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Keine Hilfe aus Bangna

Erstellt von moselbert, 10.06.2005, 23:42 Uhr · 29 Antworten · 2.488 Aufrufe

  1. #21
    Avatar von moselbert

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    Re: Keine Hilfe aus Bangna

    Teil 14

    -.-.-.-.-.-.-.-.
    08:55 TST – (01:55 Z)
    TMD Bangna
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    Die Telefone in der Geophysikalischen Zentrale des TMD gaben keine Ruhe. Wattana und Anutin, die Techniker der Geophysikabteilung und die ausgeliehenen Kollegen Nawin und Surakiart vom Wetter konnten sich keine Pause gönnen. Die Anrufe kamen inzwischen aus allen Teilen des Landes. Alle Anrufer zeigten sich besorgt über das Beben und fragten, wie sie sich verhalten sollten. Die Männer beruhigten sie und meinten, das Schlimmste sei schon vorbei. Für Thailand würde keine Gefahr bestehen. Das Beben sei irgendwo in Indonesien gewesen.

    Barin hatte in der Zwischenzeit die Mitteilung ausformuliert.

    ประกาศกรมอุตุนิยมวิทยา
    ฉบับที่ พิเศษ(แผ่นดินไหว)
    เรื่อง แผ่นดินไหวรู้สึกได้ในประเทศไทย
    เมื่อวันที่ 26 ธันวาคม 2547 เวลาประมาณ 07.58 น.(ตามเวลาในประเทศไทย) ได้เกิดแผ่นดินไหวมีศูนย์กลางอยู่ที่บริเวณด้านตะวัน ตกของหัวเกาะสุมาตรา ประเทศอินโดนีเซีย หรือที่ ละติจูด 3.4 องศาเหนือ ลองจิจูด 95.7 องศาตะวันออก ลึกลงไปในแผ่นดิน ประมาณ 40 กิโลเมตร มีขนาดความแรงประมาณ 8.0 ตามมาตราริคเตอร์ และรู้สึกได้ในหลายจังหวัดของประเทศไทยโดยเฉพาะตึกสู งบริเวณ กรุงเทพมหานคร เชียงใหม่ เชียงราย สงขลา และภูเก็ต ในเบื้องต้นยังไม่ได้รับรายงานความเสียหาย จึงเรียนมาเพื่อทราบ ประกาศ ณ วันที่ 26 ธันวาคม พ.ศ. 2547 ออกประกาศเวลา 09.00 น.



    Bekanntmachung des Thailändische Meteorologischen Dienstes. Spezielle Mitteilung auf Grund eines Erdbebens
    Anlass ist ein in Thailand wahrnehmbares Erdbeben. Am 26.12.2004 gegen 07:58 Uhr thailändischer Zeit ereignete sich ein Erdbeben an der Westseite von Sumatra (Indonesien), auf etwa 3.4 Grad Nord, 95.7 Grad Ost, in etwa 40 km Tiefe mit einer Stärke von etwa 8.0 der Richterskala.
    Das Beben konnte in mehreren Provinzen Thailands wahrgenommen werden, vor allem in hohen Gebäuden in und um Bangkok, Chiang Mai, Chiang Rai, Songkhla und Phuket.
    Es gibt derzeit noch keine Berichte über Schäden. Deshalb dient diese Bekanntmachung nur der Information.
    Bekanntmachung vom 26.Dezember 2004, Ausgabezeit 09:00 Uhr



    Er hatte sich bemüht, sie so sachlich wie möglich zu schreiben. Niemand würde in Panik versetzt werden. Niemand könnte ihm auf Grund dieser Meldung vorwerfen, überreagiert zu haben.

    Er druckte die Bekanntmachung aus. Dann nahm er sich die Liste derjenigen Institutionen und Behörden aus dem Anweisungsordner, die in so einem Fall unterrichtet werden wollten. Es waren etliche. Da alle Techniker mit der Beantwortung von Telefonanrufen beschäftigt waren, übernahm er die Tätigkeit des Faxens kurzerhand selber. Wieder einmal bedauerte er, kein moderneres Telefaxgerät zur Verfügung zu haben.

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    09:04 TST – 16:04 Hawaii Zeit – (02:04 Z)
    PTWC Hawaii
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    Der zweite Bericht des PTWC verließ Hawaii und verbreitete sich in den Fernschreibnetzen und im Internet über die ganze Welt:

    Tsunami Bulletin number 002
    Pacific Tsunami Warning Center/NOAA/NWS issued at 0204z 26 Dec 2004
    This bulletin is for all areas of the pacific Basin except Alaska – British Columbia – Washington – Oregon – California.
    Tsunami information bulletin.
    Attention: Note revised Magnitude.
    This Message is for information only. There is no tsunami warning or watch in effect.
    An earthquake has occurred with these preliminary parameters:
    Origin time – 0059z 26 Dec 2004
    Coordinates – 3,4 North 95,7 East
    Location - off W Coast of Northern Sumatera
    Magnitude 8,5
    Evaluation: Revised magnitude based on analysis of mantle waves. This earthquake is located outside the Pacific. No destructive tsunami thread exists based on historical earthquake and tsunami data. There ist he possibility of a tsunami near the epicenter. This will be the only bulletin issued fort his event unless additional information becomes available. The West Coast/Alaska Tsunami Warning Center will issue bulletins for Alaska – British Columbia – Washington – Oregon – California.


    Tsunami Bulletin Nr.2
    Pacific Tsunami Warning Center/NOAA/NWS herausgegeben am 26.12.2004 um 0204z
    Dieses Bulletin gilt für alle Bereiche des Pazifiks, außer Alaska – British Columbia – Washington – Oregon – Kalifornien
    Tsunami Informations-Bulletin
    Diese Nachricht dient nur zur Information. Es ist keine Tsunamiwarnung oder Vorwarnung in Kraft.
    Ein Erdbeben mit diesen vorläufigen Parametern hat stattgefunden:
    Zeit des Ereignisses – 26.12.2004, 0059z
    Koordinaten – 3,4 Nord 95,7 Ost
    Epizentrum – Vor der Westküste von Nord Sumatra
    Magnitude – 8,5
    Einschätzung: Die Magnitude wurde auf Grund von Analysen der Mantelwellen geändert. Dieses Erdbeben hat außerhalb des Pazifiks stattgefunden. Auf Grund von historischen Erdbeben- und Tsunamidaten besteht keine Gefahr für einen zerstörerischen Tsunami. Es besteht die Möglichkeit eines Tsunami in der Nähe des Epizentrums.
    Wenn keine weiteren Informationen verfügbar werden, wird dieses das einzige Bulletin für dieses Ereignis sein. Das West Coast/Alaska Tsunami Warning Center wird für Alaska – British Columbia – Washington – Oregon – Kalifornien eigene Berichte herausgeben.


    Larry und Stewart sammelten weitere Informationen und versuchten sich ein Bild von dem zu machen, was im weit entfernten Indischen Ozean passierte. Es schien aber nicht viel zu passieren. Noch immer brachten die Nachrichtenstationen keine Meldungen von Überschwemmungen oder Wellen.

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    09:20 TST – (02:20 Z)
    TMD Bangna
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    Nach einer Viertelstunde legte Wattana seinen Hörer neben das Telefon und kam zum Faxgerät.

    „Barin, ich faxe den Rest. Dann hast Du Zeit, Dich um das Fachliche zu kümmern.“

    „Danke, Wattana. Heute ist aber auch wirklich der Teufel los. Wir werden uns vielleicht doch mal intensiver um ein moderneres Faxgerät bemühen müssen. Ich werde die Woche noch einen Bericht aufsetzen.“

    „Vielleicht kannst Du auch erwähnen, dass ein automatischer Anrufbeantworter mit einem aktuellen Text nicht schlecht wäre. Dann bräuchten wir die zwei Kollegen von der Wetterabteilung nicht.“

    „Das stimmt. Das werde ich auch erwähnen.“
    Barin setzte sich wieder an seinen Arbeitsplatz. „Oh, jetzt habe vor lauter Hektik ich die Mitteilung zwar geschrieben, aber nicht ins Internet gestellt.“ sagte er zu sich selber. „Na, dann schreibe ich noch eine zweite Ausgabezeit darunter und dann weg damit.“

    ...
    ประกาศ ณ วันที่ 26 ธันวาคม พ.ศ. 2547 ออกประกาศเวลา 09.00 น.
    ประกาศ ณ วันที่ 26/12/2547 ออกประกาศเวลา 09:20 น.

    ...
    Bekanntmachung vom 26.Dezember 2004, Ausgabezeit 09:00 Uhr
    Bekanntmachung vom 26.12.2004, Ausgabezeit 09:20 Uhr



    Dann wählte Barin die Nummer der Wetterabteilung. Somsak meldete sich.

    „Ich kann Nawin und Surakiart noch nicht entbehren.“ entschuldigte sich Barin. „Ich hoffe, Du kommst noch eine Weile ohne sie aus.“

    „Ja, das geht schon. Ihr habt sicher mehr zu tun.“

    „Das kannst Du laut sagen. So etwas habe ich noch nicht erlebt.“

    „Dann kannst Du ja nachher den Feierabend richtig genießen.“

    „Das stimmt. Ich bin froh wenn das vorbei ist. Zum Glück passiert das nicht jeden Tag.“


    Barin legte auf.

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    09:25 TST – (02:25 Z)
    Bangkok
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    Samith hatte es tatsächlich geschafft, seinen Nachfolger Pracha ans Telefon zu bekommen.

    „Ah, Samith. Was verschafft mir die Ehre Ihres unerwarteten Anrufs?“

    „Haben Sie schon von dem Erdbeben in Sumatra gehört, Pracha?“

    „Ja, das habe ich. Abteilungsleiter Superk hat mich informiert. Er bekam einen Anruf von dem diensthabenden Geophysiker. Dort in der Zentrale soll ja einiges los sein. Lauter Anrufe.“

    „Was will der Geophysiker machen? Gibt er eine Warnung heraus?“

    „Ihr Lieblingsthema, Samith.“
    Pracha lachte. „Es gibt keine Hinweise auf Schäden. Er wird eine Mitteilung ins Netz stellen. Vielleicht hat er es schon.“

    „Man sollte aber einen Tsunami nicht ausschließen. Nicht bei einem so großen Beben.“

    „Dann hätten wir schon etwas in den Nachrichten gehört. Wenn es in Indonesien keinen Tsunami gegeben hat, dann wird es auch in Thailand keinen geben.“

    „Natürlich müsste es zunächst in Indinesien einen geben. Das stimmt. Aber irgendwie habe ich ein dummes Gefühl bei der Sache.“

    „Deswegen sind Sie ja auch in den Ruhestand versetzt worden, Samith. Weil man mit Gefühlen in unserem Beruf nicht weiter kommt. Wir brauchen Fakten und keine Gefühle. Und die Fakten sind nun mal so: es gibt bei uns keine Schäden durch das Beben, es gibt keinen Hinweis auf einen Tsunami in Indonesien, es gibt noch nicht einmal eine Andeutung eines Tsunamis bei den Kollegen in Hawaii, den Tsunamispezialisten. Genießen Sie Ihren Ruhestand, Samith, und lassen Sie uns unsere Arbeit tun. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Sonntag.“

    „Ich Ihnen auch.“
    antwortete Samith.

    Pracha war während des Gesprächs etwas grob geworden. Natürlich hatte er von seiner Sicht aus Recht. Aber Samith hatte sich in seiner Freizeit so viel mit Tsunamis befasst, dass er bei jedem Beben misstrauisch war. Bisher war alles harmlos verlaufen, aber man konnte nie wissen.

    Eigentlich hätte aber ein eventuell entstandener Tsunami schon längst auf die Küste Sumatras treffen müssen. Dass man in den Nachrichten noch nichts davon gehört hatte konnte natürlich ein Zeichen dafür sein, dass sich keiner gebildet hatte. Aber Samith traute dem Braten nicht.

    „Was ist? Du schaust so nachdenklich.“ fragte seine Frau.

    „Ich weiß nicht was ist. Und das macht mich irgendwie unruhig. Ich möchte gerne wissen, was dort draußen passiert.“


    Fortsetzung folgt

  2.  
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  3. #22
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    Re: Keine Hilfe aus Bangna

    Teil 15

    -.-.-.-.-.-.-.-.
    09:55 TST – (02:55 Z)
    Phuket im Süden
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    Ruun saß vor seiner Hütte und dachte nach. Was ihm nicht gefiel, waren die sanitären Verhältnisse hier in seinem Dorf. Die Abwässer aus den Stelzenhäusern gingen ungeklärt in die See. Die Kinder spielten im Wasser bei den Häusern. Manch ein Kind hatte schon unangenehme Erfahrungen mit dem Wasser gemacht. Es passierte selten, aber es passierte. Besser wäre es, Chemietoiletten für das Dorf anzuschaffen. Die Überreste konnten danach besser entsorgt werden. Es war aber immer alles eine Frage des Geldes. Er konnte ja mal bei irgendeiner Behörde fragen, ob es Zuschüsse für die Verbesserung der Wasserqualität geben würde.

    „Ruun?“

    Ruun schrak aus seinen Gedanken auf. Taksi stand vor ihm.

    „Bist Du beute noch nicht arbeiten?“

    „Nein. Ich werde erst später gehen. Die Touristen sind ja auch hauptsächlich am Nachmittag und Abend aktiv. Aber schau mal, Ruun. Das Wasser geht zurück.“


    Ruun stand auf und ging mit Taksi den Steg entlang zum Meer. Das hatte er noch nie gesehen. Der gesamte Bereich des Dorfes fiel trocken. Selbst bei Ebbe gab es immer ein bisschen Wasser. Aber jetzt schien auch dieses zu verschwinden. Auch die Meerestiere waren über die Situation irritiert. Das Wasser ging so schnell zurück, dass sogar manche Fische plötzlich auf dem Trockenen saßen.

    „Taksi, ich glaube, wir verschwinden lieber. Gestern habe ich mich an die Geschichte meiner Großmutter erinnert. Der Fremde hat sie mich erzählen lassen. Los, trommele die Leute zusammen.“

    Es war Sonntagvormittag. Viele Bewohner waren zum Fischen nach draußen gefahren. Frauen und Kinder waren zu Hause. Die Kinder schauten eine der von einem Fernsehsender gezeigten Trickfilmserien. Wie oft hatte Ruun gedacht, die Kinder sollten lieber draußen spielen, als vor dem Gerät hocken. Heute aber war es ein Vorteil.

    Die Mütter waren meist dabei, irgendetwas im Hause zu machen. Sie kochten, fegten oder reparierten etwas. Oder sie schwatzten mit ihren Nachbarinnen.

    Ruun wunderte sich, wie leicht es ihm und Taksi fiel, die Menschen aus den Häusern zu holen. Hilfreich war sicher, dass nicht nur er von den alten Geschichten über den großen Fisch gehört hatte, der sich ab und zu herumwälzt und seine Opfer fordert. Auch einige alte Frauen konnten sich erinnern, von ihren Eltern oder Großeltern diese Sage erzählt bekommen zu haben.

    Und so war nach kurzer Zeit die gesamte Bevölkerung des kleinen Dorfes auf dem Weg in höheres Gelände. Ein paar Mal sah Ruun sich um. Und dann sah er am Horizont eine weiße Wasserwand, die der Insel immer näher kam. Und er wusste, dass er richtig gehandelt hatte. Er hoffte, dass auch die Fischer auf dem Meer sich richtig verhalten würden.

    -.-.-.-.-.-.-.-.
    09:55 TST – (02:55 Z)
    Phuket
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    Emils Handy klingelte.

    „Emil Meier, guten Tag.“ meldete er sich.

    „Hallo Emil. Ich bin es noch mal.“ meldete sich Samith. „Wie sieht es bei Dir aus?“

    „Hier ist alles ruhig. Hast Du etwas erreicht.“

    „Ich habe mit meinem Nachfolger Pracha gesprochen. Das TMD hat inzwischen eine Mitteilung über das Erdbeben ins Netz gestellt. Pracha hat gesagt, ich würde zu gefühlsbetont handeln. Ich sollte mehr die Fakten berücksichtigen. Und er sagte etwas, das mich doch nachdenklich macht. Wenn es einen Tsunami geben würde, dann wäre er doch zuerst in Sumatra angekommen. Also hätte man doch schon etwas in den Nachrichten hören müssen. Oder mache ich da einen Denkfehler?“

    „Nein, das ist schon richtig.“
    bestätigte Emil. „Es sei denn, der Tsunami war so groß, dass niemand mehr da ist, der darüber berichten kann.“

    Auf der anderen Seite herrschte Schweigen.

    „Bist Du noch da, Samith?“

    „Ja. Dein Einwand hat nur meine Befürchtungen wieder geweckt. Kannst Du das Meer vom Zimmer aus sehen?“

    „Wenn ich mich aus dem Fenster lehne. Mein Hotel liegt leider nicht direkt am Strand.“

    „Oder zum Glück.“


    Toi hatte sich schon seit längerer Zeit wieder ihre Sachen angezogen. Sie hatte eingesehen, dass Emil inzwischen andere Sorgen hatte, als sich mit ihr zu beschäftigen. Er schaute sorgenvoll auf seinen Laptop und telefonierte herum. Etwas langweilig war das schon. Und so hatte sie sich ans Fenster gestellt und redete mit Bekannten, die auf der Straße vorbei gingen. Dann schaute sie mal wieder zum Meer. Es hatte sich verändert. Es schien weniger geworden zu sein. Am Horizont war eine weiße Linie zu sehen. Wie hieß das Ding, das kommen sollte. Was hatte Emil gesagt?

    Sie redete auf eine andere Frau auf der Straße ein. Ihr neuer Freund hatte etwas von einer großen Welle und viel Wasser erzählt, das kommen werde und jetzt könnte sie es aus dem Fenster sehen. Wie hieß doch das noch gleich. Jetzt fiel es ihr wieder ein.

    „Tsunami heißt das, hat er gesagt. Tsunami. Mach, dass Du von der Straße weg kommst. Ich weiß nicht wie hoch das wird.“

    „Ich kann hier überhaupt nichts sehen.“
    kam die Antwort von unten.

    „Aber ich sehe es hier oben. Mein Freund ist ein großer Wissenschaftler.“

    Emil hatte sich weiter mit Samith unterhalten. In einer Pause hatte er Gesprächsfetzen von Toi aufgeschnappt. Sie stand am Fenster und redete mit jemandem auf der Straße. Hatte er Tsunami verstanden? Toi schien aufgeregt zu sein.

    „Bleib mal dran, Samith. Ich muss mal aus dem Fenster schauen.“ sagte er. Dann begab er sich zu Toi und sah in Richtung Meer. Eine Wellenfront kam auf die Küste zu. Emil wusste sofort was das hieß.

    „Samith, ich sehe ihn, den Tsunami!“ rief er ins Telefon.

    „Was siehst Du?“

    „Den Tsunami. Du hattest Recht. Wir hatten Recht. Wie majestätisch er aussieht. Mein Gott!“

    „Was ist los, Emil?“

    „Die Leute. Sie stehen am Strand und gucken zu. Die müssen doch laufen. Wegrennen. Die ersten haben es begriffen. Sie laufen. Da ist die Welle aber schon. Wie furchtbar!“

    „Ich wünschte mir, ich hätte nicht Recht gehabt, Emil.“

    „Das glaube ich Dir, Samith. Wie viele Wellen kommen wohl noch, was meinst Du?“

    „Noch ein paar. Die können noch höher werden. Seit Ihr da sicher im Hotel?“

    „Ja, das Hotel liegt weit genug hinten. Ich werde das Gespräch beenden. Ich kann mir vorstellen, dass ich hier anschließend etwas helfen kann oder muss. Samith, mach’s gut.“

    „Sieh Dich vor, Emil.“


    Toi schaute immer noch wie paralysiert aus dem Fenster. Sie schien nicht zu begreifen, was dort vor sich ging.

    „Tsunami?“ fragte sie.

    „Ja, Tsunami.“ antwortete Emil. Er hatte Tränen in den Augen.



    Fortsetzung folgt

  4. #23
    Avatar von moselbert

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    Re: Keine Hilfe aus Bangna

    Teil 16

    -.-.-.-.-.-.-.-.
    10:05 TST – (03:05 Z)
    TMD Bangna
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    Barin und seine Kollegen waren immer noch dabei, die zahlreichen Anrufe entgegenzunehmen. Im Gegensatz zu den Malen zuvor schien die Welle der Anrufe nicht abzuebben. Wie Barin auf seinen Erdbebenmonitoren sehen konnte, gab es nach Norden vom Epizentrum fortschreitend zahlreiche Nachbeben, die aber nicht so stark waren wie das erste. Dennoch wurden sie offenbar von zahlreichen Bewohnern in den Westprovinzen Thailands gespürt. Barin sehnte sich den Feierabend herbei. Er musste aber noch zwei Stunden aushalten.

    Es klopfte an der Tür. Der Meteorologe Somsak stand in der Tür. Er hatte einige Tüten Snacks und Getränke dabei, die er unten bei einem Straßenhändler gekauft hatte.

    „Ich kann mir vorstellen, dass Ihr eine Stärkung nötig habt.“ sagte er.

    Alle bedankten sich für die Unterstützung.

    „Wie schlimm ist es denn?“ fragte Somsak.

    „Das Beben oder die Anrufe?“ erwiderte Barin.

    „Beides. Wir hatten oben auch schon den einen oder anderen Anruf. Falls noch mal jemand bei uns durchklingelt möchte ich ihnen was sagen, was wir abgesprochen haben.“

    „Stärke 8, vielleicht auch etwas darüber. Das ist ein ziemlich kräftiges Beben. Es gibt auch noch viele Nachbeben. Aber es gibt keine Schäden in Thailand.“

    „Na, dann geht es ja.“ Somsak war beruhigt. „Dann werde ich das weitergeben, falls wir noch mal einen Anruf bekommen. Vorhin war übrigens einer dabei, der beklagte sich, dass wir den Sturm nicht vorhergesagt haben.“

    „Sturm gibt es auch noch?“

    „Nein, eigentlich nicht. Man kann auch auf den Satellitenbildern nichts sehen. Aber der Anrufer meinte, durch hohen Wellengang wäre ein Mensch ertrunken. Aber ich glaube ich störe Dich bei der Arbeit, was?“

    „Och, ich bin ganz froh über eine kurze Ablenkung. Woher kam denn der Anruf?“

    „Aus Phuket. Vom Wetter her kann ich mir das eigentlich nicht erklären. Na, ich lasse Euch dann mal in Ruhe weiterarbeiten.“
    Somsak verließ den Raum wieder.

    Barin war nachdenklich geworden. Stärkerer Seegang in Phuket, den die Kollegen nicht vorhergesagt hatten? Barin hatte ein ungutes Gefühl.

    Das erneute Klingeln des Telefons riss ihn aus seinen Überlegungen.

    „Hallo.“

    „Ist dort das TMD?“ fragte der Anrufer.

    „Ja, hier ist das Königlich Thailändische Wetteramt. Was kann ich für Sie tun?“

    „Ich wollte Ihnen nur melden, dass vor einiger Zeit die Erde bei mir gebebt hat.“

    „Das Beben ist uns bekannt. Von wo rufen Sie an?“

    „Ban Nam Khem in der Provinz Phangnga. Kann das noch schlimmer werden?“

    „Nein, das erste Beben ist meist das stärkste. Dann gibt es noch mehrere kleinere hinterher. Aber Schäden sind uns keine bekannt. Haben Sie irgendwelche Schäden?“


    „Wir haben keine außer einer umgefallenen Colaflasche. Ich muss jetzt Schluss machen, meine Frau ruft mich.“

    „Bitte, auf Wiederhören.“

    Barin legte auf.

    Der Anrufer hängte den Hörer ebenfalls in die Gabel.

    „Ja, ja. Ich komme ja schon. Was ist denn?“

    Er ging zu seiner Frau in das Nachbarzimmer. Sie starrte aus dem Fenster.

    „Was ist los?“ fragte er.

    Sie zeigte nur nach draußen. Er folgte ihrem Blick. Beide sahen eine aus dem Meer aufsteigende Wasserwand, die sich rasend schnell dem Haus näherte.


    Fortsetzung folgt

  5. #24
    Avatar von moselbert

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    Re: Keine Hilfe aus Bangna

    Teil 17

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    10:15 TST – (03:15 Z)
    Auf der See vor Takua Pa
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    Somkid fuhr mit seinem Fischerboot auf der Andamanensee in Richtung der Fanggründe. Er dachte daran, dass in den letzten Jahren die Menge der Fische abgenommen hatte, die er auf dem Meer fing. Dafür waren die Erlöse etwas angestiegen. Sein Bruder Chitchai machte ihm meist gute Preise auf dem Fischmarkt von Takua Pa.

    Chitchai hatte ihn vor fast zwei Stunden per Funk über einen Anruf seiner Nichte informiert. Diese hatte gesagt, es habe ein schweres Erdbeben gegeben. Sie hatte auch von einem möglichen Tsunami gesprochen.
    Somkid wusste, was ein Tsunami war. Er hatte es von seinen Eltern und Großeltern gehört. Allerdings hatte er noch nie einen erlebt. Immerhin wusste er, dass er auf dem Meer bei einem Tsunami relativ sicher war. Sicherer jedenfalls als an der Küste.

    „Somkid, schau mal.“ sagte einer seiner Besatzungsmitglieder. Er zeigte nach unten.

    Somkid sah die Korallen so klar und deutlich wie noch nie zuvor in seinem Leben als Fischer. Sie schienen auch näher zu kommen.

    „Klares Wasser haben wir heute.“ sagte er.

    Dann schienen die Korallen wieder im Meer zu verschwinden. Gleichzeitig fühlte er sich mit seinem Schiff wie von Geisterhand angehoben. Er lief zur Brücke und schaute auf das Meer. Es kam ihm vor als würde es schief stehen. Dann plötzlich war das Meer ruhig, als wäre nichts geschehen.

    „Was war das?“ fragte einer seiner Männer.

    „Das könnte ein Tsunami gewesen sein.“

    Der Andere erschrak. „Lass uns zur Küste zurückfahren und nachschauen ob etwas passiert ist.“

    „Nein.“
    entschied Somkid. „Wir fahren in Richtung Meer. Da kommen bestimmt noch mehr Wellen. Und an der Küste ist es nicht sicher genug?“

    „Und unsere Familien?“


    Somkid zuckte mit den Schultern.

    „Opfern wir Buddha und hoffen, dass nichts passiert. Aber mein Bruder hat versprochen, dass er sich um die Leute kümmert.“ Er steuerte das Schiff in Richtung offene See, einer vermutlich zweiten Welle entgegen. Dann versuchte er mit dem Funkgerät, seinen Bruder Chitchai zu erreichen. Es klappte.

    „Chitchai, vielen Dank für die Tsunamiinformation. Kommen.“

    „Somkid, hast Du eine Welle gesehen? Kommen.“

    „Ja. Es ist aber nichts passiert. Wir fahren jetzt in Richtung offenes Meer weiter und reiten die Wellen ab, wenn noch welche kommen sollten. Wie sieht es bei Euch aus? Kommen.“

    „Alles wohlauf. Ich bin mit dem Auto an die Küste gefahren und habe die Leute gewarnt. Alle, die ich erreicht habe, sind auf höherem Grund. Takua Pa selber liegt ja so weit von der Küste weg, dass nichts passieren dürfte. Kommen.“


    Die anderen Besatzungsmitglieder hatten mitgehört und waren erleichtert.

    „Wir danken Dir alle. Hoffentlich geht nicht allzu viel kaputt. Ende.“

    „Bitte, Somkid. Und haltet die Ohren steif da draußen. Ende und Aus.“


    Somkid schaute aus dem Fenster nach vorne und versuchte zu sehen, wann die nächste Welle kam. Das Fischerboot stampfte mit mäßiger Geschwindigkeit über die See.


    Fortsetzung folgt

  6. #25
    Avatar von moselbert

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    Re: Keine Hilfe aus Bangna

    Teil 18

    -.-.-.-.-.-.-.-.
    10:20 TST – (03:20 Z)
    Ban Bueng
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    Tanita und Adisai waren gerade auf der Autobahn zwischen Klaeng und Chonburi als Tanitas Handy klingelte.

    „Hallo.“ meldete sie sich.

    „Tanita? Hier ist Dein Vater.“

    „Vater, wie geht es Euch? Ist alles wohlauf?“

    „Ja. Alle sind wohlauf. Wir müssen uns alle bei Dir bedanken.“

    „Warum? Was ist passiert? Hat es einen Tsunami gegeben?“

    „Ja. Somkid hat sich schon gemeldet. Die Welle ist unter ihm durchgekommen. Ich habe die Leute im Dorf an der Küste gewarnt und sie sind alle auf höheres Gelände mitgekommen. Jetzt sehe ich auf der See einen weißen Streifen, der sich nähert.“

    „Das könnte der Tsunami sein. Seid Ihr hoch genug?“

    „Ich denke schon. Bei allen guten Geistern, ist das Ding schnell. Es hat schon die Hälfte der Stecke zurückgelegt. Ich habe hier einen guten Ausblick.“

    „Wo stehst Du? Auf dem Hügel von dem man einen so schönen Blick hat?“

    „Genau, mein Kind. Jetzt ist die Welle schon fast an der Küste. Jetzt kommt sie. Jetzt stürzt sie ins Dorf. Es ist fast so als wenn das Meer überläuft.“


    Beide schwiegen. Adisai hatte den Wagen inzwischen auf dem Seitenstreifen angehalten, weil er sich nicht mehr auf die Straße konzentrieren konnte.

    „Die Hütten! Tanita, die Hütten!“

    „Was ist mit den Hütten?“

    „Sie sind fast alle zerstört. Tanita, weißt Du, wie vielen Menschen Du mit dem Anruf das Leben gerettet hast?“

    „Du aber auch Vater.“

    „Ja. Die Hütten können die Leute wieder aufbauen. Kommen noch mehr Wellen?“


    Adisai schaltete sich ein.

    „Vater, sei bloß vorsichtig. Es kommen mehrere. Eventuell auch noch höhere. Sieh Dich vor.“

    „Na, dann will ich mal hier verschwinden, obwohl ich glaube, dass sie bis hier her nicht hinkommen. Macht es gut. Chock dii.“


    Tanita und Adisai schauten sich an.

    „Wenn das überall so war wie oben in Takua Pa, dann ist das sehr schlimm.“ meinte Tanita.

    „Das wird wohl überall so gewesen sein. Hoffentlich hat Barin rechtzeitig gewarnt. Ich bezweifele es aber. Gibst Du mir mal das Handy?“

    Er wählte die Nummer seiner Dienststelle. Alle Apparate waren aber wie schon beim ersten Versuch am Morgen besetzt. Tanita versuchte es daraufhin bei ihrer Abteilung und hatte Erfolg.

    „Somsak, hast Du einen Moment Zeit? Es ist sehr wichtig.“ sagte sie.

    „Für Dich immer, Tanita. Was gibt es? Wie ist der Urlaub?“

    „Wir haben ihn abgebrochen und sind auf der Rückfahrt. Ich rufe noch mal wegen des Erdbebens an. Es hat einen Tsunami verursacht.“

    „Ach? Und wie kommst Du darauf?“

    „Ich habe gerade mit meinem Vater in Takua Pa telefoniert. Eine erste Welle hat ein Fischerdorf zerstört. Vater hat aber die Leute rechtzeitig gewarnt.“

    „Eine Welle? Jetzt wird mir so manches klar.“

    „Was wird Dir klar?“
    fragte Tanita ihren Kollegen.

    „Wir haben schon Anrufe aus Phuket gehabt, dass mehrere Menschen wegen starken Seegangs ertrunken wären. Vom Wetter her konnte das eigentlich nicht sein. Aber ein Tsunami ist natürlich eine Erklärung.“

    Adisai nahm Tanita das Handy aus der Hand.

    „Adisai hier. Hat Barin alles im Griff? Ich habe ihn leider noch nicht erreicht.“

    „Ich war vorhin bei ihm und habe den überarbeiteten Kollegen etwas zu essen gebracht. Ich habe ihm von dem Wellengang erzählt, aber von einem Tsunami haben wir nicht gesprochen. Ich werde ihn wohl auch mal über Euren Anruf informieren.“

    „Ja, mach das. Es ist dringend.“


    Tanita und Adisai fuhren voller Sorge weiter.


    Fortsetzung folgt

  7. #26
    Avatar von MadMovie

    Registriert seit
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    Re: Keine Hilfe aus Bangna

    @ Moselbert,

    endlich habe ich Zeit, die Geschichte am Stück zu lesen!
    Wie schon einer schrieb, ein fast komplettes Drehbuch.

  8. #27
    Mandybär
    Avatar von Mandybär

    Re: Keine Hilfe aus Bangna

    Hallo Moselbert,

    mit Sicherheit sehr viel Wahres darin verpackt.
    Auch sehr interessante Einsichten in die Praxis.

    Leider halt mit tragischem Hintergund.

    Grüße aus Salzburg
    Mandybär

  9. #28
    Avatar von moselbert

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    Re: Keine Hilfe aus Bangna

    Teil 19

    -.-.-.-.-.-.-.-.
    10:40 TST – (03:40 Z)
    TMD Bangna
    -.-.-.-.-.-.-.-.


    Somsak klopfte an die Tür und trat ein. Das Stimmengewirr war bis auf den Flur zu hören gewesen. Noch immer saßen alle an den Telefonen und beantworteten die Fragen der besorgten Bürger. Er ging zu Barin und bedeutete ihm, dass er sich nach dem Anruf bitte ihm zuwenden möge. Was Barin dann auch tat.

    „Barin, ich habe einen Anruf von Tanita und Adisai bekommen.“ sagte Somsak nachdenklich.

    „Warum schaust Du so niedergeschlagen, ist ihnen etwas passiert?“

    „Nein, sie sind wohlauf. Sie haben aber gesagt, dass es in Takua Pa einen Tsunami gegeben haben soll. Tanita hatte mit ihrem Vater gesprochen. Ein Fischerdorf soll zerstört worden sein. Und jetzt wird mir auch so einiges klar. Die komischen Wellen auf Phuket kamen nicht von einem Sturm sondern von dem Erdbeben. Ich habe inzwischen mehrere Anrufe wegen der Wellen bekommen.“


    Barin schaute seinen Kollegen erschrocken an.

    „Mist. Das könnte natürlich sein. Aber die vom Tsunamizentrum haben doch gesagt, dass es keinen Tsunami geben soll.“

    „Dann haben sie sich wohl geirrt.“

    „Ich glaube, ich muss die Warnung noch mal neu machen. Ich werde mich mit dem Abteilungsleiter beraten. Danke, Somsak, für die Information. Man sieht hier den Wald vor lauter Bäumen nicht.“


    Somsak verließ den Raum wieder und Barin griff zum Telefon. Er wählte wieder die Nummer von Sumalli. Es ging aber niemand dran. Er versuchte es noch ein paar Mal ohne Erfolg. Wahrscheinlich war er einkaufen. Schließlich war Sonntag, da füllten die meisten Thais die Warenhäuser und Einkaufszentren.

    Schließlich war er die vergeblichen Versuche leid und er wählte die Nummer von Superk, dem Abteilungsleiter. Dieser war zu Hause.

    Barin erzählte ihm vom Anruf seiner Kollegen und dem vermeintlichen Tsunami in Takua Pa sowie von den Wellengängen in der Nähe von Phuket.

    „Das ist ja interessant.“ antwortete Superk. „Ich hatte vor kurzer Zeit einen Anruf von Pracha, dem Leiter des Amtes. Ihnen ist doch der frühere Leiter Samith ein Begriff, oder?“

    „Ja, sicher.“
    bestätigte Barin.

    „Samith hat heute zwei Mal bei Pracha angerufen. Zunächst hat er ihm gesagt, dass ein Tsunami entstehen könnte. Ich hatte Pracha aber schon vorher darüber informiert, dass es laut Tsunami Warnzentrum in Hawaii keinen geben würde. Später rief er dann noch mal an und sagte, ein deutscher Kollege von ihm hat auf Phuket einen Tsunami gesehen. Pracha hat dann mit mir Rücksprache gehalten. Wir haben eigentlich gedacht, dass Samith sich wichtig tun will, wegen seiner komischen Phantasien von einem Frühwarnsystem. Aber so ganz sicher waren wir uns nicht. Ich habe deshalb versucht auch Sumalli anzurufen, aber der scheint nicht mehr zu Hause zu sein.“

    „Ich weiß, deswegen rufe ich ja Sie an. Ich wollte eventuell unsere Bekanntmachung etwas überarbeiten und das Auftreten von Wellen erwähnen. Aber ich wollte mich zunächst natürlich mit Ihnen beraten.“

    „Beratung ist immer gut.“
    sagte Superk. „Dass Sumalli jetzt nicht da ist, ist natürlich irgendwie nicht so gut, weil ich so etwas gerne den offiziellen Dienstweg einhalten würde. Aber meinen Segen haben Sie. Denken Sie daran, zurückhaltend zu formulieren.“

    „Das mache ich Superk. Vielen Dank. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Sonntag.“

    „Ich Ihnen auch. Auf Wiedersehen.“


    Barin legte auf und machte sich am PC sogleich daran, die Meldung zu formulieren.

    Nach einiger Zeit hatte er sie fertig und stellte sie auf die Webseite des Amtes, wo jeder, der interessiert war, einen Blick drauf werfen konnte.

    ประกาศกรมอุตุนิยมวิทยา
    ฉบับที่
    เรื่อง คลื่นจัดมากบริเวณทะเลอันดามัน
    เนื่องจากมีแผ่นดินไหวเกิดขึ้นที่เกาะสุมาตรา ประเทศอินโดนีเซีย เวลา 07.58 น. วันที่ 26 ธันวาคม 2547 วัดขนาดได้ 8.0 ตามมาตราริคเตอร์ ซึ่งจะส่งผลให้บริเวณทะเลอันดามันมีคลื่นจัดมาก ความสูงคลื่น 3-5 เมตร ขอให้ชาวเรือระมัดระวังในการเดินเรือ เรือเล็กควรงดออกจากฝั่ง และประชาชนบริเวณจังหวัดพังงา ภูเก็ต และกระบี่ ให้ระมัดระวังน้ำทะเลหนุนสูงขึ้นในวันนี้ด้วยปร ะกาศ ณ วันที่ 26/12/2547
    ออกประกาศเวลา 11:29 น.



    Bekanntmachung des Thailändischen Meteorologischen Dienstes.
    Anlass sind große Wellen, die von dem Erdbeben induziert wurden, welches sich am 26.12.2004 gegen 07:58 Uhr bei der Insel Sumatra (Indonesien), auf etwa 3.4 Grad Nord, 95.7 Grad Ost, mit einer Stärke von etwa 8.0 der Richterskala ereignet hat. Es verursachte große Wellen mit einer Höhe von 3 bis 5 Metern. Schiffsführer sollten Vorsicht beim Manövrieren der Schiffe walten lassen. Kleinere Schiffe sollten die Küste verlassen und aufs offene Meer fahren. Die Bürger der Provinzen Phangnga, Phuket, und Krabi sollten heute die Küste meiden und höher gelegene Gebiete aufsuchen.
    Bekanntmachung vom 26.12.2004, Ausgabezeit 11:29 Uhr


    Barin druckte den Bericht aus und begab sich wieder zum Faxgerät. Er informierte darüber die Regierungsstellen, Organisationen, Fernsehanstalten und Zeitungen.

    Allerdings diente dieser Bericht nur noch als Informationsquelle. Als Hilfe oder gar Vorbeugung konnten die Zeilen aus dem Königlichen Wetterdienst in Bangna nicht mehr nützlich sein.

    ENDE

  10. #29
    Avatar von moselbert

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    Re: Keine Hilfe aus Bangna

    Literatur:

    Gaede, P.M. (Hrsg) (Februar 2005): Tsunami – Der Tod aus dem Meer, Geo Epoche Nr.16.
    Schnibben, C. (Hrsg) (2005): Tsunami – Geschichte eines Weltbebens, DVA München und Spiegel Verlag Hamburg.
    Anonymus: Poorly-equipped, in http://www.chiangmainews.com/thenation/new_8.htm

    Internetlinks:

    Incorporated Research Institutions for Seismology (IRIS): http://www.iris.edu
    IRIS Seismic Monitor: http://www.iris.edu/seismon/
    The Sumatra – Andaman Islands Earthquake: http://www.iris.iris.edu/sumatra/
    US Geological Survey: http://www.usgs.gov/
    GFZ Potsdam: http://www.gfz-potsdam.de/news/recen...226/index.html
    Pacific Tsunami Warning Center: http://www.prh.noaa.gov/pr/ptwc/
    TMD Warnungen: http://www.tmd.go.th/program/warning_list.php (Thai)

    Danksagung:

    Ich möchte den Betreibern der Internetseite www.Clickthai.de für ihr hervorragendes Online – Wörterbuch Deutsch Thai danken, sowie ferner meiner Frau und unserer Ampudjini für ihre Hilfe bei der Nachkontrolle meiner Übersetzung der thailändischen Warnungen ins Deutsche.

  11. #30
    Avatar von rübe

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    Re: Keine Hilfe aus Bangna

    danke nochmals, moselbert, für diesen beitrag....es bleibt ein beklemmendes gefühl und die persönliche erinnerung an den 2. weihnachtsfeiertag 2004, den ich in thailand weit weg vom geschehen erlebte...

    ruebe

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