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Tammy und das Urteil

Erstellt von moselbert, 11.12.2005, 19:44 Uhr · 99 Antworten · 5.426 Aufrufe

  1. #41
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und das Urteil

    27.

    Tammy fing plötzlich an zu weinen.

    „Oh, Hans, I destroy everything.“ schluchzte sie.

    Hans nahm sie in den Arm.

    „I am guilty too.“ tröstete er sie.

    Und als sie weinend in seinen Armen lag, als er sanft über ihr Haar strich, da fanden sich fast zufällig auch ihre Lippen. Auch Hans musste weinen. Sie küssten sich unter Tränen. Und schließlich hielten sie sich wie zwei Ertrinkende aneinander fest. Sie liebten sich und schliefen nebeneinander ein.

    Sie merkten nicht, dass jemand vor dem Fenster alles fotografiert hatte.

    Als sie wieder aufwachten, wussten sie zwar, dass sie es nicht gewollt hatten. Und vielleicht wäre es besser gewesen, sie hätten es nicht so weit kommen lassen. Aber schön war es doch gewesen. Das mussten sie sich eingestehen.

  2.  
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  3. #42
    Avatar von bigchang

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    Re: Tammy und das Urteil

    ups,das hoert sich ja gar nicht gut an fuer die beiden,wenigstens kein scnelles ende :bravo: :bravo: :bravo:

    gruesse matt

  4. #43
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und das Urteil

    28.

    Gung klopfte an die Tür seines Vorgesetzten.

    „Ja? Herein bitte.“ rief Montree.

    Gung trat ein und machte einen tiefen Wai.

    „Setzen Sie sich, Gung. Gibt es etwas Neues?“

    „Ich glaube die Schlange hat lange genug gewartet. Jetzt ist es Zeit die Ratte zu verspeisen.“

    „Was wollen Sie mir damit sagen?“
    fragte Montree etwas ungehalten.

    „Das hat man mir bei der Ausbildung gesagt. Wenn sich die Ermittlungen auch noch so schwer gestalten, nach einiger Zeit werden sich Ergebnisse einstellen. Man muss genauso viel Geduld haben, wie eine Schlange die auf die flinken Ratten wartet. Irgendwann erwischt sie sie doch.“

    „Welchen Fall sprechen Sie an.“

    „Den Mord in Cha Am.“

    „Ach ja richtig. Suraphands Tochter und Neffe. Und, was hat Ihr Mann herausgefunden?“

    „Er hat das Haus tagelang beobachtet. Aber viel ist nicht passiert. Bis jetzt.“

    Er zog ein paar Fotos aus einer Mappe.

    Montree warf einen Blick darauf und stieß einen leisen Pfiff aus. Dann griff er zum Telefon.



    wird fortgesetzt

  5. #44
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und das Urteil

    29.

    Es musste schon etwas Besonderes passiert sein, dass Montree ihn zu sich bat, dachte Suraphand. Er parkte den Wagen auf dem Gelände der Polizeibehörde und ging zielstrebig in die vierte Etage, wo Montree sein Büro hatte.

    Er klopfte an und öffnete die Tür.

    „Ah, Herr Suraphand.” Montree machte einen Wai und strahlte wie die Sonne draußen am wolkenlosen Himmel.

    „Sie haben gute Nachrichten nehme ich an.“ bemerkte Suraphand.

    „Ich hoffe doch. Setzten Sie sich erstmal.“

    Dann öffnete Montree seine Schreibtischschublade, nahm ein paar Fotos heraus und legte sie vor Suraphand auf den Tisch.

    Dieser wurde blass.

    „Das ist Tammy. Mit diesem Deutschen. Nackt. Das ist ja wohl das Letzte! Na warte, Mädchen, komm Du mir nach Hause!“

    „Das ist aber auch die Rettung für Ihren Neffen und für Sie.“


    Suraphand schaute ihn an.

    „Also Sie haben einen Plan, wie ich sehe? Lassen Sie hören.“

    Montree lehnte sich zurück.

    „Meine Theorie ist: Ihre Tochter und dieser Ausländer haben den Mord an Sumalee lange geplant. Der Deutsche hat sie schließlich umgebracht. Tammy hat ihm geholfen. Sie flüchtete dann mit dem Geld. Und dann hat sie Sie und auch Ihren Neffen benutzt um sich verstecken zu können.“

    „Aber Watchara war doch dabei an dem Tag. Das hat er mir doch selber gesagt.“

    „Das habe ich jetzt aber überhört. Und in den Vernehmungen hat er ja auch geschwiegen. Also kann er doch eventuell erst später informiert worden sein. Ihr Neffe hat die Wahl, zu schweigen und außen vor zu bleiben oder er gesteht und wandert hinter Gittern. Was würden Sie an seiner Stelle machen? Sehen Sie. Also reden Sie ihm ins Gewissen, dass er auch weiterhin ruhig ist.“

    „Das ist nicht nötig. Leider.“
    sagte Suraphand traurig.

    „Warum?“

    „Ich hatte Watchara nach seiner Freilassung in das Restaurant eines Bekannten auf Phuket vermittelt. Seit dem Tsunami habe ich von ihm nichts mehr gehört.“

    „Das tut mir Leid für Sie, Suraphand. Aber für den Fall ist es natürlich positiv.“

    „Und was wird mit Tammy?“

    „Ein kleines Opfer müssen sie schon bringen, Suraphand. Allerdings könnte sich in der Verhandlung herausstellen, dass der Deutsche sie angestiftet hat. Dann ist auch sie fein heraus.“


    Um Suraphands Mundwinkel spielte ein Lächeln.

    „Ich denke, ich werde mich Ihnen und Ihren Mitarbeitern demnächst erkenntlich zeigen.“

  6. #45
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und das Urteil

    30.

    Am Nachmittag desselben Tages schrak Hans aus seinem Sessel hoch. Mit Sirenengeheul fuhren mehrere Polizeiwagen auf das Grundstück.

    Etwa ein Dutzend Uniformierte sprangen aus den Autos und postierten sich in Sichtweite beider Häuser.

    Ein zivil Gekleideter ging gemessenen Schrittes auf das Haupthaus zu.

    Hans empfing ihn an der Tür.

    „Herr Hans Dauber?“

    „Ja, das bin ich.“

    „Schön.“
    Er gab zwei Kollegen, die mit ihm gekommen waren, einen Wink. Einer holten Handschellen aus seiner Hosentasche.

    „Bitte strecken Sie Ihre Hände nach vorne. Sie sind vorläufig festgenommen.“

    „Warum? Was soll das? Was liegt gegen mich vor?“

    „Sie werden verdächtigt, gemeinsam mit Ihrer Freundin, Ihre Ehefrau Sumalee Dauber umgebracht zu haben.“


    Hans erschrak.

    „Aber das haben Ihre Kollegen und ich doch schon zig Mal durchgesprochen. Die Schuldigen sind von der Polizei bereits verhaftet.“

    „Die Ermittlungen vom Kollegen Kriëngsak aus Petchaburi waren leider fehlerhaft. Deswegen sind die Ermittlungen jetzt von uns in Bangkok weitergeführt worden. Und es haben sich neue Spuren ergeben, die eindeutig beweisen, dass Sie ihre Hände mit im Spiel haben, Herr Dauber. Also kommen Sie freiwillig mit oder müssen wir Gewalt anwenden?“

    „Was bleibt mir anderes übrig?“
    Die Handschellen schlossen sich um Hans’ Hände. Dann folgte er den Männern nach draußen. Er musste sich hinten in einen Polizeiwagen setzen.

    Aus dem Gartenhaus kamen weitere Polizisten. Sie hatten Tammy in ihre Mitte genommen. Sie war ebenfalls gefesselt. Sie bekam ihren Platz in einem anderen Wagen zugewiesen. Dann schaltete die Polizeikolonne die Sirenen wieder ein und machte sich auf den Weg nach Bangkok.

    Fortsetzung folgt

  7. #46
    Monta
    Avatar von Monta

    Re: Tammy und das Urteil

    Das ist das Thailand, wie es es liebe. Und wie es mir, wenn auch in angelehnter Form, gestattet war es kennenlernen zu dürfen.
    Ein schönes Märchen zum Advent, wo sich die Fiktion der Realität die Hand gibt.

    Gruß
    Monta

  8. #47
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und das Urteil

    Na, wenn Du das so liebst, dann mache ich doch gleich weiter.

  9. #48
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und das Urteil

    31.

    Hans saß in einer Untersuchungszelle in einem Bangkoker Gefängnis. Es war feucht und stickig. Aber er kannte diese Unterbringungsform ja schon aus Petchaburi. Er hatte die übliche Anstaltskleidung an.

    An der Zellentür machte sich einer der Wärter mit einem Schlüsselbund zu schaffen. Die Tür ging auf. Der Uniformierte sagte nur: „Come“.

    Hans erhob sich und folgte dem Wachmann. Es war ein neuer Weg den er kennen lernte. Bisher hatte sich die Tür nur zu den Freigängen im Gefängnishof geöffnet. Die Essensportionen wurden durch eine Klappe hereingereicht. In der Zelle standen eine einfache Pritsche und ein Eimer für die Notdurft. Dieser wurde offenbar während der Freigänge geleert. Aber trotzdem stank es in der Zelle ziemlich.

    Der Wachmann öffnete die Tür zu einem Raum. In diesem hatte ein elegant gekleideter Herr bereits Platz genommen. Hans setzte sich auf den zweiten Stuhl und der Wachmann, der ihn abgeholt hatte, verließ den Raum wieder. Aber sie waren dennoch nicht alleine. Zwei weitere Uniformierte standen herum und beobachteten Hans genau.

    „Guten Tag, Herr Dauber. Ich bin Ihr Pflichtverteidiger.“ stellte der Gutgekleidete sich vor.

    „Ich hoffe, dass der Alptraum dann bald ein Ende hat.“

    „Es ist kein Alptraum, Herr Dauber, sondern eine übliche Prozedur, wenn jemand einen anderen umgebracht hat. Es wird ein Verteidiger gestellt, wenn der Beschuldigte keinen eigenen hat oder benennen will. Und dann kommt es zu einer Gerichtsverhandlung, in der über das Strafmaß entschieden wird.“

    „Über Schuld oder Unschuld, hoffe ich, wird auch entschieden.“
    warf Hans ein.

    „Wenn die Beweise der ermittelnden Behörde stichhaltig sind, ist die Schuld schon bewiesen. Aber die persönlichen Umstände können ja noch Auswirkungen auf das Strafmaß haben.“


  10. #49
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und das Urteil

    32.

    „Ich möchte mit jemandem von der Deutschen Botschaft sprechen.“ bat Hans.

    „Das lässt sich sicherlich machen. Ich werde mir das mal notieren. Dazu haben Sie als Ausländer ja auch das Recht.“ Der Verteidiger machte sich Notizen.

    „So, Herr Dauber. Die Verhandlung wird bereits Ende der nächsten Woche stattfinden. Das ist ungewöhnlich schnell, aber das Innenministerium hat anscheinend Interesse an einem schnellen Abschluss des Verfahrens. Es gibt auch andere Fälle, da dauert es jahrelang, bis es zu einer Anklage kommt.“

    „Sehr tröstlich.“
    bemerkte Hans ironisch.

    „Deswegen besuche ich sie heute auch, weil ich Sie kennen lernen möchte. Außerdem müssen wir unsere Taktik für die Verhandlung besprechen.“

    „Da gibt es nichts zu besprechen. Ich bin unschuldig.“

    „Das zu behaupten wäre unklug. Denn damit würden Sie ja Kritik an den thailändischen Ermittlungsbehörden, an der Polizei und der Staatsanwaltschaft üben. An angesehenen Behörden und ihren Beamten sozusagen.“

    „Wenn sie aber falsch ermittelt haben?“

    „Sehen Sie, mit dieser Einstellung kommen Sie nicht weit. Was glauben sie wohl, wem der Richter eher glaubt? Einem angesehenen Staatsanwalt und der Polizei oder einem Mörder?“

    „Ich bin kein Mörder.“
    Hans schlug die Hände vors Gesicht.
    „Das kann doch nicht wahr sein. Ich träume.“ murmelte er.

    „Es würde großen Eindruck auf die Richter machen, wenn Sie die Tat gestehen würden.“

    „Wie kann ich etwas gestehen, was ich nicht getan habe? Ich habe geschlafen.“

    „Diese Aussagen von Ihnen habe ich bereits gelesen. Mir als Verteidiger können sie aber ruhig die Wahrheit sagen. Natürlich bleibt es Ihnen unbenommen, weiterhin zu behaupten, Sie hätten geschlafen oder was auch immer gemacht. Aber da das den Tatsachen widerspricht, wird sie diese Taktik nicht weiterbringen.“

    „Sind sie mein Verteidiger oder der Staatsanwalt?“
    fragte Hans ärgerlich.

    „Ihr Verteidiger, der versucht Sie zu beraten und für Sie das Beste aus der verfahrenen Situation herauszuholen. Sie müssen allerdings etwas kooperieren. Lassen sie sich das ganze einmal durch den Kopf gehen. Wir sehen uns dann bei Gericht wieder. Es sei denn, sie wollen vorher noch etwas mit mir besprechen.“

    Er machte ein Zeichen. Einer der Uniformierten nahm Hans am Arm und führte ihn aus dem Raum wieder in seine Zelle zurück. Die Tür wurde verschlossen. Hans setzte sich auf die Pritsche und vergrub die Hände in seinem Gesicht.


    wird fortgesetzt

  11. #50
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und das Urteil

    33.

    Bereits am nächsten Tag wurde Hans erneut in den Besuchsraum geführt. Ein westlich aussehender Mann saß schwitzend auf einem der Stühle. Hans setzte sich ebenfalls. Der andere gab ihm die Hand.

    „Kuchenbecker ist mein Name. Ich bin Mitarbeiter der Botschaft.“ stellte er sich auf Deutsch vor.

    „Endlich.“ Hans atmete auf. „Dann hat dieser Irrsinn hier hoffentlich bald ein Ende.“

    „Wir haben schon bald nach Ihrer Verhaftung eine Mitteilung der Polizeibehörden bekommen, dass Sie wegen Mordes an Ihrer thailändischen Ehefrau ins Untersuchungsgefängnis eingeliefert wurden.“

    „Man hat Ihnen aber sicher nicht gesagt, dass ich sie gar nicht getötet habe.“

    „Nein, das hat man nicht.“

    „Na schön, dann sage ich es Ihnen jetzt eben. Ich habe meine Frau nicht getötet.“

    „Ich bin jetzt aber nicht hier um mit Ihnen über Schuld oder Unschuld zu streiten. Thailand ist ja ein Land mit einer gut funktionierenden Verwaltung und Rechtsprechung. Deswegen wird man über diese Fragen bei Gericht entscheiden. Wir von der Botschaft sind natürlich gehalten, die inhaftierten Deutschen zu betreuen. Allerdings haben wir im Moment nicht die Zeit uns um alle so zu bemühen, wie wir es gerne würden. Wie Sie sicher wissen, haben wir derzeit extrem viel Arbeit, weil wir uns um die deutschen Tsunamiopfer kümmern müssen.“

    „Ich möchte, dass Sie meinen Sohn informieren.“
    bat Hans resignierend.

    „Ich kann Ihnen sagen, dass wir ihn bereits informiert haben. Es ist schon ein entsprechendes Schreiben herausgegangen.“

    „Na wenigstens etwas.“

    „Ob wir einen Beobachter der Botschaft zu Ihrem Prozess schicken können, weiß ich noch nicht. Wir sind ja wie gesagt wegen der Tsunamikatastrophe etwas überlastet. Aber das thailändische Justizsystem ist ja wie gesagt rechtsstaatlich.“

    „Wenn Sie meinen.“

    „Auf Wiedersehen, Herr Dauber. Es wird sich schon alles zum Guten wenden, wenn Sie unschuldig sind.“


    Hans wurde wieder in seine Zelle gebracht.

    Auch von der Botschaft war keine Hilfe zu erwarten. Er setzte seine Hoffnungen jetzt nur noch auf seinen Sohn und den Polizisten aus Petchaburi. Wenn sie ihn jetzt auch sicher nicht heraushauen konnten, aber ihre Zeugenaussagen, so hoffte Hans, würden Licht in das Dunkel bringen.

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