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Radunfall in Kambodscha

Erstellt von simon, 18.09.2004, 15:28 Uhr · 8 Antworten · 786 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von simon

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    Radunfall in Kambodscha

    Hallo Alle,

    Hier mal die versprochene Kurzgeschichte von mir :

    Siem Riep, irgendwann im März '04. Ich fuhr auf meinem Mietrad auf der Hauptstrasse, etwas in Eile, Richtung Tankstelle, wo ich mit meinem Reisekumpel abgemacht habe um die Ruinen Angkor Wats zu bestaunen. An den chaotischen Verkehr in Kambodscha habe ich mich schon ein wenig gewöhnt, hatte ich doch einen Motorroller in Phnom Penh gemietet und mich ganz tapfer im unmöglichen Vekehr der Hauptstadt behauptet. Dass ich mich dort mit einem Polizsten um die Höhe der Verkehrsbusse streiten musste ist eine andere Geschichte...
    So umfuhr ich an jenem Vormittag mehr oder weniger geschickt die herumstehenden Vehikel und Schlaglöcher, guckte vor jeder Kursänderung brav nach hinten, wissend dass Khmer sich nicht gerade viel um Verkehrs- oder auch nur Vorsichtsregeln kümmern.
    Als ich die Tankstelle erblickte, reihte ich mich langsam in der Mitte ein und signalisierte mit der Hand dass ich nach links abbiegen möchte. In dem Moment wurde ich von einem von hinten kommenden, viel zu schnellen Auto auf der linken Fahrspur erfasst, offensichtlich wollte es überholen und hatte den Platz etwas knapp einberechnet... Nun gut, ich wurde von hinten vom rechten Seitenspiegel auf Gesässhöhe hochgeschleudert und wurde über diesen, Kopf voran, auf die Frontscheibe geworfen und rollte dann recht hart zurück auf den Asphalt. Viel mehr als einen lauten Knall bekam ich vom Ganzen nicht mit, konnte erst ein wenig später rekonstruieren was passiert war. So lag oder sass ich also eine Sekunde nach dem Unfall auf dem Boden, umfasste meinen Kopf im Glauben jetzt gerade einen Schädelbruch erlitten zu haben, oder was ähnlich böses, sah noch ganz im Schock wie das Auto stark abbremste und an der Seite hielt. Es musste wohl mit etwa hundert Stundenkilometern unterwegs gewesen sein. Ich sah ein etwa 16-jähriges Mädchen und einen etwas älteren Burschen aus dem PW aussteigen und zu mir rennen. Sie sprachen auf mich ein, halfen mir hoch, ich musste wohl sehr belämmert dreingeschaut haben, konnte kein Wort stammeln und schaute sie nur ungläubig an und liess mich von der Strasse auf den Bürgersteig führen. Dort kamen 2 Polizisten auf uns zu, sie haben den Unfall keine 100 Meter entfernt gesehen. Mir wurde in das Unfallauto geholfen und so fuhren wir 200 Meter weiter zur Polizeistation.
    Ich stand noch immer recht hilflos da, begann allmählich zu realisieren was passiert war, schaute auf das Auto mit der eingeschlagenen Frontscheibe und dem verbogenen Spiegel, fasste mir, Eins und Eins zusammenzählend, an den Kopf, konstatierte nach längerem Herumfummeln dass da nichts fehlte, schaute auf mich herab, alles ok, fast, der linke Arm blutete stark, Blut tropfte auf den Boden, erkennen was mit meinem Arm war konnte ich auf die Schnelle nicht.
    So war ich ca. 5 Minuten auf dem Hof der Polizeistation, wusste nicht recht was machen oder sagen, man war offensichtlich damit beschäftigt die Vorgesetzten sowie Jemanden der Englisch spricht zu holen, man teilte mir das mit, der Lenker und seine Schwester schauten besorgt zu mir rüber. Viel mitbekommen habe ich wohl nicht, aber langsam konnte ich wieder klar denken.
    So fand man einen freundlichen Mann mit recht gutem Englisch, er erzählte mir was von Formularen die man auszufüllen hätte und so, dass der Autolenker am Unfall schuld sei und ich ihn verklagen könne. Ansonsten schienen weder er noch ich, geschweige denn irgend sonst jemand von den ca. 20 im Raum anwesenden, zum Teil Karte spielenden Leuten genau zu wissen was nun zu tun sei.
    Ich glaube irgendwann wies ich oder sonst jemand auf meine Verletzung am Arm hin, dass ich verletzt sein könnte schien jeder vergessen zu haben. Also wurde ich wieder nach draussen geleitet. Mittlerweile war auch die besorgte Mamma der beiden jungen Khmer eingetroffen. Sie sprach ein wenig Englisch, war ganz offensichtlich mächtig besorgt, auch dem Jungen und seiner Schwester war die Sache offensichtlich sehr unangenehm. So entschuldigte sie sich unter vielen Worten, ich versuchte sie zu beruhigen so gut es mir in der kurzen Zeit mit wenigen Worten halt ging, und fuhr mit einem Polizisten auf einem Motorroller zum Hospital etwas ausserhalb der Innenstadt. Die Fahrt dauerte höchstens 5 Minuten, half mir aber sehr die Lage etwas klarer einzuschätzen.
    Scheinbar also schien die Sachlage klar zu sein, Der PW-Fahrer ist schuld, die Polizei hat den Unfall gesehen. Ich könne den Fahrzeuglenker verklagen, das Geld sei mir sicher erzählte man mir. Ein entsprechendes Dokument wollte ich auf dem Polizeiposten so fix nicht unterschreiben, ich wolle die Sache erstmals besprechen, schien ich gesagt zu haben..
    Das schien der Polizist überraschenderweise positiv aufzunehmen, als ich vorhin in das Chefbüro geleitet wurde schienen alle froh zu sein dass ich das Ganze eher gelassen betrachte, wohl weniger Bürokratie und Aufwand, sprich Arbeit ?
    Also war ich erstmals ziemlich überrascht wie einfach mir Recht gegeben wurde, hätte ich doch in Kambodscha etwas anderes erwartet..
    Die beiden eigentlich sehr sympatischen jungen Khmer haben sich auch gleich nach dem Unfall um mich bemüht, und sind nicht, wie scheinbar üblich, nach dem Unfall davongefahren. Dieses Verhalten hielt ich bisher für üblich, habe ich es doch auch schon in Pnomh Penh, wo tödliche Unfälle an der Tagesordnung sind, wie auch im etwas gelasseneren Siem Riep gesehen..
    Also schien ich aus dem vermeintlichen Megaschlamassel ganz gut rausgekommen zu sein ? Aber da war ja noch das Krankenhaus..
    Dort angekommen und eingetreten sah ich erstmals was es heisst in Kambodscha krank oder verletzt zu sein :
    Der düster beleuchtete Eingang war gesäumt mit Kranken und Verletzten, Angehörigen und Wartenden, viele auf einem Tragebett liegend, Manche auch liegend auf dem Boden.
    Ich wurde gleich in ein Untersuchungszimmer gebeten, zahlende Kundschaft hatte wohl Vortritt.
    Der Boden war dreckig, viele Medikamente und Instrumente lagen herum, die Glassschränke waren voll gestopft mit Mittelchen, Krimskrams und Medis.
    Auf einem kl. Kindertisch mit Bärchenmotiv lagen ein paar Zangen, ein grosser rostiger Hammer. Ich setzte mich auf das eiserne Liegebett, schien wohl auch Operationssaal zu sein. Der Arzt begann meine Wunden am Oberarm, die ich mangels Spiegel noch immer nicht sehen konnte mit Desinfektionsmittel und frischen Stoffbinden zu reinigen. Bluten tat es schon, aber Schmerzen hatte ich eigentlich nicht gross. Froh war ich auch dass das verwendete Material neu und abgepackt war, als der Arzt mir dann noch einen Verband um die 2 Wunden band, übrigens alle sehr freundlich und verständnisvoll im Spital(!) wurde ich nach draussen gebeten. Irgendwie hatte ich auch vorher keine grossen Befürchtungen dass ich hier zu Schaden kommen könnte, aber
    mir fiel doch ein kleiner Stein vom Herzen dass das alles so gut klappte. Der Arzt wollte mir dann noch eine Spritze geben, wohl eine Schmerzspritze ? Freundlich aber bestimmt musste ich mehrmals ablehnen. Der Polizist der die ganze Zeit im Raum war beteuerte mir dass ich alles zurückbezahlt bekomme, ich solle die Spritze ruhig nehmen. Sehr freundlich, aber nein danke, wirklich.
    (Es ging wohl darum dass das Spital an mir oder besser am Autolenker verdienen wollte, die kriegen von den armen Schluckern hier wohl nur wenig Cash.. Heute würde ich das Spital wohl kräftig tippen, ich war mit der Behandlung und dem Preis mehr als zufrieden !)
    So bezahlte ich am Eingang meine 5 Dollar für die Behandlung, setzte mich auf den Sozius des Motorrads und freute mich dass die ganze Sache für alle Parteien so gut gelaufen war. Mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht
    wurde zurückgefahren zur Polizeistation, dort angekommen teilte ich es der Mamma mit dass die Behandlung 5 Dollar kostete und dass ich sie nicht weiter belästigen möchte wenn mein Schaden ersetzt ist. So unterschrieben alle Anwesenden das Papier auf Khemr und Englisch, ich bekam meine 5 Dollar sowie weitere 10 Dollar für den anscheinend nötigen Verbandwechsel, bedankte mich beim Polizeichef und dem Dolmetscher für die Arbeit, ging nach draussen um mein Rad zu begutachten. Der Lenker war ein wenig verbogen, so verabschiedete ich mich von allen ausser der Schwester die beim Unfall dabei war und ging mit ihr zusammen zu einem anscheinend befreundeten Velomechaniker. Sie sprach fast kein Englisch, war aber sehr freundlich, wollte unbedingt mein Rad stossen und befahl einem kleinen Mädchen als sie sah dass ich recht stark schwitzte, Papiertücher und Wasser zu kaufen. Der junge Bursche reparierte das Rad gleich an der Strasse, mit wenigen Mitteln aber sehr geübt.
    Ich bedankte mich, die Schwester verabschiedete sich schon fast herzlich und ich radelte zum Guesthouse. Ach ja, fast vergessen habe ich dass wir, bevor wir ins Spital gingen noch schnell zu meinen Freund an der Tankstelle fuhren so dass er wusste was los war. So traff ich ihn also in seinem Guesthouse, wir verabredeten uns für den Abend da ich mittlerweile doch etwas Kopfschmerzen hatte und ging schlafen.
    Später liess ich mir die ganze Sache nochmal durch den Kopf gehen und musste mir eingestehen dass ich die Erfahrung nicht hätte missen mögen... komisch was ?

    So, das war meine Geschichte, über Kritik bezüglich Lesbarkeit und Stil oder auch Erzählart würde ich mich sehr freuen !

  2.  
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  3. #2
    Johann43
    Avatar von Johann43

    Re: Radunfall in Kambodscha

    @simon,

    über solch positive Erzählungeen freut man sich doch immer.

    Dabei ist es doch völlig unwichtig wie Dein Stil rüberkommt. Ich fand es gut :bravo:

    Gruss aus dem Isaan

    Johann

  4. #3
    Avatar von simon

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    781

    Re: Radunfall in Kambodscha

    danke Johan, aber ich würde mich gerne verbessern, deshalb wäre mir kritik doch sehr willkommen
    ist ja meine erste geschichte die ich hier gepostet habe, selber kann man sich nur schwer einschätzen was lesbarkeit, flüssigkeit und stil der erzählung betrifft

  5. #4
    Avatar von Loso

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    Re: Radunfall in Kambodscha

    Hallo Simon,
    finde deinen Stil sehr flüssig, wie aus einem Guss. Was fehlt ist für denjenigen der nicht dabei war, eine knappe Charakterisierung der Menschen. Unsicher, scheu, arrogant, zerstreut etc.; "freundlich" ist mir zu allgemein und nicht bildhaft genug.
    Mich hat deine Erzählung überrascht und gefreut, aus Thailand hört man da ganz andere Erfahrungen.
    Gruss Loso

  6. #5
    Avatar von simon

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    781

    Re: Radunfall in Kambodscha

    Danke Loso, werd ich mir zu Herzen nehmen !
    stimmt, ich fand einfach alle "freundlich"

  7. #6
    Avatar von simon

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    781

    Re: Radunfall in Kambodscha

    würde mich bei 99 lesern um etwas mehr kritik/feedback freuen

  8. #7
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Radunfall in Kambodscha

    Hallo Simon,
    anscheinend sind alle zufrieden damit, daher schweigen und geniessen sie...

    Einen kleinen Tip haette ich aber doch fuer Dich: Setzt doch bitte richtige Absaetze, also mit Leerzeile. So ist es ein rieseiger Block von Buchstaben. Entspannender waeren Abschnitte...

    Chock dii, hello_farang

  9. #8
    Avatar von PengoX

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    1.987

    Re: Radunfall in Kambodscha

    ja ich habs gelesen und für gut befunden.

  10. #9
    PETSCH
    Avatar von PETSCH

    Re: Radunfall in Kambodscha

    is schon ok, @simon

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