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Tammy und die Falle

Erstellt von moselbert, 05.03.2006, 21:35 Uhr · 170 Antworten · 8.709 Aufrufe

  1. #81
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und die Falle

    38

    Die Fahrt dauerte weit länger als eine Stunde. Gerald fuhr zunächst auf einer Autobahn, dann über Landstraßen zu seinem Ziel.

    Tammy schlief die meiste Zeit auf dem Rücksitz. Schließlich hielt der Wagen an einem einsamen Gehöft mitten im Wald an. Tammy wachte auf.
    Die beiden Männer verließen das Auto.

    „Come on, Tammy.“ forderte Gerald sie auf. Er öffnete ihr die hintere Tür.

    „You live in big house, Willi.” bemerkte sie. „In forest.”

    Die Eingangstür des Gehöfts öffnete sich. Eine ältere Asiatin kam aus der Tür und kam auf den Wagen zu.

    „This is Pii. She will show you your room. Follow her please. We will take your baggage.”

    Tammy folgte der ebenfalls aus Thailand stammenden Frau ins Haus.

  2.  
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  3. #82
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und die Falle

    39

    „Hast Du eine Ahnung davon, was mein Geschäft ist?“ fragte Gerald.

    „Prostitution?“ vermutete Willi.

    „So würde ich das nicht nennen. Gut, es mag manchen Leuten wie Prostitution vorkommen. Aber es ist viel eleganter und risikoloser. Ich will es Dir erzählen, es ist eine Goldgrube.“

    „Na, da bin ich gespannt.“

    „Aber nichts weitererzählen. Schließlich hängst Du ja auch mit drin.“
    Gerald zwinkerte ihm zu. „Und Du bekommst ein schönes Zubrot zu Deinem Lohn in der Kneipe. Denk dran. Setz Dich bitte.“

    Willi nahm in einem gemütlichen Korbsessel Platz.

    „Du bist Nichtraucher, gell? Du gestattest doch, dass ich mir trotzdem eine anstecke?“

    „Ja, sicher.“

    „Möchtest Du etwas zu trinken?“

    „Eine Cola wäre nicht schlecht.“


    Gerald nahm zwei Gläser aus einer Vitrine, öffnete einen Kühlschrank nahm eine Flasche Cola heraus und goss die Gläser voll.

    Er setzte sich ebenfalls hin, zündete sich einen Zigarillo an und nahm einen tiefen Zug.

    „Hast Du schon mal von Internetwebcams gehört?“ fragte er.

    „Ja sicher. Auch in unserer Stadt gibt es welche. Ist ganz praktisch. Da sieht man, wo gerade Stau ist und wo nicht.“

    „Und von Frauenwebcams hast Du auch schon gehört?“

    „Ja, aber das ist mir a zu teuer und b zu unpersönlich. Da gehe ich lieber in den ..... Wenn ich es mir leisten kann.“
    sagte Willi.

    „Manche Menschen lieben aber gerade diese Unpersönlichkeit. Da bleiben sie anonym. Haben dann auch keine Probleme mit Aids und anderem Scheiß. Abgerechnet wird mit der Kreditkarte.
    Es gibt zwei Möglichkeiten des Gesprächs für die Männer. Umsonst ist die erste Möglichkeit. Da werden Belanglosigkeiten ausgetauscht. Die nächste Stufe kostet. Wenn die Männer bezahlen, dürfen sie sich wünschen was sie wollen. Die Frauen erfüllen ihre Wünsche. So eine Art Peepshow im Internet.“

    „Und das läuft?“

    „Und wie das läuft.“
    strahlte Gerald. „Eine Goldgrube. Es kommt auf die Frau an. Manche sind unbeliebt und machen Verlust Da kann man nichts machen. Das ist so wie bei VW. Der Golf ist beliebter als der Lupo.“

    Sie unterhielten sich noch eine Weile, dann fuhr Gerald seinen Bekannten Willi nach Hause. Willi hatte Tammy nach Deutschland gebracht, damit hatte er seinen Teil getan. Er würde jetzt nur noch an den gelegentlichen Einzahlungen auf seinem Konto merken, dass es irgendwo eine gewisse Tammy gab.

  4. #83
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und die Falle

    40

    Tammy war froh, dass eine ältere Thai zum Haushalt gehörte. So fühlte sie sich gleich wie zu Hause. Aber lange sollte das Gefühl nicht anhalten.

    Pii führte sie durch einen Gang mit vielen Türen, die nummeriert waren.

    „Habt Ihr ein Hotel hier?“ fragte Tammy.

    „So ungefähr.“

    Am Ende des Ganges war eine Tür geöffnet.

    „Hier ist die Küche. Hier könnt Ihr Euch was kochen, wenn Ihr wollt. Aber ich bin eigentlich für die Küche zuständig. Ich koche gut, sagen die anderen.“

    „Welche anderen?“

    „Die anderen Mädchen. Komm, ich zeige Dir Dein Zimmer.“


    Sie gingen wieder den Gang zurück. Pii öffnete die Tür mit der Nummer 13. Tammy schaute hinein. Ein Bett füllte einen großen Teil des Zimmers aus. An der Wand stand ein Schreibtisch mit einem PC. In einem kleinen vergitterten Fenster sah man den Nachthimmel.

    Pii wies auf eine Tür an der linken Wand.

    „Hier sind Dusche und WC. Richte Dich gemütlich ein. Wenn Du etwas brauchst, frag mich.“

    „Und Willi? Das hier ist doch sein Haus?“

    „Wer ist Willi?“

    „Na, mein Mann, der noch draußen mit Gerald ist.“

    „Vergiss Willi.“
    sagte Pii. „Du bist hier in Geralds Haus um zu arbeiten. Er wird Dir noch alles weitere erklären.“

    Die Tür mit der Nummer 12, die der ihren genau gegenüber lag, öffnete sich. Ein mit einem knappen roten Bikini bekleidetes Mädchen kam heraus.

    „Thailand?“ fragte sie.

    Tammy nickte.

    „Ich auch. Bist Du die neue Kollegin? Mein Name ist May. Willkommen.“

    Allmählich wurde Tammy klar, in welche Falle sie getappt war.


    Fortsetzung folgt

  5. #84
    Avatar von Scheibenanemone

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    Re: Tammy und die Falle

    super einfach spannend....
    danke moselbert es macht großen spass die geschichte zu lesen
    scheibenanemone

  6. #85
    Avatar von Sakon Nakhon

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    Re: Tammy und die Falle

    geiloer dreh, die nummer mit der internet-peepshow... ich kenne in HH sogar einen echten betreiber - hat aber keine thais...

  7. #86
    Avatar von MadMovie

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    Re: Tammy und die Falle

    Zitat Zitat von moselbert",p="324266
    Aber bei der Aussicht auf eine hübsche Asiatin als Frau oder Freundin schalteten viele Männer ihren Verstand aus...
    „Bei Aussicht auf Geld und ein Leben in Deutschland schalten die meisten Asiatinnen ihren Verstand aus.“
    Klasse formuliert, Moselbert!
    Den zweiten Satz verstehe ich als Polemik, denn sie schalten den Verstand nicht aus, wissen nur nicht genau, was sie erwartet.
    Warnungen sind umso wirkungsvoller, wenn sie in der Muttersprache Deutsch vor Ort von kompetenten Leuten, die dort schon lange leben, vorgebracht werden.
    Es ändert aber nichts daran, dass man(n) sich von seinen Gefühlen leiten lässt...

  8. #87
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und die Falle

    Freut mich, dass Ihr so engagiert mitlest.
    :-)

    Polemik sollte es nicht sein, MadMovie, sondern eine Wortspielerei, um beide Personen auf eine Ebene kommen zu lassen. Denn beide wollten ja jemandem eine Falle stellen. Und beim Leser sollte noch nicht klar sein, wer wirklich der "Böse" sein wird.

    Wer es schafft, den anderen in die Falle zu locken, scheint inzwischen klar zu sein...

  9. #88
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und die Falle

    41

    Tammy war trotz der unerfreulichen Lage bald eingeschlafen. Sie schlief lange, denn sie hatte im Flugzeug kaum ein Auge zugemacht. Außerdem machte ihr der Jetlag zu schaffen. Einige der Kolleginnen hatte sie zuvor noch kennen gelernt. Sie kamen etwa zur Hälfte aus Thailand und von den Philippinen. Da sie alle mehr oder weniger gut Englisch sprachen, verständigten sie sich untereinander in dieser Sprache. Saßen sie jedoch in Gruppen zusammen, Thais und Philippinen unter sich, benutzten sie natürlich ihre Muttersprachen Thai und Tagalog.

    Tammy hatte sich nach ein paar Tagen eingelebt. Jede Frau hatte ein Zimmer in einem großen, umgebauten Viehstall. Jedes Zimmer hatte Dusche und WC sowie als wichtigstes Utensil einen PC. Essen konnten sie auf dem Zimmer oder in der großen Gemeinschaftsküche. Meistens zogen die Frauen letzteres vor. Bei schönem Wetter saßen sie auch draußen im Garten. Ein gepflegter Rasen mit Liegestühlen und einem kleinen Goldfischteich.

    Es war wie in einer Pension, wie in einem kleinen Hotel im Walde und mit gesunder Luft.

    Wenn nicht die hohe, mit Stacheldraht bewehrte Mauer gewesen wäre, die den Garten umgab.

    Wenn nicht die Arbeit gewesen wäre, die Tammy noch nicht kannte. Aber sie ahnte, was von ihr erwartet würde.

  10. #89
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und die Falle

    42

    Pii und May kamen auf Tammy zu.

    „Hast Du Dich akklimatisiert?“ fragte May.

    „Ich habe mich eingelebt, ja.“ antwortete Tammy.

    „4 Tage sollten ja wohl auch ausreichen.“ bemerkte Pii. „Wir zeigen Dir heute, was Du zu tun hast. Je mehr Geld Du verdienst, desto eher kommst Du hier wieder weg. Der Chef hat ja erhebliche Unkosten gehabt. Flug, Gebühren, und so weiter. Du hast freie Kost und Logis, das kostet auch Geld. Und Dein Mann hat auch noch ein paar Schulden zu begleichen.
    Du kennst Dich aus mit PCs?“

    „Ja.“
    sagte Tammy. „Ich habe in Bangkok welche verkauft.“

    „Ok. Dann mach mal den Computer an.“
    forderte Pii sie auf.

    Tammy hatte keine Probleme damit. Der PC fuhr hoch und nach kurzer Zeit zeigte das XP Betriebssystem eine Auswahlmaske an.

    „Oben ist der Administrator.“ erklärte May. „Du bist der untere Benutzer. Wie willst Du Dich nennen?“

    „Ich heiße Tammy.“

    „Jaja, ich weiß. Aber wir haben alle mehr oder weniger phantasievolle Namen. Ich bin .....cat.“
    sagte May. „Dann gibt es noch HotThaiGirl, Mamalababy und so weiter.“

    „Kann ich den Namen Tammy benutzen?“

    „Sicher, wenn Du willst.“


    Pii sprach in ein Mikrofon.

    „Boss, richte den Namen Tammy ein.“

    „–“

    „Ja, nur Tammy. Sonst nichts.“


    Sie wandte sich Tammy zu.

    „Er ist einverstanden. Du kannst den Namen aber immer noch ändern, wenn Du es willst.“

    May ergriff wieder das Wort: „Hier auf der Bedienoberfläche siehst Du dieses Icon mit der Kamera. Wenn Du Dich da einloggst, dann bist Du mit dem Server in Geralds Büro verbunden, der Dich ins Internet vermittelt. Da oben...“ May zeigte auf ein kugelförmiges Gebilde in einem Regal. „...steht die Kamera. Und hier auf dem Schirm siehst du ein rotes Fenster, in dem das Bild erscheint, das auch die Kunden draußen sehen. Die Kunden können sich einloggen und frei mit Dir chatten. Hast Du schon mal gechattet?“

    Tammy dachte an die vielen Stunden, in denen sie auf diese Weise mit Hans Kontakt gehalten hatte und nickte.

    „Ok. Du kannst dich mit den Kunden unterhalten. Sie können Dich sehen. Sie werden fragen, ob Du ihnen was zeigen kannst. Busen, Po oder was weiß ich. Das lehnst Du aber ab. Dafür müssen sie bezahlen. Danach verfärbt sich das rote Fenster ins Grüne. Also wie bei einer Ampel. Freie Fahrt bei Grün.“ May kicherte.

    „Und wenn dann einer was sehen will?“ fragte Tammy vorsichtig.

    „Dann zeigst Du ihm, was er sehen will.“ sagte Pii knapp.

    „Du wirst dafür bezahlt, Tammy.“ bemerkte May. „Immerhin bekommst Du 15%.“

    „Von was?“

    „Der Kunde bezahlt 2, 3 oder 4 Euro pro Minute. Du bekommst 15% für dich. Der Rest ist für die Unterhaltung des Gebäudes, fürs Essen, Gerald will ja auch was haben, die örtliche Polizei eventuell auch etwas, damit sie nicht so genau hinschaut. Die 15% sind für Dich. Davon bezahlst Du die Schulden von Deinem Mann und Deine auch.“

    „Meine Schulden?“


    „Ja, die Flugkosten beispielsweise, Arztkosten, falls Du krank wirst und keine Einnahmen hast. Der Chef braucht eine finanzielle Rücklage für solche Fälle.“

    „Wie lange bist Du schon hier?“
    fragte Tammy.

    „Zwei Jahre fast. Mir macht es inzwischen Spaß.“

    „2 Jahre!“
    Tammy erschrak.


    Fortsetzung folgt

  11. #90
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und die Falle

    43

    „Lass uns einen Test machen, ok?“ schlug Pii vor. „Schau auf das Fenster, das das Bild der Webcam zeigt. Hier ist die Fernsteuerung für die Cam. Links, rechts, Zoom rein, raus. Ok?“

    „Ja, ich habe verstanden.“

    „Und daneben im Chatfenster siehst Du, wer sich eingeloggt hat. Bisher ist noch keiner drin. Doch, jetzt kommt einer. Hier siehst du seinen Namen. Er nennt sich Nelson. Er sieht eine automatische Begrüßung. ‚Hello, Nelson, welcome to Tammy’s webcam.’ liest er. Schreib ihm was Nettes.“

    „Was soll ich ihm schreiben?“

    „Ich denke, Du kannst chatten? Schreib doch ‚Hello Nelson’ oder so was. Manche schreiben von selber drauf los, da brauchst Du nur zu antworten. Andere sind schüchtern. Da musst Du die Initiative ergreifen.“

    „Hello Tammy.“
    erschien die Schrift auf dem Schirm.

    „Antworte. Halte ihn bei der Stange.“ forderte May sie auf.

    „Hello Nelson.“ tippte Tammy ein.

    „Gut so?” fragte sie.

    „Ok. rede weiter mit ihm. Wie es ihm geht. Woher er kommt. Und so weiter.“

    „How are you?“
    gab Tammy über die Tastatur ein.

    May und Pii, die aus dem Kamerabereich herausgetreten waren, schauten sich an und nickten.

    „Gut machst Du das.“ sagte May anerkennend.

    „You have a nice face.“ las Tammy.

    „Thank you.” schrieb sie.

    „Can you show me your body please.” fragte Nelson.

    „Was soll ich tun?” erkundigte sich Tammy.

    „Erst muss er bezahlen. Bitte ihn, in den Privatmodus zu gehen. Da ist er mit Dir alleine.“ erklärte May.

    „Und dann?“

    „Dann kannst Du machen was er will. Vorher nicht.“

    „If you want to see my body, you must go in private mode.“
    antwortete Tammy.

    „Stand up please.” las sie.

    „Das kannst Du machen. Zoom ein bisschen raus und dann zeige Dich. Kannst auch ein bisschen andeuten. Besser wäre zwar, Du hättest einen Bikini an, aber manche stehen auch auf Jeans und Shirt.“

    Tammy stand auf.

    „Turn around.“ schrieb Nelson.

    Tammy drehte sich.

    „Please lift your shirt.“

    Tammy setzte sich wieder hin.

    „Hast Du was drunter an?“ fragte May.

    „Ja, einen BH.“

    „Ok. Dann kannst Du das Shirt ausziehen. Aber mehr gibt es nur gegen cash.“


    Tammy tippte: „Ok, Nelson, I will show you a little more. But then in private mode please.”

    Sie zog das Shirt aus. Der weiße BH darunter stand im Kontrast zu ihrer goldbraunen Haut.

    „More please.“

    „No. Only in private mode.“

    „Ok.”
    las sie. Dann färbte sich das Chatfenster grün.


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