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Somtam-Party

Erstellt von MadMovie, 05.08.2007, 01:00 Uhr · 98 Antworten · 8.775 Aufrufe

  1. #31
    Avatar von MadMovie

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    Re: Somtam-Party

    4

    „Wenn mich nicht alles täuscht, hast Du dich verfahren, Jürgen!“ sagte der sonst so ruhig wirkende Kurt zu seinem Chauffeur ein wenig aufgebracht.

    „Ick weeß ooch, dat ick mir verfranzt habe, danke für den Hinweis!“ giftete Jürgen zurück.

    Er war irgendwo weit nördlich von Saraburi links abgebogen, weil er der irrigen Annahme war, so schneller zum Ziel zu kommen.

    „Am besten, wir stoppen, roochen eene und vertreten uns die Beene!“ knurrte Jürgen.

    „Wie Du weißt, inhaliere ich nicht diesen schädlichen Qualm, aber wir schaffen das schon, Jürgen! Heute Abend überraschen wir unsere süßen Bräute!“ sagte Kurt ein wenig versöhnlicher gestimmt.
    „Laß uns erstmal was essen, dann sehen wir weiter!“

    „Siehste hier irgendwo ´ne offene Kneipe?“ maulte Jürgen.

    „Ne, das nicht, aber ich habe ein paar Kleinigkeiten ins Land geschmuggelt“, grinste Kurt.
    „Man weiß ja nie wo man landet...“

    Die „paar Kleinigkeiten“ waren ein ganzer Plastiksack vollgepackt mit Brot, Butter, Leberwurst, diversen anderen Konserven und zwei Flaschen Mineralwasser.

    „Wie gern würde ich jetzt ´ne Molle dazu zischen“, seufzte Jürgen.

    „Du bist auch mit nichts zufrieden, was? Hau rein, Du Berliner G...“

    Das Wort „Großschnauze“ verschluckte Kurt gerade noch im letzten Moment.

    Nur zwanzig Meter entfernt kam ein Bus in einer Staubwolke zum Stehen.

    „Mann, die können wir doch fragen!“ rief Kurt und verschluckte sich beim Aufspringen fast an seinem Leberwurstbrot.

    Da war der Bus längst wieder angefahren und aus der gelben Staubwolke tauchte ein blondgelockter Jüngling auf.

    „Hi, my name is Sandro! How do you do?“ rief er fröhlich in Richtung der beiden, die im Schatten ihres Autos an Wurstbroten knabberten.

    „Hello, where do you come from?“ grummelte Jürgen dank der vollen Backen kaum verständlich zurück.

    „Munich! I´m waiting for my friend, can´t see his car!“

    „Dann sind wir in dieser Ecke von Thailand schon drei“, kicherte Kurt.

    Der junge, schlanke Mann warf den Rucksack neben das linke Hinterrad des Mietwagens und hockte sich in den Schatten.

    „Ich möchte eigentlich nach Chaiyaphum, aber mein Freund wollte mich hier irgendwo aufsammeln, weil er in der Ecke arbeitet“, sagte Sandro auf Deutsch, der offensichtlich den letzten Satz in der Heimatsprache gehört hatte.

    „Willkommen im Club, junger Freund“, griente Jürgen.
    „Aber irgendwie werde ich den Eindruck nicht los, Du bist zu zeitig aus dem Bus gestiegen!“

    Kurt blätterte in seinem Kartenwerk.

    „Die Strasse 21 ist schon mal richtig und die Richtung stimmt auch. Möchtest Du ein Leberwurstbrot?“

    „Nein, danke, Vegetarier!“ Sandro setzte sich auf den trockenen, staubigen Boden, lehnte sich an die heiße Karosserie des Mietwagens und nippte an einer Plastikflasche mit stillem Mineralwasser.

    „Irjendetwas stimmt da nicht, meinste nicht auch, Kurt?“ flüsterte Jürgen seinem Reisegefährten zu.

    „Ich kann dir nicht ganz folgen“, brummte Kurt.

    „Na, ja, er sagt etwas von einem thailändischen Freund und nüscht von ´ner Freundin – und dann dieser merkwürdige Treffpunkt mitten in der Pampa, wo der Freund aber nicht auftaucht – zumindest bis jetzt nicht!“


    wird fortgesetzt...

  2.  
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  3. #32
    Avatar von ChangLek

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    Re: Somtam-Party

    .....das wird bestimmt ein lustiges Verwirrspiel - seitens der Damen und vielleicht auch der Herrren..... :-) :-)

    .....vielen Dank für die schöne Story, bravo.....

    .....sie ist einfach super..... :-)


    [scroll=left:462b471a8b]:bravo: :bravo: [/scroll:462b471a8b]

  4. #33
    Avatar von MadMovie

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    Re: Somtam-Party

    Danke, ChangLek! Geht morgen mit zwei Fortsetzungen weiter!

  5. #34
    Avatar von MadMovie

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    Re: Somtam-Party

    Sandro war unbemerkt von den beiden Reisegefährten hinter sie getreten.

    „Okay, ihr beiden Muschelsucher, ich bin schwul, habt ihr ein Problem damit?“

    „Nein, das nicht, aber ich wüsste gern beim Duschen, was in meinem Rücken vorgeht!“ lachte Jürgen.

    Kurt und Sandro stimmten in das Gelächter mit ein und der junge Mann hockte sich zu den beiden Älteren.

    „Mein Freund Arthit, Aad genannt, und ich, wir kennen uns seit gut einem Jahr. Wie in jeder Beziehung – egal, ob hetero oder nicht, gibt es hin und wieder mal Meinungsverschiedenheiten.
    Wir haben uns wegen einer Kleinigkeit gezofft und ich habe Urlaub genommen und wollte dies an Ort und Stelle klären. Reicht euch das vorerst?“

    „Auch auf die Gefahr hin, dass ick mir wiederhole. Ick sagte ja schon – Willkommen im Club, junger Freund!“

    „Wo soll´s denn hin gehen, Landsmann?“ fragte Kurt mit vollen Backen, obwohl diese Frage schon einmal gestellt worden war.

    „Chaiyaphum, nicht weit weg von hier,“ sagte Sandro und strich sich eine blonde Locke aus der schweißnassen Stirn.

    „Okay, da wollen wir auch hin, steig auf, Süßer!“ lachte Jürgen.

    Kurt beeilte sich, seine Futterreserve in einem Beutel zu verstauen und sprang ins Auto.

    Drinnen umfing sie dank der Klimaanlage eine wohltuende Atmosphäre von kühlen 22 Grad.

    Sandro rief per Handy einen anderen Freund an und lotste Jürgen unter der glutroten Sonne der Abenddämmerung an Reisfeldern, Wasserbüffeln und in der Ferne goldglitzernden Wats auf den richtigen Weg zurück.

    Irgendwann – die Sonne war längst untergegangen – erreichten sie den Kreisverkehr mit der Statue des ehemaligen Gouverneurs Phraya Phakdi Chumpon in der Mitte – der an dieser Stelle laotischen Invasoren getrotzt und dabei ums Leben gekommen war.

    „Wie nun weiter?“ grunzte Jürgen.

    „Geradeaus und nach dem Krankenhaus rechts abbiegen“, sagte Sandro selbstbewusst.

    „Wie oft wart ihr schon in Thailand?“

    Kurt und Jürgen wechselten einen Blick.

    „Det erste Mal“, knurrte Jürgen.

    „He, ich hätte euch glatt für alte Hasen gehalten“, lachte Sandro.

    „Pass auf, hier diese Zufahrt ist es!“ rief er.

    Sie gelangten über eine verschlungene, dunkle Zufahrt zu einer Statue mit einem springenden Pferd.

    „Siam River Resort, das beste Haus am Platze“, grinste Sandro.

    „Momentchen, junger Freund“, ereiferte sich Jürgen.
    „Wir wollten eigentlich bei unseren Bräuten heute noch überraschenderweise herein platzen!“

    „Das könnt ihr auch. Schaut euch doch mal an- zerknittert, verschwitzt und nicht gerade gut riechend. Wollt ihr wirklich so dort aufkreuzen?“

    Sandro hatte natürlich Recht und so buchten sie zwei Zimmer an der Rezeption des Siam River Resorts und die Empfangsdame lächelte Jürgen so charmant an, dass er zum wiederholten Male verfluchte, sich schon zu Hause auf eine Thailänderin festgelegt zu haben.


    wird fortgesetzt...

  6. #35
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    Re: Somtam-Party

    Nach dem sich alle landfein gemacht und den Isaan-Staub von den pumpuis oder im Falle von Sandro wohlgeformten Körpern gewaschen hatten, trafen sie sich wieder unten an der Rezeption.

    Sandro war als erster unten, klappte das Handy zusammen und knurrte den anderen beiden Mitreisenden entgegen:

    „Schei... Wieder nur die Mailbox!“

    „Vielleicht sollten wir diesem Aad, oder wie der heißt, mal auf die Bude rücken, bevor wir unsere Mitbringsel an die holde Damenwelt verteilen? Was meinst Du, Jürgen?“

    „Okay, soll mir Recht sein, Hauptsache ick sehe heute noch meine Lek!“ murmelte der Angesprochene.
    „Du fährst, Sandro, wir kennen uns hier nicht aus.“

    Geschickt fing der junge Mann den in seine Richtung geworfenen Autoschlüssel auf.

    Es war selbst für Sandro nicht leicht, der im Gegensatz zu seinen Gefährten schon viele Male in Thailand gewesen war und drei Mal in Chaiyaphum, sich in der Dämmerung zu orientieren.

    Auf dem Grünstreifen, der beide Fahrbahnen trennte, waren in regelmäßigen Abständen Lichterketten angebracht, welche Boote darstellten.

    Das Denkmal des Volkshelden in der Mitte des zentralen Kreisverkehrs wurde von mehreren Scheinwerfern hell angestrahlt.

    Es ging durch ein paar dunkle Seitengassen und Sandro kniff die Augen zusammen wie ein Cowboy, der sich in der Prärie orientieren muss und Angst hat, ein Staubkorn in die Augen zu bekommen.

    Er stoppte an einer Weggabelung und studierte die aus der Sicht der beiden anderen unleserlichen Schriftzeichen.

    „Des Verschnörkelte kannste etwa lesen?“ wunderte sich Jürgen.

    „Nit noi – entschuldigt – soll heißen, ein wenig“, flüsterte Sandro.

    „Wir sind gleich da“, fügte er mit gedämpfter Stimme hinzu.

    Das schmiedeeiserne Tor war wider Erwarten nicht abgeschlossen und ließ sich nahezu geräuschlos nach links schieben.

    Kein Hund bellte, kein Nachbar glotzte neugierig.

    Die Drei schlichen wie Einbrecher einen Betonweg entlang, der zum Hintereingang führte.

    Ein ums andere Mal legte Sandro seinen rechten Zeigefinger über die Lippen.

    Er wollte seinen Schatz doch überraschen!

    Sie gelangten wirklich unbemerkt durch die Hintertür bis zum Schlafgemach.

    Was sie da sahen, löste höchst unterschiedliche Reaktionen bei den drei Reisegefährten aus...


    wird fortgesetzt...

  7. #36
    Avatar von lufthans

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    Re: Somtam-Party

    :bravo:
    hallo, warum geht es hier nicht weiter?
    na los weiter

  8. #37
    Avatar von MadMovie

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    Re: Somtam-Party

    „Sodom und Gomorrha!“ stöhnte Kurt.

    „Heiliger Strohsack. Wo bin ick hier gelandet“, kicherte Jürgen.

    „Ich habe es geahnt, es ist aus, Aad!“ knurrte Sandro.

    Auf einer großen quadratischen Spielwiese lagen nackt ein Farang mit gepflegtem weißem Bart und Haupthaar und ein junger Thai mit glänzender olivfarbener Haut.

    Der Farang tätschelte den wohngeformten Po des jungen Mannes neben ihm.

    Der Thai sprang auf, schlang sich ein Handtuch um die Hüften und rief:

    „One moment tirak, I can explain you!“

    Sandro hatte genug gesehen und wandte sich angewidert ab.

    „Ich kenne den Typen, habe ihn hier in Chaiyaphum schon öfter gesehen. Hat eine Firma, Frau und Kinder und mehrere Grundstücke in Kanada.
    Tja, Jungs, so läuft das hier nun mal, ihr werdet auch noch dahinter steigen!“

    Kurt und Jürgen schauten sich betreten an.

    Was meinte dieser junge Mann, der sich in diesem Land offenbar besser auskannte, als sie, mit dieser Bemerkung?

    Diese Frage blieb zunächst unbeantwortet, denn sie schlichen sich davon, wie sie gekommen waren, wie Diebe, die Einblick in etwas bekommen hatten, das lieber im Verborgenen blieb.

    Sandro hantierte nervös mit dem Schlüsselbund und veranlasste Jürgen zu der Bemerkung:

    „Du wirst schon noch dem Lover deines Lebens begegnen, lass mir weiter fahren!“

    Sandro blieb unbeeindruckt von dieser Bemerkung am Volant und raste aus der düsteren Soi hinaus.
    „Wie jetzt weiter?“, knurrte er.


    wird fortgesetzt...

  9. #38
    Avatar von MadMovie

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    Re: Somtam-Party

    5

    Die Somtam-Party hatte dank der von Mam gesponserten Flasche echten schottischen Whiskys, die inzwischen leer war, bereits den ersten feucht-fröhlichen Höhepunkt überschritten.

    Die Gastgeberin Nok fühlte sich bemüßigt, Nu los zu schicken, um in einem der Tante-Emma-Läden, die zwar nicht rund um die Uhr, aber bis spätabends geöffnet hatten, eine Flasche Regency und Eiswürfel zu besorgen.

    Da auch der Salat und die Satay-Spießchen längst aufgegessen waren, rief sie noch hinterher, Chips mitzubringen.

    Der Hund, der sich inzwischen an den Trubel rund um ihn herum gewöhnt hatte, hob nicht einmal den Kopf und aktivierte auch nicht den Muskel, welcher den Schwanz sonst in Rotation versetzte, als Nu an ihm vorbei huschte und eine andere junge Frau die Treppe hinauf eilte.

    Als Muay den Raum betrat, war man gerade damit beschäftigt, lautstark thailändische Popsongs von einer gebrannten DVD, die im Fernseher lief, mitzusingen.

    „Sawadii kaa“, murmelte die eben Angekommene verwirrt.

    „Hallo Muay, mit dir habe ich gar nicht mehr gerechnet!“ schrie Nok, um den Lärm um sie herum zu übertönen.

    Die Gastgeberin zog die neu Angekommene in die etwas ruhigere Küche und reichte ihr zunächst ein Glas Wasser mit Eiswürfeln.

    „Der Nachschub an Getränken ist unterwegs“, entschuldigte sich Nok.

    „Mai pen rai“, hauchte Muay und strich sich eine Strähne braunen Haars aus der Stirn.

    „Entschuldige, wenn ich so direkt bin, aber hast Du noch Kontakt nach... Japan?“

    Muays Lächeln wurde um eine Nuance finsterer, ihr war diese Frage sichtlich unangenehm.

    „Was glaubst Du, wer die Studiengebühren für meinen Sohn bezahlt?“ antwortete sie.

    „Entschuldige bitte, wenn ich so direkt gefragt habe, aber Du weißt ja, Alkohol lockert ein wenig die Zunge! Möchtest Du etwas essen? Ich mache schnell khao pad kai, Somtam und Fleischspießchen sind leider schon alle.“

    „Nein, danke!“ Muay verkrümelte sich in die Wohnstube zu den anderen und wurde auf Grund ihrer Vergangenheit von einigen eher zurückhaltend begrüßt.

    „Mit einem Touristenvisum nach Japan und dann nach ein paar Jahren in Handschellen zum Flughafen!“ zischte Lek der neben ihr sitzenden und sich im Rhythmus der Musik wiegenden Mam zu.

    „Dschai yen, ruhig Blut, deine Affären sind auch hinlänglich bekannt, meine Liebe!“

    Bevor ein Streit entbrennen konnte, wer mehr auf dem Kerbholz hatte, kam freudestrahlend Nu, das eher unscheinbare Mäuschen, ins Zimmer gestürmt und schraubte die gerade erworbene Flasche Regency auf.

    Sofort wurden ihr die leeren Gläser entgegen gestreckt.

    Aus der Küche kam die Gastgeberin Nok mit einer Schüssel voller Eiswürfel geeilt.

    Dann beeilte sie sich, eine neue DVD in den Player legen, um die Party in Gang zu halten.

    Noch ahnte keine der Damen, was noch alles passieren würde...


    wird fortgesetzt...

  10. #39
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    Re: Somtam-Party

    6

    Die Stimmung im Auto war immer noch bedrückt und es gelang auch den immer zu Scherzen aufgelegten Jürgen nicht, mit seinem trockenen Berliner Humor die beiden Mitreisenden aufzuheitern.

    „Ick werde meine süße Braut nach Berlin entführen und sie wird begeistert sein!“ äußerte er euphorisch.

    „Hast Du auch mal daran gedacht, was passiert, wenn Du arbeiten gehst und deine Süße, wie Du dich ausdrückst, sich langweilt? Sie wird sich Umgang in einer ihr vertrauten Atmosphäre suchen, und daran herrscht in Großstädten bekanntlich kein Mangel“, dozierte Sandro.
    „Allein in Berlin und München gibt es vermutlich Tausende Thailadies und einige davon dürften meines Wissens nach in den Touristenzentren gearbeitet haben.“

    „Das musst Du mir näher erläutern“, räusperte sich Kurt.

    „Nun ja, es gibt nicht wenige Männer, die sind begeistert von ihrer Urlaubsbekanntschaft aus Pattaya und vergessen ganz schnell, dass dies die älteste Tochter in einer armen Familie ist, die für den Unterhalt zu sorgen hat...“

    „Okay, Sandro, wir sind aber hier im Nordosten und nich´ in Pattaya“, unterbrach ihn Jürgen ein wenig unwirsch.

    „Das mag sein, aber die Unterschiede sind nicht so signifikant, wie manch einer glaubt.“

    „Du bist nicht nur vom anderen Ufer, sondern auch noch so etwas wie ein griechisches Orakel!“ lachte Jürgen.

    „Oha, ein Bildungsbürger!“

    „Nee, nur gesundes Halbwissen!“

    Die zum Schneiden dicke Luft war merklich dünner geworden und alle Drei entspannten sich.

    Jürgen reichte einen Zettel hinüber zum Fahrersitz.

    „Wir sollten nun endlich mal gucken, was unsere Bräute treiben, bevor die in die Heia hopsen!“

    Sandro studierte aufmerksam den Zettel, der ihm gereicht worden war.

    „Hm, so genau weiß ich auch nicht, wo das ist.“

    Er stoppte den Mietwagen und fragte auf Thai einen vorbei huschenden Passanten nach dem Weg.

    Der junge Mann in schmuddeligen bunten Boxershorts kratzte sich am Kopf und gab eine Antwort, welche die anderen beiden deutschen Mitreisenden selbstredend nicht verstanden.

    „Ist etwas außerhalb, ein Stück nach Norden und dann rechts abbiegen, wenn ich es richtig verstanden habe!“

    Sandro beschleunigte den Wagen und schoss auf die Straße Richtung Khon Kaen.

    Im letzten Moment konnte er einen Zusammenstoß mit einem Pick-Up, auf dem junge Thais ihnen mit Bierflaschen zuprosteten, vermeiden.

    „Ick gewinne langsam den Eindruck, die saufen hier auch wie die Tümpelkröten“, sagte Jürgen.

    Kurt holte wortlos aus seinen unerschöpflich scheinenden Reserven zwei Bierpullen hervor und öffnete die Kronenkorken.

    „He, Du Schlawiner! Als es die Leberwurstbemmen gab, haste nur das Mineralwasser aus´ m Rucksack gepackt!“ feixte Jürgen.

    „Man muss immer noch ein paar Reserven in petto haben – man weiß nie, was noch kommt“, konterte Kurt.

    Inzwischen waren sie mehr als einen Kilometer außerhalb Chaiyaphums und Sandro bog gemäß den ihm gegebenen vagen Hinweisen rechts ab, wieder mal in eine dunkle Soi.

    Die Autoscheinwerfer erhellten mit ihrem grellen Lichtkegel neu gebaute Einfamilienhäuser, aber alles wirkte noch ein wenig unfertig. Hier und dort sah man noch Sandhaufen und Betonmischer herum stehen.

    „Möglicherweise haben wir uns wieder mal verfranzt“, kicherte Jürgen und nahm einen Schluck aus der Bierpulle.

    Sandro blickte stur geradeaus und reagierte nicht auf das Geplapper neben und hinter ihm und lenkte den Wagen nach links.

    Vor ihnen lag im Mondlicht ein flaches Plateau, weit im Norden konnte man die Gebirgsketten, die diese Ebene begrenzten, nur erahnen.

    Nur etwa hundert Meter entfernt lag eine Farm und Sandro bremste den Mietwagen ab und brachte ihn in einer Staubwolke zum Stehen.

    Der Hund von Nok reckte seine Nase in den Wind und knurrte leise...


    wird fortgesetzt...

  11. #40
    Avatar von MadMovie

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    Re: Somtam-Party

    „Hier in dieser Ranch am Ende der Welt sollen unsere Bräute sein?“ knurrte Jürgen.
    „Ick glaube, man hat mir den Eisbär Knut auf den Buckel gebunden!“ lachte er.

    „Hm, ich glaube auch nicht, dass wir hier richtig sind“, fühlte sich Kurt bemüßigt, auch etwas zu sagen.

    „Wieso hattest Du eigentlich diese Adresse?“ hakte er nach, aber Jürgen reagierte nicht und blieb abrupt stehen.

    Der Hund von Nok kam näher und fletschte die Zähne.

    Es konnte nichts schaden, die Farang, die man sofort am Geruch erkannte, ein wenig einzuschüchtern.

    „Raubtiere halten die hier auch, wenigstens ist es kein Tiger“, kicherte Kurt, aber niemand ging auf den Scherz ein.

    „Hol ´ne Leberwurstbemme raus!“ flüsterte Jürgen aufgeregt.

    Kurt fingerte aus seinem Reisegepäck ein Leberwurstbrot heraus und warf es in Richtung des Untiers, welches ihnen den Weg versperrte.

    „Wohl bekomm´s“, rief er seinem Fluggeschoss hinterher.

    „Ich hoffe nur, dass der Hund nicht Vegetarier ist, so wie ich!“ lachte Sandro.

    Einem thailändischen Hund war so ziemlich egal, was da angeflogen kam, Hauptsache etwas zum Fressen.

    „Falls ihm die deutsche Leberwurst nicht bekommt und er davon noch aggressiver wird, haben wir ein Problem“, flüsterte Jürgen und schlich sich als Erster am schmatzenden Hund vorbei.

    Als die anderen beiden sahen, dass der Köter mit dem Schwanz wedelte, trabten sie hinterher.

    „Nicht der einzige, der in Thailand bestechlich ist“, lachte Sandro und Kurt schüttelte den Kopf, weil er wieder einmal nicht genau wusste, was gemeint war.

    Auf den Treppenstufen, die zur schmalen Veranda führten, saßen Mam und Muay, um eine zu qualmen.

    Die beiden, die schon im Ausland gelebt hatten, setzten ihr freundlichstes Strahle-Lächeln auf, als sie drei Farang aus dem Schatten heraus in den Lichtkegel der Terrassenlampe treten sahen.

    Eine Invasion von drei Langnasen war hier eher nicht der Normalfall, aber sie ließen sich in keinster Weise anmerken, überrascht zu sein.

    Sie traten ihre Kippen aus und begrüßten die drei Helden, die immerhin den Wachhund überlistet hatten, mit einem Wai.

    „Hello, what can I do for you?“ sagte die sprachbegabte Mam und fügte gleich hinzu:
    „Germany? Wen sucht ihr?“

    Das Letzte war mit einem leichten schweizerdeutschen Akzent gesprochen.

    Jürgen musste an das Lied von Reinhard Mey „Mann aus Alemannia“ denken – wir werden auch überall erkannt!

    Kurt und Jürgen hatten sich entschlossen, den Thailand-Experten Sandro als Unterhändler vorzuschicken.

    Und die Witwe und die Japan-Expertin musterten den jungen, blonden, gutaussehenden Mann, der gerade in den Lichtkegel trat, mit großen Augen.

    „Wenn der auch noch reich ist“, träumte Muay.

    „Ein wenig zu jung für mich“, dachte Mam.

    Sandro kannte sich naturgemäß mit der thailändischen Damenwelt nicht so gut aus, hatte aber am Rande genug mitbekommen, um sich eine Einschätzung erlauben zu können.

    Diese Zwei, die sich gerade von den Treppenstufen erhoben hatten, kannten sich aus mit Farang – so zumindest seine erste flüchtige Analyse der Lage.

    Sollte er hier schon die finale Trumpfkarte, die thailändische Sprache, ausspielen?

    Es war immer besser in diesem Land, sich eher zurück zu halten.



    http://www.yoasal.de/Texte/Mann_aus_Alemannia.htm

    wird fortgesetzt...

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