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Siams Sueden

Erstellt von HPollmeier, 05.10.2008, 11:55 Uhr · 62 Antworten · 7.530 Aufrufe

  1. #11
    Avatar von HPollmeier

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    Re: Siams Sueden

    Hallo zusammen!

    Siams Sueden –
    3. Nakhon Si Thammarat
    © Heinz & Rainer Pollmeier

    Der Vergleich hinkt: Thailand, das "Mallorca" Suedostasiens. Und dennoch, wer dem Rummel von Pattaya, Koh Samui oder Phuket enfliehen will, muss wie auf der spanischen Insel tiefer in das Land eindringen, ohne wie dort die Kuesten zu meiden. Selten verirren sich Auslaender – Farangs - in den muslimischen Sueden mit den goldglaenzenden Kuppeln der Moscheen. Man findet sie haeufiger als die geschwungenen Daecher buddhistischer Tempel.


    Wer mit dem Zug anreist, landet auf diesem schmucken Bahnhof:



    Einfallstor ist Nakhon Si Thammarat, ein kulturelles und historisches Zentrum Thailands, eine Provinzhauptstadt von fesselnder Atmosphaere.

    Das Thai Hotel in der Ratchdamnoen Rd. ist preiswert, hat grosse Zimmer, guten Service



    Nakhon, wie es die Thais kurz nennen, ist eine der aeltesten Staedte Siams und hat in der Geschichte unter dem Namen Ligor eine bedeutende Rolle gespielt. Lange vor der Eroberung durch das Shrividjaya-Reich erwaehnen chinesische Geschichtsschreiber bis zum 5. und 6. Jh. Ligor oder auch Lagor als Hauptstadt des Tambralinga-Koenigreiches, das von Fu-nan, einem maechtiges Reich im Zentrum von Indochina, unterworfen wurde.

    und ist zum Hof hin nicht allzu laut:



    Wir wissen bis heute nicht, wer die Bewohner Fu-nans waren. Die Historie ist durch UEberlieferungsluecken recht unuebersichtlich und wird noch verwirrender durch die Ansprueche der Khmer und der Dynastien Shrividjaya und Shailendra, Nachfolger von Fu-nan zu sein. Die sinisierte Form Fu-nan des alten Khmer-Wortes bnam (modern phnom) bedeutet Berg und hat bei dem Herrscher-Titel "Koenig des Berges" Pate gestanden. Fest steht, dass buddhistische Moenche bei der Indisierung ein Kloster in Ligor errichteten und der Stadt den Sanskrit-Namen Nagara Sri Dhammaraja gaben, Stadt des heiligen Dharma-Koenigs; das heisst in Thai Nakhon Si Thammarat. Suryavarman I. (1002-1050), einer der groessten Koenige Angkors, war ein Fuerst aus Ligor.







    Einige Archaeologen glauben, die einstige Hafenstadt selbst sei Mittelpunkt des Shrividjaya-Reiches (Ende des 7. Jh.-1049 ) gewesen. Auch seine Kultur kennen wir nur aus Berichten chinesischer Autoren, die ihren Glanz ruehmen und vor allem die Bluete, die der Buddhismus dort erlebte. Die aufstrebende Macht Shrividjaya verlegte jedenfalls nach dem Sieg ueber Malayu die Hauptstadt von der Malaiischen Halbinsel nach Palembang auf Sumatra, das - damals verlief die Kuestenlinie ganz anders als heutzutage - zum Teil auf kleinen Inseln vor der Meereskueste lag. Die Seemacht rangelte sich staendig mit Fuersten aus Java um die Vorherrschaft. Im Jahre 732 tritt Mitteljava mit Koenig Sanjaya in die Geschichte ein; die Dynastie herrschte bis zum Anfang des 10. Jh. Eine andere, wichtigere und historisch besser dokumentierte war die der Shailendra. Die beiden Maechte standen sich in wechselnder Staerke gegenueber, arbeiteten aber beim Bau buddhistischer Heiligtuemer zusammen, auch wenn im 8. Jh. Shailendra die Oberhand hatte. Die "Herren der Berge" beherrschten den suedlichen Teil des Chinesischen Meeres, das ganze westliche Insulinde, Sumatra, die Malaiische Halbinsel und hier besonders das Gebiet um Ligor. Im Jahre 774 ueberfiehlen sie die Kuesten der Cham, drangen bis Tonking vor.





    Politischer Erfolg verstaerkte den Handel und loeste kulturelle Expansionen aus: Die buddhistische Kunst der Shailendra ist Ausdruck eines maechtigen Stromes des Mahayana-Glaubens, der in Pala-Indien aufkam und von den Bewohnern Sumatras verbreitet wurde. Die Herrscher erbauten so wunderbare Tempel wie den Borobodur auf Java, der das schoenste Zeugnis des Mahayana-Buddhismus darstellt, das Asien kennt. Wenn man bedenkt, dass Jayavarman II. (802-850), der Befreier von javanischer Bevormundung und Begruender der Macht Angkors, 790 vom Hofe der Shailendra, tief beeindruckt von der javanischen Kultur, in seine Heimat zurueckkehrte, begierig, sie nachzuahmen, spannt sich ein Kulturbogen von Ligor ueber Borobodur und Angkor zurueck nach Siam. Die Ehe der letzten javanischen Shailendra-Prinzessin mit einem Fuersten der Sanjaya-Dynastie beendet eine glaenzende Epoche; die Shailendra-Dynastie war seitdem das Fuerstengeschlecht Shrividjaya. Die Spuren des Shrividjaya-Stils finden wir noch heute in Nakhon.





    Der Lageplan der Stadt ist unveraendert geblieben, aber das Zentrum hat sich noerdlich der alten, zum Teil noch erhaltenen Befestigungen verschoben. Noch im 13. Jh. lag die Stadt am Meer. Achille Clarac schreibt 1971 in seinem immer noch lesenswerten Thailand-Kunst- und Reisefuehrer sinngemaess: "Obgleich Nakhon Si Thammarat heute noch isoliert ist, verspricht ihm doch die Fruchtbarkeit seiner Umgebung einen sicheren Aufschwung. Sobald erst einmal die Verbindung nach Norden mit Surat Thani und suedwaerts ueber Pak Phanang direkt mit Songkhla hergestellt ist, duerfte es sich zweifellos noch schneller als bisher entwickeln. Es ist eine saubere, vornehm wirkende Stadt. Da Nakhon Si Thammarat laengs einer langen zentralgelegenen Strasse erbaut ist, die sich an einem Uhrturm in zwei Teile teilt, bekommt man alles zu sehen, was die Stadt an Interessantem zu bieten hat, wenn man vom Markt aus nach Sueden geht."



    Clarac hatte ein sicheres Auge fuer die Verkehrsentwicklung und den wirtschaftlichen Hoehenflug der Stadt. Verweilen wir einen Augenblick auf dem quirligen Strassenmarkt in den schmalen Gassen gegenueber vom Bahnhof: Hier pulsiert das thailaendische Alltagsleben, hier wird noch gehandelt und gefeilscht und der Tourist - falls es denn einen gibt - nicht ´abgezockt´ wie an ueberlaufenen Stellen, die ´im Trend´ liegen. Wie sagt so schoen unser Durianhaendler: "In Nakhon bekommst Du als Tourist alles, was Du brauchst, was wir nicht fuehren, benoetigst Du auch nicht." Das koennte ein Hong Kong-Chinese nicht besser ausdruecken. Apropos Durian: Die ´Koenigin der Fruechte´ macht sozusagen suechtig. Wer ihr verfallen ist, wird sie auch ausserhalb der Saison - April bis August - aufzuspueren versuchen. Das ist ein muehseliges und kostpieliges Unterfangen. Aber in Nakhon wird der Gourmet immer fuendig, zu nur leicht ueberhoehten Preisen.



    Bummelt man auf der Ratchdamnoen an der Moschee vorbei nach Sueden, sollte man zumindest auf dem Gelaende des Rathauses in der Halle Ho Phra Sihing einen Blick auf die heilige Statue Phra Buddha Sihing werfen. Der Legende nach wurde dieser Buddha von Ceylon nach Siam verbracht, nur weiss kein Mensch, ob das Original in Nakhon, Bangkok oder Chiang Mai steht, weil drei Kloester von drei Figuren behaupten, das alte Stueck zu besitzen. Warscheinlich haben einheimische Kuenstler der Sukhothai-Periode die Arbeiten gefertigt; singhalesische Einfluesse sind nicht zu erkennen. 500 m vorher stehen zu beiden Seiten der Strasse zwei kleine Wat aus der Shrividjaya-Epoche, rechts der Ho Phra I Suan mit fuenf steinernen Lingas im Innern, links der brahmanische Ho Phra Narai.





    Hinter der Stassengabelung am Glockenturm erreicht man das Wat Mahathat, zweifellos das aelteste, bedeutendste und beruehmteste Bauwerk in Nakhon. Es wird hochverehrt und vornehmlich im Oktober von vielen Pilgern aufgesucht. Koenig Si Thanna Sokarat soll es begruendet haben, Archaeologen bestaetigen die Bauzeit vom 7. bis 12. Jh. in der Shrividjaya-Epoche. Es gibt viele Kloester in Thailand, die westlichen Besuchern einen Funken der religioesen Stimmung uebermitteln koennten, die gerade dem Buddhismus eigen ist, aber leider sind die schoensten einem Touristenrummel verfallen, der frueher nur katholischen Wallfahrtsorten vorbehalten war. Dieses Wat bildet noch eine Ausnahme.



    Es hat die Form eines grossen, mit farbigen Ziegeln gedeckten Wandelganges, der an Kreuzgaenge mittelalterlicher Kloester in Europa erinnert. In seinem Zentrum ragt der 77 m hohe Chedi im ceylonesischen Stil wie eine aufliegende Glocke mit vergoldeter Spitze in den Tropenhimmel, umrahmt von unzaehligen kleinen Chedis, die in stiller Betrachtung das grosse Heiligtum zu verehren scheinen. Fasziniert wird man zwischen Blumenbeeten ein Plaetzchen suchen, um dieser Hingabe andachtsvoll beizuwohnen. Die mehr als hundert Buddhastatuen in den Wandelgaengen verstaerken die Erschauern machende Wirkung des Goettlichen. Hat in der europaeischen Mystik der glaeubige Mensch nicht versucht, durch Versenkung zu persoenlicher Vereinigung mit Gott zu gelangen? Verzeihen Sie die Abschweifung, denn Sie sollten nicht versaeumen, den Klosterschatz zu besichtigen! Um halb fuenf wird das ganze Watgelaende geschlossen. Waere schade, wenn man sich in ´Ligor´ den unter einer Naga sitzenden Buddha im Shrividjaya-Stil entgehen lassen wuerde.





    Fusskranke werden aufstoehnen, wenn die Autoren noch das Nationalmuseum empfehlen. Aber es muss ja nicht alles an einem Tag sein! Liebhaber des Schattenspiels haben an Festtagen die Chance, in Nakhon traditionelle Auffuehrungen zu sehen. Im Handicraft Center des suedlichen Tempelbereichs von Wat Mahathat kann man neben Kunstgewerbeartikeln der Region auch die flachen Figuren des Wayang-kulit-Spiels (wayang=Schatten, Gespenst; kulit=Leder) erstehen. Aber wer wirklich alte Lederpuppen sucht, muss eine Werkstatt fuer diese aussterbende Kunst aufsuchen.



    Nach soviel Kultur lockt die Natur. Das die Stadt beherrschende, 1835 m hohe, dschungelbedeckte Gebirgsmassiv Khao Luang, seit 1974 Nationalpark mit 571 qkm, liegt nur 29 km westlich der Stadt. Es ist trotz herrlicher Wasserfaelle und Grotten wenig bekannt und wartet darauf, von Farangs entdeckt zu werden.

    Gruss
    HPollmeier









  2.  
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  3. #12
    Avatar von Samuianer

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    Re: Siams Sueden

    Die Umsetzung einer Idee, in die Dame mit den vielen Fischhaken un der Angel finde ich grandios!

    Seit Langem mal wieder ein Beitrag mit Inhalt!

  4. #13
    Avatar von ChangLek

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    Re: Siams Sueden

    ......vielen Dank für den -Bericht. Bei einer Bahnfahrt von Bangkok nach Surat Thani gab es entlang der Strecke sehr viel schönen an Landschaft etc auf dieser Seite des Golfs zu sehen. Im diesjährigen Urlaub werden wir mal hier oder dort Station machen. Den Dreihundert-Gipfel-Park vielleicht..... :-) :-)

  5. #14
    Avatar von HPollmeier

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    Re: Siams Sueden

    Hallo interessierte Leser,

    in Nakhon Si Thammarat oder auch Songkhla hat man noch die Chance, ein traditionelles Schattentheater zu sehen.

    Aber bei den Bildern bitten wir um Nachsicht, weil wir seinerzeit versäumt haben, bei den erlebten Aufführungen gute Bilder zu machen. Als Ersatz weisen wir auf einige sehenswerte Webseiten hin.


    3. 2 Schattentheater
    © Pollmeier

    1. Das klassische thailaendische Schattentheater, der Nang oder NangTalung, war frueher in der siamesischen Gesellschaft hochgeschaetzt. Koenig Mongkut (1851-1868) liebte ihn ganz besonders. In Bangkok ist er praktisch verschwunden. Die Spezialisten dieser Kunst sterben aus.




    Warum bringen wir dann alte Kamellen? Es gibt nach C. G. Jung Archetypen, Urformen des kollektiven Unbewussten im Menschen, die die ererbte Grundlage unserer Persoenlichkeitsstruktur bilden. Denken wir an die duesteren Silhouetten der Hoehlenmalereien, an den Hades der Griechen, den Orkus der Roemer, die Totenreiche unter der Erde! Schatten sind die dunklen Seiten unserer Existenz. Tag und Nacht, Finsternis und Feuer, Luzifer und Engel, Licht und Schatten sind ohne Zweifel Urphaenomene der Erde. Wie fasziniert heutzutage noch ein kosmisches Schauspiel, wenn der Schatten des Mondes ueber die Erde wandert.



    In Thailand wurde der Nang durch die malaiischen Koenige von Srivijaya eingefuehrt. Im Sueden des Landes hat sich die Tradition am besten erhalten. Stephan S. Kurz sagt „Im Wesentlichen lassen sich fuenf verschiedene Theatergattungen in Thailand auffuehren... Der Khon... der maskenlose Lakhon... das Likay. Zwei weitere Formen sind der Hun und der Nang, beides Puppentheater. " Beim Nang werden aufwendig gestaltete, detailreiche zweidimensionale Figuren aus Rinderhaut durch eine Lampe auf eine Wand projeziert und erzaehlen vorwiegend Episoden aus dem Ramakien... Der Hun ist ein Marionettentheater, seine Puppen werden auf Staeben gefuehrt."



    Wer ein gutes Schattenspiel in Nakhon Si Thammarat, in Phatthalung – das thailaendische Schattentheater ist nach dieser Stadt benannt, denn ´nang´ bedeutet Rohhaut, das ungegerbte Leder - oder - eher selten - auf dem Nachtmarkt von Krabi gesehen hat, wird die Antiquitaetenhaendler in Bangkok ´abgrasen´, um die flachen und bemalten, aus gegerbtem Leder ausgestanzten und an Bambusstaeben befestigten Figuren zu erstehen. Die indonesischen Wayang Kulit-Puppen sind individueller gestaltet und haben bewegliche Arme, waehrend die grossen thailaendischen Figuren eine suggestive Wirkung ausueben.



    Ursprung und Bedeutung
    Die Wiege des Schattentheaters liegt im Fernen Osten. Aber wie so oft streiten sich die Gelehrten, ob die Urspruenge in China, Indien oder Indonesien zu suchen sind. Jedenfalls ist das Schattentheater in Asien die aelteste Form der dramatischen Darstellung - und auf sehr hohem Niveau.



    Erste schriftliche Aufzeichnungen stammen aus dem China der Sung-Dynastie um 1000 n.Chr. Die Schattenspiele sind wahrscheinlich viel frueher entstanden, denn eine chinesische Legende aus dem Jahre 121 v. Chr. erzaehlt von einem Magier, der am Hofe des Kaisers Wu (140-87 v. Chr.) Schattentheater veranstaltete.



    Die Lieblingsgemahlin des Herrschers war gestorben. Der Kaiser fiel in tiefe Betruebnis, die Untertanen konnten ihn nicht aufheitern. Eines Tages erschien Shao Wong und versprach, die Gestalt der toten Gattin wiedererstehen zu lassen. In der Dunkelheit spannte er einen Vorhang und haengte eine Lampe dahinter. Zwischen Lampe und Stoff hielt er eine Frauenfigur und projizierte auf die Leinwand einen Schatten; er glich dem Aussehen der Verstorbenen.

    Chinesische Theaterauffuehrungen – wie hier in Phet Buri – sieht man in Thailand noch recht haeufig:



    Bei allen Theorien ist unstrittig: Schattentheater ist religioeser Ahnendienst. Die chinesische Legende betont diesen Aspekt. Die Lederfiguren sind personifizierte Ahnen, die im Rang von Goettern stehen, oft sind sie bedeutsame Fuehrer und Helden. Die Lebenden wuenschen den Segen der Ahnen. Der Schattenspieler ist Botschafter, vermittelt sozusagen ueber die Figuren zwischen den Welten, beschwoert Goetter und Geister, wenigstens fuer die Spieldauer und moeglichst darueber hinaus unter den Irdischen zu weilen.



    Schattentheater ist Kult. Figuren, die auf dem Schattenschirm erscheinen, sollen helfen, vor Unbill zu schuetzen, boese Geister zu vertreiben, eine gute Ernte zu erlangen oder von Krankheiten zu heilen. Indonesische Schattenspieler sind durchweg Priester, sie opfern den Goettern, bevor sie mit dem Spiel beginnen. Und sie spielen bei vielen Gelegenheiten, z. B. wenn ein neuer Lebensabschnitt beginnt oder eine wichtige Entscheidung ansteht: Hochzeiten und Einaescherungen, Feierlichkeiten zur Geburt eines Kindes oder zur Tempeleinweihung.



    Schattentheater ist religioese Tradition. In vielen Laendern Asiens treten mythisch-religioese Personen auf. Anhand der wechselvollen Geschichte der Helden aus den Hindu-Epen Ramayana und Mahabharata laesst sich z. B. eine gemeinsame Wurzel aus Indien ueber Kambodscha, Thailand und Malaysia bis nach Indonesien verfolgen. In unterschiedlichen Kulturen erzaehlen die Dramen vom ewigen Kampf zwischen Gut und Boese.



    Schattentheater ist Unterhaltung. Im chinesischen Spiel werden neben buddhistischen und taoistischen Legenden und Zauberdramen profane historische und aktuelle Themen aufgefuehrt. Die fast voellig verschwundenen tuerkischen Karagoez-Komoedien sind z. B. reine Volksbelustigung.

    Die thailaendischen Lederfiguren aehneln sehr stark den indonesischen, wie z. B. dem nachstehenden Gott Rama aus dem Wayang Museum in Jakarta:



    Herstellung der Figuren
    Die traditionellen Schattenfiguren fertigt man aus den Fellen vom Bueffel oder Rind, in China auch vom Esel. Die Haeute werden nach dem Abdecken gewaschen und in der Sonne getrocknet, die Oberflaeche wird bis zur Transparenz geschabt, die Tierhaut in Kalkloesung geschmeidig gemacht. Wiederholtes Einweichen, Schaben und Trocknen stellt die erforderliche Staerke her. Aus den praeparierten Haeuten werden die Figuren geschnitten, meist nach besonderen Regeln bemalt und vor allem in Indonesien mit Ornamenten versehen; mit kleinen, unterschiedlichen Meisseln wird das Leder durchbrochen. Beim Bemalen wird die Transparenz der Figuren in Indien, China und teilweise Thailand erhalten, in Malaysia und Indonesien aufgehoben.

    Aber bei uns verblassen die Farben nach einigen Jahren doch arg, wenn man sie nicht pfleglich behandelt; der "Gunungan", der Baum des Lebens, ist sozusagen verdorrt – da hilft auch keine Phototechnik:







    Hier blueht er noch in voller Pracht:

    http://images.google.de/imgres?imgur...lr%3D%26sa%3DG

    Auch bei diesem Haendler strahlen die Figuren noch intensiv; da er unseren Text ohne ausdrueckliche Genehmigung benutzt, revanchieren wir uns mit Bild-Anleihen:

    http://www.kaufraum.de/basar/exit-search/index.html

    (Suchwort Schattenspiel eingeben!)

    Wenn man Figuren ´scannt´, kann man noch ein wenig Farbkraft herausholen:







    Spieltechnik
    Die Spielfiguren werden durchweg hinter einer weissen, beleuchteten Leinwand gefuehrt, das Publikum sitzt meist vor dem Schirm und sieht die ueberwiegend durchbrochen gearbeiteten Figuren. In Thailand treten die Spieler bei den seltenen Auffuehrungen mit den alten Nang Yai-Figuren vor die Leinwand, die von hinten erhellt wird. Sie versuchen, die Bewegungen ihrer Figuren im Tanz nachzuahmen. Auf Bali und Java koennen sich die Zuschauer aussuchen, von welcher Seite sie das Spiel verfolgen wollen.





    Jede der bis zu zwei Meter hohen indischen, thailaendischen und kambodschanischen Figuren wird von einem Spieler bedient, so dass ohne die Musiker bis zu zehn Personen ein Stueck auffuehren. In China und der Tuerkei begleiten mehrere Mitarbeiter einen Spielleiter, in Suedthailand, Malaysia und Indonesien wird der Spieler hoechstens von zwei Assistenten bedient, die die Figuren anreichen. Die Chinesen arbeiten mit vielfaeltigen Kulissen, die in Thailand und Indien nur in einem Schattenbild dargestellt werden. Die malaysische und indonesische Buehne regt die Phantasie der Zuschauer nicht zusaetzlich an.

    Gruss
    HPollmeier

  6. #15
    Avatar von HPollmeier

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    Re: Siams Sueden

    3. 3 Schattentheater heute

    In China und Malaysia besucht man haeufig das Spiel der Schatten, waehrend es in den anderen Laendern nur wenige Auffuehrungen gibt.



    Und nun zwischendurch in lockerer Folge eigene indonesische Wayang Kulit-Puppen, ´gescannt´ und bearbeitet:







    Lediglich auf Java und Bali ist das Schattentheater dank jahrhundertelanger Traditionpflege noch fest im taeglichen Leben verankert. Die Massenmedien uebernehmen die Helden der eigenen UEberlieferung in Radio, Film und Fernsehen, sogar in Comic-Serien. Das indonesische Wayang Kulit - "Schatten aus Leder" - hat mit hinduistischen Inhalten den Islam ueberlebt und interpretiert auf seine Art die Verbundenheit mit dem Jenseits.



    Literatur und Quellen:

    Deutsche Buecher - ohne Anspruch auf Vollstaendigkeit:

    Unter

    http://members.aol.com/schattentheater/literature.htm

    Grube, Wilhelm, Chinesische Schattenspiele, Muenchen, 1915.
    Kaminski, Gerd, Unterrieder, Else, Der Zauber des bunten Schattens.
    Chinesisches Schattenspiel einst und jetzt, Klagenfurt,1988.
    Simon, Rainald, Das chinesische Schattentheater (Katalog der Sammlung
    des Deutschen Ledermuseums Offenbach am Main), Melsungen, 1986.
    Simon, Rainald (Hg.), Chinesische Schatten: Lampenschattentheater aus
    Sichuan; die Sammlung Eger, Deutscher Kunstverlag, Muenchen, 1997.

    Buecher zur Schattenspielpraxis finden Sie unter

    http://www.schattentheater.de



    Weitere Internethinweise:

    http://members.aol.com/schattentheater/museums.htm

    Relativ viele Voelkerkunde- und Theatermuseen haben chinesische Schattenspielfiguren in ihren Bestaenden, aber nur wenige verfuegen ueber eine ausstellungswuerdige Sammlung. Im folgenden sind die wichtigsten Museen in Deutschland aufgefuehrt:

    Ledermuseum Offenbach:

    http://www.ledermuseum.de/inhalt_d/vo_3_d.html

    Das Ledermuseum besitzt die vermutlich groesste oeffentliche Sammlung an chinesischen Schattenspielfiguren ausserhalb Chinas. Den Grundstock bilden zwei sehr umfangreiche Saetze aus Peking, die in den dreissiger Jahren erworben wurden. Spaeter wurden weitere Saetze aus den Provinzen Hubei und Gansu erworben. Ferner werden einige Figuren aus Chengdu (Provinz Sichuan) ausgestellt.

    Stadtmuseum Muenchen: http://www.stadtmuseum-online.de/

    Das Stadtmuseum hat einen Satz grosser Figuren aus Chengdu (Provinz Sichuan) in seinem Besitz



    Filmmuseum Duesseldorf

    http://www.duesseldorf.de/kultur/filmmuseum/index.html

    1993 erwarb das Filmmuseum der Landeshauptstadt Duesseldorf eine Sammlung aus dem Privatbesitz von Dr. Max Buehrmann und Hans-Joachim Kemper

    Sonstige Texthinweise:

    http://www.schattentheater.de

    Um Interesse zu wecken, zitieren wir kurz:

    "Das europaeische Schattentheater:

    Auf dem Weg ueber die alten Handelsstrassen kam das Schattentheater um 1650 nach Europa. Doch der einseitig vom Intellekt gepraegte Europaeer konnte mit dem unfassbaren Schatten und der Schattenfigur wenig anfangen. Dem Europaeer liegt die "begreifbare" , dreidimensionale Figur der Marionette oder die Handpuppe naeher. Die Schattenfigur entstammte einem Kulturraum, in dem die hinter der Wirklichkeit liegende Welt, die Meditation, Stille, Spiritualitaet eine wichtige Rolle spielte. Traum und Wirklichkeit sind fuer den fernoestlichen Menschen bis heute keine Gegensaetze.



    Nur einmal in der Neuzeit kam das europaeische Schattenspiel zu wirklicher Bluete, und das geschah - wen wundert´s - in der Zeit der Romantik. Goethe, Brentano, Moerike, Uhland, Kerner u.a. schrieben Stuecke fuer Schattentheater und veranstalteten selbst Schattenspiele. Damals gehoerte das Spiel mit den Hand- und Koerperschatten und das Schneiden von Silhouetten in jedem buergerlichen Haus zum guten Ton. In Paris feierte das beruehmte Schattentheater ‚Le Chat Noir’ Triumphe."

    http://home.t-online.de/home/puppent...ch/geschi3.htm

    Kurzes Zitat:

    "In fast allen Laendern gibt es kasperaehnliche Figuren. In Holland den Jan Klaassen, in Daenemark den Mester Jackel, in Russland gibt es Petruschka, in Rumaenien den Vasilache usw. Sie alle kaempften erfolgreich gegen Hexen, Tod und Teufel, gegen das Krokodil und die Obrigkeit.

    Eine Besonderheit der Handpuppenspieler frueherer Zeiten war in einigen Laendern das Mitwirken lebender Tiere auf der Buehne. So wurden in Frankreich die Katze, in Boehmen Meerschweinchen und in England der Hund Toby ins Spiel einbezogen. Zum Vergnuegen der Zuschauer biss der Hund Toby auf Kommando seinem Gegenueber in die Nase."

    Abschliessend ein herrlicher Artikel von Hans Rudolf Reust:

    http://www.museenkoeln.de/ausstellun...kes/reust.html

    P. S.: - von Werner Nekes:

    http://www.wernernekes.de/vhs019.html

    http://www.wernernekes.de/vhs020.html

    "media magica ist eine video-reihe ueber optische unterhaltung, ueber optische effekte und optisches spielzeug. werner nekes ist einer der besten kenner der materie und beschaeftigt sich seit jahrzehnten mit dem thema. ausserdem kann er fuer seine filme auf eine der groessten und besten sammlungen mit optischen geraeten zurueckgreifen. nekes-videos machen die funktion der einzelnen geraete auf faszinierende weise anschaulich."

    Die Filme sind nur in thailaendischer Original-Sprache und nur auf VHS erhaeltlich; Bestellungen:

    http://www.wernernekes.de/shop_haupt.htm

    Unseren Artikel kann man auch ueber diese Bilder ausdrucken:







    Gruss
    HPollmeier

  7. #16
    Avatar von HPollmeier

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    Re: Siams Sueden

    Hallo!

    Eine Vorbemerkung zu den Bildern: Wer zum Thale Noi-Suesswassersee aufbricht und gute Bilder machen will, sollte zumindest eine ´lange Tuete´ mitnehmen. Um naeher an die Voegel heranzukommen, auf Auslegerboote verzichten und sich staken lassen! Auch das Panorama – kleine Uebersicht ueber Panoramaphotographie unter

    http://www.panoramic-shot.com/links.htm

    ist grandios; Profis schleppen aus diesem Grund eine Horseman SW612 Professional

    http://www.horsemanusa.com/sw612.html

    oder noch bessere Geraete mit. Ein Stativ werden sie aber nicht einsetzen koennen; da muesste man das Boot zum Schwankungsausgleich schon auf eine Oelplattform wuchten.

    Wir waren nicht optimal ausgeruestet, darum sind auch fast alle Bilder verwackelt. Ausserdem sind sie uralt. Wir mussten hier und da ein Hochpass-Filter verwenden, um ueberhaupt noch etwas herauszuholen. Dennoch vermitteln sie vielleicht einen vagen Eindruck von der Schoenheit dieser Landschaft.




    Siams Süden –

    4.1 Songkhla
    © Pollmeier

    Vornehme Blaesse wird wieder modern. Die wachsende Ozonbelastung laesst uns auf Opas Bademode zurueckgreifen. In Siams moslemischem Sueden erregt man damit kein Aufsehen, wussten die Thais doch immer, was in der Sonne gesund ist. Mit Hemd und Hose springen sie in die warme Gischt der Brandung, z. B. in Songkhla.




    Wo das "Binnenmeer" Thale Sap in den Golf uebergeht, am Ende einer 80 km langen Landzunge, bildet ein Kanal ideale Voraussetzungen fuer einen natuerlichen Schlupfhafen an der sonst gradlinigen westlichen Kueste des Golfs von Thailand. Verstaendlich, dass diese guenstige Stelle seit Urzeiten besiedelt und nicht minder alt ist als Ligor, das heutige Nakhon Si Thammarat. Jetzt ist die schmale Einfahrt fuer die grossen Schiffe nicht tief genug, sie gehen zwischen der Kueste und den Inseln Koh Meo und Koh Nu vor Anker, die wegen ihrer bizarren Silhouette "Katz- und Mausinseln" genannt werden.



    Songkhla, auf einer Landzunge an drei Seiten von der See umgeben, hat seine Bedeutung als Hafen- und Handelsstadt eingebuesst und wurde vom nahegelegenen, groesseren Hat Yai ueberfluegelt. Es besitzt eine Universitaet, ein modernes Technikum und ein Nationalmuseum, hat aber bisher dem Bauboom widerstanden, der so vielen siamesischen Staedten ihre Schoenheit raubte. Darum ist der altertuemliche Zauber und Charme dieses Staedtchens geblieben, der Reiz seiner alten Strassen mit den ziegelgedeckten Haeusern, seine immergruenen, schattigen Baeume an endlosen Sandstraenden.



    Eine farbige Mischung aus buddhistischen Thais, muslimischen Malaien und Chinesen bevoelkert die Provinzhaupt- und Loewenstadt, denn Singha-la wurde sie von indischen, persischen und arabischen Haendlern genannt. Das indische Singh (Loewe) gab auch dem praechtigen Singapur am Ende der Malaiischen Halbinsel den Namen.



    Im tiefen Sueden Thailands, rd. 1.000 km von Bangkok entfernt, ist manches anders als im uebrigen Land: Klima, Religion, Kultur und Sprache.

    Die Regenzeit ist laenger und niederschlagsreicher, die feuchtesten Monate sind Dezember und Januar mit ausgepraegtem Monsunklima; dann haben Bangkok und der Norden die kuehlste und trockenste Witterung. Der Einfluss der malaiisch-indonesischen Kultur ist noch ueberall lebendig, 500 Jahre Srividjaya-Dynastie haben tiefere kulturelle Spuren hinterlassen als die spaetere politische Vorherrschaft der Thais. Das islamische Thailand fuehlt sich der buddhistischen Mehrheit (95%) des Landes nicht zugehoerig, die Menschen in den suedlichen Provinzen sprechen entweder den suedlichen knappen und schnellen Dialekt oder malaiisch. Auch die Kueche aehnelt der Malaysias eher denn jener Zentralthailands.





    Der heitere Erholungsort laedt zu Muessiggang und Bummeln ein. Im Schatten der Kasuarina-Baeume kann man den etwa 5 km langen Samila Strand, dem aeltesten Badestrand der Stadt, bis zum muslimischen Fischerdort Khao Seng folgen, an der Muendung eines kleinen Flusses gelegen. Die Huetten sind auf Pfaehlen im Wasser gebaut und draengen sich aneinander unter einem gruenen Dach von Kokospalmen. Gleich parkenden Autos liegen die buntbemalten, mit Schnitzereien reichverzierten Boote im schneeweissen Sand. Der Seewind treibt den strengen Geruch getrockneten Fisches herueber.





    Im Nordosten der Stadt steht neben dem Samila Hotel eine Steinfigur, eine schoene Nackte, die ihr langes Haar kaemmt. Das Denkmal der Seejungfrau, das Wahrzeichen der Stadt, ist dem Kopenhagener Vorbild verblueffend aehnlich. Thai-Maedchen lieben es, sich in der anmutigen Pose der nordischen Schoenen fotografieren zu lassen.


    Gruss
    HPollmeier

  8. #17
    Avatar von HPollmeier

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    Re: Siams Sueden

    Hallo!



    4.2 Dahinter beginnt eine schmale, sandige Landzunge, der Son-Onn-Strand mit vielen Seafood-Restaurants, beliebter Spazierweg am spaeten Nachmittag oder Abend. Die vielen Restaurants und Imbissstuben sind eine Einladung - man sollte sie nutzen. Wer schon einmal in Hua Hin Meeresgerichte geschlemmt hat, wird staunen, zu welch niedrigen Preisen man sich hier kugelrund geniessen kann.




    An zwei Seiten von Wasser umgeben, sind die Suedthailaender ein Volk von Seefahrern und Fischern. Eine natuerliche Folge dieser Meerverbundenheit ist ein reichhaltiges Angebot an Fischgerichten. Man kann sich die frischen und ungekochten Delikatessen aussuchen und zusammenstellen, sie werden immer koestlich zubereitet. Wo findet man anderenorts Krebsscheren mit Curry, einen Pla Kapong Khao Thawt, gebackene Suesswassergarnelen oder Pla Tuk Phat Phet, gebackener Katzenwels in Chili und Basilikum? Feinschmecker werden nicht versaeumen, im Fischereihafen mitzuerleben, was die Gewaesser um Songkhla an Meeresgetier noch hergeben. Angler sind gut beraten, ihre Ausruestung mitzubringen und sich ein Boot zu chartern oder ihr Glueck an den Binnenseen zu versuchen. Das ist jungfraeuliches Terrain fuer unsere Fangmethoden.







    Wer hohe Luftfeuchtigkeit vertraegt, sollte in der Regenzeit kommen; es regnet ja nicht den ganzen Tag lang. Trifft man in der Saison unter vielen einheimischen und malaiischen Urlaubern wenige weisse Gesichter, kann man ausserhalb der Saison ohne jeden Touristenrummel seine Unternehmungen starten: Stadtrundgang auf der Suche nach der eigenartigen Mischarchitektur aus chinesischen, portugiesischen und malaiischen Einfluessen, der Tempelkomplex von fast 500 Jahren im Herzen der Stadt, das Nationalmuseum mit wertvollen Stuecken aus der Srividjaya-Zeit.



    Naturfreunde werden auf dem Weg nach Phatthalung in aller Fruehe - die beste Zeit ist von Nov. bis Febr. - beim Dorf Khu Khut zum groessten Vogelschutzgebiet Asiens aufbrechen und sich mit einem Boot in das 520 qkm grosse Lagunengebiet begeben - ein einmaliges Erlebnis.







    Es gibt Leute, die verdraengen im Urlaub einfach die moderne Wirklichkeit und lassen sich von Traumbildern hochschaukeln. Aber nirgendwo auf der Welt entgehen wir dem Profitstreben und der Naturzerstoerung. Die lange, vor einigen Jahren noch fast unberuehrte Nehrung zwischen dem Binnenmeer Thale Luang und dem Golf bietet Anschauungsunterricht in krassester Form: Die fuer die Natur wertvollen Mangrovenwaelder sind Shrimpsfarmen gewichen, Commerz frisst gnadenlos die Natur und zerstoert sie, denn die Boeden sind nach einigen Jahren durch Chemie und Salzwasser hoffnungslos verseucht.



    Aber als Europaeer koennen wir nicht die Nase ruempfen: Bei uns boomt die Aquakultur wie die Agroindustrie. Vergleichbar mit der thailaendischen Garnelenzucht wurden aus Fischern Meeresfarmer. So bilden in riesigen Fischfarmen an der Westkueste von Schottland, eine der bisher unverdorbensten Landschaften Europas, schwimmende Kaefige den Teil einer Industrie, die durch ungehemmtes Wachstum ausser Kontrolle geraet. Der wilde Edelfisch Salmo Salar wird in Kaefige gezwaengt, wie Schweine gemaestet, von Parasiten befallen und in Pestiziden gebadet - und die wunderschoenen Seen werden tote Gewaesser, dead lochs.







    Gruss

    HPollmeier

  9. #18
    Avatar von HPollmeier

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    Re: Siams Sueden

    Hallo!

    4.3 Da freut man sich wieder auf ein so liebenswertes Staedtchen wie Phatthalung, malerisch in einer ausgedehnten Reisebene - ein seltener Anblick im Sueden - zwischen zwei Kalksteingipfeln gelegen.




    Um den Khao Ok Thalu (Berg mit dem durchbohrten Herzen) und dem Khao Hua Taek (Berg mit dem gespaltenen Kopf) ranken sich wilde Eifersuchtssagen. Das urspruengliche Nang Thalung, das thailaendische Schattentheater, ist nach dieser Stadt benannt, denn nang bedeutet Rohhaut, das ungegerbte Leder.



    Das kleine, uebersichtliche Phatthalung glaenzt nicht mit grossartigen Kloestern und erlesenen Kunstgegenstaenden, dafuer bietet die Umgebung reiche Abwechselung mit Grotten und Hoehlen von mystischer Atmosphaere. Die buddhistischen Hoehlentempel des Wat Kuha Sawan dienten wohl schon in der Srividjaya-Periode als Meditationstempel. Die Anlage vermittelt einen Einblick in ein typisch thailandisches Kloster, das noch nicht als Attraktion vermarktet wird. Auch das Hoehlenkloster Tham Malai sollte man aus diesem Grund besuchen; es bietet von oben einen herrlichen Rundblick von den Bergen im Westen bis zu den grossen Binnenseen und dem Meer im Osten. Heisse Quellen und Kaltwasserteiche findet man etwa 20 km suedlich beim Dorf Khao Chai Son, die Wasserfaelle kann man gar nicht alle aufzaehlen. Da ist ein Reisefuehrer behilflich.



    Nun hat jeder Besucher seine Liebhabereien. Wir fahren immer gern zum Thale Noi-Suesswassersee rd. 30 km nordoestlich der Stadt, ein Vogelschutzgebiet. Die Bootsmotoren - das muesste ja nicht sein - scheuchen Unmengen von Wasservoegeln auf, wenn sich die Ausleger in den Wasserpflanzen festfressen, und man muss schnell reagieren, um brauchbare Fotos zu schiessen. Die Einheimischen staken mit Flachbooten durch die "Everglades" und ernten das Riedgras Don Kok, das zu Fussmatten verarbeitet wird. Der auffaelligste Wasservogel sei der "Nok I Kong", schreibt ein Reisefuehrer, "mit seinen langen komischen Beinen, die wackeln wie das schlecht funktionierende Fahrgestell eines Flugzeugs, wenn er auffliegt." Kein schlechter Vergleich!



    Starten Sie frueh und nehmen Sie einen Picknickkorb mit! Mitten im See befindet sich ein Pavillion, der zur Brotzeit einlaedt. Mit Fernglas, Singha-Bier und Durian



    - meine Lieblingsfrucht, hier auch immer im Winter zu haben -

    ein vollkommener Tag - was will man mehr im Sueden Siams?


    Gruss
    Heinz









  10. #19
    Avatar von Loso

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    Re: Siams Sueden

    Ich weiss zwar dass da noch was kommt, bedanke mich aber schonmal für die stundenlange Arbeit (bzw. über die Jahre Tage), die dich dieser Bericht gekostet hat. Sehr schönes Vorwort.

  11. #20
    Avatar von HPollmeier

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    Re: Siams Sueden

    Mann, Loso,

    das hast Du aber lieb gebracht und haust einen alten, ruppigen Zausel damit um.

    Gruss
    HPollmeier

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