Seite 9 von 10 ErsteErste ... 78910 LetzteLetzte
Ergebnis 81 bis 90 von 99

Somtam-Party

Erstellt von MadMovie, 05.08.2007, 01:00 Uhr · 98 Antworten · 8.781 Aufrufe

  1. #81
    Avatar von MadMovie

    Registriert seit
    16.01.2005
    Beiträge
    1.457

    Re: Somtam-Party

    Jürgen faltete umständlich einen Faltplan von Bangkok auseinander und zeigte auf die Gegend südlich der Deutschen Botschaft.

    „Diese Seitengasse ist sogar nach unserem Weimarer Dichterfürsten benannt! Dort melden wir uns morgen an! Und um die Gastfreundschaft von Mo nicht weiter zu strapazieren, schlage ich vor, wir quartieren uns im Evergreen Laurel Hotel ein.“

    Jürgen tippte auf einen Punkt der Karte, irgendwo rechts der South Sathorn Road.

    Kurt runzelte die Augenbrauen und fühlte sich als Schwabe bemüßigt zu fragen, was das alles kostet.

    „Nun, die Lehrgangsgebühren erfragen wir morgen und das Evergreen Laurel ist zwar nicht der preiswerteste Schuppen, aber man gönnt sich ja sonst nichts! Chok dii – und alle anderen auch!“

    „Geschockt sind wir für heute genug! Prost!“ Kurt erhob sein halbvolles Bierglas.

    „Prost!“ sagten auch Nok und Jeab unisono und nippten an ihren Gläsern mit Saft und Mineralwasser und die Farang wunderten sich, wie astrein die ein „R“ aussprechen konnten.

    „Wir haben aber nur noch ein paar Tage Urlaub“, gab Kurt zu bedenken und wischte sich den Bierschaumschnurrbart von der Oberlippe.

    Jürgen wollte etwas sagen, aber Kurt gebot ihm mit der erhobenen rechten Hand Einhalt.

    „Außerdem haben unsere Frauen noch eine traditionelle Zeremonie da oben in Chaiyaphum vorbereitet, was mit Hin -und Rückreise einige Tage Zeit in Anspruch nimmt“, jammerte Kurt.
    „Wie wollen wir das alles schaffen?“

    „Immer den ersten Schritt vor dem zweiten tun, sonst jeraten wir noch ins Stolpern!“ lachte Jürgen.

    „Dass bei allem Respekt vor der Intelligenz unserer Frauen die nicht eine Sprache in wenigen Tagen lernen, wozu wir selber Jahre jebraucht haben, is´ wohl eh klar! Wir melden uns da an, werden sowieso nicht den nächstbesten Termin bekommen, weil es ja alle Landsleute betrifft, nutzen die Zeit, um oben im Norden eine Party abzuziehen, die sich jewaschen hat, begleiten unsere Frauen bei den ersten Schritten, spielen Hortner und überwachen die Hausaufgaben und dann sehen wir weiter...“

    „Wenn man dich so hört, Jürgen, deine Zuversicht ist beinahe ansteckend!“ grinste Kurt.

    „Wir können nur hoffen, dass sie es packen, aber bei der Prüfung können wir wohl nicht dabei sein.“

    „Ick bekomme Flugtickets für´n Appel und ´n Ei!“ sagte Jürgen.
    „Läßt sich vielleicht einrichten, det ick zur Prüfung dabei bin...“



    Am nächsten Morgen dämmerte Kurt beim üppigen Frühstücksbuffet im Evergreen Laurel Hotel, was das alles kosten würde und die traditionelle thailändische Hochzeitszeremonie mit womöglich mehr Gästen als bei vergleichbaren Anlässen in Deutschland war da noch gar nicht eingerechnet.

    Sie zwängten sich zu Viert in ein Taximeter und der Fahrer bog an der Soi Sathorn 1 rechts ab, um sie zum Goethe Institut zu bringen.

    Vor der Aula drängten sich schon Dutzende Thai-Deutscher Pärchen und junge Thailänderinnen, deren Partner in Deutschland ranklotzen mussten, um die zusätzlichen Kosten für Deutschkurs und Unterkunft zu verdienen.

    Der Gesetzgeber hatte nicht berücksichtigt, dass der erzwungene Deutschunterricht natürlich auch zu Verdienstausfällen führte, und je höher der Verdienstausfall, umso größer der Unmut der jungen Frauen aus allen Teilen des Landes, vor allem aus dem nahegelegenen Seebad.

    Der immer umtriebige Jürgen unterhielt sich mit einem Landsmann aus Berlin und winkte Kurt.

    „Scheint, dass wir außerordentliches Glück haben, lieber Kurt, denn heute morgen findet eine Informationsveranstaltung in der Aula statt. Danach können unsere Holden sich anmelden!“

    Gemeinsam mit allen anderen Wartenden gelangten sie in den Saal und vorn klopfte ein Mann auf das Mikrofon, um die Betriebsbereitschaft zu testen, der das Dauerlächeln scheinbar von den Thais übernommen hatte.

    „Der hat jut grinsen“, flüsterte Jürgen Kurt zu,“so viele zahlende Kundschaft hatte der wahrscheinlich noch nie!“

    „Psst! Es geht los!“ knurrte Kurt.

    Ihnen wurde in salbungsvollen Worten erläutert, wie wichtig doch die Kenntnis deutscher Sprache und Kultur vor der Einreise wäre und dies der schnelleren Integration dienen würde. Der Gesetzgeber habe nun einmal die Goethe Institute weltweit in die Verantwort genommen und man würde sich der Aufgabe gerne stellen. Damit würde man nur Richtlinien der Europäischen Union umsetzen, da andere Länder auch Kenntnisse der Sprache und Kultur voraussetzen würden.

    Danach wurden die nächsten Termine bekannt gegeben.

    Ein Thai übersetzte dies für die anwesenden Damen.

    „Ick kenne genug Türkinnen in meinem Kiez, die nich´ ein Wort Deutsch sprechen. Wäre nicht schlecht gewesen, wenn es diese Regelung für sie schon länger jegeben hätte!“
    murmelte Jürgen.

    „Pssst!“ zischte Kurt, aber es war ohnehin schon Schluss und alle drängelten sich aus dem Saal.

    Jürgen und Kurt hasteten mit ihren angetrauten Damen zu einem der Tische, wo man sich für einen der kommenden Kurse anmelden konnte, aber der nächste war bereits ausgebucht.

    Es konnte frühestens in knapp zwei Wochen los gehen.

    „Für uns die Jelegenheit, im Isaan einen drauf zu machen!“ freute sich Jürgen während Kurt ein eher bekümmertes Gesicht machte.

    „Mir wäre es lieber gewesen, es würde gleich los gehen. Diese Hochzeitszeremonie hätten wir immer noch während eines der nächsten Urlaube nachholen können. Wer weiß, wie lange das wieder dauert“, jammerte er.

    „Da denken unsere Damen sicher anders darüber! Mam, Nu und die anderen sind sicher schon bei den Vorbereitungen!“

    Jürgen spielte darauf an, dass Nu, die mit am Flughafen gewesen war, bereits wieder nach Norden unterwegs war, um bei den Feiervorbereitungen zu helfen.

    Abends tranken sie noch ein Bierchen in einem Restaurant, welches nicht weit von ihrem Evergreen Laurel Hotel entfernt war.

    „Ohne positives Denken hätten wir jar nicht erst her fahren dürfen!“ versuchte Jürgen, seinen abends immer noch ein wenig mürrisch drein blickenden Kumpel aufzumuntern.

    „Es hätte allet viel schlimmer kommen können...!“


    wird fortgesetzt...

  2.  
    Anzeige
  3. #82
    Avatar von Dutchcap

    Registriert seit
    21.08.2004
    Beiträge
    25

    Re: Somtam-Party

    Habe alles in einem Stück gelesen....

    Klasse geschrieben :bravo: Wie aus dem richtigen Leben

    Weiter so !!! Bin schon gespannt auf die Fortsetzung....

  4. #83
    Avatar von MadMovie

    Registriert seit
    16.01.2005
    Beiträge
    1.457

    Re: Somtam-Party

    „Was meinst Du nun schon wieder damit? Ist es nicht schlimm genug?“ greinte Kurt.

    „Nein, ist es nicht! Stell dir vor, wir wären aufs Geratewohl nach Thailand geflogen und hätten uns in Pattaya an eine Bar gesetzt, um eine Hopfenkaltschale zu genießen!“

    „Worauf willst Du nun wieder heraus?“

    Immerhin hatte Jürgen es geschafft, den einst zufälligen Reisebegleiter aus der Reserve zu locken und sein Interesse geweckt.

    „Du hättest den Minirock der ersten Schönheit, die an den Tisch tritt und ´Handsome man, how are you?´ jehaucht hätte, schon mit die Oogen ausjezogen, ha ha!“

    „Ich verstehe immer noch nicht, worauf Du hinaus willst, bei aller Freundschaft!“
    Kurt nippte so heftig an seinem Bier, dass er sich den Kragen ein wenig bekleckerte und seine Frau Jeab ihn mit einer Papierserviette abtupfte.

    „Wenn nicht am ersten Tag, dann hätten wir uns nach einer Woche in so eine Schönheit der Nacht verliebt, die aber von uns unbemerkt in einem Internet-Café Emails an ihre Verehrer in Amerika, Holland und Österreich verschickt. Ick gloobe, ick habe mir deutlich jenug ausgedrückt! Wir hatten unwahrscheinliches Glück!“
    Jürgen drückte die Hand von Nok, die zwar nur Bahnhof verstanden hatte, aber glückselig lächelte.

    „Da macht es nun ooch nichts mehr aus, wenn unsere lieben Frauen noch eine Weile hier bleiben müssen, um deutsche Vokabeln zu pauken. Hättense in Deutschland ooch jemusst! - Chok dii!“

    Jürgen trank sein halbvolles Glas in einem Zug leer.

    Kurt winkte ab, musste aber Jürgen in der Hinsicht Recht geben, dass sie Glück hatten, denn auch im Internet und gerade da konnte man auf gewiefte Damen treffen, die mehrere heiße Eisen schmiedeten.

    Sein Kumpel war gerade noch rechtzeitig von der etwas umtriebigen Lek auf Nok umgeschwenkt.

    Was aber wäre gewesen, wenn Jürgen im Tad Ton Nationalpark nicht gestürzt wäre?

    Jürgen deutete das Schweigen seines Gefährten anders.

    „Kopf hoch, Kurt! Du wirst sehen, alles halb so schlimm! Unsere Süßen werden det packen!“

    „Dein Wort in Buddhas Ohr!“

    Beide hatten keinen blassen Schimmer über das Bildungssystem in Thailand und konnten daher auch nicht einschätzen, inwieweit und mit welcher Methodik dort Fremdsprachenkenntnisse vermittelt wurden.

    „Wir werden oben in Chaiyaphum nicht nur Party machen, sondern ick werde mal an einer Schule hospitieren!“ sagte Jürgen völlig unvermittelt.

    „Und was versprichst Du dir davon?“ fragte Kurt erstaunt und vergaß von seinem frisch gezapften Bier zu trinken.

    „Wenn dort die Fremdsprache Englisch richtig vermittelt wird, hege ich die Hoffnung, dass unsere Frauen in absehbarer Zeit auch Deutsch lernen können!“



    Zum Leidwesen der beiden Farang bestanden die Frauen darauf, wieder mit einem der Überlandbusse in die Heimat zu fahren.

    Direkt am Einstieg nahm ein älterer Mönch Platz und die beiden Pärchen direkt dahinter, was Jürgen als gutes Omen deutete.

    Irgendwo hatte er gelesen, dass dieser Platz in den öffentlichen Verkehrsmitteln immer für mitfahrende Mönche reserviert war und jeder Thai, auch schwangere Frauen, bereitwillig aufstanden, wenn ein Mönch einstieg.

    Aufgrund des ständigen Gehupes und des herum turnenden Schaffners war an Schlafen nicht zu denken und Jürgen studierte die Hochzeitsbräuche, die er von der Internetseite eines jungen Thai auf seinem Laptop abgespeichert hatte.

    Wenn sie das so durchzogen, würde das ein sehr, sehr langer Tag werden, seufzte Jürgen.

    Desweiteren konnte es nicht schaden, den Frauen vorab schon mal ein wenig Deutsch beizubringen.

    „Schau mal, was ich mir zur Vorbereitung auf den Kurs aus dem Netz gefischt habe!“ sagte er schmunzelnd zu seinem Reisegefährten Kurt, dem schon wieder Schweißperlen auf der hohen Stirn standen, obwohl man in einem Aircon-Bus unterwegs war.

    Auf dem Flachbildschirm wurde ein Video von einer Quizshow eingespielt.


    wird fortgesetzt...

  5. #84
    Avatar von MadMovie

    Registriert seit
    16.01.2005
    Beiträge
    1.457

    Re: Somtam-Party

    „Was findet man häufig auf einer Straße nach einer Pferdeparade?“ fragte der Moderator verschmitzt.

    Kurt beugte sich weiter nach links, weil er von seiner Sitzposition aus nicht viel erkennen konnte.

    „A) Pflaumen B) Bananen C) Tomaten D) Äpfel?“

    „Kommt darauf an, was mögliche Pferdegegner unter den Zuschauern als Wurfgeschosse verwendet haben!“ kicherte Kurt.

    „Sehr witzig!“ Jürgen runzelte die Stirn.

    „Jetzt mal im Ernst! Es geht um verstehendes Hören, mein lieber Freund und Kampfgefährte! Also bitte ich doch darum, die Sache ein wenig ernster zu nehmen! Unsere Damen sollen ja den Kurs erfolgreich absolvieren!“

    „Mit solchen dussligen Fragen?“ empörte sich Kurt.

    Eine hinter ihnen sitzende attraktive Thailänderin mittleren Alters hatte sich erhoben und kicherte:
    „Wie heißt kie mah auf Deutsch? Muss aber richtig betont werden, sonst heißt es ´Kacke von Hund´!“

    „Pferdeäpfel!“ knurrte Jürgen, sah dann aber – nachdem er den Hals wie ein Uhu gedreht hatte – die attraktive Thailänderin und schenkte ihr ein Lächeln.

    „Wenn Sie so gut Deutsch können, hätten Sie vielleicht Zeit, unsere Frauen womöglich später bei der Prüfungsvorbereitung am Goethe Institut zu unterstützen – vorausgesetzt, Sie wohnen in Bangkok?“ fragte der geschäftstüchtige Kurt.

    „Nein, tut mir leid, ich komme aus Korat!“ sagte die Thailänderin, „aber ich gebe Ihnen gern die Adresse meiner Nichte, sie hat in Deutschland gelebt und hilft Ihnen sicher gern!“

    Die Dame schrieb etwas auf einen Zettel und Kurt nahm das Angebot dankend entgegen.
    Von den merkwürdigen Kursvorbereitungsmethoden des Berliners hielt er nicht viel.



    Auf der kleinen Farm von Nok außerhalb von Chaiyaphum schlich der struppige Hund gerade um einen Korb, hinter dem sich dem Geruch nach zu urteilen ein Hahn mit lückenhaftem Federkleid verbarg.

    Wenn man jetzt den Korb umwarf, würde sich dann der Hahn dem Kampf stellen oder feige gackernd davon flattern?

    In einer gelben Staubwolke kamen zwei Tuk-Tuks mit quietschenden Bremsen zum Stehen, der Hund richtete die Rute auf und stürmte seinem Frauchen entgegen!

    Endlich war Nok wieder da!

    Nu schwang sich aus dem alten Schaukelstuhl, in dem sie gedöst hatte und erwartete sie auf der gefliesten Veranda.

    „So viel zu den hektischen Hochzeitsvorbereitungen!“ grinste Kurt.

    „Im Isaan ticken die Uhren anders“, sagte Jürgen müde. „Is´ ja auch noch nich´ Wochenende!“

    „Außerdem steht das Datum noch gar nicht fest“, dozierte Kurt, der sich mit einem überdimensionalen weißen Taschentuch die hohe Stirn abtupfte.

    „Jeab hat mir erzählt, den günstigsten Termin bestimmt ein erfahrener Mönch oder ein Wahrsager, so genau habe ich das auch nicht verstanden.“

    Jürgen wollte am liebsten sofort seine Angetraute wieder auf den zerschlissenen Sitz des Tuk-Tuks verfrachten, was aber gründlich falsch verstanden wurde, denn er bekam von Nok einen Schlag auf den Unterarm und der Hund zerrte zornig an den Jeans.

    „Jürgen want date for wedding ceremony at Wat, because we have date at Goethe Institute Bangkok“, erläuterte Kurt seelenruhig seiner Jeab das Geschehen.

    Es gab einen heftigen Wortwechsel zwischen Nok und ihrem Ehemann und als Jürgen versuchte, dem Hund einen Tritt zu geben, dieser sich wie ein Bundesligaprofi verhielt und erbärmlich jaulte, obwohl gar nicht richtig getroffen, hüpfte nun der Berliner auf das wacklige Zweitakt-Gefährt und winkte Kurt.

    „Komm´, wir verkrümeln uns ins Hotel, bis die Damen sich beruhigt haben!“

    „Singular – Deine Dame!“ belehrte ihn Kurt, stieg aber mit auf.

    „Jetzt versuch´ Du nicht ooch noch, mir Deutsch beizubringen. Ausgerechnet een Schwabe – ´Wir können alles außer Hochdeutsch!´“ blaffte Jürgen.

    Der Hund trollte sich zufrieden in den Schatten. Dem Farang hatte er es aber gezeigt! Der Tag war gerettet!


    wird fortgesetzt...

  6. #85
    Avatar von MadMovie

    Registriert seit
    16.01.2005
    Beiträge
    1.457

    Re: Somtam-Party

    Sie hatten im Siam River Resort problemlos ein Doppelbettzimmer bekommen, sich geduscht und umgezogen und mittels einer Telefonkonferenz, die über Kurt und Jeab lief, versuchte man, das Missverständnis aufzuklären.

    „Du hast sie ohne Erklärung am Arm gezerrt, also ist es jetzt an dir, dich zu entschuldigen“, sagte Kurt und griff nach dem Ärmel von Jürgen´s Hemd, der gerade im Begriff war, gedankenverloren über die viel befahrene Strasse zu trotten.

    „Ick kann auf mir alleine aufpassen!“ knurrte Jürgen.

    „Kannst du nicht! Jetzt wo wir Sandro nicht mehr dabei haben, muss ich wohl Nanny spielen!“

    Vor der Auslage eines thai-chinesischen Goldschmieds stand eine junge Frau mit kurz geschnittenem Haarschopf.

    „Sawadii khrap, khun Mam!“ sagte Kurt hoch erfreut.

    „Schön, euch wieder zu sehen“, sagte Mam auf Deutsch mit schweizerischem Akzent.
    „Aber wo sind eure Frauen?“

    „Wir wollen sie mit Goldschmuck überraschen!“ sagte Jürgen geistesgegenwärtig.
    „Habe mir sagen lassen, dass dies hier so üblich ist!“

    „Ja, das ist richtig! Ist so eine Art Geldanlage, falls der Mann...ihr versteht, was ich meine?“

    „Kannst Du uns nicht beraten, ick meine, Du kennst dich hier aus und in Europa...?“

    Mam fühlte sich geschmeichelt, ging nicht in den erstbesten Laden, sondern eine Seitengasse weiter, wo man alle drei mit Wais begrüßte.

    Nach langen Diskussionen und probieren, wo man nicht mit Ausrufen des Entzückens geizte, wenn Mam wieder einmal mit einer Goldkette posierte, entschieden sich Kurt und Jürgen jeweils für ein schweres Armband und eine Goldkette – und da Jürgen noch etwas gut zu machen hatte, kaufte er für Nok noch einen Ring mit einem eingefassten Rubin, obwohl sie ja bereits einen Ehering hatte.

    „Eine bessere Beraterin als Mam hätten wir in dieser Situation nicht bekommen können und sie hat die Preise ja noch einmal herunter gehandelt!“ freute sich der sparsame Schwabe.

    Inzwischen hatte Mam auch mitbekommen, dass es den ersten Ehekrach gegeben hatte und telefonierte mit Nok.

    „Ich bitte mal um gut Wetter für dich – sagt man so bei euch?“



    Nok hatte ihre Tränen getrocknet, den Hund gestreichelt und ihre Laune verbesserte sich schlagartig als Nu verkündete, sie hätte frischen Somtam zubereitet.

    Vom vielen Telefonieren, mit dem Handy zwischen Schulter und Ohr geklemmt, hatte sie schon Verspannungen.

    Hilfreiche Hände massierten ihren Nacken und ihre Schultern.

    Dankbar blickte sie sich um.

    „Jetzt brauchen wir nur noch einen Farang für Nu und dann können wir zu dritt die Schulbank in Bangkok drücken!“

    Bei diesen Worten verdrückte sich Nu in die Küche, um das Geschirr zu spülen, weil ihr unangenehm war, dass sie mit ihrem unscheinbaren Äußeren weder einen hübschen jungen Thai noch einen reichen gutmütigen Farang beeindrucken konnte.

    Der nächste Anruf kam von Mam.

    „Es tut deinem Mann aufrichtig leid, er wollte eigentlich nur ins nächste Wat, um so schnell wie möglich den günstigsten Termin für die traditionelle Hochzeitszeremonie zu erfragen, so sehr liebt er dich und er wird auch für den Hund Süa einen extra großen Knochen mitbringen!“

    Es entstand eine kurze Pause, da Mam das Handy weiter reichte.

    „Phom rak khun, tirak! I´m so sorry!“

    „Mai pen rai kaa!“ hauchte Nok ins Handy.



    „Ihr wisst aber schon, dass Goldschmuck nicht alles ist? Brautgeld muss trotzdem gezahlt werden!“ sagte Mam, die sich auf eine Cola hatte einladen lassen.

    „Habt ihr denn schon einen Mann, der für euch die Verhandlungen führt?“

    Mam rührte mit dem Trinkhalm im Glas mit dem Eiswürfel-Cola-Gemisch.

    „Eine Frau kann das nicht machen?“ fragte Kurt vorsichtig, bei dem als sparsamen Schwaben alle Alarmglocken schrillten, als er etwas von Brautgeld hörte.

    Früher hatte die Braut in Deutschland noch eine Mitgift erhalten.

    „Nein, eigentlich macht das ein Mann aus der Familie des Bräutigams. Wenn ihr wollt, kann ich euch jemand vermitteln, der vertrauenswürdig ist und was das Wichtigste ist - der weiß, dass auch Farang für ihr Geld hart arbeiten müssen!“ lachte Mam.

    „Das wäre wirklich sehr nett von dir“, sagte Kurt.

    „Wie viel muss denn im Allgemeinen so gezahlt werden?“ fragte er vorsichtig und der sparsame Schwabe kam wieder durch.


    wird fortgesetzt...

  7. #86
    Avatar von MadMovie

    Registriert seit
    16.01.2005
    Beiträge
    1.457

    Re: Somtam-Party

    „Kommt drauf an, wie jung, hübsch und gebildet die Braut ist! Mit einer sechsstelligen Summe müsst ihr schon rechnen!“

    „Ick gloobe, ick muss ´nen Tunnel zu meiner Bank graben!“ meldete sich Jürgen nach langer Zeit endlich mal wieder zu Wort.

    Er spielte auf einen spektakulären Raub in seiner Heimatstadt Berlin an, der viele Jahre zuvor so durchgeführt wurde.

    „Bei der Hochzeit wird eine Box aufgestellt, wo die vielen Gäste Geld spenden. So kommt ein Teil der Unkosten wieder rein“, versuchte Mam, die beiden Farang zu beruhigen.
    „Außerdem werden die Eltern der Tochter einen Teil des Brautgeldes wieder zustecken, für ein gemeinsames Häuschen zum Beispiel“, flüsterte Mam und zwinkerte mit einem Auge.

    „Nu mal Butter bei die Fische! Wen würdest Du denn empfehlen für die Verhandlungen?“ fragte Jürgen neugierig.

    „Onkel Som! Der ist Ortsbürgermeister, hat einiges von der Welt gesehen, weil er mal zur See gefahren ist!“

    Kurt und Jürgen konnten sich nicht so recht vorstellen, dass jemand aus dem Isaan über die Weltmeere schipperte, aber warum nicht – schließlich kamen in der Ex-DDR auch die meisten Seeleute aus Sachsen, was nun nicht gerade in Meeresnähe lag, glaubte Jürgen, sich zu erinnern.

    Man hatte von einem nahegelegenen Markt Rippchen mitgebracht, um den Hund Süa wieder einmal zu bestechen. Das hatte ja schon mal mit Leberwurstbroten ganz gut geklappt.

    Dieser hatte es sich nun in den Kopf gesetzt, die Hochzeit seines Frauchens mit dem blöden Farang, der versucht hatte ihn zu treten, zu verhindern.

    Mit steifer Rute und fletschenden Zähnen stellte er sich den beiden Farang in den Weg.
    Den intensiven Geruch aus der Plastiktüte ignorierte er.

    „Tja, sieht eher so aus, als ob dies nicht mehr dein Freund wird, lieber Jürgen“, flüsterte Kurt.

    Er blieb stehen wie eine Salzsäule, um das Untier nicht zu unkontrollierten Taten zu ermutigen.

    Mam nahm einfach die Tüte, ging in die Hocke, redete mit dem Hund auf Thai und gab ihm von den Knochen, die zwischen dem Gebiss zermalmt wurden.

    Dem vorbei schleichenden Jürgen schickte er ein dumpfes Knurren hinterher, so als wolle er sagen:
    ´Mit dir bin ich noch nicht fertig!´

    Jürgen nahm Nok in der Küche in die Arme, hauchte ihr ein „Sorry about misunderstanding!“ ins rechte Ohr und nestelte den Ring hervor um ihn seiner Angetrauten auf einen Finger zu schieben und Nok trocknete theaterreif zwei Tränen mit einem Papiertaschentuch.

    Inzwischen hatten die Farang endgültig begriffen, dass im Isaan die Uhren anders tickten und versuchten gar nicht erst, das Gespräch auf die nächstliegenden Dinge zu lenken, wie dem Besuch im Wat, um den günstigsten Hochzeitstermin berechnen zu lassen oder beim ominösen Ortsbürgermeister, der das Brautgeld herunter handeln sollte.

    Jürgen kannte ja inzwischen die Schwiegermutter in spe Wan und ahnte, dass dies keine ganz einfachen Verhandlungen werden würden.

    Kurt dachte ganz pragmatisch: Jeab ist zwar nett und hübsch, aber nicht mehr ganz jung und hat auch keine Universität besucht – also würde man sicher das Brautgeld herunter handeln können.


    wird fortgesetzt...

  8. #87
    Avatar von MadMovie

    Registriert seit
    16.01.2005
    Beiträge
    1.457

    Re: Somtam-Party

    12

    Die folgenden Tage vergingen wie im Fluge und Jürgen fand kaum noch Zeit, sein Tagebuch im Laptop zu vervollständigen.
    Dazu nutzte er meist den abendlichen Umtrunk mit seinem Reisegefährten, sehr zum Leidwesen des redseligen Kurt.

    Man war im Wat gewesen, um die Mönche für den Morgen der Doppelhochzeit einzuladen und überraschenderweise wurde der kommende Samstag als günstigstes Datum ermittelt.

    Nok und Jeab verteilten pinkfarbene Einladungskarten mit aufgedruckten Herzchen und auch Onkel Som hatte sich als umgänglicher Typ entpuppt, mit dem man sich auf Englisch verständigen konnte.

    Kurt hatte sich nützlich gemacht und am Zündverteiler von Nok´s altem Auto herum geschraubt, denn die Rostlaube wurde ja dringend gebraucht, um die Einladungen unters Volk zu bringen.

    Der Schwabe kraulte gedankenverloren das struppige Fell von Süa, mit dem er sich angefreundet hatte.

    Der streitlustige Hund akzeptierte inzwischen auch die Anwesenheit von Jürgen.

    Jürgen speicherte die Datei ab und klappte den Laptop zu.

    „So, Kurte, jetzt haste meine unjeteilte Aufmerksamkeit! Unseren Süßen müssten auch bald wieder auftauchen, ist ja schon ´ne Stunde dunkel!“

    Er blickte zur Zufahrt, konnte aber im Dämmerlicht keine Staubwolke ausmachen.

    Kurt nahm einen kräftigen Schluck Singha-Bier.

    „Du weisst ja, wie es ist, Jürgen, wenn die Mädels sich irgendwo festquatschen. Außerdem würde Süa sofort die Ankunft melden.“

    Der Hund unter dem Tisch spitzte die Ohren.

    „Oh Mann, nur noch zwei Tage, dann die Riesenfete, zurück nach Bangkok und dann ist dieser Urlaub, der es in sich hatte, fast schon zu Ende...“

    Jürgen wollte einen Schluck von seinem Bier nehmen, doch das hatte sich in der Tropennacht aufgeheizt.

    „Khon nam kaeng, Nu!? Ick hoffe, ick det richtig ausgesprochen!“

    Der dienstbare Geist Nu schwebte heran und bugsierte jeweils zwei Eiswürfel mittels einer Zange in die Biergläser.

    „Khop khun maak khrap! Ick verabscheue eijentlich diese Pantscherei, aber was willste machen – hier wird die Hopfenkaltschale binnen Minuten pupslau!“

    Aus der Küche duftete es verführerisch nach gebratenem Fisch, geschmortem Gemüse und Reis.

    Süa sprang auf und raste zur Strasse, dann erst sahen Kurt und Jürgen die tanzenden Lichter des alten Toyota.

    Jeab, Nok und Mam hatten Plastiktüten mitgebracht.

    „Panaeng Muu, I hope you like it, Schatzi!“ sagte Nok in einem drolligen Drei-Sprachen-Gemisch.

    Als alle beim Essen waren fragte Kurt unvermittelt:

    „Könntest Du dir vorstellen, hier für immer zu leben, Jürgen?“

    „Ick würde die Berliner Luft vermissen, aber überwintern auf alle Fälle!“ sagte der Angesprochene mit vollem Mund.
    „Die Frage stellt sich nur im Moment nicht, da wir noch ein paar Jahre ackern müssen...“

    Die Frage nach der eigenen ungewissen Zukunft verdrängte Jürgen, man war ja schließlich im Urlaub.

    „Da bin ich mal gespannt, wie das morgen wird mit den Hochzeitsvorbereitungen...“ wechselte Kurt das Thema.

    „Du weißt doch, wie es hier ist, Kurte, budjet sawtra!“

    „Das war aber kein Thai!“

    „Nö, Russisch, heißt aber dasselbe!“



    Zunächst wurden die beiden Farang eines Besseren belehrt, was die Arbeitsmoral der thailändischen Landbevölkerung im Nordosten betraf, denn sie wurden vom lauten Tuckern eines Dieselmotors geweckt.

    Als Jürgen nach der landestypischen Dusche im hong nam auftauchte, um nach der Ursache des Lärmes zu forschen, fand er Kurt vor der Auffahrt, der das Geschehen fotografierte.

    Ein Bulldozer planierte das Gelände zwischen der kleinen Siedlung mit den Häuschen, die noch nicht alle bezogen waren und Nok´s Farm.
    Kleinere Büsche und Sträucher wurden gleich mit niedergewalzt.

    „Nicht gerade umweltfreundlich, det Janze!“ knurrte Jürgen.

    „Schätze, hier werden wir morgen Abend das Tanzbein schwingen“, lachte Kurt.

    Das Frühstück mussten sie im Haus einnehmen, denn ein gelb-grauer Schleier hatte sich über die Terrasse gelegt.

    Die jungen Frauen aßen wie üblich gar nichts, um schlank und für die Farang attraktiv zu bleiben.

    Auch der Hund Süa versuchte wegen des Lärms, sich im Haus zu verstecken, wurde aber von Nok hinaus geworfen.


    wird fortgesetzt...

  9. #88
    Avatar von MadMovie

    Registriert seit
    16.01.2005
    Beiträge
    1.457

    Re: Somtam-Party

    Als sich die Staubwolken gelegt hatten, erschien ein hochgewachsener Thai mittleren Alters, der an einem Strommast eine Leiter lehnte und an einem Verteilerkasten zu schrauben begann.

    Als er eine Pause einlegte, um sich eine Zigarette und ein Bierchen zu genehmigen, kletterte der neugierige Kurt auf die Leiter, um nachzusehen, was dies werden sollte.

    „Mensch, pass uff Kurte, Du bist zwar Ingenieur, aber nich´ Elektriker!“

    Kurt verwechselte Spannungsprüfer mit normalem Schraubenzieher, erzeugte einen Lichtbogen und einen Kurzschluss, welcher die ganze Siedlung lahm legte und krachte von der Alu-Leiter!

    „Sieht so aus, als ob jeder von uns mal Bekanntschaft mit dem Städtischen Krankenhaus Chaiyaphum machen wollte! - Nok!! Reo, reo! Car!“



    Der Arzt sprach mit Nok und Jeab, die in Tränen aufgelöst war und gab Entwarnung.

    Alle drei rauschten ins helle Krankenzimmer, wo Kurt auf einem breiten Bett lag und grinste.

    „220 Volt bringen einen deutschen Ingenieur doch nicht um!“

    „Mann, hast Du mir einen Schrecken eingejagt, Du Möchtegern-Starkstrom-Elektriker!“ schimpfte Jürgen.

    „Ich bin nur noch zur Beobachtung hier und wenn alles gut läuft, lassen die mich heute noch raus!
    Die Feier findet planmäßig statt!“

    Wie zur Bestätigung seiner Worte wollte Kurt aus dem Bett hüpfen, wurde aber von der schluchzenden Jeab sanft zurück ins Kissen gedrückt.

    „Take care, tilak, stay at bed!“ schniefte sie.

    Zurück auf der Farm warf Jürgen dem Hund ein Stück Holz zu, der gar nicht daran dachte, in der Mittagshitze zu apportieren, sondern nur mit einem Auge zwinkerte.

    „Bei einem Knochen wärst Du gesprungen – tja, das ist Thailand... Aber verdenken kann ich es dir nicht!“ seufzte Jürgen.
    „Wir werden schon noch Freundschaft schließen. Wir Berliner sind eijentlich tierlieb!“

    Der Hund Süa hatte aufmerksam gelauscht, aber das Schwanzwedeln hob er sich für eine spätere Gelegenheit auf, wenn sich heraus stellte, dass der Farang es tatsächlich gut mit ihm meinte.

    Es dauerte auch nicht lange, da wurde sein Kumpel Kurt im klapprigen Toyota heran kutschiert, der noch etwas weich in den Beinen war und sich sofort auf einen weißen Plastiksessel auf der Terrasse fallen ließ, was dem Gestühl den letzten Rest gab und die ganze Konstruktion inklusive Kurt auf die Fliesen krachte.

    „Im Moment scheinst Du das Glück nicht gerade gepachtet zu haben, lieber Kurt! Ein Bierchen gefällig?“

    Der wie ein auf dem Rücken liegender Käfer zappelnde Kurt warf das bunte Sitzkissen in Richtung des vorlauten Berliners, der aber schon Richtung Küche und Kühlschrank unterwegs war.

    „I told you take care, tilak!“ heulte Jeab.

    Kurt merkte erst jetzt, als ihm aufgeholfen wurde, dass er sich entweder vormittags beim Sturz von der Leiter oder eben gerade eine Verstauchung des rechten Knöchels zugezogen hatte.

    „Aua, aua, please cool it, tirak!“

    Jeab kam alsbald mit einem Lappen und einer Schüssel Eiswürfel wieder und Jürgen hebelte zwei Flaschen Singha-Bier auf.

    „You drink so much, tilak!“ meckerte jetzt Nok.

    „Auf den Schreck mit Kurt sei uns ein Bierchen gestattet, Schatz!“

    „???“

    „Because of this shock we have to drink beer, darling!“ sagte Jürgen in nicht ganz korrektem Englisch, Hauptsache, es wurde verstanden.

    „Eigentlich sollten unsere Holden ja Deutsch lernen. Hast Du inzwischen ein robustes Sitzmöbel gefunden, Kurte?“


    wird fortgesetzt...

  10. #89
    Avatar von MadMovie

    Registriert seit
    16.01.2005
    Beiträge
    1.457

    Re: Somtam-Party

    Wie in Thailand üblich, blieben sie nicht lang allein.

    Aus dem Dunkel tauchte überraschend Onkel Som, der Dorfvorsteher auf.
    Süa war es nicht einmal ein Bellen wert.

    Auch für Som fand sich ein Sitzmöbel, obwohl die Auswahl inzwischen begrenzt war.

    Da dieser Mann für ein paar tausend Baht Plus oder Minus in der Kasse verantwortlich zeichnete, wurde er von den beiden Deutschen mit Wais begrüßt.

    „Sawadii! Whisky? Buri?“ krächzte er, als hätte es seit Tagen weder etwas zu Rauchen noch etwas zu Trinken gegeben.

    Eilfertig reichte ihm Jürgen eine Marlboro Light und gab ihm Feuer.

    Jeab goss Bier ein und machte sich auf die Suche nach einer Neige Regency, die noch irgendwo herum stehen musste.

    „Hope you feel better, hä?“ kicherte Som.

    Kurt war natürlich Vorstadtgespräch von Chaiyaphum und alle Welt bemitleidete Jeab ein wenig, dass sie sich ausgerechnet so einen ungeschickten Farang geangelt hatte.

    „Sabai dii, khop khun khrap!“

    Mit dieser Antwort hatte Kurt wieder zwei Punkte im Ansehen gut gemacht.

    „Farang phuut Thai“, kicherte Som und ließ zwei Reihen nikotinverfärbter Zähne sehen.

    Jeab goss dem hohen Gast ein Gläschen Brandy ein, das hier unter Namen „Whisky“ firmierte, aber mit dem, was in den schottischen Highlands destilliert wurde, nichts zu tun hatte.

    Nach der zweiten Zigarette, dem zweiten „Whisky“ und dem zweiten Glas Bier ließ sich Onkel Som zu der Bemerkung hinreißen:

    „Not easy, meetings about sin sod! They want 100000 Baht...“

    Der alte Thai machte eine Pause.

    „But I´m clever, hi hi! I told them, you pay later for more land and new house and now...“
    Die nächste Pause folgte, und die beiden Deutschen hatten inzwischen gelernt, nicht ungeduldig zu unterbrechen.

    „Now for Jeab 50000 Baht und for Nok 80000 Baht and gold jewelry, good result?“

    Som lehnte sich entspannt zurück und nippte am dritten Regency.

    Jürgen und Kurt hatten das sofort in Euro umgerechnet – ihnen traten Schweißperlen auf die Stirn – mit den jeweiligen Banken musste Kontakt aufgenommen werden.

    „Ohne Mam und Som wäre es mit Sicherheit teurer geworden!“ sagte Kurt, nippte am Bier und vergewisserte sich, dass der Sessel sicher stand.

    „It´s okay, uncle Som and we give charitable donation for school and Wat!“ sagte Jürgen, dem zwar nicht ganz wohl bei dem Gedanken war, aber man heiratete schließlich nur einmal in Thailand – hoffte er...

    Onkel Som lächelte.
    Die beiden Farang waren nach seinem Geschmack, vor allem der jüngere.

    Ganz offenbar waren dies keine kineaus und das würde er auch hier in der Gemeinde verbreiten.

    Jürgen war zwar noch nicht lange im Lande, aber instinktiv hatte er das Richtige gemacht.

    Kurt war in Gedanken noch nicht so weit und zischte Jürgen zu:

    „Nach deinen Versprechungen sind wir demnächst Pleite!“

    „He, komm, Du hast doch selbst gerade gesagt, ohne Vermittlung wäre es teurer geworden!“ zischte Jürgen und lächelte Onkel Som an.

    Beim folgenden Umtrunk mit ihrem Berater hielten sie sich zurück und nippten nur am Regency.

    Nu hatte noch eine weitere Flasche besorgt.

    Die Trinkfestigkeit des Ortsvorstehers dieser kleinen Gemeinde nahe Chaiyaphum war sprichwörtlich, man munkelte auch, er hätte noch eine mia noi.


    wird fortgesetzt...

  11. #90
    Avatar von MadMovie

    Registriert seit
    16.01.2005
    Beiträge
    1.457

    Re: Somtam-Party

    Morgens um sechs Uhr wurde Süa aus Träumen von Verfolgungsjagden mit Kätzchen und ehemaligen Kampfhähnen gerissen, weil wieder einmal ein Pick-Up in einer Staubwolke zum Stehen kam.

    Von den angeschraubten Sitzbänken, die den Isuzu Pick-Up zum Songthao machten, kletterten neun Mönche.
    Neun deshalb, weil diese Zahl bei den Chinesen aber auch den Thais eine besondere Glückszahl ist.

    Diese ließen sich auf roten Bastmatten im Wohnraum von Nok nieder und begannen mit dem Absingen von Liedern in der alten Sprache Pali.

    Jürgen hörte dies im Bad und beeilte sich beim Ankleiden.

    Vor der Tür wäre er beinahe mit Kurt zusammengestoßen, der gerade seinen Fotoapparat aus der Umhüllung befreite und dessen Kinn ein Pflaster zierte.

    „Bevor Du fragst: Beim Rasieren geschnitten!“ sagte er mit schiefem Lächeln.

    „Du läßt dieser Tage aber auch nichts aus! Ich hoffe, ich bekomme dich heil in den Flieger!“ griente Jürgen.

    Sie begrüßten den Mönchschor und die anwesenden Damen mit Wais.

    Wie aus dem Nichts war auch Jürgen´s Schwiegermutter in spe, Wan, wieder aufgetauscht. Ebenso waren die künftigen Schwiegereltern von Kurt zugegen.

    De beiden Farang hielten sich dezent im Hintergrund, Kurt machte Fotos und Jürgen Notizen.

    „Bringe ich alles später mal im Internet“, flüsterte er.

    „Today wedding ceremony, tilak, are you happy?“

    Nok gab ihrem Ehemann nicht mal einen flüchtigen Thaikuss auf die rasierte Wange, denn in den Augen der Anwesenden waren sie noch gar nicht richtig verheiratet.

    Jürgen wagte einen Blick durchs Fenster, wo auf dem planierten Feld absolut gar nichts passierte.

    Sollte da nicht noch eine Bühne, Tische und Bestuhlung für rund hundert Gäste aufgebaut werden?

    Er hatte es sich angewöhnt, sich in diesem Land über gar nichts mehr zu wundern.

    Nach einer halben Stunde hatten die safrangelben Kuttenträger erst mal Lust auf eine Pause und unterbrachen die Gesänge.

    „You have to give the monks something to drink and to eat, women don´t have to touch monks!“ sagte Nok bestimmt.

    Sie hatten alles auf Tabletts arrangiert, und als Jürgen sah, dass sein Kumpel aufgrund der Serie kleiner Unfälle unmöglich in der Lage war, auf Knien zu rutschen, musste er alleine die Aufgabe übernehmen, die Mönche zu beköstigen und begann beim ältesten und ehrwürdigsten.

    Danach war Jürgen in Schweiß gebadet und hätte jetzt schon die zweite Dusche des Tages gebraucht.

    „Oh, Mann, wenn det so weiter geht, brauche ick eine Verlängerungswoche auf Phuket!“
    stöhnte er, wohl wissend, dass man nur noch das Goethe Institut Bangkok aufsuchen würde und danach wieder nach Hause musste.

    Nach dem die Mönche ausgiebig gefrühstückt hatten machten sie sich mit frischer Kraft ans Werk und begannen wieder zu singen.

    Jürgen wurde es zu langweilig und er wollte sich davon schleichen, um draußen eine zu rauchen, aber seine Liebste Nok hielt ihn zurück und zischte:
    „You have to stay here! When the monks finish, you give them money in envelops, Jeab and I prepared!“

    ´Au Backe´, dachte Jürgen, ´schon wieder Jeld!´

    Nok sah das skeptische Gesicht ihres Mannes.

    „Monks sing for good luck for you and me and Kult and Jeab!“ erklärte sie flüsternd.

    Nach einer endlos langen Stunde, wie es Jürgen vorkam, beendeten die Mönche ihre Gesänge und es war wieder an ihm, auf Knien rutschend neun Umschläge zu verteilen.

    „Det war erst der Anfang, Kurte!“ seufzte er danach.

    „Der Tag is´ noch lange nicht zu Ende! Aber sehen wir es doch positiv: So eine Hochzeit ist das Licht des Lebens – habe ick irgendwo jelesen!“

    „Ja, und anschließend kommt die Stromrechnung“, schmunzelte Kurt.

    „Bin mal gespannt, was als nächstes kommt, aber so schlau wie Du dich gemacht hast, kannst Du mir das sicher auch sagen!“

    „Hm, na, ja, jemäß meinen Informationen müsste jetzt so eine Art Umzug kommen zum Haus der Braut – aba da sind wa ja schon!“


    wird fortgesetzt...

Seite 9 von 10 ErsteErste ... 78910 LetzteLetzte

Ähnliche Themen

  1. 31.12 Party in BKK ???
    Von Tschaang-Frank im Forum Treffpunkt
    Antworten: 6
    Letzter Beitrag: 27.12.09, 05:55
  2. Tot nach Somtam-Essen
    Von resci im Forum Essen & Musik
    Antworten: 21
    Letzter Beitrag: 20.07.07, 10:08
  3. PARTY die 2te!!
    Von Tschaang-Frank im Forum Treffpunkt
    Antworten: 9
    Letzter Beitrag: 08.08.05, 22:34
  4. Party!!!!!!!!
    Von Tschaang-Frank im Forum Treffpunkt
    Antworten: 14
    Letzter Beitrag: 07.08.05, 18:44
  5. SomTam = Steckrüben Pok Pok
    Von heini im Forum Essen & Musik
    Antworten: 17
    Letzter Beitrag: 21.10.02, 09:40