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Meine Reise 2004/05

Erstellt von UAL, 08.04.2005, 20:42 Uhr · 172 Antworten · 10.041 Aufrufe

  1. #161
    UAL
    Avatar von UAL

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    Re: Meine Reise 2004/05

    Einchecken am Samui-Airport, noch einen freien PC gefunden und mal nachgeschaut, was im Nitty wieder abgeht.

    Der Flug war naturgemäß kurz und am Phuket-Airport wartete schon der Fahrer, der mich ins Laem-Sai-Resort bringen sollte. Ichb glaube, das war mein fünfter Aufenthalt in der Anlage von "khun Noi". Es ist kein Luxus-Resort, sondern eine bescheidene, nette Anlage auf dem Berg, oberhalb des Peach-Hill-Hotels. Ich komme immer wieder gern hierhin, Noi hat auch in Spitzenzeiten immer einen Bungalow für mich.
    Ich wurde freudig begrüßt, das Motorbike stand bereit, mein Bungalow wartete.




    Ich richtete mich ein. Ich fühlte mich ein wenig einsam ohne die Nuy. Allerdings hatte der Ortswechsel auch seine Vorteile, ich bekam den Kopf frei von dieser eignartigen Begegnung, konnte alles noch mal Revue passieren lassen. Es blieb ein Haufen Fragen. Ich denke mal auf ihrer Seite auch, so sie es denn ernst meinte.

    Ach, ich hatte Urlaub, wollte mich mal ganz dem Faulsein hingeben, wollte unbedingt auch mal wieder schnorcheln. Ob das eine gute Idee war?

    Am Abend ging ich in die Mae-Bar, trank ein paar Soft-Drinks und lernte Michel kennen, einen Franzosen, der hervorragend englisch sprach und mich im Billard abzog. Wir verstanden uns sehr gut und verabredeten uns, am anderen Morgen früh am Kata Noi zum schnorcheln zu treffen. Noch ein Beer Chang und ich verabschiedete mich. See you tomorrow...

    Ich fiel gleich ins Bett und schlief, hatte den Wecker auf 9.00 gestellt. Der Wecker klingelte pünktlich, ich stoppte ihn. Nur noch ein Viertelstündchen...

    Ich wachte um 10.00 auf, ein heftiger Windzug rüttelte am Bungalow.Verdammt, ich hatte Michel versetzt, versuchte ihn anzurufen. Keine Reaktion, nun ja der wird unter Wasser sein. Ich ging zu khun Noi, um mir ein Frühstück zu bestellen. "Sawadee krab khun Noi" Sawadee kah" Sie schaute mich betroffen an. "Noi, whats happen? I like to go snorkeling" " You will not go snorkeling khun Uli" "Why?" "We got Tsunamie so big" Was? Ich verstand gar nichts. Noi winkte mir und führte mich zu einem Aussichtspunkt der Anlage, wies auf das Meer. "Look, you see?" Ja, jede Menge Dreck im Meer... "Whats happen Noi?" "Uli there was a big wave, destroy all in Kata. Was? Ich raffte es immer noch nicht.

    Obwohl, ich sah, dass da alles mögliche im Meer schwamm, was war hier zum Teufel los?



    Ich nahm das Motorbike, auf Frühstück war mir nicht mehr. Ich fuhr den Hügel runter, kam unten an und sah, dass da mehr passiert war als ich vermutetet hatte, überall ungläubige, betroffene Gesichter. Überall Wasserreste, Dreck, angeschwemmtes Gut. Was ist hier pasiert, was um alles in der Welt?



    Ich checkte es nicht, fuhr in den Ort, selbst dort, "Schwimmgut", fuhr die Straße zum Kata Noi runter, Chaos...


    da waren vorher Liegen, Sonnenschirme..jetzt nix

    Bilder habe ich schon in diesem Thread gepostet.

    Bilder der Zerstörung

    Ich hatte überhaupt keine Ahnung bezüglich der Tragweite des Unglücks, ich bin dann in ein Internet-Cafe gegangen und habe berichtet, an das Nitty, habe gedacht, nur Kata hat es getroffen, ich wusste doch gar nicht was los war.


    Ich habe dort diesen Thread geschrieben...

    die Welle

    Was war mit Michel? Oh mein Gott, er war zum richtigen Zeitpunkt an der falschen Stelle. Er ging immer noch nicht ans Telefon. Am Internet-Cafe rannten Menschen vorbei, was denn? Kommt noch eine Welle. Hysterie machte sich breit. Ich beschloß zurück zum Resort zu fahren, auf dem Berg da war ich sicher. An der Rezeption lief ein Fernseher, nahezu alle Gäste hockten auf dem Boden und verfolgten die Berichte. Es gab furchtbare Bilder aus den anderen Gebieten, diese Verwüstung, dieses Leid, wir hockten da fassungslos, hielten uns an den Händen, die Frauen weinten...

    Ich wollte zurück in meinen Bungalow, Noi hatte nur Wasser und Bier da, ich nahm 2 Flaschen Bier und 2 Flaschen Wasser. Ich setzte mich auf die Terrasse, trank ein Bier, und nun kam es durch, ich weinte hemmungslos. Ich habe noch nie am Mittag Bier getrunken.Warum, warum? Ich hatte ja immer noch keine Ahnung, was wirklich geschehen war. Was war mit Michel? Ich musste zuhause anrufen, die werden verrückt sein vor Sorge.

    Ichb wählte Deutschland an, ich kam durch, meine Mutter war bereits informiert. Mama, ich bin o.k., aber du ahnst nicht was hier passiert ist - ich ahnte es am allerwenigsten.

    Und Nuy, man, ich musste doch Nuy anrufen. Das Netz war voll, ich kam nicht durch, versuchte es wieder und wieder...Nichts.

    Ich fuhr am Abend in die Mae-Bar, hoffte Michel dort zu treffen. Er war da. Wir umarmten uns, er hatte nicht verschlafen, er wollte schnorcheln gehen und ist, als die Welle kam um sein Leben gerannt. Sie hat ihn erreicht und ihn mitgerissen. Er hat Glück gehabt, seine Beine waren von Wunden übersät. "I stay strong, Uli, you are a lucky one that you sleep.."

    Ja, ich hatte Glück gehabt, habe mein Schicksal verschlafen. Oh Gott, ich Penner... Die Welle hatte vor der Mae-Bar gestoppt, 1 Meter davor. Man fragt sich in solchen Situationen, was das alles soll, warum habe ich verschlafen, warum waren andere pünktlich? Ich habe es als ein Geschenk angenommen, als ein Fingerzeig. Ich wusste immer noch nicht, welche Dimension die Welle überhaupt gehabt hatte. Ich lernte in den folgenden Tagen, ich war und bin immer noch erschüttert. Ich dachte an Kai, die eine Bar am Karon betrieb, was war mit ihr?

    Ich fuhr zu Kai, die Bar war verwüstet, Kai war da und lächelte mich an. "Uli, I survife" Gute Kai, ich umarmte sie. "I will help you a little bit" Wir versuchten den Dreck so gut wie möglich rauszubekommen. Kai hatte auf der gegenübergesetzten Seite noch einen Klamotten-Shop, sprich "textiles". Ich lobte sie für ihre Auswahl. Nach getaner Arbeit haben wir ein Som Tam genossen und es wurde auch wieder gelacht. Ich wollte zurück ins Resort, zahlte die Rechnung und bekam von Kai eine Plastik-Tüte geschenkt, mit einem Polo-Shirt, das ich klasse fand. Ich hatte ihr vorher erzählt, dass das super aussieht. Sie schenkte es mir, ich sage nie wieder, dass mir was gefällt...

    An diesem Abend weinte ich zum zweiten Mal, nicht vor Kai, aber vor mir...

    Und am anderen Tag, machten es sich wieder welche gemütlich, ich fasse es nicht...


    Life goes on or what?

  2.  
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  3. #162
    UAL
    Avatar von UAL

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    Re: Meine Reise 2004/05

    das letzte Kapitel...

    Ja, manche sind schnell zum Urlaub as usual übergegangen. Das war mir nicht möglich, ich bin kein Schritt mehr ins Wasser gegangen. Abstruse Vorstellung zu sonnen und zu schwimmen in und an einem Meer, das Tage später noch Tote anspülte.

    Die Meldungen verkündeten immer mehr Tote, Verletzte und Obdachlose. Je mehr Zahlen, desto fassungsloser stand man davor, konnte es gar nicht mehr begreifen geschweige denn verarbeiten. Und über allem schien die Sonne, der Tsunamie-Tag war ja auch eigentlich mit bestem Wetter gesegnet. Paradox.

    Am nächsten Morgen kam ich endlich zu Nuy durch, ich meldete mich, am anderen Ende hemmungsloses Weinen. Sie war verrückt vor Sorge um mich gewesen, wusste sie doch wohin ich reise. Ich konnte sie halbwegs beruhigen, sie drängte mich sofort von Phuket abzureisen. Neue Tsunamie-Warnungen hatten die Runde gemacht. Die Leute waren so verängstigt, dass sie sich auf die Höhenzüge von Phuket begaben. Mittags nach der Welle glich Kata einer Geisterstadt, alle Geschäfte hatten geschlossen, die Tankstellen waren zu. Der Barbetrieb war am Abend eingestellt. Das Areal war sowieso mit Schlamm überzogen. Gespenstische Ruhe.

    Am Abend bin ich dann wieder in die Mae-Bar gefahren und habe ein wenig Billard gespielt. Auf dem Rückweg sah ich, dass eine Bar in Kata wieder geöffnet hatte, ein Farang tanzte auf einem Tisch. Verdrängungs-Profi...

    Am Tage 2 nach dem Ereignis kam Militär nach Kata und räumte den Strand auf. Junge Soldaten, die in der Hitze das wegräumten, was angespült worden war. Ich winkte ihnen zu, sie lächelten und winkten zurück.

    Das Geschäftsleben erwachte wieder und ich ging ins Internet-Cafe, um nachzusehen, wie die Welt auf die Welle reagiert hatte und um mich zu informieren, was denn wirklich passiert war. Die Betroffenheit und die signalisierte Hilfsbereitschaft war enorm. Muss denn immer etwas schreckliches passieren, das die "Kinder der Welt" zusammenrücken?

    Ich hatte eine Nachrichtvon einem Member des Nitty, der mich bat nach Bekannten in Patong zu fragen. Ich kam dem nach, wenn auch mit einem flauen Gefühl. Ich wusste, dass es Patong weitaus schwerer erwischt hatte als Kata oder Karon. Ich nahm das Motorbike und fuhr los.

    Schon am Ortseingang von Patong, mehr als 500 m vom Strand entfernt, lagen Reste, Möbel, Dreck...Die Welle hatte hier freie Bahn gehabt und sich ihren Weg gebahnt, mit aller Wucht. Ich fand die angegebene Adresse, mitten in der Stadt. Der Laden war verwaist, ein Thai erklärte mir, dass das Hauptgeschäft sich direkt am Strand befände, mehr wusste er auch nicht.

    Also zu Fuß die Bangla-Road runter. Überall Trümmer, Scherben, zerstörte Shops.




    Immer wieder die Sirenen von Polizei und Ambulanz. Schweres Räumgerät baggerte sich durch das Chaos. Ich fand den Shop, er war total zertrümmert. Fragte Leute, die in der Nähe aufräumten. Ja, sie kennen die Familie, der Sohn ist im Shop ums Leben gekommen, die Familie ist nach Phuket-Town gegangen. Ich machte, dass ich wegkam, habe die Nachricht verschickt.

    Viele meiner Freunde und Bekannten haben mich gefragt, warum ich nicht von Phuket abgereist bin. Ich blieb. Ich hatte keinen Grund mit meiner unversehrten Hülle den Platz von jemanden zu blockieren, der diesen nötig hatte.

    Ich bin geblieben, habe da geholfen, wo ich ein bischen helfen konnte und bin schließlich am 30. Dezember nach Bangkok geflogen. Am Airport von Phuket habe ich all die Zettel und Fotokopien an den Wänden gesehen, wo Leute nach ihren Freunden, Frauen, Männern und Kindern gesucht haben. Ich habe das nicht fotografiert... Alles hat seine Grenzen.

    In Bangkok habe ich Freunde besucht, sie wussten dass ich "unten" war. Sie freuten sich. Wir haben ganz still und bescheiden Silvester "gefeiert", es ging kein Böller los, es stieg keine Rakete auf. Wir wünschten uns Glück und alles Gute, wir waren nachdenklich...

    Dann war auch der Tag der Abreise da, ich bin noch nie so verwirrt "nach Hause" gefahren - kein Wunder.

    Es war ein bemerkenswerter Aufenthalt, hier die Liebe meines Lebens (?) und dort ein Ereignis, das einem zeigt wie klein man ist, das einem aber auch wieder vor Augen führt, was wir an diesem Leben haben...

    Ich bin ein anderer geworden, das hat die Begegnung mit Nuy mir gezeigt, das hat die Tsunamie ebenfalls bewirkt, beides auf sehr verschiedene Weise.

    Ich weis nunmehr, was ich am Leben habe, weis dass jeder Tag ein Geschenk ist, das man annehmen sollte. Ich danke euch allen, die mir bei dieser Geschichte Unterstützung gegeben haben, sie zu Ende zu schreiben und ich danke dem "Schicksal", das mir die Begegnung mit dieser Frau gewährt hat.


    Bald geht es weiter mit "4 Tage Bangkok- ein verrückter Plan"

  4. #163
    Avatar von Ralf_aus_Do

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    Re: Meine Reise 2004/05

    Zitat Zitat von UAL",p="239641
    ... sie zu Ende zu schreiben und ich danke dem "Schicksal", das mir die Begegnung mit dieser Frau gewährt hat...
    Von mir an dieser Stelle vor allem vielen Dank an Dich für das unbeirrte Zuendeschreiben der Geschichte, auch beginne ich jetzt mehr 'zu verstehen'. Lass bitte mit dem zweiten Bericht nicht allzulange warten.

    Im laufe der Woche lasse ich noch von mir hören, versprochen.

  5. #164
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Meine Reise 2004/05

    Der 26ste Dezember und die Tage und Wochen danach werden vermutlich uns allen noch sehr lange in Erinnerung bleiben. Auch wenn viele nicht vor Ort waren so wie Du, in Gedanken waren sie es.

    Fuer die kurze aber sehr direkte Beschreibung hier in dem Ast danke ich Dir, Uli.

    Es sind wieder ein paar Traenen geflossen im Wissen, das auch 3 meiner Freunde in der von Dir beschriebenen Zeit ums Leben gekommen sind in Patong.

    Chock dii, hello_farang

  6. #165
    UAL
    Avatar von UAL

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    Re: Meine Reise 2004/05

    chock dii, Kolja, :-)

  7. #166
    Avatar von Serge

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    Re: Meine Reise 2004/05

    Ein sehr schoenes Bild von Nuy. Hoffe ihr geht es gut. Seid ihr viel in Kontakt?

    Danke fuer die Beschreibung von Phuket 26.12., wenn es mir manchmal auch ein wenig zu literarisch erschien. Deine eigene, echte UAL Reflektion haette mich da mal interessiert, wobei es nicht wirklich noetig ist, dies zu tun. Denke nur, das Du einiges in Dir traegst, was Du hier nicht mit uns teilst.

    Liebe Gruesse aus Bangkok auch an Nuy.
    Serge

  8. #167
    UAL
    Avatar von UAL

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    Re: Meine Reise 2004/05

    Zitat Zitat von Serge",p="239701
    Ein sehr schoenes Bild von Nuy. Hoffe ihr geht es gut. Seid ihr viel in Kontakt?

    Danke fuer die Beschreibung von Phuekt 26.12., wenn es mir manchmal auch ein wenig zu literarisch erschien. Deine eigene, echte UAL Reflektion haette mich da mal interessiert, wobei es nicht wirklich Noetig ist, dies zu tun. Denke nur, das Du einiges in Dir traegst, was Du hier nicht mit uns teilst.

    Liebe Gruesse aus Bangkok.
    Serge
    So ist es, das kann man nicht in Worten beschreiben Serge,

    Mit Nuy bin ich "voll" in Kontakt.. die ist es.. :-)

  9. #168
    Avatar von Didel

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    Re: Meine Reise 2004/05

    das letzte Kapitel...
    da hab ich aber einen Schreck bekommen.
    Das wäre ja wirklich schade wenn es nicht noch mehr zu lesen gäbe.

    Aber zum Glück kam dann ja ..
    Bald geht es weiter mit "4 Tage Bangkok- ein verrückter Plan"
    Da freu ich mich schon drauf

    Didel

  10. #169
    Avatar von MenM

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    Re: Meine Reise 2004/05

    :bravo: und danke Uli

    Das ist es warum "man" das Nittaya treu bleibt,
    die "(mit)teilenden"member.

    MDG

  11. #170
    Avatar von Thaimaus

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    1.456

    Re: Meine Reise 2004/05

    Hab auch total mitgefiebert bei deiner Geschichte,war wirklich sehr spannend.Da ist fernsehen schauen nix dagegen

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