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5exworker und Schmiergelder - Hinter dem Rampenlicht!

Erstellt von Serge, 19.08.2003, 09:40 Uhr · 10 Antworten · 1.528 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Serge

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    5exworker und Schmiergelder - Hinter dem Rampenlicht!

    Aus der Bangkok Post - dachte es interessiert Euch vielleicht.
    Serge

    Willst Du dabei sein musst Du zahlen!
    Von
    Supradit Kanawanich, Bangkok Post August 17th

    “Viele Leute glauben, dass die Polizei nur Schmiergelder von reichen Leuten verlangt. Aber wir, die wir als 5exworker arbeiten, muessen mehr als die Haelfte dessen, was ein Kunde uns gibt, an die Polizei weitergeben” erzaehlte uns eine Masseuse.

    Sie hat gerade eines der bekanntesten Etablissements in der Ratchadaphisek Road verlassen. Es ist kurz nach ein Uhr nachts, sie wartet auf ein Taxi. Sie war nicht bereit, irgendetwas ueber sich selbst zu erzaehlen, oder die Beschwerden von Chuwit Kamolvisit, Besitzer vieler Massagepalaeste, ueber die vielen Handgelder an die Polizei zu unterstuetzen.

    Chuwit behauptet gegenueber der Presse, dass die regelmaessigen Zahlungen an Polizeibeamte in Huay Kwang, Suthisarn, Makkasan und Wang Thonglang – die Standorte seiner Lokalitaeten – und hochrangige Mitglieder der Bangkok Metropolitan Police Commission, ihn mehr als 12 Mio. Baht pro Monat kosten.

    Die mitte 20 Jahre alte Masseuse sagte weiter, dass sie von den 1,900 Baht, die sie fuer 90 Minuten Massage von ihrem Kunden erhaelt, nur 700 Baht behalten kann. “Ich muss den Haushaelter und den Vermittler, der mir die Kunden bringt, als erstes bezahlen. Ein Satz von 70:30 oder 60:40 von meinen Einnahmen ist hier voellig normal.”

    Ihr Etablissement hat fast 200 Masseusen und eine grosse Anzahl von Reinigungspersonal, Haushaeltern, Verwaltungsangestellten, Kassierer, Tuersteher, Parkplatz Service, Security, Elektriker und Haustechniker.

    Sie lehnte es ab, ihre monatlichen Einkuenfte zu offenbaren, sagte aber: “Ich kann monatlich eine ganze Menge Geld sparen. Das mache ich jetzt schon seit einigen Jahren. Bald werde ich den Job aufgeben und nach Hause zurueckkehren.”

    Sie lehnte es ab, uns ihren Heimatort oder gar die Provinz mitzuteilen, aber ihr noerdlicher Akzent verriet sie ein wenig. Sie sagte: “Ich verstehe, das die Besitzer Handgelder verteilen muessen, sonst waere das Geschaeft hart und gemein. Ich weiss auch, das die Handgelder an die Polizei enorm hoch sind und jeden Monat bezahlt werden muessen. Das ist alles was ich weiss.” Sie fuegte noch hinzu: “Manchmal halten hier Polizeiwagen, aber die machen uns keine Probleme. Ich weiss nur, dass die monatlich lai muen Baht (mehrere zehntausend Baht) von meinem Gehalt einziehen.”, waehrend sie schnell in einem vorbeifahrendem Taxi verschwindet.

    Schutzgeld
    Aus einer Gruppe von Masseusen in der Naehe eines Massageparlours erklaerte sich nur Tuk bereit, zu uns zu sprechen, und auch nur ein wenig. “Ich verstehe dass das Massagegeschaeft einige Haende von Polizei und Offiziellen schmieren muss, ansonsten waere es mit dem Gaschaeft vorbei. Ich weiss aber nicht, was das Geschaeft falsch macht. Wir machen nichts Verbotenes.” Sagte sie. Tuk erzaehlte weiter, das sie ihr Dorf im Norden nach dem Scheitern ihrer Ehe verliess. “Ich hab einen juengeren Bruder und eine Schwester, die ich zur Schule schicke. Ich schicke auch meinen Eltern monatlich Geld. Ich kam vor ein paar Jahren nach Bangkok. Eine Freundin erzaehlte mir von den Jobs in den Massagepalaesten. Sie sagte mir auch, wieviel ich dort verdienen koennte. Ich schaetze ich arbeite noch weitere 10 Jahre hier, bis mein Bruder und meine Schwester ihre Schule oder Universitaet beendet haben. Und dann werde ich meinen “Badewannen Job” aufgeben.” Sagte Tuk.

    Tuk weiss, dass ein Teile ihres Gehaltes zur Polizei geht, damit diese das 5ex Business ignoriert. Obwohl sie nicht bereit war zu sagen, wieviel sie tatsaechlich monatlich verdient, meinte sie: “Es ist eine grosse Summe, und ich bin zufrieden mit dem was ich sparen kann. Ich baue ein Haus fuer meine Eltern fuer lai saen (mehrere Hunderttausend Baht) Baht, und werde bald auch Land und eine Farm fuer sie erwerben. Es ist mir egal, wohin das Geld geht, solange ich keine Probleme bei der Ausuebung meines Jobs habe. Ich weiss, es ist eine Art Schutzgeld, welches ich einfach bezahlen muss, will ich diesen Job.”

    Arbeiten bis zum Tod
    “Schmiergelder sind seit langem bekannt, aber nichts wurde unternommen.” Sagte Surang Janyam, Koordinator des Empower Patpong Center, welches sich fuer die Rechte der 5exworker stark macht. “Jetzt, wo die Oeffentlichkeit weiss, dass auch die aermeren Schutzgelder bezahlen muessen, an einflussreiche Gruppen, an Behoerden, die nichts fuer sie tun. Jetzt, da die Wahrheit ueber Schutzgelder und Schmiergelder an das Tageslicht kommt. Jetzt wird die Oeffentlichkeit feststellen, das es schon seit langem ueblich ist, nicht nur in den Grauzonen, sondern auch zwischen ehrenhaften Geschaeftsleuten und den Behoerden. Wie auch immer, diejenigen, die diese Gelder annehemen, tun rein gar nichts, um den 5exworkern zu helfen. Die Gelder helfen eher nur, ihren ohnehin vorhandenen Einfluss weiter zu vergroessern, waehrend die Worker und die Betreiber keine andere Wahl haben als zu zahlen.”

    “Es gab schon unzaehlige Enthuellungen ueber Schmiergelder und das 5ex Business, aber nichts ist geschehen. Jetzt langsam erfaehrt die Oeffentlichkeit mehr darueber. Auch die kleinen Fische muessen bezahlen, aber zu ihrem Schutz, zu ihrer Hilfe wird seitens der Behoerden nichts unternommen. Die 5exworker sind verzweifelt. Sie haben meisten keinerlei Ausbildung, sie haben keine Wahl, sie haben kein Zuhause. Haetten sie dies, waeren die meisten wohl nicht in diesem Geschaeft. Sie wuerden heute gehen waeren sie stark genug.”

    Surang sagt, das die Schmiergelder die Probleme der Prostituierten nicht schmaelern. “Das einzige was passiert, ist das die Behoerden und Beamten reicher werden, mehr Einfluss erhalten, und mehr Macht. Waehrend die 5exworker nichts zurueckbekommen. Die konnen nur arbeiten bis zum Tod. Darum haben wir vor 18 Jahren Empower gegruendet – um die Fuersorge und somit die Situation fuer die weniger gluecklichen in diesem Geschaeft in Patpong und anderen .......en im ganzen Land zu verbessern.”

    Die Geschichte von Da
    Da ist 25, sie ist von Nakhon Ratchasima. Wahrend des Unterrichts in einer inoffiziellen Empower Schule erzaehlt sie uns, dass sie nie daran dachte, als Bargirl zu arbeiten. “Aber ich war fast vier Monate arbeitslos in Bangkok. Ich brauchte Geld, fuer mein Baby, meine Mutter, meine Schwester, und meinen tauben Bruder. Das war kurz nach meiner Scheidung.”

    “Da sind soviele Regeln in einer Bar. Brichst du die, wird dein Gehalt gekuerzt. Mein monatliches Gehalt sind 2,500 Baht. Am Ende bekomme ich aber meistens nur 500 oder 1,000. Wenn ich mit einem Mann mitgehe, kann ich ueber 20,000 Baht pro Monat verdienen. Die Regel besagt, ich muss mit diesem Mann mindestens viermal pro Monat ausgehen. Eine andere Regel sagt, das wenn immer ich mit ihm gehe, ich dem Barbesitzer 500 Baht zahlen muss.”

    Da arbeite seit knapp einem Jahr in Patpong. “Zur Zeit habe ich keine Idee, wie meine Zukunft aussehen wird. Ich hatte den Traum, Kosmetikerin zu werden, aber zu allererst muss ich meine Familie ernaehren.”

    Der Barbesitzer von Da’s Bar hat den Girls erzaehlt, das eine Bar zu unterhalten es vieler Ausgaben bedarf und nicht einfach ist. “Ich habe Maenner kommen sehen, immer wieder die Gleichen, die kommen regelmaessig. Die pruefen irgendetwas mit dem Kassierer, und dann verschwinden sie wieder. Ich hab gehoert, dass ohne diese Maenner die Bar geschlossen wuerde und ich waere wieder arbeitslos. Ich weiss, die kriegen Geld, aber ich weiss nicht wieviel. Ich weiss nicht mal wer die sind oder wo die herkommen.”

    Die Maedchen bestaetigten was uns die Taxifahrer von Patpong bereits berichteten – die Taxifahrer muessen auch bezahlen. Wenn nicht duerfen sie keine Farhgaeste in der zweiten Reihe parkend aufnehmen, was dem Ende des Geschaeftes gleichkaeme. Ueberall in Silom, am Eingang zu Patpong, jede Nacht verletzen Taxifahrer diese Verkehrsregel unter den Augen von Polizei und Touristenpolizei. Aber, sagte ein Fahrer, der nicht bereit ist zu zahlen: “Es gibt keinerlei Erklaerungen, siehe selbst. Ich kann nicht dort parken und auch keine Farhgaeste aufnehmen, weil ich nicht bezahle!”

    Alles von Vorn
    Tik ist eine Tuersteherin. Sie ist 26 und stammt aus Surin. Sie sagt das sie auch die Maenner gesehen hat, die regelmaessig die Bar besuchen.

    “Meine Kollegen sagten mir, dies seien Polizisten. Die Bar muss die bezahlen, oder der Besitzder bekaeme rechtliche Probleme. Meine Freunde sagten mir weiter, das diese Leute die Bar aufgrund eines Verstosses gegen die Lizenzauflagen sofort schliessen koennten, wie zum Beispiel 5ex Shows.” Sagte Tik.

    Sie wuenscht sich, das ihre 8 jaehrige Tochter einmal Rechtsanwaeltin wird. “dann kann sie mir in Familien und Rechtsfragen helfen! Da gibt es soviele Regeln denen Du folgen musst.”

    Tik verliess Surin vor zwei Jahren. “Ich musste. Wir sind neun Kinder, und da war einfach nicht genug fuer uns alle.” Seitedem sie in der Bar arbeitet, hat sich ihr Schicksal gedreht. “Ich konnte vier Rinder fuer meinen Vater kaufen! Und 1 Rai Land! Ich hab auch schon 100,000 Baht gespart. Ich werde sehr bald hier aufhoeren, und mit meinem englischen Freund zusammen gehen. Weisst Du, eingentlich wuenscht sich jedes Maedchen so schnell als moeglich aus diesem Job wieder auszusteigen. Ich moechte irgendwo ein kleines Restaurant aufmachen. Mein Freund sagte mir, die Vergangenheit ist Vergangenheit, und heute ist unsere Zukunft, lass uns von vorne beginnen.”

    “Dies ist ein guter Job, er hilft uns dabei, unsere Traeume zu verwirklichen. Auch wenn es einige Schattenseiten gibt. Zum Beispiel weiss keiner, warum die Polizisten, die hierher kommen, uns mit auf die Wache nehmen, und uns Bussgeld abnehmen. Wir wissen einfach nicht, was wir verbrochen haben.” Sagte Tik.

    Wa, 34 von Nakhon Sawan, sagte das sie seit gut zwei Jahren in Patpong arbeitet. Sie hat ebenfalls Maenner gesehen, die regelmaessig kommen und Umschlaege einstecken. “Ich hab Mama San gefragt, wer diese Maenner seien, und wieviel die bekommen. Mama San sagte mir, ich solle besser den Manager fragen, aber natuerlich habe ich das nicht gewagt. Aber spaeter hat mir jemand gesagt, das die Umschlaege zwischen 3,000 und 5,000 Baht enthielten.”

    Das ist in der a-go-go Bar, dort wo sie arbeitet. “Aber in den Bars mit den 5ex shows, das weiss ich, zahlen die enormes Geld. Weisst Du, ich werde langsam zu alt fuer den Job. Ich muss bald aufhoeren. Ich glaube ich gehe auf eine traditionelle Massageschule oder mache irgendetwas mit Spa.”

  2.  
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  3. #2
    Avatar von MichaelNoi

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    Re: 5exworker und Schmiergelder - Hinter dem Rampenlicht!

    Die Bangkok Post
    bringt das Thema Schmiergeldzahlungen an die Polizei an die Öffentlichkeit. Alle Achtung ! Keine Angst vor Repressalien ?
    Gab es diese Offenheit schon öfter ?
    Wie geht die Regierung damit um ?
    Läuft nach blindem Aktionismus alles weiter wie bisher ?

  4. #3
    Avatar von Serge

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    Re: 5exworker und Schmiergelder - Hinter dem Rampenlicht!

    Hi Micha.
    Es gab noch einen Artikel - Breaking the Bribe Culture - so etwas wie Schluss mit der Schmiergeld Kultur! - zwei hochrangige Polizeigeneraele diskutieren dort ueber dieses Thema und wie denn damit umgegangen werden soll und wie das Problem endgueltig beseitigt werden kann.

    Es wird schon das eine oder andere Mal thematisiert, deutlich zu erkennen ist jedoch die Tendenz, das Thailand mit dem T-Money Phaenomen aufhoeren moechte. Es geht um Reputation, Entwicklung und Restrukturierung der Wirtschaft im Sinne eines neuen Thailands. Ob es klappt oder nicht bleibt abzuwarten, in jedem Fall wird es eine Weile dauern.

    Ein guter Freund von mir, Thanom oder Nom, ist Colonel in Pracheen Buri. Er gehoert einer Vereinigung hochrangiger Polizeioffiziere an, alle dem Koenig verbunden, die sich gegen Beamte oder Kollegen stellen, die Schmier- oder Bestechungsgelder annehmen. Allerdings gehen die Faelle nur selten in die Oeffentlichkeit und werden innerhalb der Polizei geregelt. Derartige Bewegungen sind genereall innerhalb der Polizei zu sehen - die kaempft halt um ihren Ruf.

    Angeblich sind die Schmiergelder auch einer der Gruende fuer die radikale Durchsetzung der Sperrstunde ab 2 Uhr. Frueher, als es noch "Gleitzeit" gab, mussten die Laeden die laenger oeffnen wollten, Gelder bezahlen, andere mussten frueher schliessen. Dies wurde insbesondere in der Sukhumvit Gegend zu einem grossen Problem, es ging um mehrere Millionen Baht, wie auch in anderen Entertainment Zentren, Patty, Phuket, und fuerhte zu einer grossen Diskrepanz zwischen den einzelnen Distrikten - wer denn in einem dieser arbeitete, war einfach bevorzugt. Aber wie gesagt, kann ich das nicht wirklich bestaetigen.

    Khun Taksin versucht, sich gegen die Schmiergelder zu stellen. Ob er gegen die gesamte Lobby so einfach vorgehen kann, bleibt abzuwarten. Er hat aber erst kuerzlich, cih glaube vor drei Wochen im Zusammenhang mit dem Kampf gegen die Drogen, im Parlament dieses Thema angeschnitten. Allerdings sind im naechsten Jahr Neuwahlen, und er braucht bestimmt das Backing einiger wichtiger Personen. Abwarten.

    Mal sehen, was noch so kommt. Ganz wird das Thema wohl nie verschwinden, es waere vielleicht nur gut, wenn es nicht so ganz selbstverstaendlich waere.

  5. #4
    Avatar von MichaelNoi

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    Re: 5exworker und Schmiergelder - Hinter dem Rampenlicht!

    Danke Serge für deine Einschätzung,
    ich kann mir da kein eigenes Urteil erlauben, finde es aber sehr interessant, wie versucht wird der Lage allmählich Herr zu werden.

  6. #5
    Avatar von Jinjok

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    Re: 5exworker und Schmiergelder - Hinter dem Rampenlicht!

    Zitat Zitat von Serge
    Khun Taksin versucht, sich gegen die Schmiergelder zu stellen. Ob er gegen die gesamte Lobby so einfach vorgehen kann, bleibt abzuwarten. Er hat aber erst kuerzlich, cih glaube vor drei Wochen im Zusammenhang mit dem Kampf gegen die Drogen, im Parlament dieses Thema angeschnitten. Allerdings sind im naechsten Jahr Neuwahlen, und er braucht bestimmt das Backing einiger wichtiger Personen.
    "Khun Thaksin" versucht gegen Kurroption vorzugehen, soweit er nicht selbst darin verwickelt ist. Noch nicht vergessen sind die Possen vor der NCCC über das steuerfreie Verschieben seiner Aktienvermögen auf Kinder und Dienerschaft um vor den Wahlen sein persönliches Vermögen zu drücken und um das Grundstück welches rechtswidrig einem Tempel benutzt wurde um es von einer Tochterfirma zu einer exklusiven Villa-Siedlung mit Golfkurs zu entwickeln zu lassen, so daß das Land jetzt nicht mehr an den Tempel zurückgegeben werden kann. Alles ohne eine einzige Genehmigung.

    Auch als sein Sohn versuchte beim Examen zu betrügen wurde die Sache schnell unter den Teppich gekehrt. Nicht zuletzt die Stimmenkäufe, die zu seinem Wahlsieg geführt haben machen Shinawatras Kampagnen gegen Korruption zu einer Farce. Die nächste Wahl wird auch wieder gewinnen, wer die meisten Stimmen kaufen kann. Da Shinawatra eine Reihe Eilgesetze schon im ersten Jahr nach seine Machtübernahme durch das Parlament drückte, die seine Firmen einseitig bevorteilten, wird sein Wahlsieg dank ausreichende Geldreserven wohl auch nichts im Wege stehen.

    Nichts desto trotz verfolge ich die immer aufflackernden Diskussionen über die Korruption und ihre Ursachen in Thailand mit Interesse. Ich glaube nicht, daß sich das Problem schmerzlos, also freiwillig und ohne Sanktionen lösen läßt, so wie in Deutschland die aufgeblähte Beamtenbürokratie nie abgeschafft werden wird. Beides sind Systeme, die sich selbst am Leben erhalten.
    Jinjok

  7. #6
    Avatar von Serge

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    Re: 5exworker und Schmiergelder - Hinter dem Rampenlicht!

    Zitat Zitat von Jinjok
    "Khun Thaksin" versucht gegen Kurroption vorzugehen, soweit er nicht selbst darin verwickelt ist.
    Jau - korrekt. Allerdings sind es zwei paar Schuhe - und es hat nichts mit Moral sondern eher mit Politik zu tun. Waehrend des NCC Skandals ging es um reinen Mactherhalt. Das er nicht "sauber" ist, steht ausser Frage. Allerdings ist er jetzt MP einer aufstrebenden Macht in Sued Ost Asien. Seine Position ist eindeutig die eines unangenehmen und "unbeugsamen" MPs - siehe Drogenkrieg. Hier ist er schon einigen gehoerig auf die Fuesse getreten und hat sich nicht nur Freunde gemacht.

    Er will dem Ausland zeigen, dass er durchgreift. Das politische Gedaechtnis ist um einiges kuerzer als Deines, so dass viele eher die gegenwaertigen Aktionen betrachten als die Vergangenheit heranzuziehen. Ob gut oder schlecht sei dahingestellt.

    Im Zuge des APEC Meetings, Supachai als WTO Praesident, Anti Terror Kampagne, rueckt Thailand in einen Fokus, den Taksin nutzen will. Er hat begriffen, das es hier um Milliarden geht. Frueher war es der Verkehr, heute ist es die Korruption, die die Firmenansiedlung in Bangkok und anderswo verhindert und damit die Entwicklung Thailands hemmt. Die Korruption stoppt nachhaltig das Wirtschaftswachstum. Allerdings ist das ein wesentliches Fundament seiner Politik - die 5 bis 6% Wachstumsprognose ist fuer ihn wichtiger Bestandteil und auch wichtiges Argument gegenueber seinen Nachbarn und des internationalen Gewichts Thailands. Und das kann er sich nicht einfach erkaufen.

    Es mag keinen moralischen Hintergrund haben, nichtsdestotrotz koennte er es mit seinem Vorhaben Ernst meinen. Aus welchen Beweggruenden auch immer.

    Ob es letzten Endes klappt oder nicht, wage ich nicht zu sagen. Ob sich Systeme wirklich ueberleben, weiss ich auch nicht. Ich glaube auch das es immer Korruption geben wird, liegt ja irgendwie in der Natur, nur weniger waere ja schon gut.

  8. #7
    Avatar von Peter-Horst

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    Re: 5exworker und Schmiergelder - Hinter dem Rampenlicht!

    Hallo Jinjok,

    [quote="Jinjok.... so wie in Deutschland die aufgeblähte Beamtenbürokratie nie abgeschafft werden wird. Beides sind Systeme, die sich selbst am Leben erhalten.
    Jinjok[/quote]

    ein gewagter aber RICHTIGER Vergleich.

    Gruß Peter

  9. #8
    Avatar von MichaelNoi

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    Re: 5exworker und Schmiergelder - Hinter dem Rampenlicht!

    Der Bericht der Süddeutschen Zeitung passt hier wie die Faust auf´s Auge :

    13.08.2003


    Der .......-König und seine untreuen Staatsdiener

    Leichte Mädchen, dicke Rolex-Uhren und reihenweise geschmierte Polizeibeamte – in Thailand avanciert ein Halbweltler zum Volkshelden Von Manuela Kessler






    Singapur, im August – Ein Kriminalspiel hält Thailand in Atem. Hauptfigur ist Chuwit Kamolvisit, der Besitzer von sechs luxuriösen Massagesalons in Bangkok, die so schöne Namen wie „Victorias Geheimnis“ und „Meer der Liebe“ tragen. Das Drama ist gepfeffert mit soviel 5ex und Betrug, dass es in einem sittenstrengeren Land vermutlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit liefe. In Thailand aber verfolgt die ganze Nation gebannt diese Schmieren-Komödie, die in atemberaubendem Tempo immer neue Volten schlägt. Seit drei Monaten verstreicht kaum ein Tag ohne neue Schlagzeilen zum Thema. Der Handlungsfaden ist allerdings derart verworren, dass kaum noch jemand den Durchblick hat.



    In den Augen des geneigten Publikums scheint nur zweierlei so gut wie sicher zu sein. Erstens: Die Unholde tragen Uniform. Zweitens: Chuwit Kamolvisit, der selbst ernannte König der thailändischen 5exindustrie, ist ein Held. Der 42-jährige Puffvater hat den Ordnungshütern die Hosen mit den gefüllten Taschen runtergezogen. Wer selbst nicht die entsprechenden Möglichkeiten hat abzukassieren, lacht sich schadenfroh ins Fäustchen und solidarisiert sich mit dem halbseidenen Chuwit, der sich zum Racheengel aufgeschwungen hat über das durch und durch korrupte Establishment.



    Die unschöne Geschichte wird vom Leben geschrieben – in der thailändischen Gosse. Die .......... ist am 2. Mai geplatzt, als die Polizei den Bangkoker Herrscher über das älteste Gewerbe der Welt unter dem Vorwurf verhaftet hat, eine Häuserzeile mit einschlägigen Bars und Läden widerrechtlich abgerissen zu haben, um Platz zu schaffen für einen weiteren Edelstein in seiner Krone: den Massagesalon „Tadsch Mahal“. Einen Tag später wurde Chuwit angeklagt, Minderjährige unter seinen circa 2000 Liebesdienerinnen zu beschäftigen. Dem 42-Jährigen, der ein Faible hat für rosarote Hemden und auffällige Krawatten, drohen nun 20Jahre Gefängnis.



    Vom prominenten Angeklagten, der für eine gepfefferte Kaution auf freien Fuß gesetzt wurde, fehlte dann jedoch plötzlich jede Spur. Tagelang. Als der Geschäftsmann schließlich wieder auftauchte, blies er im grellen Scheinwerferlicht des thailändischen Medienzirkus zum Gegenangriff. Von Polizeioffizieren sei er entführt und gefangen gehalten worden, schwor Chuwit auf eine Buddhastatue, die er in den Händen hielt. Von einem moralischen Feldzug gegen ihn könne keine Rede sein.



    Großzügig habe er sich gegenüber der Polizei in den vergangenen acht Jahren gezeigt, behauptete Chuwit. Serviertabletts voller Rolex-Uhren habe er unter Polizeioffizieren verteilt und ihnen europäische Autos vors Haus gestellt. Kostenlos seien sie in seinen 5extempeln bedient worden, die allein schon mit der großen Zahl ihrer Beschäftigten den Rahmen des thailändischen Gesetzes sprengten. Sein Aufwand für Bestechungen sei gigantisch gewesen, erklärte Chuwit, umgerechnet 253957Euro habe er im Monat dafür ausgegeben.



    Der wenig ehrenwerte Mann bemüht sich erst gar nicht, sich als Ritter ohne Fehl und Tadel hinzustellen. Ihm geht es um das Ehrenwort, auf das bislang Verlass war in der thailändischen Halbwelt – bis die Hüter von Gesetz und Ordnung es gebrochen hätten. Die Gegenleistung für die zig Millionen an Schweigegeld seien die Beamten schuldig geblieben! Jetzt will Chuwit Kamolvisit Köpfe rollen sehen in der Führungsetage der Bangkoker Polizei. 17hohe Offiziere wurden soeben suspendiert, elf weitere auf Posten in den Slums abgeschoben. Die Klagen und Gegenklagen türmen sich inzwischen zu einem Berg. Für schmutzige Wäsche, das die Medien genüsslich auswringen können,ist bis auf weiteres gesorgt.



    Der Herrscher des Bangkoker 5exgewerbes triumphiert und mit ihm die große Masse der 63 Millionen Thais, die sich Tag für Tag vom Staat betrogen fühlen. Die Schattenwirtschaft von Drogen, Wetten, Prostitution und Menschenhandel macht in Thailand schätzungsweise ein Drittel der legalen Volkswirtschaft aus. Das lässt die Korruption in den Behörden blühen – und macht die Machenschaften, die Chuwit ans Tageslicht gezerrt hat, weniger zum Skandal als zur täglichen Unterhaltungsshow. Die Polizei – und nicht nur die – ist zur Lachnummer geworden. Längst steht der Polizeichef auf verlorenem Posten, wenn er sich schützend vor seine Mannen stellt – mit der Beteuerung: „Mehr als die Hälfte von ihnen ist ehrlich!“

  10. #9
    Avatar von Jinjok

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    Re: 5exworker und Schmiergelder - Hinter dem Rampenlicht!

    @ Peter-Horst
    Der Vergleich ist natürlich polemisch. ;-D Aber das Prinzip sich selbst am Leben zu erhalten ist schon ähnlich.

    @ Serge
    Das "politische Gedächtnis" mag schon aus diplomatischen Gründen manchmal nicht so weit reichen, wie das der Chroniken. Und Moral und Politik verhalten sich meiner Überzeugung wie Öl und Wasser zueinander. Aber Shianwatras größtes Problem sind nicht die paar Feinde die er sich zusätzlich gemacht hat. Immerhin hat er ja einen Wahlkampf gewonnen, der in Thailand alles andere als zimperlich ist und selbst seine Koalitionspartner leben in permanenter Angst als Partei einfach aufgelöst/wegfusioniert zu werden. Nein, sein größtes Problem ist seine Verquickung von seine privaten, wirtschaftlichen und den öffentlichen Interessen das Landes. So ist Thailand gegenüber der Militärjunta in Burma z.B. völlig handlungsunfähig, da Shinawatras Konzern Shinsat USD-milliardenschweren Verträge mit den Generälen gemacht hat und er bei jeder Protestnote neu berechnen muß, wieviel seines Vermögens dabei den Bach runtergeht.
    Jinjok

  11. #10
    Avatar von Serge

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    Re: 5exworker und Schmiergelder - Hinter dem Rampenlicht!

    Hi Jinjok.
    Wo Du recht hast hast Du recht - aber eigentlich hatte ich den Artikel nicht nur auf Schmiergelder beziehen wollen, sondern vielmehr auf die dort geschilderten Erlebnisse der Frauen, wie Da, Tuk und so weiter als Hintergrund fuer die Barszene.

    Allerdngs gebe ich Dir vollkommen recht - und es gibt noch mehr - Kambodscha z.B. oder Bangladesh und Pakistan.

    Gruss
    Serge

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