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Stille und Schweigen im inneren Raum

Erstellt von Taoman, 15.04.2005, 18:51 Uhr · 2 Antworten · 997 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Taoman

    Registriert seit
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    Stille und Schweigen im inneren Raum

    Vor 6 Jahren als ich mich noch recht intensiv hauptsächlich durch Bücher mit den verschiedensten insbesonders buddhistischen Schulen beschäftigt habe, war ich von vielen Dingen sehr bewegt, ruhig und nachdenklich geworden.

    Aus dieser Inspiration heraus, durch unterschiedliche Autoren und meinem gerade beendeten Vipassana-Retreat hatte ich damals folgenden Text geschrieben.
    Meine Hauptinspiration fand ich in den Texten von "Hellmut Wolff" weshalb dessen Geist in dem Text auch klar dominieren dürfte.

    Vielleicht passt der Text ja hier hin?

    Stille und Schweigen im inneren Raum

    Wenn du einem Menschen begegnest, begegnest du auch seinem inneren Raum mitsamt seinen Wünschen, seinen Hoffnungen und seinen Begierden, alles das ist in diesem inneren Raum enthalten. Dieser innere Raum ist gewissermaßen die Kraft die wir besitzen, er ist jedoch auch erfüllt von unserer Unklarheit von Ängsten und Sorgen welche wir mit uns tragen.

    Wir versuchen um in diesen inneren Raum zu gelangen ihm eine Ordnung zu geben, indem wir vielleicht beten oder meditieren und versuchen uns zu versenken. Wir versuchen dies mit unserem Willen und mit einer bestimmten Vorstellung.

    Wir machen uns ein Bild davon. Aber wir vergessen dabei, daß dieser innerer Raum ein grenzenloser Raum ist.
    Ein Raum den man nicht in irgendeiner“Vorstellung“ hineinzwängen kann. Es ist doch etwas anderes wenn ich einen begrenzten Raum vor mir habe und diesen in Ordnung bringe wie ich ihn gerne haben möchte, als wenn ich vor einem grenzenlosen Raum stehe.

    Da hat es gar keinen Zweck das ich irgendwelche Ordnungswünsche von meiner Sicht aus, welche ja begrenzt ist in diesem grenzenlosen Raum hinein gebe. Da unser Geist ja ein grenzenloser Geist ist, was wir ja nie so ganz verstehen und begreifen können kommen wir somit in einen Konflikt.

    Auf der einen Seite haben wir begrenztes auf der anderen Seite etwas grenzenloses. Die Frage ist wie kommen wir zu einer Synthese dieser beiden Seiten?

    Um in eine Synthese mit dem Unbegrenzten zu kommen gibt es keine andere Möglichkeit als daß wir das Unbegrenzte einfach zu uns kommen lassen, das wir es in irgendeiner Weise empfangen und daß wir es wirken lassen, so wie es wirken möchte.

    Dies würde erfordern, das wenn wir dieses Unbegrenzte und die Möglichkeiten dieses Unbegrenzten empfangen möchten, das wir ganz still werden. Das wir ganz empfängnis bereit sind. Ganz acht haben auf das was in unserem inneren vorgeht.

    Da jedoch dieses "achthaben“ eben gar nicht so leicht im Unbegrenzten ist, müßen wir lernen auch in unserem alltäglichen Leben acht zu haben auf das was geschieht. Auf diese kleinen Dinge im Alltag wie sie täglich anders sind als gestern wo wir das selbe getan haben.

    Die kleinen Veränderungen beachten, und diese Achtsamkeit bewußt pflegen.
    Achtsam sein auf die kleinsten Bewegungen auf die kleinsten Regungen eines anderen Menschen und allem was uns begegnet.
    Das ist es was einem oft wunderbares aus seinen inneren Räumen offenbart.

    Wir sind im allgemeinen überhaupt nicht achtsam, wir können es schon deshalb nicht sein weil wir uns von der Aussenwelt her viel zuviel zumuten.

    Es ist unmöglich all den Bildern welche an einem Tag in uns eindringen, in Achtsamkeit zu begegnen und sie zu verarbeiten. Deshalb stumpfen wir unseren Geist ab, wir werden abgestumpft von den Einflüssen welche von außen in unserer hektischen Welt uns permanent überfluten.

    Wir werden abgestumpft den Einflüssen von außen gegenüber, wir haben kein Feingefühl, keine Sensivität mehr, man kann auch sagen kein Fingerspitzengefühl mehr für die Möglichkeiten die sich uns anbieten. Unsere Gefühle stumpfen ab wir haben keine Freude mehr an den Dingen. Wir werden Freudlos und Gleichgültig. Wir handeln zwar noch zweckmäßig, jedoch ein tieferer Sinn, ein Sinn im Bezug zu den einzelnen Dingen die uns erscheinen ist nicht mehr verhanden.

    Deshalb ist das Schweigen etwas ganz wichtiges. Das Schweigen ist wichtig weil wir im Schweigen etwas für uns bewahren.
    So hören wir die Stimme der Stille nur, wenn wir in uns still sind, dann können wir diese Stimme unseres tiefsten Wesen vernehmen.
    Wir müssen Stille sein um unser wahres Wesen zu vernehmen.

    Was bedeutet dieses Schweigen noch?

    Es bedeutet das wir die Unlust-Gefühle aus uns beseitigen. Das wir sie auflösen. Das wir die Hoffnungen unsere Sehnsüchte und grossen Wünsche die wir haben beiseite bringen. Das wir alles das was wir erhoffen loslassen.

    Stille bedeutet nichts anderes als das zu sein was wir im Augenblick sind. In dieser Stille ist keinerlei Bezug zur Zukunft und zur Vergangenheit vorhanden. Es ist das reine Gewahrsein des Augenblicks und dies gibt uns unseren inneren Frieden zurück.

    Wenn wir jedoch die Stille der meisten Menschen sehen, kommen diese von ihren inneren Bildern aus Vergangenheit und Zukunft nicht los, sie sehen Bilder und erhoffen sich ständig etwas für ihre Zukunft, denn das Leben der Menschen in der Welt ist immer ein Leben aus dem, was wir in der Vergangenheit erlebt haben und in die Zukunft hinein projizieren.

    Solange es dabei um die praktischen Dinge unseres äußeren Lebens geht also unseren Verstand und unsere Vernunft betriff, welchen wir ja brauchen um unseren Alltag zu bestehen, ist dies auch vollständig richtig.

    Jedoch in dem Augenblick wenn es das psychologische Leben also das Leben von "Mensch zu Mensch" angeht, der menschlichen Gemeinschaft kommen wir so nicht weiter, dann bleiben wir ganz einfach stecken.

    Dadurch werden wir voneinander getrennt.

    Wir bleiben in unserer Begrenzung verhaftet und kommen so in Konflikt mit den Dingen unseren Mitmenschen und uns selbst.


    taoman

  2.  
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  3. #2
    Chonburi's Michael
    Avatar von Chonburi's Michael

    Re: Stille und Schweigen im inneren Raum

    Es ist wie mit dem ruhig werdenden Wasser.
    Wegen der Unruhe kann man nicht klar sehen. Die Ruhe macht das Bild (Spiegelbild) klar und erkennbar.

  4. #3
    Avatar von x-pat

    Registriert seit
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    Beiträge
    7.208

    Re: Stille und Schweigen im inneren Raum

    An dieser Stelle ein Literatur Tip:

    Eckhart Tolle - The Power Of Now

    Geht in die gleiche Richtung. Hier sind einige Auszüge aus dem Buch, die auf Tolle´s Webseite veröffentlicht sind:

    So deal with the past on the level of the present. The more attention you give to the past, the more you energize it, and the more likely you are to make a "self" out of it. Don´t misunderstand: attention is essential, but not to the past. Give attention to the present; give attention to your behavior, to your reactions, moods, thoughts, emotions, fears, and desires as they occur in the present. There´s the past in you. If you can be present enough to watch all those things, not critically or analytically but nonjudgementally, then you are dealing with the past and dissolving it through the power of your presence. You find yourself by coming into the present.

    .....So break the old pattern of present-moment denial and present-moment resistance. Make it your practice to withdraw attention from past and future whenever they are not needed. Step out of the time dimension as much as possible in everyday life. If you find it hard to enter the Now directly, start by observing the habitual tendency of your mind to want to escape from the Now. You will observe that the future is usually imagined as either better or worse than the present. If the imagined future is better, it gives you hope or pleasurable anticipation. If it is worse, it creates anxiety. Both are illusory. ....

    .....The word enlightenment conjures up the idea of some superhuman accomplishment, and the ego likes to keep it that way, but it is simply your natural state of felt oneness with Being. It is a state of connectedness with something immeasurable and indestructible, something that, almost paradoxically, is essentially you and yet is much greater than you. It is finding your true nature beyond name and form. The inability to feel this connectedness gives rise to the illusion of separation, from yourself and from the world around you. You then perceive yourself, consciously or unconsciously, as an isolated fragment. Fear arises, and conflict within and without becomes the norm. .....

    (Eckhart Tolle)

    Gruß, X-Pat

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