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Tammy und die Tote

Erstellt von moselbert, 22.11.2005, 23:19 Uhr · 148 Antworten · 6.544 Aufrufe

  1. #81
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und die Tote

    35.

    Nach einiger Zeit waren sie in einer Siedlung in Rangsit angekommen.

    „Das Hochhaus dort ist es.“ sagte Hans.

    „Gehen wir.“ Alle vier stiegen aus dem Wagen und gingen zum Haus. Dem Wachmann zeigte Kriëngsak seinen Dienstausweis. Sie konnten hinein. Der Wachmann war Hans nicht bekannt.

    Sie gingen in den dritten Stock. Hans ging zielstrebig auf eine Wohnungstür zu.

    „Da wohnt sie.“ sagte er.

    Kriëngsak winkte die beiden Polizisten zu sich. Dann klopfte er an der Tür.

    Nach einiger Zeit wurde sie einen Spalt geöffnet. Kriëngsak hielt seinen Dienstausweis in die Tür.

    „Polizei, lassen Sie uns bitte herein. Sind Sie Tammy?“ fragte er. Die Tür öffnete sich ganz und die vier Männer betraten die Wohnung. Hans sah die Frau zum ersten Mal.

    „Das ist nicht Tammy. Diese Frau kenne ich nicht.“ sagte er zu Kriëngsak.

    „Ach. Haben wir uns in der Wohnung geirrt?“

    „Nein. Haus und Wohnung sind richtig. Da bin ich mir ganz sicher.“

    „Wie lange wohnen Sie schon hier?“
    fragte Kriëngsak.

    „Seit zwei Monaten.“ antwortete die Frau. „Mein Freund hat mir diese Wohnung gemietet, damit ich ihm hier zur Verfügung stehe.“

    „So genau will ich es gar nicht wissen. Kennen Sie diesen Farang?“

    „Nein, ich habe ihn noch nie gesehen.“


    Kriëngsak wandte sich Hans zu.

    „Ihre Geschichte kann nicht stimmen. Die Frau wohnt seit zwei Monaten hier. Aber sie ist nicht Tammy.“

    „Nein, Tammy ist sie nicht. Aber die Wohnung ist die richtige. Schauen Sie, einige Bilder und Accessoires sind noch von Tammy.“

    „Das behaupten Sie. Ich kann das nicht beurteilen. Ich habe den Eindruck, Sie wollen uns nicht sagen wo Tammy ist und sie schützen.“


    Er sagte etwas zu seinen Kollegen, die die Wohnung wieder verließen.

    „Entschuldigen Sie. Es scheint eine Verwechslung vorzuliegen.“ sagte er zu der Unbekannten.

    „Aber das macht doch nichts.“

    „Geben Sie mir bitte Ihre Personalien, falls wir noch Fragen haben.“
    Sie reichte ihm eine Visitenkarte, die er in seine Brieftasche steckte.

    Dann verließen die vier Männer das Haus wieder. Sie stiegen in das Auto.

    „Wir fahren jetzt zu meiner Dienststelle nach Petchaburi zurück. Dann sehen wir weiter.“

    Der Wagen setzte sich in Bewegung. ein paar Straßen weiter hielten sie an einer Ampel. Ein Taxi bog aus einer Nebenstraße auf die Hauptstraße ein und fuhr langsam an ihnen vorüber. Aus den Augenwinkeln heraus sah Hans eine Frau hinten im Taxi sitzen.

    Er starrte die Frau an. Sie sah zu ihm herüber und erschrak auch. Das Taxi verschwand im Verkehr.

    „Tammy!“ sagte Hans. „Das war Tammy!“

    „Wo?“
    fragte Kriëngsak.

    „In dem Taxi, das gerade vorbei gefahren ist.“

    Kriëngsak drehte sich um.

    „Ich sehe kein Taxi.“

    „Ja, es ist ja schon weg. Aber Tammy saß drin. Sie war erschrocken.“


    Kriëngsak sah Hans lange an.

    „Ich denke, jetzt übertreiben Sie aber. Die angebliche Tammy scheint nicht zu existieren. Oder aber sie existiert und Sie wollen sie nicht verraten. Das verstehe ich sogar. Aber jetzt das mit dem Taxi, das verstehe ich nun wirklich nicht. Lassen Sie das, bitte, Herr Dauber. Machen Sie es uns nicht schwerer als es sowieso schon ist.“

  2.  
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  3. #82
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und die Tote

    36.

    „Sie haben sicher nichts dagegen, wenn ich Sie vorläufig festnehme, Herr Dauber.“ sagte Kriëngsak, als sie auf der Dienststelle in Petchaburi angekommen waren.

    „Festnehmen? Aber ich habe doch nichts getan.“ protestierte Hans.

    „Das sagen fast alle, wenn man sie nicht auf frischer Tat ertappt. Aber Ich habe keine andere Wahl. Schade, Herr Dauber. Sie sind mir nämlich eigentlich nicht unsympathisch. Aber sehen Sie: Sie haben kein Alibi, Sie wollten mit Ihrer Freundin ein neues Leben beginnen, Ihre Frau stand Ihnen vielleicht im Wege. Jetzt wollen Sie Ihre Freundin schützen und versuchen uns auf falsche Fährten zu führen. Vielleicht hat sie sogar schon das Geld von Ihnen bekommen. Ich werde natürlich weiterhin die andere Spur mit den beiden Einbrechern nicht aus den Augen lassen. Aber wer weiß ob es die beiden überhaupt gibt. Sie aber gibt es. Und Sie sind verdächtig. Frei rumlaufen lassen kann ich Sie nicht mehr. Vielleicht versuchen Sie unterzutauchen. Vielleicht nach Deutschland. Oder hier mit Ihrer Tammy.
    Wenn Sie die Wahrheit sagen, dauert es vielleicht nur ein paar Wochen und Sie sind wieder draußen. Ich hoffe es für Sie.“


    Die beiden Polizisten, die sie auf der Fahrt begleitet hatten, nahmen Hans in ihre Mitte und gingen in ein Nebengebäude. Hier gab es mehrere Zellen. In eine wurde Hans von den beiden Beamten eingesperrt. Zuvor wurden ihm seine persönlichen Gegenstände abgenommen. Auch seinen Hosengürtel und seine Schnürsenkel durfte er nicht mitnehmen. Hans hatte jedoch nicht die Absicht Selbstmord zu begehen.

    Nach einigen Stunden, dachte er daran, dass er seine Familie in Deutschland noch gar nicht informiert hatte. Er rief die Wachleute herbei. Diese verstanden jedoch nicht, was er von ihnen wollte. Er konnte ihnen aber begreiflich machen, dass er Kriëngsak zu sprechen wünschte. Dieser kam dann auch nach einiger Zeit zu ihm.

    „Ich möchte meinen Sohn in Deutschland anrufen.“ sagte Hans.

    „Das ist eine sehr gute Idee. Weiß er schon, dass seine Mutter tot ist?“

    „Nein. Ich habe noch keine Zeit gefunden, es ihm zu sagen.“

    „Geben Sie mir die Nummer, ich werde ihn informieren.“
    schlug Kriëngsak vor.

    Obwohl Hans es besser gefunden hätte, er hätte selber angerufen, gab er Kriëngsak die Nummer.



    Fortsetzung folgt

  4. #83
    Avatar von ling

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    Re: Tammy und die Tote

    In der Haut des Protagonisten möchte ich nicht stecken!

    Ist ein hartes Pflaster..... Sowas kann in Dtl. (juristisch) schon problematisch sein; in Thailand stell ich mir sowas noch viel schwerer vor.

    Die Geschichte ist echt spannend und sicherlich in ähnlicherweise auch vorstellbar! :bravo: Moselbert!

    LG, ling

  5. #84
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und die Tote

    37.

    „Dauber.“ meldete sich Michael, nachdem er den Hörer des klingelnden Telefons abgehoben hatte.

    Er hörte die Stimme eines Unbekannten, der ein Englisch mit starkem Akzent sprach. Aber er verstand ihn.

    „Guten Tag. Sind Sie der Sohn von Hans Dauber, der jetzt in Thailand lebt?“ fragte der Unbekannte.

    „Ja, der bin ich. Was ist mit ihm.“

    „Mein Name ist Kriëngsak. Ich arbeite bei der Polizei in Petchaburi. Wir haben ihren Vater festgenommen, weil er im Verdacht steht, seine Frau getötet zu haben.“

    „Was haben Sie? Das kann nicht sein. Sie machen böse Scherze, mein Herr.“

    „Leider nicht. Ihre Mutter ist in der vergangenen Nacht ermordet in ihrem Haus in Cha Am aufgefunden worden. Ihr Vater hat kein Alibi. Er wollte Sie selber anrufen, aber ich habe das für ihn übernommen.“


    Michael war entsetzt.

    „Das kann überhaupt nicht sein. Er würde nie unsere Mutter umbringen. Sie haben sich doch so geliebt.“

    „Geliebt, hm. Wissen Sie, dass er eine Geliebte in Bangkok hatte? Das immerhin hat er selber zugegeben.“

    „Ich möchte bitte mit meinem Vater sprechen.“
    verlangte Michael.

    „Das geht im Moment nicht. Er sitzt im Untersuchungsgefängnis.“

    Michael überlegte.

    „Es ist vielleicht besser, wenn ich selber nach Thailand komme. Ich nehme den nächst möglichen Flug.“

    „Das ist eine sehr gute Idee, Herr Dauber. Ihr Vater kann sicherlich Beistand gebrauchen. Auf Wiedersehen.“


    Michael legte auf. Dann ging er sofort zu seiner Frau und überbrachte ihr die schlechten Nachrichten.

    „Ich werde fliegen.“ sagte er. „Du bleibst hier mit den Kindern. Ich muß mir selber ansehen, was da drüben passiert ist.“

    Michael rief noch seine Schwester an, die am Telefon einen Weinkrampf bekam. Sein Schwager aber war zugegen und konnte sie trösten.

    „Soll ich mitkommen?“ fragte dieser.

    „Nein, bleib Du hier bei den Frauen und Kindern. Ich mache das schon.“ antwortete Michael. Dann bestellte er telefonisch beim Reisebüro einen Flug nach Bangkok. Am Folgetag gab es noch ein paar freie Plätze bei der Thai Airways von Frankfurt. Michael hatte Glück.

  6. #85
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und die Tote

    38.

    Gleich nach seiner Ankunft war Michael nach Petchaburi geeilt und hatte seinen Vater im Gefängnis besucht.

    Hans hatte in der Zwischenzeit nachgedacht.

    „Es kann doch kein Zufall sein, dass die Einbrecher in der Küche nach dem Geld gesucht haben. Welcher normale Einbrecher sucht unter dem Fußboden nach Geld?“

    „Vielleicht war ein Brett lose.“
    meine Michael.

    „Das kann schon sein. Aber das wäre ein großer Zufall. Ein sehr großer Zufall. Andererseits glaube ich auch nicht, dass Tammy etwas damit zu tun hat. Sie ist doch nur eine nette Verkäuferin. Sicher etwas gekränkt, aber...“

    „Gekränkte Thais können auf abenteuerliche Ideen kommen. Immerhin hattest Du ihr gesagt wo das Geld ist. Hast Du ein Foto von ihr?“
    fragte Michael.

    Hans schlug sich mit der Hand an die Stirn. „Dass ich da noch nicht selber drauf gekommen bin. Ja, habe ich. Sie sind im PC abgespeichert. Im Ordner „eigene Dateien, eigene Bilder“. Du wirst sie sicher finden. Ich sage Dir noch mein Passwort.“

    Hans hatte seinen PC mit einem Kennwort gegen unbefugte Benutzung geschützt.

    „Vielleicht hilft ein Foto bei der Befragung von Zeugen.“ sagte Michael. Dann verabschiedete er sich.


    Fortsetzung folgt morgen nachmittag

  7. #86
    Avatar von ling

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    Re: Tammy und die Tote

    Fortsetzung folgt morgen nachmittag


    LG, ling

  8. #87
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und die Tote

    39.

    Am nächsten Tag saß er wieder bei Kriëngsak im Büro. Im Gegensatz zu seinem Vater sprach Michael gut Thai. Kriëngsak vergaß nach kurzer Zeit, dass er einen Deutschen vor sich hatte. Auch vom Aussehen her. In seinem Gesicht spiegelte sich die asiatische Herkunft seiner Mutter deutlich wieder.

    „Vielleicht hilft Ihnen ein Foto von Tammy.“ sagte Michael. Er legte dem Polizisten die Ausdrucke einige Bilder vor, die er auf der Festplatte des Rechners gefunden hatte.

    „Eine hübsche Frau. Ist das Tammy?“ fragte Kriëngsak.

    „Ja. Mein Vater hatte sie auf dem PC abgespeichert.“

    „Nein, das ist nicht die Frau, die wir in Rangsit in der Wohnung angetroffen haben. Ob Ihr Vater und Tammy unter einer Decke stecken?“

    „Mein Vater hat meine Mutter nicht umgebracht. Wenn er das sagt, dann glaube ich ihm das.“

    „Ich halte mich lieber an die Fakten.“
    sagte Kriëngsak. „Das heißt aber nicht, dass wir jetzt die Hände in den Schoß legen, weil wir den Täter schon haben. Es sieht zwar so aus. Er hat ein Motiv und kein Alibi. Auf der anderen Seite haben wir natürlich auch andere Fakten. So haben wir Fingerabdrücke in der Küche gefunden, die nicht von Ihren Eltern oder der Haushälterin stammen. Ferner gibt es die Aussage der Haushälterin, dass zwei Personen aus dem Haus gelaufen kamen. Haben sie Ihr schon die Fotos gezeigt?“

    „Sie hatte mich gebeten, sich bei ihrer Familie von den Ereignissen erholen zu können. Sie ist also im Moment nicht da.“

    „Dann werde ich sie eben dort aufsuchen.“


    Jemand klopfte an der Tür.

    „Ja?“

    Ein Kollege von Kriëngsak schaute herein.

    „Du bekommst wieder mal Besuch aus Bangkok.“

    „Ach. Wer ist es?“

    „Der vom Ministerium, der schon mal hier war.“


    Kriëngsak stutzte. Das war ein sehr ungewöhnlicher Vorgang.

    „Michael, wenn es Ihnen nichts ausmacht, setzen Sie sich doch bitte draußen hin. Ich rufe Sie dann wieder rein. Einen Besuch aus dem Ministerium soll man nicht warten lassen. Obwohl ich nicht weiß, was er wieder hier will. Aber ich werde es erfahren.“

    „Es macht mir nichts aus.“
    antwortete Michael. Er ging auf den Flur und setzte sich auf einen Stuhl. Ein älterer Thai mit einer eleganten Uniform kam den Gang entlang, würdigte Michael keines Blickes und verschwand in dem Zimmer des Polizeibeamten.

  9. #88
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und die Tote

    40.

    „Sie sind sicher überrascht, mich schon wieder hier zu sehen.“ begann Suraphand. „Aber ich hatte gerade in der Nähe zu tun. Und der Fall, den Sie mir beim letzten Besuch geschildert hatten, war so interessant, dass ich mich über den Fortgang der Untersuchungen erkundigen wollte.“

    Kriëngsak war beruhigt. Es war also nur Zufall, dass Suraphand wieder da war. Er hatte zuerst gedacht, bei der letzten Visite waren Unregelmäßigkeiten festgestellt worden.

    „Ich habe den Farang inzwischen festgenommen. Ihr Tip war Gold wert. Er hat kein Alibi, aber ein Motiv. Das Geld ist noch nicht wieder aufgetaucht, aber das finden wir auch noch. Ich gehe davon aus, dass es bei seiner Freundin ist. Die beiden stecken wahrscheinlich unter einer Decke. Aber ich langweile Sie sicher, Herr Suraphand.“

    „Nein, keineswegs. Wissen Sie, im Ministerium hat man nur noch mit Verwaltung zu tun und mit Überprüfungen und Empfängen. Das ist zwar alles ganz gut und schön, aber ich höre mir gerne vor Ort auch etwas über aktuelle Fälle an. Besonders, wenn sie so spannend sind wie dieser. Sie sind übrigens nicht der erste Beamte, dem ich so öfter meine Aufwartung mache.“

    Suraphand versuchte seinen Erkundigungen den Schein des Üblichen zu geben.

    „Ach so. Ich dachte schon, wir hier in Petchaburi wären etwas besonderes.“ lachte Kriëngsak.

    Suraphand lachte etwas gezwungen mit.

    „Es kann aber nicht mehr lange dauern, dann haben wir auch seine Freundin. Wir haben jetzt immerhin ein Bild von ihr. Tammy heißt sie übrigens.“ Kriëngsak zog das Foto, das ihm Michael vor wenigen Minuten gegeben hatte, aus einer Mappe hervor und reichte es Suraphand.

    Dieser hatte große Mühe seine Fassung zu wahren. Die Frau auf dem Foto war ohne Zweifel seine Tochter.

    „Wo haben Sie das her?“ fragte er.

    „Der Sohn des Farang ist hier und hat es uns mitgebracht. Er hat es auf dem Rechner seines Vaters gefunden. Er sitzt übrigens draußen auf dem Gang. Wir werden mit dem Foto in der Hand nochmal eine Befragung der Nachbarschaft vornehmen lassen. Vielleicht hat jemand sie gesehen. Vor allem aber die Haushälterin kann uns sicher noch weiterhelfen. Auch wenn es dunkel war. Vielleicht hat sie ja doch mehr erkannt.“

    Suraphand hatte seine Gefühle wieder unter Kontrolle bekommen. Mit dem Foto alleine würden sie nicht viel anfangen können. Und Tammy war inzwischen untergetaucht. Wenn sie sich ein Weilchen ruhig verhielt, konnte ihr nichts geschehen.

    „Das ist möglich. Ich werde mich aber jetzt auf den Weg machen. Vielleicht schaue ich bald mal wieder vorbei.“

    „Es wird mir eine Ehre sein, Herr Suraphand.“


    Dieser verließ den Raum. Auf dem Flur saß ein junger Mann. Suraphand warf ihm einen wütenden Blick zu und verließ das Gebäude.

    Draußen nahm Suraphand sein Mobiltelefon aus der Tasche und wählte eine Nummer. Jemand meldete sich.

    „Watchara, ich habe eine Aufgabe für Dich.“

  10. #89
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und die Tote

    41.

    „Kommen Sie bitte wieder herein, Michael.“ Kriëngsak hatte die Tür geöffnet.

    Michael stand auf und folgte Kriëngsak in dessen Arbeitszimmer.

    „Das war aber ein sehr unangenehmer Zeitgenosse, der aus dem Ministerium.“

    „Wie kommen Sie darauf?“

    „Wie er mich angesehen hat. Richtig böse.“

    „Tut mir leid. Sie sind in seinen Augen der Sohn eines Mörders.“

    „Und was bin ich in Ihren Augen?“
    fragte Michael.

    „Ich halte mich wie gesagt an die Fakten. Und die Fakten sagen, dass Ihr Vater noch nicht als Mörder verurteilt ist. Möchten sie einen Tee?“

    „Gerne.“


    Kriëngsak nahm den Telefonhörer ab und wählte eine Nummer. Kurze Zeit später kam ein Kollege mit zwei Gläsern heißem Tee.

    Sie bedankten sich. Sie ließen den Tee ihre Kehlen hinunterrinnen.

    „Wissen Sie was, Michael? Ich habe immer geglaubt, mit der Zeit könnte man die Menschen auch von ihren Reaktionen auf etwas beurteilen.“

    „Wie meinen Sie das?“

    „Na, ich sage Ihnen etwas und Sie reagieren darauf. Ich sage jemandem anderen das, und er reagiert anders darauf. Wenn ich Ihnen etwas zum Fall sage, dann reagieren Sie ganz normal. Natürlich haben Sie Sorge um ihren Vater. Das ist verständlich. Ihr Vater reagiert verängstigt. Wobei ich im Moment nicht weiß, ob er so reagiert, weil er Angst hat, wir würden ihm den Mord nachweisen, oder ob er Angst hat, er muß unschuldig ins Gefängnis.“

    „Das letztere wird es sein.“
    warf Michael ein.

    „Vielleicht. Aber es gibt auch manchmal Menschen, die völlig aus dem Rahmen fallen. Der Ministerialbeamte eben zum Beispiel. Der Fall scheint ihn doch sehr mitzunehmen. Er hat wirkliches Interesse an diesem Fall. Viele Vorgesetzte heucheln das nur. Das sieht man denen auch an. Sie schauen gelangweilt, und ob ich ihnen erzähle, ein Mörder hat sich in der Zelle erhängt oder ein Elefant hat einen Sack Reis umgeworfen, das ist für die völlig egal. Jetzt eben der Herr aber hat wirklich aufrichtiges Interesse gehabt. Wenn es ein Tatbeteiligter gewesen wäre, hätte ich gedacht, er hätte sich erschrocken. Von solchen Leuten brauchen wir mehr. Vielleicht hat das positive Beispiel von Taksin inzwischen auch auf die Ministerien abgefärbt. Dass sich die Leute da oben wirklich um die Probleme kümmern, weil sie wollen, dass es vorangeht, und nicht dass sie nur weiterwursteln, in der Hoffnung bald auszuscheiden und eine hohe Pension mit in den Ruhestand zu nehmen.“

    „Das Problem haben wir in Deutschland auch. Nur dass dort keiner sich traut, die Probleme richtig anzupacken.“


    Sie tranken ihren Tee aus.

    „Aber wir haben noch zu tun, Michael. Wissen Sie wo die Familie ihrer Haushälterin wohnt?“

    „Ja, sie hat mir die Adresse gegeben. Falls ich sie doch im Haus brauche. Aber bisher ging das sehr gut ohne sie.“

    „Dann los.“
    Beide standen auf und verließen den Raum.


    Fortsetzung folgt

  11. #90
    Avatar von ling

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    Re: Tammy und die Tote

    @ moselbert:

    Du bist echt ein Schreibgott!

    LG, ling

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