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Tammy und das Urteil

Erstellt von moselbert, 11.12.2005, 19:44 Uhr · 99 Antworten · 5.417 Aufrufe

  1. #51
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und das Urteil

    34.

    Zwei Männer saßen sich in einem Restaurant des Lotus Einkaufszentrums in Nakhon Pathom gegenüber.

    „Sie haben sicher auch eine Vorladung zum Prozess gegen Herrn Dauber bekommen?“ fragte Worarut.

    „Ja. Zum Glück. So kann ich ihm mit meinen Aussagen vielleicht helfen.“ antwortete Kriëngsak.

    „Wollen wir es hoffen. Aber ich habe meine Zweifel. Denn da ist eine ziemliche Schweinerei im Gange, denke ich. Der Verteidiger von Herrn Dauber arbeitet in der gleichen Kanzlei wie derjenige, der Suraphand aus Petchaburi herausgeholt hat. Und irgendein ziemlich hohes Tier in der Innenbehörde hat auch seine Finger drin. Das sind alles nur Gerüchte, die unter der Hand gehandelt werden. Aber vielfach ist ja ein wahrer Kern in diesen Gerüchten.“

    „Leider. Und vorstellbar ist das schon. Eigentlich schade, dass die Aktionen von Taksin gegen Korruption und Machtmissbrauch so wenig Ergebnisse zeigen.“

    „Vielleicht tun sie das mal, Kriëngsak. Aber für den armen Herrn Dauber kommen die Auswirkungen zu spät.“

    „Mal sehen, was der Sohn des Deutschen zu berichten hat, ich sehe ihn morgen.“


    Beide aßen schweigend weiter.

  2.  
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  3. #52
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und das Urteil

    35.

    Und wieder einmal war Michael Hals über Kopf nach Thailand geflogen. Und wieder hatte er sich im Haus in Cha Am einquartiert.
    Und wieder einmal saß er im Büro von Kriëngsak.

    „Ich kann mir vorstellen, dass es Ihnen jetzt nicht so gut geht.“ sagte Kriëngsak.

    „Das können Sie wohl laut sagen. Ach, wäre mein Vater doch mit mir nach Deutschland geflogen. Warum wird er denn jetzt in Bangkok angeklagt? Er war doch schon auf freiem Fuß und seine Unschuld war bewiesen.“

    „Ich weiß es auch nicht so genau. Aber so wie es aussieht hat Suraphand seine Beziehungen spielen lassen. Aber er hat sich nicht damit begnügt, freizukommen. Bei der Bangkoker Polizei sitzen anscheinend einige Beamte, die auf Kosten anderer noch ein paar Stufen in der Hierarchie höher klettern wollen. Haben sie Ihren Vater schon gesehen?“

    „Nein. Meine Besuchswünsche wurden abgelehnt. Warum weiß ich nicht. Ich war auch schon bei der Botschaft, aber da ist ein heilloses Durcheinander wegen des Tsunamis. Immerhin habe ich mit dem Mitarbeiter sprechen können, der meinen Vater besucht hat. Er meinte, ich solle mir keine Sorgen machen. Wenn mein Vater unschuldig wäre, dann würde das in der Gerichtsverhandlung ja geklärt werden können.“

    „Der Mitarbeiter war wohl noch niemals als Angeklagter bei einer Gerichtsverhandlung. Sie kennen sich doch in der Mentalität von uns gut aus. Sie sprechen unsere Sprache. Wenn ein Richter einen Angeklagten freispricht, was glauben Sie, wie der Staatsanwalt dann dasteht?“

    „Er hat sein Gesicht verloren, weil ihm öffentlich ein Ermittlungsfehler nachgewiesen wurde.“
    vermutete Michael.

    „Exakt. Also wird es in der Regel nicht zu dem Freispruch eines Angeklagten kommen. Es sei denn, der Staatsanwalt merkt selber, dass er von Zeugen hinter das Licht geführt wurde. Aber irgendeine Strafe, und sei sie noch so klein, springt für den Angeklagten immer heraus. Ich will Ihnen ja nicht die Hoffnung rauben, Michael, aber ich sehe schwarz für ihren Vater.“



    Fortsetzung folgt

  4. #53
    Mii
    Avatar von Mii

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    Re: Tammy und das Urteil

    Super geschrieben, Moselbert! Ich bin begeistert und freue mich schon auf die Fortsetzung!! Obwohl mir der Herr Dauber leid tut, der Arme...

  5. #54
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und das Urteil

    Mii, mir tut er auch leid.
    Aber da müssen wir durch.

  6. #55
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und das Urteil

    36.

    Der Tag der Verhandlung war gekommen. Hans wurde mit dem Gefangenentransporter abgeholt. Im Gerichtsgebäude wurde er von Polizisten zum Verhandlungsraum geführt. Er trug Handschellen und auch seine Füße waren mit besonderen Schellen gefesselt, so dass er nur kleine Schritte machen konnte. Die Polizisten waren das aber gewohnt. Sie scherzten auf dem Weg zum Gerichtssaal. Ob es um eine Witzsendung im Fernsehen ging oder ob sie sich über ihn lustig machten, konnte Hans nicht heraushören. Es war ihm aber auch egal.

    Im Gerichtssaal sollte sich Hans auf seinen Stuhl setzen, wurde ihm bedeutet. Die Polizisten blieben hinter ihm stehen.

    Sein Verteidiger kam in den Raum und nickte ihm zu. Er setzte sich an den Tisch neben ihm. Ein anderer Mann kam herein und nahm auf einem Stuhl schräg hinter Hans Platz. Er sprach Hans in einwandfreiem Deutsch an.

    „Ich bin Ihr Dolmetscher. Da Sie vermutlich der auf Thai geführten Verhandlung nicht folgen können, werde ich alles übersetzen. Ihre Antworten können sie auch auf Deutsch geben.“

    „Immerhin ist der Service bei Gericht gut.“
    meinte Hans bitter.

    „Wir sind ein ausländerfreundliches Land, Herr Dauber.“

    „Besser wäre, es hätte auch ein gerechtes Rechtssystem.“
    bemerkte Hans.

    „Wenn das Gericht mit Ihnen redet, können solche Bemerkungen negativ ausgelegt werden. Ich bin aber verpflichtet auch diese zu übersetzen.“

    „Kooperation ist besser, nicht war?“
    fragte Hans.

    „Genau.“

    Hans schaute sich um. Unter den Anwesenden sah er kein bekanntes Gesicht. Naja, vielleicht würden sie noch als Zeugen aufgerufen und warteten draußen.

    Wie auf ein geheimes Kommando strömten ein paar Kamerateams herein. Hans erkannte die Symbole vom dritten und fünften Kanal sowie von itv. Wahrscheinlich war sein Konterfei dann in den Abendnachrichten auf allen Sendern zu bewundern.

    Hans und seinem Verteidiger gegenüber hatte der Staatsanwalt mit seinen Mitarbeitern Platz genommen.

    Dann öffnete sich die hintere Tür und der Richter und die Beisitzer kamen herein.

    Die Fernsehteams verließen den Raum. Zurück blieben einige Angehörige der schreibenden Zunft.

    Die Verhandlung konnte beginnen.


    wird fortgesetzt

  7. #56
    Avatar von Sakon Nakhon

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    Re: Tammy und das Urteil

    MOSELBERT, wenn du realistisch bleiben willst wird hans verurteilt. wenn du hollywood magst gibts ein HAPPY END...


  8. #57
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und das Urteil

    Man könnte auch beides wollen. Wenn Hans verurteilt würde, wäre es ein Happy End für andere Personen.
    Mal sehen, wie es weitergeht.


  9. #58
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und das Urteil

    37.

    Der Staatsanwalt erhob sich und las die Anklageschrift vor.

    „Der hier angeklagte deutsche Staatsangehörige Hans Dauber hat nach den Ermittlungen der Polizei am 27.11.2547 seine Ehefrau Sumalee erstochen. Er hatte mit seiner Freundin, Thammaraja Satirathai, die er im Internet kennen gelernt hatte, in Thailand ein neues Leben beginnen wollen. Seine Ehefrau war ihm bei diesen Plänen im Wege. Also entschloss er sich, sie zu töten. Seine Freundin sollte ihm helfen, einen Einbruch vorzutäuschen. Sie verschwand mit einem großen Teil des Geldes, das Hans Dauber zu Hause in der Küche aufbewahrt hatte.
    Die Ermittlungen der Polizei Petchaburi verliefen nach einiger Zeit in einer Sackgasse, so dass Herr Dauber freigelassen werden musste. Er bezahlte daraufhin die Kaution für Thammaraja, die inzwischen ebenfalls in Haft war. Er quartierte sie in seinem Haus in Cha Am ein. Sie warteten darauf, dass die Ermittlungen eingestellt werden würden. Dann hätten sie ihr Ziel erreicht. Dank der geduldigen Ermittlungsarbeit der Bangkoker Polizei, die zwischenzeitlich die Federführung übernommen hatte, konnten aber Hans Dauber und seine Freundin festgenommen werden.
    Aus dem Gesagten wird klar, dass er unzweifelhaft diesen Mord begangen hat.“


    Er setzte sich wieder auf seinen Platz.

  10. #59
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und das Urteil

    38.

    Der Richter wandte sich Hans zu.

    „Wir können das Verfahren abkürzen, wenn Sie die hier angeklagte Tat gestehen.“

    Bevor Hans antworten konnte, meldete sich sein Verteidiger zu Wort.

    „Mein Mandant sagt, er habe die Tat nicht begangen.“

    „Schade. Denkt er etwa, die Polizisten hätten falsch ermittelt? Dann hören wir doch mal den zuständigen Beamten, Herrn Gung.“


    Polizist Gung betrat den Verhandlungsraum. Er verbeugte sich vor dem Gericht und nahm auf dem Zeugenstuhl Platz.

    „Mein Name ist Gung. Ich bin bei der Polizei in Bangkok tätig. Nachdem wir in Bangkok den heutigen Fall übernommen hatten, versuchten wir geduldig und in akribischer Kleinarbeit den Verdächtigen zu überführen. Unsere Annahme war, dass Herr Hans die Tat geplant hatte, weil er mit seiner Mia Noi zusammen leben wollte und nicht mehr mit seiner Frau. Er hatte das Geld, das er durch den Erlös des Verkaufs seiner Firma verdient hatte, großteils zu Hause in der Küche deponiert. Das ist auf den ersten Blick leichtsinnig gewesen, auf den zweiten aber raffiniert. Denn so versuchte er einen Einbruch vorzutäuschen, als seine Frau nicht zu Hause sondern bei Bekannten im Süden war. Dummerweise überraschte sie Herrn Hans und seine Freundin bei der Tatausführung. Also musste sie sterben. Vielleicht war der Mord auch schon vorher geplant gewesen.
    Die Kollegen aus Petchaburi waren zunächst auf der richtigen Spur. Später jedoch bekamen sie widerrechtlich beschaffte Personaldaten eines hohen Ministerialbeamten. Hierdurch wurden sie verleitet, den Farang wieder aus der Haft zu entlassen. Deswegen wurde den Kollegen der Fall danach wieder entzogen.
    Ich darf darauf hinweisen, Herr Richter, dass widerrechtlich beschaffte Daten nicht als Grundlage zur Verurteilung eines Verdächtigen dienen dürfen und sollen.“

    „Ich weiß.“
    sagte der Richter. „Machen Sie weiter mit Ihren Ausführungen.“

    „Wir gingen davon aus, dass wir die beiden nur eine längere Zeit beobachten mussten, bis sie ihre Tarnung nicht mehr meinten aufrechterhalten zu müssen. Also haben wir beide überwachen lassen. Abwechselnd waren mehrere Beamte von uns in der Nähe des Hauses und observierten vor allem den Deutschen.
    Nachdem seine Ehefrau verbrannt worden war und seine Verwandten wieder in Deutschland waren, glaubten beide, unbeobachtet zu sein und ihre Tarnung fallen lassen zu können. Unser Mann konnte beide fotografieren, wie sie sich am helllichten Tage dem Geschlechtsakt hingaben. Das war für uns der entscheidende Beweis. Und dann haben wir sie festgenommen.“

    „Bitte nehmen Sie Platz, Herr Gung.“
    forderte der Richter ihn auf.


    wird fortgesetzt

  11. #60
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und das Urteil

    39.

    „Als Nächsten rufe ich Herrn Suraphand in den Zeugenstand.“

    Der Beamte des Innenministeriums betrat den Raum und nahm Platz.

    „Ihre Personalien bitte.“ forderte der Richter ihn auf.

    „Mein Name ist Suraphand Satirathai. Ich bin Beamter im Innenministerium.“

    „Schön. Sie wissen, Herr Suraphand, was wir heute hier verhandeln. Herr Dauber ist angeklagt, seine Frau Sumalee ermordet zu haben. Haben Sie etwas gesehen oder gehört?“

    „Nein, gesehen habe ich nichts, Herr Richter.“
    begann Suraphand. „Allerdings rief mich nach der Tat meine Tochter an und berichtete mir von dem Vorfall. Sie erzählte mir am Telefon, wie sie gesehen hatte, dass Frau Sumalee ermordet wurde.“ Er drehte sich zu Hans um. „Und zwar von diesem Mann dort.“

    Der Übersetzer hatte Hans diese Worte kaum auf Deutsch gesagt, als er aufsprang.

    „Das ist eine Lüge!“ rief er.

    „Setzen Sie sich bitte wieder hin.“ forderte ihn der Richter auf. „Ob es eine Lüge ist oder nicht, wird das Gericht später zu bewerten haben.“

    Hans sank wieder auf seinen Stuhl zurück.

    „Verhalten Sie sich bitte ruhig, Herr Dauber.“ flüsterte ihm sein Verteidiger auf Englisch zu. „So machen Sie keinen guten Eindruck.“

    „Ich will ja keinen guten Eindruck machen, sondern will dass meine Unschuld bewiesen wird.“

    „Dürfen wir fortfahren?“
    fragte der Richter.

    Der Verteidiger nickte.


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