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Starke Regenfälle in Udon-Thani!

Erstellt von Mang-gon-Jai, 31.08.2002, 20:16 Uhr · 30 Antworten · 4.388 Aufrufe

  1. #11
    Avatar von Mang-gon-Jai

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    Re: Starke Regenfälle in Udon-Thani!

    Der nächtliche Regen ging weiter. Hier Teil2:

    „Kit wa mii ruu – Ich glaube, da ist ein Loch“, bemerkte sie mit Kennerblick.

    Es gab kein Loch, jedenfalls kein bestimmtes. Ich konnte keins entdecken. Durch zahlreiche undichte Stellen schien das Wasser zu sickern. Dann lief es an verschiedenen Balken entlang bis es die Stellen oberhalb meines Nackens gefunden hatte. Von dort aus stürzte es sich tropfend auf mich.
    Sicher hätte ich den Schaden beheben können, wenn ich etwas größer gewesen wäre. Es gab leider keinen Stuhl auf den ich steigen konnte.
    Aber ich erinnerte mich, dass ich unter der Hütte einen Eimer gesehen hatte. Wenn ich auf dem umgedrehten Eimer stand, musste ich bis an die Balken langen können.
    Erneut stieg ich also die Treppe hinunter. Ich hatte auch die Taschenlampe bei mir und zog an der Tür rechtzeitig den Kopf ein.
    Der Hund, der bei meinem Kommen einige Meter geflüchtet war, beobachtete mein Tun aus sicherer Entfernung.
    Auf Anhieb fand ich den Zinkeimer. Es hatte sich wohl Regenwasser darin gesammelt. Dieses goss ich an einem der Pfähle, auf dem unser Haus stand aus.
    Der dämliche Hund grinste schon wieder.
    „In dieser Gegend werden immer noch Hunde gegessen!“ Ich konnte es mir nicht verkneifen, ihn darauf aufmerksam zu machen.
    Dann stieg ich mit dem Eimer in der einen und die Lampe in der anderen Hand die Treppe nach oben, wo mir Jindi den Eimer abnahm.
    „Pass auf den Türbalken!“
    Langsam nervten mich Jindis Warnungen. Ich passe schon selber auf. Außerdem kam die Warnung sowieso zu spät!
    Zusätzlich stellte sie dumme Fragen wie zum Beispiel: „Wohin hast du den Reis getan, den ich in dem Eimer eingeweicht hatte?“
    Was nun kam war eine Kleinigkeit. Der Eimer wurde umgedreht und mit einem eleganten Schwung stieg ich auf den Eimer, dessen Boden sich sofort löste, wodurch ich durchtrat.
    Irgend fand ich, dass Jindi plötzlich einen ähnlichen Gesichtsausdruck hatte, wie der dämlich grinsende Hund. Es muss wohl an der Beleuchtung gelegen haben.
    „Tirak norn lap dii gua. Phueng nii schan scha tham – Schatz, lass uns lieber schlafen. Morgen mache ich es fertig“.
    Morgen mache ICH es fertig. ICH, ein fähiger Farang, mache es fertig, keine Frau!!! Wer denn sonst?
    Allerdings gab ich ihr recht. Diese kleine Tätigkeit auf morgen zu verschieben, war sicher angebracht. Es wurde auch sicher schon bald hell.
    Wir legten uns hin. Natürlich nicht auf die gleiche Stelle, wo der stete Tropfen versuchte mich zu treffen. Jindi hatte die Matten an einer anderen Stelle des Raums ausgebreitet.
    Dann lagen wir wieder eng aneinandergeschmiegt auf dem Boden, auf unseren Binsenmatten. Sehr schnell schliefen wir ein. Das heißt Jindi schlief.
    Ich drehte mich auf den Rücken und starrte zur dunklen Decke auf der der Regen prasselte. Vor meinem geistigen Auge sah ich den Hund. Frech grinste er mich an, als mir der erste Tropfen auf die Stirn fiel. Der Regen hatte mich wieder gefunden.
    Irgendwie war es mir egal geworden. Morgen würde ich es richten. Morgen würde ich auch den Hund abschaffen.
    Eng aneinander geschmiegt lagen wir wieder zusammen. Endlich schlief auch ich ein. Im Unterbewusstsein spürte ich, wie Jindi aufstand. Wo wollte sie denn nachts hin?
    „Mai mii fai mai – Hast du kein Licht?”, hörte ich mich sagen.
    Daraufhin hörte ich ihr Lachen und ich schlug die Augen auf.
    Es war 10 Uhr vormittags, strahlende Sonne, kein Wölkchen am Himmel. Jindi saß unten an der Treppe und spielte mit dem Hund. Er grinste schon wieder.
    „Schau nur“, sagte Jindi. „Der Hund muss heute Nacht den Eimer mit dem eingeweichten Reis umgestoßen haben. Ich habe schon mit ihm geschimpft.“
    Dieses Mal grinste ich.


    Teil 3 folgt bald


    Letzte Änderung: Mang-gon-Jai am 01.09.02, 21:23

  2.  
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  3. #12
    Avatar von Loso

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    Re: Starke Regenfälle in Udon-Thani!

    :bravo:
    insbesondere:
    Morgen mache ICH es fertig. ICH, ein fähiger Farang, mache es fertig, keine Frau!!! Wer denn sonst?
    ;-D Loso

  4. #13
    Uli
    Avatar von Uli

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    77

    Re: Starke Regenfälle in Udon-Thani!

    hi MGJ,

    ich melde mich auch mal wieder zu worte.

    geniale story, ich kann heute sicher nicht schlafen. danke, weiter so.

    grüsse

    Uli


  5. #14
    KLAUS
    Avatar von KLAUS

    Re: Starke Regenfälle in Udon-Thani!

    Hi MGJ,
    habe den beitag mit freude gelesen , das sollte ein kleines, oder vielleicht groesseres Buch werden...LOL:-)
    Dein Schreibtalent ist unverkennbar, da wird man richtig neidisch...:-)
    freue mich auf Teil 3.
    Gruss Klaus

  6. #15
    Avatar von MichaelNoi

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    Re: Starke Regenfälle in Udon-Thani!

    Hallo Mangon,
    vielen Dank für den Montagmorgenlacher :-)
    So muß eine Arbeitswoche anfangen

  7. #16
    Iffi
    Avatar von Iffi

    Re: Starke Regenfälle in Udon-Thani!

    MfG,
    da geht man glatt mit schon Mittwochs-Laune am Montag ins Office.

    Danke!:-)

  8. #17
    Avatar von Mang-gon-Jai

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    3.479

    Re: Starke Regenfälle in Udon-Thani!

    Jetzt beginnen wir, den Schaden zu beheben.

    „Schau nur“, sagte Jindi. „Der Hund muss heute Nacht den Eimer mit dem eingeweichten Reis umgestoßen haben. Ich habe schon mit ihm geschimpft.“
    Dieses Mal grinste ich.

    Nach dem ausgiebigen Frühstück – ohne Frühstück läuft nichts – beschloss ich Teer zu kaufen und damit das Dach abzudichten. Das würde sicher nicht sonderlich schwer sein. Teer aufs Dach gießen und fertig. Ne Sache für ne halbe Stunde.

    Wir fuhren in die Provinzhauptstadt, die gerade mal 45 KM entfernt lag. Dort hatte ich ein großes Geschäft gesehen, ähnlich einem Baumarkt. Dort würde ich Teer kaufen können.
    Dem dort schaffenden Verkäufer erklärte ich mein Anliegen.
    „Teer?“, fragte er unsicher.
    „Ja, Teer zum Abdichten des Daches!“ Warum beschäftigten sie hier derart unqualifiziertes Personal, was nicht einmal Teer kennt?
    „Du solltest Bitumen nehmen, Mister“, glaubte er mich korrigieren zu müssen.
    „Teer ist ein harter, fester Klumpen. Um Teer verarbeiten zu können, musst du ihn erst erhitzen und im heißen Zustand auf das Dach gießen. Das ist sehr umständlich!“
    Wieso glaubte er alles besser zu wissen?
    „Bitumen gibt es in unterschiedlichen Arten. Einige Sorten sind fast flüssig. Das sind die Besten.“
    „Ich will Teer!“ Von diesem jungen Schnösel lasse ich mir doch nicht meine Planung umwerfen.
    Wo sollen wir den Teer heißmachen?“, fragte Jindi, die offensichtlich mit dem Schnösel unter einer Decke steckte.
    Wir einigten uns auf einen großen Eimer „Bitumen der Sorte ‚Flüssig’.“ Der Eimer war so schwer, immerhin 50 KG, dass Jindi ihn kaum zum Auto schleppen konnte.
    In der Zwischenzeit wählte ich noch einen hübschen Spachtel aus mit dem ich den Bitumen auf das Dach streichen wollte.
    Auf der Rückfahrt hielten wir noch an einem Stand und kauften ein Paar Schuhe, Sandalen. Von meinem Paar zu Hause fehlte immer noch genau die Hälfte.

    Im Dorf angekommen, wurden wir neugierig betrachtet.
    „Neue Schuhe hat der Farang. Die sehen gut aus“, sagte ein Nachbar lobend, während Jindi den Eimer vom Auto lud.
    „Oh, Bitumen habt ihr gekauft. Das ist gut! Ist viel Besser als Teer!“
    „Wenn man etwas macht, sollte man etwas Anständiges nehmen“, klärte ich den Nachbarn auf. „Teer nimmt man nicht mehr zum Ausbessern von Dächern. Teer ist ein harter, fester Klumpen. Um Teer verarbeiten zu können, musst du ihn erst erhitzen und im heißen Zustand auf das Dach gießen. Das ist sehr umständlich!“
    Dieser Mann hatte offensichtlich keine Ahnung von Dachreparaturen.
    „Warum hast du Bitumen in der Stadt gekauft? Bitumen gibt’s bei uns im Dorf doch auch. Alle hier nehmen Bitumen.“

    „Hast du eine Leiter?“, fragte ich, um diesen Ignoranten auf ein anderes Thema zu bringen.
    Er nickte und schlich von dannen, um die Leiter zu holen.
    Einige Zuschauer waren zwischenzeitlich gekommen. Sie hatten Binsenmatten vor unserer Hütte ausgerollt, worauf sie jetzt saßen. Von dort aus hatten sie einen guten Blick auf das Dach und wohl auf mich. Auch mein Feind, der grinsende Hund war mit von der Partie. Einige Leute hatten sich sogar etwas zum Essen und Trinken mitgebracht.

    Der Nachbar kam mit der Leiter und lehnte sie an die Hütte. Sie hatte die ideale Länge und reichte genau bis an das Dach.
    „Du kannst aber auf diese Leiter nicht steigen, sie ist morsch!“, erklärte der Nachbar.
    Eine kurze Prüfung ergab, dass sie mich wohl noch tragen würde. Wenn ich aber zusätzlich mit dem 50 KG schweren Eimer belastet war, sah die Sache ziemlich schlecht aus.
    In solch aussichtslosen Situationen zeigt sich, wie wichtig flexibles Denken ist.
    Ich würde also allein, ohne den Eimer auf das Dach steigen und diesen dann mit einem Seil hinaufziehen.
    „Du kannst nicht auf das Dach steigen“, mischte sich jetzt Jindi ein. „Das Wellblech ist schon sehr alt und dünn wie Papier. Du würdest sofort durchfallen.“
    Dieser Gedanke hatte etwas für sich. Er wurde auch unter den Zuschauern auf den Binsenmatten lebhaft diskutiert.
    Erneut war flexibles Denken gefragt. Hinter der Hütte hatte ich ein paar Bretter gesehen. Diese würde ich auf das Dach legen. Auf diesen Brettern konnte ich mich dann sicher bewegen. Sozusagen ‚Bretter die die Welt bedeuten’.
    Es klappte. Die Bretter lagen auf dem Dach. Vorsichtig stellte ich mich versuchsweise darauf. Meinem Publikum schenkte ich ein siegesgewisses Lächeln.
    Neben die Bretter zu treten, durfte mir allerdings nicht passieren.
    Sicher war es besser, den Eimer mit dem Bitumen am Boden zu öffnen. Hier oben auf dem Dach erschien es mir etwas schwierig.
    Mit einem großen Schraubenzieher aus dem Bordwerkzeug des Autos begann ich den Deckel vom Eimer zu lösen.
    Dabei erzählte ich den Anwesenden, wie mir der junge Schnösel im Geschäft unbedingt Teer anstatt Bitumen aufschwatzen wollte. Glücklicher Weise war ich aber standhaft geblieben und hatte Bitumen genommen. Bitumen in fast flüssiger Form. Bitumen dessen Deckel sich nicht öffnen ließ.
    Muss man Deckel von Bitumeneimern fest schweißen?
    Wir besitzen ein praktisches Gerät mit dem Jindi Konservendosen öffnet, einen handelsüblichen Dosenöffner.
    Hiermit gelang es mir, ein Bierdeckel großes, scharfkantiges Loch in den Deckel zu schneiden. Es war so groß, dass der Spachtel wunderbar hineinpasste und auch hineinfiel.
    Durch das Loch konnte ich ihn langsam in der schwarzen Masse versinken sehen.

  9. #18
    Avatar von sunnyboy

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    5.838

    Re: Starke Regenfälle in Udon-Thani!

    @MGJ, wie immer nicht schlecht, bin schon gespannt auf die Fortsetzung. Was sind bitte Bitumen?
    Gruß Sunnyboy
    (der kein Baufachmann ist )

  10. #19
    Airport
    Avatar von Airport

    Re: Starke Regenfälle in Udon-Thani!

    @ sunnyboy,
    ich bin auch kein Fachmann, aber wage es trotzdem:
    Bitumen ist eine klebrige schwarze Teerartige Masse, welche man fuer Dachreparaturen benoetigt....

    Richtig, Ihr Fachleute???

    In diesem Sinne.......

  11. #20
    Avatar von Mang-gon-Jai

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    3.479

    Re: Starke Regenfälle in Udon-Thani!

    @Airport

    Das hast du richtig erklärt. Bitumen hat viele Vorteile: Es ist schwarz, klebt und läßt sich aus Kleidung nicht auswaschen.


    Gruß

    Mang-gon Jai

    Letzte Änderung: Mang-gon-Jai am 09.09.02, 19:43

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