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Kuß auf Glatze -the story-

Erstellt von Kali, 03.09.2004, 12:16 Uhr · 16 Antworten · 2.480 Aufrufe

  1. #1
    Kali
    Avatar von Kali

    Kuß auf Glatze -the story-

    Wie jedermann weiss, ist eine Glatze (hua la:n) flächenmässig ideal, um was draufzudrücken, einen Kuss (tscho) z.B. Nun hat nicht jeder – in der Regel die Mannsbilder – eine Glatze, und nicht jede-r- - beherrscht die hohe Kunst des Küssens, insbesondere auf Glatzen und andere mehr oder weniger freie Flächen.
    Nur zum Verständnis: Mit Glatzen sind nun nicht diejenigen gemeint, wo sich noch was drunter befindet, nämlich Bomberjacken, Kampfhosen und Springerstiefel. Doch auch
    bei dieser angesprochenen anheimelnden Trachtengruppe hat zwischenzeitlich ein Outfitwandel stattgefunden. Nein, bei denen, die ich meine, sind die ganz normalen Glatzen gemeint, die, die entweder durch einfachen Haarausfall, durch hormonelle Überaktivitäten oder aber überdurchnittlich häufig erteilte Streicheleinheiten durch Vorgesetzte oder andere Bezugspersonen entstanden sind.

    Der Mann von Suays Stiefschwester hat nun eine solche (Bilderbuch-)glatze, schüchtern umrahmt von einem noch relativ vollen Haarkranz, was ihm so etwas Intellektuelles verleihen würde, wenn er es denn angenommen hätte. Dazu eine dunkle Brille, die er während seiner Schimpfkanonaden über seine Gattin oder auch die bundesrepublikanische Politik auf die Nasenspitze schieben kann, um seinen nichtssagenden Äusserungen eine zumindest optische Bedeutung zu verleihen.

    Suays Stiefschwester nebst Gatte sind solch ein ideales Paar: Sie beherrscht nicht nur die hohe Kunst des Abzockens, sondern auch die des Draufdrückens – er kann flächenmässig was zur Verfügung stellen, wo sie denn draufdrücken kann, die Küsse nämlich.

    Dieser Gatte nun, nennen wir ihn Harald, hat eine recht lebhafte Zeit mit der ihm Angetrauten. Seit vier Jahren arbeitslos, den Antrag auf das umweltfreundliche Hartz II - Geld bereits ausgefüllt abgegeben – natürlich noch nicht vollständig -, die Gattin arbeitet daselbst, ohne allerdings zum gemeinsamen Budget beizutragen. So ganz nebenbei wird auch ein bisschen vermittelt, was zwar für die Eingeladenen keine Ehe einbringt, die Taschen der Vermittelnden und deren in Thailand lebenden Schwester allerdings gut füllen tut. Der 14-jährige thail. Sohn macht ihnen auch grosse Freude, wenn man mal von einem Verfahren wegen schwerer Körperverletzung und der Tatsache, dass er Stiefväterchen bereits einmal mit radikaler Verkürzung seiner vermutlich sinnlos gewordenen Existenz gedroht hat, nachdem sich Harald bereits das zweite Mal gegen massive körperliche Angriffe (einmal mit Messer) seiner vom Alkohol etwas desorientierten Gattin gewehrt hatte, absieht. Ansonsten ein pfiffig Bürschchen, der Sohn, der in der bundesrepublikanischen Hauptschule einfach unterfordert scheint, wenn man die Intensität des Schulbesuches als Massstab nehmen wollte.

    Harald ist ein Gemütsmensch wie vermutlich alle Glatzenträger. Die erste Ehe war irgendwann zerrüttet, die Episode mit einer Russin anschliessend auch durch monetäre Mißverständnisse beendet, als er denn durch unsere Kreis-Hauptvermittler an seine jetzige, vor zwei Jahren in Dänemark geehelichte Issaan-Holde geraten war (Böse Zungen, aber wirklich böse, behaupten, sie wäre in Thailand noch gar nicht geschieden). Eine Friseuse, die durch Nebentätigkeit in dieser Zunft und Verkauf von eigenem Gemüse was aufpeppt, ihren Wohlstand nämlich. "Alles Meins!" ihre Maxime, die ihrem ´Auslandsmontageprojekt´ den ideologischen Unterbau liefert. Suay meinte ganz schlitzohrig, sie würde ihren Kunden die Haare auf eine solch raffinierte Art schneiden, dass sie jede Woche wieder reinschauen müssten, damit die Frisur wieder was bekäme, Facón nämlich

    Doch am Dienstag schwoll ihm der Kamm, dem, der nicht mehr im Vollbesitz seines Haupthaares. Kam – leicht angesäuselt – zu mir und klagte mir sein Leid: "Ich habe die Schnauze voll. Das macht die nicht mit mir." Mein geschulter Blick sagte mir sofort, dass sozialpädagogisch ausgefeiltes Insistieren keinen Sinn mache. Also ich ganz kumpelhaft: "Was is los, Alter ?"
    "Wenn ich das rauskriege, dass die mich auf die Rolle nimmt. Sackt das ganze Geld ein, ich zahle schliesslich für den Lebensunterhalt. Jetzt will sie schon wieder eine einladen. Und überhaupt, das ist mir alles zu stressig. Wenn ich da hinterkomme, dass von der xxx für die Einladung mehr bezahlt wird, was ich weiss....!" Ausdrucksweise vom Verfasser ohne Inhaltsverfälschung forumsgerecht abgewandelt

    Richtig aufgebracht war er, die freie Fläche auf´m Kopp fing leicht an zu glühen – wie eine Herdplatte -, woran der bereits genossene Alkohol sicher nicht ganz unschuldig war. Und es gelang ihm so etwas wie die zaghafte Verbalisierung von Konsequenz, die er an den Tag legen würde, wobei allerdings unklar blieb, wem eigentlich gegenüber "Der Sohn," fuhr er fort, "der interessiert mich nicht mehr. Soll machen, was der will. Wenn er 18 wird, dann fährt er eben wieder nach Hause." Sprach´s und nahm erst einmal unsicher um sich blickend einen Schluck aus dem ihm gastfreundlicherweise angebotenen Kaffeetopf. "Und wenn sie (also seine Frau) sich das noch mal leistet (ihm ein oder mehrere scheuern), dann sitzt die am nächsten Tag im Flieger!" Ich ersparte mir den Einwand, dass ein Ticket erst einmal besorgt sein will, und dass die Diskussion sinnlos wäre, weil, sie würde nicht fliegen, sie würde – inspiriert durch die ´Sachkundigen´ hier im Kreis – ins Frauenhaus gehen und ihm eine Klage, nicht nur auf Unterhalt, sondern auch vermutlich auf Körperverletzung anhängen. Warum stellt er sich auch gerade da hin, wo sie sich – Arm und Hand wegen des Gleichgewichtes ausgestreckt – hindrehen will?! ;-D

    Und so brabbelte er vor sich hin, wobei seine Plääte (Glatze) von blau angeschwollen Äderchen hübsch garniert wurde.

    Es klingelte, so gegen 20:00, seine Gattin, die holde, die, welche er noch gerade verbal so niedergemacht, war´s, fettich mit de Maloche.
    Etwas finster, sie spürt, dass ich sie nicht mag, wandte sie sich zunächst an mich: "Sawat di: kha.", dann mit einem strahlenden Lächeln, allerdings nur um die Mundwinkel, nicht um die Augen, an ihren Gatten, den, der 10 Minuten vorher noch innerlich ´Reinschiff´ gemacht hatte: "Hallo ti: rak, Schaaatziii", ging auf ihn zu, nahm seinen Kopf zwischen beide Hände, und dann drückte sie ihm, nein, nicht einen, nicht zwei – es müssen 5-6 gewesen sein - Küsse auf die freie Fläche über seinen Augenbrauen, die nach Suays Kommentar die abendliche Grundreinigung ersparen würden.
    "Na, Schaatzii." Seine Reaktion, mühsam die Metamorphose verdeckend, die ich erstaunt an ihm wahr nahm, während sie sich krampfhaft bemühte, nichteine frei gewordene Hand zum ´Johannes´ dieses Mannes zu bewegen, von ihnen zärtlich in ehelicher Vertrautheit ´Willi´ genannt. Schliesslich waren Suay und ich noch zugegen, und man weiss ja, was sich gehört. Sie war übrigens nüchtern, weil, während der Arbeit trinkt sie nichts.
    Sein Gesicht fing an zu strahlen, die vorher entgleisten selbigen Züge glätteten sich wieder, zärtlich die rechte seiner kräftigen Hände – etwas zitternd – um ihre Taille gelegt, genoss er sichtlich dieses Begrüssungsritual. Auch die geschwollenen Adern am Kopfe entspannten sich, vermutlich, weil etwas an tiefer gelegener Stelle um Druckausgleich bemüht war.
    Ein veränderter Mensch, dank der Reaktionen dieser anscheinend hochgradig sensiblen Kopfplatte, katalysiert von etwas Draufgedrücktem, den Küssen seines Weibes. Ein Phänomen, dem ich staunenderweise 2-3 Sekunden nichts entgegen setzen konnte.
    "So," sagte er, "dann woll´n wir ma.", erhob sich, mich dabei schelmisch durch seine zwischenzeitlich auf die Nasenspitze geschobene Brille anblinzelnd.
    Und schon waren sie weg, krampfhaft zärtlich die Hände – er die re. Und sie die li. – ineinander verschlungen. Ich stutzte ein wenig – nach einer Stunde kams mir, irgendwie hatte dieser Abgang etwas von einer Verhaftung an sich. ;-D Doch da ist sicherlich meine Phantasie mit mir durchgegangen.

    Der Kuß auf die Platte mag als Synonym herhalten für einige Beziehungen resp. die Rolle der Teutsch-Männer in diesem (abgekarterten) Spiel. Nicht jeder hat eine Plääte, da sind es andere Rituale, durch die sie gelenkt werden, die Opfer pekuniärer Begierden bzw. Objekte subtil eingefädelter ´Auslandsmontageprojekte´.
    Doch die dokumentierte Opferrolle so mancher meiner Geschlechtsgenossen steht ihnen mitunter nicht, sie führen sie durch ihr eigenes Verhalten selbst ad absurdum. Sie spüren, dass was nicht stimmen kann, dass zwar die Macho-Zeiten vorbei, dass allerdings ihre eigene Unselbständigkeit auch nicht das Wahre. Doch ist da was, das sie gefangen hält in diesem Spiel, das aufzugeben sie nicht bereit sind. Auch sie haben ihren ´Nutzen´ davon, den sie mitunter sehr teuer erkaufen: Manchmal weniger mit Geld als mit dem Verlust der Selbstachtung.
    Verstehen muss ich sie nicht, ich komme allerdings auch nicht mit ihnen klar, weil sie nur jammern – wenn sie es nicht mitbekommt -, allerdings nichts aus eigenem Antrieb ändern.

    Und das Thema ´Wie sag´ ich´s meinem Freunde´ oder ´Sag ich´s ihm überhaupt´ hatten wir ja schon zu Genüge.

    Ich daselbst habe noch keine Plääte, auf die sich was drücken liesse. Bei uns kommen die Küsse da hin, wo sie nach unserer Meinung hingehören
    Und wenn ich Zoff mit Suay habe, dann habe ich Zoff mit ihr, da nützt dann erst einmal kein ´tscho´ und auch kein ´ba:k waan´. Wir reden drüber, wenn´s nicht passt – anschliessend ist es dann allerdings um so liebevoller.

  2.  
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  3. #2
    waanjai
    Avatar von waanjai

    Re: Kuß auf Glatze -the story-

    Zitat Zitat von Kali",p="164655
    ...Verstehen muss ich sie nicht, ich komme allerdings auch nicht mit ihnen klar, weil sie nur jammern – wenn sie es nicht mitbekommt -, allerdings nichts aus eigenem Antrieb ändern.
    Wo wir doch schon zu viele von den Haralds hier haben
    Netter Bericht & schönes Wochenende!

  4. #3
    Chonburi's Michael
    Avatar von Chonburi's Michael

    Re: Kuß auf Glatze -the story-

    Und wenn ich Zoff mit Suay habe, dann habe ich Zoff mit ihr, da nützt dann erst einmal kein ´tscho´ und auch kein ´ba:k waan´. Wir reden drüber, wenn´s nicht passt – anschliessend ist es dann allerdings um so liebevoller.
    So was nenn ich eine Beziehung

    Danke dir Kali fuer deine Worte die eine besondere Wirkung haben.

  5. #4
    Chak2
    Avatar von Chak2

    Re: Kuß auf Glatze -the story-

    Zitat Zitat von waanjai",p="164664
    Zitat Zitat von Kali",p="164655
    ...Verstehen muss ich sie nicht, ich komme allerdings auch nicht mit ihnen klar, weil sie nur jammern – wenn sie es nicht mitbekommt -, allerdings nichts aus eigenem Antrieb ändern.
    Wo wir doch schon zu viele von den Haralds hier haben
    Netter Bericht & schönes Wochenende!
    Ihr dürft mich übrigens Harald nennen.

  6. #5
    waanjai
    Avatar von waanjai

    Re: Kuß auf Glatze -the story-


  7. #6
    Avatar von simon

    Registriert seit
    05.08.2004
    Beiträge
    781

    Re: Kuß auf Glatze -the story-

    Uff...Heute lese ich Berichte... Einmal eine privat zugesandte Geschichte, dann ein Bericht über eine super komplizierte Dreierbeziehung, eine Abrechnung von Uwe und dann noch das... langsam aber sicher erhärtet sich bei mir der Entschluss wieder, nichts, aber gaaar nichts mit solchen Themen, Leuten, Orten zu tun haben zu wollen...
    Aber ich schien damals wohl mehr zu erahnen denn zu wissen wieso mich auf meiner Reise Orte wie Pattaya und Phuket so sehr bedrückten und deprimierten..

    Ps. Ach ja, dass das nicht einen falschen Eindruck erweckt Kali, deine Story war natürlich klasse, Ich hatte nur gerade einen Koller ab der vielen gelesenen Negativbeispielen und -ansichten...

  8. #7
    PETSCH
    Avatar von PETSCH

    Re: Kuß auf Glatze -the story-

    Harald Chak2 :???:
    da muss ich mich erst dran gewöhnen ;-D

  9. #8
    Avatar von bigchang

    Registriert seit
    28.06.2004
    Beiträge
    2.818

    Re: Kuß auf Glatze -the story-

    wieder klasse geschrieben,kali.

    gruesse matt

  10. #9
    Kali
    Avatar von Kali

    Re: Kuß auf Glatze -the story-

    Zitat Zitat von simon",p="164722
    ... langsam aber sicher erhärtet sich bei mir der Entschluss wieder, nichts, aber gaaar nichts mit solchen Themen, Leuten, Orten zu tun haben zu wollen...
    Du wohnst in der Schweiz ?

    Nun, da is man alles gaaanz anners...

  11. #10
    PETSCH
    Avatar von PETSCH

    Re: Kuß auf Glatze -the story-

    @simon:
    da empfehle ich Dir, mal nach Heinsberg
    zu fahren (lohnt sich allein schon;
    weils in der CH garantiert teurer ist).
    Ist echt nett dort und
    deprimiert nicht so, wie PTY oder HKT

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