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Nagaland

Erstellt von moselbert, 06.12.2004, 18:51 Uhr · 44 Antworten · 2.083 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von moselbert

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    Nagaland

    In den letzten Wochen habe ich eine etwas längere Geschichte geschrieben. Meine Frau fand sie gut. Sie steht jetzt auch schon irgendwo im Internet als PDF Datei herum, aber da sie dort keiner findet, werde ich mal anfangen, sie hier ins Forum zu setzen. Viel Spaß beim Lesen.

    NAGALAND

    I

    Das Klingeln des Telefons riss mich aus dem Schlaf. Ich stöhnte auf. Warum mussten die Leute immer mitten in der Nacht anrufen? Welcher I-diot hatte das Telefon im Schlafzimmer anschließen lassen? Ich. Welcher I-diot hatte keinen Anrufbeantworter angeschafft? Ich.

    Ich versuchte das Klingeln zu ignorieren. Der Anrufer ließ sich aber nicht abschrecken.
    Ich nahm den Hörer ab.

    „Ja!“ meldete ich mich ziemlich ungehalten.

    „Ich habe einen neuen Auftrag an Land gezogen.“ meldete sich eine bekannte Stimme.

    „Peter, weißt Du wie spät es ist?“

    „Ja, warum? Schläfst Du etwa noch?“

    „Nachts tut man das zuweilen.“ brummte ich

    „Nachts, ja. Schau mal auf die Uhr, wenn Du eine hast. Es ist schon 11, Du Schlafmütze. Wohl gestern Abend wieder versackt, was?“ Er lachte. „Das hätte ich wissen müssen. Tut mir Leid. Es ist ja Sonntag. Aber ich musste die Nachricht gleich loswerden. Du kannst Dich schon mal auf eine lange Reise gefasst machen.“

    „Was für ein Auftrag?“ fragte ich.

    „Genieße erst mal Deinen Sonntag. Ich komme morgen Vormittag bei Dir vorbei. Dann sprechen wir näher darüber. Ich nenne die Aktion „Projekt Nagaland“. Bis denne.“ Er legte auf.

    Nagaland. Ich überlegte. Irgendwann hatte ich den Namen schon mal gehört. Allerdings wusste ich nicht wo und wann.

    Ich ging zunächst mal ins Bad und machte mich frisch. Der gestrige Abend in Offenbachs Keller hatte mich doch etwas mitgenommen. Bei guter Livemusik und ebenso gutem Bier war es dann doch etwas später geworden als ich gedacht hatte.
    Frisch gefönt saß ich mit ebenso frisch gebrühtem Kaffee und einem alten Brötchen mit Marmelade in der Hand am Esstisch in der Küche und schaute aus dem Fenster. Auf dem Hinterhof stand ein großer Kirschbaum. Wie schön war der Ausblick im Frühjahr, wenn die weißen Blüten dem in der Großstadt inzwischen selten gewordenen Schnee ähnlich sein wollten. Jetzt am Ende des Sommers waren die Blätter noch grün, die Kirschen brachten rote Tupfer ins Bild hinein. Auch nicht schlecht.

  2.  
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  3. #2
    Avatar von Dana_DeLuxe

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    Re: Nagaland

    Vielversprechend...

    *fingertrommel*


  4. #3
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Nagaland

    Zitat Zitat von moselbert",p="194309
    Wenn man nicht nicht möchte, dass man zum 1000.Posting Glückwünsche bekommt, muß man vorher aufhören zu posten.
    Ich hoffe nur, Du stehst auf Glueckwuensche?!! Hau rein!

    Chock dii, hello_farang

  5. #4
    Chak2
    Avatar von Chak2

    Re: Nagaland

    Eine Frechheit uns das in solch kleinen Brocken zu geben.

  6. #5
    Avatar von moselbert

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    Re: Nagaland

    Hi Chak

    Schon mal was von einer sich aufbauenden Spannung gehört, die sich beim Leser einstellen soll? Es sind 23 Happen, äh Teile.
    Du schreibst ja Beiträge im 5-Minuten-Takt. Ich bin da etwas gemütlicher.

    Also: streiche den setze lieber den und den

    und "warz ab".

  7. #6
    Chak2
    Avatar von Chak2

    Re: Nagaland

    Der war ja auch eher ironisch gemeint.

    Aber dann mache ich eben so: :O :-(

  8. #7
    Avatar von moselbert

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    Re: Nagaland

    II

    Nagaland. Der Name ließ mir keine Ruhe. Ich schlurfte von der Küche ins Zimmer, machte notdürftig mein Bett und setzte mich an den kleinen Schreibtisch. Ich hatte nur eine kleine 1-Zimmer-Wohnung. Aber mehr brauchte ich nicht.

    Die meiste Zeit des Jahres war ich irgendwo unterwegs, meist mit Peter, an irgendwelchen geheimnisvollen Plätzen auf diesem Planeten. Aber alles Geheimnisvolle stellte sich nachher als etwas ganz Normales heraus. Nur manchmal etwas ungewohnt für uns Mitteleuropäer.

    Unsere Geschichten verkauften wir dann mit vielen bunten Bildern versehen an irgendwelche Magazine. Auch so konnte man sich Geld verdienen und sich durchs Leben schlagen.

    Wenn ich hier in Hannover logierte, war ich mit meiner kleinen Wohnung zufrieden. Wenn ich etwas Großes wollte, dann setzte ich mich wie jetzt auch an den Computer und surfte im weltweiten Netz. Etwas Größeres gab es nicht. Groß im positiven wie auch im negativen Sinne.

    Ich wählte meine Lieblingssuchmaschine Alltheweb und gab den Begriff ein. Viele suchten mit Google, aber ich fand mit dieser meistens schneller was ich suchte.

    Der erste Eintrag von Amazon. Werbung. Na ja, musste sein.

    Der zweite Eintrag brachte schon weitaus Interessanteres zu Tage. Ein gewisser Gunther Neuenhöffer hatte auf seiner Internetseite Wissenswertes über das Land zusammengetragen.

    Ich las:
    Nagaland. - Ein Land ehemaliger Kopfjägerstämme - Ein christlicher Bundesstaat Indiens
    Das Wort Naga ist abgeleitet vom burmesischen Wort Naka und bedeutet „Menschen mit durchlöcherten Ohren“.
    Sogar eine Landkarte war auf der Internetseite zu finden. Nagaland war seit 1963 ein eigener Bundesstaat innerhalb der indischen Union, so groß wie Schleswig Holstein und hatte 2 Millionen Einwohner.

    Ich freute mich. Das Internet war wirklich eine tolle Sache. Da geben Menschen kostenlos Informationen weiter, auf die man auf der ganzen Welt blitzschnell zugreifen konnte. Das erinnerte mich fast an die Netzwerke, von denen ich in einem Science Fiction Roman vor etwa 20 Jahren gelesen hatte. Allerdings gab es in dem Roman in jedem Haus nur ein Terminal zum Regierungscomputer. Auf dem konnte man auch alle Informationen abfragen. Sogar wählen konnte man von zu Hause. Es roch allerdings ein bisschen nach George Orwells „1984“.

    Aber die Wirklichkeit war besser. Internetangebote kamen zwar auch von Regierungen, aber vielleicht die meisten von normalen Menschen. Und deshalb waren sie irgendwie unabhängig. Vielleicht stimmten sie zum Teil nicht, aber wenn man mehrere Seiten zum Vergleich hatte, konnte man sich schon das Richtige herauspicken. Dieser Gunther Neuenhöffer war sicher ein normaler Mensch. Wenn man von Normal sprechen konnte, bei einem der durch ehemalige Kopfjägergebiete reiste.

    Aber Peter und ich waren auch ein bisschen verrückt. Die letzte Reise hatte uns nach Afrika geführt. Wir hatten ein Universitätsteam begleitet, das den Tanganjikasee erforschte. Mit kleinen U-Booten. Wir waren mitgetaucht und hatten beeindruckende Fotos geschossen.

    Die Homepage legte ich mir gleich mal unter den Bookmarks ab.

    Die Suchmaschine bot mir gleich dahinter einen Link auf die Webseite von Wikipedia an. Auch so eine tolle Sache. Da hatten sich Menschen gefunden, die ein unabhängiges Nachschlagewerk schufen. Jeder Mensch weiß ein bisschen was, keiner kann alles wissen. Aber wenn alle Menschen ihr bisschen Wissen in einen Topf werfen, etwas Struktur hineinbringen, dann kommt da das beste Nachschlagewerk der Erde heraus. Hier stand über das Nagaland nicht allzu viel drin. Immerhin gab es auch hier einen Link zu diesem Herrn Neuenhöffer.

    Also wusste ich, was ich heute zu tun hatte: seine Berichte studieren. Offenbar die besten im Netz. Nach einiger Zeit hatte ich die Seite hinauf- und hinuntergelesen. Ich fühlte mich fit für das Nagaland.

    Das Wetter war allerdings zu schön um nur drinnen zu hocken. Ich machte den Computer aus und mich auf einen Spaziergang.

    Über die Wedekindstraße ging ich in die Eilenriede, den herrlichen Stadtwald von Hannover. Bei so schönem Wetter wie heute war das mein liebstes Ziel. Hier konnte man herrlich seinen Gedanken nachhängen. Ab und zu unterbrochen durch das Klingeln einer Fahrradglocke, wenn man mal wieder aus Versehen auf Abwege geraten war. Irgendwann im Laufe des Spazierganges kam mir auch die Erleuchtung, wo ich den Namen früher schon mal gelesen hatte. In meiner Briefmarkensammlung. Es gab Briefmarken in diesem Land. Ob es eigene waren oder Fälschungen, war mir nicht bekannt.

    Nach dem Trip durch den Wald aß ich beim Chinesen um die Ecke ein leichtes Gericht um mich schon mal auf Asien einzustimmen. Ja, ein Inder wäre passender gewesen. Aber in der Nähe gab es keinen, außerdem waren die in Deutschland immer so sauteuer.

    Deutlich früher als am Vortag legte ich mich ins Bett.

  9. #8
    Rene
    Avatar von Rene

    Re: Nagaland

    Ich hatte immer gedacht du wohnst an der Mosel und nicht an der Leine

    Oder veröffentlichst du jetzt eine Geschichte von MGJ, weil der ja im Augenblick nicht kann :denk:

    *unruhighinundherlaufendaufdennächstenteilwartend*

    René

  10. #9
    Avatar von moselbert

    Registriert seit
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    Beiträge
    2.627

    Re: Nagaland

    Zitat Zitat von Rene",p="194343
    Ich hatte immer gedacht du wohnst an der Mosel und nicht an der Leine ...
    Hi René

    Ich habe von 1965 bis 1991 mit wenigen kurzen Unterbrechungen in Hannover gewohnt.

    Ich bin auch nicht MGJ´s Ghostwriter. Ich weiß nicht ob er so schön schreibt wie ich. ;-D
    Ich habe ihn noch nicht gelesen. Muß mal einen Roman von ihm kaufen.

  11. #10
    Rene
    Avatar von Rene

    Re: Nagaland

    Ich habe von 1965 bis 1991 mit wenigen kurzen Unterbrechungen in Hannover gewohnt
    Haste Probleme bekommen mit den Weinstöcken im Leinetal

    René

    Aber ich ahne schon was das wieder wird.

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