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Tammy und das Urteil

Erstellt von moselbert, 11.12.2005, 19:44 Uhr · 99 Antworten · 5.422 Aufrufe

  1. #31
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und das Urteil

    19.

    „Ich habe nichts gesagt.“ meinte Suraphand.

    „Sie nicht. Ihr Neffe auch nicht. Aber Tammy hat eine ziemlich ausführliche Geschichte erzählt. Wie sie von diesem Hans gekränkt wurde und mit Ihrem Neffen das Geld stehlen wollte. Wie dieser dann Frau Sumalee erstochen hat, allerdings aus Versehen, wie es den Anschein hat. Und auch was sie von dem wusste, was danach passiert ist, hat sie erzählt.
    Wenn Tammy bei ihren Aussagen bleibt, dann können wir natürlich sie und Watchara nicht außen vor lassen. Können Sie auf Ihre Tochter einwirken, Herr Suraphand?“

    „Ich habe im Moment keinen Einfluss auf meine Tochter.“
    gestand Suraphand. „Dieser Farang hat ja für sie die Kaution gestellt und jetzt wohnt sie dort in Cha Am. Beide wollen ihre Schuld an dem Verbrechen so wieder gut machen. Sie arbeitet jetzt für ihn, wie ich gehört habe, nimmt praktisch die Stelle der Haushälterin Bonsong ein.“

    „Haushälterin? Glauben Sie das?“

    „Ja, sicher. Meine Tochter ist eigentlich ein herzensguter Mensch. Ich kann mir schon vorstellen, dass sie so wieder ein paar Pluspunkte für ihr nächstes Leben sammeln will. Sie ist halt ein wenig impulsiv. Das hat sie wohl von mir.“


    Montree lächelte. „Das mag sein. Aber könnte nicht mehr dahinterstecken als ein Dienstverhältnis?“ Er wandte sich seinem Mitarbeiter zu. „Ich glaube, mein lieber Gung, Sie sollten jemanden nach Cha Am abstellen. Am besten, Sie beobachten nur und warten, was passiert und ob etwas passiert. Im Moment können wir nur abwarten. Aber mit der Zeit wird sich die Wahrheit herausstellen. – Übrigens, Suraphand. Ich habe noch eine freudige Nachricht für Sie.“

    „Ja?“

    „Ihr Neffe Watchara kann gegen eine Kaution vorläufig frei kommen. Wollen Sie ihn gleich mitnehmen?“

    „Das ist eine sehr gute Nachricht. Ich werde mich um ihn kümmern. Wahrscheinlich schicke ich ihn zum Arbeiten in einen anderen Touristenort. Er ist Koch.“

    „Tun Sie das. Er muss dann nur bei einer eventuellen Verhandlung zur Verfügung stehen.“


    Montree beendete die Besprechung. Er verabschiedete beide Gäste mit einem Wai, den hohen Regierungsbeamten mit einem etwas tieferen als seinen Mitarbeiter.



    wird fortgesetzt

  2.  
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  3. #32
    Avatar von Peter-Horst

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    Re: Tammy und das Urteil

    @moselbert

    Super mach weiter so.

    Unser Hans wird sich jetzt wohl wieder warm anziehen müssen, er wird wohl wieder unter Verdacht gerate.

    Gruß Peter

  4. #33
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und das Urteil

    Vielleicht. Ich verrate noch nichts...

  5. #34
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und das Urteil

    20.

    Nach über zwei Stunden kam der vollgepackte Bus in Cha Am an. Alle stiegen aus. Das Haus von Hans hatte genügend Gästezimmer, um allen ausreichend Platz zu bieten. Nachdem sie sich frisch gemacht hatten, kamen sie im Wohnzimmer zu einem Imbiss zusammen.

    Tammy hatte Reis gekocht und einige Kleinigkeiten zubereitet.

    Hans stellte sie seinen Familienmitgliedern vor.

    „Vater, Du kannst doch nicht die Frau im Haus beschäftigen, die am Tod von Mutter Schuld ist.“ protestierte Susanne.

    „Sie hat Mutter ja nicht erstochen, sondern ihr Cousin. Und der sitzt im Gefängnis.“ nahm Hans sie in Schutz. „Außerdem habe ich ja genauso viel Schuld an ihrem Tod wie Tammy. Wer hat sich denn mit ihr getroffen und sie dann wieder sitzen gelassen?“

    „Dass Du Mutter mit ihr betrogen hast, ist wirklich keine Meisterleistung, das stimmt. Aber Du hast Dich ja doch rechtzeitig eines Besseren besonnen. Und sie musste doch sehen, dass sie nur eine Affäre war.“

    „Ja, aber sie hat doch ihr Gesicht verloren.“

    „Vater, ich will nicht mit der Mörderin meiner Mutter unter einem Dach wohnen, verstehst Du?“


    Die anderen versuchten Susanne zu beruhigen. Nur missmutig willigte sie ein, im Haus wohnen zu bleiben. Zum Glück lebte Tammy ja im Gartenhaus, so dass sie etwas außer Sichtweite war.

    Später nahm Hans seinen Sohn zur Seite.

    „Susanne ist ja ziemlich aufgebracht gewesen. Ich denke, es ist ihre Art mit dem Schmerz fertig zu werden. Wie haben die anderen Sumalees Tod verarbeitet?“

    „Stimmt. Susanne hat am schwersten zu knabbern.“
    antwortete Michael. „Petra und Tom sind natürlich traurig. Mutter war immer so eine herzensgute Person gewesen. Und die Kinder, nunja, die werden es sicher schneller überwinden als wir Erwachsenen.“

    „Und Du, Michael? Ich hatte soviel mit mir selber zu tun, dass ich Dich noch gar nicht gefragt habe, wie Du Dich fühlst.“

    „Einer muss ja den starken Mann markieren.“
    versuchte Michael zu scherzen. Dann wurde sein Blick ernst. „Es fällt mir aber nicht leicht. Glaub mir. Hier drin sieht es anders aus, als es nach außen scheint.“

    Hans nahm seinen Sohn in den Arm.

  6. #35
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und das Urteil

    21.

    Zwei Tage später war die Beerdigung angesetzt. Die eigentliche Veranstaltung sollte aber schon am Montagabend stattfinden. Michael hatte sich intensiv mit Pii über den Ablauf unterhalten. Zum einen interessierte es ihn selber, zum anderen glaubte er nicht zu Unrecht, von den anderen später nach Details ausgefragt zu werden.

    Sumalees Verwandte hatten Zelte und Sitzgelegenheiten besorgt und auch das Essen organisiert. Wie viele Leute kommen würden wussten sie nicht, denn es kamen immer mehr Menschen als man dachte. Meistens waren es Nachbarn, Bekannte, Freunde und Arbeitskollegen. Viele Menschen kamen auch einfach nur so vorbei, einige darunter waren arme Leute, die sich regelrecht von Beerdigung zu Beerdigung durchfutterten.

    Das machte aber nichts, da das Essen für diese Menschen quasi vom Toten gespendet wurde und dieser somit ein paar Pluspunkte für einen guten Start in das nächste Leben sammeln konnte.

    Aus dem gleichen Grunde war die Veranstaltung auch fröhlich, es wurde gelacht und geschwatzt. Die Deutschen hatten etwas Mühe, diese Fröhlichkeit zu verstehen. Michael wies aber darauf hin, dass es ja auch in Deutschland einen Leichenschmaus gab. Und auch da wurde ja auch Geselligkeit gepflegt, allerdings etwas gedämpft und mit einem melancholischen Unterton.

    Auch hier wurde der Toten gedacht. Der Sarg war die letzten Wochen im Tempel aufbewahrt worden. Damit die Tote nicht verweste, hatte man sie zum einen gekühlt aufbewahrt, zum anderen aber auch vorsichtshalber mit einer Chemikalie behandelt, die das Verfaulen aufhalten sollte. Jetzt war der Sarg an einem zentralem Ort am Festplatz aufgestellt. Er war mit Blumen geschmückt. Die Thais zündeten Räucherstäbchen an und beteten. Um sich kurz danach wieder ihrer Lieblingsbeschäftigung zuzuwenden, dem Essen.

    Später kamen dann auch Mönche aus dem Kloster hinzu, in dem am folgenden Tag die Tote verbrannt werden sollte. Allerdings nahmen sie nicht am Essen teil, denn sie durften von 12 Uhr bis zum nächsten Morgen keine feste Nahrung zu sich nehmen.

    Es war ein ziemlicher Betrieb auf der abgesperrten Straße vor dem Haus von Pii. Nur eine war nicht dabei. Vor allem Susanne hatte sich energisch dagegen verwahrt, dass Tammy an den Feierlichkeiten teilnahm. So saß diese alleine im Gartenhaus und dachte über ihre Zukunft nach.


  7. #36
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und das Urteil

    22.

    Ein unauffällig zivil gekleideter Polizist aus Bangkok war auch auf dem Fest und beobachtete alles aufmerksam. Vor allem auf Hans hatte er ein Auge geworfen. Aber so sehr er auch beobachtete und lauschte, er tat nichts, dass ihn in irgend einer Weise verdächtig machte. Aber wie hatte Gung gesagt? Geduldig wartet die behäbige Schlange. Irgendwann erwischt sie dann aber doch auch die flinkste Ratte.

    Hans erkannte in der Menschenmenge einen Bekannten und begrüßte ihn herzlich.

    „Kriëngsak, das ist aber eine Überraschung. Ich freue mich, dass Sie da sind.“

    „Herr Dauber, ich freue mich auch. Ich hatte heute nichts Besonderes vor und dachte ich schaue mal vorbei.“

    „Michael, schau wer gekommen ist.“
    rief Hans seinen Sohn.

    „Kriëngsak, das ist schön. Wann wird die Verhandlung gegen Tammys Cousin und Vater beginnen?“ fragte Michael.

    „Tja, das steht noch in den Sternen. Mir wurde der Fall inzwischen entzogen. Die Gefangenen wurden nach Bangkok verlegt. Ob sie noch in Haft sind, bezweifele ich. Mein Kollege Worarut wurde versetzt. Ich werde mich morgen mit ihm treffen, dann erfahre ich näheres.
    Aber eine Verhandlung wird es sicher geben. Sie werden natürlich ein wichtiger Zeuge sein, Herr Dauber, denke ich mal. Aber vielleicht wird die Tat nie gesühnt werden. Ich sagte ja schon, der Tod Ihrer Haushälterin war ein Autounfall, der Tod Ihrer Frau kein Mord, der Tod der Geliebten, nunja, Suraphands Freunde hatten ihn ja schon als Selbstmord eingestuft. Wer weiß was da noch alles kommt.
    Vielleicht hat ja auch Ihre Frau Selbstmord begangen, als sie die Einbrecher sah. Wer weiß, welche abstrusen Ideen den Kollegen einfallen, um Suraphand und seine Familie aus der Schusslinie zu nehmen. Schade wäre es, aber, nunja, so ist es nun mal in Thailand.
    Immerhin sind Sie wieder frei, das ist die Hauptsache.“


    Kriëngsak mischte sich wieder unter die Menge und beteiligte sich am gemeinsamen Essen.

    „Ein ehrlicher Mann.“ sagte Michael.

    „Weißt Du, Michael. Ich bin froh, dass Ihr beide zusammen gearbeitet habt. Sonst säße ich wohl jetzt noch in der Zelle. Und natürlich muss ich auch dem Bangkoker Polizisten danken.“

    „Der jetzt offenbar von dem Fall abgezogen wurde.“

    „Ja. Aber weißt Du, es ist mir eigentlich egal, ob die da jetzt noch etwas mauscheln oder nicht. Da sollte man sich als Ausländer sowieso nicht einmischen.“


    Hans schaute zu seinen Enkeln, die sich mit einigen einheimischen Kindern angefreundet hatten und trotz fehlender Sprachkenntnisse keine Probleme hatten, mit ihnen zu spielen.

    „Könnte das doch unter Erwachsenen auch so sein.“ dachte er.



    wird fortgesetzt

  8. #37
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und das Urteil

    23.

    Am nächsten Tag stieg Kriëngsak die Stufen zum Phra Pathom Chedi in Nakhon Pathom hinauf. Dieser größte buddhistische Chedi der Welt war eine touristische Attraktion ersten Ranges.
    Vor dem Eingang zur Grotte sah er einen Mann warten. Er ging auf ihn zu.

    „Worarut?“ fragte er.

    „Und Sie sind Kriëngsak, nehme ich an.“ Beide begrüßten sich mit einem Wai. Dann nahmen sie die Gelegenheit wahr an einem der Schreine am Tempel etwas zu beten. Anschließend gingen sie in ein kleines Restaurant in der Stadt. Kriëngsak bestellte sich Muu Satee, Schweinefleisch in Erdnusssoße, das hier sehr gut schmecken sollte. Worarut nahm lieber eine große Nudelsuppe.

    Schließlich kamen sie auf den eigentlichen Grund ihres Treffens zu sprechen.

    „Sie sind strafversetzt worden, wenn ich das richtig verstanden habe?“ fragte Kriëngsak.

    „So kann man es nennen. Mein Chef hat uns die Plätze tauschen lassen. Der neue Ermittler Gung ist ein Karrieretyp und wird eher an eben diese denken als an die Wahrheit.“ bestätigte Worarut.

    „Meine Gefangenen hat man mir inzwischen auch abgenommen und nach Bangkok geschafft. Auch der Fall liegt jetzt auf deren Schreibtisch.“

    „Na, dann dürfte Suraphand es wohl geschafft haben. Ob und wie seine Verwandten jetzt noch aus der Sache rauskommen weiß ich nicht. Aber das bekommen sie auch irgendwie hin.“

    „Ich bin nur froh, dass sich die Unschuld des Deutschen vorher herausgestellt hat. Zum Glück hat wenigstens Tammy gestanden.“

    „Ja, da haben Sie recht, Kriëngsak. Wenn das Mädchen auch geschwiegen hätte, ich glaube, dann sähe es um den Farang schlecht aus.“


    Beide aßen weiter und hingen ihren Gedanken nach. Schließlich verabschiedeten sie sich voneinander und fuhren wieder in ihre Dienststellen zurück.

  9. #38
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und das Urteil

    24.

    Mittags trafen sich alle im Tempel wieder: Sumalees Verwandte und Hans’ Familie. Der Sarg war inzwischen wieder auf dem Gelände des Wats aufgebahrt worden. Der Deckel war geöffnet worden. Pii winkte Hans zu sich. Er bedeutete ihm, als Erster das Gesicht und die rechte Hand der Toten symbolisch zu waschen. Hans wunderte sich, wie gut erhalten Sumalee noch aussah. Der Kühlraum und die verabreichten Chemikalien hatten eine Verwesung wirksam verhindert.
    Hans nahm in diesem Moment Abschied von der Frau, die ihn über Jahre hinweg durch das Leben begleitet hatte. Tränen stiegen ihm in die Augen. Pii schüttelte den Kopf, als er es sah.

    „Du sollst nicht weinen.“ sagte Michael, der als Nächster die rituelle Waschung durchführen sollte. „Das würde es Mutter schwerer machen auf ihrer Reise.“

    „Ja, Du hast Recht. Ich werde mich zusammenreißen.“


    Eigentlich hätte auch Susanne ihre Mutter nochmals waschen sollen, doch sie sah sich nicht in der Lage dazu und hatte sich still in ein Gebäude des Tempels zurückgezogen.

    Der ranghöchste Mönch sprach noch ein paar abschließende Worte. Dann nahmen die Träger den Sarg auf und drehten drei Runden mit ihm um das Krematorium. Anschließend wurde der Sarg in dieses Gebäude getragen.

    „Das war es.“ sagte Michael.

    „Und wo wird sie beigesetzt?“ fragte Hans.

    Michael nahm ihn mit an eine Mauer am Rande des Friedhofsgeländes. Hier waren Nischen eingelassen, in denen kleine Urnen eingemauert waren.

    „Diesen Platz hat sich ihre Familie ausgesucht.“ erklärte er und zeigte auf eine freie Stelle. „Rechts davon sind übrigens die Urnen ihrer Eltern. Eine weitere Urne mit Überresten von Sumalee bekommst Du. Am besten Du stellst sie erhöht auf einen kleinen Altar zu Hause.“

    „Das werde ich tun.“
    versprach Hans.

    „Lass uns gehen.“ schlug Michael vor. „Beim Verbrennen selber brauchen wir nicht dabei zu sein.“

    Sie machten sich auf den Heimweg.



    Fortsetzung folgt

  10. #39
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und das Urteil

    25.

    Ein paar Tage später verabschiedete Hans seine Kinder und Enkel am Bangkoker Flughafen. Vor allem die Kinder hatten die letzten Tage in Cha Am genossen und waren oft ans und ins Meer gegangen.

    Und sie hatten großes Glück gehabt. Denn kurz vor ihrer Abreise ereignete sich in Indischen Ozean eine große Katastrophe. Ein gigantisches Seebeben löste einen der schlimmsten Tsunamis aus, den die Menschheit bisher erlebt hatte. Cha Am lag zum Glück auf der „richtigen“ Seite. Hier am Pazifik hatte man von dem Beben nur sehr wenig und von dem Tsunami nichts gemerkt.

    Hans hätte es nicht ertragen können, nach seiner Frau vielleicht auch noch andere Familienmitglieder zu verlieren.

    Er fuhr mit Ung und dessen Bus wieder nach Cha Am zurück.

    Zu Hause legte er sich in sein Bett und schlief lange und tief.

  11. #40
    Avatar von moselbert

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    Re: Tammy und das Urteil

    26.

    Am nächsten Morgen wurde er wieder von dem Duft frisch zubereiteten Essens geweckt. Mühsam quälte er sich aus dem Bett. Er hatte offenbar falsch gelegen und sich die Schulter verspannt. Er ging ins Bad und machte sich frisch.

    Tammy hatte sich in den vergangenen Tagen sehr zurückgezogen. Susanne hatte sie ihre Ablehnung deutlich spüren lassen. Tammy war klug genug, im Hintergrund zu bleiben und Hans’ Tochter keinen Grund für weitere Anschuldigungen zu bieten. Immerhin hatte auch Susanne ebenso wie Michael von ihrer Mutter so gut Thai gelernt, dass es ihr keine Mühe machte, Tammy ihr Missfallen über ihre Anwesenheit im Hause auch in Worten klarzumachen. Aber da Hans seine schützende Hand über sie gehalten hatte, konnte seine Tochter nicht viel ausrichten. Schließlich hatte sie sich hauptsächlich mit ihren Kindern am Strand aufgehalten. Tammy war froh gewesen, ihr nicht ständig über den Weg zu laufen.

    Jetzt konnte sie sich wieder freier bewegen. Auch war mit der Beerdigung ein gewisser Druck von ihr abgefallen. Jetzt war Sumalee auf dem Wege zu einem neuen Leben. Und Tammy musste sehen, was die Zukunft für sie bereithielt. Vielleicht sollte sie bei dem Wiederaufbau der vom Tsunami verwüsteten Gebiete helfen. Das würde sicher viel ihrer Schuld am Tod von Sumalee aufwiegen.

    Hans kam aus dem Bad und setzte sich an den Tisch. Wieder einmal hatte Tammy ihre Fähigkeiten als Köchin unter Beweis gestellt. Wenn Tammy nicht mehr als Verkäuferin arbeiten wollte oder konnte, warum nicht ein Restaurant eröffnen? Er würde ihr gerne etwas Geld dazugeben. Er musste mal mit ihr darüber reden.

    Die Schmerzen in der Schulter ließen ihn beim Essen ein paar Mal zusammenzucken.

    „What wrong?” fragte Tammy.

    „Shoulder ache. I did not sleep well.“ antwortete Hans.

    „Like massage?” wollte Tammy wissen.

    Hans hatte zunächst Bedenken. Aber Tammy versicherte ihm, dass sie nur medizinische Massage geben wollte und keine Hintergedanken hatte. Unter diesen Umständen stimmte Hans zu.

    Er zog sein Hemd aus und legte sich bäuchlings auf sein Bett. Tammy massierte seine Schulter. Zunächst tat jeder ihrer Griffe höllisch weh, aber nach kurzer Zeit schon hatte sie die angespannten und verkrampften Muskelpartien gelockert.

    „Kab Khun Khrab.“ sagte er am Ende der Behandlung und drehte sich auf den Rücken.

    Beide sahen sich an.


    Fortsetzung folgt

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