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Leben im Isaan

Erstellt von waanjai_2, 01.03.2009, 12:47 Uhr · 9.456 Antworten · 843.700 Aufrufe

  1. #1451
    Avatar von waanjai_2

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    Ich glaub' mich laust der Affe. Also heute abend - bei unserer täglichen Bade-Zeremonie - erzählt mir meine Frau eher so ganz beiläufig, sie würde heute abend noch mit ihrem Sohn aus erster Ehe auf sozusagen "Brautschau" gehen. Ich frage zurück: Huch, was soll denn das?
    Sie erklärt, also nachdem das mit der früheren Freundin von ihm und mit ihm so nix werden konnte, weil sie halt a. weder kochen könnte, noch b. einen Job hätte, sie also als zukünftige Frau nicht in Frage kommen könnte. Weil, wie gesagt, sie, wenn sie schon nicht kochen könnte, doch dann mindestens genügend eigenes Geld verdienen müßte, dass man aus ihrem regelmäßigen Einkommen eine - vielleicht ja auch wachsende - Familie ernähren könnte. Klar verstehe ich. War ja im 19. Jahrhundert bei uns genau so: Entweder hat der Gatte in spe genug Geld, oder die Gattin in spe. Ohne Moos geht das nix mit einer Ehe. Die Sonderentwicklung bei uns in D: Wenn der Ehemann in spe nicht genügend Moos hat, muß halt Väterchen Staat einspringen - sogenannte Bedarfsgemeinschaften - kennt der normale Thai ja nicht,

    Also war meine Frau mit ihrem Sohn heute auf Brautschau. Arrangiert durch Dritte zu der ganzen - möglichen - Beziehung. Konkret durch die Frauen, die uns in der Vergangenheit beim Landkauf behilflich waren. Als Vermittlerinnen.
    Es ging zum Elternhaus eines sog. heiratsfähigen Isaan-Mädel. Ich war natürlich völlig außen vor. Klaro. No Pomblemo.

    Sie kam zurück und erzählte: Das Mädchen sei sehr nett. Wenn auch körperlich kleiner als die schicke Blume, die er vorher hat testen können. Sie wäre eine gute Partie. Sie würde ihr gut zur Hand gehen und dann auch, wenn wir nach Europa fliegen würden, das Regiment im Haus übernehmen. Sie könne kochen und all das, was im Isaan eine gute Frau ausmachen würde.

    Jetzt käme es halt ganz besonders darauf an, ob die beiden sich irgendwie mögen könnten. Wie das bei uns ja damals auch der Fall war: Wenn die Eltern sich einig waren, dass die Verbindung zwischen Jüngling und Jungfrau prinzipiell o.k. sein würde, dass es dann nur noch darauf ankommen würde, ob die sich irgendwie lieben könnten. Zumindest sich dies vorstellen könnten. Denn bekanntlich käme der Appetit mit dem Essen und so.

    Jetzt sitze ich da und frage mich: Habe ich das erwartet ? Ist das eigentlich schlecht, wenn es hier noch so läuft wie bei uns in D im 19. C.?
    Ich glaub, ich habe mich in Wirklichkeit schon entschieden. Ich will das Mädchen sehen. Ich will ihr Englisch testen. Wenn sie so gut Englisch sprechen kann, wie die 19-jährige Vorläuferin, dann ist ja gut. Ansonsten müßte ich wohl mehr Lao lernen. Das Buch dafür hätt' ich ja schon. Als Farang paßt man sich ständig an.

  2.  
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  3. #1452
    Avatar von Yogi

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    waanjai-2, aber an primae noctis, hast du noch nicht gedacht, oder,

  4. #1453
    Avatar von waanjai_2

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    Na ja, den Feudalismus hat man im Isaan doch überwunden. Nicht dass es ihn in Thailand nicht mehr gäbe. Man denke da nur an die Clans der Thai-Chinesen. Was die alles anstellen und für Hürden aufbauen, wenn da einer "eine höhere Tochter" - inkl. der Mitgift - heiraten will. Was da vorab gesiebt wird, das können wir uns im Isaan garnicht so richtig vorstellen. Denn nichts wäre schlimmer für die in Bangkok, wenn da eine "abwärts heiraten" würde. Übrigens, für die sind Farangs zumeist auch nur "schlechte Partien". Die sind auch für Farangs schwer zu kriegen, wenn man sie überhaupt treffen kann.

    Heute vormittag war mal wieder volles Programm im Isaan. Um 5 Uhr - als es draußen noch dunkel war - brach meine Frau und ihre Älteste zum Fischen im Reisfeld auf. So früh würden sie am besten anbeißen. Ich habe dann noch ein bißchen mit Lulu und Lala gespielt und dannach noch einmal die Matratze aufgesucht.

    Dann hieß es ab zum Tierarzt. Selapau, der große Weiße mit den dreckigen Pfoten, hatte in den letzten Tagen uns zuviel Haarausfall. Außerdem an einigen Stellen Spuren von fast abgeheilten Wunden. Das mit dem Haarausfall, das würde nix bedeuten. Und die roten Flecken, da hätte es wohl eine harte Auseinandersetzung mit einem anderen Hund gegeben. Wäre aber alles schon so gut wie verheilt. Dennoch bekam er eine Spritze, sowie eine Tablette in den Rachen. 150 Baht. Wir sehen uns in 3 Wochen wieder, wenn für Lulu und Lala das Impfprogramm gestartet wird.

    Gleich ging es weiter zum Talad Tessabaan. Der so heißt, weil halt das Tessabaan-Gebäude in der Nähe ist. Ich kenne den Talad weniger nach diesem Namen als nach dem Hinweis: Wir fahren nun zur Soi 10. Wobei das nicht die Nummer der Soi ist, sondern der Preis, den man für den einzigen in der Nähe des Marktes sich befindlichen Parkplatz dort zu bezahlen hat. Also dort hin, der Selapau und ich blieben im Tuk Tuk. Meine Frau wollte eigentlich zunächst so etwas wie "Vitamine für den heranwachsenden Reis" kaufen. Aber das war schon ausverkauft. Dann hat sie noch einen 49 kg Sack Number 1 Klebereis geordert, der dann zusammen mit ihr auf einem offenen Samlor zum Tuk Tuk gebracht wurde. Kostenpunkt: 1.500 Baht. Wow. Denn im letzten Jahr hätte der noch so ca. 1.000 Baht gekostet.

    Jetzt kommt es noch darauf an, wielange die 49 kg geschälter Khau niau halt reichen. Denn die nächste Ernte im Dezember wird uns hinsichtlich des Klebereises autark machen. Bei der Ernte in 2009 bekamen wir ein Drittel der insgesamt 81 Säcke ungeschälten Reises aus unserem 1. Reisgrundstück (6 Rai). Nun haben wir seit Anfang 2010 ein 2. Feld (7 Rai) und dort auch Klebereis in eigener Regie angebaut. Das dürfte dann im Dezember weit über 100 Säcke geernteten, wenn auch noch nicht geschälten, Reis ergeben. Was wohl auch einen begrenzten Verkauf des eigenen Reises bedeuten wird.

    Jetzt ist Mittagszeit und Zeit für den Mittagsschlaf. Das Leben im Isaan ist halt anstrengend.

  5. #1454
    antibes
    Avatar von antibes
    Zitat Zitat von waanjai_2 Beitrag anzeigen
    Jetzt sitze ich da und frage mich: Habe ich das erwartet ? Ist das eigentlich schlecht, wenn es hier noch so läuft wie bei uns in D im 19. C.?
    Ich glaub, ich habe mich in Wirklichkeit schon entschieden. Ich will das Mädchen sehen. Ich will ihr Englisch testen. Wenn sie so gut Englisch sprechen kann, wie die 19-jährige Vorläuferin, dann ist ja gut. Ansonsten müßte ich wohl mehr Lao lernen. Das Buch dafür hätt' ich ja schon. Als Farang paßt man sich ständig an.
    Schöne Einblickke in das Isaanleben.

  6. #1455
    Avatar von Chak

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    Wenigstens gibt auch Waanjai zu, dass der Isaan mindestens hundert Jahre zurück ist.

  7. #1456
    Avatar von Micha

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    Zitat Zitat von Chak Beitrag anzeigen
    ..., dass der Isaan mindestens hundert Jahre zurück ist.
    Aber mit moderner-, äußerst angenehmer- und zudem noch günstiger Infrastruktur. Aus meiner Sicht ideal für den Urlaub.

  8. #1457
    Avatar von waanjai_2

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    Zitat Zitat von Chak Beitrag anzeigen
    .... dass der Isaan mindestens hundert Jahre zurück ist.
    Partielle Modernisierung nennt man das. Sehr viele Lebensbereiche wurden verwestlicht und der Globalisierung überlassen. Aber in einigen Lebensbereichen wird das Brauchtum zur Tradition, weil es halt schon viel länger seine funktionale Bedeutung in der Gesellschaft gefunden hat. So auch das Kennenlernen zwischen ernsthaft eine Verheiratung erwägenden jungen Menschen.

    Zunächst ist da die Erkenntnis, dass das Heiraten eine zu wichtige Angelegenheit ist, auf dass man die allein irgendwann einmal Verliebten überlassen dürfe. Die Eltern arrangieren Ende-Offen-Situationen, in denen sie ihren Kindern die Möglichkeit einräumen, potentielle Partner kennenzulernen (ohne dass da gleich ein erhobener Zeigefinger zu sehen ist). Ist und war immer eine wichtige Ergänzung der verfügbaren Gelegenheitsstrukturen im Isaan. Wer sich nicht schon seit Schulzeiten kennt, oder auf dem Nachbarfeld gearbeitet hat, hat im Isaan ja geringe Chancen potentielle Ehepartner überlokal kennenzulernen. Vielleicht noch das lokale Morlum-Konzert. Aber das findet so etwas unter Beobachtung der Dorfbewohner statt, dass man da schon als "anständiges Mädchen" sehr sehr zurückhaltend ist. In Bangkok sehen die Dinge schon wieder ganz anders aus. Und Chak's Eltern haben sich wahrscheinlich in einer Tanzschule kennengelernt.

    Jedenfalls führen solche Prozesse dazu, dass selbst in Schwellenländern alte Traditionen eine Überlebenschance haben.

    Die Ausbeute der heutigen "Fischzüge" - neben heute morgen früh noch einmal heute nachmittag - wurde übereinstimmend als sehr gut eingestuft. Hier mal in die Ausbeute hineingeguckt:



    Die werden nun für ihre weitere Verwendung für die Pla Ra-Erstellung ausgenommen. Man denke bloß nicht, die wären so blöd und ließen die Innereien mit in die Gärung gehen.



    So etwas ist 'was für meine Töchter. Wie immer wohlbehütet. Hier zu sehen von der neuen 4-köpfigen Wachmannschaft und dem Hanuman.



    Der Hanuman hat ja bekanntlich 5 Köpfe, die alle in verschiedene Richtungen schauen. So braucht der sich also nicht herumzudrehen.

  9. #1458
    Avatar von franky_23

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    In einigen Teilen Thailands erging es diesen Traditionen wie in D. Wenn sich die Eltern zuviel einmischtne, gab es formal ein schönes Nicken mit dem Köfpchen und kaum war Mami um die Ecke wurde das getan was man sich vorstellte.

    Aber Waani ist schon einer .... Lässt seinen Weiberharem die Arbeit machen. Aufs Feld, zum fischen und jagen werden sie geschickt, während der Pascha sich wieder ins Bettchen legt. ....

  10. #1459
    Avatar von waanjai_2

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    Auch der heutige Ertrag der Arbeit von 10 - 17 Uhr war zufriedenstellend. Meine Frau will jetzt so gut wie jeden Tag zum Fischen gehen. Weil halt bald die Regenzeit aufhört und es dann schnell zu Ende ist mit den Fischen im Reisfeld. Die jetzige Hoch-Zeit in Sachen Fischen ist also erneut wieder saison-abhängig. Wie z.B. ja auch - hinsichtlich der eigenen Ernte - bei den Erntezeiten für bestimmte Früchte, wie den Mangos. Oder jetzt ist gerade die Spitzenzeit für Long-gon. Habe ja schon ein paar Bilder hiervon hier eingestellt. Oder die Zeit, wo man Strohmatten webt etc. etc. Das Leben im Isaan folgt noch viel stärker dem Wandel in der Natur als dies in urbanen Gebieten der Fall ist. Alles ist viel aufregender und abwechslungsreicher hier.

    Das war also der Ertrag der 2 Personen, die da hochgradig vermummt und in Arbeitsklamotten losgezogen waren. Wäre nix für mich. Erstens würde man Ausdauer haben müssen und dass alles ohne Air Condition. Mit anderen Worten, ich würde es nicht lange aushalten und dann eher nur stören.



    Der Ertrag wird zunächst getrennt in die größeren Fische, die man sofort ausnimmt und später grillen wird und so essen wird. Die wesentlich kleineren Fische kommen über Nacht in sauberes Wasser, um sich erst einmal gründlich auszukoten. Was man ja ähnlich z.B. mit Muscheln oder Krebsen macht. Danach werden die dann auch restlos ausgenommen und kommen ins "Sauerkraut-Faß" zum Gären.

  11. #1460
    Avatar von Lukchang

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    Moin-Moin!

    Bei dem einen größeren Fisch sollte man ihn wahrscheinlich vor weiterem Begrapschen erstmal 'entschärfen' d.h. die langen eklig spitzen Dornen der Brustflossen entfernen. Kleine Anglerzange oder Seitenschneider kommt da gut. Ziemlicher Artenreichtum in so nem Tümpelchen. Und merke: Fische nicht zu früh ganz wegfischen die fressen die Insekten, Insektenlarven und Würmer weg ...

    Und gefressene Würmer oder Insectos können nicht mehr an DEINEM Reis nagen.

    Machts gut wünscht

    Lukchang

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