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GUINSAUGON - Die Katastrophe

Erstellt von abstinent, 21.02.2006, 09:00 Uhr · 45 Antworten · 3.748 Aufrufe

  1. #21
    Avatar von abstinent

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    Re: GUINSAUGON - Die Katastrophe

    Ich moechte euch noch vom Ort erzeahlen, und seinen Einwohnern. Es war schoen dort, idyllisch und ruhig. Ueberall waren spielende Kinder und fleissige Hausfrauen. Die Maenner trafen sich abends bei Esteban, Mario oder in der Barangayhall zum Plausch. Man hatte nun eine stabile Stromversorgung bekommen, und die haeufigen Brownouts (=voruebergehender Stromausfall) der Vergangenheit stellten kein Problem mehr dar.
    Das hier ist Juan Arbiol's ganzer Stolz, damit verdient er seinem Teil der Sippe das taegliche Brot:



    Ein Schulbus ist das, Taxi, Krankentransporter und Vehikel fuer seltene Grosseinkaufe in St. Bernard!

    Fast alle bewirtschafteten seit Generationen kleine Kokosplantagen am Can-Abag Berghang, dem verhaengnisvollen Berg im Ruecken der Stadt. Abgeholzt hatte man dort vielleicht vor 150 Jahren - aber das Ganze war stabil solange man denken konnte. Die Schule des Ortes war direkt dort, wo der Ort an den Berg grenzte. 40 Jahre lang wurden dort den Kids des Ortes Grundschulwissen verabreicht.
    Esteban war der Dorfschreiner in Guinsaugon. Seinen 4 Kindern hat er nach der obligatorischen Schulausbildung eine Highschool verschafft. Die Opfer dafuer hat er gerne gebracht, und er ist sehr stolz auf seine Schar. Ueblicherweise haben Familien auf dem Land oft 8 oder noch mehr Kinder, aber Esteban und Letecia wussten, dass sie mit ihrem bescheidenen Auskommen den Vieren etwas bieten konnten, was nicht zwingend auf dem Land ueblich ist. Letecia posiert hier mit meiner Sonnenbrille:



    Esteban Junior's Traum war es, einmal Auto- oder Motorradmechaniker zu werden. Discos, Drogen oder Nightlife gab es in Guinsaugon nicht - eine einfache Karaokebude diente den Einwohnern an Wochenenden zum Entertainment. Fast jeder hatte fuer den Eigenbedarf ein kleines Reisfeld bewirtschaftet. Letecia kredenzte mir einen selbstgemachten Kokoswein, den man hier Toba nennt. Sah aus wie Rotwein, schmeckte wirklich nicht schlecht. Man bewirtete mich mit einem leckeren Reisgericht, und ich ass mit dem ganzen Familienclan. Mitgebrachte Schokoladenvorraete und Suessigkeiten gingen zur Neige, denn die Kids hatten auch viele Freunde. Die unbefestigte Strasse vor dem Haus sah am anderen Morgen aus wie nach einem Schneefall, so viele Stanniolpapierchen der Schokokugeln waren am Boden verstreut. Nach dem Essen ging man zum gemuetlichen Teil ueber, und man stellte mir viele Fragen. Wie das Leben denn so in Thailand sei, und wo ich schon ueberall gewesen bin. Ich holte daraufhin meinen alten Reiselaptop aus dem Backpack und hatte dort ein paar Pics von frueheren Trips. Wat Phra Keouw in Bangkok faszinierte sie alle, Angkor Wat und die Beaches in Cambodia, Elefanten kannten sie nur aus dem Fernsehen. Leider hatte ich keine Picture-CDs mitgebracht, aber die kleine Diashow auf dem Laptop fesselte die Einwohner sehr.
    Der Aufenthaltsraum fuellte sich zusehends, und bald gab es keinen freien Platz mehr.
    Dieses (von Kevin gemachte) Foto zeigt links Mario, den aeltesten Bruder Estebans (Englischlehrer Elementaryschool), mich in der Mitte und rechts Esteban sr.:



    Fuer Esteban senior hatte ich einen Schwingschleifer mitgebracht, der bei mir nur noch im Keller gelegen hatte. Den Stecker hatte ich ihm noch auf das hier gaengige Stromsystem umgestrickt, und er fuehrte mir stolz seine anderen Werkzeuge vor. Neben einem umfangreichen Arsenal an Handwerkzeug hatte er eine Kreissaege und eine Stichsaege. Von der Farbe an den Geraeten war nicht mehr viel zu erkennen, aber sie waren gut gewartet und funktionierten bestens. Jeder im Ort bestellte ihn, wenn es etwas zu bauen oder zu reparieren galt. Am 17. Februar war er gluecklicherweise gerade im Nachbardorf, um einen Dachstuhl auszubessern.

  2.  
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  3. #22
    Avatar von abstinent

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    Re: GUINSAUGON - Die Katastrophe

    ich veroeffentliche hier nun den text eines postings eines mir seit vielen jahren persoenlich bekannten members, und verbuerge mich fuer die rechtschaffenheit seiner initiative - jeder cent wird ohne irgendwelche verwaltungskosten oder dergleichen direkt betroffenen zugehen, das ganze ist transparent und jede spende kann bis zum empfaenger nachvollzogen werden!

    abstinent

    post von reteP aus dem SEA-Forum:

    Hallo!

    Wir haben ein Treuhand-Konto eröffnet. Alle eingehenden Spenden werden zu 100% ohne Abzug weitergeleitet nach Guinsaugon.

    Hier die Bankverbindung:
    "Hilfe für Guinsaugon"
    Kreissparkasse Bersenbrück
    BLZ 26551540
    Kto 112822648

    Für internationale Überweisungen, z.B. aus Österreich:
    BIC: NOLADE21BEB
    IBAN: DE70 2655 1540 0112 8226 48

    Bitte gebt als Verwendungszweck euren nickname im Forum an, es sei denn ihr möchtet anonym spenden.
    Die Spendenliste wird hier gepostet. Das Konto ist transparent und jederzeit einsehbar.

  4. #23
    Avatar von abstinent

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    Re: GUINSAUGON - Die Katastrophe

    neben jeder (sei sie noch so klein) spende sind auch alte einfachsthandies und holzbearbeitungswerkzeuge (fuer kuenftigen broterwerb) gefragt - wer da etwas abzugeben hat, bitte um pm. es fliegen staendig leute hin und her, die etwas mitnehmen wuerden. von bangkok aus bekommen wir die sachen relativ preiswert nach southern leyte per paket.

    danke

    abstinent

  5. #24
    Avatar von abstinent

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    Re: GUINSAUGON - Die Katastrophe

    möchte noch bemerken, das der verfasser obigen posts (retep) bereits 100 $ per western union an den ihm auch bekannten esteban gesendet hat, damit dieser sich neue ausweise und ein bankkonto verschaffen kann - vielen dank dafuer!

    abstinent

    p.s. die ersten hilfeangebote und sachspendenangebote trudeln ebenfalls ein, allen sei herzlich gedankt. der bericht geht nachher weiter

  6. #25
    Avatar von abstinent

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    Re: GUINSAUGON - Die Katastrophe

    erfahre soeben, das unser guter "siam" diesen bericht von hier auch in das reise & preise forum verlinkt hat, 1000 dank dafür.

    wer immer den bericht in anderen foren verlinken will, hat meine ausdrueckliche genehmigung, inklusive der pics - aber nur für nichtkommerzielle zwecke!

    besten dank

    abstinent

    [mod:8b96dc700e="Visitor"]Auf Wunsch des Autors editiert[/mod:8b96dc700e]

  7. #26
    Avatar von abstinent

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    Re: GUINSAUGON - Die Katastrophe

    Dieser umgebaute Kleinlaster ist die Alternative zu der Rostlaube, mit der ich herkam. Der Eigentümer ist Hauptfinanzier seiner Kirchengemeinde und ein sehr frommer Mann.



    Überhaupt sind hier viele auffällig christlich, was ansonsten in Asien eher selten ist. Die jahrhundertelange Versklavung der Filipinos durch die Spanier hat überall deutliche Spuren hinterlassen. Es gibt hier in Guinsaugon gleich mehrere Kirchen. So wie das Gefährt auf obigem Foto beladen ist, so fuhr es in den Ort hinein. Dachlasten in den Philippinen müssen nicht immer nur aus Gütern bestehen!

    Kinderreich sind hier offensichtlich viele Familien, und die Kleinen haben Spass an dem "Kano" - denn es hatte sich wohl herumgesprochen, daß der nicht beißt:



    Die erste Nacht im Hause Estebans war etwas ungewohnt - Schöpfkellenduscherei ist wahrhaft kein Neuland für mich, aber hier gab es keine Türe - die man hätte schliessen können. Ich bekam eine Art Wickelrock, so wie ihn die anderen Familienmitglieder auch benutzten, und sollte vorgehen. Hmmmmm.......
    Ich wollte mir das lieber erst einmal bei den anderen anschauen - und gab vor noch eine Zigarette rauchen zu wollen. Der Küchenbereich, in dem auch geduscht wurde - war vom Wohnraum nur durch eine halbhohe Mauer getrennt, eine türe gab es nicht. Eine Tiolette gab es auch, die hatte aber eine Türe und somit den benötigten Sichtschutz.
    Die Mitglieder der Familie duschten einer nach dem anderen, und behielten ihre Umhänge dabei an. Der kletschnasse Duschumhang wurde dann gegen einen trockenen Ausgetauscht, der auch als Nachtgewand diente.
    Lange lag ich noch wach und dachte über das Erlebte nach. Eine glückliche und gesunde Familie war das, bitterarm nach westlichen Gesichtspunkten - aber zufrieden und sehr gastfreundlich. Im Kopf machte ich mir Notizen, was ich bei meinem nächsten Besuch alles mitbringen sollte.
    Ich schlief tief und fest, und mit dem Duft heissen Kaffees in der Nase wurde ich nach einer angenehmen Nachtruhe dann am frühen Morgen wach. Heute waren Testfahrten angesagt, und gemeinsam mit Esteban junior und einem seiner Freunde ging auf den Dirtbikes den Fluß entlang in Richtung Norden, dorthin - wo sein Vater eine kleine Kokosplantage mit ca. 100 Bäumen hatte.

  8. #27
    Avatar von rübe

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    Re: GUINSAUGON - Die Katastrophe

    @ abstinent

    ich hatte von der katastrophe in den medien gehört, aber erst jetzt hat sie für mich ein gesicht bekommen...

    mal eine idee ins blaue....meinst du nicht, dass sich stern oder spiegel für das material interessieren und dadurch die hilfe etwas angekurbelt werden könnte?

    wie dem auch sei...

    viele grüsse von rübe

  9. #28
    Avatar von abstinent

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    Re: GUINSAUGON - Die Katastrophe

    @ rübe

    danke für deinen kommentar. bitte alle member ihre jeweiligen lokalredaktionen und/oder redaktionen von magazinen oder anderen publikationen auf diesen link hier im nittaya hinzuweisen. wenn jemand mein material für kommerzielle zwecke publizieren möchte (texte oder bilder) - so stelle ich alle anfallenden honorare und vergütungen selbstverständlich in den dienst der sache und bitte um entsprechende überweisung auf das hilfskonto.

    meine kontaktemail hierfür ist: absti @ siamtraveller-forum.org

    ciao
    abstinent

  10. #29
    Avatar von abstinent

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    Re: GUINSAUGON - Die Katastrophe

    DER BERG

    Der Can-Abag Mountain war ein gruener, dichtbewachsener Vertreter seiner Gattung. Hier im tropischen Regenwaldbereich war der Dschungel oft undurchdringlich. Narra-Baeume und Tuogs wuchsen hier, wie die Natur sie gesetzt hatte. An Holzwirtschaft oder dergleichen war nicht zu denken.
    Schon seit Generationen bewirtschafteten die Einwohner des Dorfes an zugaenglichen Hangflecken Kokoshaine, und jeder freute sich zur Ernte ueber das extra Essen und auch Einkommen, welches die Kokospalmen boten. Oekologische Landwirtschaft war das vom Feinsten - hier hat man kein Geld fuer Kunstduenger oder gentechnisch manipuliertes Saatgut. Die Baeume wurden gepflegt, und seit den wilden Abholzungsaktionen der Besatzungsmacht Spanien vor rund 150 Jahren hat hier keine eingreifende oder wesentliche Veraenderung mehr stattgefunden.
    Die dummen Schuldzuweisungen mancher Presseorgane heute werte ich als billige Ausreden, sonst nichts! Ein unkontrolliertes Abholzen, so wie man es noch heute aus Laos, Cambodia oder Thailand kennt, hat zumindest hier nicht stattgefunden. Der saisonuntypische Dauerregen der Wochen vor dem Unglueck (der auch zu meiner verfruehten Abreise dort fuehrte) - der hat dem Berg die gesamte organische Substanz weggewaschen....und Millionen von Tonnen an Schlamm und Geroell waren die Folge:



    Das gesamte Dorf Guinsaugon wurde unter der Schlammlawine begraben, und mit ihr fast alle Einwohner.

    photocredit: provincial government of southern leyte

  11. #30
    Avatar von abstinent

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    Re: GUINSAUGON - Die Katastrophe

    DIE HELFER VOR ORT

    Vor Ort sind professionelle Suchteams aus mittlerweile mehreren Laendern, der fast ununterbrochene Regen im Hochland sorgt als zusaetzliches Hindernis fuer reissende Wassermassen, selbst im direkten Erdrutschbereich haben sich Baeche gebildet, in denen das Wasser vom Berg hinabschiesst.





    Oftmals werden die Ladeschaufeln von schwerem Raeumgeraet zu Personentransportzwecken eingesetzt. Neben dem phil. Militaer sind nun auch viele US-Soldaten vor Ort und fassen tatkraeftig mit an.



    Nach Angaben mancher Retter, sollen die Schlammmassen sich bis zu 30 Metern ueber dem ehemaligen Dorf aufgetuermt haben. Bis weit vor's Dorf ging die Lawine herab.







    Ich habe dies alles auf philippinischen Newssendungen und Berichten zusammengefasst.


    Der Credit fuer alle gezeigten Fotos direkt von der Katastrphe geht an das Provincial Government of Southern Leyte

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