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Nagaland

Erstellt von moselbert, 06.12.2004, 18:51 Uhr · 44 Antworten · 2.085 Aufrufe

  1. #41
    Avatar von moselbert

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    Re: Nagaland

    XXIII

    Als ich die Augen wieder aufschlug, sah ich mehrere weiß gekleidete Menschen, die sich über mich beugten.

    „Er kommt wieder zu sich.“ sagte einer von ihnen auf Englisch.

    Mein Kopf dröhnte als ob man mich als Schlegel für die größte Glocke des Kölner Doms benutzt hätte. Ich stöhnte auf und fasste mir an die Schläfe.

    „Hallo, kommen Sie zu sich.“ munterte mich jemand anderes auf.

    „Wo bin ich? Was ist passiert?“

    „Sie liegen im Krankenhaus von Nong Khai. Was passiert ist, können Ihnen Ihre Freunde sicher besser erklären. Wollen Sie schon Besuch empfangen?“

    Ich nickte langsam.

    „Na prima.“ Die weiß gekleideten verließen das Krankenzimmer.

    Ich schaute mich um. Es standen zahlreiche Apparaturen herum. Warum war ich hier und nicht in meinem Bett in Hannover?

    Die Tür ging auf. Peter und Tassawan kamen herein.

    „Ingolf , altes Haus. Was machst Du denn für Sachen?“ sagte Peter.

    „Ich weiß von nichts, Peter. Wieso bin ich im Krankenhaus?“

    Ich wollte mich aufrichten, aber der Kopf meldete sich wieder. Stöhnend sank ich in die Kissen zurück.

    „Langsam.“ meinte Peter. Du hast eine gehörige Gehirnerschütterung davongetragen. Das Seil war gerissen. Wir dachten wir sehen Dich nie mehr wieder.“

    Ich begann mich wieder an alles zu erinnern.

    „Stimmt. Und wie habt Ihr mich in der Höhle gefunden?“

    „Höhle? Du lagst am Ufer mit einer blutigen Schramme am Kopf. Ziemlich bewusstlos, würde ich mal sagen. Dann haben wir Dich mit dem Auto ins Krankenhaus gebracht. Das war vor zwei Tagen.“

    „Meine Sachen. Wo sind meine Sachen?“

    „Dein Taucheranzug? Der ist getrocknet und liegt wieder im Gepäck. Mann hast Du ein Schwein gehabt.“

    „Der Stein. Habt ihr was in meinem Beutel gefunden?“

    „Ja. Einen komischen Stein. Ich habe ihn Dir in Dein Schränkchen hier getan. Was ist das für ein Stein?“

    „Gib ihn mir bitte, Peter.“

    Er öffnete die Schublade und holte einen unscheinbaren matten Stein heraus. Er gab ihn mir in die Hand.

  2.  
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  3. #42
    Avatar von moselbert

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    Re: Nagaland

    XXIV

    Ich schaute ihn mir an. Es war nichts Ungewöhnliches an ihm. Ich bat Peter die Fenster abzudunkeln. Da fing der Stein ganz zart an zu glimmen.

    „Was ist das für ein Stein?“ fragte Peter.

    „Das Zeichen von Naga. Es erinnert mich an mein Erlebnis.“ sagte ich. Meine Erinnerung kam langsam wieder.

    Tassawan schaute ihn mit großen Augen an.

    „Es gibt in meinem Heimatdorf eine Sage.“ erzählte sie. „Früher einmal bekamen manche Menschen von Naga einen solchen schimmernden Stein geschenkt. Ich habe nicht gewusst, dass es ihn wirklich gibt.“

    Peter lachte.

    „Erzählt keinen Stuss. Die Naga ist doch nur eine Sage.“

    „Nein, Peter. Irgendwo dort unten sitzt Naga und wacht über die Menschen. Ich habe sie gesehen.“

    „Du hast eine gehörige Gehirnerschütterung.“

    „Mag sein. Ich will Dich auch nicht von meiner Geschichte überzeugen. Ich weiß dass ich sie erlebt habe. Und ich bin glücklich und zufrieden.“

    Die Krankenschwester kam wieder herein.

    „Sie müssen den Patienten jetzt wieder verlassen. Er braucht Ruhe. Er ist bald wieder fit. Etwa zwei Tage bleibt er noch zur Beobachtung hier, dann lassen wir ihn gehen.“

    Tassawan gab mir einen Kuss, dann verließ sie mit Peter das Zimmer.

  4. #43
    Avatar von moselbert

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    Re: Nagaland

    XXV

    Ich klappte mein Tagebuch zu, nachdem ich mir die Geschichte wieder einmal durchgelesen hatte. War das alles wirklich passiert? Ich schaute auf meine Halskette, an der dieser seltsam milchige Stein hing. Der Juwelier hatte ihn nicht bearbeitet. Er hatte gesagt, wenn man so einen Stein schleift, dann bringt es Unglück. Er hatte ihn sorgsam und vorsichtig eingefasst und an einer Goldkette befestigt. Ja, es war ein schöner Stein. Tags war er eher unscheinbar, aber nachts schimmerte er in milchigen Farben.

    Ich schaute wieder auf. Tassawan stand vor meinem Liegestuhl.

    „Das Essen ist fertig, mein Schatz.“ sagte sie.

    Ich erhob mich und gab ihr einen zärtlichen Kuss. Wir gingen über die Terrasse ins Haus. Die Fenster standen offen, es wehte eine angenehme Brise.

    Beim Essen dachte ich daran wie die Geschichte weiter gegangen war. Natürlich war nach diesen Erlebnissen nicht mehr daran zu denken gewesen, dass ich so als wäre nichts geschehen wieder nach Deutschland zurückflog. Sicher, ich musste wieder zurück, denn das Flugticket und das Visum wären sonst verfallen.

    Am Flughafen hatte ich mich von Tassawan verabschiedet. Es war kein Abschied für immer gewesen. Denn wir wussten, dass wir zusammen gehörten.

    Die Geschichte, die ich mit Peter zusammen veröffentlichte, war ein voller Erfolg. In den folgenden Wochen konnte ich mich dank des Honorars etwas mehr um meine privaten Angelegenheiten kümmern. Dann flog ich mit den nötigen Papieren wieder nach Thailand und heiratete Tassawan. Peter nahm natürlich als Ehrengast daran teil. Ich hatte meinen Hausstand aufgelöst und siedelte in meine neue Heimat über.

    Nicht dass ich auf der faulen Haut lag. Mit Peter arbeitete ich weiter zusammen. Allerdings waren wir jetzt zu Dritt, denn Tassawan begleitete mich auf allen Reisen. Zuletzt waren wir am Loch Ness in Schottland gewesen. Das Tauchen ging dort wesentlich einfacher, denn es gab keine Strömung. Peter verkaufte die Geschichten wie gehabt in Deutschland. Tassawan übersetzte sie ins Thai und so konnten wir auch in thailändischen Magazinen veröffentlichen.

    Bald jedoch würde sie etwas kürzer treten müssen. Ich schaute sie an. Ihr Bauch rundete sich schon etwas. Tassawan strahlte mich an und war glücklich. Ich auch. Dank dem Stein der Naga.


    ENDE


    Ich möchte mich bei allen Mitgliedern des Forums bedanken, die mir ohne es zu wissen, Anregungen und Hilfen für diese Geschichte zukommen haben lassen.

    Einer meiner ersten Beiträge in diesem Forum überhaupt war zum Thread von @jinjok über die Naga Feuerbälle am Mekong, das Thema hat mich auch nicht mehr losgelassen. Dank auch an @waanjai, der das Thema hier nochmals hervorgeholt hat.

    Ein besonderer Dank gilt @soi1, nicht nur für die schönen Bilder am Anfang der Geschichte, auch für seine Antwort in diesem Thread, wo ich mich nach den Tauchmöglichkeiten im Mekong erkundigte.

    Ganz besonders möchte ich mich bei @otto für den Bericht über seine jetzige Heimat Nongkhai bedanken, auch die Karten von @waanjai waren sehr hilfreich. Wenn man wie ich noch nie dort vor Ort war, braucht man etwas Hilfe.

    Noch ein Nachsatz: Meine Frau erzählte mir nach Fertigstellung der Geschichte, daß es in Thailand tatsächlich Sagen von Besuchen von Menschen bei Nagas geben soll. Das war mir beim Schreiben nicht bekannt.

    Ich hoffe, daß sich zumindest einige der Leser nicht gelangweilt haben.


  5. #44
    Chonburi's Michael
    Avatar von Chonburi's Michael

    Re: Nagaland



    Naga Based Creatures

    Deine Geschichte war so interessant, das ich im Netz mal ueber Naga gesucht habe.

  6. #45
    Chak2
    Avatar von Chak2

    Re: Nagaland

    Heute läuft um 17:30 auf TerraNova, wer das empfangen kann (ist hier jedenfalls im Kabel), eine Reportage "TierWelten - Naga, die Heilige Schlange".

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