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Tammy und das Urteil

Erstellt von moselbert, 11.12.2005, 19:44 Uhr · 99 Antworten · 5.434 Aufrufe

  1. #61
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und das Urteil

    40.

    „Also bitte, Herr Suraphand.“ forderte der Richter ihn auf. „Was hat Ihre Tochter genau gesagt?“

    „Sie erzählte, sie habe im Internet einen Deutschen kennen gelernt, mit dem sie sich angefreundet hatte. Er sei irgendwann im November zu ihr in die Wohnung gefahren. Seine Frau sei verreist gewesen und sie hätten beide einige aufregende Tage verbracht. Der Deutsche wollte sich von seiner Frau trennen. Er habe genügend Geld für Tammy und sich.
    Beim Versuch, ein paar Tage später das Geld aus seinem Haus in Cha Am zu holen, habe sie seine Ehefrau überrascht. Er habe dann ein Küchenmesser genommen und sie erstochen. Tammy floh mit dem Geld aus dem Haus und wurde dabei von der Haushälterin gesehen. Sie fuhr mit einem von meinem Neffen geliehenen Wagen in dessen Wohnung in Hua Hin.
    Ich hatte Sorgen um meine Tochter und riet ihr sich dort zu verstecken.“

    „Das stimmt doch alles nicht.“
    sagte Hans.

    Der Richter warf ihm einen vorwurfsvollen Blick zu.

    Suraphand fuhr fort. „Anschließend habe ich mich bei der Polizei in Petchaburi gemeldet und sie auf den Täter aufmerksam gemacht, worauf sie ihn festnahmen. Ich hielt es für besser, meine Tochter aus dem Ganzen zunächst herauszuhalten. Das arme Kind war völlig verstört. Und auch jetzt noch leidet sie unter dem Erlebten und hat Schwierigkeiten alles richtig zuzuordnen.“

    „Und die Kollegen in Petchaburi haben dann den Deutschen festgenommen?“

    „Ja. So ist es. Sie wollten verständlicherweise auch meine Tochter zu den Vorgängen befragen. Ich hielt sie noch immer versteckt.“

    „Was natürlich nicht gerade sehr vorbildlich ist, aber vom Standpunkt eines Familienvaters durchaus nachvollziehbar.“
    bemerkte der Richter.

    „Genau. Aber plötzlich hatten die Polizisten aus Petchaburi mich im Visier. Ich weiß bis heute noch nicht weshalb und warum. Aber sie drohten mir über einen Mittelsmann, meiner Tochter etwas anzutun, wenn ich ihnen nicht 100.000 Baht übergeben würde.“

    „Sehr ungewöhnliche Ermittlungsmethoden. Wir werden dazu die Polizisten noch hören.“

    „Um meine Tochter zu schützen, ging ich zum Treffpunkt. Ich wurde festgenommen. Auch meine Tochter und mein Neffe wurden verhaftet. Später stellte sich alles als ein Irrtum heraus und wir wurden wieder freigelassen.“

    „Sehr schön für Sie. Wir würden dazu auch gerne Ihren Neffen hören, aber wie uns gesagt wurde ist er nicht mehr am Leben.“

    „Das stimmt, Herr Richter. Er ist leider bei dem schlimmen Tsunami ums Leben gekommen. Er hatte eine Arbeit in Phuket angenommen.“

    „Schade, schade. Nun da kann man nichts machen. Danke, Herr Suraphand.“




    wird fortgesetzt

  2.  
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  3. #62
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und das Urteil

    41.

    Der Richter schaute auf seine Unterlagen und rief Tammy auf.

    Sie kam mit ängstlichem Blick herein und setzte sich auf den Zeugenstuhl.

    „Ihre Personalien bitte.“ bat der Richter.

    „Ich heiße Thammaraja Satirathai.“

    „Was sind Sie von Beruf?“

    „Ich bin Verkäuferin in einem Elektronikgeschäft.“


    Der Staatsanwalt erhob sich.

    „Frau Thammaraja. Wir verhandeln hier heute den Mord an Frau Sumalee. Wir haben in der Verhandlung bisher schon einiges gehört. Ich möchte Sie bitten, mir noch einige Fragen zu beantworten.
    Sie haben den Angeklagten über das Internet kennen gelernt. Und dann haben Sie sich hier in Thailand mit ihm getroffen. Hat er Ihnen gesagt, dass er mit Ihnen zusammen leben wolle?“

    „Das hat er.“
    sagte Tammy leise.

    „Und hat er gesagt, dass er genügend Geld aus dem Verkauf seiner Firma hat, um mit Ihnen leben zu können?“

    „Ja, auch das hat er gesagt.“

    „Und dann wollte er mit Ihnen das Geld aus seinem Versteck holen und mit Ihnen verschwinden?“

    „Nein. Ich war mit Watchara dort und wollte es ihm stehlen, weil er mich gekränkt hatte.“

    „Ihrem Vater haben Sie aber am Telefon etwas anderes erzählt.“


    Tammy drehte sich um. „Was habe ich Dir erzählt? Ich habe Dir erzählt, dass ich mit Watchara dort war.“

    „Schauen Sie bitte zu mir.“
    bat der Staatsanwalt. „Leider weilt Ihr Cousin nicht mehr unter den Lebenden. Wir können ihn also nicht mehr befragen. Und Ihr Vater sagte schon, dass Sie immer noch völlig verstört sind und Schwierigkeiten haben, sich genau zu erinnern. Ihr Vater ist immerhin angesehener Beamter und an seinen Aussagen sollten wir daher nicht zweifeln.“

    „Hans ist unschuldig. Er hatte geschlafen.“
    behauptete Tammy.

    „Ich verstehe schon, dass sie ihn decken wollen.“ warf der Richter ein. „Schließlich wollten Sie ja später mit ihm zusammen leben. Über Schuld oder Unschuld entscheidet aber immer noch das Gericht. Sie können sich setzen.“

    Hans stand auf. „Hören Sie nicht, was sie gesagt hat? Ich habe geschlafen.“

    Der Richter schaute ihn an. „Ich habe gehört was sie gesagt hat. Ich hoffe, dass auch Sie hören wenn ich sage, dass Sie nur reden sollen, wenn Sie gefragt werden.“

    Der Verteidiger ermahnte Hans auch noch einmal, ruhig zu bleiben. Zwischenrufe würden sich bei der Strafzumessung negativ auswirken.

    „Ich habe nichts gemacht. Das will ich dem Gericht doch nur klar machen.“

    „Dazu bekommen Sie noch Gelegenheit.“
    sagte der Verteidiger.

    Der Richter räusperte sich.

    „Ich schlage vor, wir fahren mit der Befragung der Zeugen fort.“

  4. #63
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und das Urteil

    42.

    Er rief Worarut auf, der hereinkam und sich auf den vorgesehenen Platz setzte.

    Wieder erhob sich der Staatsanwalt.

    „Herr Worarut. Sie sind zwar nicht direkt in den heutigen Fall involviert. Dennoch haben Sie eine entscheidende Rolle gespielt. Sie arbeiten auch bei der Bangkoker Polizei, wie Herr Gung, stimmts?“

    „Ja. Ich arbeite seit kurzem bei der Rauschgiftabteilung.“

    „Zuvor waren Sie aber bei der Mordkommission. Was war der letzte Fall an dem Sie gearbeitet haben?“

    „Der letzte Fall dort war der Mord an einer Frau in Rangsit, der von Herrn Suraphand begangen wurde.“


    Unter den Zuschauern entstand eine erhebliche Unruhe. Der Richter klopfte mit einem Hammer auf den Tisch und verschaffte sich so Gehör.

    „Meine Damen und Herren. Ich bitte sie, der Verhandlung ruhig und angemessen zu folgen und sie nicht zu stören. Fahren Sie fort.“

    Der Staatsanwalt deutete eine Verbeugung in Richtung des Richtertisches an.

    „Danke. Herr Worarut, wenn ich richtig informiert bin, wurde der Fall aber irgendwann zu den Akten gelegt, weil Ihre Vorgesetzten meinten, es sei kein Mord.“

    „Ja, das ist richtig. Sie sagten, es sei Selbstmord gewesen. Das ist aber unmöglich, denn...“

    „Bitte verschonen Sie uns hier mit den Details, denn das gehört in einen anderen Fall.“
    unterbrach ihn der Staatsanwalt. „Immerhin haben Ihre Vorgesetzten mehr Lebenserfahrung als Sie und man kann ihnen zutrauen, den Fall mit etwas mehr Weitblick zu überschauen. Als der Fall zu den Akten gelegt wurde, was haben Sie dann gemacht?“

    „Ich habe meinen Kollegen Kriëngsak in Petchaburi über die Einstellung informiert.“

    „Und mehr haben Sie nicht gemacht?“
    lauerte der Staatsanwalt.

    „Ich habe ihm noch einige Ermittlungsergebnisse zugefaxt, weil der Fall, an dem er arbeitete, und meiner in vielen Punkten Berührungspunkte aufwiesen.“

    „So. Sie haben also Ermittlungsergebnisse weitergegeben, obwohl Sie wussten, dass der Fall nach Meinung Ihrer Vorgesetzten ganz anders gelagert war? Der Fall sollte zu den Akten gelegt und die Ergebnisse falscher Ermittlungen nicht weitergegeben werden.“

    „Es waren zwei Mietverträge, die ich...“

    „Es geht nicht darum, was es war.“
    erwiderte der Staatsanwalt scharf. „Es geht darum, dass Sie Ermittlungsergebnisse weitergegeben haben, die Sie nicht hätten weitergeben dürfen. Ich habe keine Fragen mehr.“

    „Bitte nehmen Sie hinten Platz, Herr Worarut.“
    forderte der Richter ihn auf.


    wird fortgesetzt

  5. #64
    Avatar von ChangLek

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    Re: Tammy und das Urteil

    .....das ist ja echt hart. Freisler läßt grüßen.....

  6. #65
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und das Urteil

    43.

    „Als Nächsten hören wir Zeugen Kriëngsak.“

    Kriëngsak kam wie schon die anderen Zeugen vom Flur durch die Tür und setzte sich auf den Zeugenplatz.

    Hans, der bisher auf seinem Stuhl zusammengesunken war, setzte sich aufrecht hin. Von Kriëngsak erwartete er einige für sich positive Zeugenaussagen.

    „Sie sind der erste Ermittler im heute hier zu verhandelnden Fall?“ fragte der Richter.

    „Ja, mein Name ist Kriëngsak und ich bin bei der Polizei in Petchaburi, zuständig für Cha Am, wo Frau Sumalee umgebracht wurde.“

    Der Staatsanwalt stand wieder auf.

    „Warum wurde Ihnen der Fall entzogen?“ fragte er und sah Kriëngsak ins Gesicht.

    „Das frage ich mich immer noch. Wir hatten die Tat schon aufgeklärt.“

    „Ist es nicht so, dass Sie zunächst den hier Angeklagten festgenommen hatten?“

    „Ja wir nahmen an, dass er mit seiner Geliebten den Mord begangen hatte.“

    „Und warum haben Sie ihn dann wieder freigelassen?“

    „Weil sich herausgestellt hatte, dass nicht er der Täter war, sondern...“

    „Aufgrund welcher Unterlagen meinten Sie denn, dass Herr Dauber nicht der Täter war?“
    unterbrach ihn der Staatsanwalt.

    Kriëngsak drehte sich um. „Dort sitzt Kollege Worarut. Er war so freundlich, mir Ergebnisse seiner Untersuchungen mitzuteilen.“

    „War Ihnen bekannt, dass die Untersuchungen von Herrn Worarut sich als falsch herausgestellt hatten?“

    „Falsch nicht, aber...“

    „Die Ermittlungen in diesem Fall wurde von den Vorgesetzten von Herrn Worarut eingestellt. War Ihnen das bekannt?“

    „Ja, das hatte er mir am Telefon gesagt. Aber...“

    „Bitte antworten Sie nur auf meine Fragen. Er hat Ihnen also Unterlagen aus falsch geführten Ermittlungen geschickt. Ist Ihnen klar, dass alles, was sie danach taten, auf unrechtmäßig beschafften Ergebnissen beruhte? Dass also die Entlassung von Herrn Dauber niemals in Betracht hätte kommen dürfen?“

    „Manchmal muss man etwas außerhalb der Legalität arbeiten um Erfolg zu haben.“

    „Ach ja? Auch die Polizei sollte sich an Recht und Gesetz halten. Zum Glück konnte Ihr Fehler ja von Herrn Gung wieder ausgebügelt werden, sonst hätte der Mord an Frau Sumalee vielleicht nie gesühnt werden können. Ich habe keine Fragen mehr.“

    „Ja, aber was ist mit der Wahrheit?“
    fragte Kriëngsak.

    „Was ist schon die Wahrheit.“ antwortete der Richter. „Jeder sieht alles aus einem anderen Licht. Das Gericht ist ja dazu da, die unterschiedlichen Aussagen zu prüfen und zu bewerten. Und das werden wir auch tun. Nehmen sie bitte Platz.“

    Kriëngsak erhob sich von seinem Platz, sah Hans an und zuckte mit den Schultern. Dann setzte er sich in den Zuschauerraum.

    Hans war erblasst. Es war bei der Vernehmung nur um Verfahrensfehler gegangen. Die Wahrheit schien niemanden zu interessieren.


  7. #66
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und das Urteil

    44.

    Der Richter rief Michael herein. Er setzte sich auf den Zeugenstuhl.

    „Sie sprechen Thai?“ fragte er ihn.

    „Ja, ich spreche Thai und kann Ihnen folgen.“ antwortete Michael.

    „Gut, Herr Dauber, Sie sind der Sohn der Ermordeten und auch der Sohn des Angeklagten? Sie befinden sich natürlich in einer schwierigen Lage. Ich möchte Ihnen mein Mitgefühl ausdrücken und wir werden alles dafür tun, dass der Täter verurteilt wird.“

    „Mein Vater war es aber nicht.“
    behauptete Michael.

    Der Staatsanwalt stand auf.

    „Wie können Sie so sicher sein, dass er es nicht war? Können Sie ihm ein Alibi geben?“

    „Nein, ich war ja zum Tatzeitpunkt in Deutschland. Aber mein Vater liebte meine Mutter. Er hätte meiner Mutter nie etwas angetan.“

    „Ja? Wussten Sie, dass er schon seit Monaten im Internet sozusagen eine virtuelle Geliebte hatte?“

    „Nein, das wusste ich damals nicht.“

    „Wussten Sie, dass er sich bei der erstbesten Gelegenheit mit seiner Geliebten getroffen hatte und seine Ehefrau mit ihr betrogen hatte?“

    „Auch das war mir damals nicht bekannt.“

    „Wussten Sie, dass er seiner Geliebten vorgeschlagen hatte, mit ihr zu leben, dass er sich von seiner Frau trennen wollte? Nein, das wussten sie auch nicht. Würde das alles ein Mensch tun, der seine Ehefrau liebt? Ich habe keine weiteren Fragen.“



    Fortsetzung folgt

  8. #67
    Avatar von Sakon Nakhon

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    Re: Tammy und das Urteil

    spannender gehts fast nicht mehr !!!

  9. #68
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und das Urteil

    es geht noch spannender...

  10. #69
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und das Urteil

    45.

    „Ich denke, wir haben genügend Zeugen gehört.“ meinte der Richter. „Ich hätte ja noch gerne die Haushälterin von Herrn Dauber aufgerufen oder Herrn Watchara, aber sie weilen ja leider aufgrund von tragischen Unglücksfällen nicht mehr unter uns. Herr Staatsanwalt, bitte Ihr Plädoyer.“

    „Danke, Herr Richter. Wir haben heute mehrere Aussagen gehört. Beispielsweise Aussagen von ehrbaren Polizisten und Beamten. Wir haben aber auch Aussagen von Polizisten gehört, die am Rande der Legalität arbeiten. Ich gebe zu, verehrtes Gericht, manchmal lässt sich so etwas nicht vermeiden. Aber nur wenn es darum geht, die Wahrheit herauszufinden. Wenn aber ein bereits verhafteter Straftäter durch solche unredlichen Machenschaften wieder frei kommt, dann stimmt irgendetwas nicht. Und wenn dann auch noch ein verdienter Beamter unseres Innenministeriums in Haft genommen wird, dann können der Thailändische Staat und seine Rechtsprechung das nicht mehr tolerieren.
    Die Polizei in Petchaburi hatte den Angeklagten zunächst verhaftet. Durch die Verwendung von illegal beschafften Unterlagen wurde nicht nur der Täter freigelassen, sondern sogar ein unbescholtener Beamter festgenommen, dessen einziger Fehler es war, sich zu sehr um seine Tochter zu sorgen.
    Zum Glück haben die Bangkoker Kollegen unter der Leitung von Herrn Gung und seinen Vorgesetzten hier ganze Arbeit geleistet und die entscheidenden Beweise ermitteln können.
    Die Staatsanwaltschaft hat keine Zweifel daran, dass Herr Dauber seine Ehefrau getötet hat. Sie war ihm bei seiner neuen Beziehung im Weg. Seine Frau hatte keine Ahnung, was sich hinter ihrem Rücken inzwischen abgespielt hatte und war völlig ahnungslos.
    Daher ist die Tat von Herrn Dauber als besonders verwerflich einzustufen. Sie ist heimtückisch und hinterlistig gewesen. Habgier sowie Hass auf die eigene Ehefrau, die ihm im Wege stand, waren die Triebfedern.
    Die Staatsanwaltschaft beantragt daher die für diese Verbrechen vorgesehene Höchststrafe.“


    Er setzte sich wieder.

    Der Verteidiger beugte sich zu Hans und flüsterte ihm ins Ohr:

    „Das würde die Todesstrafe bedeuten. Aber jetzt werden Sie sehen, warum Sie einen Verteidiger haben, Herr Dauber.“

    Hans hörte gar nicht mehr richtig zu. Er hatte nur „Todesstrafe“ verstanden.

  11. #70
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und das Urteil

    46.

    Der Richter rief nun den Verteidiger auf, sein Plädoyer zu halten.

    „Verehrtes Gericht, Herr Staatsanwalt, verehrte Zeugen und Zuhörer.
    Die Ermordung eines Menschen ist gewiss ein verwerfliches Verbrechen. Aber wir müssen die Umstände sehen, unter denen die Tat begangen wurde.
    Herr Dauber wurde unzweifelhaft verführt. Schauen Sie sich die anwesende Zeugin Thammaraja an. Bei diesem Aussehen würde doch jeder Mann schwach werden. Besonders, wenn man wie Herr Dauber im Alter von Mitte 50 von hormonellen Umstellungen geplagt ist und meint, seine Manneskraft an jüngeren Frauen noch einmal beweisen zu müssen.
    Die Schuld von Frau Thammaraja muss noch in einem weiteren Verfahren geklärt werden. Es könnte doch sein, verehrtes Gericht, dass die Freundin Herrn Dauber zu der Tat angestiftet hat. Wir wissen es nicht, und können es hier auch nicht beurteilen.
    Herr Dauber war bei der Ausführung seiner Tat nicht im Vollbesitz seiner Zurechnungsfähigkeit. Er war geblendet von der Schönheit seiner Freundin, verführt und eventuell auch angestiftet.
    Er hat zwar unzweifelhaft die Tat begangen, aber die Umstände waren andere, als sie der Herr Staatsanwalt hier geschildert hat.
    Daher bitte ich das Gericht, Milde walten zu lassen.“


    Der Verteidiger lächelte Hans zu und setzte sich wieder neben ihn.

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