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Somtam-Party

Erstellt von MadMovie, 05.08.2007, 01:00 Uhr · 98 Antworten · 8.782 Aufrufe

  1. #41
    Avatar von Yogi

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    Re: Somtam-Party

    Für Montag erwarte ich mindestens drei Fortsetzungen. ;-D
    Toll geschrieben.
    Gruss Jürgen

  2.  
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  3. #42
    Avatar von MadMovie

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    Re: Somtam-Party

    Zitat Zitat von Yogi",p="514926
    Für Montag erwarte ich mindestens drei Fortsetzungen. ;-D
    Aha, einer der auf Arbeit liest...

    Ich bin heute und morgen unterwegs - es wird nur eine geben.

  4. #43
    Avatar von MadMovie

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    Re: Somtam-Party

    „Sie sprechen auch Deutsch?“ sagte er stattdessen mit einem gewinnenden Lächeln in Richtung von Mam.

    „Nit noi – nur ein bisschen!“ lächelte Mam zurück.

    Muay hing indessen weiter ihren Träumen nach, warum es nicht einmal mit einem Jörahman probieren, obwohl sie bisher immer in Asien unterwegs gewesen war?

    Lek kam mit einem halbvollen Glas Whisky-Soda auf die Terrasse und checkte binnen Bruchteilen von Sekunden die Lage:

    Der erste Farang da vorne war erste Wahl für eine heiße Nacht und der zweite...

    Es gab mindestens drei Varianten, die sie jetzt durchziehen konnte und sie entschied sich während eines Wimpernschlages für die erste.

    Sie ließ ihr Glas auf den hellen Fliesen zerbersten, so dass sich Mam und Muay vor dem Splitterregen in Sicherheit bringen mussten, presste beide Hände vor den Mund, um die Lippen dann wieder frei zu geben und schrie:

    „Tilak! Why don´t you call me!?“

    Sandro spürte nur einen Windzug an sich vorbei huschen und Jürgen war völlig perplex, dass sich seine Traumfrau so schnell so fest an ihn klammerte, dass er kaum Luft bekam.

    „I want to surprise you“, gluckste er.

    So viel zum zurückhaltenden Wesen der Asiaten, dachte Kurt.
    Vielleicht war ja seine Jeab auch hier.

    Sandro schüttelte unmerklich den Kopf.
    Alles nur Show, dachte er.
    Es hätte ihn nicht überrascht, wenn sich heraus stellte, dass diese Dame mal in einem Touristenzentrum gearbeitet hatte.

    Während dessen wurde Sandro bereits von Muay umgarnt.

    Für einen Moment faszinierte ihn die Vorstellung, sich mal als Hetero auszugeben, wenn auch nur für eine Stunde, aber er widerstand dieser Versuchung und flüsterte ihr ins Ohr:

    „Kathoey!“

    Das stimmte zwar auch nicht ganz, denn er war ja kein Trans5exueller, sondern gay.

    Muay war Profi genug, um sich ihre Enttäuschung nicht anmerken zu lassen.

    Der Hund legte sich unter einer verwitterten hölzernen Sitzbank, die im Schatten eines Baumes stand, zum Schlafen nieder, um das ungewohnte Fressen zu verdauen.

    Inzwischen waren auch die leicht angeheiterten jungen Frauen im Wohnraum darauf aufmerksam geworden, dass sich draußen etwas tat.
    Neugierig drängten sie sich auf der schmalen Veranda.

    Jürgen bekam inzwischen wieder Luft, verschaffte sich ein paar Zentimeter Abstand, um die Frau genauer zu betrachten, die er nur von Fotos kannte.

    Die sah im wirklichen Leben genau so umwerfend aus, konstatierte er und er beglückwünschte sich zu seinem Entschluss, haste was kannste hierher geflogen zu sein.

    Kurt schlich an den beiden Turteltäubchen vorbei und aus der Traube der jungen Frauen an der Treppe schälte sich Jeab, die einen Meter vor Kurt stehen blieb, die Hände vor der Nase flach zusammenlegte und mit einem Augenaufschlag flüsterte:

    „Sawadii kaa!“

    Pluspunkt für dich, dachte Sandro schmunzelnd.

    Inzwischen hatte bei den heiratsbereiten Damen auf der Veranda binnen einer knappen Minute die Information die Runde gemacht, dass der bestaussehende Mann da unten nicht auf Frauen stand.

    Da flattert schon mal so ein toller Falang ins Haus und dann ist es auch noch ein Kathoey, dachte Nok enttäuscht.

    Sofort überdachte sie ihre Strategie: Zweieinhalb Männer da unten, die haben doch sicher Freunde, Arbeitskollegen und Brüder...


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  5. #44
    Avatar von MadMovie

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    Re: Somtam-Party

    Sandro zog sich in seine Rolle als stiller Beobachter zurück.

    Er hatte binnen zwei Jahren die von den Vokabeln her einfache, aber in der Aussprache, speziell der Tonhöhen, schwierige Thaisprache gelernt.

    Erschwerend kam hinzu, dass man hier einen Dialekt sprach, Thai-Isaan, eine dem Laotischen verwandte Mundart – aber auch davon verstand er inzwischen mindestens 80 Prozent.

    Er wusste nicht warum, und die beiden waren ihm eigentlich auch egal – aber nach der Enttäuschung mit Aad, dem Misthund, würde er versuchen, die beiden naiven Greenhorns vor größerem Schaden zu bewahren, falls sie überhaupt auf ihn hören wollten.

    Kurt versuchte währenddessen, linkisch den Wai zu erwidern, aber er wusste nicht, dass man sich als Farang damit meistens nur lächerlich macht.

    Die Thais haben dies von Kindesbeinen an geübt und wissen, welcher Wai an eine höher- oder niedriger gestellte Person zu richten ist.

    Sandro schmunzelte darüber. Er selbst begnügte sich meist mit einer Verbeugung, weil er wusste, dass ein Wai genaueste Kenntnisse in der Hierarchie der thailändischen Gesellschaft voraussetzte.

    Nach dem sich alle wieder im Wohnraum von Nok versammelt hatten, wo der Platz ein wenig eng wurde und man auf die überraschende Ankunft der drei Farang angestoßen hatte, wurde darüber diskutiert, dass unmöglich alle hier übernachten konnten.

    In Lek reifte ein Plan, und so etwas ging bei ihr eigentlich immer ziemlich schnell.

    Sie tuschelte mit Mam, die große Augen machte, aber ihre Ablehnung nicht so offen zeigen wollte.

    An Jürgen gewandt sagte sie schamhaft errötend:

    „Bei mir zu Hause ist niemand da, die sind alle unterwegs und es hat auch nicht den Standard, den Du vielleicht gewöhnt bist. Die erste Nacht sollte eine junge Frau nicht gemeinsam mit einem Mann, den sie gerade erst kennen gelernt hat, alleine verbringen. Verstehst Du?“

    Jürgen wusste natürlich nur andeutungsweise aus Internet-Foren, welche Sitten in Thailand herrschten, aber es leuchtete ihm ein.

    Jeab und Kurt hatten sich in eine Ecke zurück gezogen und hielten Händchen.

    Eine großartige Konversation kam mangels Sprachkenntnissen nicht zustande.

    Sandro nippte an dem ihm gereichten Glas Whisky-Soda – stark verdünnt, das konnte er akzeptieren, normalerweise trank er keinen oder nur sehr wenig Alkohol.

    Er nahm sich vor, Jürgen zu gegebener Zeit vor dessen Freundin zu warnen – aber zunächst sollte der Berliner seinen Spaß haben.

    Dann fragte er Kurt, ob er helfen könne, die Konversation in Gang zu bringen.

    „Wenn Du etwas in ihre Sprache übersetzen könntest, das wäre nicht schlecht“, freute sich Kurt zu früh.

    „Ich meinte eher Englisch“, flüsterte Sandro.

    „Ach so“, sagte Kurt enttäuscht, „Und warum nicht die Landessprache?“

    „Es muss nicht jeder wissen, dass ich praktisch alle Gespräche hier im Raum verfolgen kann.
    Dies kann dir und Jürgen womöglich noch von Nutzen sein!“

    Bei Kurt fiel der Groschen langsam, aber er fiel.

    „Verstanden“, grinste er mit Verschwörermiene.

    „Und noch eins, Kurt: Zeige deine Gefühle nicht immer so offen wie jetzt gerade – man kann daraus Rückschlüsse ziehen“, warnte Sandro.

    „Du bist mir schon ein Neunmalkluger“, knurrte Kurt.

    Jeab wurde langsam ungeduldig ob des für sie unverständlichen Geplappers und zupfte ihren Verehrer vorsichtig am Ärmel.

    Sandro erzählte ihr eine erfundene Geschichte, worüber man sich gerade auf Deutsch unterhalten hatte.


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  6. #45
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    Re: Somtam-Party

    Mam wiederum fühlte sich von Lek überrumpelt, dass sie ihre schicke Villa als Liebesnest zur Verfügung stellen sollte – denn darauf lief es ja hinaus.

    „Okay, wenn Du mit den anderen beiden Schluss machst und den Jörahman heiraten möchtest, dürft ihr sogar im Whirlpool plantschen“, schlug sie einen Handel vor.
    „Aber überprüfen kann ich es wohl schlecht“, seufzte sie.

    Sandro spitzte die Ohren, bekam aber, weil er sich auf mehrere Gespräche konzentrieren musste und auf Grund des Stimmesgewirrs nicht alles mit.

    „Wir können heute in einer schicken Villa übernachten“, strahlte Lek ihren Jürgen an und zwinkerte ihm zu.

    „Aber Schatz, meine Kleider und die Waschutensilien sind doch im Hotel!“

    Jetzt bloß nichts falsch machen! dachte Jürgen, sonst springt mir die Süße noch ab!

    „Wozu brauchst Du in der Nacht Kleider?“ kicherte sie und hielt sich die Hand vor den Mund.

    Das ist mir schon eine lustige Zuckerschnute, dachte Jürgen.

    Lek wertete das Zögern falsch.

    Vielleicht hält er mich für ein Barmädchen, weil ich das gesagt habe? fragte sie sich.

    „Vorsicht mit der Süßen“, raunte Sandro dem Jürgen zu, der aber gerade taub für gute Ratschläge war, zumal wenn sie auch noch so vage formuliert waren.

    Sandro hatte auf der anderen Baustelle einen Kompromiss ausgehandelt, dass Jeab – selbstverständlich in Begleitung von so vielen Freundinnen, wie in den Mietwagen passten - das Zimmer ihres Verehrers Kurt im Hotel besichtigen, man aber die Nacht getrennt verbringen würde, um am nächsten Tag dann neue Pläne zu schmieden.

    „Die Villa von Mam ist näher dran, als dein Hotel“, sagte Lek, was zwar so nicht ganz stimmte.

    Aber Jürgen musste nicht mehr agitiert werden, der war bereits rollig wie ein Kater nach einem langen Winter.

    Der Hund von Nok registrierte mit einem Knurren die mit viel Lärm verbundene Abreise der Partygäste.

    Morgen würde es wieder so ein ruhiger Tag werden, wie es im Isaan fast immer war – hoffte er und legte den Kopf zwischen die Pfoten.

    7

    Mam brauste auf der dunklen Landstrasse nach Norden und Jürgen hatte auf der Rücksitzbank jegliches Zeitgefühl verloren, weil Lek neckische Spielchen mit ihm trieb.
    Sie versuchte, die blonden Härchen aus der Haut des Unterarmes zu reißen.

    „Haare wie ein Affe“, lachte sie und kuschelte sich an ihn.

    „Power like King Kong“, feixte Jürgen und drückte Lek fester an sich.

    „Du tust mir weh“, schmollte Lek.

    „Deine Experimente waren auch nicht gerade schmerzfrei!“

    Mam vorn am Steuer zwang sich, nicht in den Rückspiegel zu schauen und das Geschäker zu kommentieren.

    Sie konzentrierte sich lieber auf die Landstrasse vor ihr, immerhin hatte sie vier Whisky-Soda getrunken.

    Lek hatte aus den Emails und Telefonaten nur eine vage Vorstellung von dem, was Jürgen in Deutschland eigentlich machte und so hakte sie lieber noch einmal nach, bevor sie sich hingab.

    „Ick bin Flughafendirektor!“ krächzte Jürgen und wünschte sich jetzt ein Bier um den Frosch im Hals runter zu spülen.

    „Oh, in Frankfurt? Du wohnst doch in Berlin!“ wunderte sich Lek.

    „Nein, in Berlin – wie kommst Du denn auf Frankfurt?“

    „Ich dachte, Deutschland ist so klein, das hat nur einen Flughafen!“

    „Berlin hat allein drei“, dozierte Jürgen, “Schönefeld, Tegel und Tempelhof.“

    Lek überlegte, was das für eine riesige Stadt sein musste, die drei Flughäfen benötigte.

    „Und Du bist da der Chef?“ hakte sie nach.

    Jürgen räusperte sich und blickte verlegen zur Seite.

    „Na, ja, ich bin im Management von Tempelhof.“

    Auch dies war stark übertrieben und er verschwieg auch, dass sein Job bald wegrationalisiert würde.

    Okay, dachte Lek, warum nicht über den eigenen Schatten springen, mal das Land verlassen und den Horizont erweitern?
    Mam und Muay hatten es vorgemacht – die eine mit mehr, die andere mit weniger Erfolg.

    So ein Flughafenmanager hatte bestimmt Kohle ohne Ende, auch wenn er billige Jeans und keinen Schmuck trug – das war bestimmt nur Understatement.

    Jetzt lag es an ihr, Nägel mit Köpfen zu machen!

    Und sie würde ihm eine Performance bieten, die der Jörahman nie vergessen würde...


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  7. #46
    Avatar von ChangLek

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    Re: Somtam-Party

    .....ja, ja, für die richtige Performance ist wohl jeder mal Flughafendirektor . Wünsche fröhliche Notlandung.....

  8. #47
    Avatar von MadMovie

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    Re: Somtam-Party

    Kurt hatte sich das alles ein wenig anders vorgestellt, er war eher der romantische Typ.

    Der Lärm um ihn herum irritierte ihn, den die von Whisky-Soda beschwingten Thaimädels veranstalteten.
    Der Gesang war so schrill, dass man Ohrenstöpsel gebraucht hätte.

    Aber er hatte ja seine Jeab, den Fels in der Brandung, die ihn unentwegt anlächelte, und für die es sich gelohnt hatte, die weite Reise anzutreten.

    Sandro hatte ihm ein ums andere Mal zugeflüstert, die wäre absolut okay – im Gegensatz zu dem Früchtchen, das sich der Berliner geangelt hatte. Aber das war ihm in diesem Moment egal.

    Jeder muss eben nach seiner Fasson glücklich werden...

    Er war auch zufrieden, dass er Sandro dabei hatte, der in Thenglisch, der sehr vereinfachten Form der englischen Sprache, die hier gesprochen wurde, die Damen immer wieder zu Lachstürmen hinriss.

    Ja, er musste wirklich Sandro dankbar sein, dass der ihnen half, denn alles beruhte nur auf dem Missverständnis, dass dieser eigentlich von seinem Freund nach Arbeitsschluss an einer Bushaltestelle abgeholt werden sollte, der stattdessen aber die Gesellschaft eines reichen Kanadiers bevorzugte.

    In Kurt keimte immer mehr der Verdacht, dass er von diesem Land noch nicht all zuviel verstand und der Rat eines Mannes, der zwar homo5exuell war, aber von Thailand viel mehr verstand, als er selbst, unablässig war.



    Mam bremste den hochbeinigen Geländewagen abrupt ab, sprang im selben Augenblick aus der Tür, um in einen Tante-Emma-Laden am Wegesrand zu huschen.

    In Deutschland um diese Zeit völlig undenkbar, dachte Jürgen, zumindest in der Provinz.

    Nach zwei Minuten war Mam zurück, riss eine Tüte Chips auf und warf Jürgen eine Pulle Bier zu, nach der er sich gesehnt hatte.

    Konnten die Thailänderinnen Gedanken lesen? Der Service war hier wirklich unglaublich!

    Seine Augen wurden noch größer, als er sah, wie die Dame am Steuer einen tiefen Schluck Bacardi Breezer nahm und die Flasche dann nach hinten zu Lek reichte.

    Seine Angebetete tätschelte den rechten Oberschenkel und telefonierte dabei unentwegt, so dass Jürgen zunächst zwei Flaschen halten musste.

    Als Mam gerade anfahren wollte, stoppte ein Polizeifahrzeug und ein Mann in einer braunen Uniform stieg aus.

    Au Backe! dachte Jürgen, das hat uns gerade noch gefehlt!

    Gleich holt der ein Röhrchen zum Pusten heraus und wir dürfen weiter laufen!

    Der Polizist warf nur einen kurzen Blick ins Wageninnere, legte die Hände flach zu einem Wai zusammen und grinste wie ein Honigkuchenpferd.

    Dann trabte er in den Laden, um noch ein wenig Bier, Mekhong und Eiswürfel zu besorgen – so eine Nachtschicht auf der Polizeiwache ist ja lang!

    Nach den eingekauften Vorräten zu urteilen, musste Mam an der Grenze zu Laos wohnen, aber nach einem Kilometer bog sie rechts ab und die Autoscheinwerfer erfassten ein kunstvoll gefertigtes schmiedeeisernes Tor.

    Die imposante Villa mit Veranda, Blaudach und Park konnte Jürgen in der Dunkelheit nicht sehen, sondern nur erahnen.

    Mam öffnete mittels Fernbedienung das Tor, dessen Flügel geräuschlos zur Seite glitten und Jürgen fand sich bald in in einem Empfangsraum wieder, wie er ihn bisher nur in 5-Sterne-Hotels gesehen hatte.

    Mam tuschelte mit Lek: Die offizielle Version war, dass kein Platz mehr im Mietwagen der Farang gewesen war, sie angeboten hatte, dass die beiden in getrennten Gästezimmern bei ihr übernachten konnten und man den Farang dann morgen ins Hotel zurück bringen würde.

    Auf diese Weise konnte jeder sein Gesicht waren, und da Mam eine angesehene Persönlichkeit war, würde niemand an ihren Worten zweifeln.

    Jürgen hatte Ober- und Unterkiefer wieder zusammengeklappt und nahm sich vor, cool zu bleiben, was leichter gedacht als getan war.

    Das Gästebadezimmer im oberen Geschoss der Villa war ein Traum aus Marmor – okay, die Armaturen waren nicht vergoldet, aber das wäre des Guten zuviel gewesen.

    So viel Prunk im armen Nordosten von Thailand hätte er wirklich nicht erwartet.

    Jürgen zog sich aus und beäugte die halbrunde Duschkabine. Nee, sagte er sich, geduscht habe ich gerade erst vor zwei Stunden – da fiel sein Blick auf den Whirlpool.

    Das musste er unbedingt ausprobieren!

    Nach dem er es sich gemütlich gemacht und auch die Schalter für die Düsen und das Unterwasserlicht gefunden hatte, dachte er, jetzt könnte eigentlich die Prinzessin erscheinen.

    In Thailand werden Wünsche sofort erfüllt – nur Wunder dauern etwas länger.

    Lek kam eingehüllt in ein cremefarbenes Badetuch, löschte das Licht der Deckenbeleuchtung und ließ dann das Handtuch vom makellosen Körper rutschen.

    Jürgen war ein wenig enttäuscht, denn darunter trug sie – einen Bikini!

    Okay, dachte er, die Mädels sind hier eben so, erst fragen, wozu man nachts Klamotten braucht, um dann züchtig bekleidet zu erscheinen.

    Aber dies konnte man ja ändern!


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  9. #48
    Avatar von MadMovie

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    Re: Somtam-Party

    Nok umarmte Jeab und flüsterte ihr ins Ohr:

    „Chok dii, tilak!“

    Dann folgte sie der schnatternden Schar nach draußen auf den breiten, teppichbelegten Gang, um die Freundin mit dem Farang noch zwei Minuten alleine zu lassen.

    Jeab hatte sich aufs Bett geworfen und in Kurt für ein paar Sekunden die Hoffnung aufkeimen lassen, sie würde vielleicht doch bleiben.

    Aber sie testete nur die Qualität der Matratze ohne jeden Hintergedanken – sie wollte einfach, dass es ihrem Verehrer in Thailand gefiel und dazu gehörte auch ein bequemes Bett, damit der Farang ausgeruht auf Verwandtschafts-Vorzeige-Tournee gehen konnte.

    Kurt ahnte noch nicht, wie viele Anverwandte von Jeab im Dunstkreis dieser Stadt im Isaan lebten.

    Sie alle sollten einen positiven Eindruck gewinnen von dem Farang, der zwar mit den Sitten hier noch nicht so vertraut schien, schon ein wenig älter und korpulent war, aber einen manierlichen Eindruck machte.

    Jeab zupfte schamhaft ihr nach oben verrutschtes Top zurecht, huschte zum unschlüssig herum stehenden Kurt, stellte sich auf die Zehenspitzen und rieb mit ihrer Stupsnase über die rechte Wange ihres Verehrers.

    Kurt war froh, sich am frühen Abend nach dem Einchecken im Hotel die grauen Stacheldrahtstoppeln vom runden Kinn gekratzt zu haben.

    So konnten beide Seiten den Thaikuss ungefährdet genießen.

    „See you tomollow, tilak!“ hauchte sie und huschte leichtfüßig durch die nur angelehnte Tür nach draußen, wo heftig über die überraschende Ankunft der Farang getuschelt wurde und ob nicht vielleicht doch Lek vorab eine Information gehabt hatte, woher auch immer...



    Lek musste in einigen ihrer früheren Leben – falls sie mal nicht die kurze Gnade einer Wiedergeburt als Mensch erleben durfte – als Piranha, Krokodil oder Tigerin unterwegs gewesen sein.

    So kam es Jürgen zumindest vor.

    Er schob es auf seine männlichen Verführungskünste, dass das Bikinioberteil nach einigen Minuten fiel, denn er gehörte zu den Zeitgenossen, die noch nicht begriffen hatten, dass die Frauen in nahezu jeder Situation bestimmten, wo der Hase entlang lief.

    Dabei war es unerheblich, ob man sich gerade in Grönland, Thailand oder Berlin aufhielt.

    Das Bikinihöschen fiel erst, als man sich gegenseitig abgerubbelt, die Badetücher achtlos neben das Bett geworfen hatte und Jürgen eine Massage bekam, wie er sie noch nie erlebt hatte.

    Det darf ick meinen Kumpels nich´ erzählen, die glooben det nich´! dachte Jürgen.

    „You like Thai-Massage?“ gluckste Lek.

    „I hope, it never ends!“ stöhnte er.

    Als sie sich behutsam dem empfindlichsten Körperteil näherte, lief Jürgen ein Schauer über den Rücken und er schloss die Augen.

    „Ick Trottel! Warum bin ick nich´ früher nach Thailand gefahren!“ war sein letzter Gedanke – dann schaltete er das Gehirn aus.



    Sandro lag auf seinem Bett und ließ die Geschehnisse der letzten Wochen Revue passieren – an Schlaf war überhaupt nicht zu denken.

    Die Klimaanlage verrichtete leise surrend ihren Dienst und Sandro starrte in den Lichtkegel, den die Nachtti........ an die Decke warf.

    Was war da schief gelaufen?

    Hatte er irgend ein Warnsignal übersehen in den Emails und Telefonaten?

    Die genaue Stunde seiner Ankunft in Chaiyaphum hatte nicht festgestanden, es war abgemacht, dass er sich noch einmal von der Bushaltestelle her per Handy melden sollte.

    Offensichtlich hatte Aad ihn später erwartet und die Gunst der Stunde genutzt, um mit dem Kanadier, der vielleicht kurz vor der Abreise stand...

    So kam er nicht weiter.
    Es brachte nichts, sich selbst zu quälen.

    Er würde wieder eine Chance bekommen in Thailand und einen jungen Mann finden, der ihn liebte – die Hoffnung stirbt zuletzt!

    Es gab hier nicht nur einen Überschuss an jungen Frauen, sondern auch an jungen Männern, die sich dem gleichen Geschlecht zugeneigt fühlten.

    Vielleicht sollte er sich zunächst mal um das Seelenheil seiner Reisegefährten bemühen, denn als Mann, der sich nicht für die Thaifrauen interessierte, konnte er ohne eigene Hormonwallungen die hiesige Damenwelt womöglich besser durchschauen, als die zwei Newbies, die sich leicht blenden ließen...


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  10. #49
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    Re: Somtam-Party

    Mam hatte eine Zugehfrau aus der Nachbarschaft, die aber nur aktiviert wurde, wenn der seltene Fall eintrat, dass Gäste in der Villa weilten.

    Diese wusste inzwischen, dass die Farang morgens gern frisch gebrühten Gafé tranken und dazu häufig pappiges weißes Gebäck, was bei ihr unter die Kategorie khanom fiel, und gekochte Eier aßen.

    Nun, dies war nicht allzu schwierig zu besorgen, zumal die Chefin sie telefonisch vorgewarnt hatte.

    Mam verfolgte keine eigenen Interessen, der Jörahman war einfach nicht ihr Typ.

    Sie rührte in ihrem fettarmen Joghurt – eine Angewohnheit, die sie aus der Schweiz mitgebracht hatte, und dachte darüber nach, wie sie Lek auf den tugendhaften Weg zurück führen könnte.

    Die Chancen standen nicht besonders gut, musste sich Mam eingestehen, denn Lek hatte einmal erkannt, dass man mehrere Farang bei der Stange halten konnte.

    Nach einer Weile tauchten auch die beiden Turteltäubchen aus dem Obergeschoss auf und stürzten sich auf das leckere Frühstück.

    „Man hab´ ick einen Hunger nach den sportlichen Aktivitäten!“ murmelte Jürgen in seiner Sprache.

    „Lange nur zu, kann ich verstehen!“ lachte Mam.

    Jürgen hatte ganz vergessen, dass die Gastgeberin Deutsch verstand.

    Er erinnerte sich daran, dass diese abends auf der Terrasse ein paar Worte Deutsch gesprochen hatte.

    „Phuut Thai or speak English, Mam and Julgen!“ schmollte Lek.

    Mam überlegte gerade, ob sie den beiden nicht anbieten solle, sie bei Ausflügen zu begleiten.

    Dabei konnte sie vielleicht doch noch ein wenig Lek ins Gewissen reden.

    Die Wasserfälle Saithong und vor allem Tad Ton waren sehenswert, zumal wenn jemand erstmals in dieser Gegend von Thailand weilte.

    Die Gegend rund um Chaiyaphum hatte durchaus ihre Reize und war viel abwechslungsreicher, als man sich den Isaan gemeinhin vorstellte.

    Da klingelte wieder einmal Lek´s Handy und der Angerufenen gelang es gerade noch mit einer schauspielerischen Glanzleistung die Contenance zu bewahren.

    Mam war aber nicht entgangen, dass Lek unter der braunen Haut eine Nuance blasser geworden war.

    Jürgen balanzierte ein Stück Thai-Omelette, das mit Chili gut gewürzt war, auf der Gabel und dachte gerade darüber nach, welches der drei Hobbies von Thai-Ladies an erster Stelle stand:

    Essen, Schlafen oder Telefonieren? Wahrscheinlich letzteres...



    Pünktlich zum Frühstück stand auch Kurt´s Braut auf der Matte, um ihn abzuholen.

    Er hatte gerade noch Zeit, um sich das geschabte Kinn mit Rasierwasser der Marke Axe abzutupfen, was ja gemäß der Werbung die Frauen unwiderstehlich anziehen sollte.

    Jeab fuhr wie beim Abschied mit dem Näschen über die gerötete Wange, rollte die dunklen Mandelaugen und wisperte:

    „I buy you today other after shave!“

    Kurt war seinerseits verblüfft, denn gestern hatte die Süße kaum ein Wort Englisch gesprochen, schien sich aber doch in dieser Sprache ausdrücken zu können, wenn es darauf ankam.

    Kurt wurde untergehakt und aus seinem Hotelzimmer geleitet, ehe er darüber nachdenken konnte, wohin ihn die Kleine denn entführen würde.

    Auf dem Parkplatz neben der Statue mit dem schwarzen springenden Pferd stand ein blitzblank gewienerter Toyota Pick-Up und Kurt wunderte sich, dass zum Frühstücks-Begrüßungskomitee nur zwei Damen gehörten – Nok und Nu, glaubte er sich zu erinnern.

    Das Frühstücksbuffet war nur etwa 200 Meter vom Hotel entfernt, aber Jeab chauffierte alle im geliehenen Pick-Up dahin.

    Während des Frühstücks in dem des Siam River Resorts angeschlossenen Restaurants wagte Kurt zu fragen, wohin es denn heute gehen sollte.

    Aus dem Wortschwall, der sich über ihn ergoss, verstand er nur „brother, sister...“ - nicht ahnend, dass es in der thailändischen Sprache für jede uns geläufige Verwandtschaftsbezeichnung mindestens zwei Entsprechungen gibt, je nachdem, ob die Anverwandte mit dem Vater oder der Mutter der verwandt ist.

    Und so machte man sich auf den Weg nach Westen, zu den Dörfern entlang der Fernverkehrsstrasse nach Nakhon Sawan...


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  11. #50
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    Re: Somtam-Party

    Sandro hatte verpennt und sah gerade noch, wie ein Pick-Up in einer Staubwolke vom Restaurant davon brauste.

    Der Kurt hätte wenigstens an die Tür klopfen können! fluchte er, aber das brachte nun auch nichts mehr.

    Sandro hatte natürlich Freunde und Bekannte in Chaiyaphum, an die er sich wenden konnte und so klingelte er sofort Phichai an, bevor dieser zur Arbeit fuhr und keine Zeit mehr hatte.

    Es dauerte auch nicht lange, und Phichai kam mit seinem Motorrad angebrettert.

    „Wohin so eilig, mein Freund Sandro? Habe munkeln gehört, mit Aad ist es aus?“ grinste er und zupfte am Kinnriemen seines altmodischen Motorradhelmes.

    Es war hier nicht anders wie in jeder anderen kleinen oder mittleren Stadt der Welt.

    So eine Nachricht verbreitete sich schneller als ein Buschbrand in Australien oder Griechenland.

    „Du weißt ja schon alles, Phichai!“ seufzte Sandro, stülpte den Integralhelm über, der ihm gereicht wurde und rief:

    „Etwa zehn Kilometer von hier an der Strasse nach Nakhon Sawan steht eine Farang-Villa, wenn ich mich nicht irre, da will ich hin!“

    „Gehört Mam, Geld aus Sawitzerland“, murmelte Phichai und gab dem buntlackierten metallenen Rennpferd die Sporen, so dass der Kies unter dem Hinterrad davon spritzte.

    Phichai donnerte über den Kreisverkehr, über den der Nationalheld von Chaiyaphum wachte, aber im Gegensatz zu den Autofahrern konnte er es sich nicht leisten, einen Wai zu entbieten.



    Nach einigen Diskussionen hatte man sich dazu durchgerungen, dass Mam sie zum Tad Ton Wasserfall bringen würde.

    Wasserfall? dachte Jürgen.

    Das klingt nach so einer heißen Nacht nach Abkühlung – also gut!

    Seine Lek verhielt sich seit ein paar Minuten anders, er konnte sich aber nicht erklären, woran das lag.

    Lek wirkte ein wenig geistesabwesend und unkonzentriert.

    Bei allem schauspielerischen Talent gelang es ihr nicht ganz, die Wirkung des Telefonanrufs von vor ein paar Minuten zu überspielen.

    Mam fragte ganz ungeniert:

    „Keine guten Nachrichten, hm? Lass mich raten: Ein anderer Verehrer kreuzt hier bald auf, will nicht länger in seiner kalten Heimat warten, stimmt´s?“

    „Woher weißt Du das?“ fauchte Lek.

    Jürgen bekam davon nichts mit, weil er vorn an der Strasse stand und gemütlich eine Zigarette nach dem opulenten Frühstück schmauchte.

    An ihm vorbei donnerte ein Toyota Pick-Up und Jürgen warf die Kippe in den Rinnstein.

    He, das war doch Kurt mit einer Horde Weiber, wenn mich meine von der letzten Nacht getrübten Augen nicht täuschen! dachte Jürgen und hüpfte sofort zu Mam.

    „Das Bad am Wasserfall verschieben wir auf Nachmittag, mein Kumpel düst gerade in eines der Nachbardörfer, können wir da nicht auch hinfahren?"

    Mam musste nicht lange nachdenken.

    Natürlich wusste sie, dass in Ban Nan Pluai am heutigen Tage eine Mönchsweihe stattfand – aber dass sich dafür zwei Farang, die noch nie in Thailand waren, interessierten, überraschte sie schon ein wenig.

    Lek war ohnehin ein wenig von Rolle, dachte nur darüber nach, wie sie den Anrufer vielleicht doch noch abwimmeln konnte, obwohl der so seine Qualitäten hatte, durchaus charmant war und ganz gewiss auch nicht arm.

    Es fiel ihr nicht leicht, Prioritäten zu setzen, zumal sie gerade den Manager der Berliner Flughäfen an der Angel hatte.

    Mam deutete das Zögern anders und entschied:

    „Okay, zuerst zur Mönchsweihe und dann zum Wasserfall!“

    In Ban Nan Pluai waren unzählige Tische und Bänke aufgebaut worden und überall duftete es verführerisch nach gegrilltem Fleisch.

    Mam fand einen Parkplatz in einer der staubigen Nebengassen und Jürgen eilte sofort, ohne auf Lek zu achten, dem Lärm entgegen.

    „Das ist das wirkliche Thailand, so wie es viele Pauschaltouristen niemals erleben!“ begrüßte ihn Kurt launig und schwenkte ein Glas Whisky-Soda in der Hand.

    „Ich hab´ schon ein Foto gemacht vom künftigen Mönch. Noch trägt er weiße Kleidung, aber Morgen bekommt er die gelbe Robe“, erklärte Kurt so, als wäre er ein Experte für buddhistische Mönchsweihen.


    wird fortgesetzt...

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