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Reise nach Siam - Auszug aus dem Zedler-Universallexikon von

Erstellt von lungkhao, 17.04.2003, 12:00 Uhr · 0 Antworten · 1.159 Aufrufe

  1. #1
    lungkhao
    Avatar von lungkhao

    Reise nach Siam - Auszug aus dem Zedler-Universallexikon von

    Servus Freunde!
    Aufgrund eures positiven Feedbacks nach dem Rechner-Crash stelle ich den Beitrag noch einmal ins Forum
    Ich habe die Gelegenheit gleich benutzt, um die Schilderung um die Beschreibung Ayathayas zu ergänzen.


    Reise nach Siam

    Choisy und P. Tachard in ihrer siamesischen Reisebeschreibung
    Auszug aus dem Zedler-Universallexikon von 1732

    Siam, lat. Sianum, oder Regnum Siamense, ein großes Königreich auf der Indianischen Halb-Insel, jenseits des Meerbusens von Bengala, stößet gegen Mitternacht an die Königreiche Pegu und Ava, gegen Morgen an die Königreiche Camboja, Laos, Jangomana und Tango; gegen Mittag an den Meerbusen von Siam, und gegen Abend an den Meerbusen von Bengala. Es lieget in der Form eines halben Circkels, und begreift ungefehr 450 Meilen im Umfange.

    Einige geben vor, daß das Königreich Siam sich an der Spitze von Malacca, bis an das Königreich Pegu und Laos erstrecke, welches seine Grenzen gegen Mitternacht sind, und das es das Chinesische Meer zur östlichen, und das Indianische zur westlichen Seite habe, und also eine große Halb-Insel vorstelle.

    Ferner sagen sie auch, daß die gemeinen Land-Charten die Provinzen und Grenzen dieses Königreichs gar nicht recht vorstellen, und dahero einigen aufgetragen worden, im Lande selbst eine Land-Charte davon zu verfertigen.

    Siam wird gemeiniglich in 11 Provinzen eingetheilet, welche vormals allezeit Königreiche genennet wurden. Solche Provinzen sind Siam, Martavam, Siara, Tanasserin, Keda, Pera, Jhor, Juncalaon, Paam, Patana und Ligor.

    Einige darunter heißen noch bis jetzo Fürstenthümer, deren Fürsten aber dem Könige von Siam zinsbar sind, weil sie ihn noch vor ihren Ober-Herrn erkennen.

    Es giebt auch noch andere Länder, welche Königreiche heissen, und dem Könige von Siam dienstbar sind, z.B. die Königreiche Camboja, Gehor, Patane, Queda, Singora ec. Welche meistentheils alle Jahr, anstatt des Tributs, ein Sträußgen von goldenen Blumen geben.
    Die Luft dieses Landes ist gut und gesund, so daß die Fremden derselbigen gar leicht gewohnen. Die Seee-Küste ist über alle Massen volkreich, wegen der Commercien, und weil sie sehr bequem liegt, den Schiffen die von Japan, China, den Philippinischen Inseln, Tonquine, Cochinchina, Sciampaa, Camboja, der Insel Sonda, und allen Indianischen Gegenden disseit des Ganges, wie auch aus dem Meebusen von Bengala, von Persien und Arabien, ja auch von den Europäischen Königreichen ankommen.

    Das Land ist sehr fruchtbar und reich an Getreyde, insbesonderheit an Reiß und allerley Obst-Früchten.
    Es hat auch Bley- Zinn- Silber und Gold- Bergwercke, wiewohl das Silber und Gold nicht fein ist.
    Die Elephanten geben sehr Hellfenbein; und die Handelsschaft versieht dieses Land mit dem kostbarsten Asiatischen Waaren,
    z.B. mit seidenen Zeugen und Atlaß, China-Holz, Porcellan, Bisem, Silber, Gold, allerley Goldschmieds-Arbeit, Perlen und Edelgesteinen.

    Die Franzosen haben in Siam, der Haupt-Stadt des Königreiches, ein Factorey.
    Desgleiche wohnen allhier sehr viel Portugiesen, daß wohl auf 9 bis 10 Familien von rechten Portugiesen sich hier befinden; hingegen mehr als 1000 vorhanden sind, welche Metys genannt werden, und Portugiesische Väter, hingegen Siamesische Mütter haben.
    Es giebt wohl auch 100 Familien von Einwohnern von Cochinchina, welche meistentheils Christen sind.

    Unter den Tonquinischen Einwohnern, welche sich sich in Siam niedergelassen, giebt es ohngefehr 7 oder 8 Christliche Familien.

    Die Armenianer halten sich auch zusammen, und machen 5 bis 6 Christliche Familien aus.

    Die Engelländer und Holländer haben gleichfalls allhier ihre Factoreyen.

    Im übriben sind in dem gantzen Lande auch sehr viel Türcken und Mahumetaner.
    Die von Pegu sind an der Zahl ohngefehr eben so starck, als die Einwohner, die von Siam gebürtig sind.

    Die Häuser sind meistentheils von Holz gebauet, und stehen auf Pfosten oder Pfeilern, weil alle Jahr das Wasser austritt, und das Land überschwemmt.
    Allein die Chineser und die Mauren haben unterschiedliche schöne Häuser von Steine erbauet.

    Daß dieses Land sehr reich sein muß, sieht man aus ihren vielen Pagoden oder Götzen-Tempeln welche sehe prächtig gebauet, und insgemein mit allerley Zierrathen von gearbeitetem Golde geschmückt sind.

    Das Land hat auch sehr viel grosse und angenehme Flüsse, welche mehrentheils austreten, wenn die Sonne in den nördlichen Himmelszeichen läuft, das ist von dem Mertz an, bis in den September, welches sehr viel zu der Fruchtbarkeit des Landes beytraget.

    Insonderheit wird auch dieses als eine sonderbare Würckung der göttlichen Vorsorge angemerkt, daß die Aehren des Reisses höher wachsen, als das Wasser zu steigen pfleget.

    In Siam sind Schlangen von ohngefehr 20 Schuh lang, welche 2 Köpfe haben.
    Derjenige Kopf aber, welcher an dem Orte ist, da der Schwanz seyn sollte, öfnet sich niemahls und hat auch gar keine Bewegung.
    Endlich giebt es auch in Siam eine Art von überaus giftigen Thieren, die ohngefehr einen Schuh lang sind, eine gespaltenen Schwantz haben, und fast also aussehen wie die Mahler die Salamander abzumahlen pflegen.
    Der König in Siam ist ein gantz absoluter und souverainer Monarch.
    Die Ehre, welche ihm seine Unterthanen erweisen, ist fast nichts anders als eine göttliche Anbetung, wie aus ihrer Positur zu sehen, wenn er zugegen ist, da sie nehmlich mit ihren Angesichtern auf der Erde liegen welches auch seine Staats-Minister in dem geheimen Raths-Collegio, welches zuweilen 4 Stunden land währet, thun müssen.

    Wenn er ausgehet, müssen sich alle Leute auf die Seite machen, so, daß niemand ohne einen, von ihm habenden ausdrücklichen Befehl in seiner Gegenwart blicken lassen darff.

    Alle Thüren und Fenster müssen allda, wo er vorbey gehet, zugemacht seyn, ausgenommen an besondern solennen Tagen, da er aus grosser Gnade sich seinem Volcke zeiget.

    Bey der Gesandtschafft, welche der Köning in Franckreich, Ludwig XIV, dahin schickte, wurde jeden Franzosen anbefohlen, nicht aus ihren Logementern zu gehen, wenn der König vorbey passirte.

    Desgleichen darf niemand zu dem Königl. Pallast hinan kommen, so lange als er darinnen ist.

    Wenn er in der Stadt sich irgend wohin verfügen will, wird er von 12 Dienern in einem goldenen Stuhle auf den Schultern getragen; an ausserordentlich solennen Tagen aber reitet er auf einem Elephanten, und sitzet auf einem güldenen Throne.
    Wenn er sich auf dem Fluss ergötzen will, trit er in ein überaus kostbares Lust-Schiff, setzt sich auf demselbigen unter einem Vorhang von güldenem Zeuge, und hat einige von seinen vornehmsten Ministern bey sich, welche Mandarine genennet werden.
    Alle übrigen folgen ihm nach, ein jeglicher in einem besondern Kahne, so, daß deren Anzahl sich bisweilen auf 1000 beläufft.
    In den Fest-Tagen gehen die Mandarins in einem Zeuge von gleicher Farbe, die der König selbst ernennet, gekleidet.
    Er zeiget sich seinem Volcke alle Jahre 2 mahl öffentlich mit einer gantz ungemeinen Pracht und Herrlichkeit.
    Um solche Zeit hat er allemahl seine gantze Hoffstatt um sich, und lasset allen seinen Reichthum und Pracht sehen.
    Wenn er sich das erstemahl öffentlich sehen lasset, werden 200 Elephanten vor ihm zum Staat hergeführet, unter wechen ein weisser Elephante ist, welchen der König so hoch hält,
    daß er unter andern seinen Titeln, die er führet, auch dieses für einen sonderbaren Ruhm achtet, der König des weissen Elephanten genennet zu werden.

    Dieser Elephante bekommt allezeit aus goldenen Gefässen zu fressen, und, wenn er stirbt, wird er mit eben so großer Pracht und Solennität, als die grösten Fürsten dieses Königreichs, begraben.
    Wenn sich der König zum andernmahle auf dem Flusse sehen lasset, hat er 200 Galeeren bey sich, unter welchen jegliche 400 Ruderknechte hat.

    Weil nun dieses im November geschicht, zu welcher Zeit der Fluß zu fallen anfänget, nehmen die Priester daher Gelegenheit, dem Volcke weiß zu machen, daß der König allein Macht habe, der Überschwemmung des Flusses zu steuern, und derselben ein Ende zu machen.

    Darum glaubt das einfältige Volck, daß der König um diese Zeit ausfahre, und das Wasser mit seinem Säbel schlage, wodurch es wieder zurück in die See gezwungen werde.

    Alle beydemal, wenn sich der König öffentlich sehen lässet, gehet er hin, 2 Tempel zu besuchen, wovon einer in der Stadt Siam, der andere aber ohngefehr 6 Meilen von der Stadt an dem Flusse hinauf stehet.
    Ubrigens ist auch noch eine andere Zeit, da er aus seinem Pallaste geht, wiewohl ohne öffentliche Zeigung seiner Person, einen gewissen Pagode oder Tempel zu besuchen, welcher auf einer Insel ist, wo die Holländer sich aufhalten.
    Alle dies beyden Pagoden oder Tempel sind sehr herrlich geschmückt, und überaus kostbare Gebäude.
    Die darinnen befindlichen Altäre sind mit lauter goldenen und silbernen Götzen besetzt.
    Der Stadt-Tempel hat bey nahe 4000 Götzen, die alle vergoldet, ausgenommen die 3 vornehmsten, welche von maßiven Golde sind. Der Tempel welcher 6 Meilen von der Stadt abgelegen, wird keinem andern Meschen geöfnet, als allein dem Könige und den Priestern.
    Das Volck muß draussen vor den Thüren bleiben, da sie denn mit den Angesichtern auf der Erden liegen.
    Der Pagode, welcher auf der Holländer Insel stehet, hat ein zugehöriges Closter, welches sehr luftig.
    Das darinnen befindliche grosse Götzenbild ist mit 200 andern von verschiedener Grösse und in unterschiedlichen Posituren umgeben.
    Der König schickt alle Jahr 5 bis 6 grosse Schiffe, die sie Sommes nennen, nach China, welche mit solchen Sachen, deren die Chineser benöthiget, beladen sind, und 2 oder 3 andere nach Japan.

    Einen eben dergleichen Handel treibet er nach Camboja, Cochinchina, Tonquin, und auf alle Indianische und Persianische Seeküsten, insonderheit aber nach Surate, von welchem Orte er allerley kostbare Waaren holen lasset, die er hernach um einen von ihm selbst angesetzten Preiß verkaufft.

    Der König welcher 1689 regierte, hatte nur eine Gemahlin, welche eine Königin vorstellte, daneben aber hielt er auch eine grosse Menge von Concubinen. Er ließ sich sehr delikat tractiren, tranck aber keine Wein, sondern nur Wasser, weil ihre Religion allen hohen Standes-Personen und denen Talapoins oder Priestern, das Weintrincken verbeut. Das Königreich ist erblich, jedoch so, daß die Brüder noch vor den Kindern zur Crone gelangen, als welche nicht eher folgen, als nach ihrer Vettern Tode.

    Es giebt dreyerley Fürsten am siamesischen Hofe. Die ersten sind die Fürsten des Königl. Geblütes , die Könige von Camboja, Gehor, und andern Ländern, wwelche dem Könige von Siam zinsbar sind. Die andern sind die Fürsten von Laos, Chiamay und Banca, welche in dem Kriege überwältigt worden, und einige andere, die sich freywillig unter des Königs Schutz begeben haben. Die dritten sind diejenigen, welche der König aus Gnaden in den Fürstenstand erhoben hat.

    Diese halten an solennen Tagen grosse Becher von Gold und Silber in ihren Händen, welche die Zeichen ihrer Würde sind.

    Es sind 7 hohe Minister in dem Königreiche Siam.

    Der erste, welcher der nächste nach dem Königge in der Würde ist, und die Ehre hat in seiner Gegenwart zu sitzen wird Mahaommarat genennet.

    Der Chacri hat die Ober-Aufsicht über alle Kriegs- und Justiz-Sachen.

    Der Aohoum ist der Generalißiimus über des Königs Armeen zu Wasser und zu Lande.

    Der Ok-ja-vang ist über die Sachen des Königl. Pallastes gesetzt.

    Der Ok-ja-praklang hat die Aufsicht über alle ausländische Geschäffte und über des Königs Magazinen.
    Der Ok-ja-pollater hat die Aufsicht über die Königl. Einkünfte.

    Der Ok-ja-jombarat ist der oberste Richter in allen Criminal-Sachen.

    Ausser diesen hohen Minstern hat der König auch einen Schatzmeister, welcher Ok-ja-pakdi genennet wird. Diejenigen, welche in diesen vornehmsten Bedienungen stehen, haben mit des Königs Bewilligung alle andere geringere Reichs-Bedienten zu bestellen, und müssen allezeit Rede und Antwort geben, wenn jemand, der unten ihnen stehet, etwas unrechtes beachet. Nächst diesen 7 hohen Bedienungen sind die vornehmsten: Ok-ja, Ok-pra, Ok-Luoang, Ok-quun und Ok-mun.

    Der erste von den Abgesandten, so an den König von Franckreich 1686 abgefertiget worden, war ein Ok-pra; der andere ein Ok-Louang, und der dritte ein OK-Quun. Die begleitende Minister waren 2 OK-Quun; und die beiden anderen waren Ok-mun.

    Der Königl. Staats-Rath bestehet aus vielen Mandarins; welche bey dem Könige auf die Art einer Vorstellung was sie zu erinnern haben, eigeben, aber nichts gäntzlich entscheiden können, weil der König ihm selbst solche Macht vorbehält,ihren Rath entweder anzunehmen, oder zu verwerfen.

    Der König giebt den Titel Mandarin, und alle anderen Würden des Königreiches, wem er will, ohne auf sein Herkommen und Geschlecht zu sehen, weil alle seine Unterthanen seine Sclaven sind,die er nach eigenem Belieben balderheben, bald stürtzen kann.

    In sehr wichtigen Sachen fället der König selbst das Urtheil, jedoch dergestalt, daß die Mandarins die Sache zuerst untersuchen, und so dann dem Könige Bericht davon erstatten, welcher so dann, auf einem hohen Throne sitzende, nach eingenommener völligen Erkänntniß der Sache das Urtheil spricht, welches in seiner Gegenwart alsofort schriftlich verfasset wird. Zu Entscheidung der ordentlichen Rechts-Sachen sind in verschiedene Städten besondere Gerichte angeordnet, von welchen man aber an das OberHof-Gerichte zu Siam , so die Haupt-Stadt des Königreichs ist, appeliren kann, bey dessen Urtheil man hernach bleiben muß.
    Diese Gerichts-Collegium bestehet aus einem Präsidenten und zwölff Rathen.
    In Criminal-Sachen verfährt man bey nahe wie in Frankreich; es ist aber ihr Recht weit schärffer.
    Die Einwohner von Siam fragen insgemein nichts nach kostbarer Kleidung.
    Die Mann- und Weibs-Personen von dem gemeinen Volck gehen fast auf einerley Weise gekleidet.
    Sie haben ein Stück Zeug welches sie ein Longuis nennen, so ohngefehr drittehalb Ellen lang und drey Viertel-Elle breit ist.
    Dieses wickeln sie um ihren Leib, als wie eine Jupe.
    Es reichet von dem Mittel-Theile des Leibes bis unter die Knie.
    Allein der Weiber ihres geht bis an die Knöchel.
    Wenn es kalt und regnicht Wetter ist, oder die Sonne ungemein heiß scheinet, brauchen die Männer eine andere Art von Longuis, womit sie auch alle anderen Gliedmassen des Leibes bedecken.
    Die Weibs-Personen aber brauchen an dessen statt eine Art von von einer weissen Binde.
    Beyde Manns- und Weibs-Personen schneiden ihr Haar ab.
    Die Kleidung der Mandarins ist, wenn sie zu Hause sind, von der Tracht des gemeinen Volckes gar nicht unterschieden, ohne, daß sie feinere Zeuge tragen; wenn sie aber ausgehen tragen sie ein Longuis von Seide, oder von bunten Cattun, so ungefehr 6 oder 7 Ellen groß, ihnen aber so geschicklich angepasset ist, daß es nicht tiefer hänget, als bis an ihre Knie.
    Die Mandarine, welche vor anderen ansehnlich sind, haben unter ihrem Longuis ein gerades paar Hosen, dessen Ecken und Säume mit Gold und Silber verbrämt sind.
    Sie tragen auch eine Kleidung, welche an dem Leibe und in den Ermeln weit ist.
    Nebst dem brauchen sie Indianische Schuhe, welche aber weder Bänder noch Schnallen haben, damit sie sie desto leichter abschmeissen können, wenn sie in das Königs Gemach gehen.
    An solennen Fest-Tagen, wenn sie vor dem König erscheinen, haben sie Mützen auf ihren Köppfen, in Figur einer Pyramide, welche unter ihrem Kinn zusammenbebunden sind.
    Der König giebt einigen Mandarins kleine Cronen von Gold und Silber.
    Diese kleinen Cronen trage sie um ihre Mützen, als ein besonderes Merck- und Ehren-Zeichen.

    Die Siameser sind sehr freundlich und höflich, und lassen es an keiner Leutseligkeit gegen Ausländer fehlen, allein die meisten unter ihnen können sich sehr verstellen und sind überaus mißtrauisch.

    So freundlich und friedliebend sie sind, so sehr halten sie auch über Recht und Gerechtigkeit.

    Wenn ein Schiff an der Küste strandet, sind sie krafft ihrer Gesetze verbunden, alles, was davon gerettet werden kann, in die Haupt-Stadt zu bringen, um solches den rechtmäßigen Eigenthümern wieder zu zu stellen, welches auch gegen Fremde und Ausländer beobachtet wird.
    Sie pflegen nicht zu arbeiten, sondern überlassen solches ihren Sclaven und Weibern, welche den Acker bauen, und die bäuerlichen Geschäffte in Acht nehmen müssen, da immermeist die Männer mit andern Verrichtungen zu thun haben.
    Sie sind eben so wenig in der Schifffahrt erfahren, als die andern Morgenländische Völcker.
    Dahero hat der König Europäer über seine Schiffe gesetzt.
    Ihre Jankos anlangende, welche eine Art von Schiffen sind, so die Chineser gebrauchen so werden dieselben insgemein durch Leute von jetztbesagter Nation regieret, welche sich zwar rühmen, die Wissenschaft des See-Compasses schon über 2000 Jahr gehabt zu haben, gleichwohl aber in der Schiffahrt-Kunst nicht sonderlich erfahren sind.

    Die Siameser haben 33 Buchstaben in ihrem Alphabet, und schreiben, wie wir, von der lincken zu der rechten Hand, da hingegen die Einwohner in Japan, China, Cochinchina und Jequin von der rechten zu der linken Hand, und von dem Obertheil des Blattes bis unten zu Ende in einer geraden Linie schreiben.

    Die Landmüntze ist von Silber, in der Form einer Musqueten-Kugel, etwas breit geschlagen.
    Die geringste Müntze, die sie haben, ist eine Art von kleinen Muscheln, welche von Maldivischen Inseln gebracht werden.

    Sie bilden sich ein, daß es einem Menschen übel anstehe, weisse Zähne zu haben wie die Thiere. Dahero machen sie dieselbigen schwartz mit einem gewissen dazu bereiten Firniß, und damit sich die Farbe daran festsetze, enthalten sie sich einen oder zwey Tage des Essens.
    Sie brauchen sehr viel Betele, Areque und Thee.
    Das Betele ist das Laub von einem gewissen Baume, welcher gleichen Namen führet.
    Areque ist eine Frucht, welche so groß ist, und fast eben so aussiehet, wie bey uns eine ......-Nuß.
    Diese Frucht zerschneiden sie in 4 Stücke, vermischen selbige mit einem Leim von Muschel-Schalen gemacht,und wickeln solche in ein Betelen-Blatt. Diese seltsame mixtur ist in ihrem Geschmack so angenehm, daß alle Siameser immerfort etwas davon kauen,sie mögen seyn, wo sie wollen.
    Es ist auch ein sonderbares Stück der Höflichkeit bei ihnen, wenn man denen, die jemand zu besuchen kommen, Betele und Thee präsentired.
    Ihr eiggen Land versiehet sie zur Genüge mit Betele und Areque; den Thee aber bekommen sie aus Japan und China.

    Die gemeine Leute sind Sclaven, entweder des Königs oder der vornehmen Herren.
    Der Adelsstand ist bey ihnen nicht erblich; sintemahl nur die vornehmen Aemter und Ehrenstellen, welche der König vergiebt, Edelleute machen, welche bloß nach ihren Aemtern von dem gemeinen Volcke unterschieden sind.
    Er erlaubet ihnen zwar ihre Religion viel Weiber zu haben; allein es sind dennoch sehr wenige unter ihnen, welche deren mehr als eine oder 2 haben.
    Den vornehmen Weibspersonen erweiset man damit den größten Respect, wenn man ihnen, so sie etwa bey jemand vorübeergehen, den Rücken zukehret, damit man sie nicht ansehen möge.

    Sie sind durchgehends sehr abergläubisch, und beten vlele Götzen an, welches auf der Vielheit und dem Pracht ihrer Tempel und aus ihrer Freygebigkeit gegen die Talapoins erhellet.
    Man sagt, daß über 14000 Tempelin dem Königreiche, und 50000 Talapoins (welche ihre Priester oder Lehrer sind) daselbst zu finden sind.
    Nichts destoweniger, wenn ein Missionarius mit ihnen der Christlichen Religion reden will, so kann er durch ein Geschencke einen freyen Zutritt erhalten, daß sie alsdenn gerne zuhören.
    Sie treiben sehr grosse Pracht in ihren Leichen-Begängnissen.

    Denn die Talapoins machen ihnen weiss, daß jemehr Unkosten man auf jemandes Leich-Begängnis wende, je eine bessere und bequemere Wohnung bekomme die Seele des Verstorbenen in dem Leibe eines Fürsten, oder doch wenigstens in einem ansehnlichen Thiere; sintemahl sie die Fortwanderung der Seelen aus einem Leibe in den anderen glauben.
    Die Leichenbegängnisse der vornehmen Personen werden auf folgende Weise gehalten: Man macht einen Scheiter-Hauffen von Bambous oder grossen Schilff-Rohren, welcher oben mit Papier von unterschiedlichen Farben bedeckt ist.
    Hierauf legen sie ebenso viel riechendes Holz, als das der tote Cörper wiegt.
    Nachdem nun die Pfaffen einige Gebete gethan,zünden sie den Scheiter-Hauffen an, und verbrennen den todten Leichnam zu Asche, welche sie zusammen lesen, und in goldnen oder silbernen Krüglein verwahren.
    Die Cörper der Übeltäther, welche eines schmäligen Todes gestorben, verbrennen sie nicht, sondern begraben sie.

    Ihre Religion, so sehr seltsam ist, kn man nirgends her erkennen, als allein aus ihren Büchern, die in der Balischen Sprache geschrieben, welche bey ihnen die Sprache der Gelehrten ist, und von wenigen unter ihnen verstanden wird.
    Es stimmen aber auch diese Bücher nicht allezeit mit eineander überein; weswegen die Untersuchung diese Puncts sehr schwer fället.
    Die Summe dessen, was man daraus zusammen gezogen, kommt darauf an.
    Sie glauben einen Gott; der Begriff aber, den sie sich von ihm machen, kommt mit unserem nicht überein.
    Denn sie verstehen durch dieses Wort ein höchstes Wesen, welches aus Leib und Seele bestehet, dessen Eigenschaft ist, den Menschen zu helffen, das ist, ihnen ein Gesetz zu geben, und sie die wahre Religion zu lehren, nebst andern ihnen nöthigen Künsten und Wissenschaften.
    Die Vollkommenheiten, die sie ihm zueignen, sind die Besitzung aller sittlichen Tugenden, und zwar in dem höchsten Grade.
    Sie glauben, er sey so hurtig und wundersam, daß er in einem Auenblick hinkommen könne, wo er hin wolle.
    Ferner sagen sie, daß er nach eignem Belieben sichtbar und unsichtbar seyn könne, daß er alle Dinge wisse, und aller Menschen Lehrer sey; daß sein Leib heller als die Sonne, daß er in der Zeit hervorgebracht worden, und nicht immer bleibe; daß er ein Gott worden sey, nachdem er eine in dem höchsten Grad vollkommene Tugend in verschiedenen Leibern erhalten, durch welche seine Seele von Zeit zu Zeit gegangen, und endlich seinen Leib von allen menschlichen Leidenschafften durch sehr viele transmigrationes oder Fortwanderungen befreyt habe.
    Zu seiner höchsten Glückseligkeit gelange er, wenn er sterbe, daß er niemahls wiederum gebohren werde, und sodann nicht mehr in der Welt erscheine.

    Dieser Tod muß von der ewigen Ruhe verstanden werden, welche dieser Gott (ihrer Meinung nach) in dem Himmel geniesset, nach einer gewissen Anzahl von Jahren, binnen welcher er die Zahl seiner Auserwehlten, die er in den Stand der Heiligen bringen wolle, vollgemacht habe; darauf ein anderer Gott seine Stelle bekleiden, und die Welt regieren, das ist, die Menschen den wahren Gottesdienst lehren werde. Dieser andre Gott sey ein vollkommener Mensch, welcher durch seyne guten Werke verdienet habe, Gott zu werden, und zu dem höchsten Grad der Heiligkeit zu gelangen.
    Diejenigen, welche hier auf Erden fromm gelebt, würden Heilige, nachdem sie viel Tugenden erlanget, und durch viele Leiber gegangen, worinnen sie von allen Lastern gereinigt worden.
    Ein Gott aber zu werden, dazu werde eine gantz unvergleiche Heiligkeit erfordert, so, daß auch nicht der allergeringste Mangel dabey zufinden seyn müsse.
    Sie glauben an ein Paradies und eine Hölle, halten aber davor, daß weder die Feude des Paradieses noch die Quaal der Hölle ewig seyn werde, sondern daß dem Menschen, nachdem er mehr oder weniger gutes gethan oder gesündiget, auch eine längere oder kürzere Zeit in den besagten beyden Oertern bestimmt sey.
    Die Hölle ist ihrer Meinung nach in 8 Gemächer unterschieden, welche eben so viel Grade oder Stuffen der Straffen gleichsam in sich begreiffen; sie glauben auch, daß allda ein Feuer vohanden sey, damit die Verdammten gepeiniget werden, ingleichen daß ihr Himmel eben so viel Grade der Seligkeit habe.
    In den 3 ersten von diesen Gemächern solle, ihrer Meynung nach, Könige, Fürsten und die gemeinen Leute seyn, und die darinnen befindliche Heilige sollen auch beyrathen.

    Die Seelen der Menschen, welche von neuem in diese Welt gebohren werden, kommen, wie sie davor halten, von 3 unterschiedlichen Orten, nehmlich von dem Himmel, aus der Hölle und aus dem Leibern der Thiere.
    Die vom Himmel kommenden Seelen haben allezeit einige sonderbare Kennzeichen, wodurch sie von andern unterschieden sind.
    Sie sind mit Tugend, Schönheit, Gesundheit und Reichthum gezieret, werden zu Füsten und Herren gebohren, und sind wohlgestalt.
    Diese ist der Grund, warum sie die über andere erhabene Personen oder solche, die aus einem hohen Geschlechte entsprossen, so sehr respectieren, weil sie nehmlich selbige als solche Menschen ansehen, welche bald Götter oder doch wenigstens Heilige werden, als die solchen hohen Stand der Herrlichkeit durch ihre gute Wercke verdienet haben.

    Diejenigen, welche aus den Leibern der Thiere kommen, sind bey weitem nicht so vollkommen, als die vorigen, und die, welche aus der Hölle kommen, sind die ärgsten unter allen, daher sie auch allerhand Unglück ausstehen müssen.
    Die Talapoins lehren zugleich, daß kein gut Werck sey, welches nicht im Himmel belohnet werde; und auch keine Sünde, welche in der Hölle gestrafft werde.
    Wenn demnach eine tugendhafte Person stirbt, gehet sie, ihrer Meynung nach, in den Himmel, um daselbst die Belohnung für ihrer guten Wercke zu empfangen, ist sie aber einiger sonderbaren grossen Sünde schuldig, stirbt sie im Himmel, wenn die Zeit der Vergeltung um ist, um in der Hölle wiederum gebohren zu werden, und daselbst die verdiente Strafe auszustehen.

    Ist hingegen jemand nur einiger kleinen Sünden schuldig, muß seine Seele wiederum zurück in die Welt kehren.
    Wenn er nun in solchem Zustande der Gerechtigkeit Gottes ein Gnügen gethan, wird er wiederum ein Mensch, wie zuvor; und also müsse eine Seele aus einem Leibe in den andern fahren, bis daß der Mensch entweder ein Heiliger oder ein Gott wird.
    Sie glauben auch Engel, halten aber davor, daß selbige Leiber haben und in beyderley Geschlechte unterschieden sind.
    Sie unterscheiden selbige in 7 Ordnungen, und eignen einer jeglichen Ordnung einen besonderen Himmel zu.
    Ihr Amt bestehet, nach ihrer Meynung, darinne, daß sie für die Erhaltung des menschlichen Geschlechtes wachen, und die Welt regieren helffen.
    Sie glauben, daß ein jeglicher Theil der Welt einen von diesen vernünftigen Gesitern zum Ober-Aufseher habe.
    Sie eignen den Sternen, der Erde, den Städten, Bergen, Wäldern, dem Winde und Regen besondere Engel zu.
    Sie erkennen aber keine andere Teufel, als die Seelen der gottlosen Menschen, welche, wen sie aus der Hölle gelassen, eine Zeitlang, wie sie davor halten, in der Welt hin und her wandern, und den Menschen alles Unheil, so sie nur immer können, zufügen.
    Der Gott , welchen die Siameser, anjetzo verehren, wird Sommonck-Hodom genennet. Die Talapoins sagen von ihm, daß sein Bruder Thevathat auf ihn zornig worden, und ihn bekrieget habe.
    Weil er aber nicht vermögend gewesen ihn seiner Gottheit zu berauben, habe er eine neue Religion aufgerichtet, woraus sehr viel andre Secten entstanden: wie sie denn auch vorgeben, daß die Christen ihre Religion von diesem Thevathat, welcher Jesus Christus sey, bekommen, welcher deswegen, weil er seinen Bruder Sommonk-Hodom verfolget, in der Hölle gestraft werde.
    Hierdurch versuchen sie das Volk von der christlichen Religion abzuschrecken.
    Ferner geben ihre Lehrer vor, daß Sommonck-Hodom, nachdem er die Menschen in der wahren Religion unterrichtet, endlich gestorben sey, um niemahls wiederum gebohren zu werden, und den achten Himmel angenommen habe; um daselbst die allervollkommenste Seligkeit zu geniesen. Sein Leichnam soll verbrannt worden, seine Gebeine aber noch vorhanden seyn, welche, ihrem Vorgeben nach, eine wunderbare Krafft haben, und eine sonderbaren Glantz werffen, welcher, als ein gewisses Merckmahl seiner Gottheit, die Augen derer, die sie anschauen, verblende.
    Die Talapoins, welche der Siameser Priester, geistliche Ordens-Leute und Lehrer sind, werden als die wahren Nachfolger ihres Gottes angesehen.
    Sie haben wenig, oder fast gar nichts mit der Welt zu thun, und grüßen keinen Layen auch den König selbst nicht.
    Ihre Clöster sind lauter Collegia oder Schulen zu Erziehung der Jugend; wie denn der vornehmsten Leute Kinder dahin geschickt werden, sobald sie nur einiges Unterrichts fähig sind.
    Sie leben sehr strenge, und aufs heiligste nach ihren Regeln, und sind einem Oberhaupt unterworffen, nehmlich dem Priester des großen Pagods in Siam der Hauptstadt des Königreichs.
    Sie gehen in gelber Leinwand gekleidet, und haben beschorne Köpfe.
    Sie stehen unter den Gelübde der Keuschheit, so lange sie Priester sind, haben aber Freyheit ihr Amt aufzugeben und zu heyrathen.
    Es giebt auch bey den Siamesern eine Art von geistlichen Frauenzimmer, welche sich allemahl zu dem Gebet einstellen und die Kirchen-Ceremonien verrichten, aber an kein Gelübde gebunden sind, noch eine besondere Regel zu beachten haben.
    Sie haben keine besonderen Tag in der Woche, zu der öffentlichen Andacht, ausser den Tagen der 4 Viertel des Monats; sie haben auch eine Art von Fasten, in welchen sie sich von unterschiedlichen Arten der Speise enthalten.
    Sie beten für die Toden , und halten ihnen mit sehr vielen prächtigen Ceremonien Leich-Begängnisse: denn sie haben nicht allein bey allen Begräbnissen vornehmer Personen Music, sondern auch öfters theatralische Schauspiele und Feuerwercke.
    Sie können sich solchen Leuten, die andrer Religion sind, gar leicht vertragen, weil sie glauben, daß alle Leute in ihrer Relgion selig werden können, wenn sie sich nur in der Tugend und in der Liebe üben.
    Von der Beschaffenheit des Welt-Gebäudes haben sie folgende Gedancken: sie halten davor, daß Himmel und Erde unerschaffen und ewig seyn, und sie können sich nicht einbilden, daß die Welt jemahls eine Anfang gehabt, oder ein Ende haben werde.
    Die Erde ist, ihrer Meynung nach, nicht rund, sondern eine platte und ebene superficies oder Ober-Fläche , welche sie in 4 viereckigte Theile unterscheiden, die durch das Wasser voneinander abgesondert sind.
    Die ganze Erde ist, wie sie ferner vorgeben, mit einer starcken und über alle massen hohen Mauer umgeben, an welcher alle Geheimnisse der Natur in grossen Charactern eingegraben sind.
    Mitten in diesen 4 Theilen der Welt soll ein sehr hoher Berg seyn, um welchen die Sonne und der Mond immerfort herum lauffen; durch welcher Himmels-Lichter tägliche Umdrehung Tag und Nacht gemacht wird.
    Die Erde habe unter sich eine sehr grosse Tiefe von Wassern, welche dieselbe trägt, gleichwie das Wasser ein Schiff auf sich träget.
    Diese Wasser, welche die Erde tragen, erhalte ein gewaltsamer Wind, der immerfort bläset, daß sie nicht herab fallen.

    Beschreibung Ayuthaya:

    Siam oder Sian, die Hauptstadt in dem Königreiche Siam, hat von den Portugiesen diesen Nahmen bekommen Denn die Einwohner nennen sie Crungh ayu thaya, daraus einige Jurhia, Judin, Oudia oder Udia gemacht haben. Crungh heist so viel, als eine vortreffliche Stadt.
    Ihre Historienschreiber nennen sie auch Crung teppa Ppra ma ha na Kon, das ist, die englische, wunderbare und ungemeine Stadt.
    Englisch nennen sie sie deswegen, weil sie vor Menschen unüberwindlich gehalten wird.
    Sie liegt auf einer Insel, welche von dem Flusse Menam (dessen Nahmen auf deutsch soviel heist, als die Mutter der Flüsse) gemacht wird.
    Besagter Fluß ist um diese Gegend sehr breit und tief.
    Einige Scribenten halten davor, daß dieser Fluß ein Arm des Ganges sey; allein sie irren darinnen, weil er nicht weit von den Grentzen von Laos aus einem grossen Berge entspringet.
    Er tritt alle Jahre aus, und setzet alles Land um die Stadt herum unter Wasser.
    Das Wasser dieses Flusses ist sehr gesund, hat aber sehr viel Crocodille welche ungemein groß sind, und die Menschen fressen, wenn sie selbige allein und unbewafnet antreffen.
    Die Figur der Stadt ist fast rund, und begreift etwa 2 Meilen in ihrem Umfange.
    Die Vorstädte, welche auf jeglicher Seite des Flusses stehen, sind sehr groß und eben so wohl gebauet, als die Stadt.
    Sie hat viel schöne Strassen und auf denselbigen sehr artige gerade Canäle, auf welchen man fast zu einem jeglichen Hause der Stadt auf dem Wasser kommen kann.
    Die Gebäude dieses Orts sind vortrefflich schön, und die in den Tempeln befindlichen Schätze haben ihresgleichen nicht in gantz Indien.
    Alle ihre Kirch-Thürme und Pyramiden sind vergoldet, welche von weitem einen vortrefflichen Prospect geben.
    Der Königl. Pallast stehet an dem Ufer des Flusses, und hat einen so grossen Umfang, daß man meynen sollte, es wäre eine gantze Stadt.
    Alle darinnen befindlichen Thürme und Pyramiden sind gleichfalls vergoldet und des Königs un der Königin Gemächer mit unglaublichen Kostbarkeiten und Schätzen angefüllet.
    Man mag hinsehen, wo man will, so siehet man lauter Gold und hellgläntzende Edelgesteine.
    Es ist dergleichen in gantz Orient nicht zu finden, ausgenommen allein in China.
    Im Jahr 1634 erbaueten die Holländer allhier ein Haus, so eines von den schönsten ist, die ihre Ost-Indianische Compagnie im Orient hat.
    Die Handlung hat viele Nationen in die Stadt gezogen, welche sich allhier niedergelassen haben.
    Jedoch wohnen keine andere in der Stadt, als Engelländer, Holländer, Portugiesen, Franzosen, Chineser und Maurer, das ist Türcken und Mahomeraner.
    Die andere Nationen sind um die Stadt in gewissen Lagern logiret, so daß eine jegliche Nation beysammen wohnet.

    Unter den Pagodes oder Tempeln in Siam ist derjenige, welcher in des Königs Pallast zu finden, der kostbarste und Prächtigste.
    Bey dessen Thore ist auf einer Seite eine Kuhe, und auf der anderen ein über alle massen scheußliches Ungeheuer.
    Das inwendige schimmert vor lauter Golde.
    Die Wände, die getäffelten Gewölber, die Pfeiler und alle Figuren sind so wohl vergoldet, daß es nicht anders scheinet, als wenn alles mit goldenen Blechen überzogen wäre.
    Wenn man einige Schritte in diesen Tempel hinein gegangen, siehet man eine Art von einem Altare stehen, auf welchen 4 Bilder von maßiven Golde befindlich, die fast so hoch sind, als ein Mann welcher mit den Beinen creutzweise sitztet, wie die Einwohner in Siam zu thun pflegen.
    Ein wenig weiter hin ist eine Art von Chor, allwo der reichste Pagode oder Götze des Königreichs ist, denn dieser Nahme Pagode, wird ohne Unterschied so wohl den Tempeln, als Götzen gegeben.
    Dieses Götzenbild stehet und berühret mit mit seinem Haupte die Decke des Tempels.
    Es ist ohngefehr 45 Schuh lang und 7 oder 8 breit. Das, so am meisten daran zu bewundern, ist dieses, daß ungeachtet es sehr groß, es dennoch von pur lauterm Golde gemacht ist.
    Es wiegt zum wenigsten 2500 Pfund, und ist also über 12 Millionen und 500000 Frantzös. Pfund zu schätzen.
    Man sagt, daß diese ungeheure grosse Götzenbild, an eben denselbigen Orte, wo es stehet, gegossen, und nachgehends der Tempel drüber gebauet worden.
    (Anm: Wahrscheinlich der Goldene Buddha im "Wat Traimit", erst 1955 wiederentdeckt)
    Auf den Seiten dieses Götzens sind sind unterschiedliche kleine Statuen, welche gleichfalls von Golde und Edelgesteinen gezieret sind.
    Ohngefehr 100 Schritte von des Königs Pallast südwärts ist ein anderer Tempel, welcher nicht so kostbar, als der vorige, gleichwohl aber schöner und ordentlicher gebauet ist.
    Er stellet ein Creutz vor, wie unsere Kirchen, und hat oben 5 Helmdächer.
    Dasjenige, welches in der Mitten steht, ist das gröste unter allen übrigen.
    Das Dach ist mit vergoldeten Zinn gedeckt, dieser Tempel ist mit 44 sehr wohl ausgearbeiteten Pyramiden geziertet; diese und was sonst umher gesetzt ist, stehen in einer schönen Gleichförmigkeit.
    Diese Pyramiden stehen auf 3 erhabenen Flächen oder Füssen von unterschiedlicher Höhe.
    Einige davon gehen oben spitzig zu; andere hingegen sind oben rund in der Form eines Gewölbes.
    Das gantze Gebäude nebst den Pyramiden ist mit einer Art eines viereckigen Creutzganges umgeben, alwo längs den Gallerien hin, auf einer Seite über 400 Statuen von vergoldeten Steinen in einer sehr schönen Ordnung gesetzt sind; die andere Seite aber gegen den Tempel ist offen.


    Quelle:

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