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Leben im Isaan

Erstellt von waanjai_2, 01.03.2009, 12:47 Uhr · 9.456 Antworten · 844.065 Aufrufe

  1. #3511
    Avatar von waanjai_2

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    Zitat Zitat von Bukeo Beitrag anzeigen
    Was der Gaul nicht kennt, frisst er nicht :-)
    Entspricht ja dem deutschen "Was der Bauer nicht kennt, das ißt er nicht" aus einer Zeit, wo wir in Europa noch nicht so internationalisiert waren. Also insbesondere, wo man im Urlaub noch nicht mal kurz nach Italien fuhr oder nach Frankreich. Die Wohlstandseffekte nach dem 2. Weltkrieg brachten dann das Fusion-Essen wirklich nach vorne. Und Leute, die gar nach Asien kommen, weil sie dort auch so manche leckere Sachen vorfinden, sind ja gerade verrufen ob ihrer Bereitschaft "alles Moegliche und dies sogar durcheinander" zu essen. Eine gewisse Weltoffenheit gehoert aber mit Sicherheit auch dazu, die zudem in verschiedenen Bevoelkerungsschichten unterschiedlich häufig vorzufinden ist.

    Denn es gibt ja auch das Phänomen, das deutsche Urlauber in Spanien sich wieder nur zu "deutschen Essen" zusammenrotteten, also Essens-Ghettos aufbauten. So etwa auf Mallorca und anderswo. Hoechste Steigerungsform des an Neuem nicht interessierten "Dumpfbacken", bei denen man sich fragt, warum die überhaupt ihr Heimatdorf je verlassen haben. Oder denken wir an diese merkwürdigen Gestalten, die nach Thailand auswandern, aber dort nur deutsches Essen essen wollen. Die haben wohl den Gang zum Flugzeug mit dem Gang zur Toilette im Kaufhaus verwechselt.

    Und so findet man halt auch im Isaan unter den Ungebildeten diese aus Unkenntnis geborene und weiterhin aufrechterhaltene Grundeinstellung: Bloß nix Neues probieren, wo das Alte doch so gut schmeckt. Bestimmte Dinge kennen die einfach nicht. Nehmen wir die Tomaten. Die gibt es bei uns zuhauf und die werden auch viel gegessen, weil sie zum Som Tam hinzugehoeren. Aber immer nur als Salat, also kalt. Nie ist wohl jemand in der Geschichte auf die Idee verfallen, die Tomaten einmal zu kochen. Was in Italien dann zur "Entdeckung" des Sugo führte. Meine Frau sagte mir dazu: Tja, im Isaan hatte man ungern immer eine Herdplatte heiß, um darauf irgendetwas am koecheln zu halten. Verständlich, dass man in diesen Gegenden die Hitze eines Herdes bzw. Backofens nicht noch ins Haus holen wollte.

    Also passierte es vor vielen Jahren, dass die Großeltern mit uns zum ersten Mal in einem italienischen Restaurant aus waren. Und meine Frau ihren Eltern empfahl, doch mal Spaghetti Bolognese zu probieren. Sauce aus Tomaten, Zwiebeln, Basilikum und nüa. Sie taten es und es schmeckte ihnen einfach koestlich. Meine Frau macht nun sehr häufig auf Wunsch diese Spaghetti für sie. Für sie ist es die Inkarnation des "alternativen" Essens geworden, welches nicht so wie alle anderen traditionellen Speisen im Isaan ihre arg in Mitleidenschaft gezogenen Magenschleimhäute weiterhin reizt. Essen nun gar geriebenen Parmesan dazu. Und natürlich auch gerne Kartoffelpüree - der Medizin für den Magen. Also machen wir uns nix vor: Es sind die Ungebildeten und die Unerfahrenen in dieser Welt, die selbst noch als Erwachsene nur das essen, was ihnen ihre Mütter schon ab dem Babyalter in den Mund schoben.

  2.  
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  3. #3512
    Bukeo
    Avatar von Bukeo
    Zitat Zitat von waanjai_2 Beitrag anzeigen
    Entspricht ja dem deutschen "Was der Bauer nicht kennt, das ißt er nicht" aus einer Zeit, wo wir in Europa noch nicht so internationalisiert waren. Also insbesondere, wo man im Urlaub noch nicht mal kurz nach Italien fuhr oder nach Frankreich.
    richtig, von dieser Seite aus betrachtet, hat du sicherlich recht. Nur gibt es bei meiner Verwandtschaft hier in Thailand keine Internationalisierung.
    Die waren noch nie im Ausland. War mal mit ein paar Verwandten, Schwiegermutter, Schwager (einer 56, einer 45) im Süden am Meer. Die sind fast verrückt geworden, als sie zum Frühstück keinen Klebreis bekamen, sondern nur Kao Tom. Meine Frau musste dann rumlaufen und hat gottseidank einen Somtam-Gai Yang Verkäufer gefunden, der auch Klebreis anbot. Der durfte dann für die nächsten Tage gleich ins Hotel liefern :-)
    Die essen also nicht mal in Thailand alles, geschweige den im Ausland. Meine Frau natürlich ausgenommen, die liebt sowohl die Kebab, wie auch Tsatsiki usw. - wurde aber von meiner Mutter gleich im 1. Jahr internationalisiert :-)

  4. #3513
    Avatar von waanjai_2

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    Sehr wahr, dieses. Die meisten kennen nur ihr lokales Essen, noch nicht einmal die Gerichte aus den Nachbarländern. Wir haben in Udon seit einiger Zeit ein sehr großes vietnamisches Restaurant.
    Namnueng , Phon Nemnueng Vietnamese Restaurant,Nam Nueng,Vietnamese Food,and Souvenir, Phon Nemnueng Udonthani

    Hatte es am Anfang auch nicht leicht. Mein erster Kontakt mit der vietnamesischen Küche war durch ein Restaurant im Foodloft 7th floor vom Central Chidlom BKK. Die vielen Nüsse in den Speisen haben wir gut gefallen. Wir waren also eine der ersten, die dahin gingen. Inzwischen locken die ganze Busladungen von Thais an.

    Aber man koennte ja erwarten, dass man im Verlaufe der Jahre einmal "typische Gerichte" aus den Nachbarländern angeboten bekommen würde. Als ich in Mae Hong Son war, gab es dort nichts typisch burmesisches. Von der khmer-Küche weiß ich so gut wie gar nichts. Vielleicht essen die dort ja auch noch etwas anderes als lecker geroestete Thais (Siem Reap). So gut wie nix aus Malaysia, weil wir da noch nicht selbst waren. Sind in den letzten Jahren immer noch hauptsächlich in Europa unterwegs gewesen. Allein das leckere Lao-Essen, das kennt man aus den gemeinsamen Ursprüngen her. Von daher gesehen stehen den Thailändern und Thailandesen noch ne Menge Überraschungen bevor, wenn der Wirtschaftsraum ASEAN je Wirklichkeit wird.

    Und es gibt schließlich noch einen weiteren guten Einstieg in den Komplex: Fremde Voelker, fremde Sitten. Man frage thail. Schüler danach, welche Nachbarländer Thailand habe und wo die lägen. Atlas bereithalten.

  5. #3514
    Avatar von benni

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    Kein Wunder, die Thai Küche ist der malaysischen um Lichtjahre in Punkto Geschmack überlegen. Nicht umsonst gibt es weltweit mittlerweile fast schon überall Thai Restaurants, während Malaysische Restaurants so gut wie nicht vorhanden sind.

    Das Einzige was in Malaysia, wie auch in Singapur, Thailand topt ist die Indische Küche und das um ein Vielfaches. In Penang beispielsweise gibt es einige spotbillige, exzellente indische Restaurants, die sich sogar mit jenen in Delhi messen können.

  6. #3515
    Avatar von waanjai_2

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    Zitat Zitat von benni Beitrag anzeigen
    Kein Wunder, die Thai Küche ist der malaysischen um Lichtjahre in Punkto Geschmack überlegen. Nicht umsonst gibt es weltweit mittlerweile fast schon überall Thai Restaurants, während Malaysische Restaurants so gut wie nicht vorhanden sind.
    Das mag ja stimmen. Nur die Beweisführung finde ich nicht überzeugend.
    Denn gemäß dieser wäre auch das thail. Bier besser als das deutsche, weil es ja in Thailand so viele Bar Beers von Deutschen für Deutsche geben würde. Die 10+ Thai Restaurants, die wir so in Koeln haben dürften, sind von thai-deutschen Ehepaaren gegründet worden. Primär war die Auswanderung da, dann kam die Frage auf, wie kann meine Frau etwas zum gemeinsamen Lebensunterhalt beitragen.

    Und deshalb haben wir auch in Koeln so wenig indische Restaurants. Nicht weil die indische Küche so schlecht sei, sondern weil einfach weniger Deutsche nach Indien fliegen, um sich dort ne Exotin vom Baum zu schütteln.

  7. #3516
    Avatar von benni

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    Das war ja natürlich auch weltweit minus dem eigenen Land gemeint.

    Zu deinem Posting mit Köln: 2 Google Klicks Branchenbuch Köln - Kölner Branchen und sofort tauchen 25 indische Lokale auf und mittels eines 2.Klicks 21 Thai Restaurants > scheinbar kennst du dich in deiner eigenen Heimatstadt nicht aus und gleichzeitig gehst du von unlogischen subjektiven Mutmaßungen aus.

  8. #3517
    Avatar von Micha L

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    Meines Erachtens hat diese Häufigkeit was mit den Touristenzahlen zu tun. Da viele Leute Thailand besuchen, werden in den Ländern, aus denen die Touristen kommen, Thai-Restaurants eröffnet, weil die Leute Urlaubserlebnisse nachvollziehen wollen. Dazu kommt, daß hier relativ viele Thais wohnen, die mit diesen Bedürfnissen der Deutschen ihren Lebensunterhalt verdienen können. Mit der Qualität der Küche hat das weniger zu tun.
    Malaysia wird weniger besucht und hier wohnen auch weniger Malaysier.

  9. #3518
    Avatar von waanjai_2

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    Namen, besser Telefonnummern, denn Namen sind jede Menge doppelt gezählt. Und viele Thai sind bessere Frittenbuden. Damit denkst auch nur Du, den Beweis für die überlegene Thai-Küche antreten zu koennen. Nur zu. Froehliches Schwelgen in der Frittenbude.

  10. #3519
    Avatar von benni

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    Micha, dem widerspricht der erfolgreiche Einzug chinesischer Restaurants seit den 70ern und später japanischer Restaurants, wie auch eine relative Absenz jener Restaurants aus anderen Ländern mit vielen deutschen Touristen, beispielsweise spanische, tunesische, ägyptische usw usw

  11. #3520
    Avatar von Micha L

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    Die Chinesen sind ein Sonderfall, weil der Inbegriff für Ostasien überhaupt. Bekanntlich ist jeder Ostasiate in gewöhnlichen deutschen Augen erst mal ein "Chinese". Und deren Küche ist unabhängig von Touristen weltberühmt. Daß weniger Leute China bereisen machen sich die Chinesen (und diejenigen, die vorgeben, welche zu sein) zunutze, um mit Erfolg pseudochinesisch zu kochen. D.h. es gibt Erfolg mit weniger Qualität, nur mit Bekanntheit vom Hörensagen.
    Bei Japan ist es wohl ähnlich. Sushi ist mittlerweile Kult, fast wie Döner.

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