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Leben in Chiang Mai

Erstellt von x-pat, 03.04.2012, 06:01 Uhr · 2.143 Antworten · 191.441 Aufrufe

  1. #1741
    Avatar von x-pat

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    Nachdem wir Deutschland einige Male im Herbst besucht hatten, war ich dieses Mal endlich wieder im (Spät-) Sommer da. An den warmen Tagen herrscht dort eine ganz spezielle Atmosphäre. Die Cafés und Restaurants stellen die Tische heraus und die Menschen verbringen so viel Zeit wie möglich im Freien, was für einen schattensuchenden Thailänder vielleicht ein wenig befremdlich wirkt.

    Wenn man mehrere Wochen im Land verbringt wird der Grund dafür schnell klar. Warme und trockene Tage sind ein kostbares Gut. In Thailand lässt man solche Tage oft ohne Reue im Büro vorbeiziehen, weil man sich sicher wägen darf das auch am nächsten Tag wieder die Sonne scheint. In Deutschland gilt es, Outdoor-Aktivitäten nach Wetterlage zu planen. Wer sich nicht darauf einstellt wird vom Wetter bestraft.

    Das warme Licht der tiefstehenden Sonne überzeichnet die Konturen der Landschaften und Städte im Spätsommer und es wird einmal mehr klar, wie schön Deutschland ist. Die Zusammenwirkung des gemäßigten Klimas und der gepflegten Kulturlandschaften geben ein gefälliges Bild ab. Kaum etwas wirkt bedrohlich oder überwältigend. Alles sieht zugänglich und kultiviert aus.

    Man sieht forstwirtschaftlich erschlossene Mischwälder statt Urwald. Abgezäunte Weiden statt wildes Buschland. Geordneter Verkehr statt chaotisches Gewusel. Übersichtliche Leere statt Menschenmengen. Für mich hat beides seinen Reiz, aber man muss neidlos zugeben, dass die Lebensqualität in manchen deutschen Städten phänomenal ist. Es gibt keine Stadt in Thailand, die dem nahekommt.

    Nehmen wir Freiburg als Beispiel. Universitätsstadt mit Studentenszene und hervorragenden Bildungseinrichtungen. Super erhaltene und gepflegte Altstadt. Einkaufsmöglichkeiten und Schulen in fußläufiger Nähe. Energieneutrale Häuser, Grünzonen, Parks, soziale Einrichtungen, Sportstätten, Kulturangebot, gepflegte Straßen und 1A Infrastruktur. Und dazu liegt einem der Schwarzwald praktisch zu Füßen.

    Leider hat das alles seinen Preis. Der Mietspiegel in Freiburg ist in den letzten Jahren auf das Level von größeren Metropolen (Stuttgart, Nürnberg, Frankfurt) angestiegen und das ist repräsentativ für die Ära nach der Wiedervereinigung. Auf dem Spielfeld Deutschland bilden sich nun Gewinnerkommunen (mit wachsender Bevölkerung und Industrie) und Verliererkommunen (mit schrumpfender Bevölkerung und Industrie) heraus. Freiburg ist auf der Gewinnerseite.

    Aber auch auf dem "platten Land" haben es die Einwohner Deutschlands wesentlich besser in Punkto Infrastruktur und Erwerbsmöglichkeiten. Während man sich in den abgelegeneren Gegenden Thailands schon fast von der Zivilisation isoliert fühlt, hat man in Deutschland aufgrund der dezentralen Struktur immer Zugriff auf (fast) alle Annehmlichkeiten des modernen Lebens, auch wenn hier und da das DSL noch nicht ganz so schnell ist.

    Möglicherweise ist das Leben auf dem Land in der Nähe einer Großstadt sogar das Optimum in Deutschland. Ich hatte das bisher in den kleineren Großstädten vermutet, aber nachdem ich zwei alte Freunde besuchte, die jahrelang auf dem Land leben und pendeln, muss ich den Ansatz vielleicht überdenken.


    Sommerliche Stimmung am Aachener Weiher in Köln


    In der Nähe von Düsseldorf


    Ländliche Idylle am Rand des Ruhrgebiets


    Am Baldeneysee in Essen


    Blick vom Schlossberg auf Freiburg

    Cheers, X-pat

  2.  
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  3. #1742
    Avatar von strike

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    Danke für die Darstellung. Zumal eine interessante Sicht von jemandem, der die vorgeblichen 'Selbstverständlichkeiten' (noch) erkennt und zu schätzen weiss.

    Zitat Zitat von x-pat Beitrag anzeigen
    ... Möglicherweise ist das Leben auf dem Land in der Nähe einer Großstadt sogar das Optimum in Deutschland. ...
    Für mich habe ich das 'möglicherweise' schon lange gestrichen und wohne seit über 30 Jahren genauso. In Thailand würde ich diese Regel übrigens auch berücksichtigen.

  4. #1743
    Avatar von sombath

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    x-pat
    das ist ein guter Beitrag von dir .
    Ich bin vor 30 Jahren aus dem Rhein-maingebiet ins Allgäu gezogen .
    Nachdem meine Frau leider verstorben ist , bin ich seit 5 Jahren jetzt mit einer Thailänderin verheiratet .
    Selbst meine 2. Frau hat sich hier gut eingelebt und weiß , daß es kein schlechtes Wetter gibt ,
    sondern nur falsche Kleidung .
    Wir haben einen Heck-Fahrradträger am Auto und sind bei gutem Wetter sehr viel mit Auto-Fahrrad unterwegs .
    Nie und nimmer würde es mir einfallen für immer in Th. zu leben !
    Ja , OK von Nov. bis April einen verlängerten Urlaub ist ganz gut , aber dann schnell wieder ins Allgäu .

    Sombath

  5. #1744
    Avatar von benni

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    Zitat Zitat von x-pat Beitrag anzeigen
    Nachdem wir Deutschland einige Male im Herbst besucht hatten, war ich dieses Mal endlich wieder im (Spät-) Sommer da. An den warmen Tagen herrscht dort eine ganz spezielle Atmosphäre.....
    Cheers, X-pat
    eventuell spielt der Effekt der Frische eine grosse Rolle. War vor Jahren auch einige Male im Frueh- und Spaetsommer in AUT und in den ersten Jahren von allen total begeistert. Es ist wirklich wunderschoen, aber der Effekt laesst nach und die Umgebung wird zum Alltag und dann fallen vielleicht andere Dinge mehr auf, die man in der 'Euphorie' nicht so wahr nimmt.
    Ich war zB seit 29 Jahren nicht zur Advent- und Weihnachtszeit in der alten Heimat und bin mir sicher, dass ich genauso begeistert waere vom weihnachtlichen Ambiente ueberall, nicht genug kriegen koennte, in der verschneiten, winterlichen Stadt, am zugefrorenen See, in den Bergen.....
    Zurueckblickend auf davor als ich das jedes Jahr hatte, ging mir der Rummel, die Kaelte, die Hektik, die Finsternis, die kreidebleichen, kranken Gesichter der Menschen ueberall, der Ausblick auf eine lange, kalte Wartezeit bis es endlich wieder Fruhling wird etc ordentlich am Sack.
    Hatte eine gute Freundin, die im herrlichen Salzkammergut, eine der schoensten Landschaften Europas, traumhaft an einem See wohnte und dort in fussreichweite ihre gutgehende Ordination hatte. Als sie mir sagte, dass sie von dort weg will, konnte ich es nicht glauben. Landschaft, und Infrastruktur sind nun mal nicht alles. Die Leute mit denen man taeglich zu tun hat, konnen auch am besten Platz auf Erden eigenartige Ansichten haben, mit denen man nichts zu tun haben moechte, aber oft zu tun haben muss. Was am Land ueberaus ausgepraegt ist.
    Im ORF gibt es die Sendung "Buergeranwalt" und wegen was die Leute, die in einem der reichsten Laender der Welt in traumhaften Gegenden wohnen, fuer Probleme miteinander haben, laesst einem nur den Kopf schuetteln.....

  6. #1745
    Avatar von Micha

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    Zitat Zitat von benni Beitrag anzeigen
    Landschaft, und Infrastruktur sind nun mal nicht alles. Die Leute mit denen man taeglich zu tun hat, ...
    Irgend einer (hier?) meinte mal; zum Klima gehören für mich auch die Menschen ...

  7. #1746
    Avatar von x-pat

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    Zitat Zitat von benni Beitrag anzeigen
    Landschaft, und Infrastruktur sind nun mal nicht alles. Die Leute mit denen man taeglich zu tun hat, konnen auch am besten Platz auf Erden eigenartige Ansichten haben, mit denen man nichts zu tun haben moechte, aber oft zu tun haben muss.
    Menschen mit schrägen Ansichten und unangenehmen Eigenschaften leben aber nicht ausschließlich in Österreich und Deutschland. Im Gegenteil - die scheinen überall auf der Welt gut verteilt zu sein.

    Ich kenne in Thailand zum Beispiel Leute die glauben, dass ein böswilliger Geist ihr Auto von der Straße gefegt hat, als sie mit 2.0 Promille im Blut nach Hause fuhren. Lästermäuler, Neidhammel, Schnorrer und sonstige Flachschüppen sind in Thailand auch nicht bedeutend seltener als in anderen Gebieten des Planeten.

    In der Beziehung sehe ich also keinen "Heimvorteil".

    Cheers, X-pat

  8. #1747
    Avatar von ChangLek

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    ................ja, ja, der Pee Lau Wai - über Arbeitsmangel kann der sich auch nicht beklagen..............

  9. #1748
    Avatar von Micha

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    Zitat Zitat von x-pat Beitrag anzeigen
    Menschen mit schrägen Ansichten und unangenehmen Eigenschaften leben aber nicht ausschließlich in Österreich und Deutschland. Im Gegenteil - die scheinen überall auf der Welt gut verteilt zu sein.

    Ich kenne in Thailand zum Beispiel Leute die glauben, dass ein böswilliger Geist ihr Auto von der Straße gefegt hat, als sie mit 2.0 Promille im Blut nach Hause fuhren. Lästermäuler, Neidhammel, Schnorrer und sonstige Flachschüppen sind in Thailand auch nicht bedeutend seltener als in anderen Gebieten des Planeten.
    Letztlich entscheidend ist doch welchen Menschen man selbst begegnet und welche Resonanz man beim Kontakt mit anderen Menschen erfährt. Überwiegt die Zahl derer die mich freundlich anlächeln, oder sind es eher jene die mich wie ein überlaufender Dreckeimer hämich angrinsen. Oder sind es gar jene, die mich gar nicht sehen und scheinbar durch mich hindurch schauen.
    Und was empfindet man selbst beim Anblick der Menschen um einen herum, sei es im Einkaufszentrum, auf der Straße oder in sonstigen öffentlichen Gebäuden u. ä..

  10. #1749
    Avatar von lucky2103

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    Ich bemerke, dass ich in TH weitestgehend von den Menschen nicht negativ behelligt werde, was in D nicht immer der Fall ist (Mülltrennung, Straßenverkehr).

    Ausserdem sind Thais in der Öffentlichkeit sehr viel höflicher als Deutsche.
    Neulich bei PENNY an der Kasse: Bio-Deutscher will zahlen, holt einen 10er raus - UND STECKT IHN ZWISCHEN DIE LIPPEN.
    Damit nicht genug. Er kramt noch Münzen heraus - UND GIBT DEN ANGELUTSCHTEN 10ER- SCHEIN DIREKT DER KASSIERERIN.

  11. #1750
    Avatar von x-pat

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    Deutschland ist teuer. Deutschland ist billig. Alles ist relativ. Ich habe in Deutschland ein einfaches Experiment gemacht und für 1000 THB Lebensmittel eingekauft. Das ist die durchschnittliche Summe die wir bei einem kleineren Einkauf in Thailand ausgeben und entsprach zu dem Zeitpunkt etwa 37 Euro.

    Man bekommt beim Bäcker bzw. bei Aldi erstaunlich viel für das Geld. Die Produkte sind von guter Qualität, manche sogar organisch. Ich hätte in Thailand sicher mehr dafür ausgeben müssen, was daran liegt das Molkereiprodukte in Thailand teuer sind. Nahrungsmittel sind in Thailand nur dann billiger wenn man sich auf lokale Produkte beschränkt und damit ist westliche Küche ausgeschlossen.



    Generell sind die Lebenshaltungskosten in Thailand -trotz spürbaren Anstiegs im letzten Jahrzehnt- immer noch deutlich geringer als in Deutschland. Numbeo.com liefert die Daten: Beim Vergleich der Hauptstädte Bangkok/Berlin liegen die Verbraucherpreise in Berlin 45% über dem Niveau in Bangkok, beim Vergleich mit Chiang Mai ist Berlin sogar satte 112% teurer.

    Allerdings muss man bei solchen Vergleichen die lokale Kaufkraft in Betracht ziehen. Dabei liegt in Berlin 138% über dem Niveau von Bangkok bzw. 185% über Chiang Mai. Anschaulich dargestellt wird das in einem neueren Bericht (Löhne und Preise 2015) der UBS Bank. Dort werden Einkommen und Kaufkraft der Konsumenten weltweit verglichen.

    In Bangkok muss man 37 Minuten arbeiten, um einen Big Mac zu verdienen, 17 Minuten für ein Kilo Reis, und 150 Stunden für ein iPhone. In Berlin kostet ein Big Mac etwa das gleiche wie ein Kilo Reis und man muss 13 Minuten dafür arbeiten. Ein iPhone verdient man in Berlin in 43 Stunden.

    Cheers, X-pat

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