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Somtam-Party

Erstellt von MadMovie, 05.08.2007, 01:00 Uhr · 98 Antworten · 8.785 Aufrufe

  1. #91
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    Re: Somtam-Party

    Nok und Jeab ließen sie nicht lange im Ungewissen und erläuterten wortreich, dass sie sich zum Haus von Onkel Som begeben müssten, wo besagter Umzug offenkundig starten sollte.

    Insofern waren die Informationen, die Jürgen aus dem Netz hatte, durchaus richtig, manchmal gab es aber auch eine regional „abgespeckte“ Variante der Hochzeit.

    Nach dem sie sich umgezogen hatten und nun in der Kluft schwitzten, die sie beim ersten Besuch der Deutschen Botschaft Bangkok getragen hatten, schaute sich Jürgen noch einmal Stirn runzelnd die Freifläche neben der Zufahrt zur Farm an.

    „Immer noch nichts zu sehen von Aufbauarbeiten, eine Seelenruhe haben die Thais!“

    Von Ruhe konnte aber keine Rede sein, denn Nu und Phichit – der ihnen als Kumpel von Sandro bekannt war – geleiteten die beiden durch die Siedlung zum Haus des Ortsvorstehers.

    „Unsere Süßen müssen noch zum Friseur und zur Kosmetik“, brummte Kurt.

    „Wer schöner ist als wir, ist geschminkt!“ lachte Jürgen.

    Onkel Som erwartete sie bereits, die unvermeidliche Kippe im Mundwinkel.

    Bei ihm hatten sich viele Dorfbewohner versammelt, welche offenkundig das Geleit für die Farang geben sollten.
    Sie hatten u. a. ein Gesteck aus Bananenblättern und Blüten dabei, einer schleppte sogar eine Trommel mit.

    Onkel Som dirigierte die beiden Bräutigame an die Spitze des Umzuges – offenbar wollte man keine Zeit verschwenden.
    Mit viel Getöse machte man sich auf den Weg zurück zur kleinen Farm und Jürgen und Kurt hofften, dass man in der Zwischenzeit genug Tische und Stühle aufgestellt hatte, um allen Gästen Platz zu bieten.

    Muay hatte sich in den Zug geschmuggelt und gab den beiden Deutschen Tüten mit Bonbons und bedeutete ihnen, diese den Kindern am Strassenrand zuzuwerfen.

    „Heute fällt Karneval und Hochzeit auf einen Tag“, freute sich der eigentliche Karnevalsmuffel Jürgen.

    Kurt machte fleißig Fotos und auch ein kurzes Video mit seiner Digitalkamera.

    „Musste mir unbedingt mailen, ick habe meine Kamera bei Nok liegen jelassen!“ rief ihm Jürgen zu.
    „Brauche ick später mal fürs Internet!“

    Ihre Erlebnisse waren so vielfältig bei ihren bisherigen zwei Reisen gewesen, dass sich Jürgen vornahm, dies in einem Thailand-Internet-Forum zu präsentieren.

    Sie näherten sich der Freifläche vor Nok´s Farm und inzwischen war dort zumindest ein LKW geparkt, vollgepackt mit roten Plastiktischen und -stühlen.
    Etwas weiter weg stand ein zweiter LKW und Jürgen stellte erleichtert fest, dass mehrere junge Männer damit beschäftigt waren, eine Stahlkonstruktion zusammenzuschrauben, die geeignet gewesen wäre, als Bühne für Liveacts wie die Rolling Stones oder Carabao zu dienen.

    Als Empfangskomitee standen nur Wan, die Schwiegermutter von Jürgen, und Nu in der Zufahrt.

    Ursprünglich war auch der Hund Süa bei ihnen gewesen, aber als er die laute Trommel gehört hatte, zog er es vor, sich hinter den Hühnerstall zu verkrümeln, wo der Bruder des Kampfhahnes gar nicht erst versuchte, sein Revier zu verteidigen, sondern seinen Harem zu einem Tümpel in der Nähe führte um dort weiter zu scharren.

    Wan bat Onkel Som und die beiden Bräutigame ins Haus, die sie begleitenden Umzugsteilnehmer machten es sich auf der Terrasse und davor bequem.

    Jürgen und Kurt schauten sich um: Von den beiden Bräuten keine Spur...


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  2.  
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  3. #92
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    Re: Somtam-Party

    Zwei ältere Frauen platzierten den Blumenschmuck in der Mitte des Raumes und davor eine golden schimmernde große flache Schüssel.

    Muay übersetzte das Geschehen für die beiden Deutschen in verständliches Englisch, die nicht darauf gefasst waren, dass man die Brautgeldverhandlungen noch einmal aufnehmen würde.

    Ganz offensichtlich war es aber so, denn Wan forderte von Onkel Som mindestens 100000 Baht plus Goldschmuck und der Vater von Jeab schloss sich einfach seiner energischen Vorrednerin an.

    Es ging eine Weile hin und her und die in ihren Jacketts schwitzenden Farang gewannen den Eindruck, es ging nur um den Spaß am Feilschen, denn die Summen waren längst ausgehandelt.

    Onkel Som breitete die Geldscheine fächerförmig aus und legte dann den Goldschmuck dazu, den Jürgen und Kurt in den Gemächern ihrer Frauen vermuteten und der plötzlich hier wieder auftauchte.

    Jürgen kniete in zweiter Reihe am Boden, dem etwas lädierten Kurt hatte man einen blauen Plastikschemel zugebilligt, der wider Erwarten stand hielt.

    Nu fächelte ihm von hinten Kühlung zu.

    „Wie schön für dich, dass Du deine pad lom-Assistentin hast!“ zischte Jürgen ihm zu.

    Muay machte Fotos mit der Kamera von Kurt, ließ sich dann hinter ihm nieder und fächelte nun auch ihm frische Luft zu in dieser heißen Mittagsstunde.

    „Nun hast Du auch deine eigene Assistentin“, schmunzelte Kurt.

    „Ick denke jerade drüber nach, Muay als Zweitfrau zu nehmen!“
    kicherte Jürgen.

    Er hatte bewusst das thailändische Wort „mia noi“ vermieden, damit niemand im Raum auf dumme Gedanken kam.

    Wan raffte das Geld zusammen, auch das Brautgeld für Jeab, und tat so, als wolle sie damit durch brennen, was für große Heiterkeit bei den Thais sorgte, die für jeden Spaß zu haben waren.

    An der Treppe hatten zwei junge Mädchen eine Schnur gespannt und Muay übersetzte, wenn sie ihre Bräute jetzt sehen wollten, müssten sie dafür bezahlen.

    Jürgen und Kurt gaben jeder 100 Baht, die Treppe wurde freigegeben und oben erschienen die schönsten Thailänderinnen, die sie je gesehen hatten.

    Das heißt, sie kannten sie ja schon – aber nicht in diesem Outfit!

    Sorgfältig geschminkt und frisiert und in glänzende Thaiseide-Kleider gewandet!

    Nok in einem roséfarbenen und Jeab in einem gelben Seidenkleid.

    Ihre Frauen sahen einfach hinreißend aus, stellten Jürgen und Kurt übereinstimmend fest und nach dem sie ihre Münder wieder geschlossen hatten, konnte es weiter gehen.

    Der Brautgeldverhandlungsführer hatte sich mittels einer bunten Schärpe in den amtlichen Ortsvorsteher verwandelt und erwartete die beiden Paare mit einer weißen, dünnen Schnur in der Hand.

    Die Verwandten der jungen Frauen bildeten einen Kreis, und jeder hatte die rechte Hand an der Schnur, die nun auch Nok und Jürgen und Jeab und Kurt um den Kopf gewunden wurde.

    Das Folgende erlebten Jürgen und Kurt wie in Trance, denn es war unglaublich heiß und es hatte seit Vormittag nichts mehr zu trinken gegeben.

    Endlich war Onkel Som mit seinen Sprüchen am Ende und die zahlreiche Verwandtschaft kniete Schlange, um den Brautleuten Freundschaftsbändchen ums Handgelenk zu knüpfen.

    „Ein Wasser, ein Bier und eine Kippe, Reihenfolge is´ egal, oder ick falle um!“ keuchte Jürgen.

    Die beiden Assistentinnen hatten auch ohne Übersetzung verstanden und brachten wenigstens leicht gekühltes stilles Wasser zu den leidenden Farang.

    Wenn Jürgen und Kurt dachten, sie würden in dem Trubel mal eine Pause bekommen, hatten sie sich wieder gründlich geirrt – denn jetzt begannen die Fotoshootings.

    In bleibender Erinnerung sollten vor allem die bleiben, wo sie ausgestreckt in voller Montur auf dem Bett lagen und die Frau vor ihnen kniete – nacheinander, versteht sich!


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  4. #93
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    Re: Somtam-Party

    Danach gab es tatsächlich so etwas wie eine Verschnaufpause, welche die beiden Farang sofort dazu nutzten, sich frisch zu machen, die Hemden zu wechseln und das Jackett über einen Bügel zu hängen.

    Als Wan das sah, wurden sie sofort angeblafft und Muay übersetzte, sie möchten die Jacketts sofort wieder anziehen, welchen Eindruck sollten sonst die vielen Verwandten von den Farang bekommen, wenn sie hier wie in der Sommerfrische herum liefen!

    „Ick bin bereit, Schmiergeld dafür zu zahlen, dat die kein Visa für Deutschland bekommt!“ knurrte Jürgen auf dem Weg zum Freigelände.

    „Wen meinste? Muay oder Wan?“

    Jürgen boxte Kurt in die Rippen.

    Die Techniker hatten den Aufbau der großen Bühne abgeschlossen, die Scheinwerfer waren installiert und der Tontechniker machte gerade Soundcheck.

    Was aber noch wichtiger war – und Jürgen glaubte kaum, seinen Augen zu trauen – eine Cateringfirma hatte in der Zwischenzeit Tische und Stühle für 150 bis 200 Gäste aufgebaut – so genau konnte man das gar nicht überblicken.

    „Det gloob ick nich´! Zwick mir mal in den Arm, Kurte!“

    Der war aber schon drei Schritte weiter, hielt die Nase in den Wind, woher der angenehme Grillgeruch kam und machte Fotos von der Kochstelle und den fröhlich winkenden und kichernden Küchenhilfen.

    „Come back, Julgen!“ schniefte Nok, die liebreizende Braut, die den Saum der reuren Seidenkleides ein wenig angehoben hatte angesichts des Staubes auf den Wegen.

    „We have to say Hello to all our guests!“

    In der Einfahrt stand ein Tisch mit einer bunt beklebten Box und die beiden Bräutigame wurden dazu verdonnert, alle ankommenden Gäste zu begrüßen, mit einem Wai zu bedenken und sich für den Briefumschlag zu bedanken – obwohl man nicht wissen konnte, ob 100 oder 1000 Baht sich darin befanden.

    Klammheimlich genehmigte sich Jürgen abseits eine Zigarette und ließ Kurt mal fünf Minuten alleine Empfangschef spielen, was von seiner Angetrauten bemerkt wurde und er sofort zurück gescheucht wurde.

    Jede ankommende Familie wollte natürlich ein Erinnerungsfoto mit dem Brautpaar, mit dem man weitläufig verwandt war.

    „Ich verzichte auf eine Modelkarriere und bewerbe mir als Qualitätsprüfer in der Singha-Brauerei Bangkok!“ seufzte Jürgen.

    „Ich glaube auch, dass ich morgen eine Gesichtsmassage brauche, um das festgetackerte Grinsen wieder heraus zu bekommen!“ pflichtete ihm Kurt bei.

    Nu brachte den beiden zwei Gläser Wasser, die sofort verdampften.

    Nur wenige Minuten später kam Muay mit zwei Gläsern Bier und zwinkerte ihnen zu.

    „Sie qualifiziert sich immer mehr zur Nebenfrau – aber psst!“, Jürgen schaute sich um, „Nich´ weiter sagen!“

    „Du bist mir schon ein Schwerenöter – erst Lek, jetzt Nok und Flirt mit Muay – die nicht gerade den untadeligsten Ruf hier in der Gegend hat, wie mir meine Gattin flüsterte!“ grinste Kurt.

    Insgeheim bewunderte er den Berliner sogar ein wenig, weil der auch in Stresssituationen immer noch über den Tellerrand hinaus schaute.

    So ein Leben konnte gefährlich sein, aber womöglich auch spannender, als sein eigenes...

    „Ick kenne den Leumund von der auch, aber ick sehe es pragmatisch wie die Thais: So ein kleiner Flirt mit die Oogen soll doch nur dazu dienen, unsere Situation hier auf dem Präsentierteller zu verbessern!“

    Ihnen war immer noch nicht recht bewusst, dass sie hier von hundert Argusaugen überwacht wurden und so dauerte es auch nicht lange, bis Nok ihren Ehemann beiseite nahm.

    „Don´t look eye-catching to Muay, people talk about us!“ zischte sie ihm zu.


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  5. #94
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    Re: Somtam-Party

    „You got it wrong, tirak! I only want to say ´Thank you´ for beer with my eyes!“

    „Don´t do that like this way, butterfly! I have knife in the kitchen...“

    Somit war diese Minikrise scheinbar auch überwunden, aber Jürgen wusste, dies würde kein einfaches Eheleben mit Nok werden – auch weil er im Internet gelesen hatte, dass Thailänderinnen es nicht immer bei leeren Drohungen bewenden ließen, sondern angelegentlich tatsächlich Messer einsetzten, und zwar da, woran Jürgen jetzt gar nicht denken mochte.

    Es blieb auch keine Zeit, lange darüber zu grübeln an diesem ereignisreichen Tag, denn als Kurt und Jürgen dachten, jetzt könnten sie sich an einen der gedeckten Tische setzen, wurden sie auf die Bühne gebeten.

    Jeab und Nok zwitscherten Ansprachen an das zahlreiche Publikum, während dessen die beiden Helden erfolglos versuchten, Hunderte Insekten am Niederlassen auf ihren einladend weißen Hemden zu hindern.

    Jürgen wagte auch nicht nach der Gardinenpredigt, einen Blick auf die wohlgeformten Schenkel der Tänzerinnen rechts und links von ihnen zu werfen.
    Das machte jetzt Kurt – er war ja noch nicht ermahnt worden!

    Nok reichte Jürgen das Mikro und blitzte ihn mit zwei Reihen weißer Zähne an.

    „Sawadii khrap! Khor tot, phom phuut thai nit nit noi! Khop khun maak khrap!“ sagte er geistesgegenwärtig in sehr gebrochenem Thai und erntete dafür donnernden Applaus, denn niemand hatte da unten erwartet, dass er überhaupt etwas in der Landessprache sagen würde.

    Kurt wusste sich nicht anders zu helfen und stammelte zwei Sätze auf Englisch.

    Da dies kaum einer verstanden hatte, war der Beifall etwas verhaltener.

    Der DJ spielte legte los und Nok und Jeab sangen mit Nachtigallen-Stimmen im Duett einen allseits beliebten Morlam-Song.

    Nok hatte ihre Rachegelüste immer noch nicht befriedigt und reichte wieder einmal grinsend ihrem Ehemann das Mikro.

    Der DJ ahnte natürlich, dass die Farang wohl eher nicht so bewandert in der Morlam-Musik waren und startete von seinem PC „Da Ya I´m 5exy“ von Rod Stewart.

    Die Laufschrift flimmerte zunächst vor den Augen von Jürgen, aber er wollte sich nicht blamieren, kannte den Song natürlich und steigerte sich richtig rein.

    Kurt schlug wie wild nach den im Scheinwerferlicht tanzenden Insekten, was unten aussah, wie der Tanz eines wild gewordenen Schamanen unter dem Einfluss von Rauschmitteln.

    Bald bogen sich die Zuschauer vor Lachen und es hielt sie nicht mehr auf den roten Plastikstühlen.

    „Euch werd´ ich´s zeigen!“ brummte Jürgen und ließ den DJ „One Night in Bangkok“ von Murray Head heraus suchen – wohl wissend, das dies zwar offiziell in Thailand verboten war, sich aber niemand darum scherte, denn er hatte es in der Silom Road in Bangkok auch gehört.

    Beim Refrain „One night in Bangkok makes a hard man humble...“ stimmte auch Kurt mit ein, der eher klang wie ein Jungbär im Stimmbruch, aber vor der Bühne tanzte man mit und Verehrerinnen überreichten ihnen am Bühnenrand 20- und 100-Baht-Scheine.

    Nok registrierte schmollend, dass ihr Mann ihr die Show gestohlen hatte, aber richtig böse war sie nicht, ging es doch nur darum, dass die vielen Verwandten einen positiven Eindruck mitnahmen – und das war Jürgen offenbar gelungen.

    „Du könntest dein Geld auch leichter verdienen!“ keuchte Kurt beim Abstieg über die äußerst wacklige Treppe am rechten Bühnenrand.

    „Ick denke darüber nach!“

    Viele Familien und zum Leidwesen der beiden Ehefrauen auch junge Mädchen wollten unbedingt Erinnerungsfotos gemeinsam mit den Stars des Abends haben.

    Jürgen griff sich einfach von einem Tisch ein Glas Soda-Whisky, weil er so einen Frosch im Hals hatte.

    Nok wollte die Minikrise endgültig beilegen und forderte ihn zum Tanz auf, aber Jürgen verspürte ein dringendes Bedürfnis und vertröstete sie bis auf gleich.

    Im Vorbeigehen bekam er mit, dass es Kurt gelungen war, am Tisch seiner Schwiegereltern einen Teller gebratenen Reis mit Geschnetzeltem, das sie hier panaeng muu nannten, hinein zu schaufeln.

    Auf dem Gang zur Toilette im spärlich beleuchteten Haus sah Jürgen plötzlich einen Schatten und brüllte:

    „Stop! I´m the German champion of muay thai!“

    Er hoffte inständig, der Schatten käme nicht auf den Gedanken, dies umgehend zu testen.


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  6. #95
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    Re: Somtam-Party

    Der vermeintliche Dieb wandte sich zur Flucht, aber Jürgen, beseelt von dem Erfolg, der größte Karaoke-Star zwischen Chaiyaphum und Khon Kaen zu sein, hetzte hinterher und bekam den vermeintlichen Übeltäter am Kragen der Tarnjacke zu fassen.

    Dabei stolperte Jürgen und beinahe wären beide zu Boden gegangen.

    Das Deckenlicht flammte plötzlich auf und Jürgen sah erst jetzt, mit wem er sich angelegt hatte.

    Der junge Thai war mindestens fünf Zentimeter größer als er, trug einen verwegenen Pferdeschwanz und tastete gerade nach seinem Ledergürtel, um ein Messer zu ziehen.

    „Hey, stop, this is Pairat, my cousin!“ beeilte sich Jeab zu versichern, bevor hier vielleicht wegen eines Missverständnisses Blut vergossen wurde.

    Pairat stammelte etwas auf Thai, was zwar Jürgen nicht verstand, aber er lockerte schon mal den Griff.

    Die ebenfalls herbei geeilten Nok und Muay erklärten, dass Pairat ein lieber , netter Kerl sei, der sich auf der Suche nach der Toilette nur verlaufen hatte.

    Jürgen klopfte den Staub aus der Tarnjacke des vermeintlichen Einbrechers und murmelte „Khor tot!“

    Beim gemeinsamen Versöhnungs-Bierchen mit Pairat fragte dieser:
    „And you are really a boxer?“

    „No, I´m only administration secretary at Berlin Airport Tempelhof!“

    Und damit wusste Pairat mehr als Ehefrau und Schwiegermutter und alle anderen Verwandten zusammen.

    „Next time I go to pee to banana tree like the others!“ lachte Pairat und das Eis war endgültig gebrochen.

    Bevor die beiden das zweite Bierchen zischen konnten, tauchte Nok mit in die Hüfte gestemmten Händen auf und forderte nachdrücklich ihren Mann dazu auf, endlich seinen ehelichen Pflichten nachzukommen – in dem Fall zunächst mal der erste Tanz.

    Dies hatte in Thailand nicht so eine Bedeutung, wie bei einer deutschen Hochzeitsfeier – aber das konnte Jürgen ja nicht wissen.

    Vor der Bühne tappte bereits Kurt wie ein zu kurz angeketteter Tanzbär im engen Kreis um seine Jeab – seine Interpretation eines modernen Disko-Tanzes.

    Dies wurde noch ein sehr vergnüglicher Schwof, wie sich Jürgen auszudrücken pflegte – irritierend war nur, dass die Catering-Firma bereits kurz nach 22 Uhr damit begann, die ersten Tische und Stühle abzubauen.

    Es war auch schon ein Drittel aller Gäste gegangen – wahrscheinlich Bauern aus der Umgebung hier, die früh raus mussten.

    Früh auf den Beinen war auch Jürgen, aber nur, weil der Abt des nahegelegenen Wat mal wieder die altersschwachen Boxen seiner Lautsprecheranlage dahingehend testete, wie lange die morschen Membranen noch halten würden.

    „Dem schenke ich ein Mischpult mit Lautstärkebegrenzung!“ brummte er.

    Jürgen hatte bisher immer den Kopf geschüttelt über die Umweltsünden der Thais, die Hausmüll einfach neben dem Haus verbrannten.

    Deshalb rieb er sich die verschlafenen Augen, als er sah, wie Nu, Nok und Muay den herum liegenden Plastikmüll aufsammelten und in einen Sack stopften.

    Jeab und Kurt waren nicht dabei – die nächtigten ja auch im Haus ihrer Eltern.

    Nach einem gegrummelten „Sawadii khrap“ beteiligte sich auch Jürgen an der Reinigungsaktion.

    Es dauerte auch nicht lange, bis ein LKW vorfuhr und man damit begann, die riesige Bühne fachmännisch zu zerlegen.

    Um acht Uhr zeugte nichts mehr von der gestrigen Party und auch der Hund Süa, der sich im Gelände verkrümelt hatte, kam Schwanz wedelnd zurück, froh darüber, dass nun hier wieder der geruhsame Isaan-Alltag einziehen würde.


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  7. #96
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    Re: Somtam-Party

    Um 8:30 Uhr zogen singend und Fähnchen schwenkend Schulklassen durch die Siedlung, jede in der speziellen Uniform ihrer Schule.

    „Today sport event, tilak!“ sagte Nok. „We go school?“

    Das letzte war weniger als Frage, denn als Aufforderung gemeint.

    Und Jürgen erinnerte sich daran, dass er sich in Bangkok vorgenommen hatte, mal im Englisch-Unterricht zu hospitieren.
    Vielleicht konnte er gleich einen Termin verbaren....

    Kurt war mit der Familie seiner Frau Jeab zum Picknick am Tad Ton Wasserfall unterwegs, wohin es Jürgen nicht unbedingt zog, obwohl es ihn nach Abkühlung lechzte.

    Süa sprang um sie Schwanz wedelnd herum, weil er gern mit wollte.

    Noch ahnte der Hund nicht, dass er Frauchen bald monatelang nicht sehen würde, weil sie in Bangkok Deutsch büffelte.

    Und wenn er vorausschauend denken könnte wie die Zweibeiner, würde er sich wünschen, dass Nok nie die Prüfung am Goethe Institut schaffen möge...
    Aber ihn als Hund interessierte nur das Naheliegende und das war ein struppiger, streunender Köter, den es von der Grundstücksgrenze bellend zu vertreiben galt.

    Nok jagte Süa zurück und sie stiegen wieder einmal in den verbeulten roten Toyota ein, weil eine Thailänderin niemals unter der Sonne zwei Kilometer zur Schule laufen würde, es sei denn, man würde zwei Sonnenschirme über sie halten oder sie in einer überdachten Sänfte transportieren.

    Jürgen hatte in diesem Urlaub sehr wenig fotografiert und dies meist seinem Gefährten überlassen, aber Kurt war unterwegs und so steckte er sich seine Digicam ein.

    Nok parkte den Wagen auf dem Schulhof vor dem Hauptgebäude und sie schlenderten am Fußballplatz vorbei, wo bereits ein Match im Rahmen eines Turniers stattfand, zu einer überdachten Betonfläche, wo sich ein paar Lehrer nieder gelassen hatten.

    Wie in Thailand üblich, wurde in der angrenzenden Küche fleißig geschnippelt und gebrutzelt.

    Jürgen hatte gerade die Adjarn mit einem Wai begrüßt und noch gar nicht richtig Platz genommen, da stand vor ihm schon Glas mit einem Whisky-Soda-Eis-Gemisch, und auf dem Tisch ein Gedeck.

    „We are one of the sponsors of this sport event!“ hauchte ihm seine Holde ins linke Ohr.

    ´Interessant, was man hier alles so nebenher erfährt´, dachte Jürgen, ließ sich aber nichts anmerken und nahm sich vor, seine Rolle als Sponsor zu genießen.

    Da hier die Lehrer in aller Öffentlichkeit vor den Schülern Whisky mit Sodawasser mischten, tat sich Jürgen auch keinen Zwang an und entzündete eine Zigarette, aber Nok stupste ihm den Ellbogen in die Seite und zischte ihm zu, dass hier das Rauchen verboten sei und er sich dazu in Richtung des nächst gelegenen Ausganges bewegen müsse.

    Jürgen sagte „Khor tot!“ machte die Fluppe aus und entschuldigte sich, er wolle ein paar Fotos schießen.

    Noch hatte er nicht heraus bekommen, wer den nun Englischlehrer oder -lehrerin an dieser Schule war, aber das hatte Zeit bis später.

    Jürgen machte Fotos von kichernden, hübschen, weiblichen Teenagern im Sportdress und sah dann den Ausgang zu einer anderen Straße und dem gegenüber liegenden Wat.

    Endlich konnte er seinen Glimmstängel wieder in Brand setzen, schoss ein paar Fotos von der Tempelanlage und kehrte zurück zum Sonnendach, wo ihm seine Frau Reis und Schweinefleisch mit Ananas auf den Teller gehäuft hatte.

    „Who is the English teacher, tirak?“ fragte er so beiläufig wie möglich.

    Eine korpulente Frau mit grauen Haaren war an den Tisch getreten und sagte:

    „Hi, I´m Nanta...., the English teacher here. How are you?“

    Sie hatte so genuschelt und undeutlich gesprochen, dass Jürgen erhebliche Mühe hatte, überhaupt etwas zu verstehen. Geistesgegenwärtig sagte er:

    „I´m fine – sabai dii!“

    Um ganz sicher zu gehen, dass er sich die Hospitation im English-Unterricht vielleicht sparen könne, verwickelte Jürgen die Lehrerin in ein Gespräch und seine Augen wurden immer größer.

    Vermutlich sprach man auf Papua-Neuguinea ein besseres Englisch, selbst wenn es nur Pidgin war.


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  8. #97
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    Re: Somtam-Party

    Die nuschelnde Englischlehrerin lud Jürgen gleich für morgen früh ein, vor einer Schulklasse einen Vortrag über Yöremanie zu halten.

    ´Sollte zum Pflichtfach werden, weil ja das eine oder andere jetzt noch kleine Mädchen dort später mal leben wollte – auch wenn die Zäune immer höher gezogen wurden´, dachte Jürgen und bedankte sich für die Einladung mit einem Wai.

    Ein anderer Lehrer, der fleißig Whisky-Soda nachgeschenkt hatte, gab Jürgen einen Wink und bedeutete ihm, mitzukommen.

    Jürgen hatte nur „Sepak takraow“ verstanden, aber jetzt, am kleinen Spielfeld angekommen, das wie Volleyball für Zwerge aussah, verstand er, was gemeint war.

    Er hatte es schon einmal im TV gesehen und glaubte sich zu erinnern, dass dies der Nationalsport Nr. 2 in Thailand war – nach Muay Thai, versteht sich.

    Der Sportlehrer konnte kaum ein Wort Englisch, aber während einer Trainingseinheit verstand Jürgen bald die Spielregeln.

    Es ging darum, einen geflochtenen Rattanball mit Füßen oder auch dem Kopf über ein niedriger gespanntes Volleyballnetz zu befördern und wenn die gegnerische Mannschaft den Ball zu Boden gehen ließ, gab es einen Punkt bzw. der Aufschlag wechselte.

    Die Jungs spielten mit dem Ball wie Artisten und Jürgen schoss begeistert Fotos.

    Nach dem Jürgen mit den Mannschaften der hiesigen Schule beim Fußball, Volleyball und natürlich Sepak Takraow mitgefiebert hatte, man anschließend in der Abenddämmerung noch ein Gläschen Whisky mit dem Lehrerkollegium getrunken hatte, machte man sich zeitig auf den Heimweg, denn Jürgen wollte unbedingt noch online gehen, um sich auf den Vortrag an der Schule vorzubereiten.

    Dabei hatte er sich gar nicht erkundigt, ob man die Bilder von seinem Laptop an die Wand würde projizieren können.

    Der Umtrunk mit Kurt fiel heute aus. Der korpulente Schwabe hatte sich nicht mehr telefonisch gemeldet.



    Am nächsten Morgen stand Jürgen mit den Hühnern auf, noch bevor der Abt die Lautsprecheranlage eingeschaltet hatte, und der Berliner war aufgeregt wie an seinem eigenen ersten Schultag.

    „Dschai yen, tilak! Chok dii!“ sagte Nok beim Frühstück, wo Jürgen ein Omelette mit geschmortem Gemüse verspeiste und die Herzensdame nur Wasser trank.

    „You guide me, I´m excited like little school boy“, sagte Jürgen mit vollen Backen und entwaffnender Ehrlichkeit.

    Nok hatte eigentlich was anderes vorgehabt und Nu sollte ein Tuk-Tuk besorgen, welches Jürgen zur Schule bringen sollte – aber wenn der Sami es so wollte, würde sie sich fügen, schließlich war sie mit der Ehe ja auch Verpflichtungen eingegangen.

    Süa rannte dem Toyota noch zwanzig Meter bellend hinterher, dann gab er auf, legte sich in den Schatten und beobachtete gleichzeitig den Hühnerhof und den Rand der Siedlung, von wo manchmal freche, streunende Köter kamen.

    Jürgen wurde vom Direktor der Schule mit einem Wai auf der Treppe des Portals persönlich begrüßt, was von der Englischlehrerin so übersetzt wurde, dass Jürgen von der Thai-Ansprache mehr verstanden hatte.

    An einem Fahnenmast wurde die Nationalflagge hochgezogen, die Nationalhymne ertönte und die Schüler standen in ihren Schuluniformen stramm.

    So etwas hatte Jürgen das letzte Mal in der DDR erlebt, als er selbst in Ostberlin noch zur Schule gegangen war.

    Er nahm sich vor, nachzufragen, ob man dies jeden Tag machte, nur an speziellen Feiertagen – aber dann war ohnehin schulfrei – oder etwa weil ein Gast anwesend war?

    Die größte Überraschung stand ihm noch bevor...


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  9. #98
    Avatar von ChangLek

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    Re: Somtam-Party

    .....wird fortgesetzt, wird forgesetzt.....

    .....solange Du Dich nicht hinsetzen tus´t.....

  10. #99
    Avatar von MadMovie

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    Re: Somtam-Party

    Zitat Zitat von ChangLek",p="593355
    ...solange Du Dich nicht hinsetzen tus´t.....
    Hinsetzen ist das Problem, wenn draußen das Gras kniehoch steht und man nebenbei noch Arbeiten geht...
    Ich werde mich auch hüten, einen Termin zu benennen, wann es weiter geht.
    Da es aber auch in meinem Interesse liegt (zwei Ideen für "Abenteuer in Thailand Teil II"), kann es es nicht mehr lange dauern...

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