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Hermann, On & Paul...

Erstellt von Kali, 23.01.2004, 18:11 Uhr · 48 Antworten · 4.159 Aufrufe

  1. #21
    PETSCH
    Avatar von PETSCH

    Re: Hermann, On & Paul...


    au Mann, Kali, was für Klopper

  2.  
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  3. #22
    Avatar von UweFFM

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    Re: Hermann, On & Paul...

    @Kali
    das ist gefährlich, was du hier schreiben tust. Ich habs auf Arbeit gelesen (natürlich in der Pause) und hatte Mühe, mich zu beherrschen. Gruß Uwe

  4. #23
    Avatar von woma

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    3.243

    Re: Hermann, On & Paul...

    ...ein paar Bermudas, und beim Aldi hatten sie einen Sonderposten Hawai-Hemden, ein paar Birkenstock-Sandalen...
    jedes Klischee wird sorgfältigst bedient einfach nur köstlich

    woma

  5. #24
    Kali
    Avatar von Kali

    Re: Hermann, On & Paul...

    Da saßen sie nun im Flieger gen Thailand. Hektisch war die Zeit noch bis zum Abflugtag – die Tickets für Hermann und Paul war erst für eine ganz andere Linie ausgestellt, und was sollten sie auch in Anchorage. On war zwischenzeitlich für eine Woche verschwunden – ein kranke Freundin in Berlin pflegen -, Hermann war sich auf einmal nicht mehr sicher, ob er auch mitfliegen wollte – kurz: alles war gut geworden, hatte sich geklärt, und man schwebte gemeinsam mit einer Reihe von Geschäftsleuten, Hobbyalkoholikern, mit prallen Portemonnaies ausgestatteten nach Hermanns Geschmack etwas zu stark geschminkten Schönheiten, einigen verhärmt aussehen Thaifrauen, bei denen die ´Beschaffung eines Farang-Phua´ wohl in die Hose, in die thailändische, gegangen war, und ein paar recht normal aussehenden Reisenden auf den Don-Muang in Bangkok ein. "Don Muang ?", meinte Hermann, "ist das spanisch ?" "Nööö, der heißt man sou," meinte Paul, selbstsicher lächelnd über soviel Unwissenheit, und sah´ sich die Bilder in einem englischen Prospekt an. On wurde immer schweigsamer, je näher sie Bangkok kamen. ´Hoffentlich treffe ich keine Bekannte...´, dachte sie so mehr als einmal.

    Während sich Paul souverän mit den etwas beengten Verhältnissen im Flieger auseinander setzte, hatte Hermann so seine Probleme, gerade beim Essen war er ein wenig mehr Bewegungsfreiheit gewohnt: Die Ketchupflecken bekam er mit dem kalten Wasser auf jeden Fall nicht so schnell raus.

    Mit dem Nichtrauchen hatten sie übrigens alle drei keine Schwierigkeiten. Hermann ist seit je her Nichtraucher, On kann schon mal für ein paar Stunden auf die Lulle verzichten. Eigentlich hatte sie ja früher nur während der ´Arbeit´ geraucht, ab und an mal eine in Gesellschaft, nach Feierabend. Tja, und Paul hatte sich das Rauchen dann doch nach seinem ersten Flug 1998 abgewöhnt, nachdem er sich im Flieger eine Zigarette anzündete und verzweifelt versucht hatte, daß ´Bullauge´ zum Lüften zu öffnen. Lediglich der Intervention einiger ostfriesischen Mitflieger war es zu verdanken, daß das ´Sicherheitspersonal´ ihn nicht einfach vor die Tür setzte. Na, und um die Blutzirkulation anzuregen, lustwandelte man zwischendurch zwischen den Sitzreihen, wobei es lediglich ein paar kleinere Zwischenfälle gab, wenn Hermann oder Paul die ein oder andere halb gefüllte Bierdose eines Teilnehmers der Pattayanischen Kulturgruppe umstieß.

    In Bangkok angekommen, war Hermann nicht nur von der Treibhausatmosphäre irritiert, auch das Gewühl und die Größe des Flugplatzes ließen ihn den staunenden Mund nicht schließen. "Einfach mir noach." Paul war in seinem Element, nun konnte er sich beweisen, konnte es weitergeben, das, was er auf seinen Reisen nach Thailand bisher gelernt hatte. Treppauf, treppab, das zog sich ganz schön, bis man überhaupt an der Paßkontrolle war. "Aahh, Thailand, das Land des Lächelns," dieses Feeling, dieses unbekannte, entlockte es Hermann. Der Paßbeamte schien allerdings von diesem Lächeln nichts gehört zu haben, er sah Hermann mit finsterer Miene an, als hätte dieser kiloweise Drogen am Mann. Doch auch das ging vorüber und man näherte sich diesem marktähnlichen Raum, an dem auf Laufbändern – wie von Geisterhand – das Gepäck durchgeschoben wurde. On hatte zwei Gepäckwagen besorgt – sie sind schon ein eingespieltes Team, und so sahen die beiden Männer gebannt auf das Laufband, jeder bückte sich ab und an und schob ein weiteres Gepäckstück auf einen der Wagen. On hatte sich im Vollbesitz ihres Eigentums – sie hatte einen vollen und einen leeren Koffer mit – bereits etwas nach hinten verzogen, um die beiden Strategen agieren zu lassen. Nach 20 Minuten zogen sie ab, wobei Hermann nach einem kurzen Blick auf den Gepäckwagen zu Paul gewandt meinte: "Schöne Koffer, wo sind denn Deine ?"

    Auch das wurde denn geklärt und man befand sich auf dem Weg mit dem Taxi zum Bahnhof, zum ´Hua Lamphong´, weil, mit einem Ticket für den Flieger nach Udon Thani war nichts mehr – ausverkauft. Man war sich übrigens rasch einig geworden: Hermann wollte eigentlich erst mal ans Meer, Paul nach Pattaya und On erst in ihr Heimatdorf (muß ja schließlich was klären). Also fuhr man erst nach Ban Thep
    Chili:. "Bangkok hat man zwei Bahnhöfe, wir müssen zu dem." Pauls fundiertes Wissen über Thailand, seine Menschen und insbesondere über die Struktur der öffentlichen Verkehrsmittel faszinierte Hermann immer mehr. Daß On die ganze Zeit auf´m Flugplatz mit etwas gesenktem Kopf und unsicher um sich blickend in ihrer beider Windschatten hinter ihnen her stiefelte, blieb ihnen verborgen – zu sehr waren sie mit diesen exotischen Eindrücken beschäftigt.

    Am Bahnhof angekommen, sprangen On und Paul aus dem Taxi, die Begleichung der Rechnung freundschaftlich Hermann überlassend. Ziemlich Betrieb, zwei Uniformierte ließen den Fahrgästen gar nicht großartig Zeit zum Nachdenken: "Maa maa leo leo," ging´s in einem fort, nicht nur die Taxigäste, auch die Gepäckstücke flogen mit einem Zahn auf den Bürgersteig, als gälte es einen Rekord zu brechen – und weg waren sie, die Taxen.
    Nun zeigte sich erneut, was ein eingespieltes Team bewirken kann: Während On bereits das Gepäck von allen in zwei Schüben an den Rand in Sicherheit gebracht hatte, versuchten Hermann und Paul sich erst einmal einen Weg zu ihr zu bahnen um zu verschnaufen. "Ich müßte mal," meinte Hermann, etwas unruhig von einem Bein auf´s andere hüpfend. "Ich auch..." wobei Paul so ganz nebenbei bemerkte, daß auch in Thailand alles teurer geworden wäre. Selbst die Pissoir-Preise wären um 50 % gestiegen, von 2 auf 3 THB.

    Nun gut, es war noch Zeit – Ticket für alle (Schlafwagen-Nachtzug nach Nong Khai) bekommen, bis zur Abfahrt noch gut 7 Stunden. Man schlenderte ein wenig durch die Bahnhofsgegend, auch mal aus´m Bahnhof aus und mal um´n Block. Im Snack in der Bahnhofshalle mußte man sich einzelne Bons für die Zusammenstellung der Mahlzeit an einer Kasse besorgen, woraufhin Hermann etwas irritiert von sich gab: "Darf ich jetzt nur essen, wenn ich was gewonnen habe ?". Um sich ein wenig zu lüften, setzte man sich auch schon mal vor den Haupteingang, wobei Hermann denn auch mit dieser typischen Thai-Inhalations-Methode vertraut gemacht wurde. Die Spezialisten nehmen den Inhalator selbst zum Schlafen nicht aus der Nase.


    Daß man alle halbe Stunde von wichtig aussehenden uniformierten Menschen vertrieben wurde, tat der frisch erlebten Exotik keinen Abbruch.

    So zog man denn, nachdem man einige Übungsstunden in praktizierter Gelassenheit absolviert hatte, mit Gepäck zum Bahnsteig – es dunkelte bereits ein wenig - , um sich noch ein wenig an dem Treiben in und um den Zug herum zu erfreuen.

    Langsam rollte er raus, der Zug, Richtung Nong Khai, in für Hermann – und auch Paul – unbekannte Gefilde. On taute merklich auf (´Endlich...,´ dachte sie nur, ´wäre auch zu peinlich gewesen.´). Nun konnte sie sich getrost dem Kommenden widmen. Zunächst noch langsam ging´s an scheinbar wild an die Trasse gewürfelten roh zusammengeschusterten Holzhäuschen vorbei, aus denen schon mal der Schein eines offenen Feuers, eines Fernsehers durchkam oder fröhliches Geplapper schallte. ´Scheint ein zufriedenes Völkchen zu sein.´ dachten beide Männer unabhängig voneinander, während sich On zufrieden die letzte mitgebrachte Schultheiss-Dose öffnete, ´und so idyllisch, schöner als im Fernsehen.´
    Der Zug hielt noch ein paar mal vorortsmäßig – auch am Flughafen. ´Hätten wir auch hier zusteigen können´, ging´s Hermann durch den kopf, ´doch Paul wird schon wissen, was er tut.

    Die Zeiten zwischen den Stopps wurden länger, inzwischen war´s ganz dunkel draußen – wegen der Wärme waren die Türen weit geöffnet. Das Fenster hatte Paul nach einem Hinweis eines Bahnhofsmenschen während eines Zwischenstopps wieder rasch geschlossen, nachdem dieser in darauf aufmerksam gemacht hatte, daß da schon mal jemand lange Finger durchs Fenster macht, wenn der Zug hält. Seine auf Deutsch gestellte Frage, wie lang die Finger von den Leuten denn hier sind, blieb unbeantwortet.
    So hing dann jeder seinen Gedanken nach, während der Zug mit unkontrollierten 70 km/h gen Nordosten fuhr. Man wurde müde, Hermann ging noch mal zum Klo, was für ihn allerdings in ein echtes Abenteuer ausartete, da er fast beim Stehen von der Brille gefallen wäre.


    Die Betten wurden gemacht – das Personal ließ es sich nicht nehmen, nachdem sich beide noch über den bewaffneten Begleiter der Fahrkartenkontrolleure gewundert hatten ´Na ja, vielleicht werden hier viele Tickets geklaut.´


    Vorher hatten Sie noch ein paar interessante Gespräche – Paul spricht auch ein wenig Englisch -, so mit dem norwegischen Vertreter einer Schiffahrtagentur, der seinen festen Wohnsitz in Kon Khaen hatte, und von einem Kumpel erzählte, der zuhause eine Kartei mit über 150 heiratswilligen Damen hätte. Auf einem Bett saß ein langer, langhaariger ziemlich bekiffter amerikanischer Mensch im Lotussitz – Vietnamveteran, war in Thailand hängengeblieben. "Warum hat dem denn keiner gesagt, daß der Krieg seit 1975 vorbei ist?" schüttelte Hermann nur mit dem kopf.

    Dann waren sie auch bald eingeschlafen. Hermann wälzte sich noch ein wenig – auch wegen der Hitze, Paul war stolz, daß unter seiner Anleitung alles soweit geklappt hatte, und On war froh, das der Kelch des Erkanntwerdens in Bangkok an ihr vorübergegangen war.

    to be usw.

  6. #25
    irrlicht
    Avatar von irrlicht

    Re: Hermann, On & Paul...

    die bilder sind echt

    die story natuerlich auch...

    weiter so!

  7. #26
    Kali
    Avatar von Kali

    Re: Hermann, On & Paul...

    Sie schliefen erstaunlicherweise gut, lediglich unterbrochen durch den Ein oder Anderen, den nächtens ein menschliches Bedürfnis plagte. Hermann kam aus dem Staunen nicht heraus, als er denn auch wieder mal müssenderweise auf´m Klo saß und die selbst unserem VDE-Standart von 1896 entsprechende Schaltzentrale vor Augen hatte:


    Gegen Acht – es war bereits hell – näherten sie sich ihrem Ziel: Udon Thani, vorbei an endlosen Reisfeldern, ab und an im Morgendunst ein kleines überdachtes Etwas auf einem Erdhügel, etwas erhöht von den noch nicht ganz durchfeuchteten Reisfeldern. Muteten wie ein Eiland im Südpazifik bei Niedrigwasser an. "In solchen Hütten haben wir auch nach der Arbeit auf´m Feld geschlafen," meinte On zu Paul, natürlich in ihrem singenden Issaan-Thai. Doch soviel verstand Paul mittlerweile, hatte sich ein wenig mit der Sprache beschäftigt.
    Den letzten Bahnübergang durchfahren habend, lief der Zug im Hauptbahnhof Udon ein....


    Nachdem On das Gepäck auf den Bahnsteig gewuchtet und die beiden Herren die Lage gepeilt hatten – womit das ausgeprägte Team-Gefühl wieder zum Ausdruck kam -, entstand erst einmal große Ratlosigkeit. Auf´m Vorplatz ´ne Menge Fahrradtaxis (Samlor) und ein paar Motorradtaxis (Tuk-Tuk), die dazu gehörenden Fahrer auf´m Bahnsteig nicht nur um Kundschaft buhlend, sondern das Gepäck fast aus der Hand zerrend. Womit jetzt fahren, von der Stadt selbst war kaum etwas zu sehen. und mit´m Tuk-Tuk nach Ban Thep Chili:, ganz zu schweigen vom Samlor ? Während sie sich nicht einig werden konnten, leerte sich der Vorplatz so langsam, abgesehen von den Fahrern, welche die Ankunft des Zuges nicht mitbekommen hatten und den Schlaf des thail. Gerechten hielten. Während die beiden Herren erst einmal ein Brainstorming abhielten, zu dem Paul durch sein zwischendurch markig eingeworfenes "Jou..." nicht unwesentlich beitrug, unterhielt sich On etwas abseits mit einem Mann, der Kleidung nach zu urteilen ein Bahnangestellter. "Phuu chai tham dai," kam sie strahlend auf die Herren der Schöpfung zu. "Was tham er dai ?" erwiderte Paul in vollem Bewußtsein seiner in nächtelangen Übungen erlernten Sprachkenntnisse. Stellte sich heraus, daß dieser Mensch aus Nong Bua Lamphu stammte, gleich Feierabend hatte und sie mit seinem Wagen – gegen die geringe Unkostenpauschale von 800 THB – mitnehmen könnte. Wegen des Gepäcks, und überhaupt, man war immer noch ein wenig müde, die Reise war anstrengend, nahm man das Angebot an.
    So kam man denn noch recht bequem – das Gepäck achtern auf der Ladefläche des Pickups verstaut – ins Heimatdorf von On. D.h., Hermann und Paul saßen gar nicht so bequem auf der Rückbank, beim Zwischenstopp in Nong Bua Lamphu – On wollte noch ein paar ´Kleinigkeiten´ (Tirak hai Baht mai ? ´Schatz, gib´ Kohle...´) auf´m Markt besorgen – mußten erst einmal ein paar Kniegelenksentzerrungsübungen absolviert werden. So bekamen sie aber schon mal einen Vorgeschmack auf die Vielfalt des thail. Marktwesens:


    Wobei die Träume so mancher Marktfrau ganz offensichtlich waren...


    ...in anderen Regionen auch schon mal so ;-D


    Und schon bogen sie – gegen den Aufpreis von 200 THB fuhr der Feierabendmensch sie bis ans Haus – auf´s vermeintliche Grundstück einer der Schwestern von On. Ein flüchtiger Blick von On in die Runde, sich den imaginären Schweiß abwischend, war sie´s zufrieden: Weder Eltern noch Kinder waren zu sehen. Pen, die Schwester, strahlte über das, was man hierzulande auch schon mal neckisch als ´Vier Backen´ bezeichnet, ohne allerdings ihre Som-Tham-Vorbereitungen zu unterbrechen.
    Nachdem On das Gepäck schon mal in´s Obergeschoss verfrachtet hatte – die Schlafplätze wurden zugeteilt -, wobei On und Paul in dem hölzern umfriedeten Raum untergebracht wurden, Hermann hatte den großen luftigen Vorraum für sich allein.


    Sich nach dem Weg zum Klo erkundigend, stiefelte er die Treppe runter und machte sich erst einmal mit den sanitären Gepflogenheiten in Ban Thep Chili: vertraut. Paul dackelte gleich hinterher, bisher kannte er ja nur die Anlagen aus den Hotels, den Bars – na, ja, und seit vergangener Nacht auch aus´m Zug. ´So blöd wie Hermann bin ich nicht, daß ich mich auf die Brille stelle.´, zog es durch Pauls Kopf. Beide konnten sich allerdings schnell davon überzeugen, daß dieses Problem der Vergangenheit angehörte:


    Nachdem beide auch noch die vorhandenen Bade- bzw. Duschmöglichkeiten in Augenschein genommen hatten,...


    ...setzten sie sich erst einmal zu den Frauen, die im Freien auf einem car-port-ähnlichen Gestell hockten, in diesem Fall hieße es wohl eher Human-Port, was nicht heißen soll, daß die Menschen im Issan dort nächtens geparkt werden.


    Der Hof bzw. der ´Human-Port´ füllte sich langsam. Die Schwestern hatten alles Wichtige bereits ausgetauscht: "Also, der Djaeb von der Bank weiß Bescheid, Du kannst Dir mit der Rückzahlung bis nach der Hochzeit Zeit lassen. Die Eltern kommen auch nicht, und die Lütten werden sich die Tage hier auch nicht sehen lassen. So, Paul hat also reichlich Kohle mit ? Mal sehen, was wir da noch brauchen können. Nur, die 20.000 bei Nit – Du weißt doch, die Lebensmittel und der andere Kleinkram in den letzten drei Monaten – die sollten schon bezahlt werden. Sie schreibt sonst nicht mehr an....
    Zögerlich kamen sie, die Nachbarn, hielten sich erst – ein unbeteiligtes Liedchen pfeifend – am Rande auf, um schließlich laut schwatzend auf einem Haufen zusammen zu hocken. Tirak Paul hatte noch mal Baht gehait, und so war´s nach zwei Stunden ein lustiger Haufen, nachdem man bereits nach einer Stunde zwei etwas vorzeitig müde Gewordene nach Hause getragen hatte.
    Na, und was die Nachbarinnen alles wissen wollten: "Was macht Paul denn ? Verdient er genug ? Wieviel verdient er ? Und wie lang ist der Ham ? Mi: sanuk mai ?......und sie lächelten dabei, dieses unergründliche Lächeln, das Hermann und Paul ein ewiges Geheimnis bleiben wird.

    Und Paul, so seinen Namen hörend, strahlte: ´On erzählt sicher was Nettes. Jou, is´ man ´ne seutje deern...´ Na, und ob Hermann schon jemand hat, da kann man ja gleich der Schwester oder der Tochter Bescheid sagen.´ obwohl, Hermann war´s mitunter etwas unbehaglich – vielleicht lag´s auch an der mitllerweile 7. Flasche Chaang: ´Nein, aufdringlich sind sie ja nicht, aber die gucken Dich immer so an, und die beiden sind schon ganz nahe gerückt....´
    Irgendwie war´s auch ein wenig hektisch, da kamen Leute auf´m Moped (Stücker vier, man munkelte, es wären bereits sechs auf so einem Gefährt gesichtet worden) brachten ein Paar Tüten, es wurde was rausgenommen, wieder umgeschichtet, weggebracht usw. Und ab und an wurde etwas Baht von Tirak Paul nachgehait. Paul war´s ein wenig irritiert, auch, weil seine Fragen, was denn da alles so verschoben würde, stets nur mit einem Lächeln beantwortet wurden, wobei On ihm zärtlich über das schüttere Haupthaar strich.

    Insgesamt war´s ´ne nette Begrüßungsfreier. Die beiden Herren waren hoch zufrieden mit der Entscheidung, erst einmal in Ons Heimatdorf vorbei zu schauen. Als die Sonne unterging, wurde es auch rasch dunkel, etwas gewöhnungsbedürftig. Auch mit Straßenbeleuchtung war nicht´s, fast ein wenig unheimlich. Als Hermann und Paul nach der dritten Mahlzeit – die Gäste waren, abgesehen von drei gestandenen Einzelkämpfern, bereits gegangen – einen kleinen Verdauungsspaziergang ums Haus machten. ´Waren da nicht verdächtige Gestalten im Unterholz ? Nein, war nichts, doch besser, wir gehen mal langsam schlafen.´

    Mit Schlaf war allerdings nicht viel: Gegen 05:00 h in der Früh waren wohl die letzten umgefallen – in der Nacht müssen noch einige nachgekommen sein -, auf jeden Fall lagen zur Aufstehenszeit – gegen 07:00 h, nachdem man gegen 06:00 h bereits wegen der Ansage des Mönches über die Lautsprecheranlage noch mal kurz wach geworden war – noch 4 Leute etwas unkoordiniert in der Gegend rum. On war bereits wech, Paul hörte sowas wie: "pai ampö:..." raus. ´Aaah, On kümmert sich sicher um die Papiere – flottes Mädel...´, dachte er zufrieden. Das er allerdings von dem, was um ihn herum verbal verzapft wurde, so gut wie nichts verstand, machte ihn ziemlich hilflos. Auch, wenn er keine direkte Labertasche war, hörte er doch gerne zu, wenn andere sich unterhielten. Hermann hingegen bekam alles noch gar nicht so richtig mit – der Blutalkoholpegel war so früh am Morgen noch nicht auf normale Werte abgesunken.

    Wie dem auch sei, da tauchte gegen 09:00 ein Mann auf – der Bruder ? – und bedeute ihnen, auf die Ladefläche seines Pickups zu steigen: "pai tam erewan," wobei es ihm gleichzeitig gelang, allein durch Gestik, Paul davon zu überzeugen, daß sein Wagen ja auch noch Sprit brauche. ´Tham Erewan ?´, repetierte dieser so bei sich, ´den Erewan machen ?´. Seine Geldtasche zückend, ergab er sich erst einmal in sein Schicksal, nicht ohne sich vorgenommen zu haben, Hermann nach dessen Ernüchterung um eine Beteiligung an den Unkosten anzugehen.
    Nach zwei Stunden war er ziemlich erstaunt darüber, wie man den Erewan macht...


    to be usw.

  8. #27
    PETSCH
    Avatar von PETSCH

    Re: Hermann, On & Paul...

    Mann @Kali:
    mit dieser "eine-die-andere-übertreffende-folge"
    machst Du aber auch nix falsch

  9. #28
    Harry55
    Avatar von Harry55

    Re: Hermann, On & Paul...

    @Kali,
    ich gebe zu, ich hatte anfangs Probleme mit deinem Schreibstil. Nach 2x Lesen muss ich sagen, klasse Satire!
    Ich schreibe selbst (siehe "Märchenstunde" usw.), daher bin ich immer besonders kritisch. Aber an der Stelle, wo On sagt, sie hätte Englisch bei einem Neuseeländer gelernt, der als Waldmönch lebte, habe ich mich am Boden gekringelt!
    Jeder hat seinen Stil, ich gehöre zum Waldi-Fanclub, habe mit Elicsan Emails außerhalb des Forums ausgetauscht, aber wenn man in deine Geschichten eintaucht, könnte, nein, muss man, zum Kali-Fan werden!
    Das "Projekt Suwan" (blöder Titel für eine zwischenmenschliche Beziehung) läuft auf Hochtouren. Wenn ich nur ein paar Prozent von dem glaube, was ich bei euch und anderswo gelesen habe, kann ich mich noch auf einiges gefasst machen!
    Gruß, Harry55

  10. #29
    Iffi
    Avatar von Iffi

    Re: Hermann, On & Paul...

    Der Kali schreibt keine Satiren. Der iss so und meint wat der sagt.

    Aber diese meine Einschätzung hängt damit zusammen, dass ich das, was andere für Satire halten, immer für die näher am Leben angesiedelte Wahrheit gehalten habe, im Gegensatz zu den Weichzeichnungen so manch Romantiker, die sich aus meiner Sicht in die Tasche lügen.

    Mein Problem, und nicht mit dem Anspruch auf Allgemeingültigkeit.

    Aber ich sage dies lächelnd und mit Gelassenheit, da ich ein gutes Gewissen wg. der Abwesenheit der persönlicher Lüge dabei habe. :-)

    Und der Kali lügt nicht, auch wenn es so mancher als totale Übertreibung auffasst. Hinter jedem Satz steht ein Gedanke, selbst hinter dem Trecker-Opa-Rasenmäher. :-)

    Aber das ist der Fantasie jedes einzelnen überlassen.

  11. #30
    pef
    Avatar von pef

    Registriert seit
    24.09.2002
    Beiträge
    3.974

    Re: Hermann, On & Paul...

    @Iffi,


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