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NEU - Komm zu Fisch !

Erstellt von dawarwas, 29.03.2004, 22:10 Uhr · 11 Antworten · 3.643 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von dawarwas

    Registriert seit
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    Re: Komm zum Fisch!

    Alle Achtung!
    Toller Bericht.

  2.  
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  3. #2
    Jakraphong
    Avatar von Jakraphong

    Re: Komm zum Fisch!

    Schön gemacht, gefällt mir wie und was du machst. :bravo:

    Gruß Jakraphong

  4. #3
    Kali
    Avatar von Kali

    Re: Komm zum Fisch!

    Hallo Heinz, das wäre eine Überlegung wert


    ...das könnten selbst wir uns leisten

  5. #4
    Thai-Robert
    Avatar von Thai-Robert

    Re: Komm zum Fisch!

    Hallo HPollmeier

    Super Bericht !


    Hallo Kali

    Ich denke,daß das Boots-Gerippe im Aufbau ist ....also, doch nicht so ganz Billig.
    Außerdem wäre es mir zu groß um mit ein paar Freunden Angeln zu gehen.

  6. #5
    Avatar von HPollmeier

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    Re: NEU - Komm zum Fisch !

    Komm zum Fisch!

    Der Tourismus beginnt an dem Tage, an dem die Menschen sesshaft wurden. Aber „In Zukunft wird es immer schwieriger, im Massentourismus Erlebnisse mit Ernstfallcharakter anzubieten. Der Tourismus, der größte Arbeitgeber der Welt, kann im 21. Jahrhundert fast alles ertragen - Kriege, Krisen und Konflikte - nur eines nicht: Langeweile. Wenn die organisierte Reise durch Rundum-Sorglos-Pakete zu professionell, perfekt und sicher wird, kommt zwangsläufig Langweile auf." Davon ist Opaschowski bereits in der Studie „Urlaub 95/96" überzeugt.


    Die ‚Trend-Scouts’ in der Zeitgeist-Metropole London stießen sogar auf die allerneueste ‚Lifestyle-Entwicklung’ – Angeln als Kult-Sportart.Vor allem Yuppies und karrierebewusste Frauen entdecken dieses Hobby immer mehr als „mentalen Ausgleichssport". Sogar Madonna soll dazugehören. Wer tagsüber in klimatisierten Räumen sitzt, will nicht auch noch den Abend im geschlossenen Fitness-Studio verbringen: Im Zuge des Naturtrends ist jetzt „Outdoor" angesagt. Angeln als Markt, der sich für die ‚Trendsetter’ unter den Investoren lohnen könnte?


    Für die ‚Speed-Gesellschaft’ steht Angeln offensichtlich auf der gleichen Stufe mit Selbsterfahrungs-Seminaren, Yoga oder Psychotherapie. Auch mit der Rute in der Hand kann man mental einen Gang runterschalten. Die Zukunfts-Forscher beobachten einen Trend zu „selbsterzeugten Mehrfach-Identitäten": Der am Morgen noch langweilige Büroangestellte mutiert nach Feierabend zum Abenteuer-Angler mit Indiana-Jones-Ambitionen.

    Soweit ist es in Thailand noch nicht. Darum geben wir - mit kleinen Abschweifungen - schlicht einige Hinweise zum Hochseefischen in Thailand.


    Bootsangeln vor Thailands Küsten
    Von Heinz & Rainer Pollmeier
    © Texte Parey Verlag
    © Fotos Pollmeier


    Das Angelfieber packt den Touristen in Thailand.

    Wer bei der Planung eines Thailandurlaubs zunächst gar nicht an das Angeln gedacht hat, wird im Land leicht zu seinem Hobby verführt: das reiche Fischangebot auf den Märkten, die Atmosphäre am Meer mit dem geschäftigen Treiben der Fischer oder einfach die Sehnsucht nach den tropischen Inseln reizen den Jagdtrieb. Wenn man ein wenig mit dem Meeresangeln vertraut ist, erliegt man unweigerlich den Verlockungen.


    Die Thais bauen solide, traditionelle Boote:


    Der Tourist, der auch im Urlaub ein paar Tage seiner Leidenschaft frönen will, sollte zu Hause ein wenig vorsorgen oder sich spätestens in Bangkok besinnen. Halten Sie im Land die Augen offen, beweisen Sie ein wenig Mut und ergreifen eine günstige Gelegenheit, dann krönen Sie Ihren Urlaub bei der Freundlichkeit der Thais mit einer preiswerten Ausfahrt zum Hochseeangeln!

    Man muss kein Spezialschiff chartern:


    Die Ausrüstung
    Generell gilt für einen Badeurlaub in Thailand: So wenig Gepäck wie möglich. Diesen Tip sollte man auch für die Angelausrüstung beherzigen. Eine Teleskoprute, universell einsetzbar, eine mittlere Multi- und eine ordentliche Stationärrolle sowie ein wenig Zubehör passen in jedes Handgepäck. Den Rest, Bleie und Senker, Angelhaken, Wirbel, Ersatzschnüre usw. sollte man wirklich erst in Thailand kaufen.

    Es gibt viele Möglichkeiten:


    Hat man in der Hektik der Reisevorbereitung alles vergessen oder möchte seine Ausrüstung ergänzen, so sollten Sie sich in Bangkok einige Stunden Zeit nehmen, denn fast alle gängigen Materialien, vor allem aus Taiwan, sind viel billiger als in Deutschland. Angelutensilien gibt es außerdem in jedem größeren Fischerdorf. Werfen Sie nachts einen Blick auf das Meer und Sie wissen, warum!

    Aber diesem Seelenverkäufer sollte man sich nicht anvertrauen:


    Der "Central Department Store" auf der Rama 1 Road in Bangkok ist eine gute Adresse für Ihre Einkäufe; hier können Sie auch eine Schnorchelausrüstung erstehen. An der Mahachai Road gibt es einige Fachgeschäfte für Fischereibedarf. Wenn Sie dort zufällig Khun Wanchai Changam.... treffen, erhalten Sie von dem Herausgeber des "Sea World Magazine" noch kostenlose Hinweise zum Angeln, Schnorcheln oder Harpunieren.

    Da ‚klammert’ sogar ein Schiffshalter:


    bis zum bitteren Ende:


    Bootsangeln - aber wie?
    Küstenangeln an den flachen Sandstränden Thailands ist meist unergiebig und Brandungsangeln an den Steilküsten wegen vorgelagerter Riffe sehr materialintensiv, daher schaut man sich bald nach Mietbooten um. Nun stehen in Thailand trotz wachsender Touristenströme nicht überall, wie an vielen europäischen Küsten, Boote von Angelvereinen, Hotels, Berufsfischern oder privaten Reedereien bereit, um Angler gegen Bezahlung für Stunden oder Tage aufs Meer hinauszufahren. Man weiß also in Asien nicht so recht, wie man an ein Boot kommen soll.

    Man fängt gewiss viele kleine Fische:


    In den Touristenzentren wie Pattaya, Phuket und neuerdings auch Krabi ist das natürlich einfacher als an den abgelegenen Stränden östlich von Trat oder an der unendlich langen Küste von Hua Hin bis in den tiefen Süden. Erste Anlaufstationen sind die Rezeption des Hotels, der Manager eines Resorts, der Besitzer eines Bungalows oder in Nationalparks, soweit sie am Meer oder auf den Inseln liegen, das Park-Office. In den meisten Fällen wird man auf diesem Wege an einen Fischer weitergereicht, mit dem man dann handelseinig werden muß: Preis, Zeit, Köder - wer sichergehen will, besorgt sich für einige Baht Tintenfisch (Plahmük) in der Küche.


    Die nächste Möglichkeit ergibt sich bei Bootsausflügen zu vorgelagerten Inseln. Am Ziel der Bade- oder Schnorcheltouren wartet der Bootsführer oft stundenlang untätig auf seine Gäste. Für eine Schachtel Zigaretten und/oder einen Unkostenbeitrag wird er gern bereit sein, zum Fischen die Riffkante anzusteuern. Mit Maske und Flossen können Sie sich davon überzeugen, was unter Wasser los ist. Es dauert bestimmt nicht lange, und der Thai wird die Handangel hervorkramen und mit dieser traditionellen thailändischen Angelmethode selbst fleißig fischen. Man kann einiges lernen, und, wenn man das Glück hat, einen Bootsführer zu treffen, der die Angelgründe kennt, sich für die nächsten Tage arrangieren. Nur sollte man sich dann, was natürlich von Boot und Ausrüstung abhängt, entscheiden, ob man am Riff fischen, auf Hornhechte schleppangeln oder gar auf größere Fische gehen will.


    Wenn diese Bemühungen erfolglos bleiben, muß man in die Fischerdörfer und -häfen. Falls ein Laden mit Fischereibedarf vorhanden ist und Sprachbarrieren noch mit Englisch überwunden werden können, wird man von dort aus weitervermittelt und erreicht sein Ziel, meist zu Preisen, an die man in Europa gar nicht mehr zu denken wagt.

    Vertrauen ist gut, Kontrolle zwecklos
    Die Boote, ihre Ausrüstung und Sicherheit dürfen nicht nach europäischen Maßstäben beurteilt werden. Auch bei Ausflügen dicht vor der Küste muß man viel Vertrauen mitbringen. Mit Wasser und Proviant sollte man sich selbst versorgen, auf ausreichenden Treibstoff zumindest achten. Nautische Einrichtungen wie Radar, Echolot, Kompaß oder sonstige Kleinigkeiten wie Radio, Sprechfunkgeräte, Rettungswesten, Signalraketen usw. wird man vergeblich suchen. Sie werden durch seemännische Erfahrung des Bootsführers ersetzt, der in der Regel seine Küstenabschnitte von Kindheit an wie seine Westentasche kennt. Wem diese Voraussetzungen zu mangelhaft erscheinen, der sollte das Bootsangeln in Thailand vergessen.


    Nun sind die Gefahren im Golf von Thailand keineswegs mit denen im Atlantik oder Mittelmeer zu vergleichen, auch wimmelt es in allen Küstenbereichen von Fischern, die ihr Handwerk verstehen und jederzeit hilfsbereit sind. Trotzdem muß es - leider - ganz deutlich gesagt werden: Wer nicht im Innersten bereit ist, europäische Hast und Überempfindlichkeit und die besondere deutsche Gründlichkeit und Besserwisserei nach einigen Tagen abzuschütteln, sollte seine Asienambitionen grundsätzlich überdenken, weil er nicht nur beim Angeln Ärger bekommt.


    Die geschilderten "Annäherungsversuche" wurden mit wechselndem Erfolg in Thailand erprobt. Freundlichkeit und Zigaretten waren die besten Begleiter im Umgang mit den Thais. Gewiß, man sollte auch "handeln", eine Kunst, die Europäer erst wieder mühsam erlernen müssen. Aber wenn man bedenkt, wie gering der staatlich ferstgelegte Mindestlohn ist, sollte man nicht kleinlich sein. Vielmehr zahlt sich ein großzügiges Verhalten, weniger in Geld als in praktischen Geschenken, so sehr aus, daß man Jahr für Jahr wiederkommen kann. Die Thais vergessen kein Gesicht.



    Nach einigen Jahren "Erfahrung" weiß man allerdings noch nicht, wie die Mietpreise für die Boote entstehen. Einige Beispiele für unterschiedliche Preise: An der Thung Bua Laen Beach, etwa 11 km nördlich von Chumphon, werden vom Cabana Beach Resort Bootstouren zu den vorgelagerten Inseln veranstaltet. Der Preis für das Motorboot liegt fest, Angeln ist Verhandlungssache. An der Westküste in Krabi kostet an der Ao Nang Beach eine Angeltour rd. 50 Euro pro Tag, in Krabi Stadt dagegen kann man auf Fischer treffen, die für ihre kleinen Boote mit Sonnenschutz zum Schleppangeln auf Barrakudas in der Krabibucht lediglich die Spritkosten berechnen und den Fang teilen.

    Aber auch ‚dicke Brocken’:





    Auf Koh Samet wiederum, Bangkoks überlaufener Wochenendinsel, ist es äußerst schwierig, zu vernünftigen Preisen ein Boot zu bekommen. Man kann sich höchstens zu der unbewohnten winzigen Nachbarinsel Koh Chan übersetzen lassen und von der Nordspitze auf Hornhechte angeln,


    die dort in der starken Strömung jagen. Mit etwas Glück sieht man die seltenen Warane.

    Der Fang - no problem für die Küche
    Die Thai-Küche gehört wegen ihrer Vielfalt und raffinierten Würzkunst zu den besten der Welt. Sie können also getrost Ihre Beute der Küche anvertrauen, die Thais wissen schon, wie sie Ihren Fisch zubereiten. Er wird überall gern entgegengenommen, Sie zahlen - falls überhaupt - lediglich einige Baht für Gewürze und Beilagen.

    Die Fische bekommen eine letzte Chance:


    Aber wenn sie einen Barrakuda oder eine Makrelenart erbeutet haben, versuchen Sie einmal Sashimi - fangfrischer, in dünnen Scheiben aufgetragener roher Fisch, Japans Delikatesse, eine auch in Thailand sehr beliebte, für uns ungewohnte Gaumenfreude!


    Fortsetzung folgt.

    Gruss
    HPollmeier

  7. #6
    Avatar von HPollmeier

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    Re: NEU - Komm zu Fisch !

    Angelabenteuer Thailand - Tips für Individualisten
    Von H. & R. Pollmeier
    © Texte Parey Verlag
    © Fotos Pollmeier


    Hochseeangler wissen, wo sie gezielt in Europa oder Übersee ihr schweres Geschirr auf die Großen des Meeres: Conger, Rochen, Hai, Marlin, Thun oder Schwertfisch einsetzen können. Die organisierten Reisen dieser Spezialisten haben allerdings ihren Preis. Nicht jeder Angler kann sich das leisten.



    Ganz anders in Thailand! Asiens Urlaubsland Nr. 1 bietet Möglichkeiten und Preise, von denen man in Europa nicht mehr zu träumen wagt. Fänge werden sozusagen garantiert: no fish, no money, heißt die Devise. Auf nervenstarke und seeerfahrene Meeresangler warten aufregende Abenteuer, z. B. in der Andamanensee.


    Wer sich professionelles Fischen nicht leisten kann, sollte Long-Tail-Boote mieten. Erstaunliches geht an den Haken, mit diesen Nußschalen fängt man sogar Segelfische. Und die Preise stimmen! Da der Tourismus in Thailand boomt, spezialisieren sich immer mehr Fischer auf die Belange der Meeresangler. Long-Tail-Boote sind die Renner der Saison.


    Krabi-Stadt, quirlige Drehscheibe für den Bootsverkehr zu den Inseln Phee Phee, Si Bo Ya, Jum, Lanta und in die Buchten von Ao Nang und Phang-Nga, ist ein idealer Standort für „Long-Tail-Fishing“. Unterkünfte jeder Preiskategorie sind vorhanden.


    Long-Tail-Boote sind traditionelle Holzboote unterschiedlicher Größe mit starken Dieselmotoren, die über einen langen Ausleger das Boot antreiben, sozusagen vorwärtsquirlen und steuern. Die Motoren sind zwar laut, aber die Boote außerordentlich wendig, geeignet zum Schlepp-, Treib- oder Grundangeln. Bei ruhiger See kann man über lange Distanzen von 20 bis 25 Kilometer ausfahren. Die Bootsführung erscheint spielerisch, erfordert aber Kraft, Ausdauer und höchste Geschicklichkeit bei unruhiger See. Sie ist Knochenarbeit; ein Fischer läßt sich gern einmal ablösen. Die Thais durchpflügen mit diesen Booten das Meer auf der Suche nach Barrakudaschwärmen, jagenden Thunen oder Königsmakrelen.





    In Krabi bieten mehrere Veranstalter Tages- und Mehrtagestouren mit diesen Booten an. Wer zufällig auf Khun (Herr) Nongyan stößt - sein Spitzname ´Taovorn´ bedeutet der ‚Zuverlässige´ – kann sich ihm bedenkenlos anvertrauen. Er betreibt sein Geschäft seit Jahren und kennt die Inselwelt und die Fischgründe wie seine Westentasche. In Krabi genießt er den Ruf eines Fischprofessors; und nicht selten folgen ihm andere Boote, um von seinem Spürsinn zu profitieren.


    Die Tagestour führt durch die mangrovenreiche Bucht von Krabi zu einer kleinen, namenlosen Nachbarinsel von Chicken Island. Dort wird mit Grundblei und ganzen Tintenfischen an 2.5 bis 3 Meter langen Vorfächern auf Monkfisch geangelt, ein ausdauernder und starker Kämpfer. Bei der Ausfahrt wird geschleppt; Barrakudas und Königsmakrelen sind die häufigsten Fänge. Wenn man auf der Rückfahrt einen Barrakudaschwarm erwischt, geht es Schlag auf Schlag. Innerhalb einer Stunde liegen oft mehr als zehn gierige Räuber an Deck.


    Die Zweitagestour ist für Farangs (Ausländer) ein besonderes Abenteuer. Die Fahrt geht über Chicken Island - Angeln auf Monk - Koh (Insel) Jawasa, Yung und Mai Phai oder Bamboo Island mit Gelegenheit zum Schnorchel


    – noch fast das Beste, was Thailand in dieser Hinsicht zu bieten hat; also Brille und Flossen nicht vergessen! - nach Koh Phee Phee, jener traumhaft schön gelegenen Insel, die der Tourismus leider in wenigen Jahren überrannt und entstellt hat. Für die Nacht kann man einen Bungalow ordern oder am Strand oder im Boot übernachten, wenn man in Erwartung eines Segelfisches überhaupt schlafen kann.


    Das ‚Sailfish-Aquarium‘ liegt etwa zwei Bootsstunden von Koh Phee Phee entfernt, an einer Stelle südwestlich von Koh Ma. Die hin und wieder von einem Rudel Delphine begleitete Fahrt unterbricht Kuhn Taovorn mitten auf offener See, um in Windeseile mit der Handangel und einem Fliegenpaternoster eine bestimmte, uns unbekannte Art kleiner gelber Fische als lebende Köder für die Segelfische zu fangen. Die Hälterung stellt kein Problem dar. Taovorn zieht einfach einen Stöpsel aus dem Deck, durch das Loch läuft ständig Meerwasser in eine Holzkiste, und die Köderfische bleiben so den ganzen Tag quicklebendig.


    Eine Viertelstunde später ist es dann soweit. Taovorn deutet mit der Hand auf die See und kann bei unserem Ausruf: "Sailfish!" ein Lächeln nicht unterdrücken. Er stoppt das Boot und die Köder gehen über Bord. Der Rest ist Nervensache. Schon nach einer knappen Stunde sehen wir eine mächtige, dunkle Rückenflosse immer engere Kreise um eine der Styroporposen ziehen. Alle fiebern dem Biß entgegen. Taovorn gibt das vereinbarte Zeichen. Anschlag! Dann geht die Post ab. Ein mächtiger Schwall, die Rute biegt sich, die Rolle singt und, ehe wir uns besinnen können, sind gut hundert Meter Schnur abgezogen. Jetzt beginnt ein unvergeßlicher Kampf an leichtem Geschirr. Nachdem die erste Flucht gestoppt ist, wechselt der Fisch die Taktik: rasend schnell schießt er auf unser Boot zu, wendet, um mit gewaltigen Luftsprüngen erneut zu flüchten. Nach einer Dreiviertelstunde harten Drills gibt er scheinbar auf, kurz vor der Landung jedoch ein letzter, kraftvoller Sprung, um den lästigen Haken aus dem Schwert zu schütteln; aber er hat verloren.


    Taovorn schätzt unseren ersten thailändischen Sailfish auf gut 30 Kilogramm. Wir waren allerdings mehr von der Schönheit seines blaugrau glitzernden Leibes als von seinem Gewicht beeindruckt. Im Laufe des Tages hakten wir noch drei weitere elegante Kämpfer, der größte wog an die 40 Kilogramm, ging aber verloren. Das erspart das mühsame ‚Ausklinken‘ des Fisches vom Haken, denn unsere Sails erhalten in der Regel ihre Freiheit zurück.


    Den Höhepunkt - neben dem Naturschauspiel, ständig springende und vorbeiziehende "Sails" erleben zu können - bot uns ein Thai, der mit einer Handschnur den Segelfischen auf die Schuppen rückte. Schon bei der ersten Flucht schoß ihm die komplette Leine, an deren Ende ein Plastikkanister befestigt war, durch die Hände. Notgedrungen warf er ihn über Bord, zog im Eiltempo den Anker ein, startete den Motor und jagte dem weithin sichtbaren Kanister hinterher. Das Spiel wiederholte sich mehrmals, bis er den erschöpften Fisch in sein Boot ziehen konnte. Auf nach Thailand, wenn Sie sich wie „der alte Mann und das Meer“ fühlen wollen!


    Angelsaison ist von November bis April, die Touren kosten 1.500 Baht bis 2.000 Baht pro Tag, 500 Baht je Tag werden nicht selten erstattet, wenn kein Fisch gefangen wird oder kein Sailfisch anbeißt.


    Die Ao Nang Beach, etwa 17 Kilometer südwestlich von Krabi, bietet weitere ausgezeichnete Möglichkeiten zum Long-Tail-Fischen. Khun Eed Amata von den Three Brothers, einem kleinen Fischrestaurant an der Schotterpiste nach Krabi, ist Fischer von Kindheit an, ein Hüne unter den Thais, der, wie so oft bei bärenstarken Männern, ein wenig zurückhaltend wirkt. Wer sein Vertrauen gewinnt, kann sich auf spannende Ausfahrten gefaßt machen. Mit dem Meer geht er kein Risiko ein; er prüft sehr früh am Morgen die See - und wenn er Nein sagt, helfen weder Geld noch Überredungskünste.


    Man kann Tages-, Früh- oder Spättouren vereinbaren. Der Preis ist Verhandlungssache, Eed Amata verzichtet auf sein Geld, wenn man nichts fängt. Wer jedoch fair ist, zahlt Sprit, Leihgebühr für das Gerät und einen angemessenen Beitrag für die Arbeit. Khun Eed Amata ist Spezialist für das Schleppangeln, unermüdlich durchkämmt er das Meer und jagt den Fisch. Ist kein Fang an Bord, spielt die vereinbarte Zeit keine Rolle. Dieser Fischer gibt nicht auf.



    Wer mit Khun Taovorn den Süden der Bucht von Krabi erkundet hat, hat jetzt die Chance, in den Norden bis weit in die phantastische Phang-Nga-Bucht vorzustoßen. Starke Thune, große Makrelen und gefräßige Barrakudas sind der Lohn für schweißtreibende Angeltage. Khun Eed Amata wuchtet sie locker mit dem Schwanzgriff ins Boot.


    Selbstverständlich werden Sie abends bei den Three Brothers zum Essen eingeladen, denn Eed Amata läßt es sich nicht nehmen, Ihnen sein Spezialgericht zu servieren: Barrakuda in Thaicurry. Spätestens jetzt überlegen Sie ernsthaft, ob man den Segelfischen einfach so den Rücken zukehren soll oder ob der Abschied aus diesem gastfreundschaftlichen Land nicht noch um eine Woche hinausgezögert werden kann.


    Wenn Sie den Empfehlungen nicht folgen, noch einige Hinweise: Auch unter den Thais gibt es Schlepper und Nepper, die für einen schnellen Baht den angelnden Touristen an der Nase herumführen. Gute Fischer haben ihr eigenes Boot; wer Sie mit einem Mietboot ködert, jagt Sie nur ziellos über die See, verfährt den Sprit und die vereinbarte Zeit, sonst erleben Sie nichts außer Sonne und Landschaft – aber Nichtanglern genügt das.



    Freundlichkeit und Zigaretten sind die besten Begleiter im Umgang mit den Thais. Grundsätzlich sollte man nicht kleinlich sein; größzügiges Verhalten, weniger in Geld als in praktischen Geschenken, zahlt sich so sehr aus, daß man Jahr für Jahr gern gesehen wird. Die Thais vergessen kein Gesicht. Wenn Sie einem guten Fischer nach einer erfolgreichen Ausfahrt einen Schleppköder, einen Tiefenwobbler oder sonstiges Zubehör schenken, gewinnen Sie einen Freund fürs Leben.


    P.S.:
    Eed Amata haben wir nach einem Jahr nicht wiedergesehen. Er ist den harten Drogen verfallen, das Restaurant wurde verkauft. Eine bittere Realität, die wir als Touristen nicht gerne wahrnehmen. In guter Erinnerung haben wir die Geschichte nicht verändert.


    Wenn Sie fischen wollen, treffen Sie garantiert einen anderen fähigen Bootsführer. Aber seien Sie nicht enttäuscht: Bei dem ‚brutalst‘ praktizierten Umweltschutz der Thais läßt auch der Fischreichtum immer mehr nach. Von ‚Fisch-Ernten‘ ist nicht mehr die Rede!


    Gruss
    Heinz Pollmeier

    Fortsetzung folgt.

  8. #7
    Avatar von dawarwas

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    Re: NEU - Komm zu Fisch !

    Hi,
    wir hatten auf Samui auch x einen ca. 4 kg Baracuda gefischt.
    Einxiges Erlebnis. Nicht nur fuer mich. ;-D
    Ne, auch fuer das Nordlicht, der versuchen wollte, dem noch lebenden, im Boot liegenden Bara., den Hacken zu entfernen. Hatte es wohl mit ner Flunda verwechselt.

    Zum Glueck hat es der Thai gesehen und ihn gerede noch zurueck gezogen. Sonst haette er heute wohl ein paar Finger weniger. :O lol

    Das anschliessende Essen war dann auch wieder ein Fest. Es gab Bara. in Suess Sauer, Curry Suppe und als Garlic and Peapper.

    Das war der bisher am leckersten schmeckende Fisch, den ich gegessen habe.

    Vielleicht auch wegen der ganzen Umstaende. Denn eigentlich ist Sharc und Marlin ja auch was ganz besonderes.

  9. #8
    Avatar von HPollmeier

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    Re: NEU - Komm zu Fisch !

    Hallo,

    zum besseren Verstaendnis von Jagen und Fischen sei eine allgemeine Abschweifung erlaubt:

    Komm zum Fisch!
    Jagen und Fischen – die Philosophie

    Von H. & R. Pollmeier
    © Texte Parey Verlag/Reisemobil International
    © Fotos Pollmeier



    Die Financial Times, eine seriöse britische Zeitung, hat einen eigenen Korrespondenten für Angelthemen. Können Sie sich das beim Handelsblatt vorstellen oder in der WirtschaftsWoche? Nein?

    Dann vestehen Sie auch nicht den letzten Wunsch eines echten Walisers; wenn Petrus ihm vor dem Tod noch einen Tag zubilligt, frohlockt er: "Wunderbar - dann gehe ich Woodcock - Waldschnepfen - jagen und fische die ganze Nacht auf - Meerforellen - Sewin!"


    Im Land der Songs und Sewins:


    Was treibt also Angler wie Horst Hrubesch oder Peter Alexander immer wieder an’s Wasser?

    Der Altmeister Alexander Spoerl schreibt sinngemäß in „Das Neue Angelbuch“: Fischen ist ein Volkssport geworden. Die Fische sind davon wenig begeistert. Doch Angler richten unter den Fischen weniger Unheil an als Abwasserrohre, warmes Kühlwasser aus Fabriken, Kalisalze, Phosphate und Detergentien. Es ist gar nicht wahr, daß durch Umwelteinflüsse zu wenig Fische im Wasser sind, die beißen nur weniger an, weil sie wegen des Volkssports so gewitzt geworden sind.

    Wales - Wo der Himmel beginnt:


    Angeln soll eine Leidenschaft sein! Diese Leidenschaft kommt aus dem natürlichen Jagdtrieb des Menschen. Dabei stellt sich gleich die Frage, ob auch Frauen fischen, also gleichfalls dem Jagdtrieb ergeben sind. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, daß Fischerinnen auf mich einen besonderen Reiz ausüben - wie etwa der Blinker auf den Hecht.

    Am Fuß der Walisischen Alpen am Tal-y-Llyn liegt das Tyn-y-Cornel-Hotel. Der widerborstige Name ist das Zuhause der ältesten Angel- und Jagdherberge der Welt; sie wird bereits 1834 in der britischen Literatur erwähnt:


    "Angeln nennt man das Fangen von Fischen mit einer Schnur und einem mit Köder versehenen Haken", definierte 1875 der neumärkische Rittergutsbesitzer Max von der Borne in seinem "Illustrierten Handbuch der Angelfischerei". Sein Werk markiert den Übergang von einem Zeitvertreib für Gutbetuchte zur Freizeitbeschäftigung von heute drei Millionen Bundesbürgern. Diese Zahl rief nicht nur die Angelgeräteindustrie auf den Plan. Verlockend klingen die Anzeigen der Touristikbranche: "Ein fischreicher Forellenbach fließt direkt durch den Ort" oder "Genießen Sie die Fahrt entlang des smaragdgrünen Fjords, aus dem sich schnell eine Mahlzeit Fisch fangen läßt".

    Am Morgen kräuselt nur eine hauchzarte Brise das kristallklare Wasser des Tal-y-Llyn. Als Mike das Boot flottmacht, bricht die Sonne durch und Wolkenschatten sprenkeln faszinierende Farbwechsel über die Abhänge des Cader Idris, eine unvergeßliche Symphonie von Wasser und Bergen. Die Forellen rühren sich. "Let´s get going," sagt Mike, "the olives are hatching":


    Mal eben Fisch erbeuten, anschließend die Schuppenträger über einem knisternden Lagerfeuer knusprig braten und sie auf der Zunge zergehen lassen, das wär doch was. Das Schuppenwild hüpft aber nicht einmal im fischreichen Skandinavien von alleine in den Kescher, geschweige denn in die Pfanne. Die Zeiten, in denen krumme Bambusruten, geflochtenes Pferdehaar als Schnur und einfachste Haken ausreichten, ganze Familien satt zu machen, sind längst vorbei. Heute lassen sich Fische und Angler nicht mehr so leicht ködern. Doch den Petrijüngern geht es gar nicht darum, möglicht viel Beute aus dem Wasser zu ziehen. Sie widmen sich der wohl ältesten, zumindest ursprünglichsten Art des Jagens, und verwenden viel Geist darauf, Fische zu überlisten. Das bringt jede Überraschung und manche Enttäuschung.

    Dr. Graeme Harris, mit Mog Morgan Autor von "Successful Sea Trout Angling":


    Zu jedem Sport gehört die faire Auseinandersetzung. Der Fisch soll eine reelle Chance haben. Angeln ist dann mehr als ein romantisches Abenteuer: erlebnisreiche Naturerfahrung, Quelle der Erholung und aktiver Naturschutz. Denn der Sportfischer achtet die Kreatur und tut alles, ihren Lebensraum zu erhalten.

    Wie überall im Freizeitbereich entwickelten sich auch beim Angeln Ausrüstung und Spezialisierung rasant. Wer es wagt, die Türschwelle eines Fachgeschäftes zu überschreiten, wird mit einem Urwald unterschiedlichster High-Tech-Ruten, futuristisch anmutender Rollen und knallbuntem Zubehör konfrontiert. Der schlicht vorgetragene Wunsch: "Ich hätte gern eine Angel für den Urlaub", wird den Verkäufer genauso verblüffen wie der Widerhaken im Leckerbissen den Fisch. Hat er sich gefangen und an die primitive Ausrüstung seiner Jugend erinnert, nimmt er sich bereitwillig Zeit, um den Anfänger seiner Passion näher zu bringen.

    "Ein guter Angler", sagt Graeme, "liest das Wasser und wählt dann die richtige Methode. Darum ist der reine Fliegenfischer immer ein wenig überheblich". Und mit leichtem Hemingway-Anklang: "Ein toter Fisch ist ein toter Fisch, ob mit Fliege, Spinner oder Wurm. Meine Philosophie favorisiert keine Fangart." "Aber Du warst", ergänzte er lächelnd, "bei Wurm-Wasserstand mit der Fliege ganz gut."


    Nicht im trüben fischen
    Grundsätzlich besteht jede Angel aus einem Stock mit Rolle, Schnur, Vorfach und Haken. Damit kann man im Meer oder Süßwasser fischen. Entscheidend ist einzig und allein, ob Fried- oder Raubfische gefangen werden sollen. Vor Gott sind sicher beide Fischarten gleich. Während die Weißfische davon leben, friedfertig Nahrung zu suchen, tötet der Raubfisch schwächere Geschöpfe. Karpfen, Schleie & Co haben es vorwiegend auf Kleinstlebewesen und Pflanzen abgesehen, Hecht, Zander und andere Räuber machen nach dem Motto "die Großen fressen die Kleinen" nicht vor den eigenen Artgenossen halt. Dem Raubfisch aufzulauern, scheint daher moralisch weniger verwerflich zu sein.



    Für Fried- und Raubfische gibt es jeweils spezielle Köder und Angeltechniken, die auf die natürliche Ernährungsweise der Unterwasserbewohner abgestimmt werden. Friedfertige Fische sind mißtraurisch und lassen sich am besten mit Brot, Maiskörnern oder Würmern überlisten. Räuber hingegen sind gewitzt und müssen mit toten Köderfischen oder Kunstködern getäuscht werden. Künstliche Köder sind beispielsweise Fischimitationen aus Gummi, lichtreflektierende Blechstücke - sinnigerweise Blinker genannt - zigarrenförmiges Holz mit Haken oder Spinner, bei denen ein Metallblatt um eine starre Achse rotiert. Das in der Angelsprache den eigentümlichen Kunstködertyp "Spinner" bezeichnende Wort wird von Nicht-Anglern häufig zur Charakterisierung der gesamten Spezies gebraucht. In Fachkreisen ist lediglich die Angeltechnik Spinnfischen gemeint. Dabei werden Kunstköder immer wieder ausgeworfen und eingeholt, um den Raubfischen ein kleines, wehrloses Beutefischchen vorzugaukeln. Die Köder bilden zusammen mit der Rute ein Katapultsystem. Bei der Beschleunigung zum Auswerfen speichert die Rute Energie, die sich entlädt, wenn die Schnur freigegeben wird. Das Katapult saust über den See.

    Mike Dawnay, Jagd- und Fischerei-Organisator, 1990 zu seinem Leidwesen ‚nur’ Vizemeister der Commonwealth Flyfishers´ Championship, fischt am Afon Dysynni:


    Der kurze Afon Dysynni kann sich als Lachs- und Sewinfluß nicht mit den Spitzengewässern in Wales wie Tywi, Wye oder Teifi messen. Dafür bietet er großartige und geschichtsträchtige Landschaft: Die Ruinen des Castell y Bere oder anderer Burgen bleiben lange im Blickfeld haften.



    Spinnangeln hat zwei wesentliche Vorteile gegenüber allen anderen Möglichkeiten, den Fischen auf die Schuppen zu rücken. Die Ausrüstung ist überschaubar, läßt sich leicht verstauen und zu Fuß in der Hand, am Fahrrad, im Auto, Wohnmobil oder Flugzeug transportieren. Das ist kein Bürde: Rute, Rolle, Schnur, einige Kunstköder und einen Kescher, um größere Fische gekonnt an Land zu befördern. Man kann praktisch überall mit Aussicht auf Erfolg spinnen: Makrelen im Meer, Hechte im idyllischen See, Zander im großen Strom und Forellen im klaren Bergbach. Raubfische werden wegen ihres festen weißen Fleisches als Leckerbissen in jeder Küche gern gesehen.

    Spinnangler-Denkmal in Dumfries (Schottland):


    Wer den Charakter seines Gegners kennt, kann ihm beikommen. Die nimmersatten Räuber jagen aus Hunger, Ärger oder Wut, aus Futterneid, Spieltrieb oder Neugier. Angler stellen sich darauf ein, fischen systematisch gute Stellen ab, wechseln häufig den Standort und spüren Verstecke im Gewässer auf. Spinnfischer suchen ruhelos wie die Räuber selbst ihre Beute, während Sitzangler - ganz dem Naturell der Friedfische folgend - warten, bis ein ausgeworfener Köder für gut befunden und verschlungen wird. Welcher Petrijünger die größeren Chancen hat, läßt sich objektiv schwer entscheiden. Friedfischangler führen mehr Gerät mit, weil sie neben der Grundausstattung eine Auswahl unterschiedlich großer Haken, Bleie, Posen oder anderer Bißanzeiger sowie ein Sortiment an Ködern benötigen.

    Fried- oder Raubfisch? Kein Wunder, schließlich legen Beruhigungsangler meist zwei oder drei Ruten gleichzeitig aus. Dazu gibt es vielfältige Anweisungen, beispielsweise wo der Wurm im Wasser baden soll. Das Angeln im Sitzen erinnert an bloßes Fallenstellen und ruft automatisch ein weiteres Klischee ab: Menschen, die wie Fischreiher am Ufer hocken, griesgrämig dreinblicken, Würmer auf Haken spießen (anködern) und stundenlang einen schwimmenden Korken beobachten.


    Pure Langeweile, sollte man meinen. Doch Karpfen bringen immerhin bis zu einem halben Zentner auf die Waage. Bei dem Gedanken, einen derart schweren Brocken zu erwischen, wird der scheinbar so geduldige Petrijünger auch im Sitzen verrückt, übt aber zwangsläufig die Tugend Geduld. Wenn die Pose plötzlich abtaucht und den Biß eines Fisches anzeigt, ist die Spannung kaum auszuhalten. Der Angler reagiert mit dem Anhieb: Er hebt die Rute gleichmäßig an und strafft so die Schnur, damit der Haken ins Fischmaul dringt, bevor der Fisch den Betrug merkt und den Köder ausspuckt. Macht der Petrijünger jetzt seiner inneren Erregung mit einem lauten Fluch Luft, war der Fisch schneller und schlauer. Andernfalls sitzt der Geschuppte am Haken und wehrt sich mit einer wilden Flucht, um seine Freiheit wiederzuerlangen. Ob er dabei Schmerz empfindet, konnte die Wissenschaft bisher nicht beweisen. Neudeutsch wird das als Streß bezeichnet und von uninformierten Zeitgenossen synonym für Tierquälerei verwendet.


    Sicher ist: Bei dem nervenaufreibenden Versuch, gehakte Fische in den Kescher zu bugsieren, erlitten bereits einige Prominente einen Herzschlag. Denn der Drill erhöht Herzfrequenz und Blutdruck beim Angler wie beim Fisch. Der läßt sich nicht einfach herankurbeln, er zieht meist Schnur von der Rolle. Die Bremse verhindert, daß die dünne Sehne reißt. Die biegsame Rute federt die Schläge des flüchtenden Fisches ab. Wenn es ihm nicht gelingt, den Haken abzuschütteln, ist er schnell erschöpft (Fisch) und kann glücklich (Angler) gelandet werden.

    Ab in die Pfanne, Fisch!

    Es kann aber auch ein einfacher Räucherofen sein:


    Jetzt muß der Fisch fachgerecht versorgt werden: Ist er für die Pfanne zu klein, wird der Haken schonend gelöst und der Fisch darf zurück ins Wasser gleiten. Gesetzliche Fangnormen schreiben zum Schutz aller Arten genau vor, ab welcher Länge (Mindestmaß), wann (Schonzeit), wieviele (Fangbeschränkung) Fische mitgenommen werden dürfen. Soll der gefangene Fisch in den Kochtopf wandern, muß er nicht lange leiden: Er wird sofort mit einem Schlag auf den Kopf betäubt - das honorig klingende "Gnadenholz" bleibt ein Totschläger - und durch einen Messerstich ins Herz getötet.


    Obwohl Raub- und Friedfischangler ständig an ihrer Technik und Taktik feilen, gilt Fliegenfischen als die nobelste Art, die Hohe Schule der Angelei. Fliegenfischer jagen keine Stubenfliegen oder vertreiben Schnakenschwärme am Wasser, wenn sie die Rute beim Wurf hin- und herschwingen, sondern wollen mit Insektenimitationen vornehmlich Forellen und Äschen fangen. Sie ernähren sich von allem, was am Gewässer kreucht und fleucht, beispielsweise Eintags- und Köcherfliegen oder Plagegeister wie Stechmücken. Klangvolle Namen der Nachbildungen wie "Blue Dun" werden schnell entzaubert, wenn man sie übersetzt. Wie ein Fachhändler auf die "Kuhmistfliege" reagiert, sollte der Anfänger nicht unbedingt testen.

    Der Fliegenfischer räumt dem Fisch ein Höchstmaß an Chancen ein. Aber sein guter Ruf rührt von der Wurftechnik her, die allgemein als schwierig gilt. Eine künstliche Fliege ist nämlich ausgesprochen leicht, da sie nur aus einem Haken, wenigen Haaren und Federn besteht. Um genügend Wurfgewicht zu erreichen, ist die Fliegenschnur dicker und schwerer (eigenschwer) als normale Angelschnur. Beim Fried- oder Raubfischangeln spult das Ködergewicht die Leine von der Rolle, der Fliegenfischer kann kein Blei an die Schnur klemmen; es würde die heiklen Salmoniden vergrämen. Er zieht durch Vor- und Rückschwung der Rute soviel Leine von der Rolle, bis er die Stelle auf dem Wasser zielgenau erreicht, an der er den Fisch vermutet. Dort setzt er die Insektennachahmung naturnah und schnappgerecht auf, serviert sie sanft und leicht. Früher war diese Angelart nur gekrönten Häuptern oder dem Adel vorbehalten. Heute adelt "Outfit", und manche Fliegenfischer tragen Etiketts außen als Nimbus einer Kaste, die sich über den Normalanglern ansiedelt.


    Die Eleganz des Wurfstils hat Brad Pitt in dem Film "Aus der Mitte entspringt ein Fluß" in eindrucksvollen Bildern vorgeführt. Allerdings mußte Regisseur Robert Redford, selbst begeisterter Fliegenfischer, seinen Hauptdarsteller einen Kurs belegen und in den Szenen doubeln lassen, die Fliegenfischen in Vollendung zeigen. Und die riesige Forelle, die Pitt minutenlang drillte, war in Wirklichkeit eine Milchtüte. Sei´s drum, Angler haben sich über den Streifen gefreut, weil er ihre Leidenschaft einem nichtangelnden Millionenpublikum nahegebracht hat. Vielleicht rufen sogar selbsternannte Naturfreunde demnächst einem Fischer ein kräftiges "Petri Heil" zu. Eine Garantie für einen guten Fang ist dieser Gruß nicht, aber auch keine fromme Entschuldigung für einen Sport, der viel mehr bietet, als Fische zu fangen. Und wen es gepackt hat, läßt es meist nie wieder los.

    Nun lassen sich häufig gestellte Fragen leicht beantworten:
    Ist die Jagd nur das Ausleben triebhafter Aggression oder eine rousseauische Rückkehr in die grünen Auen der Natur? Ist der Jäger ein einsamer Heroe, der unerschlossene Gefilde beschreitet und der Zivilisation seinen Rücken zukehrt wie der Angelus Novus dem Trümmerhaufen der Vergangenheit?

    Die Jagd auf Woodcocks - Grouses sind in Wales nur zweite Wahl:


    Diese Perspektive versteht den Jäger als ästhetisierten Patriarchen, der sich nimmt, was ihm gefällt, summiert Aggressionstheorien und cowboyistische Virilitätsphantasien. Oder darf die Jagd gar psychoanalytisch interpretiert werden als Einkehr in die Tiefen des eigenen Ichs? Verkörpert die Jagd einen menschlichen Archetypen, der zeitlich angesiedelt wird vor Mythos und Antike, als die Erdbewohner ihre Existenz bestritten als Jäger und Sammler? Denn: Schließlich gehört die Jagd zur Morgendämmerung der Evolution.

    Ich bin nicht der Schütze, der die Zick-Zack-Schnepfen trifft - an das Nonplusultra einer Dublette wage ich gar nicht zu denken - denn die Moorhühner streichen schon mit 100 Sachen an mir vorbei, wenn ich noch die Flinte hochreiße:


    Geht es hier um Freiheit?
    Nur auf den ersten Blick: Der Jäger kann wählen, beispielsweise zwischen Hasen- oder Treibjagd, doch die Jagdmethode wird ihm aufgezwungen. Als Eindringling der tiefen Wälder muß er sich allen Rahmenbedingungen optimal anzupassen wissen. Während der postmoderne Bürohengst hinter allen Röcken der Wolkenkratzerkomplexe herjagt, treibt es den romantisierten Jäger zu Rehen und Hirschen. Wer selbst einem Phänomen hinterhergestellt ist, kennt das jägerische Grundprinzip des Fährtenlesens, doch eine diktatorische Jagdmethode gibt es nicht.


    Denn jede Jagd ist individuell: Hier wartet das Hindernis knisternden Laubs, dort zetern aufmerksame Krähen, Elstern und Eichelhäher oder lärmige Zaunkönige. Das Gewissen überwacht den Fährtenspürer. Jagd meint auch das weite und individuell zu definierende Feld der Ethik. In Hochgebirgen, Wäldern, Steppen und Wüsten jagen Menschen mit verschiedensten demographischen Daten Rebhühner oder Großwild. Die Sympathie für Jagd und Jäger ist in der menschlichen Psyche tief verwurzelt,obschon die den ‚Primitivvölkern’ entfremdete Zivilisation dem Grünrock skeptisch gegenübersteht: Ist der Jäger ein Totmacher?

    Überall in der Welt werden Abschußquoten klar definiert und maximal erfüllt. Der Mensch hat im Vergleich zum Tier einen so gewaltigen Ausrüstungsvorteil erworben, daß von einer echten Chance des Wildes im Wettstreit der Sinne und Fähigkeiten nicht gesprochen werden kann.

    Ein anthropologisches Problem. Bochenski: "Obschon der Mensch ein mißratenes Tier ist - er hat schlechte Augen, fast keinen nennenswerten Geruch, ein minderwertiges Gehör, fehlende natürliche Waffen wie Klauen, unbedeutende Kraft, keine schnelle Fortbewegung,ist nackt und stirbt schnell bei extremer Hitze oder Kälte - rottet er die körperlich besser an die Natur angepaßten Tiere aus und verändert den Planeten Erde. Biologisch müßte der Mensch längst untergegangen sein, wäre er nicht intelligent." Tatsächlich bildet der hochentwickelte Geist die Grundlage, die den Menschen zur Jagd befähigt: Homo sapiens arbeitet mit Technik und Abstraktionsvermögen. Und die Fähigkeit zum Andersdenken ermöglicht ihm ein momentanes Gefühl von Freiheit.


    So spielt schon Eichendorff mit dem romantischen Gefühl der Vereinigung von Mensch und Natur: "Wer hat Dich, Du schöner Wald, aufgebaut so hoch da droben! Wohl den Meister will ich loben...!"

    C.G. Schilling hingegen beklagt schon anno 1905 die Ausbeutung der Natur durch den Menschen: "Derselbe Mensch aber, der so konservativ und pietätvoll auf der einen Seite handelt, sieht mit verschränkten Armen zu, wie Schätze vernichtet werden, die gerade heute,im Zeitalter der Erkenntnis des großes Wertes aller Naturwissenschaft,mit besonderer Liebe und Sorgfalt behütet werden müßten."

    Es gibt ein Bild des Jägers, das dem öffentlichen Bild des Totmachers nicht entspricht, ein weitgehend unbekanntes Bild des Jägers, weniger als ............., sondern als Hüter der Flora. Dieser Jägertypus pflanzt auf seinen Pirschgängen Sämereien, die zeitgenössisch eher mißachtet als gepflegt werden. Er interpretiert die Welt nicht dualistisch nach dem Credo "Der Mensch und die Natur",sondern monotheistisch: "Der Mensch ist die Natur". Ein romantisches Ideal?


    Fortsetzung folgt.

    Gruß
    Heinz Pollmeier

  10. #9
    Avatar von HPollmeier

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    Re: NEU - Komm zu Fisch !

    Siamesische Tänze - Big Game in Pattaya
    Von H. & R. Pollmeier
    © Texte Parey Verlag
    © Fotos Pollmeier


    Packt ein Segelfisch den Köder, schnellt er wie eine Rakete aus dem Wasser, tanzt auf der Schwanzflosse über die Wellen und schlägt wilde Saltos. Die Hot Spots für diese Luftakrobaten liegen in Thailand überwiegend vor Pattaya.


    Pattaya verfügt über das vielleicht umfangreichste Angebot an Sportmöglichkeiten in Asien zu weltweit unschlagbar niedrigen Preisen - auch für das Hochseefischen. Darum ist es verwunderlich, daß Angelreiseveranstalter diese phantastischen Reviere noch nicht im Programm haben. Denn vor Ort gibt es hervorragende ‚Big-Gamer’. Ein unentdecktes Terrain für Anfänger und Profis.


    Der Golf von Siam ist - wie der Blick auf eine Seekarte zeigt - insgesamt ein recht flaches Meer von Tiefen zwischen 20 und 40 Metern. Die felsendurchsetzte Inselwelt bleibt von der Berufs-Netzfischerei großen Umfanges verschont. Diese Gefilde sind eine ideale Kinderstube für den Fischnachwuchs. Darum tummeln sich zwischen den Inseln nicht nur Arten, die ohnehin in Bodennähe leben wie Rochen, sondern die Kleinfische locken alle großen Räuber an: Man kann den Königsmakrelen und Barrakudas, riesigen tropischen Hornhechten, den Cavallas und Barschen, aber auch einigen von den ungefähr 320 verschiedenen Haiarten wie Ammen-, Riff- oder Tigerhaien nachstellen.


    Wer Haie will, ist in Pattaya am richtigen Ort. Spezialist Dieter Flöth vom Deutschen Haus hält den Rekord im Golf von Siam mit einem 280 Kilogramm schweren Tigerhai, den er nach dreistündigem Kampf bezwingen konnte. Riff- und Ammenhaie von mehr als 100 kg sind keine Seltenheit. Dieter Flöths Boot, speziell für das Hochseeangeln ausgerüstet, liegt in Samae San, etwa 45 km südlich von Pattaya. Die Fischgründe erreicht man nach einer halben Stunde Fahrt. Während der Saison nehmen bis zu 30 Personen an den Angeltouren teil, allerdings nicht nur Fischer. Wer noch kein geübter Hochseeangler ist, findet bei Dieter einen guten Einstieg zu günstigen Preisen.


    Ein besonders aufregendes Erlebnis ist bei einer Ausfahrt mit kleinen Booten der "Abendsprung" der Thune. Breite Bugwellen peitschen plötzlich die See, das Meer kocht. Dann werden selbst die gelassenen Thais hektisch. Während der Kapitän versucht, mit dem Kutter eine Bugwelle zu queren, reißen sie Stoffetzen von ihren Hemden und binden sie an Einzelhaken. Akkordarbeit ist angesagt: Biß, Drill, Biß... Die rasende Meute nimmt sogar den blanken Haken.


    Aber so schnell wie die Tropensonne im Meer versinkt, ist der Spuk vorbei.


    Kein Jig fliegt mehr achteraus, denn die Gelenke schmerzen.


    Wohltuende Müdigkeit breitet sich aus, wenn man bei einem Glas Mekong (Thai-Whisky) das Eintauchen der Sonne ins Meer genießt.

    Faires Sail-Fischen
    Segelfische ziehen Big-Gamer weltweit in ihren Bann, weil sie durch ihre Kraft und Schnelligkeit das ganze Können eines Anglers herausfordern. Sie gehören zur Familie der Istiophoridae. Verwandt mit dem großen Bruder Marlin,

    wie z. B. dieser rd. 700 lbs schwere Blue Marlin vor Teneriffa,


    gab der kleinere Sailfish mit seiner Gattungsbezeichnung (Istiophorus) der ganzen biologischen Gruppe den Namen. Billfish heißen sie wegen ihres Schwertes im Englischen. Man trifft sie in fast allen Meeren der Welt, aber sie sind keine Standfische, sondern wandern über Tausende von Kilometern durch die Ozeane. Kommen sie zu bestimmten Zeiten auf ihren Zügen in Küstennähe, stellt man ihnen meist mit kleinen, schnellen Booten nach.


    Ganz anders in Pattaya! Hier kann man die Jagd auf diese Kraftpakete nicht mit der Angelei vor den Küsten Ostafrikas, um die Kanaren oder in Florida vergleichen. Dort werden meist tote Köderfische oder Tintenfische durch Schleppen "zum Leben erweckt" oder man verwendet Kunstköder und zusätzlich "Teaser", Lockköder ohne Haken, die Tintenfische imitieren und einen Fischschwarm vortäuschen. Neuerdings fängt man Billfische tatsächlich ohne Haken. Man befestigt ein Vorfach in der Mitte eines halben Meters ausgefransten Nylonseils. Segelfische betäuben ihre Beute mit heftigen Schlägen des Schwertes, Hunderte von Zähnchen ihres Spills verheddern sich in den Fransen des Kunststoff-Tampens und jede Bewegung fesselt sie stärker an das Tauende.

    Vorbereitungen muessen sein:


    Im Golf von Siam herrschen andere Bedingungen und es werden einfachere Boote benutzt. Es geht zwar nicht so anspruchsvoll, aber nicht weniger professionell, wenn nicht gar sportlicher zu. Dafür sorgt Horst Milewski, Boß des Fisherman´s Club, seit mehr als zwei Jahrzehnten Hochseeangler aus Leidenschaft und zweifelsohne der beste Big-Gamer im Golf. Er ist Eigner der "Stefanie", die er als ehemaliger Produktionsingenieur nach eigenen Vorstellungen mit 16,5 m Länge und 4 m Breite in Pattaya auf Kiel legen ließ. Dem geübten Anglerauge fällt sofort auf, daß das stabile, hochseetüchtige Holzboot von einem Fachmann entworfen wurde: Der Gamefischer kann sich beim Drillen ungehindert von störenden Stützpfosten für Oberdeck und Aufbauten an der Reling bewegen. Und das ist beim siamesischen Schwerter-Tanz eines gehakten Sails unbedingt nötig.

    Gute Beifänge sind nicht selten:


    Seit zwei Stunden ankert die "Stefanie" im Windschatten einer Insel. Im Golf herrscht nicht die langgezogene Dünung des Atlantiks, sondern bei auffrischendem Wind machen sich wegen des flachen Wassers


    die uns von Nord- und Ostsee her bekannten, kurz aufeinanderfolgenden Wellen unliebsam bemerkbar.


    Nun dümpelt das Boot nur ein wenig. Ein Laie könnte annehmen, Horst sei ziellos herumgekreuzt und ankert jetzt zwischen Himmel und Meer in der Mitte von Nirgendwo.


    Er unterbricht die paradiesische Ruhe: "Ich habe jahrelang mit eigenen Schnellbooten vor der ostafrikanischen Küste gefischt. Im Golf wende ich eine ganz andere, spezifische Technik an, weil uns das große Boot einschränkt. Mit acht Knoten Höchstgeschwindigkeit kann ich den großen Fischen nicht folgen. Sie müssen vom verankerten Boot ausgedrillt werden. Das ist Schwerstarbeit, aber höllisch aufregend. Mit Schnellbooten, ausgerüstet mit zwei Maschinen von je 180 PS, kannst Du einen Fisch spielend ausmanöverieren. Wenn der Skipper Gas gibt, brüllen die Motoren auf und die Kiste macht einen Satz vorwärts wie ein bockendes Pferd. Da läuft kein Fisch aus der Leine oder schießt unter das Boot, denn es geht mit dem Fisch. Hier hast Du von Anfang an den Kampf in der Hand - und Du gewinnst oder verlierst." Horst sieht es gerne, dem Fisch im Duell eine echte Chance zu geben. Zeugt es nicht von Sportsgeist, wenn auf Kampfgürtel verzichtet wird?

    Sail - die Ballerina der Meere


    Wir haben mit drei Anglern nur vier Ruten - Shimano- und PEN-Geräte - alles vom Feinsten - auf Sail ausgelegt. Ein Luftballon ist geplatzt, Horst holt den lebenden Köder ein, prüft ihn und wechselt den Ballon aus. "Vor Malindi", fährt er fort, "kurven die Boote mit einer Geschwindigkeit von 10-12 km/h in weiten Schleifen auf der Suche nach Fischen oder fahren mit Bugwelle und schäumendem Kielwasser Kreise, um die tropischen Räuber in der Tiefe aufmerksam zu machen.


    Hier im Golf hängt alles vom Skipper ab: Er muß die Gewässer kennen und genau wissen, wohin er wann gehen muß. Und dann heißt es, warten, warten, warten... Hier gibt es nicht so viele Fische wie vor Malindi, sie sind sehr sensibel und zu verschiedenen Jahreszeiten an verschiedenen Plätzen. Aber während vor Ostafrika die Saison für Segelfische nur drei Monate von Mitte November bis Mitte Februar dauert, können wir hier doppelt so lange bis Ende Mai mit guten Erfolgsaussichten auslaufen. Wer keine Nase für die Fischgründe hat und das Wasser nicht lesen kann, sollte als Veranstalter einpacken."


    Ein kurzes, surrendes "Krrr" an der Rolle läßt uns aufhorchen. Mit einem Panthersprung - das hätte ich dem massigen Athletiker gar nicht zugetraut - packt Horst die Bootsrute, läßt den Köder abtaumeln, die Schnur läuft sekundenlang aus, Horst schließt den Freilauf und setzt blitzschnell rücksichtslose Anschläge, um den Haken in das knochenharte Maul zu treiben.


    Pierre Angel - nomen est omen - Gerätehändler aus Neumünster, übernimmt die Rute und knallt an die Reling, weil der Sail wie eine Polaris in die Luft steigt und 30, 40 Meter auf dem Schwanz stehend über das Meer rennt, um den Haken loszuschlagen. Tail-Walking heißt es kurz und bündig im Englischen, beschreibt aber nicht die Explosionen eines Turbo-Kraftpaketes, das man fassungslos anstarrt. Als ich endlich wie in Trance meine Canon hochreiße, taucht der Sail ab, und die Rolle läuft und läuft und läuft. Als der Fisch steht, nimmt Pierre ihn hart ran und schwitzt sich pumpend das Bier der letzten Woche aus - kein Wunder in dieser Affenhitze von 32° C und 90 Prozent Luftfeuchtigkeit.


    An Bord ist der Teufel los: Die zweite Rolle singt. Der kleine taiwanesische Professor Dr. Yu-Juan Liang ist, obwohl behindert durch eine Polioerkrankung, wieselflink am Gerät - und arbeitet wie ein Weltmeister, hatte aber noch nie eine Bootsrute in der Hand, geschweige denn einen springenden Sail an der Leine. Horst packt ihn von hinten, weil er bei den gewaltigen Luftsprüngen des Sails über Bord zu gehen droht. Aber als der Fisch nach der rasenden Flucht in die Tiefe stehen bleibt, beginnt der zähe Chinese - gehalten von Horst - einen Drill, daß man meint, "die Knochen knacken". Meter für Meter quält er die Schnur auf die Rolle, zwingt den Fisch mit größtem Krafteinsatz vorwärts - 15, 20 Minuten lang, saust - Horst im Schlepp - dreimal um die Reling, als der Fisch die Taktik wechselt und auf das Boot zuschießt. Aber er schafft ihn. Horst faßt das Vorfach, führt den Sail vorsichtig heran,


    sein Thai-Captain reißt den Gaffhaken ein,


    hebt den Fisch an, Horst packt mit Handschuhen das Schwert, zieht ihn über die Reling.


    Benommen, mit zitternden Knieen, total erschöpft, den Tränen nahe, staunt unser Prof. über das Unglaubliche: Zwei Meter Sail, bezaubernd in seiner Schönheit, blaugrau-lilarot changierend,


    sein glitzernder Leib wie von flüssigem Silber übergossen,


    mit senkrechten Streifen und Punkten in Märchenblau. Schaute der Meereskundler anfangs recht skeptisch in das Wasser, strahlt sein Blick nun über einen Fisch, den er nie vergißt.



    Spiegelglatt liegt der Golf, als wir heimwärts tuckern. Die Skyline von Pattaya taucht in der Abendsonne unter. Bei der ruhigen Fahrt vom Golf auf das Lichtermeer verstehe ich Horst, der Pattaya zu seiner Heimat gewählt hat, weil er hier seiner Passion frönen kann wie sonst nirgendwo - Sail, die Ballerina der Meere.


    Informationen – aber ohne Gewähr, weil sich in unserer schnellebigen Zeit Infos sozusagen überschlagen:

    Fishermann´s Club, Horst Milewski, 437/96-97 Moo 9, Soi Yodsak 6, Pattaya City, 20260 Thailand, Tel. und Fax: 00 66 38/42 30 14.



    Haiangeln mit Dieter Flöth, Deutsches Haus, Pattaya-City, Beach Road, Ecke Soi 4, Tel. und Fax: 00 66 38/42-8725.

    Hauptsaison: Oktober bis März - das ist gleichzeitig auch die beste Reisezeit mit Temperaturen bis 35° Grad und geringer Luftfeuchtigkeit.

    Bang Saray - Stützpunkt für Wassersport und Sportfischen
    Bang Saray, etwa 30 km südlich von Pattaya, ein lebhafter, versteckt liegender Fischerort an der "Riviera Thailands", hat sich eine Menge ursprünglicher Atmosphäre erhalten, auch wenn die von Pattaya überschwappende Bauwut den Ort allmählich einschnürt. Bei den Thais beliebt, ist es Ausländern fast unbekannt. Die malerischen, hölzernen Bootsanleger erstrecken sich weit ins Meer, ein Anblick, der Anglerherzen höherschlagen läßt, weil man von hier aus lohnende Touren unternehmen kann.

    Fast mitten im Ort liegt die Bang Saray Fishing Lodge mit eigenem Bootssteg. Der Hotelmanager organisiert Angelfahrten mit seetüchtigen Fischkuttern zu unterschiedlichen Preisen je nach Bootsgröße einschließlich Gerät und Ködern.

    In der Eingangshalle:



    Erfahrene Fischer übernehmen die Regie, man kann fast sicher sein, nicht ohne Beute heimzukehren. Auf einigen Booten wurden Friseur- zu Kampfstühlen umfunktioniert, primitiv, aber wirksam, zumindest einfallsreich. Man weiß sowieso nicht genau, ob es sich noch um Bootsangeln vor der Küste oder schon um Hochseeangeln handelt. Auf den Booten stören sich zwei oder drei Angler nicht gegenseitig, so dass man sich den Spaß mit Freunden teilen kann.


    Wer nicht in der preiswerten Fishing Lodge übernachten und essen will, kann auf das Bang Saray Fishermen´s Inn mit dem guten ´Sago´ Restaurant ausweichen; ein hübscher kleiner Swimmingpool bietet den Nichtanglern Abwechselung. Im Ort gibt es weitere ausgezeichnete Seafood-Restaurants, die vornehmlich von Thais besucht werden. Das gibt es in Pattaya schon lange nicht mehr.

    Sonstige Hinweise:
    Zum Suesswasserfischen in Thailand bin ich eigentlich nie richtig gekommen, aber ich kenne einige Quellen, die den Interessierten weiterfuehren koennten:

    Wer beispielsweise Angler oder gar Fliegenfischer ist, sollte nicht meinen, er koenne nur dort Forellen fangen, wo einst die Briten waren, wie z. B. in Sri Lanka.

    Unter http://128.242.42.118/[...]ecies/index.htm finden wir Fischarten, Fangzeiten usw. Wer sich mit der Seite intensiv beschaeftigt, erhaelt wertvolle Hinweise - allerdings meist nur in Englisch - ueber spannende Angeltouren in Thailand.

    Die ,Thailand Fishing News´ unter http://www.asiatradingonline.com/fishing.htm des ,Pattaya Fishing & Sports Club´ informieren nicht nur ueber das Hochseefischen,


    denn unter http://www.asiatradingonline.com/fishingnews.htm erfahren wir, was die Regenbogenforellen am Doi Inthanon treiben. Wer damit nicht genug oder einfach Freude am Fliegenfischen hat, kann ja auch einmal das Fliegenfischer-Forum unter http://www.fliegenfischer-forum.de/reise.htm durchstoebern; Thailand wird er aber wohl nicht finden.

    Heute gibt es in Thailand – u. a. in Pattaya - auch schon eine Menge sogenannter ‚Forellenpuffs’; ist nicht jedermanns Sache, aber macht Spaß fuer den, der es denn will.

    Ende folgt

    Gruß
    Heinz Pollmeier

  11. #10
    Avatar von HPollmeier

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    1.959

    Re: NEU - Komm zu Fisch !

    Hallo,
    wenn wir dieses Aquarell von J. Panchot betrachten, keimt Romantik auf:


    Aber das Fischen in Deutschland hat seine ganz besonderen Tücken. Wir versuchen, das durch eine Satire darzustellen:

    ... und alle reden wieder vom Fliegenfischen
    Von H. & R. Pollmeier
    © Text Süddeutsche Zeitung
    © Fotos Pollmeier


    Die Schlagzeilen waren nicht schmeichelhaft: Verbotenes Angeln in der Fußgängerzone. Kranke Hechte aus dem Gully. Angler haben nicht alle Nadeln an der Tanne!

    Ich muß zugeben, mir war der Jagdtrieb durchgegangen. Der Reporter hatte aber nicht verstanden, warum ich dieses Happening veranstaltete. Man sah nur den verrückten Angler, nicht die verrohrten Hechte.

    Es fing harmlos an. Ich fische gern in historischer Umgebung. Manchmal kann ich mich vom romantischen Anblick der Burgfeste nicht lösen, bummele durch die mittelalterlichen Gassen mit ihren vorkragenden Fachwerkhäusern und wundere mich, wie schnell ein Angeltag ohne Angeln verfliegt. Der Name des Städtchens ist unwichtig, der Fluß nebensächlich. Geschichtliches Erbe wurde ordentlich restauriert, Verkehrsinfrastruktur gekonnt durchgestylt, wie fast überall in Westdeutschland.


    Es begann an einem Rohr. Im Wehr der stillgelegten Wassermühle mündet ein Abflußrohr; man sah nur den oberen Rand. Durch Zufall entdeckte ich dort einen rekordverdächtigen Hecht, der manchmal vorschnellte und sofort wieder verschwand, als habe er sich verirrt. Ich wurde ganz heiß auf diesen Fisch, wollte ihn unbedingt haken. Jeder Angler weiß, was man in solchen Situationen anstellt.

    Wenn man tagelang vergeblich vor einem Rohr geangelt hat, sollte man seine Sisyphusarbeit aufgeben. Aber ich näherte mich auf Umwegen dem Hecht und beschäftigte mich zunächst mit dem Rohr. Ein Angler in einer Kleinstadt, der alle hundert Meter zu Boden geht, ein Ohr auf die Straße drückt und horcht, wo der verschwundene Fluß geblieben ist, wird schnell zum Gespräch, alsbald zum Gespött. So kam ich nicht weiter. Beim Tiefbauamt verweigerte man mir die Pläne.

    Manipulation gehört zum Alltag. Die öffentliche Meinung reagiert nur feinfühlig auf Trends. Ich meldete dem Volksblatt Ölaustritt an der Wassermühle. Prompt entzündete sich die Volksseele, bei kleinen Dingen wächst Umweltbewußtsein riesengroß.


    Ich war für den Auftritt gerüstet. An Hand alter topographischer Karten der Gemarkung hatte ich den ehemaligen Verlauf des Flusses und seinen Eintritt in das Rohrsystem geortet. Nun mußte sich herausstellen, ob Hechte unter dem Asphalt hausten. Weil ich die Krümmungsverhältnisse innerhalb des unterirdischen Systems nicht abschätzen konnte, führte ich zwei kräftige Ruten mit, um bestens vorbereitet zu sein. Ich wollte einen toten Köderfisch am System und verschiedene Schwimmwobbler einsetzen.

    Der erste Gully lag dreißig Meter von der Wassermühle entfernt. Den ´Ölsuchern´ erklärte ich mein Vorhaben. Sie bewilligten mir nach Entnahme ihrer Wasserprobe drei Senker pro Gully, denn von Würfen konnte man nicht sprechen. Ich entschied mich für den toten Köderfisch am System, wollte ihn bis zum Rohrende an der Mühle durchlaufen lassen und ihn langsam, ruckartig einholen. Aber nach zehn Metern Schnurablauf spürte ich einen starken Biß und schlug automatisch an. Es war ein kräftiger Bursche. Er hatte aber im Rohr keine Chance, stemmte sich eigentlich nur wie eine Brasse quer gegen die Strömung.


    Am nächsten Gully waren mehr Zuschauer, als ich erwartet hatte. Ich wich Diskussionen aus, bis der Reporter kam. Er nervte mich mit seiner lokalen Sensationsgier; ich verpatzte einige Bisse und schimpfte. Als ein Anschlag saß, hatte der Fisch wiederum keine Fluchtmöglichkeit.

    Am dritten Gully empfing mich die Dorfpolizei und verbot mir ´ordnungswidriges und unberechtigtes Angeln im fußläufigen Bereich der Innenstadt wegen Behinderung des freien Zugangs zu einer Einkaufspassage´. Die ´Erlaubnis´ konnte ich anhand meines Kartenmaterials nachweisen, aber die Zuschauer wandten sich gegen mich. Das gesunde Volksempfinden entwickelt unter dem Schutz von Polizei und Presse heftige Aggressionen: ´Tierquäler´ ist nur der zahme Beginn einer Schimpfkannonade, die schnell in Tätlichkeiten ausartet. Als man meine Ruten zerbrach, gab ich auf.

    Ich erwarte eine Anzeige und bereite mich auf den Prozeß vor. Das ´Verhalten von Fischen in Kanalisationssystemen der Innenstädte´ werde ich nicht erforschen können. Vielleicht ist es gut so!

    Übrings habe ich die Hechte schonend in ihre ökologische Betonnische zurückgesetzt.

    Gruss
    Heinz Pollmeier

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