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Es war im Mai

Erstellt von Chonburi's Michael, 24.05.2004, 07:07 Uhr · 0 Antworten · 764 Aufrufe

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    Chonburi's Michael
    Avatar von Chonburi's Michael

    Es war im Mai

    Raek Nah, das Fest das in der bevorstehenden Monsunzeit reichlich Regen bringen soll.

    Es war im Mai. Das kleine Dorf war in Vorbereitung zum traditionellen Raek Nah Festes. Wie kann man in aller Herrgotts Fruehe schon so aktiv sein? Die Maenner des Dorfes bastelten bunte lange Raketen. Das geheimnisvolle und strenggehuetete Pulvergemisch wurde in kleinen 40 cm blauen Plastikwasserrohren gefuellt, die anschliessend mit Klebeband vorne und hinten verschlossen wurden. Als Zuendschnur diente, heute Zweck entfremdet, ein zum duennen Zopf gedrehter weisser Garn der sonst ums Haus gewickelt wurde. Auch diese Zuendschnur wurde mit einer geheimnisvollen spezielle Fluessigkeit gedraenkt.

    Die Maenner selber nahmen als spezialfluessigkeit Bier. Es war ein rechtes Die Jungs vom Dorf halfen alle fleissig mit. Sie laengten duenne Bambusrohre in ca. 2,50 m ab. Es wurde peinlichst darauf geachtet das der durchmesser nicht mehr als 2 cm hat. Je duenner desto besser. Der Ortsvorsteher hatte nur eine kontrollfunktion. Jeder Feuerwerkskoerper wurde von ihm Fachmaennisch untersucht. Ich durfte, was sonst nicht ueblich war und mich ein wenig erstaunte, nicht helfen. Der Ortsvorsteher erklaerte mir das diese Arbeit nur von Auserwaehlten gemacht werden durfte. Dies Tradition wurde vom Vater an dem Sohne weitergegeben.

    So schlenderte ich zu den Frauen und Maedchen. Diese Gruppe bereiteten verschiedene Speisen fuer das Fest vor. Reis wurde gekocht, Fischstueckchen wurden auf kleine Holzspiesschen gesteckt. Huehnerfluegel die sich nicht so leicht aufspiessen liessen, wurden mir von der Frau des Dorfvorstehers gereicht. Hier war ich eine willkommene Hilfe. Obst und Gemuese wurden in Koerben fachfraulich verstaut. Alles drehte sich um das Fest. Mit einem mei dschep, mei dschep wurde ich besaenftigt, wenn sich ein Holzspiesschen anstatt des Huehnerflueges meinen Finger aussuchte. Der Dorfplatz wurde nun als Verladestelle genutzt.

    Pick- Ups die wie auf Kommando heranrollten, wurden vom Ortsvorsteher mit sicherer Hand in Hauseinfahrten gelotst. Alles hatte in diesem Chaos seine Ordnung. Ladeflaechen fuellten sich. Zuerst kamen die kleinen Grillkuebeln rauf. Danach Obst Gemuese und Reis. Die Fisch, Schweine und Huehnchenspiese wurden in Kuehlboxen die vorher mit Eis gefuellt wurden gegeben. Diese Kuehlboxen sowie die Getraenke kamen auf einen eigenen Pick-Up, der nun voll war.

    Die Raketen und Bambusstangen auf einen mit Blumen geschmueckten Pick-Up, der als einziger mit einer Plane abgedeckt wurde. Und ich, ich stand und war nur neugierig. Nun hiess es aufsitzen. Im nu waren die Autos mit jung und alt uebervoll. Ich wurde mit dem Ortsvorsteher auf den Speisewagen verfrachtet damit dieser Wagen mit Geschaeftsglueck gesegnet werde.

    Los ging's mit Motorenlaerm und Hundegebell. Dieselwolken huellten den Marktplatz, der vom einsetzenden Regen in ein Schlammfeld verwandelt wurde, ein. Das tat der lustigen Stimmung jedoch keinen Abbruch. Der Regen wuerde nicht lange anhalten, wurde mir vom lautbruellenden Ortsvorsteher mitgeteilt. Jedes Jahr wuerde es zu diesem Feste am Morgen Regnen. Eine halbe Stunde spaeter wusste ich, er hatte recht. Wir fuhren auf einer schmalen Menschenleere Strasse. Einige kleine Huetten die hinter riesigen Baeumen leicht hervorschauten, zeugten das diese Gegend bewohnt war. Dann kamen sie, die vielen Pick Ups, Motorbikes und Garkuechenschieber.

    Aus jedem noch so kleinen Feldweg stroemten Menschen zu Fuss und mit dem Fahrrad zu zweit oder zu dritt darauf. Der breite Schotterweg vor uns war ueberfuellt. Rush Hour im Isaan. Die Kolonne, die sich nun im Schritttempo vorwaerts bewegte, fuehrte uns auf eine riesige Wiese die in einer Senke auftauchte.

    An drei Seiten diese Wiese parkten Fahrzeuge. Garkuechen wurden aufgebaut, Luftballonverkaeufer fanden auch den Weg hierher. Und ich, ich genoss es als "Farang" betitelt, bestaunt wurde. Die Maenner waren alle auf der Linken Seite der Wiese. Frauen und Kinder nahmen die anderen Plaetze ein. Ploetzlich wurde es Geschaeftig. Die Maenner holten ihre Raketen von den Ladeflaechen. Die Raketen wurden auf die Bambusstangen geschnuert. Die Bambusstangen selbst wurden mit langen verschiedenen Farbbaendern gekennzeichnet.

    Da kam meine Wissbegierde zum vorschein. Langsam aber sicher bewegte ich mich auf die Maenner zu. Langsam deswegen, da ich nicht wusste ob es erlaubt war. Es war erlaubt, denn ich wurde von vielen mir unbekannten Maennern umringt. In der schoensten Isaansprache wurde ich gebeten doch die Raketen zu beruehren. Ich hab noch nie so viele Feuerwerkskoerper beruerht wie am diesen Tage. Meine Schulter wurde,wie nie zuvor und danach durch das Dankesklopfen, arg strapaziert.

    Dann kam der Ortsvorsteher vom Dorf. Er zog mich einfach weg und sagte zu den Gruppen das ich zu seinem Dorf gehoere. Ich war ploetzlich einer von ihnen. Die Maenner von den verschiedenen Doerfern wetteten gegeneinander welche Rakete am hoechsten in den Himmel steige. Ich verstand nun, warum die langen Farbbaendern die Bambusstaebe zierten.

    An denen wurde festgestellt welche von den Doerfern am hoechsten war. Wie? Ganz einfach. Die spaeter zurueck kam musste wohl am hoechsten gewesen sein und die Farbbaender zeigten den Besitzer an. Ich ging zu den Frauen. Da schien es lustiger zuzugehen. Die Kinder liessen die bunten Ballons steigen. Einige Kinder sammelten die Raketen die nicht in den Himmel stiegen, sondern den horizontalen Weg suchten, ein.

    Die Frau des Ortsvorstehers winkte mich ran. Sie fragte mich ob ich nicht die Huehnerfluegel grillen moechte. Sie sei der Meinung das es dann zu einem besseren Geschaeft wuerde. Es wurde ein besseres Geschaeft. Die hungrigen wollten die nun vom Farang gegrillten Spiesschen. Kinder und auch Erwachsene schauten mir beim grillen zu. Es ist schon so eine Sache mit dem Grillen. Der Rauch stieg mir immer in die Augen. Ich tanzte um den Grillkuebel, der Rauch folgte mir. Dann sagte jemand: "Ein Farang der den Regentanz macht, das muss eine gute Ernte werden."

    Ich weiss nicht ob ich ihnen Glueck brachte. Eines ist Gewiss, diese einfachen Menschen brachten mir Glueck.

  2.  
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