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Khon Baa

Erstellt von Chonburi's Michael, 21.05.2004, 10:44 Uhr · 10 Antworten · 1.595 Aufrufe

  1. #1
    Chonburi's Michael
    Avatar von Chonburi's Michael

    Khon Baa

    Oft sass ich am fruehen Morgen am Teich und und genoss die frische vom naechtlichen Regen gewaschene Luft mit tiefen Atemzuegen. Es war die Zeit wo ich nicht wusste wie es weitergeht. Ich sass einfach da und lauschte. Gedanken meiner Kindheit kamen in klaren Bildern. Ich durchlebte alles was ich bisher so an wichtigen Erlebnisse erfahren hatte. Es stimmte mich nicht traurig, es war einfach ein aufarbeiten um mich selbst kennenzulernen. Die Frage “Wer bin ich” war fuer mich einfach wichtig.

    Einige Dorfhunde, ich hatte bereits die Angst vor Hunden verloren, gesellten sich zu mir. Sie liessen sich neben mir nieder und liessen sich von mir das mit Floehen uebersaete Fell kraulen. Es wirkte beruhigend auf mich und ich fuehlte mich frei. Es war so als ob ich eins mit der Natur war. Die Stimmen der Waschfrauen klang nur ganz leise zu mir. In der ferne war das Rattern des Zuges aus Khon Kaen nach Bangkok zu hoeren. Ein Farmer trieb seine Wasserbueffel in den Teich damit diese ihre Notdurft verrichten konnten. Auf den wuchtigen Hoerner liessen sich die ersten Voegel nieder. Es war alles so friedlich.Es ist schwierig meine Gefuehle von damals in Worten zu fassen. Es war als ob ich im Einklang mit der Natur war.

    Ploetzlich sprangen die Hunde auf zogen den Schwanz ein und liefen knurrend richtung Dorf. Die Wasserbueffel wendeten die Koepfe und blickten zum nahegelegenen kleinen Wald. Der Farmer hielt seinen Treiberstock mit festeren Griff. So schaute auch ich umher um die Ursache der Unruhe zu erblicken. Ich konnte nichts besonderes entdecken. Der Farmer wies mit dem Stock zum Waldesrand wo der Teich eine natuerliche Sandbank bildete. Ein sehr duenner Mann war dort. Er urinierte ohne Scheu in den Teich. Nichts besonderes dachte ich. Doch die Unruhe hatte auch mich ergriffen. Ich stand auf und wollte zurueck ins nicht weit entfernte Haus. Ich blickte noch einmal zum duennen Mann und der winkte zu mir. Er gab mir ein Zeichen das ich zu ihm kommen sollte. Der Farmer der alles beobachtete schuettelte nur den Kopf und sagte das dies der “Khon Baa” sei.

    Meine Neugierde war staerker als die Angst. Ich ging ganz langsam zu den Mann der nun sass. Ich wusste nicht wie ich mich verhalten sollte. Ich kannte die Geschichte von “Khon Baa” Er galt als verrueckt. Alle fuerchteten sich vor ihm. Er ging immer Morgens und Abends auf den Mark um Essen zu besorgen. Die Leute gaben ihn reichlich essen. Er musste nie bezahlen. Kinder warfen Steine nach ihm. Erwachsenen schrien ihn an. “Khon Baa” liebte es die Kinder zu erschrecken. Er war von boesen Geistern besessen. Seine Eltern starben als er ein kleiner Junge war. Er hatte niemanden der sich um ihn kuemmerte. Seine Verwandten waren in Surin und hatten kein interesse an diesem Kind. Er war nur ein Esser mehr. Er wurde im Tempel von Moenchen unterrichtet. Doch irgendwann entschied dieser Junge in den Wald zu gehen um alleine zu Leben. Er tat niemanden etwas zu Leide, sagten die Dorfbewohner, doch sie trauten ihn nicht. Ein Mann der sich freiwillig von den Menschen los sagt, kann nur vom boesen Geist besessen sein.

    Meine Frage warum sie ihn kostenlos zu Essen gaben wurde damit beantwortet, das dann die Geister nicht das Dorf besuchen wuerden. Viele Doerfer haben ihren “Khon Baa” sagten sie mir, das sei fuer das Dorf gut. Nur einige der Dorfbewohner koennten mit diesen sprechen jedoch die meisten haben Angst das auch sie verrueckt werden wuerden sollten sie zuviel Kontakt haben. Eigentlich haben sie ja Mitleid mit “Khon Baa”, der alleine im Walde lebt.

    Er moechte auch nicht mit den Menschen sprechen. Er wurde oft Wochenlang nicht gesehen. Sie wuessten auch nicht was er in dieser Zeit tut, wovon er lebe. Ja, an diesem Morgen ging ich also zu “Khon Baa” Ich wusste das der Farmer mich beobachtete. Sollte irgendetwas ungewoehnliches geschehen, so will er sicher fuer Hilfe sorgen. Er sass im feuchten Sand die Haare waren lang und verfilzt. Nur ein Schurz um die Hueften bekleideten seinen Koerper. Eine Plastiktuete lag neben ihm. Er rauchte. Der Rauch stank fuerchterlich. Er hielt mir die Schilfrohr Zigarette hin. Zuerst wollte ich ablehnen. Ich besann mich jedoch anders und wollte ihn nicht vergraulen. So zog ich an dieser Naturzigarette. Meine Lungen schlugen sofort Alarm. Ich hustete wie verrueckt. Er lachte wie ein kleiner Junge der gerade einen Scherz gemacht hatte.

    “What is your name”? fragte er mich auf Englisch. Ich sagte das mein Name Michael sei. Er nickte mit dem Kopf. Er fragte ob ich wisse wer er sei. Ich sagte das er der ‘Khon Baa” sei. Warum ich den keine Angst vor ihm haette, den er weiss das die Leute sagten, er sei von guten Geistern verlassen. Spontan sagte ich das die boesen Geistern vor Farangs angst haben. Er klopfte mir auf die Schulter und grinste.

    ‘Ich spuere aber deine Angst” sagte er zu mir, du bist unruhig.

    Komm ich will dir was zeigen, es ist im Wald. Ich wusste nicht was ich tun sollte. Er spuerte meine Unsicherheit. Warte hier, ich bringe es. So sass ich im feuchten Sand und schaute zum Farmer, der seine Wasserbueffel aus dem Wasser holte. Es gab mir was beruhigendes die Bueffel zu sehen. Sie stapften in Reih und Glied aus dem Wasser, wie Soldaten der Natur. Nach geraumer Zeit kam “Khon Baa” zurueck. In seinen Haenden hielt er ein Eichhoernchen. Er reichte mir dieses Eichhoernchen. Ich streichelte es und es nahm mir die Furcht vor “Khon Baa”.

    “Khon Baa” der nicht mehr seinen Namen wusste, sagte er habe viele Tiere in seinem Haus. Jetzt war ich neugierig. Sein Haus? Ich bat ihm, mir sein Haus zu zeigen. Er schaute mich an und fragte ob ich ihm vertrauen wuerde. Ja sicher. “Warum vertraust du mir”? fragte er. Ich wusste nicht was ich antworten sollte. “Ich weiss nicht, es ist nur so ein Gefuehl”, sagte ich. Ja das kenne er, auch die Tiere in >seinem Wald< haben keine Angst vor ihm.

    Ich blickte nochmals zum Farmer, der war jedoch schon ausser Sichtweite. Und wieder zoegerte ich. “Khon Baa” setzte sich in den Sand und gab den Eichhoernchen eine Mango schnitte, die er aus seinem Schurz holte. Erzaehle mir von Dir, sagte er. Er machte keine Anstalt zurueck in den Wald zu gehen. Ich schaemte mich. Zuerst machte ich grosse Sprueche das ich ihm vertraute, und nun zoegerte ich. Ich setzte mich in den Sand zu ihm. Was soll ich ihm erzaehlen. Mein Thai reichte gerade aus, um einen kleinen Smalltalk zu fuehren, jedoch nicht um mein Leben zu erzaehlen. Ich tat das einzige richtige was mir einfiel, ich sprach einfach. Thai und Englisch. Ich erzaehlte ihm alles was mich bewegte. Meine Bewegruende warum ich nach Thailand kam. Was ich von Leben erwartete. Das ich jetzt auf der Suche nach mir selbst war.

    Er war ein guter Zuhoerer. Er lies mich reden. Er gab zwischendurch dem Eichhoernchen Mango schnitten und drehte sich eine Schilfrohrblaetter Zigarette. Als ich aufhoerte zu sprechen fragte er mich was meine Meinung sei, warum die Menschen sich vor ihm fuerchteten. Er ging nicht auf das ein was ich erzaehlte. Es schien als habe er gar nicht begriffen, das ich mein Leben vor ihm ausschuettete. Ich sagte ihm das was die Dorfbewohner mir sagten. Das wolle er nicht wissen, den er weiss was die Leute reden. Er wollte meine Meinung. >Vielleicht haben sie Angst vor dem Unbekanntem. Vielleicht hoeren sie zuviel auf das was andere sagen. Vielleicht haben sie Angst, das dann andere Dorfbewohner nicht mit ihnen spreche, sollten sie sich zu viel mit ihm abgeben. Das sind nur Vermutungen, sagte ich.

    Er nickte und sagte, dann weist du auch um dich Bescheid. Um deine Schwaechen. Denn das was du gerade von den Dorfbewohner sagtest, gilt fuer dich, fuer dein Leben. Denke mal darueber nach. Ich war erstaunt. Wie konnte er das sagen. Er kannte mich doch nicht. Ich fragte ihm ob er mich ueberhaupt verstanden habe, was ich ueber mein Leben ihm erzaehlte. Nein, nicht viel. Er ist nicht wichtig das er es verstehe, wichtiger sei es, dass ich es verstehe. Wenn ich mich verstehe dann werde ich mein Leben leben. Er lebe sein Leben. Er sei sehr gluecklich.

    Warum denn er die Kinder ihn Angst versetze, fragte ich ihn. Das ist weil sie es erwarten. Manchmal da gehe er ins Dorf damit die Leute was zum reden habe. Viele Menschen legen am Waldesrand Speisen fuer ihn hin, auch Geld sei darin. So gibt er den Leuten das Gefuehl, das sie was gutes tun,wenn sie ihm helfen. Er habe vieles im Tempel gelernt. Er kann lesen und schreiben. Er liebe es im Wald fuer sich alleine zu sein. Er habe alles was er brauche.

    Ich sagte das ich nun zurueck zum Haus gehe, da mir die Mittagssonne zu heiss sei. Er wuenschte mir viel Glueck. Im Haus waren schon die Nachbarn versammelt. Sie wollten alle wissen, was ich mit “Khon Baa” gesprochen habe. Ich sagte das es fuer mich sehr beklemmend war. Irgendwie hatte ich das Gefuehl, das sie es nicht wirklich wissen wollten. Es war ein tolles Gefuehl das sie sich Sorgen um mich machten. So war meine Familie. Sie liessen mich machen und ich konnte mit ihnen ueber alles sprechen.

    Wir verstanden uns auch ohne viel Worte. Die Sprache zu verstehen ist nicht ausschlaggebend um in Thailand gluecklich zu sein. Ausschlaggebend ist, das ist meine Meinung, die Menschen so zu nehmen wie sie sind ohne sie aendern zu wollen.

  2.  
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  3. #2
    Chak
    Avatar von Chak

    Re: Khon Baa

    In welcher Gegend spielt eigentlich die Geschichte?

  4. #3
    Chonburi's Michael
    Avatar von Chonburi's Michael

    Re: Khon Baa

    @chak die Geschichten, bis auf einige spielten in der naehe Khonkaen. Passiert von 1996 - 2000 . Ja dann bin ich weg, nach BKK und jetzt in Chonburi gluecklich verheiratet.

    Also ein Greenhorn in was Thailand betrifft oder ein Rosa Brillen Traeger, was mich aber nicht im geringsten stoert, denn jeder ist seines glueckes Schmied.
    :-)

  5. #4
    Chak
    Avatar von Chak

    Re: Khon Baa

    War das zufällig im Amphür Namphong? Da kann man nämlich einen Khun Baa beobachten der täglich dreißig Kilometer hin und dreißg zurück an der Landstraße langwandert. Schien mir aber eher harmlos zu sein und allgemein geduldet. Jedenfalls war er auf allen dörflichen Festen auch anzutreffen.

  6. #5
    Avatar von phimax

    Registriert seit
    03.12.2002
    Beiträge
    14.274

    Re: Khon Baa

    Zitat Zitat von Chak",p="135766
    [...] der täglich dreißig Kilometer hin und dreißg zurück an der Landstraße langwandert.
    Otto lebt doch in Nong Khai, oder

    Michael

  7. #6
    Chonburi's Michael
    Avatar von Chonburi's Michael

    Re: Khon Baa

    Zitat Zitat von Chak",p="135766
    War das zufällig im Amphür Namphong? Da kann man nämlich einen Khun Baa beobachten der täglich dreißig Kilometer hin und dreißg zurück an der Landstraße langwandert. Schien mir aber eher harmlos zu sein und allgemein geduldet. Jedenfalls war er auf allen dörflichen Festen auch anzutreffen.
    Nein, ist es nicht. Es war ganz in der naehe Khon Kaen. Aber weiter wie bis zum Markt ist er nie gegangen.

  8. #7
    Chak
    Avatar von Chak

    Re: Khon Baa

    Hm, dann scheint das in Khon Kaen ja häufiger vorzukommen. Ich frage mich, warum. Inzucht? :O

  9. #8
    Chonburi's Michael
    Avatar von Chonburi's Michael

    Re: Khon Baa

    Ich habe festgestellt, das jedes Dorf einen Khon Baa hat. Ob das ein Resultat einer Inzucht ist, kann ich nicht bestaetigen.

    Auch in anderen Laendern gibt es viele Khon Baa´s. Warum wesshalb??

    Micha hat das Lied Khon Baa von Carabao wunderschoen ins Deutsche uebersetzt. Wer das lied kennt, weiss das Verrueckt nict immer verrueckt bedeutet.

    Verreuckt, ist halt ein wenig von der "Norm" verrueckt.

    Ich will aber nicht beurteilen was verreuckt oder Norm ist.

  10. #9
    Avatar von moselbert

    Registriert seit
    15.09.2003
    Beiträge
    2.627

    Re: Khon Baa

    Vielleicht sind alle verrückt, und die Khun Baa sind normal? Kommt nur auf die Sichtweise an.

  11. #10
    PETSCH
    Avatar von PETSCH

    Re: Khon Baa

    @otto kanns nicht sein; da bin ich 100%sicher;
    denn er hat mir gestern noch persönlich bestätigt,
    daß er KhonKaen nicht so sehr mag :-)

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