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Songkran

Erstellt von Chonburi's Michael, 20.05.2004, 06:23 Uhr · 3 Antworten · 914 Aufrufe

  1. #1
    Chonburi's Michael
    Avatar von Chonburi's Michael

    Songkran

    Ich erinnere mich als waere es gestern gewesen. Meine erste Songran Erfahrung. Es war in einem kleinen Doerfchen in der Provinz Khon Kaen.

    Die Familie war schon immer Fruehaufsteher, weiss jedoch nicht warum. Jeden Tag vier Uhr frueh. Die Frau des Hauses machte jeden Tag das selbe Ritual. Die Schmutzwaesche an den nahegelegen kuenstlich angelegten Suesswassersee. Gewaschen wurde sie nicht von ihr, das machte spaeter die Tochter wenn sie vom Markt mit Gemuese, Haehnchenstuecken und ein wenig Schweinefleisch zurueckkam. Die Mutter bereitete dann das vielfaelltige Fruehstueck und die Tochter wusch die Waesche wo mittlerweilen die Maedchen vom Doerfchen langsam Schlaftrunken eintraffen. Einige Minuten spaeter war die Soap-Opera des Vortages das Hauptunterhaltungsthema. Eine Idylle wie in einem Bilderbuch wenn die Morgensonne langsam von dem Gesang der Voegel begleitet, ihre taeglichen roetlichen Weg am Himmel bahnte. Ein Salzwassersee, ebenfalls kuenstlich angelegt, war die Haupteinnahmequelle.

    Heute war es aber ein wenig anders. Irgendwie hatte ich das Gefuehl das ich immer wieder angeschaut wurde und dann wenn ich hinblickte ueber mich getuschelt wurde. Nach der zweiten selbstgedrehten Zigarette, was fuer mich immer einen enormen Zeitaufwand bedeutete, bin ich vom kleinen Erdhuegel aufgestanden. Der Hosenboden meiner roten kurzen Hose schaute aus, als haette ich gerade in die Hose gemacht. Langsam mit John Wayn Gang, bin ich auf die Gruppe zugegangen. Ich bat mir zu erklaeren was so lustig ist.

    "Nichts besonderes, wir freuen uns nur auf den heutigen Songran Tag". Ich war erstaunt. Songran, ach ja, das Thailaendische Neu Jahr. "Aber was ist lustig an mir, das ihr nach meinem Gefuehl nach, ueber mich lacht", fragte ich nochmal. Nichts besonderes, wir wollen mit dir heute feiern. So ging ich zurueck zum Erdhuegel, der mittlerweilen getrocknet und voller Ameisen war. Den Rauch meiner Cat-Tabak Zigarette auf den Huegel geblasen und die Ameisen verschwanden vom gestank des Rauches, oder meines Atems. Ist ja auch nicht wichtig, nur fuer mich, den ich konnte mich ohne die Ameisen in meiner Hose zu haben, meine Gedanken wieder nachsinnen.

    Was weiss ich von Songran. Nichts, nur das es eine alte Tradition ist, wo die Familie den aelteren Familienmitglieder Wasser ueber die Haende giessen, und das alle Familienmitglieder versuchen von ueberall her bei der Familie zu sein. Wird ja ganz interessant sein, endlich mal auch die anderen Familienmitglieder kennenzulernen. Und die Angehoerigen kamen, einige von Pattaya, Bangkok, Loburi, Surin, mit Kind und Kegel.

    Viele Plastiktueten welche als Reisetasche umfunktioniert wurden, waren in den Tuk-Tuks, welche die Angehoerigen vom 35 km entfernten Busbahnhof in das kleine Doerfchen brachten. Die Kinder sprangen umher und waren recht neugierig was wihl in den bunten Tueten sein mag. Sie bekamen Puppen, Malbuecher, und Farbstifte.

    Bevor zum Essen geladen wurde, knieten die Kinder und auch die Erwachsenen vor der Grossmutter die in einem blauen abgenutzten Liegestuhl sass, nieder und falteten die Haende zum Wai. Wasser wurde ueber die von der taegliche Feldarbeit zerfurchten Haende vorsichtig gegossen.

    Zum schluss wurde auch ich aufgefordert es gleich zutun. Ja, ich dachte nie das ich sowas mitmachen wuerde, ich tat es, und hatte eine grosse Ehrfurcht vor dieser alten Dame, die immer ihren Bettel kaute, und sich vor lachen den Bauch hielt, wenn ich dieses Zeug mit schuettelten Kopf ablehnte.

    Dann gingen wir alle zum kleinen nahegelegenen Tempel. Essen wurde mitgenommen, fuer die Moenche. Vor dem Tempel, wirklich ein sehr kleiner, wurden die Schuhe ausgezogen. Eine Menschenschlange wartete vor dem Tempel, der eher einen kleinen Holzhuette glich, da nicht viele darin platz fanden.

    Einige fragten mich, ob ich auch reingehen wuerde, schuettelte ich den Kopf, den ich war Christ. Ich erklaerte es ihnen, und mit grossem Verstaendniss wurde ich bestaunt. Kinder wollten ueber "meinen" Jesus viel wissen. Sie baten mich, doch zu zeigen wie ich bete. So kniete ich nieder und sprach das "Vater unser" und alle lauschten.

    Der Moench kam aus dem Tempel mit einem breiten Lachen auf dem Gesicht, und sagte mir, das es das erste mal sei, das zwei Religionen miteinander beteten. Er segnete mich und ich weinte, denn mein Herz war voller Freude.

    Zu Hause wieder angekommen, wurden wir zum Essen geladen. Fuer mich hatte die Tochter und deren Familie aus Bangkok Huehnchen vom KFC aus Bangkok mitgebracht, den sie wussten das ein Farang zu Gast war.

    Um die Mittagszeit, kam der Nachbar mit seinem dunkelbraunen Mitsubischi Pik-Up. Auf der Ladeflaeche eine Wassertonne und einige Meadchen vom morgendlichen Waeschewaschen.. Die Kinder sprangen mit viel gejubel auf die Flaeche und baten mich es ihnen gleichzutun. Da ich noch nicht umgezogen war, und ich meine beste Kleidung anhatte, wollte ich diese wechseln. Nein, nein, ist schon O.K. Wir fahren nur jemanden besuchen. So hab ich auch mein Gewicht raufgewuchtet. Die Sonne war nun unerbittlich heiss.

    Dann kam das was die Maedchen am Morgen zum tuscheln und lachen veranlasste. Wir waren nahe dem Dorfausganges, als auf der Menschenleere Dorfstrasse ploetzlich ein Junge von einem Hauseingang auf die Strasse sprang und mich mit einem Wasserguss voll ins Gesicht erwichte.

    Ich war so erschrocken, das ich einen lauten Schrei ausstiess. Alle auf der Ladeflaeche lachten und die Strasse war nun voll Menschen die mich mit Puder und Wasser bewarfen.

    Ich verstand nur Bahnhof, doch sie steckten mich mit ihrem Lachen an, der den Anfangs aufkeimenden Zorn, schlagartig verdraengte. Alle in der kleinen Seelengemeinde wussten das ich keine Ahnung hatte von dieser anderen Art zu feiern. Alle, wirklich alle haben zusammengehalten und haben mich durch die Ritzen der Haeuser beobachtet, und hatten ihren Spass.

    Dann erklaerten sie mir, das das ein Spass der Jugend ist. Ich war an diesem Tage wohl der eifrigste Wasserwerfer. An der Kreuzung, wo sich die Dorfstrasse mit der Hauptstrasse nach Khon Kaen traf, war ein Polizeibeamter. Ich in meiner Unwissenheit, hab diesen Polizisten tropfnass gemacht. Ploetzlich verstummten alle. Oh, oh was hab ich nur gemacht? Der Polizist lachte jedoch und sagte, noch nie habe ihn jemand an Songran nass gemacht. Ein Farang muss kommen und es tun. Er wuenschte mir Glueckliches neues Jahr und verschwand mit seinem Motorrad lachen richtung Khon Kaen.

    Das war oft noch das Gespraech im Dorf, wenn sie ueber den Farang berichteten der keine Respekt vor der Polizei hatte. Was natuerlich nicht ernst gemeind war. Ich respektiere, die Hueter des Gesetzes, wenn auch viele andere anderer Meinung sind. Warum, das ist eine Geschichte fuer sich.

  2.  
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  3. #2
    Avatar von moselbert

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    2.627

    Re: Songkran

    Michael, Dein Schreibstil und Deine Geschichten sind einfach :bravo:

  4. #3
    Chonburi's Michael
    Avatar von Chonburi's Michael

    Re: Songkran

    @moselbert

    da macht es gleich mehr Freude wenn die Geschichten ankommen. Es sind halt nur Geschichten aus dem Alltag die mich den Menschen in Thailand naerher brachten oder noch immer naeher bringen.

    Geschichten aus dem Alltag sind langweilig, da sie keine exotisch erotischen Inhalt haben. Mehr fuer Rosa Brillen Traeger, wie ich einer bin.

  5. #4
    Avatar von moselbert

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    2.627

    Re: Songkran

    Zitat Zitat von Chonburi´s Michael",p="135599
    ... Geschichten aus dem Alltag sind langweilig, da sie keine exotisch erotischen Inhalt haben ...
    Ich finde sie überhaupt nicht langweilig.
    5ex und Erotik läuft immer auf das eine hinaus. Ist insofern vielleicht schon eher langweilig, denn das alles hat man ja schon so oft gelesen.
    Im Alltag passieren so viele unterschiedliche kleine Begebenheiten, wo man als Leser (und Miterlebender) zunächst überhaupt nicht weiß wie es weitergeht und was am Ende dabei herauskommt.

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