überflügelte den versandenden Hafen von Malakka und konnte sich als Freihafen großartig entfalten. Das britische Protektorat weitete sich ab 1874 auf die inneren Malayenstaaten wie Selangor usw. aus, 1914 folgten Jahor und die vier nördlichen Sultanate, die bis 1909 noch unter thailändischer Oberherrschaft gestanden hatten.


    Georgetown ist ein typisches Beispiel für die Entstehung einer malaiischen Stadt, denn aus der Verbindung repräsentativer Bauten der Kolonialverwaltung, der Handels- und Bankhäuser und der chinesisch/indischen Viertel wuchsen später die modernen Stadtzentren heran, oft aus Wassersiedlungen wie in Penang oder an Mangrovenrändern, ganz im Gegensatz zu den alten Tempel-, Palast- und Königssitzen in Südostasien mit urbaner Tradition wie Angkor oder auch Mandalay, Hue´ oder Bangkok. Die Zentren tragen das Gepräge des georgianischen und viktorianischen Kolonialstils, die von christlichen Kirchen in typisch britischer Formgebung, chinesischen und indischen Tempeln, islamischen Moscheen und den dichtgedrängten Häusern der chinesischen Händler umringt werden. Die alten Europäerviertel mit den kolonialzeitlichen Villen in schattigen Parks an höher gelegenen Stadtrandvierteln sind heute Quatiere der einheimischen Eliten. Auch Kuala Lumpur ist noch ein Beispiel für dieses "orientalisch/altenglische" Erscheinungbild.


    Georgetown genießen wir weitgehend ohne Wolkenkratzer. Zwar versucht "das KOMTAR-Building der modernen Beton- und Glas-Kultur eine Schneise zu schlagen, den Durchbruch aber hat es nicht geschafft. Penang hat noch, was wir in Singapore längst vermissen: den Zauber einer fernöstlichen Metropole mit allen ihren Reizen und Problemen", schreibt ein Reiseführer.


    Und der Autor eines modernes Reisemagazin ergänzt nach dem Besuch einer Schmetterlingsfarm: "So ist Malaysia: vielfarbig, voller Spannung, in unkalkulierbarer Bewegung, dann wieder sanfte Ruhe, natürliche Zartheit, leicht zerstörbar - ein Schmetterling, dessen Schönheit sich erst richtig erschließt, wenn man das Glück hat, ihm näher zu kommen." Diese Zeilen können wir nicht übertreffen.


    Tips für Malaysia/Penang
    Beste Reisezeit:
    Ganzjährig. Das Klima ist tropisch, heiß und feucht (Luftfeuchtigkeit um 80%). Die Temperaturen schwanken zwischen 24 - 32 Grad Celsius. An der Westküste der Halbinsel Malaysia herrscht in den Sommermonaten Regenzeit mit trockenen Perioden, also praktisch immer Saison, an der Ostküste und in Sabah und Sarawak bringt der Nordostmonsun von November bis Februar heftige Regenfälle mit Überschwemmungen.
    Einreise:
    Für einen Aufenthalt von bis zu 90 Tagen genügt der Reisepaß, der bei Ankunft noch 6 Monate gültig sein muß. Ausreichende Geldmittel und Weiter-/Rückflugticket müssen nachgewiesen werden. Bei internationalen Abflügen aus Malaysia wird eine Gebühr von z. Zt. 20 M$, bei Inlandflügen von 5 M$ verlangt. Kriminelle Vergehen werden konsequent geahndet, auf Drogenhandel steht die Todesstrafe!
    Anreise nach Penang:
    Üblicherweise auf dem Luftweg, aber auch ansprechende Verbindungen mit der Schiene von Thailand/Singapur aus, z.B. mit dem luxeriösen Eastern & Oriental Express. Der ADAC bietet in Verbindung mit Mietwagen einen Hotelpaß an, mit dem man sich eine individuelle Package-Tour zusammenstellen kann.
    Unterkunft: Hotels für jeden Geldbeutel.
    Essen und Trinken:
    Von malaiisch-chinesischen Gerichten über indische Besonderheiten bis zu portugiesischen Spezialitäten ist in allen Preislagen alles zu haben, nicht zu vergessen die Vielfalt wohlschmeckender Früchte.
    Veranstalter:
    Deutsche Veranstalter offerieren Pauschal- und/oder Individualreisen mit verschiedenen Programmen unterschiedlicher Dauer an. Es herrscht gnadenloser Wettbewerb. Viele Airlines bieten auf Penang Stopover- oder Sonderangebote an. Preisvergleiche sind unverzichtbar. Malaysia und Singapore Airlines haben fast immer attraktive Angebote und Preise. Reisen von Thai Airways und Royal Orchid Holidays vermittelt in Deutschland: Royal Orchid Reiseservice, Jacobistr. 18, 40211 Düsseldorf, Tel. 0211/352031, Fax 0211/3613496.
    Verkehrsmittel:
    In der Innenstadt von Georgetown kann man alles gut zu Fuß erledigen, sonst helfen ausreichende öffentliche Verkehrsmittel oder Mietwagen.
    Geld:
    Die Landeswährung Ringgit, oft Malaysian Dollar genannt, und alle Fremdwährungen können in unbegrenzter Höhe ein- und ausgeführt werden. Reiseschecks und Kreditkarten werden akzeptiert.
    Gesundheit:
    Impfungen sind nicht vorgeschrieben, nur gegen Gelbfieber und Cholera zwingend, wenn man aus einem infizierten Gebiet kommt.
    Kleidung:
    Leichte, gut waschbare Sommerkleidung aus Baumwolle. Schon bei der Einreise sollte man einen gepflegten Eindruck machen, bei Räuberzivil besteht Abweisungsgefahr. Kurze Hosen sind außerhalb der Strände verpönt, Frauen sollten bei Besichtigungen dezent gekleidet sein.
    Literatur:
    Die besten Reisetips, vor allem für Individualisten, bieten die immer recht aktuellen Werke: Stefan Joose, Traveller Handbuch Malaysia-Singapore-Brunei und Reise Know-How Malaysia & Singapur, gut recherchiert, übersichtlich gestaltet; zerfällt leider schnell.
    Auskunft:
    Fremdenverkehrsbüro Malaysia, Roßmarkt 11, 60311 Frankfurt (Main), Tel. 069/283782/83, Fax 069/285215. Das Thai Büro in Penang: Wisma Central, 41 Macalister Road, Tel. 226 6000.


    Wir wuerden es sehr begruessen, wenn der Artikel durch weitere Arbeiten oder Bilder ergaenzt werden koennte.

    Gruss
    Heinz Pollmeier

  2.  
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