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Samsara . . . das Rad des Lebens

Erstellt von wedelich, 13.12.2006, 18:34 Uhr · 5 Antworten · 1.806 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von wedelich

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    Samsara . . . das Rad des Lebens

    Es war an einem quirlig heissen Oktobertag, Freitag Morgen gegen 9 Uhr vormittags in Jomtien Beach. Ich hatte beschlossen im Palmengarten Restaurant zu frühstücken und hatte den Eindruck, dass es ein normaler arbeitsreicher Tag werden könnte, obwohl ich durch einen Alptraum sehr schlecht und unruhig geschlafen hatte. Ich konnte den Traum noch nicht zuordnen was er zu bedeuten hatte. Aber das sollte sich noch ändern.

    Die Idylle und Harmonie änderte sich schlagartig als mein Mobiltelefon klingelte. Ich hörte eine sehr traurige, erschütternde männliche Stimme die immer wieder flüsternd sagte: "Sie ist von mir gegangen". Langsam begriff ich, es war mein Freund Joshua aus Dänemark der zur Zeit in Bangkok lebt. Seine Frau Amphai mit der er mehr als 25 Jahre verheiratet war wurde soeben von ihrem Krebsleiden erlöst. Obwohl ich wusste, dass Amphai schwer krank war, war es für uns alle doch ein Schock gewesen, dass es so schnell ging und geschah. Sie war erst 46 Jahre jung.

    Und dann war noch dieser Alptraum. Nun begriff ich und konnte nun den Traum deuten und zuordnen.
    Ich hatte wieder einmal in die Zukunft geträumt.

    Und da war noch am Vortag des Todes ein Zeichen das ich jetzt auch zuordnen konnte.

    Ich war mit dem Motorrad unterwegs und hatte es gerade noch geschafft trocken in mein Apartment zu kommen. Der Himmel war schwarz und es war fast dunkel, obwohl der Zeiger der Uhr auf 3 stand. Es ging ein Tropenregen über Jomtien Beach nieder wie man es selten erlebt hatte.

    Ich schaltete das Licht an, dann verneigte ich mich mit einem Wai vor dem lebensgrossen Buddha der mit mir das Apartment teilt und sprach: “Thank you so much for care and protect me my Buddha“. In diesem Moment gab es einen sehr lauten Knall. Aus der Glühbirne der Lampe wurde ein daumengrosses Stück Glas herausgesprengt. Die Lampe brannte weiter und aus der Glühbirne stieg Rauch empor. Mir lief es kalt über den Rücken. Was hatte dieses zu bedeuten? Heute ist mir diese Message klar.

    Nun bin ich ein wenig abgeschweift und möchte zum Telefongespräch zurückkommen. Ich versuchte Trost, Mut und Zuversicht für meinen Freund Joshua zu spenden und sprach was mir aus meinem tiefsten Herzen gerade heraussprudelte.
    Menschen treten in unser Leben und begleiten uns eine Weile. Einige bleiben für immer, denn sie hinterlassen ihre Spuren in unserem Herzen und dazu gehört auch Amphai.

    Einige Tage später fand nach Thaitradition die Tempelzermonie und die Verbrennung statt. So bin ich dann nach Bangkok gefahren um Amphai die letzte Ehre zu erweisen. Joshua hatte sich sehr gefreut, dass einige Freunde und ich gekommen sind. Er hatte geweint vor Freude. Später sagte er mir, er wüsste nicht wie er das durchgestanden hätte, ohne uns.

    Die Thaiverwandschaft von Amphai war natürlich auch da und beowachtete alles aus sicherer Entfernung und sie wunderten sich warum da so viele Farangs weinten und traurig sind.

    Als wir im Tempel ankamen war Amphai schon aufgebahrt, mit viel Blumen, Kerzen und Räucherstäbchen. Nach Thaitradition steht ein grosses Bild des Verstorbenen neben dem Sarg. Die Mönche murmelten ihre Mantas und sangen. Dann bekammen wir typische Thaispeisen während die Mönche sangen und beteten. Es war schon mystisch, ja schon fast unheimlich. Danach hatte uns Joshua die Gelegenheit gegeben uns von Amphai zu verabschieden. Die Mönche zelebrierten ihre Schriften und Gesänge. Dann wurden die Blumen entfernt. Entgegen der Thaitratition bat Joshua die engsten Freunde den Sarg zum Verbrennungsofen zu tragen und hineinzuschieben.

    Ich glaube, ich habe noch nie so gelitten wie in diesem Moment. Die Mönche teilten dann wunderschöne Papierblumen aus. Wir zündeten sie an und legten sie brennend unter den Sarg. Die Mönche sangen und sprachen aus den Schriften Buddhas. Es war so ergreifend. Nach einiger Zeit wurde dann die Ofentür verschlossen und wir verneigten uns ein letztes mal mit einem tiefen Wai. Ich verabschiedte mich leise mit den Worten:

    Dear Amphai,
    thank you for go a while the way of life with me and my fiends. It was a good time with you. I am so happy to meet you in my life and I want to say thank you to you and Buddha. Good by my friend . . .

    Und so ging ein eindrucksvoller und doch trauriger Tag zu Ende. . .


    Khun Klaus

  2.  
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  3. #2
    Godefroi
    Avatar von Godefroi

    Re: Samsara . . . das Rad des Lebens

    Wunderschön geschrieben Wedelich.

    Ich war unlängst auf einer Beerdigung im Norden Thailands. Die Anwesenden waren teils fröhlich, teils weinten sie und waren traurig. Dem Ehemann war der Schmerz anzusehen, aber er hielt sich tapfer. Den Tag werde ich auch nicht vergessen.

    Mein aufrichtiges Beileid für deinen Freund.

  4. #3
    Avatar von wedelich

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    Re: Samsara . . . das Rad des Lebens

    Zitat Zitat von Achim",p="427411
    Wunderschön geschrieben Wedelich.

    Mein aufrichtiges Beileid für deinen Freund.
    Was ich noch sagen wollte . . .

    Auch wenn das Leben manchmal hart sein kann
    vergesse ich nicht, dass ich Freunde an meiner Seite habe.

    Danke Achim!

  5. #4
    Avatar von alhash

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    Re: Samsara . . . das Rad des Lebens

    @wedelich,

    danke für Deinen Beitrag

    Ja, ich kann es nachempfinden, Achim hat es schon sehr schön beschrieben. Sicherlich sehr traurig das ganze, andererseits zeigen die Thais durch ihr Verhalten auch, daß der Tote noch weiterlebt, denn er lebt in ihrer Mitte noch weiter, vielleicht in anderer Form

    Gruß
    AlHash

  6. #5
    Avatar von wedelich

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    Re: Samsara . . . das Rad des Lebens

    Zitat Zitat von alhash",p="427743
    @wedelich,

    danke für Deinen Beitrag

    Sicherlich sehr traurig das ganze, andererseits zeigen die Thais durch ihr Verhalten auch, daß der Tote noch weiterlebt, denn er lebt in ihrer Mitte noch weiter, vielleicht in anderer Form
    Hallo alhash,
    ueber dieses Thema werde ich gelegentlich auch einmal berichten.

    So long . . .

    Klaus

  7. #6
    Avatar von wedelich

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    56

    Re: Samsara . . . das Rad des Lebens

    Die folgende Geschichte zeigt, dass es darum geht, in der jeweiligen Situation richtig zu handeln mit einem unabhängigen Geist und nicht darum immer eine Regel zu befolgen.

    Regeln dienen als Orientierungshilfe. Sie nehmen jedoch nicht die Eigenverantwortung des einzelnen Menschen ab.

    Zwei Mönche wandern zu einem Kloster und müssen dabei einen Fluss überqueren. Am Flussufer bittet ein kleines Mädchen hinübergetragen zu werden, da die Strömung zu stark ist. Nun sollen aber Mönche Personen weiblichen Geschlechts nicht berühren.

    Trotzdem nimmt der eine Mönch das Mädchen auf den Rücken und trägt es hinüber. Der andere Mönch, sein Weggefährte macht ihm nun auf dem weiten Weg dauernd Vorwürfe, wie er so gegen eine Regel habe handeln können.

    Als er damit auch am Ziel der Wanderung nicht aufhört, sagt ihm der erste Mönch schliesslich: „Ich habe das Mädchen am Ufer abgesetzt, warum trägst du es immer noch."


    Klaus :-)

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