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Ha Giang

Erstellt von Micha L, 26.09.2009, 19:20 Uhr · 21 Antworten · 3.997 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Micha L

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    Ha Giang

    Gerade habe ich alte Fotos digitalisiert, vom Besuch bei den Verwandten des Schwagers meiner vietnamesischen Frau in der Gemeinde Bac Quang in der nordvietnamesischen Provinz Ha Giang.
    Die Leute sind Angehörige der Minderheit Tay, welche mit den Laoten verwandt ist. In Laos und in Thailand gibt es diese hochstämmigen Häuser ja ebenfalls.






    mein Sohn ist d. 3. v. r.


    meine Frau in der Tay-Tracht








    ...die Sensation - ein blondes Tay-Kind. Dabei soll ich seit Menschengedenken der erste Weiße dort gewesen sein.
    Rechts daneben mein Sohn und meine Frau


    eine Schnapsbrennerei

    Gruß

    Micha

  2.  
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  3. #2
    Kuki
    Avatar von Kuki

    Re: Ha Giang

    Sehr interessant, schreib ruhig noch mehr vom Leben dort.
    Auch dorthin würde ich sofort tauschen
    Danke
    Kuki

  4. #3
    Avatar von Micha L

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    Re: Ha Giang

    Bei so viel Zuspruch () poste ich gern einen Reisebericht:

    In den 90ger Jahren haben wir wiederholt Bac Quang besucht. Für uns als Städter war das ein wahres Abenteuer.
    Beladen mit Geschenken, insbesondere Lebensmitteln, die es in den Bergen nicht gibt, starteten wir mit einem Jeep von Hanoi in Richtung Viet Tri.
    Das Gebirge beginnt hinter Tuyen Quang. Imposant ist ein Kegelberg in Verlängerung der Hauptstraße, der mit zur Seite geneigter Spitze einer phrygischen Mütze (auch als symbolträchtige Kopfbedeckung der französischen Revolution bekannt) ähnelt. Die bisher graue Erde nimmt einen ziegelroten Farbton an.
    Entlang des Lo-Flusses schlängelt sich die Straße in Serpentinen bergan. Der Fahrer nahm die Kurven der recht schmalen Schotterpiste ohne mit der Wimper zu zucken und uns blieb nichts anderes übrig, als ihm zu vertrauen. Nach der x-ten Kurve legte sich die Spannung von selbst. Als wir im Fluß einzelne, verankerte Hausboote erblickten und man uns erklärte, da wären Goldschürfer am Werk, kam eine Art von Wildwestromantik auf. Jedenfalls haben wir auf dieser Straße die Zivilisation hinter uns gelassen, ein Gefühl, das ich bisher, gerade in Vietnam, nicht kannte.
    Das Flußtal rechts liegen lassend, erreichten wir mit Bac Quang wieder besiedeltes Gebiet. Der Ort liegt in der Landschaft verstreut und sein Kern besteht aus wenigen Häusern entlang der Hauptstraße. Diese verließen wir und befuhren einen Lehmweg. Unser Auto schaukelte so sehr, daß wir uns festhalten mußten. Nur mit Mühe konnte ich filmen, als wir an einer Furt ein Flüßchen durchfuhren.
    Dann, inmitten von Feldern und Bergen, war die Fahrt zuende. Der Weg zum Dorf war nicht befahrbar. Wir stiegen aus, nahmen unser Gepäck und durchquerten einen Hohlweg. Dahinter öffnete sich eines der schönsten Panoramen, das ich je gesehen habe: Inmitten überfluterer Reisfelder verlief ein Dammweg auf von Bergen umrahmte Pfahlbauten zu.
    Bald kam uns ein junger Mann entgegen, bei dem wir uns nach dem Haus der Familie erkundigten. Er wies den Weg und lief, ohne sich nochmals umzuschauen, weiter. Ich war sehr verwundert, war ich doch seit Menschengedenken der erste Europäer in dem Ort. Später merkte ich, daß die Leute hier, abgesehen von den Kindern, weit weniger ihrer Neugier nachgeben, wie die Einwohner Hanois.
    Das Haus der Familie lag malerisch am Fuße eines Berghangs, auf roter Erde, eingerahmt von Grün.
    Zwischen den knapp mannshohen, das Haus tragenden Holzpfählen, waren die Haustiere (vor allem Hängebauchschweine, Hühner und Enten) untergebracht. Der Haustyp ist größer als die Bauernhäuser des Flachlands, rechteckig, mit strohgedecktem Spitzdach und einer umlaufenden Galerie. Man erreicht sie über eine Holztreppe an der Stirnseite.
    Der Fußboden des Mittelgangs besteht aus aufgerolltem, elastischem Bambusrohr mit durchscheinenden Ritzen, was den Europäer sehr vorsichtig auftreten läßt. Beiderseits sind Abteile, im Prinzip Wohn-/Schlafplätze der Kleinfamilien, angeordnet. Den Haus- bzw. Familiengeistern ist eine kleine Gebetsnische gewidmet.
    Am Ende des Gangs befindet sich die Küche, die inmitten des Holzhauses trotz des offenen Feuers tadellos funktioniert. Am hinteren Giebel endet eine aus Bambusrohren bestehende Leitung, aus der ständig frisches Bergwasser fließt.
    Neben unserem Haus befand sich ein Fischteich, mit einer Miniaturausgabe des Gebäudes am Rand – der Toilette. Ja, die Fische essen was den Menschen verläßt und werden dann selbst gegessen. Da dieser Kreislauf seit Jahrtausenden tadellos funktioniert, hatte ich keine Bedenken.
    Im Bach neben dem Haus lief eine Mini-Turbine, mit der Strom für Glühbirnen, ja sogar für einen Fernseher (!) erzeugt wurde. Die Leute waren also autark und kamen, bis auf einige wenige „Luxusgüter“, ohne die Zivilisation aus.
    Zu diesen Gütern gehörte auch moderne Bekleidung. Die traditionelle Tracht wurde meist von Frauen getragen. Zu einem schwarzen Kleid mit Kopftuch gehen sie barfuß.
    Zur Feier des Tages schossen die Gastgeber eine Gazelle, die mit brennenden Strohbündeln „medium“ gebraten wurde. Normalerweise werden zum Reis lediglich Fisch und etwas Gemüse verzehrt. Der auf der Galerie geduldig wartende Hofhund bekam die anfallenden Rester zugeworfen. Ansonsten wurde er nicht gefüttert.
    Das Hauptgetränk war ein Aufguß aus frischen Teeblättern, geerntet auf dem familieneigenen Teefeld, daneben selbstgebrannter Reisschnaps, von dem die Tay mehr vertragen als die Leute der Ebene.
    Der Schaps gab mir die nötige Schwere, für das nicht vorhandene Bett. Die guten Leute trugen alle entbehrlichen Decken zusammen. Trotzdem lag ich wie die „Prinzessin auf der Erbse“ im gleichnamigen Märchen.
    Die Tay sind ein offenherziges Völkchen, das gern lacht. So auch über die Tatsache, daß wir (damals) nur einen Sohn hatten. Mit einiger Verspätung haben wir dann Fotos von unserem Kleinen nach Bac Quang geschickt und so unseren Ruf wieder hergestellt. Doch die Zahl der Kinder dort hatte ungleich stärker zugenommen.
    Was der Besucher zunächst als Paradies empfindet, ist keines. Im Streben nach Erleichterung geht die Ursprünglichkeit des Lebens allmählich verloren. Erste Anzeichen haben wir bemerkt und von dem, was wir sehen und erleben durften, gibt es Einiges schon nicht mehr. Wir bedauern das. Aber auf uns kommt es nicht an.

    Die Rückkehr nach Hanoi kam mir vor, wie eine Rückkehr in den Westen. Aber es war ein tolles Abenteuer und jede Strapaze wert.

    Nach anderthalb Jahrzehnten wollen wir jetzt im Oktober wieder Bac Quang besuchen.

    Gruß

    Micha

  5. #4
    Kuki
    Avatar von Kuki

    Re: Ha Giang

    wieder sehr anschaulich beschrieben.....ich will (möchte) mehr hören

    Kuki

  6. #5
    Avatar von Micha L

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    Re: Ha Giang

    Hallo Kuki,

    spätestens im November, nach dem nächsten Besuch.

    Was mir gerade wieder einfällt.
    Bekannte in Hanoi haben uns vor der ersten Reise vor Räubern unterwegs dorthin gewarnt. Zum Glück war das kommunistische Herrschaftssysten in der Hinsicht perfekt genug, auch wenn ich es ansonsten überhaupt nicht mag.

    Dort habe ich auch gemerkt, daß Lebensstandard relativ ist.
    Die Tay sind gegenüber den Hanoiern arm und leben unbequem. Aber vom großzügigem Wohnraum, frischem und sauberem Quellwasser (was natürlich ungezählt und ständig durch die Bambusröhren plätschert), der sauberen Luft und der Ruhe der Tay können die Hanoier nur träumen.

    Gruß

    Micha

  7. #6
    Avatar von Micha L

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    Re: Ha Giang

    Die Leute wollten mit Technik (Radio und Uhr) fotografiert werden







    Ich mit Thanh Mai, die auch Nittaya-member aber leider längst zu faul zum Schreiben ist.

    Gruß

    Micha

  8. #7
    Avatar von Armin

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    Re: Ha Giang

    Zitat Zitat von Micha L",p="778052
    Ich mit Thanh Mai, die auch Nittaya-member aber leider längst zu faul zum Schreiben ist.

    Gruß

    Micha
    Das kann ich verstehen.
    Doch Berichte von dir finde ich gut.
    Schließlich ist es ja mein Alltag und Bilder wie diese und auch aus der Vergangenheit schaue ich mir sehr genau an.

  9. #8
    Avatar von Micha L

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    Re: Ha Giang

    Danke

  10. #9
    Avatar von Micha L

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    Re: Ha Giang

    weitere Scanns:


    Anfahrt der "Expedition" (rechts der Schwager meiner Frau)
















    am Hausaltar.




    mit der Schester des Schwagers


    mein Sohn bei der 2. Reise - mitten unter entfernten Verwandten





    Danke Dir Kuki. Ich habs jetzt selbst probiert mit der Bildbearbeitung.

    Gruß

    Micha

  11. #10
    Avatar von Micha L

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    Re: Ha Giang

    Nach 14 Jahren haben wir wieder die Tay-Verwandten des Schwagers meiner Frau in den Bergen bei Ha Giang besucht.
    Inzwischen hat das Dorf einen Anschluss an das Stromnetz, ueber das Fluesschen nahebei wurde eine Bruecke gebaut und der Weg ins Dorf wurde erstmals befestigt.
    Leider ist die Wasserleitung nicht mehr aus Bambus, sondern aus Plastik.
    Mopeds und Handies gibts mittlerweile auch.
    Fernsehen ist noch nicht zur Sucht geworden und Internet fehlt noch. Deswegen sind die Leute noch sehr gesellig.



    Ankunft bei unseren Verwandten




    Begruessungsessen


    Ahnenaltar


    bei Nachbarn




    Auf elastischem Bambus-Fussboden schlaeft man nicht schlecht


    meine Mai mit Kind und Klebreis








    ofenes Feuer als Herd in einem Holzhaus






    erneut ein blondes Kind in der Familie, die schon vor 14 Jahren eins hatte


    Fortsetzung folgt....

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