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Tammy und die Tote

Erstellt von moselbert, 22.11.2005, 23:19 Uhr · 148 Antworten · 6.536 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von moselbert

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    Tammy und die Tote

    Ganz frisch aus der Moselbertschen Schreiberei. Ein Krimi der längeren Art. Ich hoffe, er ist trotzdem spannend geworden, und wünsche Euch viel Spaß beim Lesen.

    Tammy und die Tote

    1.


    „Hörst du den Südwind? Er flüstert dir zu: ‚Tammy... Tammy... mein Glück bist du.’ “ Hans wusste nicht mehr genau, wie die alte Fernsehserie hieß, aus der dieses Lied stammte. Er wusste nur, er hatte sich verliebt. In eine Frau namens Tammy.

    Er schaltete den PC aus und ging vorsichtig zu seiner Frau ins Bett. Vorsichtig, um sie nicht zu wecken.

    Sie war schon vor zwei Stunden schlafen gegangen. In diese Frau hatte er sich vor 30 Jahren verliebt. Sie war sehr schön gewesen. Sie war eigentlich immer noch schön.

    Hans lag mit offenen Augen im Bett und dachte nach.

    ‚Ob das immer so ist?’ fragte er sich. ‚Dass in der Mitte des Lebens sich das Unterbewusste im Mann nach etwas Jüngerem sehnt?’

    Mitte des Lebens war natürlich übertrieben. Er glaubte nicht, dass er mit 110 Jahren sterben würde. Dazu war sein Leben viel zu hektisch verlaufen. Als Inhaber eines Im- und Exportgeschäftes hatte er viel zu tun gehabt. Er war weit in der Welt herumgekommen. Auf einer dieser Fahrten hatte er auch seine Frau kennen gelernt. Sie hatte in einem Friseursalon in Bangkok seinem damals noch vollen Haar ein neues Outfit verpasst. Und irgendwie hatte es gleich gefunkt zwischen ihnen.

    Und es hatte nicht lange gedauert, da hatte er sie nach Deutschland geholt und geheiratet. Sie hatte alle notwendigen Unterlagen besorgt, einschließlich des Touristenvisums. Damals war es noch problemlos möglich gewesen, mit einem solchen Visum zu heiraten. Inzwischen hatten die Schengenstaaten die Hürden höher gesetzt.

    Seine Frau Sumalee hustete und wachte auf. Sie bemerkte, dass er inzwischen im Bett war und wandte sich ihm zu. Sie legte beide Hände vor dem Gesicht zusammen und machte eine symbolische Verbeugung.

    Er hatte es inzwischen aufgegeben, seine Frau zu bitten, dieses nicht zu tun. Er sei ja schließlich kein Buddha, sondern nur der Ehemann.

    ‚Genau darum mache ich es.’ hatte sie ihm daraufhin immer geantwortet.

    „Da bist Du ja. Hattest Du noch so viel zu tun am Computer?“ fragte sie ihn jetzt.

    „Ja.“ log Hans. Na ja, ganz gelogen war es nicht. Er hatte tatsächlich noch etwas über den Bilanzen gebrütet. Bald würde das vorbei sein. Er wollte sein Geschäft an einen jungen Unternehmer verkaufen. Leider hatten seine Kinder kein Interesse gehabt, sich eine mindestens 60-Stunden-Woche aufzuhalsen. Irgendwie konnte er es verstehen. Er wollte es ja auch endlich ruhiger angehen lassen.

  2.  
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  3. #2
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und die Tote

    2.

    Nachdem er mit den Bilanzen fertig gewesen war, hatte Hans sich wieder mit Tammy getroffen. Rein virtuell, am PC. Nur so aus Neugier hatte er sich eines Tages bei einer der zahlreichen Partnersuchseiten im Internet registrieren lassen. Er wusste nicht, ob er diesen Tag verfluchen sollte oder nicht. Auf jeden Fall hatte er das Spiel weiter gespielt und mal auf die eine oder andere Anfrage geantwortet. Und manchmal kam sogar eine Rückmeldung. Und in einem Fall führte der Schriftwechsel zu einem näheren Kontakt mit einem weiblichen Wesen. Es war Tammy.
    Er hatte eine unterbewusste Vorliebe für Asiatinnen entwickelt. Nicht, dass es keine hübschen deutschen Frauen gab. Aber jeder Mensch hat andere Präferenzen. Und bei ihm waren es die Mandelaugen und das schwarze Haar.

    So war es kein Wunder, dass auch Tammy aus Asien kam. Nicht nur das, sie stammte auch noch aus Thailand. Das Land, das er in den langen Jahren mit seiner Frau schätzen und lieben gelernt hatte. Und Tammy war jung. Sie war Mitte 20 und hätte locker seine Tochter sein können. Das störte ihn aber nicht.

    Tammy schien aus einem begüterten Elternhaus zu kommen. Sie hatte zwar nie gesagt, was ihre Eltern beruflich taten, aber ihre Wohnung war mit einfachen, aber geschmackvollen Möbeln eingerichtet, wie sie sich ein ärmerer Haushalt nicht hätte leisten können. Und von ihrem Beruf alleine – sie sagte, sie sei Verkäuferin in der Elektronikbranche – hätte sie sich die ganzen Accessoires nicht leisten können.

    Tammy und Hans hatten beide eine Webcam und so konnten sie nicht nur miteinander chatten, sondern sich auch sehen. Aber immer nur abends spät, wenn seine Frau schon im Bett war. In Thailand war es dann morgens früh und Tammy frühstückte meist wenn sie redeten. Auch sie schien sich in ihn verliebt zu haben. Sagte sie jedenfalls. Und er glaubte es ihr. Er hätte ihr alles geglaubt, denn er war verliebt. Und er freute sich schon auf die in Bälde anstehende Reise nach Thailand. Nach dem Verkauf seiner Firma wollte er mit seiner Frau zusammen nach Thailand übersiedeln. 55 Jahre waren ein gutes Alter für diesen Plan, dachte er.

    Jedoch würde er es so einrichten, auch dann ab und zu alleine geschäftliche Fahrten zu unternehmen und alte Geschäftsfreunde zu treffen. Auch früher saß seine Frau lieber mit den Verwandten bei einem gepflegten Schwatz zusammen und blieb daheim. Das würde ihm jetzt zugute kommen. Denn zumindest einmal musste er Tammy treffen. Er wollte wissen, wie sie sich anfühlte und wie sie roch. Alles das konnte man am Computer nicht erfahren. Und sollte er sie dann noch lieben, dann müsste er weitersehen. Eine Scheidung kam für ihn eigentlich nicht in Frage. Aber in Thailand hatten viele Männer eine zweite heimliche Beziehung neben der Ehefrau. Warum sollte es ein Farang nicht auch so halten?

    Seine Frau war gleich nach dem Wai wieder eingeschlafen. Auch Hans drehte sich jetzt auf die Seite. Seine Gedanken kamen zur Ruhe. Auch er schloss die Augen und war nach kurzer Zeit im Land der Träume, in denen eine gewisse Tammy keine kleine Rolle spielte.

  4. #3
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und die Tote

    3.

    „Wann ist es so weit?“ fragte Sumalee ihren Mann am Frühstückstisch

    Hans schaute irritiert hoch. Er war in Gedanken versunken gewesen.

    „Was?“

    „Na, unser nächster und letzter Flug nach Thailand. Was sonst?“

    „Ach, ja richtig. Entschuldige, mir geht noch so viel im Kopf herum. Es dauert nicht mehr lange. Ich habe noch ein paar Sachen zu regeln wegen Verkauf und Übergabe an meinen Nachfolger. Aber das wird schon. Ein paar Monate dauert es aber noch.“


    Sumalee freute sich. Es würde wieder in ihre Heimat gehen. Es gab allerdings einen Wermutstropfen. Ihre gemeinsamen Kinder Susanne und Michael blieben in Deutschland. Sie hatten selber Familie und daher war das zu verstehen. Sumalee würde Kinder und die Enkel natürlich vermissen. Aber sie hatte den Lebensabend doch lieber in Thailand verbringen wollen. Auch da gab es eine Familie: Geschwister, Neffen, Nichten, deren Kinder. Langweilig würde es nicht werden. Michael und Susanne hatten versprochen, sie oft in Thailand zu besuchen. In ihr Haus, das Sumalee und Hans mit viel Geschmack eingerichtet hatten, wollte Michael mit seiner Familie einziehen.
    In Thailand hatte Sumalee sich ein Haus in Cha Am gekauft. Hier in der Nähe hatte sie mit ihren Eltern gelebt. Hier hatte man einen schönen Blick aufs Meer. Und es war auch nicht allzu weit weg von der Hauptstadt. Hier würden sie ihren Lebensabend verbringen und zusammen alt werden.

    „Aber unser letzter Flug nach Thailand wird es wohl nicht sein.“ riss Hans sie aus ihren Gedanken.

    „Wie meinst Du das?“ fragte Sumalee.

    „Zu Besuch werden wir doch ab und zu mal nach Deutschland fliegen.“

    Sumalee bejahte. Deutschland war auch schön. Allerdings war alles hier deutlich kälter als in ihrer Heimat. Sie war beeindruckt wie viel Kälte die Deutschen aushalten konnten. Vor allem im so genannten Sommer, wenn sie sich in die eiskalten Fluten der Nord- oder Ostsee stürzten. Den Winter fand Sumalee inzwischen auch sehr schön. Allerdings liebte sie ihn nur, wenn sie den Tanz der Schneeflocken oder die weiße Decke aus der warmen Stube bewundern konnte. Auch Rodeln oder eine Schneeballschlacht hatten ihren Reiz. Aber nur in Maßen und höchstens 5 Minuten von der Haustür entfernt, bitte.

    Es war fast alles geregelt. Sumalee war glücklich.

    Fortsetzung folgt

  5. #4
    Haatyao
    Avatar von Haatyao

    Re: Tammy und die Tote

    hallo moselbert

    :bravo: :bravo: :bravo:

    schön das du eine neue geschichte startest

    einen leser hast du schon gewiss. warete ungeduldig auf die fortsezung :-)

    gruß

    haatyao

  6. #5
    Avatar von Pee Niko

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    Re: Tammy und die Tote

    Zitat Zitat von Haatyao",p="296004
    [...] einen leser hast du schon gewiss. warete ungeduldig auf die fortsezung :-)

    gruß

    haatyao
    Mindestens 2 Leser . Als getreuer Moselbert-Fan lass´ ich mir natürlich keine Geschichte entgehen.

    Gruß von Niko

  7. #6
    Avatar von bigchang

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    Re: Tammy und die Tote

    sind jetzt schon drei

    @moselbert
    faengt gut an

    gruesse matt

  8. #7
    big_cloud
    Avatar von big_cloud

    Re: Tammy und die Tote

    @ "Hans"

    "Tammy,das Maedchen vom Hausboot" ist der Name der Serie aus den 1960/70ern


    @Moselbert

    Tolle Story,hab sie mir letzte Nacht noch reingezogen



    der

    Lothar aus Lembeck

  9. #8
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und die Tote

    Zitat Zitat von Haatyao",p="296004
    einen leser
    Zitat Zitat von Pee Niko",p="296009
    Mindestens 2 Leser
    Zitat Zitat von bigchang",p="296059
    sind jetzt schon drei
    Okay, Abzählen bitte. ;-D

    Zitat Zitat von big_cloud",p="296060
    Tolle Story,hab sie mir letzte Nacht noch reingezogen
    Aber wenn Du denkst, sie ist schon zu Ende, dann denkst Du das nur.
    ;-D

    Danke für Eure Vorschußlorbeeren.
    :-)

    Dann mache ich mal weiter.

  10. #9
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und die Tote


    4.

    Am Frankfurter Flughafen verabschiedeten Sumalee und Hans sich von den Kindern und ihren Familien. Jeder hatte Tränen in den Augen

    Es war damals ähnlich gewesen, als sich Sumalee ihre Familie in Thailand zurückgelassen hatte. Ein Abschied ist wie ein kleiner Tod, hatte Hans mal gelesen.

    „Wir besuchen Euch in den Ferien.“ sagte Michael. „Die Kinder wollten schon immer mal in die Heimat der Oma.“

    „Wir freuen uns schon darauf.“ sagte Hans

    Sumalee nahm Michael und Susanne noch einmal fest in den Arm. Sie weinte.

    „Bleib doch hier.“ sagte Susanne.

    „Nein.“ antwortete Sumalee. „Ich weine nicht weil ich gehe, sondern weil Ihr hier bleibt. Es ist schon gut so.“

    Auch Hans nahm umarmte alle noch mal.

    „Wir werden auch ab und zu nach Deutschland kommen. Aber nicht im Winter. Vielleicht im Frühling, wenn alles schön grün wird und die Natur duftet.“

    „Macht das.“
    sagte Michael. „Euer Haus steht euch immer offen.“

    „Jetzt ist es Dein Haus.“

    „Nein, es wird immer Euer Haus bleiben, auch wenn es unseres ist.“
    korrigierte Michael.

    Sie winkten sich noch einmal zu, dann gingen Sumalee und Hans durch die Passkontrolle.

  11. #10
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und die Tote

    5.

    „So ganz abschalten kannst Du nicht, oder?“ fragte Sumalee ihren Mann.

    „Wieso?“

    „So oft wie Du noch am Computer zu tun hast.“

    „Naja, ich habe ja schließlich viele ehemalige Geschäftsfreunde.“
    sagte Hans. „Nicht nur in Deutschland, auch hier.“

    Sumalee und Hans lebten jetzt schon einige Wochen in Thailand. Hans hatte den Kontakt zu Tammy jetzt an die Ortszeit angepasst. So trafen sie sich jetzt häufig abends im Chat. Für Hans war das keine Änderung, wohl aber für Tammy, die jetzt gerne länger aufblieb. Sie fragte ihn auch oft, wann sie sich denn mal treffen könnten. Noch hatte Hans aber keine Gelegenheit gefunden auf Geschäftsreise nach Bangkok zu fahren.

    „Hans, hast Du Lust mit in den Süden zu kommen?“ fragte Sumalee unvermittelt.

    „Wohin?“

    „Nach Surat Thani. Dort wohnen Bekannte. Eine Schulfreundin und ihre Familie. Sie haben mir einen Brief geschrieben und uns eingeladen.“


    In Hans’ Kopf arbeitete es.

    „Wie lange willst Du bleiben?“

    „Wieso Ich? Kommst Du nicht mit?“

    „Ach weißt Du, wenn es Deine Familie wäre. Aber Schulfreundinnen. Das passt sich vielleicht ganz gut. Dann kann ich ein paar Geschäftspartner, ehemalige natürlich, aus Bangkok und Umgebung treffen. Da interessierst Du Dich ja auch nicht so für. Und wenn Du dann zurückkommst, dann fahren wir gemeinsam irgendwo hin.“

    „Vielleicht hast Du recht.“
    sagte Sumalee. „Kann ich Dich denn hier alleine lassen?“

    „Ja, ich habe ja unsere Haushälterin. Und wenn ich ein paar Tage in Bangkok bin, nehme ich mir da ein Hotelzimmer. Du brauchst also keine Sorge zu haben.“

    „Ich wollte zehn Tage bleiben.“
    sagte Sumalee.

    „Zehn Tage.“

    „Ist Dir das zu lange?“

    „Nein. Lass Dir soviel Zeit wie du willst. Wir können ja telefonieren. Habt Ihr schon einen Termin ausgemacht?“

    „Nein. Ich wollte erst Dich fragen.“


    Nach kurzem Gespräch stand der Termin fest. Sumalee hatte bei ihren Bekannten angerufen und sie hatten sich auf den 15. November verständigt.

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