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Gartenzaun, gemeinsames Grillen und Einsichten

Erstellt von Ralf_aus_Do, 28.03.2005, 20:29 Uhr · 7 Antworten · 849 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Ralf_aus_Do

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    Gartenzaun, gemeinsames Grillen und Einsichten

    Prolog

    Fügungen der letzten zwei Jahre haben mir Einblicke in den ‚Mikrokosmos Puff’ ermöglicht, die dem ‚Normalbürger’ der ich ja eigendlich bin verwehrt bleiben. Ich bin mal hier um weitere ‚Geschichten vom Gartenzaun oder vom Grillen’ gebeten worden, habe ich aber niemals in dieser Form abgeliefert. Meine Betrachtungen aus dem .... weichen zum Großteil von der ‚Lischen-Müller-Vorstellung’ die ich teilweise auch hatte ab. Mir wurde ein kurzer Blick hinter die Kulissen gestattet, ich lernte Prostituierte, Zuhälter, einen .......besitzer und eine ‚Thekenbedienung’ kennen.

    Meine Hauptperson der Betrachtungen kommt aus Thailand, daher besteht der Ansatz einer Berechtigung dies hier zu schreiben, meine Hauptperson der Geschichte soll in dieser Geschichte aber nur soweit es für das Verständnis notwendig ist eine Rolle spielen.

    Schon im Vorfeld möchte ich darlegen, daß ich keinesfalls mehr hierzu preisgeben möchte als ich in diesem Beitrag darstelle. Mir liegt es auch fern irgendwelche Dinge zu verherrlichen, genausowenig, wie ich irgendetwas verteufeln mag. Vielmehr schreibe ich hier Beobachtungen auf, die ich machte. Meine Beobachtungen stellen auch nur einen Teil des Ganzen dar, sie können also nicht allgemeingültig betrachtet werden.

    Ich habe die Geschichte in der Gegenwartsform geschrieben; im JETZT stellt sich alles etwas anders dar.

    Menschen wie Du und ich oder Prostituierte und Zuhälter

    Die Frauen sind ja größtenteils jünger als ich, die Thekenbedienung ist die älteste, sie ist geringfügig älter als ich, geringfügig jünger als ich ist eine Frau aus Thailand - eine ganz besondere Frau, die anderen sind zwischen 20 und 28 Jahre alt. Ich bin zu diesem Zeitpunkt 34 (korrigiert) Jahre alt und bin kein zahlender Gast. Gespräche entwickeln sich anders als ich sie kenne. Wenn ich Gast in einem .... war kannte ich schmeichelnde Gesprche, nur hier war ich kein Kunde. Es wurden ‚Allerweltsthemen’ angesprochen ‚Zeig mal Dein Handy’ ... ‚Das ist ohne Kamara’ .... ‚Kamara gäbe Schwierigkeiten, da ich häufiger der Automobilindustrie unterwegs bin, da darf man sowas nicht benutzen’ zu den jüngeren, die ganz besondere Frau redete über ihren Sohn, die Thekenbedienung über ihre zwei Hunde, ich über meinen Job.

    Sie kommen ja aus unterschiedlichen Ländern, aus Tschechien, Weißrussland, der Ukraine, der Dominikanischen Republik und eben eine aus Thailand. Etwa die Hälfte der Frauen stammt aus Deutschland. Wir unterhalten uns, ich bin häufig ein schwieriger Gesprächspartner. Das mag an meiner ‚Erziehung’ liegen, versuche ich doch geradezu reflexartig Gespräche zu lenken, dies scheint anzukommen, ‚ehe Du gehst trinkst Du noch ein Bier, Gäste kommen erst später’, ‚Schau doch wieder rein’.

    Verschiedene der Frauen haben einen Freund oder Ehemann, der bringt sie häufig zur Arbeit, gelegendlich trinkt er auch noch ein Bier (billiger Sekt zu überhöhten Preisen – die Herren mußten im Gegensatz zu mir, der ja anfänglich nur Smalltalk mit der Thekenbedienung pflegte, größtenteils bezahlen – scheint hier der ‚spendablen’ Kundschaft vorbehalten). Die Männer verhalten sich in gewisser Hinsicht kumpelhaft, vordergründig kann man nichts negatives an ihnen finden, auch das Verhalten gegenüber der jeweiligen Freundin ist zuvorkommend. Unfreundlich werden sie erst, wenn eine Frau versucht ihren Willen zu bekommen (dann möglichst unter dem Hinweis, daß eine ........ froh sein muß mit ihm zusammenzusein – sowas kam erst später). Ich weiß nicht, ob mich der eine oder andere zu diesem Zeitpunkt auch für einen Zuhälter gehalten hat, wenn ja wohl für einen besonders geschickten.

    Es fällt auf, daß die Frauen mit Freund sobald irgendeiner der Freunde dabei ist verschlossener werden, auch versuchen die Freunde etwas über mich herauszubekommen, sie kennen mich nicht, wissen mich nicht einzuordnen.

    Der Besitzer – ‚Du kennst Dich doch mit Computern aus’

    Recht schnell kamen auch Gespräche mit dem Besitzer des ........ auf, der erst zögernd zu meinem Gespräch mit den Frauen hinzustößt. „Du machst also was mit Computern“ – „Nicht so direkt“ – „Ich hab mit meinem Computer ein Problem“, im Grunde genommen die personifizierte Festigung des Freibier-im-....-Gedankens. Er hatte mal einen Handwerksbetrieb, ist durch schicksalhafte Verstrickungen – die einige sogar vermutlich als wahr annehmen - an den Laden gekommen, hat den Handwerksbetrieb zu Bruch gefahren, jetzt ist er hier. Er schlägt sich so durch, für mein Empfinden aber auf hohem finanziellen Niveau, er klagt über zu viel Arbeit, Unzuverlässigkeit der Beschäftigten und nachlassende Wirtschaftskraft.

    Ein näheres Kennenlernen

    Ich lerne eine besondere Frau kennen, sie arbeitet hier und hat einen Sohn. Der Sohn ist gerade eingeschult worden, irgendwie scheint sie mit allem nicht klarzukommen. Sie erzählt mir von ihren Problemen, vom nicht-ernst-genommn-werden’ durch die Lehrer der Schule ihres Sohnes, von ihrer Lebenssituation und ihrer Vergangenheit. Ich beginne sie zu mögen, offensichtlich mag sie auch mich. Sie aus Thailand ist auch der Grund für mich gewesen, mich mit diesem Forum zu beschäftigen, sie ist in meinem Leben eine maßgebliche Person geworden. Für diese Geschichte ist sie jedoch nicht maßgeblich, in der Zeit in der ich erzähle, arbeitete sie dort, dort begann ich sie zu mögen.

    Als Nicht-Gast unter Gästen

    Gelegendlich wird es etwas länger, Gespräche mit der ganz besonderen Frau, Gespräche mit der Thekenbedienung, Besichtigung der maroden Elektroinstallation des Gebäudes, Begutachtung einer Bestandsaufnahme vom Nichteinhalten von Brandschutz, Hilfe am Computer, unverständliche behördliche Briefe, Biertrinken mit Luden benötigen Zeit. Soviel Zeit, daß ich hier bin, wenn die ersten Gäste kommen, diese geben einem einerseits ein Spiegelbild meiner selbst, ich war in anderen gleichartigen Betrieben auch mal Gast, andererseits ein süßes Gefühl der Überlegenheit, „Ich trink noch ein Bier und geh dann nach Hause“.

    Ralf Uncool und eine verständnisvolle Thekenbedienung

    Abermals bringe ich etwas mehr Zeit in der zum Büro umfunktionierten Küche des Betrriebes zu. Auch höre ich, wie die Thekenbedienung den ersten Gästen die Tür öffnet. Nach wenigen Minuten bringt sie mir ein Bier in die Küche, das hat sie sonst nie getan. Bier gibt es nicht vom Faß sondern in kleinen Drittelliter-Fläschchen, so ein Fläschchen ist schnell leer. Ich trinke das Bier und beschließe ein weiteres Bier am Tresen zu nehmen und anschließend nach hause zu gehen. Die besondere Frau sitzt mit ihrem ersten Gast am Tresen und trinkt Sekt, auch ich gehe zum Tresen. Die Thekenbedienung gibt mie ein Bier und eilt in die Küche. Kurz darauf kommte sie zurück und erklärt „Trink aus, ich begleite Dich nach Hause“ – es sind nur ungefähr 20 Schritte – sie weiß es. Sie begleitet mich nach hause wärend der Besitzer des Ladens sie am Tresen vertritt, ich schütte ihr einen Bailys ein, der ist von einer Fete übergeblieben, mir öffne ich eine Flasche Badischen Riesling, angesichts meiner Gefühlslage stelle ich gleich eine weitere Flasche ins Eisfach.Die Thekenbedienung fragt mich, ob ich reden wolle, ich lehne ab. Nachdem sie den Liqueur getrunken hat muß sie wieder arbeiten. Etwa zwei Stunden später fragt mich die besondere Frau aus Thailand telefonisch ob sie zu mir kommen darf, ich bin schon bei der zweiten Weinflasche und lehne ab.

    Epilog

    Die ganze Geschichte liegt ja schon einiges zurück. Inzwischen hat sich viel geändert, die besondere Frau ist nunmehr meine Freundin, auch arbeitet sie nicht mehr. Diese Geschichte hat aber mein Verständnis für Prostitution, das Geschehen in einem .... und die Menschen dahinter stark geprägt. Da hier häufig das Thema Prostitution eine Rolle spielt wollte ich darstellen, was meine Sichtweise hierzu prägte.

  2.  
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  3. #2
    Avatar von phimax

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    14.274

    Re: Gartenzaun, gemeinsames Grillen und Einsichten

    Nicht nur deine Sichtweise.
    Und das erste Mal ist das schlimmste.
    Danke für die Geschichte.

  4. #3
    a_2
    Avatar von a_2

    Re: Gartenzaun, gemeinsames Grillen und Einsichten

    Ich finde Prostitution ist ein wichtiger Bestandteil unsere Gesellschaft, auch wenn diese Art der Dienstleistung gern totgeschwiegen wird. Die Wichtigkeit dieser Dienstleistung wird wohl oft unterschätzt.

    Ich muss zugeben, das ich noch nie in einem .... war. Dennoch fand ich den etwas anderen Einblick interessant.

    Für mich spricht nichts dagegen das jemand eine Beziehung mit einer Prostituierten eingeht, sofern beide keine Probleme damit haben. Ob ich ein Problem damit hätte kann ich nicht sagen, darüber habe ich bislang noch nie nachgedacht.

    Prostitution wird ja auch "käufliche Liebe" genannt. M.E. kann man Liebe nicht kaufen. Das einzige was man kaufen kann ist eine Illusion. Mal abgesehen von der körperlichkeit ist es heutzutage schon recht normal Illusionen zu kaufen..

    Grüße

    Stefan

  5. #4
    Rene
    Avatar von Rene

    Re: Gartenzaun, gemeinsames Grillen und Einsichten

    Ralf, Respekt


    René

  6. #5
    Avatar von Ampudjini

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    Re: Gartenzaun, gemeinsames Grillen und Einsichten

    Konnte letzte Woche auch das erste Mal verschiedene Appartements und Häuser besuchen, in denen "gearbeitet" wird. Natürlich habe ich dort auch einige Frauen und Männer kennen gelernt.
    Ich fand das alles sehr interessant, zumal man als Frau - sofern man nicht selbst dort arbeitet - kaum Gelegeneheit hat, sich sowas mal von innen anzuschauen.

    Ich habe nun auch ein bisschen mein Bild aufgeräumt.
    Kann das allerdings nicht gut in Worte fassen.

    Danke für deinen Beitrag, Ralf!

  7. #6
    a_2
    Avatar von a_2

    Re: Gartenzaun, gemeinsames Grillen und Einsichten

    Ich denke mal das dieser Beruf zu den schwierigsten gehört den man ergreifen kann. Wobei dieser Beruf zu den ältesten der Welt gehört und trotzdem in Deutschland noch nicht zu 100% als Beruf anerkannt ist..

    Die Geschichte vom leicht verdienten Geld halte ich für ein Märchen. (Aussage ohne eigene Erfahrung)

    Grüße

    Stefan

  8. #7
    Avatar von phimax

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    14.274

    Re: Gartenzaun, gemeinsames Grillen und Einsichten

    Zitat Zitat von Ampudjini",p="229622
    Kann das allerdings nicht gut in Worte fassen.
    Wenn du es schaffst (wovon ich überzeugt bin)...
    ...hoffe ich auf einen Bericht aus der Sicht einer Frau.

  9. #8
    Avatar von Ralf_aus_Do

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    3.787

    Re: Gartenzaun, gemeinsames Grillen und Einsichten

    Ich schließe mich hier der bitte von phimax an und mache sie auch zu meiner Bitte.

    Ich bin überzeugt davon daß Du dies in Worte fassen kanst (ämmm... Redaktionsassistentinnen können das ... sollte ein Scherz werden).

    Ich habe diesen Thread auch nur als vermutlich zum Scheitern verurteilten Versuch hier eingestellt, um die bar irgendwelcher Erfahrungen und frei von nur belastendem Wissen hier oft verkündeten Weisheiten über Prostitution und Prostituierte ein wenig aus meiner Sicht zu revidieren.

    Jini, ich würde mich freuen, wenn Du Deine kürzlich gewonnene Meinung hier schildern würdest.

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