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Keine Hilfe aus Bangna

Erstellt von moselbert, 10.06.2005, 23:42 Uhr · 29 Antworten · 2.492 Aufrufe

  1. #11
    Avatar von moselbert

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    Re: Keine Hilfe aus Bangna

    Teil 8

    -.-.-.-.-.-.-.-.
    Sonntag 26.12.2457 (2004)
    06:00 TST (Thai Standard Time) (25.12. 23:00 Z (Weltzeit) )
    TMD Bangna
    -.-.-.-.-.-.-.-.

    „Guten Morgen, Wissanu.“ Barin öffnete die Tür zum Betriebsraum. „Alles im grünen Bereich?“

    „Sawaddi Khrab, Barin. Keine besonderen Vorkommnisse. Die Dämmerung kommt auch pünktlich.“
    Er lachte. „Wie mir die Kollegen vom Wetter vorhin gesagt haben, soll es wohl etwas kühler werden.“

    „Das wäre auch nicht schlecht. Ich habe gestern beim Golfspielen gut geschwitzt. Dabei haben wir doch Dezember, eigentlich die kalte Jahreszeit. Was machst Du heute?“

    „Ausschlafen.“
    antwortete Wissanu. „Obwohl ich in der Nacht schon ein paar längere Nickerchen gemacht habe.“

    „Du hast heute noch Bereitschaft, oder?“

    „Nach Deinem Dienstplan, ja. Aber wann haben wir letztes Mal den Bereitschaftsdienst benötigt? Den könnten wir eigentlich langsam auch mal weglassen.“

    „Nein.“
    meinte Barin. „Die Dienstanweisungen sehen den Bereitschaftsdienst vor. Dann müssen wir ihn auch vorhalten. Dann leg Dich man aufs Ohr. Schönen Feierabend, Wissanu.“

    „Zunächst werde ich noch etwas einkaufen. Chock dii, Barin.“
    Wissanu verließ den Raum.

    Barin schaute aus dem Fenster. Der Himmel färbte sich langsam rötlichgelb. Über der Megastadt lag ein dichter Dunstschleier.

    -.-.-.-.-.-.-.-.
    06:15 TST (25.12. 23:15 Z)
    Laem Mae Phim
    -.-.-.-.-.-.-.-.


    Adisai wurde wach. Er stieg vorsichtig aus dem Bett um seine Frau nicht zu wecken. Er ging ins Badezimmer. Er verschaffte seiner Blase Erleichterung. Dann wusch er sich kurz und ging wieder ins Zimmer zurück. Die langsam einsetzende Dämmerung erhellte den Raum etwas. Seine Frau lag auf der Seite und schlief. Er war glücklich mit ihr, und war froh, eine nicht nur sehr hübsche, sondern auch nette und humorvolle Frau gefunden zu haben. Mit ihr konnte er alt werden, das wusste er.

    Er legte sich wieder ins Bett und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. Sie öffnete die Augen einen Spalt, schlief aber gleich wieder ein. Auch er machte wieder die Augen zu.

    -.-.-.-.-.-.-.-.
    06:30 TST – 13:30 Hawaii Zeit (25.12. 23:30 Z)
    Hawaii
    -.-.-.-.-.-.-.-.


    „So, ich lege mich etwas aufs Ohr.“ sagte Larry zu seiner Frau. „Das Essen war sehr gut.“

    „Danke.“
    erwiderte seine Frau. „Ich werde dafür sorgen, dass die Kinder nicht so laut sind. Sie können ja zum Strand runter und dort toben.“

    „Gute Idee.“
    Larry legte sich auf das Sofa. Heute war Sonntag, heute war Weihnachten, er hatte frei. Aber einen Ausflug konnte er dennoch mit seiner Familie nicht machen. Denn er hatte Bereitschaftsdienst und musste sich für eventuelle Notfälle bereithalten. Sein Arbeitsplatz war das Pacific Tsunami Warning Center PTWC. Nach einigen zerstörerischen Tsunamis im Pazifik war das Zentrum nach dem zweiten Weltkrieg von den Anrainerstaaten gegründet worden. Messgeräte, die im Ozean an geeigneten Stellen ausgelegt wurden, registrierten die Erdbebenwellen und die Druckschwankungen im Wasser. Die Ergebnisse liefen in Larrys Zentrum zusammen. Dort wurden diese Messungen dann ausgewertet und im Fall der Fälle wurden Warnungen ausgegeben. Das System hatte sich schon oft bewährt. Für die nahe eines Epizentrums liegenden Küstengebiete kam so eine Warnung zwar meist zu spät, aber die weiter entfernten Gebiete konnten rechtzeitig evakuiert werden.
    Larry machte seine Augen zu und nickte ein.

    -.-.-.-.-.-.-.-.
    06:45 TST (25.12. 23:30 Z)
    TMD Bangna
    -.-.-.-.-.-.-.-.


    Die Tür ging auf. Barin sah von seinem Monitor auf. Wattana, ein Techniker, schaute ihn an und fragte, ob er ihm etwas von unten mitbringen sollte.

    „Ja, sicher, gern. Ich habe noch nicht gefrühstückt. Bring mir doch bitte eine Tüte mit Gaeng Khiau Waan mit.“

    Barin liebte dieses Currygericht, welches oft mit einer besonderen Sorte Nudeln serviert wurde. Allerdings gab es hier an der Straße meistens nur Reis, aber das war dennoch auch sehr lecker.

    Wattana nahm den Lift ins Erdgeschoss und verließ das Gebäude. An der Sukhumvit, der Hauptstraße, die auch am TMD vorbeiführte ging er ein kurzes Stück zur nächsten Bushaltestelle. Hier hatten wie jeden Tag in der Morgendämmerung ein paar Straßenhändler ihre Stände aufgebaut und verkauften ihre Erzeugnisse an die Passanten. Heute, am Sonntag, waren es zwar weniger als an einem Werktag, aber für Wattana und seine Kollegen war das Angebot ausreichend. Er wählte eine große Tüte mit frisch gekochtem Reis, die für drei Personen ausreichen sollte. Außer dem Currygericht für den Chef nahm er an einem anderen Stand etwas Gegrilltes für sich und seinen Kollegen Anutin, Hühnerfleisch und Fleischbällchen Luuk Chin, die auf Spießchen angeboten worden.
    Er bezahlte und machte sich wieder auf den Rückweg ins Gebäude des TMD.


    wird fortgesetzt (wenn Ihr wollt ...)

  2.  
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  3. #12
    Avatar von dao-lek

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    Re: Keine Hilfe aus Bangna

    wird fortgesetzt (wenn Ihr wollt ...)
    War das eine Aufforderung, zu schreiben, dass wir wollen?
    Klar wollen wir!

    Klasse geschrieben uebrigens!

    Gruss,
    Dao-Lek

  4. #13
    Avatar von Pee Niko

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    Re: Keine Hilfe aus Bangna

    Klasse Geschichte, Moselbert :bravo: .

    Hau in die Tasten, jetzt wo's spannend wird.

    Gruß von Niko

  5. #14
    Avatar von moselbert

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    Re: Keine Hilfe aus Bangna

    Na, denn. Danke für die Aufmunterungen. Es folgt

    Teil 9

    -.-.-.-.-.-.-.-.
    07:00 TST (00:00 Z)
    Phuket
    -.-.-.-.-.-.-.-.

    Emil wachte auf. Neben ihm regte sich auch etwas. Irgendwie war der gestrige Abend doch anders verlaufen, als er sich das gedacht hatte. Aus einem Bier und einem kleinen Essen waren ein paar mehr Biere und eine Barbekanntschaft geworden. Die Thai, die weniger als halb so alt war wie er selber, hatte ihm in der Bierbar gleich gefallen. Und irgendwie hatte sie das auch gemerkt. Fast wortlos waren sie übereingekommen, dass sie die kommende Nacht in seinem Hotelzimmer verbringen würde. Zu seinem Imbiss kam er allerdings auch noch, denn auch seine Bekanntschaft hatte Hunger gehabt. Noch später lagen sie sich in den Armen und stillten ihren Appetit nach mehr.

    Sie schlug die Augen auf und schaute ihn an.

    „Essen?“ fragte sie in Englisch. Leider sprach sie nur sehr wenig Englisch. Nicht wie Samith, der schon aus beruflichen Gründen diese Sprache gut sprechen konnte.

    „Ja. Okay. Frühstück.“ antwortete Emil. Er hätte natürlich auch Thai lernen können. Aber nur für einen Urlaub sah er das eigentlich nicht ein. Und seine Begleiterin durch die laue Sommernacht brauchte eigentlich auch kein Englisch zu können. Irgendwie gab es Situationen, wo man auch ohne viele Worte kommunizieren konnte.

    Toi, so nannte sie sich, nahm sich ein auf dem Boden liegendes Badetuch, schlang es sich um die Brust und verschwand im Bad.
    Emil wartete geduldig, bis sie sich gewaschen, angezogen und das Bad wieder verlassen hatte. Er beeilte sich mit seiner Morgentoilette, denn er hatte Hunger.

    Als er aus dem Bad kam, stand sie in der Zimmertür und winkte ihm zu.

    „Komm. Gutes Essen. Toi kennt guten Imbiss.“

    Das ließ er sich nicht zweimal sagen. Sie verließen sein Hotel und machten sich auf den Weg hinunter zum Strand. Fast an der Ecke zur Strandpromenade gab es ein kleines Restaurant, an dem er alleine sicher vorbeigelaufen wäre. Denn es sah eigentlich nach nichts aus. Aber wer hier lebte und arbeitete wusste natürlich wo das Essen besonders gut schmeckte. Sie setzten sich an einen Tisch. Trotz der frühen Stunde hatte das Restaurant schon geöffnet. Wie oft mochte seine Begleiterin nach einer arbeitsreichen Nacht hier schon gegessen haben? Sie bestellte etwas auf Thai. Nach einiger Zeit kam die Bedienung wieder zurück. Sie brachte zwei Teller mit je einer großen Portion gebratenem Reis und Seafood. Emil probierte. Er lächelte seiner Begleitung zu.

    „Sehr gut.“ sagte er.

    Sie lächelte zurück. Wenn er zufrieden war, war sie es auch. Sicher würde sich das später finanziell positiv niederschlagen. So war es immer gewesen. So würde es immer sein.

    -.-.-.-.-.-.-.-.
    07:15 TST (00:15 Z)
    Bangkok
    -.-.-.-.-.-.-.-.


    Auch Samith frühstückte um diese Zeit bereits. Seine Frau war schon sehr früh aufgestanden und hatte Reis und zwei Beilagen gekocht. Einen Teil davon hatten beide dann einem durch die Straße ziehenden Mönch gespendet. Sie hatten durch diese gute Tat wieder ein paar Pluspunkte für ihr nächstes Leben gesammelt.

    Jetzt ließen sie es sich schmecken. Seit Samith pensioniert war, hatte er sich etwas zurückgezogen und pflegte alte Freundschaften. Allerdings waren es meist Freunde aus dem Ausland. Denn in den Augen der Thais hatte er durch die frühzeitige Pensionierung ein wenig an Gesicht verloren und die einflussreichen früheren Bekannten ließen sich nicht mehr so gerne öffentlich mit ihm sehen.

    Umso mehr freute er sich, wenn er wie vor ein paar Tagen einen alten Freund aus dem Ausland treffen konnte.

    „Weißt Du, wo ich mal wieder gerne hin möchte?“ fragte er seine Frau.

    „Nein, Samith.“

    „Ich würde gerne Emil in Deutschland besuchen.“

    „Mit dem Du am Mittwoch zusammen warst?“

    „Genau der.“
    Samith schob sich einen Löffel voll Reis in den Mund.

    „Ich würde gerne mitkommen. Ich war noch nie dort.“ sagte seine Frau.

    „Sicher würdest Du mitkommen. Wir sollten aber im Sommer fahren, da ist es dann nicht so kalt.“

    „Im Sommer ist es aber zu warm zum Reisen, oder nicht?“

    „Nein, was denkst Du denn. Der Sommer in Deutschland ist kälter als bei uns der Winter. Wir müssten uns dann sogar Pullover oder Mäntel mitnehmen. Manchmal schneit es dort im Sommer sogar, allerdings nur auf den Bergen.“

    „Ja, dann gerne auch im Sommer. Brauchen wir ein Visum?“


    Samith nickte. „Wir brauchen sogar eine Einladung von Emil. Und wir müssen versichern, dass wir auch wieder zurück wollen. Die Deutschen haben Angst, dass zu viele Menschen aus Entwicklungsländern dort bleiben wollen. Wir können uns so etwas nicht leisten, weil wir an den Urlaubern verdienen.“

    „Mir wäre es dort zu kalt. Wenn es schon im Sommer schneit, wie muss das dann erst im Winter sein.“

    „Ich werde mich mal drum kümmern.“
    versprach Samith. „Vielleicht ruft Emil ja noch mal an, so lange er in Thailand ist. Er macht noch Urlaub auf Phuket.“

    Er nahm einen weiteren Löffel voll Reis und gab etwas von dem gebratenen Gemüse darüber.


    Fortsetzung folgt (auch wenn Ihr nicht wollt...)

  6. #15
    Avatar von moselbert

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    Re: Keine Hilfe aus Bangna

    -.-.-.-.-.-.-.-.
    07:30 TST (00:30 Z)
    TMD Bangna
    -.-.-.-.-.-.-.-.


    Barin hatte seine Mahlzeit beendet und wandte sich wieder den Monitoren zu. Nichts war in der Zwischenzeit geschehen. Irgendwie war der Tag langweilig. Er nahm sich einen Aktenordner vor und schaute sich noch einmal die aktuellen Dienstanweisungen durch. Zu der Liste der im Ernstfall zu warnenden Behörden waren im vergangenen halben Jahr wieder einige hinzugekommne. Wenn seiner Abteilung auch noch ein neues Faxgerät spendiert worden wäre, dann hätte er ja nichts dagegen gehabt, auch mehr Stellen zu warnen. Das war immer das Dilemma, die Ersteller von Dienstanweisungen hatten in der Regel keine rechte Ahnung vom Dienstbetrieb im Schichtdienst. Aber er behielt diese Bedenken lieber für sich. Es war besser für seine Karriere.

    -.-.-.-.-.-.-.-.
    07:45 TST (00:45 Z)
    Laem Mae Phim
    -.-.-.-.-.-.-.-.


    Adisai und Tanita hatten dann doch nicht mehr allzu lange geschlafen. Sie hatten sich frisch gemacht und waren nun auf dem Weg zum Strand. Die Seafoodrestaurants hatten zwar noch geschlossen, aber etwa zweihundert Meter links gab es an der Endhaltestelle der Songtaews kurz vor der Straßenbiegung ein kleines Restaurant, wo man auch jetzt schon gebratenen Reis bekommen konnte. Sogar Tageszeitungen gab es hier. Die Temperatur war noch angenehm, und so gingen sie das kurze Stück zu Fuß.

    -.-.-.-.-.-.-.-.
    07:58 TST (00:58 Z)
    Unter dem Meer vor Sumatra
    -.-.-.-.-.-.-.-.


    Spannungen die sich seit vielen Jahren vor Sumatra zwischen der Indisch-Australischen und der Eurasischen Platte allmählich aufgebaut hatten, entluden sich in einem der heftigsten Erdbeben der vergangenen hundert Jahre.

    -.-.-.-.-.-.-.-.
    08:00 TST (01:00 Z)
    Phuket
    -.-.-.-.-.-.-.-.


    Emil und seine Begleiterin hatten sich das Frühstück schmecken lassen. Jetzt saßen sie noch am Tisch und ließen sich einen Eiskaffee schmecken.

    „Was machen heute?“ fragte Toi in ihrem schlechten Englisch.

    Emil dachte nach. Vielleicht sollte er zu den Seezigeunern hin und sich noch mal mit Ruun unterhalten. Oder den berühmten Tempel auf der Ostseite besuchen.

    „Ich weiß nicht.“ antwortete er. „Vielleicht zu einem Tempel.“

    „Wat Chalong. Toi kommt mit. Dann Shopping.“


    Emil wollte das Glas mit dem Eiskaffee ergreifen, als der Tisch leicht zitterte.

    „Holla! Was ist das?“ rief er aus.

    Toi stieß einen Schrei aus und lehnte sich an Emils Schulter.

    „Ich Angst.“ sagte sie.

    „Das ist nur ein leichtes Erdbeben. Keine Gefahr.“ sagte er. Emil hatte noch nie gehört, dass es in Thailand größere Erdbeben gegeben hatte. Somit musste das Beben in größerer Entfernung stattgefunden haben. Er rief sich die Karte mit den Erdbebengebieten ins Gedächtnis. Eine Zone mit häufiger Bebentätigkeit verlief von Sumatra nach Norden an den Andamanen und Nikobaren vorbei bis nach Arakan und weiter zum Himalaya.

    „Das Shopping und der Tempel fallen aus.“ sagte er zu Toi. „Ich gehe ins Zimmer und schaue im Internet nach, wo das Beben war.“

    Toi hatte nicht viel verstanden.

    „Zimmer okay. Toi kommt mit.“ sagte sie.

    „Ja, das ist sicher besser, als hier am Strand zu sitzen.“ bestätigte Emil. „Vielleicht kommt ein Tsunami, wer weiß.“

    „Was sein Tsunami?“

    „Große Welle. Viel Wasser.“

    „Sturm?“

    „Schlimmer. Ach, komm mit.“


    Emil rief den Kellner, der auch einen gehörigen Schreck bekommen hatte. Er bezahlte.

    „Am besten Sie machen den Laden vorsichtshalber zu und verschwinden ins Binnenland.“ sagte Emil zu ihm.

    „Warum? Das Beben ist vorbei.“

    „Vielleicht kommt ein Tsunami.“

    „Was ist das, ein Tsunami?“


    Emil erschrak. Hatte denn niemand hier Ahnung, wie man sich nach einem Beben am Meer zu verhalten hatte? Nein, anscheinend nicht. Denn hier war nicht Japan. In Japan würden alle Küstenbewohner nach einem Erdstoß die Beine in die Hand nehmen und auf höheres Land laufen.

    „Wenn das Meer verschwindet, dann laufen Sie die Straße hinauf, so schnell Sie können. Mehr kann ich Ihnen auch nicht sagen.“ redete Emil dem Kellner zu. Dann ging er in sein Hotel, das einige hundert Meter vom Strand entfernt lag. Toi folgte ihm. Sie ging ins Bad, machte sich frisch, legte ein Badelaken um und sich ins Bett.

    Emil hatte schon den Laptop eingeschaltet und sich ins Internet eingewählt.
    Er sah zu Toi hinüber und sagte zu ihr:

    „Dafür habe ich jetzt keine Zeit.“

    Dann suchte er auf den diversen Erdbebenmonitoren, ob etwas über das Beben von vorhin zu finden war.



    Fortsetzung folgt

  7. #16
    Avatar von moselbert

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    Re: Keine Hilfe aus Bangna

    -.-.-.-.-.-.-.-.
    08:02 TST – 15:02 Hawaii Zeit (01:02 Z)
    Hawaii
    -.-.-.-.-.-.-.-.

    Larry schrak auf. In seiner Hosentasche summte es. Einer seiner Pager hatte Alarm gegeben. Das taten sie nur, wenn Seismographen am Pazifik eine größere Erschütterung registriert hatten.

    Er sprang auf.

    „Sheryl!“ rief er. Seine Frau antwortete aus der Küche. Er lief zu ihr hin.

    „Sheryl, ich habe einen Alarm bekommen. Ich muss rüber ins Zentrum.“

    „Wann kommst Du wieder?“

    „Weiß ich nicht. Wenn es ein Fehlalarm ist, dann bin ich gleich wieder da. Wenn nicht, dann kannst Du mir ja später einen Imbiss vorbeibringen.“

    „Mach ich.“
    antwortete sie.

    Er drückte ihr einen Kuss auf die Stirn und zog sich ein Hemd und Schuhe an. Dann lief er aus dem Haus, schwang sich aufs Fahrrad und radelte zum nicht weit entfernten Warnzentrum.

    -.-.-.-.-.-.-.-.
    08:03 TST (01:03 Z)
    TMD Bangna
    -.-.-.-.-.-.-.-.


    Barin schaute aus dem Fenster. Sein Blick ging in Richtung Nordwesten, wo das Zentrum der Stadt im Sonnenlicht lag. Deutlich näher lag der Tempel Wat Bang Na Nai, in dem er vor Jahren als Mönch gewesen war. Seitdem war er häufig zum Beten dort gewesen. Gestern hatte er es allerdings vergessen. Er war lieber Golf spielen gewesen.

    Er spürte plötzlich wie der Boden leicht zu vibrieren begann. Er wusste sofort was das zu bedeuten hatte. Gleich würden die Telefone klingeln. Er lief in den Nachbarraum. Wattana und Anutin kamen ihm schon entgegen.

    „Ich wollte Euch gerade holen. Macht Ihr mal Telefondienst? Gleich werden wohl die Leute aus den Hochhäusern anrufen.“

    „Und was sagen wir ihnen?“
    fragte Wattana.

    „Das übliche. Es besteht keine Gefahr. Denn in Thailand gibt es keine gefährlichen Erdbeben. In Bangkok schon gar nicht. Was wir merken sind nur die Fernwirkungen der Beben in Indonesien oder Myanmar.“

    Eines der Telefone begann zu läuten.

    „Es geht schon los.“ stellte Barin fest. „Also, beruhigt die Leute, schnell und kompetent. Ich versuche in der Zeit festzustellen, wo das Beben war.“

    Er wählte von einem Dienstapparat die Nummer des Wetteramtes in Phuket. Nach einiger Zeit ging jemand ans Telefon.

    „Hier ist Barin von der Zentrale in Bangkok. Wer ist der Geophysiker vom Dienst?“

    „Ich bin es selber.“
    schallte es aus dem Telefonhörer.

    „Haben Sie das Erdbeben bemerkt?“ fragte Barin.

    „Ja sicher. Es hat ganz schön gewackelt hier. Seitdem rufen die Leute an. Die Telefone klingeln ohne Pause.“

    „Hier auch. Wir müssen versuchen, das Zentrum und die Intensität zu bestimmen. Was sagen Ihre Messwerte?“

    „Sitzen Sie am PC?“
    kam die Rückfrage.

    „Ja.“

    „Ich schicke Ihnen jetzt mal Daten per eMail rüber. Das sind Diagramme von unseren Stationen. Die ersten Wellen sind schon eingetroffen. Wir müssen aber noch die weiteren Erdbebenwellen abwarten, bevor wir eine genaue Lokalisierung vornehmen können.“


    Nach einiger Diskussion und Betrachtung der Ergebnisse waren sie sich einig, dass das Beben an der Westseite Sumatras stattgefunden haben musste.

    Barin wählte sich in die Internetseite des Indonesischen Wetterdienstes ein. Dort war von einem Beben der Stärke 6,8 die Rede. Barin und sein Kollege auf Phuket waren sich aber eigentlich sicher, dass das Beben stärker gewesen sein musste.

    „Vielen Dank. Ich werde mich noch um weitere Informationen bemühen, damit wir handfeste Daten haben. Machen Sie es gut.“
    Der Kollege verabschiedete sich ebenfalls und legte auf.

    -.-.-.-.-.-.-.-.
    08:07 TST – 15:07 Hawaii Zeit (01:07 Z)
    PTWC Hawaii
    -.-.-.-.-.-.-.-.


    „Na, haben Dich die Automaten aufgescheucht?“ Stewart begrüßte Larry, als dieser in die Diensträume des PTWC betrat.

    „Jepp. Hi, Stewart. Was ist los? Ein Fehlalarm hoffe ich, dann kann ich wieder zurück zu meinem Sofa.“

    „Leider nicht. Ich habe schon mal die Daten gesichtet. Es sieht nach einem starken Beben in Indonesien aus. Schau Dir bitte die Daten noch mal durch und dann sag mir, was Du davon hältst.“


    Larry machte sich an die Arbeit und schaute sich die Ergebnisse der automatischen Stationen an. Nach wenigen Minuten hatte er sich ein Bild gemacht.

    „Larry, sag jetzt nichts. Ich habe gerade am PC ein Bulletin geschrieben. Schau es Dir mal an und dann lass uns darüber diskutieren.“

    Stewart machte seinem Kollegen Platz. Dieser setzte sich auf Stewarts Stuhl und las sich dessen Meldung durch. Die meisten Komponenten und Satzbausteine waren bereits vorgefertigt, damit im Ernstfall alles schnell gehen konnte.

    „Ich habe keine Einwände.“

    „Na, dann darfst Du gleich den Sendebutton drücken.“ meinte Stewart.
    Larry tat es und das erste Bulletin des PTWC zu diesem Ereignis wurde der Welt bekannt gemacht.

    Tsunami Bulletin number 001
    Pacific Tsunami Warning Center/NOAA/NWS issued at 0114z 26 Dec 2004
    This bulletin is for all areas of the pacific Basin except Alaska – British Columbia – Washington – Oregon – California.
    Tsunami information bulletin.
    This Message is for information only. There is no tsunami warning or watch in effect.
    An earthquake has occurred with these preliminary parameters:
    Origin time – 0059z 26 Dec 2004
    Coordinates – 3,4 North 95,7 East
    Location - off W Coast of Northern Sumatera
    Magnitude 8,0
    Evaluation: This earthquake is located outside the Pacific. No destructive tsunami thread exists based on historical earthquake and tsunami data.
    This will be the only bulletin issued fort his event unless additional information becomes available.


    Tsunami Bulletin Nr.1
    Pacific Tsunami Warning Center/NOAA/NWS herausgegeben am 26.12.2004 um 0114z
    Dieses Bulletin gilt für alle Bereiche des Pazifiks, außer Alaska – British Columbia – Washington – Oregon – Kalifornien
    Tsunami Informations-Bulletin
    Diese Nachricht dient nur zur Information. Es ist keine Tsunamiwarnung oder Vorwarnung in Kraft.
    Ein Erdbeben mit diesen vorläufigen Parametern hat stattgefunden:
    Zeit des Ereignisses – 26.12.2004, 0059z
    Koordinaten – 3,4 Nord 95,7 Ost
    Epizentrum – Vor der Westküste von Nord Sumatra
    Magnitude – 8,0
    Einschätzung: Dieses Erdbeben hat außerhalb des Pazifiks stattgefunden. Auf Grund von historischen Erdbeben- und Tsunamidaten besteht keine Gefahr für einen zerstörerischen Tsunami.
    Wenn keine weiteren Informationen verfügbar werden, wird dieses das einzige Bulletin für dieses Ereignis sein.


    -.-.-.-.-.-.-.-.
    08:15 TST – (01:15 Z)
    TMD Bangna
    -.-.-.-.-.-.-.-.


    Die Telefone klingelten ohne Unterlass. Barin nahm das Diensttelefon und rief die Nummer von Wissanu an. Wissanu hatte Bereitschaft.

    ‚Ja Wissanu, da hast Du heute wohl Pech gehabt.’ dachte Barin. Das Telefon bei Wissanu klingelte und klingelte. Niemand hob ab. ‚Stimmt, er wollte ja noch einkaufen.’ Er wählte die Nummer der Meteorologen.

    Somsak meldete sich.

    „Hier ist Barin. Somsak, kannst Du ein paar Leute entbehren? Ganz Bangkok ruft an. Wir brauchen Unterstützung. Die wissenschaftlichen Auswertungen muss ich alleine machen, da Wissanu nicht erreichbar ist.“

    „Das Erdbeben vorhin, nicht? Ich schicke Dir Nawin und Surakiart hoch. Dann habe ich nur noch einen Techniker, den ich aber nicht entbehren kann. Wo war denn das Beben?“

    „Vor Sumatra.“

    „Die beiden sind schon unterwegs.“


    Somsak legte auf. Er rief Nawin und Surakiart zu sich.

    „Ihr beiden geht jetzt bitte nach unten zu den Erdbebenhanseln und helft an den Telefonen. Wir kommen hier schon klar.“

    Die beiden Angesprochenen machten sich auf den Weg.

    Unten wurden sie schon erwartet.

    „Wattana und Anutin können nur zwei Apparate bedienen. Bei den anderen vieren haben wir den Hörer daneben gelegt. Nehmt Euch zwei davon. Sagt, dass das Erdbeben in Sumatra war und dass für Bangkok keine Gefahr besteht. Das Beben ist vorbei.“

    Er schaute noch mal in die Meldungen des Internet. Das PTWC hatte inzwischen eine Information herausgegeben. Barin las sie. Er fand es beruhigend, dass das Zentrum die Gefahr eines Tsunamis ausschloss.

    „Leute, hört mal einen Moment zu!“ rief er in den Raum. Seine Kollegen unterbrachen ihre laufenden Gespräche. „Das Beben hatte eine Stärke von 8,0 und lag vor der Westküste von Sumatra. Dass könnt Ihr so weitergeben, wenn es jemand wissen will. Weiter besteht keine Gefahr.“ Auch keine für einen zerstörerischen Tsunami, dachte er. Das war beruhigend.

    Der Dienstapparat klingelte. Es war der Kollege aus der Erdbebenwarte in Tak.

    will be continued ...


    (PS: Blaue Eintragungen in diesem Beitrag stammen nicht vom Forenrat oder den Admins...)

  8. #17
    Avatar von moselbert

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    Re: Keine Hilfe aus Bangna

    Teil 12

    -.-.-.-.-.-.-.-.
    08:30 TST – (01:30 Z)
    Laem Mae Phim
    -.-.-.-.-.-.-.-.


    Tanita und Adisai saßen im Schatten vom Sonnendach des Imbisses und schwatzten mit dem Inhaber, mit dem sie bekannt waren. Sie waren schon öfter hier gewesen. Das Radio war laut gestellt und lief im Hintergrund.

    „Es ist 8 Uhr 30. Gleich kommen die Nachrichten mit folgenden Schlagzeilen: Erdbeben in Bangkok. – Weiteres Wirtschaftswachstum für 2548 vorhergesagt. – Das Wetter: weiterhin sonnig.“

    „Ruhe!“
    unterbrach Adisai das Gespräch der anderen beiden. „Die Nachrichten! Ein Erdbeben!“

    „Bangkok – Vor einer halben Stunde erschütterte ein Erdbeben die Hauptstadt. Das Beben war vor allem in den Hochhäusern der Stadt wahrnehmbar. Auch im Gebäude unseres Senders zitterte der Boden. Aus den Nachbargebäuden liefen Menschen auf die Straße. In niedrigeren Häusern war das Beben nicht spürbar. Über Schäden des Bebens ist noch nichts bekannt. Weitere Informationen liegen noch nicht vor.
    Bangkok – Der Sprecher der Regierung gab die neuesten Zahlen zur Wirtschaft bekannt...“

    „Das Beben kann aber nicht in Bangkok gewesen sein.“
    meinte Adisai. „Wenn man von dem Beben nur in Hochhäusern etwas merkt, ist es weit weg. Ich werde mich mal erkundigen.“

    Er nahm sein Handy und wählte einer der Nummern seiner Dienststelle. Sie war besetzt. Auch die Nummer des Dienstapparats war nicht erreichbar.

    „Eigentlich kein Wunder, dass ich nicht durchkomme. Wahrscheinlich ruft jetzt jeder dort an. Wer hat Dienst? Barin glaube ich. Na, der weiß was zu machen ist. Er ist erfahren genug.“

    Tanita holte ihr Handy aus der Tasche.

    „Ich versuche mal bei meinen Kollegen anzurufen. Vielleicht wissen die etwas.“

    Nach kurzer Zeit hatte sie Somsak am Apparat.

    „Sawaddi kha, Somsak. Hier ist Tanita. Weißt Du was über das Beben?“

    „Nicht viel, Tanita. Barin hat von mir zwei zusätzliche Leute bekommen. Es rufen wohl sehr viele Menschen an. Vom Beben weiß ich nur, dass es vor Sumatra war.“

    „Also keine Gefahr. Machs gut, Somsak.“

    „Chock dee.“
    Sie trennte die Verbindung und sagte Adisai, was sie erfahren hatte.

    „So ganz bin ich nicht davon überzeugt, dass keine Gefahr besteht.“ sagte Adisai nachdenklich. „Erinnere Dich an unser Treffen vor ein paar Tagen im Lumpini Biergarten. So ein Beben kann einen Tsunami erzeugen. Dazu muss man natürlich wissen, wie stark es ist.“

    „Was ist ein Tsunami?“
    fragte der Inhaber des Imbisses.

    „Eine riesige Welle, die von einem Erdbeben erzeugt wird. Aber da das Beben vor Sumatra war, kann in Laem Mae Phim nichts passieren. Haben Sie hier Internetanschluss?“

    „Nein. Ich brauche das nicht.“

    „Aber wir. Ich glaube unser Vermieter hat einen. Wir müssen dort mal was nachschauen.“


    Adisai und Tanita verabschiedeten sich vom Imbissbesitzer und beeilten sich, zur Unterkunft zurückzukommen.

    Sie klopften am Haus des Besitzers der Ferienanlage. Seine Ehefrau öffnete.

    „Sawaddi Kha. Kommen Sie herein. Was verschafft mir die Ehre?“

    Tanita und Adisai zogen ihre Schuhe aus und folgten der Frau.

    „Ist Ihr Mann da?“ fragte Adisai.

    „Ja. Er ist noch im Bad. Er kommt aber gleich. Setzen Sie sich. Darf ich Ihnen etwas anbieten? Ein Glas Wasser? Oder einen kalten Tee?“

    „Ein Tee wäre sicher nicht schlecht. Danke.“


    Die Frau verschwand im Nebenraum.

    Kurze Zeit später kam sie mit 4 Gläsern Tee zurück. Ihren Mann hatte sie im Schlepptau.

    „Guten Morgen.“ sagte dieser. „Ich hoffe, Sie sind mit dem Zimmer zufrieden?“

    „Ja, sind wir. Deswegen sind wir aber nicht hier. Sie haben doch einen Internetanschluss, oder?“
    fragte Adisai.

    „Ja, haben wir. Manchmal ist so etwas ganz sinnvoll. Besonders wenn wir unseren Kindern E-Mails schreiben. Die sind schneller als die Post.“

    „Das stimmt. Dürften wir Ihren Anschluss mal benutzen? Es hat in Indonesien ein Erdbeben gegeben und wir wollten mal nachsehen, wo es genau war.“


    Der Vermieter lachte.

    „Sie können von Ihrer Arbeit nicht abschalten, was? Was sagt denn Ihr Büro dazu.“

    „Da kommen wir telefonisch nicht durch. In Bangkok haben die Häuser auch gewackelt. Jetzt rufen dort alle an.“

    „In Bangkok auch? Kommt das Beben auch noch hier her?“

    „Nein. Da besteht keine Gefahr.“

    „Na, kommen Sie mal mit.“


    Der Vermieter ging in sein Arbeitszimmer. Adisai und Tanita folgten ihm. Er schaltete seinen PC ein und loggte sich ins Internet ein. Dann ließ er Adisai Platz nehmen und schaute ihm über die Schulter.
    Adisai wählte sich in die gleichen Seiten ein, die sich Emil in Phuket auch gerade anschaute.

    Eine Weltkarte erschien.

    „Was sind das alles für Punkte? Erdbeben?“ fragte der Vermieter.

    „Ja. Die meisten sind aber so leicht, dass man sie kaum merkt.“

    Vor der Küste Sumatras war ein großer Punkt zu sehen. Er schaute sich die Informationen dazu an. Viel war es noch nicht.

    „Das hatte wohl eine Stärke über 8.“ sagte Adisai zu Tanita. „Das ist ziemlich heftig. Und eventuell gibt es einen Tsunami. Vielleicht rufst Du besser Deine Eltern an.“

    Tanita holte ihr Handy aus der Tasche und wählte die Nummer ihrer Eltern in Takua Pa.

    „Hallo.“ hörte sie nach kurzer Zeit.

    „Hallo. Bist Du es, Vater?“

    „Tanita? Gerade habe ich noch an Dich gedacht. Weißt Du was? Es hat gebebt. Aber nicht schlimm.“

    „Ja, Vater, ich weiß. Deswegen rufe ich auch an. Bleibt heute bloß der Kuste fern.“

    „Warum? Was ist passiert?“

    „Ich weiß nichts genaues, Vater. Ich bin in Urlaub in Laem Mae Phim. Aber es könnte einen Tsunami geben. Du weißt was das ist?“

    „Ja, Tanita. Ich entstamme schließlich einer Fischerfamilie. Wann soll er denn kommen?“

    „Ich habe keine Ahnung. Vielleicht gibt es auch keinen. Aber sicher ist sicher.“

    „Ich hatte nicht vor, an die Küste zu gehen. Der Fischmarkt war ja schon. Aber Bruder Somkid ist zum Fischen rausgefahren. Ich werde ihn anrufen.“

    „Beeil Dich, Vater. Chock dii.“


    Tanita trennte die Verbindung wieder.

    „So, mehr kann ich nicht machen.“

    „Ist so ein Tsunami gefährlich?“
    fragte der Vermieter.

    „Stellen Sie sich eine mehrere Meter hohe Wasserwand vor, die vom Meer her gegen die Küste prallt.“

    Der Vermieter wurde unruhig. „Oh Gott, was machen wir bloß?“

    „Hier wird nichts passieren.“
    beruhigte Adisai. „Wenn einer kommt, dann in der Andamanensee. Aber sollte hier irgendwann mal ein Tsunami kommen, was Buddha verhüten möge, dann bleibt von der Strandpromenade und dieser Pension nicht mehr viel übrig.“

    Er drehte sich zu seiner Frau um.

    „Was hältst Du davon, wenn wir nach Hause fahren?“

    „Das wollte ich Dir auch gerade vorschlagen. Die Urlaubsstimmung ist mir irgendwie vergangen.“


    Er fragte den Vermieter, ob er die Kosten für die nächste Nacht, die sie eigentlich noch bleiben wollten, bezahlen sollte. Dieser winkte aber ab.
    Adisai gab ihm dann also das Geld für die letzen beiden Nächte und anschließend packten beide ihre Sachen zusammen.


    Fortsetzung folgt...

  9. #18
    Avatar von moselbert

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    Re: Keine Hilfe aus Bangna

    -.-.-.-.-.-.-.-.
    08:32 TST – (01:32 Z)
    Bangkok
    -.-.-.-.-.-.-.-.

    Bei Samith klingelte das Telefon.

    „Hallo.“ meldete er sich.

    „Guten Morgen Samith. Hier ist Emil. Hast Du es schon gehört?“

    „Hallo Emil. Gerade haben meine Frau und ich noch von Dir gesprochen. Was soll ich gehört haben?“

    „Dass es ein starkes Erdbeben vor der Küste Sumatras gegeben hat.“

    „Nein, davon habe ich noch nichts gehört. Wie stark war es denn?“

    „Ich habe im Internet nachgeschaut. Die meisten Meldungen sprechen von einer Stärke von 8 oder etwas mehr.“


    Samith atmete tief ein.

    „Das ist viel.“

    „Genau, Samith. Ich befürchte auch, dass es einen Tsunami geben wird. Obwohl es darüber noch keine Informationen gibt. Aber in der Gegend schiebt sich die Indische Platte unter die Eurasische und wenn sich da eine der beiden Platten ruckartig gehoben haben sollte, dann haben wir den Salat.“

    „Ja, das ist genau das, vor dem ich meine Regierung immer gewarnt habe. Und weswegen ich letztendlich meinen Hut nehmen musste. Danke für die Information, Emil. Du bist doch in Phuket, oder?“

    „Ja, aber keine Bange, das Hotel liegt hoch genug. Was mich jedoch sehr traurig stimmt, ist, dass offenbar keiner hier weiß was ein Tsunami ist, und wie gefährlich er sein kann.“

    „Und wie man sich verhalten muss.“
    ergänzte Samith. „Diese Aufklärung hat es leider in Thailand nie gegeben. Ich werde mal versuchen, den Chef des TMD zu erreichen, meinen Nachfolger. Machs gut, Emil.“

    „Ja, danke. Du auch, Samith.“


    -.-.-.-.-.-.-.-.
    08:35 TST – (01:35 Z)
    TMD Bangna
    -.-.-.-.-.-.-.-.


    „Barin, sind Sie es?“

    „Ja. Was gibt es? Hat man das Beben im Norden auch gespürt?“
    fragte Barin.

    Der Kollege aus der Provinzstadt Tak im Nordwesten Thailands antwortete: Ein Beben? Ich habe den Eindruck, es sind mehrere. Die Anzeigen der Seismometer sind kaum auszuwerten. Zunächst hatten wir das Beben in Indonesien. Jetzt hat es vor wenigen Minuten eines in Myanmar gegeben. Schauen Sie mal nach, Barin? Ich schätze so 6 bis 7.“

    Barin verifizierte die Angaben seines Kollegen.

    „Ja, stimmt. Etwa 6,5, das sehe ich auch. Es könnte sein, dass das Beben in Myanmar von dem anderen in Indonesien ausgelöst wurde. Das kommt ab und zu mal vor.“

    „Wahrscheinlich gibt es noch mehrere Nachbeben.“

    „So wird es sein. Ich werde mich mal mit meinen Chefs besprechen, bevor ich einen Bericht herausgebe. Vielen Dank für die Information.“


    Barin legte auf. Dann wählte er die Privatnummer seines Gruppenleiters.

    „Hallo.“ meldete sich dieser.

    „Hier ist Barin, der Geophysiker vom Dienst. Sumalli, entschuldigen Sie die Störung, aber ich möchte etwas Wichtiges mit ihnen besprechen.“

    „Hat das nicht Zeit bis morgen?“

    „Nein, leider nicht. Es handelt sich um ein Erdbeben, das vor einer halben Stunde in Indonesien passiert ist.“

    „Was haben wir mit Indonesien zu tun?“

    „In Bangkok hat man es auch gespürt, in den höheren Gebäuden zumindest. Ich würde gerne eine Mitteilung herausgeben, wollte mich aber zuvor noch mal bei Ihnen rückversichern.“

    „Ist denn etwas passiert?“

    „Mir liegen keine Meldungen über Schäden vor. Auch in Phuket, Tak und anderen Provinzen wurde das Beben verspürt. Sicher wird es auch noch einige Nachbeben geben. Kräftig genug war das Beben ja. Einen Tsunami soll es aber nicht geben, so schreiben die Kollegen aus Hawaii.“

    „Dann machen Sie meinetwegen eine Meldung. Aber wenn nichts passiert ist, dann reicht meiner Meinung nach eine Mitteilung aus. Verbreiten Sie bitte keine Panik. Das Beben ist vorbei. Ich habe hier übrigens nichts gemerkt.“

    „Das glaube ich Ihnen, Sumalli. In niedrigen Gebäuden hat man auch meist nichts davon gespürt. Zumindest hier in Bangkok nicht.“

    „Aber, bevor Sie etwas schreiben, fragen Sie lieber noch beim Abteilungsleiter Superk nach.“

    „Das werde ich tun, Sumalli. Auf Wiedersehen.“


    Barin legte kurz auf um gleich danach die Nummer des Abteilungsleiters zu wählen. Dessen Reaktion war ähnlich. Auch er hatte nichts gemerkt. Das ist der Vorteil von niedrigen Gebäuden, dachte Barin bei sich. Sie schwanken nicht oder kaum. Superk gab ihm den gleichen Rat wie zuvor der Gruppenleiter.

    Barin legte den Hörer des Dienstapparats neben die Gabel und begann, den Bericht zu formulieren.

    -.-.-.-.-.-.-.-.
    08:45 TST – 15:45 Hawaii Zeit – (01:45 Z)
    PTWC Hawaii
    -.-.-.-.-.-.-.-.


    Larry und Stewart hatten in der Zwischenzeit die an den automatischen Geräten registrierten Wellen weiter untersucht. Bei einem Beben entstehen zahlreiche Wellentypen. Manche brauchen längere Zeit als andere, um bis zu einem Seismometer zu gelangen, sind aber hilfreich für die genauere Abschätzung der Bebenintensität.

    „Ich glaube, das Beben ist noch stärker als gedacht.“ sagte Larry.

    „Das kann durchaus sein. Ich werde mal die amerikanischen Kollegen vom USGS anrufen, was die dazu meinen.“ entgegnete Stewart.

    Er wählte die Nummer des Dienst habenden Geologen bei der USGS in Reston, Virginia. Nach einer kurzen Diskussion der Ergebnisse kamen sie überein, dass das Beben wahrscheinlich eine Stärke von 8,5 gehabt hatte.

    „Wenn das hier im Pazifik gewesen wäre, dann müssten wir aber zügig eine Warnung herausgeben. Wahrscheinlich hätten die Tsunamibojen dann aber auch schon Druckschwankungen im Meer gemeldet.“ meinte Stewart.

    „Wir sollten eine zweite Mitteilung herausgeben, und die Stärke des Bebens erhöhen. Und vielleicht sollten wir darauf hinweisen, dass es am Ort des Bebens einen Tsunami geben kann. Das ist zwar außerhalb unseres Zuständigkeitsbereiches, aber irgendwie wäre mir wohler, wenn wir da so etwas hineinschreiben. Ich habe irgendwie ein ungutes Gefühl. Gibt es denn schon Nachrichtenmeldungen über einen Tsunami?“

    „Nein.“
    Stewart zeigte auf den eingeschalteten Fernseher. Außer Meldungen über das Beben selber, die unten in einem Laufband über den Schirm liefen, wurde noch nichts berichtet. „Zumindest in Sumatra hätte der ja schon ankommen müssen. Aber noch gibt es von da keine besorgniserregenden Nachrichten. Aber erwähne die Möglichkeit eines Tsunamis ruhig. Schaden kann es nicht.“



    Fortsetzung folgt

  10. #19
    Avatar von rübe

    Registriert seit
    24.10.2003
    Beiträge
    890

    Re: Keine Hilfe aus Bangna

    ...grandios geschrieben moselbert...liest sich wie ein drehbuch...

    grüsse von...

    rübe

  11. #20
    Avatar von moselbert

    Registriert seit
    15.09.2003
    Beiträge
    2.627

    Re: Keine Hilfe aus Bangna

    Danke, Rübe.

    Das Drehbuch schrieb die Natur. Und der Stil ist angelehnt an ein SPIEGELbuch, welches ich im Anhang zu dieser Geschichte als Literaturhinweis gebe. Sehr empfehlenswert.
    Natürlich gibt es auch einiges, was ich mir zusätzlich ausgedacht habe, damit die Geschichte lesbar bleibt.

    Weiter gehts...

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