Seite 3 von 5 ErsteErste 12345 LetzteLetzte
Ergebnis 21 bis 30 von 43

Erinnerungen

Erstellt von Chang Nam, 19.05.2005, 09:10 Uhr · 42 Antworten · 4.131 Aufrufe

  1. #21
    Avatar von Chang Nam

    Registriert seit
    19.11.2004
    Beiträge
    264

    Re: Erinnerungen

    So, es geht weiter. Bin guter Dinge dass es evtl. heute noch mit den ersten Bildern klappt...

    Zum ersten Mal bei Oi’s Familie

    So, da waren wir nun. Nach der Begrüßung betraten auch Hally, seine Freundin Wan und deren Schwester Naa den Raum. Alle begrüßten sich freundlich und ich beneidete Hally um seine Sprachkenntnisse, er wechselte ganze Sätze mit Oi’s Mutter und beide lachten.
    Dann kam ein kleiner Junge aus einem Nebenraum. Er hatte ein liebes Gesicht, war ungefähr 8-9 Jahre alt und sehr dünn.
    Das ist Em‘, sagte Oi, mein Sohn. Der Kleine machte eine tiefe Verbeugung und begrüßte uns mit einem Wai. Er strahlte über das ganze Gesicht und fing aufgeregt an auf seine Mutter einzureden. Dabei schaute er immer wieder zu mir her und lächelte. Ich mochte ihn sofort.
    Oi sagte wir sollten uns setzen (wo nur, es gab keine Sitzmöbel!). Hally sagte dass wir es uns auf dem Fußboden bequem machen müssten, das wäre nichts Außergewöhnliches. Oi und Em kamen an und hatten einige Decken und kleine Kissen mitgebracht, die sie nun auf dem Boden ausbreiteten. ‚Legt euch hin, ihr seid bestimmt müde‘ sagte Oi. Da wir zu fünft angereist waren und klar war, dass wir nicht alle Platz im Elterlichen Haus finden würden, hatte Oi am Strand einen Bungalow gemietet. Dieser war aber erst am Nachmittag frei, deshalb blieben wir einige Stunden bei ihrer Familie.
    Es kamen nun weitere Personen in die Wohnung. Da war zunächst ein älterer Bruder, Doi. Er war 3 Jahre älter als Oi, sah ein wenig ausgemergelt aus. Einer seiner Schneidezähne fehlte aber er machte einen netten Eindruck.
    Er schien sich ein wenig zu schämen, seine Kleidung war etwas zerschlissen und er hatte rauhe, von harter Arbeit gezeichnete Hände. Die Frau, die wir bei unserer Ankunft im Hof gesehen hatten, war seine Ehefrau. Sie kam jedoch nicht herein. Oi meinte die sei Ding Dong (sie klärte mich später auf was das bedeutet). Dann waren da noch 2 jüngere Mädchen. Zum einen Eow, 10 Jahre alt und Ead, 12. Sie hatte ein Gesicht wie ein Engel, wunderschön. Ihre Haut war heller als die der anderen, sie ähnelte Oi am meisten.
    Alle waren nett, begrüßten uns und verschwanden dann wieder recht schnell.
    Wir legten uns hin. Hart war es, trotz der Decken. Nach einigen Minuten wusste ich bereits nicht mehr, in welcher Stellung ich mich legen oder aufstützen sollte. Erschwerend kam hinzu dass Em großen Gefallen daran gefunden hatte, auf mir herum zu turnen. Aufgrund der unbequemen Lage war für mich an Schlaf sowieso nicht zu denken, also spielte ich mit was ihm sehr gefiel.
    Oi’s Mutter brachte wenig später einige Teller und Besteck. Wir setzten uns nach draußen auf die Bänke. Oi und ihre jüngeren Schwestern brachten einen Topf mit Reis, eine große Platte mit gebratenem Gemüse und ein Fischcurry. Es schmeckte hervorragend. Wir tranken Coke und Bier, das Ead in einem kleinen Laden gleich um die Ecke besorgt hatte.
    Nach dem Essen luden wir den Jeep aus und verstauten alles in Oi’s Zimmer. Es war nicht sehr groß, ungefähr 10 qm inkl. einer Dusche und WC. Auf dem Boden lag lediglich eine Matratze auf der sie schlafen konnte, ein kleiner Kleiderschrank (Stahlrohrgestell mit Plastiküberzug der mit einem Reißverschluss zu verschließen war) stand darin und eine kleine Kommode mit Spiegel.
    Nachdem wir alles verstaut hatten sollte es nun zum gemieteten Bungalow gehen. Wir stiegen alle ein, auch Em und Oi‘s kleine Schwestern. Wir fuhren wieder zurück über die kleine Brücke, hielten uns am Tempelhügel links
    und kamen an eine Bungalowanlage die lediglich durch die Strandstraße vom Meer getrennt war. Die Bungalows waren aus Holz und standen auf Betonsäulen. Am Eingang der Anlage gab es ein kleines Bürogebäude. Oi stieg aus, ging hinein und kam nach einigen Minuten mit einem Schlüssel wieder heraus. Wir fuhren zum uns zugewiesenen Bungalow. Eine kurze Holztreppe führte hinauf, es gab eine Art Podest auf dem ein Tisch und zwei Bänke fest installiert waren. Dann ging man in einen kleinen Flur hinein von dem links eine und rechts zwei Türen in die Zimmer führten. Oi und ich nahmen das große Zimmer links, Hally mit Freundin und deren Schwester das rechts. Den Kindern gefiel es so gut dass sie fragten, ob sie auch hier übernachten könnten. Also quartierten wir sie im 3. Zimmer ein. Alle waren recht groß bemessen und verfügten jeweils über Dusche und WC. Großen Komfort boten sie nicht aber es war sauber, die Klimaanlage funktionierte und das Ganze kostete keine Baht 1.000,-- pro Tag.
    Wir räumten ein und duschten zunächst einmal. Danach gingen wir zum Essen. Wir mussten nicht weit gehen, verließen die Anlage, bogen nach rechts ab und sahen bereits einige kleine Garküchen an der Strandpromenade an denen es qualmte und von denen verlockende Düfte zu uns herüber zogen.
    Wir setzten uns und die Mädels bestellten. Nach wenigen Minuten kamen bereits unzählige Schalen, Teller und Töpfe mit dampfendem Essen an den Tisch. Es schmeckte hervorragend. Von einigen Dingen wusste ich nicht was es war aber ich überlegte nicht lange und probierte von allem.
    Es war inzwischen bereits wieder dunkel und wir gingen zurück zum Bungalow, die Kinder sollten nicht zu spät zu Bett gehen. Doi kam mit einem älteren Moped angefahren, hinter ihm saß ein weiterer junger Mann den Oi als ihren Schwager Sar vorstellte.
    Ich gab den beiden Geld und sie fuhren los um Getränke zu kaufen. Bier, Coke, Sangthip, Soda, Eiswürfel, Kartoffelchips etc.
    Sie kamen zurück und wir setzten uns alle an den Tisch auf dem Podest vor den Zimmern. Ich verstand kein Wort wenn sie sich in Thai unterhielten was mir ein wenig peinlich war. Das sollte sich bald ändern nahm ich mir vor! Wir tranken. Da Oi’s Familie Moslemisch ist war es ihnen eigentlich verboten Alkohol zu trinken. Gelegentlich taten sie es aber doch. Nur – sie vertrugen nichts. Nach den ersten Gläsern Bier hatten die beiden Jungs schon glasige Augen und hörten nicht mehr auf zu lachen. Hally und ich hatten nur den gröbsten Durst gelöscht und wir öffneten nun den ‚Whisky‘. Wir tranken ein/zwei Gläser und bemerkten, dass alle ‚Einheimischen‘ um uns herum bereits stark angetrunken waren. Die Stimmung war ausgelassen, es wurde unheimlich viel gelacht. Plötzlich sank Sar der Kopf auf den Tisch – er schlief. Erster Ausfall.
    Oi sagte zu ihrem Bruder er würde nun auch besser nach Hause fahren. Er stand auf, ging die Stufen nach unten und bestieg sein Moped. Nach 5 Metern konnte er sich nicht mehr darauf halten und legte sich sanft mitsamt seinem Gefährt seitlich in ein Gebüsch. Mir kamen die Tränen vor Lachen!
    Irgendwie schafften es die beiden dann doch zu Fuß nach Hause zu kommen. Das Moped ließen sie zurück.

    Am nächsten Tag war Oi’s Geburtstag. Gegen 9.00 Uhr stand ich auf und duschte. Aus meinem Gepäck holte ich den Walkman, den ich in Deutschland für sie gekauft hatte sowie das teuere Parfum, das ich am Flughafen in Frankfurt erstanden hatte. Ich weckte sie sanft indem ich ihr vorsichtig einen Kuss auf die Stirn gab. Sie wachte auf. Ich sagte ‚Happy Birthday‘. Sie setzte sich im Bett auf und ich gab ihr die Geschenke. Sie freute sich riesig und umarmte mich.
    Vom Nebenzimmer hörte ich Hally wütend rufen. Etwas wie ‚Verbrecher‘ und ‚Warte nur bis ich raus komme‘ war es!
    Ich öffnete unsere Tür. In dem Moment flitzte ein Affe wie von einer Tarantel gestochen davon. Er hatte vor der Tür von Hally’s Zimmer gesessen und offensichtlich daran geklopft, was Hally als unerhörte Störung seiner Nachtruhe empfand. Auf dem Hügel neben der Anlage turnten diese Gesellen den ganzen Tag herum, wurden von den spazieren gehenden Leuten mit Erdnüssen gefüttert und sie kamen natürlich auch an die Bungalows um dort etwas abzustauben.
    Nachdem alle wach waren sagte Oi, ‚wir fahren an den Ao Manao, das ist der schönste Strand im Ort. Dort kann man auch gut essen’.
    Wir bestiegen alle den Jeep. Die Kinder waren vorher schon auf wundersame Weise verschwunden, auch Doi’s Moped war weg. Er hatte sie wohl sehr früh abgeholt, sie mussten zur Schule.
    Wir fuhren durch den Ort und kamen an ein großes Tor das der Eingang zu einem Militärflughafen war! Was sollten wir hier? ‚Das ist der richtige Weg zum Strand, wir müssen durch die Kaserne fahren‘ sagte Oi.
    Der Wachmann lugte unter seinem Stahlhelm hervor, schaute uns alle genau an und deutete mit einer Kopfbewegung an, dass wir passieren konnten. Der Weg führte tatsächlich quer durch die Kaserne. Wir fuhren an Offiziersquartieren vorbei, kamen zu den Unterkünften für die Soldaten und standen plötzlich vor der Start- und Landebahn! Eine rot/weiß gestrichene Schranke stand geöffnet davor, weit und breit war keiner zu sehen der hier aufgepasst hätte. ‚Schau ob ein Flugzeug kommt oder startet, wenn alles klar ist können wir fahren‘ sagte Oi. Unglaublich, das war mehr als außergewöhnlich. Unvorstellbar in Deutschland!
    Nach dem flotten Überqueren der Betonpiste sah man zur linken nun den Strand. Große, Schatten spendende Bäume standen hier, es gab jede Menge freie Parkplätze und wir stellten den Jeep ab. Rechts der Straße gab es etliche kleine Restaurants sowie einen großen freien Platz, auf dem ein Wochenmarkt statt zu finden schien.
    Wir begaben uns nach vorne an den Strand. Niedrige Tische standen im Schatten, als Sitzgelegenheiten dienten eine Art Liegestuhl mit sehr kurzen Beinen. Ich setzte mich und sank tief im Stoffbezug des Stuhls ein. Würde es halten? Ich stellte mir das Gelächter vor wenn es laut RATSCH machte, der Bezug gerissen war und ich mit dem Hintern im Sand saß. Glücklicherweise passierte nichts. Durchatmen.
    Der Strand war sehr sauber, die vorgelagerten kleinen Inseln luden förmlich zu einem Besuch ein.
    Eine junge Frau kam zu uns und hatte eine Speisekarte dabei. Wir bestellten zunächst Getränke und dann gegrilltes Hähnchen, Klebereis, Papayasalat, scharfes Hähnchenhackfleisch mit Kräutern.
    Es schmeckte alles toll! Das Wetter war hervorragend, blauer Himmel, eine milde Brise wehte vom Wasser zu uns her, wir lehnten uns gesättigt in den Liegestühlen zurück. ‚Das nenne ich Urlaub‘ sagte ich und Hally genoss ebenfalls die friedliche Ruhe. Bei all dem Trubel, den er von Patong gewohnt war, kam ihm das hier wie ein Sanatorium vor sagte er.
    Wir blieben noch eine Weile und überlegten dann, wie wir Oi‘s Geburtstag feiern könnten. Die Mädchen sagten sie würden gerne einkaufen und am Abend würden wir alle zusammen bei Oi’s Familie ein schönes Essen machen. Das gefiel uns. Ich schlug vor dass wir gleich mit dem Jeep zum Markt fahren würden, Oi meinte aber es sei besser wenn die Männer zum Bungalow zurück gingen und die Frauen alleine einkauften.
    Also gab ich ihr Geld und fuhr mit Hally zurück. Wir setzten uns an den Tisch vor unseren Zimmern und tranken noch etwas. Er erzählte mir wie es ihn überhaupt nach Phuket verschlagen hatte, was so alles passiert war in den letzten 1,5 Jahren.
    Nach einer Stunde fuhr ein Moped mit angebautem Seitenwagen, der mit einer Plane überspannt war, in die Anlage. Als Fahrgäste die drei Mädels, schwer bepackt mit etlichen Plastiktüten voller Lebensmittel.
    Wir halfen ihnen alles nach oben zu tragen und stellten es in unserem Zimmer ab.
    Danach duschten wir und fuhren zu Oi’s Familie zurück. Die Tüten wurden in das Haus hinein getragen. Oi’s Mutter bot Hally und mir an, auf den Bänken im Freien Platz zu nehmen und schaltete den Deckenventilator ein. Em und Oi’s Schwestern waren von der Schule zurück und spielten lachend im Hof.

    Langsam aber sicher versammelte sich nun die ganze Familie im Hof. Doi (wieder ohne Frau), Sar und seine Ehefrau Noi, Oi’s ältere Schwester. Die beiden wohnten etwas weiter hinten im Gelände in einem Holzhaus. Sie hatten 6 Kinder und man sah ihnen an, dass sie es schwer hatten alle über die Runden zu bringen.
    Nun kam das Essen auf den Tisch. Fritierter Fisch, gebratene Garnelen mit viel Knoblauch, diverses Gemüse, ein Rindfleischcurry, Fisch in Soße und einiges mehr.
    Der kleine Tisch und die beiden Bänke boten nicht genügend Platz für alle und man überließ ihn uns, den Gästen. Der Rest der Familie setzte sich auf Bastmatten auf den Boden.
    Nun wurde gegessen, erzählt, gelacht – es war ein sehr schöner Abend.
    Als es für die Kinder Zeit wurde zu Bett zu gehen, räumte die Frauen ab. Alle verzogen sich nun in ihre Wohnungen und Hally und ich blieben als einzige übrig.
    Was machten wir nun mit diesem angebrochenen Abend? Ich fragte Oi was man noch unternehmen konnte in dem Ort. Nun, viel gibt es da nicht sagte sie. Keine Bars, keine Pubs. Nur einige Karaoke-Lokale.
    Das war Hally und mir recht, einmal unter Einheimischen in ihrem Umfeld zu sein.
    Die Mädels spülten das Geschirr, wir fuhren alle zum Bungalow, duschten und dann ging es los.
    Wir fuhren in den Ort hinein, Oi dirigierte uns zielsicher in eine Seitenstraße wo man rechts bunte Neonlichter erkennen konnte. Davor stand eine Frau die uns andeutete, dass wir direkt davor den Jeep parken könnten.
    Also alles aussteigen. Hally, Oi, Wan, Naa und ich. Ich weiß nicht ob wir die ersten Ausländer waren die das Lokal besuchten, man beäugte und fixierte uns jedenfalls äußerst genau. Allerdings immer mit einem Lächeln, wir kamen uns nicht schlecht dabei vor. Das Lokal war mehr oder weniger eine große Halle mit einer hell erleuchteten Bühne. Es standen Tische und Stühle in großzügigem Abstand zueinander da, man wieß uns den vermeintlich besten Platz zu. Es war, abgesehen von der Bühne, sehr dunkel und erst langsam gewöhnten sich meine Augen an das diffuse Licht. Ich verschaffte mir einen Überblick und sah, dass lediglich noch 2 der anderen Tische mit jüngeren Thailändern besetzt waren.
    Eine Bedienung kam an den Tisch und nahm unsere Bestellung auf. Wir bestellten Sangthip (Hally liebt das Zeug!), Coke und Eis.
    Auf der Bühne trat nun ein Mädchen auf, ich schätzte sie auf 20. Sie hatte ein kurzes Röckchen an, weiße Stiefel die ihr bis an die Knie reichten und eine bunte Bluse. Sah irgendwie aus als hätte man eine Erwachsene in ihre Klamotten aus den Teenagertagen gezwängt. Es sollte aber offensichtlich 5exy wirken.
    Sie sang. Es kam mir recht unmusikalisch vor, sie traf nur ab und zu einen Ton (nach meinem Empfinden), gab sich aber alle Mühe. Eine der Angestellten ging nach vorne und hängte ihr einen bunten Blumenkranz um. Oi sagte das wäre ein ‚Kompliment’ eines Gastes der dafür bezahlt hatte. Die Sängerin bekam von den paar Baht, die das kostete, auch einen geringen Anteil ab.
    Die Sängerinnen wechselten sich ab, es dürften ungefähr 15 gewesen sein. Dann gab es einen Song bei dem sie alle zusammen auf der Bühne waren. Mehr schlecht als recht bemühte sie sich, gemeinsam eine Schrittfolge einzuhalten. Die Choreographie ließ zu wünschen übrig. Einige schienen auch bereits dem Alkohol zugesprochen zu haben was ihnen das Ganz noch erschwerte.
    Wir tranken, unterhielten uns, Hally und ich schauten uns die Show an und vergaben Noten für die Darbietungen. An erster Stelle kam das Aussehen, dann der Gesang.
    Es war gegen 2.00h als wir aufbrachen. Wir bezahlten, es war wieder erstaunlich preiswert im Vergleich zu Phuket.


    To be continued…

  2.  
    Anzeige
  3. #22
    Avatar von Maadia

    Registriert seit
    29.01.2004
    Beiträge
    426

    Re: Erinnerungen

    [quote="Chang Nam",p="245894"]

    Ich bin kein Schriftsteller, daher mag der ein oder andere, den es vielleicht langweilt, nicht allzu enttäuscht sein. quote]

    da hast aber stark untertrieben super geschrieben da kann ich nur noch den THX drücken.
    habe gerade die ganze geschichte in einen rutsch durchgelesen weiter so
    Maadia

  4. #23
    Avatar von Chang Nam

    Registriert seit
    19.11.2004
    Beiträge
    264

    Re: Erinnerungen

    @ Maadia.

    Das Schreiben fällt mir relativ leicht, gerade über solch angenehme Dinge an die ich mich gerne zurück erinnere. Die Zeit vergeht wie im Flug wenn ich am PC sitze, leider komme ich nicht allzu oft dazu.
    Wenn denn die Bilder soweit verfügbar sind kann man sich das ein oder andere, wovon ich geschrieben habe, noch etwas besser vorstellen.

    Grüße
    Chang Nam

  5. #24
    UAL
    Avatar von UAL

    Registriert seit
    23.08.2003
    Beiträge
    8.198

    Re: Erinnerungen

    @ Chang Nam, :-)

    Du beschreibst das Leben, das Du dort kenngelernt hast sehr präzise, Erinnerungen kommen auch bei mir hoch, wenn ich z. B. an den Besuch der Karaoke-Show denke (bei mir damals im Isaan). Die Blumenkränze der "Fans" waren bei meinen Besuchen aus Kunststoff (rechnete sich wohl besser ) und man konnte sie den Sängerinnen persönlich überreichen.

    Nochmals ein Kompliment für Deine Schreibe, den THX-Knopf kann man ja leider nur 1x drücken. :-(

    Bin auf die Bilder gespannt

  6. #25
    Avatar von mipooh

    Registriert seit
    01.06.2005
    Beiträge
    6.152

    Re: Erinnerungen

    Echtes Leben und dann noch mit Herz rübergebracht, danke für den schönen Bericht.
    Dir und Oi viel Glück,
    mipooh

  7. #26
    Avatar von Chang Nam

    Registriert seit
    19.11.2004
    Beiträge
    264

    Re: Erinnerungen

    Letzter Teil.

    Wir fuhren zurück in den Bungalow und gingen zu Bett.
    Naa, die Schwester von Hally’s Freundin nahm am nächsten Morgen den Bus nach Khon Kaen. Naa war sehr hübsch und machte in Patong Beach jede Menge Geld im Gewerbe.
    Sie war beliebt bei den Kunden, war auch fast jeden Abend mehrmals unterwegs…
    Ich sah sie ein halbes Jahr später noch einmal in Patong Beach. Sie war verändert. Hatte sich die Nase operieren lassen und war viel stärker geschminkt als früher. Wiederum 6 Monate später war Naa nicht mehr da. Sie hatte AIDS. Naa starb mit 24. Als ich es hörte überzog mich eine Gänsehaut, wie jetzt wieder wenn ich dies schreibe. Ihre Geschichte war die von so manchem Mädchen. Mit 13 von den Eltern verkauft, in Bangkok im ....... gearbeitet, manchmal 15 oder mehr Männer an einem Tag.
    Später hatte sie sich freigekauft und auf ‚eigene Rechnung’ in Phuket gearbeitet. Sie war immer nett, lustig, höflich. Wie es in ihrem Innersten aussah kann man nur vermuten.
    Ich trauere um sie, auch wenn ich sie nicht so lange kannte.

    Wir blieben noch 2 Tage in Prajuab Kiri Khan, machten einen tollen Ausflug an den Nam Tok Huai Yang. Das liegt ungefähr 20 km südlich von Prajuab, ein kleines Schild am Highway weist den Weg. Wir fuhren ungefähr 8-10 km durch flaches Gelände an Feldern und kleinen Ortschaften vorbei bis wir in ein Waldgebiet kamen das ein wenig anstieg. Der Wasserlauf des Huai Yang Wasserfalls ergießt sich von Burmesischem Gebiet über etliche Kaskaden auf Thailändisches Gebiet. Der Aufstieg war recht schweißtreibend aber wunderschön. Das Wasser glasklar und frisch, man glaubte die zahlreichen Fische mit der bloßen Hand ergreifen zu können. Bei genauerem Hinsehen erkannte ich zwischen den Büschen und Bäumen oberhalb des Baches den ein oder anderen Uniformierten. Offensichtlich passte man hier auf damit keine illegalen Grenzgänger ins Land kamen.
    Wir erklommen den Wasserfall bis zur 5. Kaskade, dann wurde es zu steil und felsig und wir begannen mit dem Abstieg. Unten angekommen stärkten wir uns an dem offenen Lokal und fuhren später müde nach Prajuab zurück.

    Oi hatte all die Papiere, die ich mitgebracht hatte sowie ihre eigenen in ihrem Zimmer verstaut, einige Tage nach meiner Abreise würde sie nach Bangkok fahren um das Besuchsvisum zu beantragen.
    Sie hatte mir inzwischen auch gesagt dass sie einen 2. Sohn hatte. ‚Pla mük’ nannten sie ihn. Er lebte noch bei der Ex-Schwiegermutter, sie wollte ihn aber zu sich zurückholen weil er dort wo er jetzt war, nicht die entsprechende Aufmerksamkeit bekam. Er hatte recht dunkle Haut und wurde oft gehänselt, was ihn arg belastete.

    Wir fuhren wieder nach Phuket. Dieses Mal nahmen wir den Weg über Chumpon, quer rüber Richtung Myanmar, an der Grenze hinunter über Takua Pa. Sehr schöne Strecke, etwas kurvig aber abwechslungsreich. Oi sagte dass sie früher schon mit dem Bus hier unterwegs gewesen sei, allerdings zu Zeiten als die Straße nicht geteert war sondern aus rotem Sand bestand, an den Abhängen der Berge gab es keine Leitplanken und alle waren jedes Mal froh, wenn man gesund in Phuket angekommen war.
    Es war Nachmittag, warm. Hally fuhr, ich saß daneben und war eingenickt. Plötzlich gab es ein klopfendes Geräusch, der Jeep wurde unruhig und es stank nach Gummi. Ein Reifen war geplatzt! Na prima. Wir hielten an. Die Straße war an dieser Stelle zweispurig, es gab keinen Seitenstreifen und Hally parkte den Jeep so dicht es ging an den Hang neben der Fahrspur.
    Wir stiegen aus, es war tierisch heiß. Lkw fuhren laut hupend an uns vorbei, uns war nicht besonders wohl an dieser Stelle. Wir prüften das Ersatzrad auf der Heckklappe. Luft war drin, das Profil sah zwar nicht besonders aus aber das ginge schon. O.K, dann Bordwerkzeug. Wo könnte das wohl sein? Wir suchten und suchten, nichts zu finden.
    Etwas ratlos standen wir hinter dem Fahrzeug, weit und breit keine Ansiedlung, von einer Tankstelle oder Werkstatt wollten wir nicht einmal träumen.
    Da hielt auf der anderen Straßenseite ein Pkw-Kombi an. Der Fahrer stieg aus, Weißes Hemd, Krawatte. Ein Geschäftsmann. Auf der Seitenscheibe des Fahrzeuges war eine Aufschrift einer Firma angebracht, er war wohl auf Geschäftsreise. Die Beifahrertür öffnete sich ebenfalls und ein jüngerer Mann stieg aus. Sie kamen zu uns herüber und fragten was passiert war. Wir erklärten es ihnen. ‚Das haben wir gleich’ sagte der Ältere.
    Er ging zurück zu seinem Wagen und holte einen großen Werkzeugkasten aus dem Kofferraum. Dann krempelte er sich die Hemdsärmel hoch und er und sein Mitfahrer wechselten uns das Rad! In dieser Hitze, dicht neben den vorbeifahrenden Autos und Lkw die nicht die Geschwindigkeit reduzierten wenn sie sich uns näherten, es war recht gefährlich.
    Nach einigen Minuten war das Ersatzrad montiert, und der in Fetzen hängende alte Reifen hing auf der Heckklappe. Wir bedankten uns und ich fragte, was sie denn für ihre Dienste bekämen. ‚Selbstverständlich nichts’ sagte der Ältere. ‚Das war uns eine Ehre’. Ich bot ihnen etwas Kühles zum Trinken aus unserer Kühlbox an aber auch das lehnten sie höflich ab.
    Wir unterhielten uns noch kurz und erfuhren, dass sie bei einem Unternehmen angestellt waren das Entwicklerflüssigkeit für Fotolabore vertrieb und sie oft in Patong waren.
    Der Ältere war der Vertriebsleiter Südthailand.
    Wir versprachen uns auf jeden Fall zu revanchieren wenn sie das nächste Mal dort sein würden. Leider kam es nie dazu.

    Zurück in Patong verbrachten wir noch einige sehr schöne Tage in denen Oi und ich tagsüber nach Karon, Kata, Rawaai, Nay Yang und all die anderen schönen Strände fuhren.
    Am Patong Beach hielten wir uns allerdings nie auf, da war uns der Trubel zu groß.
    Die Abende verbrachten wir manchmal bei Hally an seiner Bar. Oi war jetzt nur noch Gast und ihre Nachfolgerin Dum machte den Job mehr schlecht als recht. Sie schaute immer griesgrämig drein, lachte nicht und hatte offensichtlich keine rechte Lust.
    Hally bedauerte es umso mehr dass Oi nicht mehr für ihn arbeitete aber er sagte auch oft, dass er sich für uns freue.
    Nun kam wieder der Tag des Abschiedes. Ich dachte es würde nicht so schlimm werden wie beim ersten Mal, 3 Monate zuvor. Weit gefehlt! Oi hatte mir wieder ein Blumengebinde besorgt das sie mir überreichte kurz bevor ich durch die Passkontrolle gehen musste und ich weinte wieder. Allerdings war es dieses Mal ein klein wenig anders da ich wusste, ich würde sie bald wieder sehen. Und darauf freute ich mich unglaublich. Ich würde ihr meine Heimat zeigen, 2 Wochen mit ihr und meiner Familie in Spanien verbringen.

    Nachdem ich zu Hause allen erzählt hatte welch schöne Tage ich mit Oi und ihren Freunden und ihrer Familie verbracht hatte, zählte ich bereits wieder die Tage bis sie nach Deutschland kommen würde. Ich hoffte dass es keine Probleme geben würde mit ihrem Visum, wir telefonierten sehr oft und eines Tages rief sie an und sagte ‚Alles Klar, in 3 Tagen kann ich das Visum holen’! Das war das Schönste was ich seit langem gehört hatte.
    Der Tag ihrer Ankunft rückte näher und ich wurde zusehends nervöser.
    Sonntag morgens um 6.40h sollte sie landen. Ich war um 6.00h bereits am Flughafen und schritt in der Wartehalle hin und her wie ein Tiger im Käfig.
    Da, die Maschine war gelandet. Klasse! Noch 20-30 Minuten, dann müsste sie heraus
    kommen. Nach einer Weile öffnete sich die automatische Tür und die ersten Fluggäste kamen heraus. Einige Thais, viele Deutsche. Ich schaute nach ihr, sah sie aber nicht. Na ja, vielleicht dauert es ein wenig länger mit dem Gepäck. Es dauerte. Es wurden weniger und weniger Leute die heraus kamen. Dann kam niemand mehr! Was war los, hatte sie sich verlaufen?
    Dann eine Durchsage ‚Herr S. bitte zur Information’! Oh Gott, was war nur los?
    Ich ging zum Schalter. Ich bin Herr S., wurde soeben ausgerufen. ‚Ah ja, sie sollen zum Bundesgrenzschutz kommen’! Oh je oh je, was war passiert?
    Ich hatte Horrorszenarien vor meinen Augen. Oi hatte ein Päckchen für Bekannte mit nach Deutschland genommen das Drogen enthielt oder ähnliches. Man hatte ja schon so manches gehört. Ich kämpfte mich durch etliche Sperren hindurch bis ich an das Büro des BGS kam.
    Ich ging hinein. Da saß sie auf einem Stuhl, verschüchtert, übernächtigt, kaputt. Als sie mich sah kam ein Glänzen in ihre Augen und sie sprang auf und umarmte mich. Ich wollte laut HURRAH schreien, ließ es aber angesichts der Anwesenden sein.
    Dann drehte ich mich dem Beamten zu, der hinter einem Schreibtisch saß. Ich fragte was denn los sein. ‚Wir wollen nur sehen wer die Personen abholt wenn sie das erste Mal einreisen’! So etwas Dummes hatte ich lange nicht gehört. Ich sagte die Papiere seien doch alle in Ordnung, ich hatte gebürgt, das Visum war erteilt. ‚Schon’, meinte er ‚aber wenn niemand kommt um die Personen zu holen schicken wir sie mit der nächste Maschine wieder zurück’! Ich hätte ausrasten können, hielt mich aber zurück. Wir konnten gehen. Oi war müde, verängstigt, sie fror.
    Wir holten ihren Koffer der einsam seine Runden auf dem Kofferband drehte. Alle anderen Passagiere des Fluges waren längst in ihren Fahrzeugen und auf dem Heimweg.
    Etwas mehr als eine Stunde später kamen wir bei uns zu Hause an.
    Meine Eltern hatten ein schönes Frühstück vorbereitet. Sie begrüßten Oi voller Freude, meine Mutter umarmte sie. Ich erzählte warum wir etwas verspätet waren. Oi trank nur einen Kaffee. Sie hatte keinen Appetit, wollte nur schlafen.
    Das tat sie dann den ganzen Nachmittag durch bis zum nächsten Morgen um 8.00h! Ich sah immer wieder nach ihr und konnte mich an ihrem hübschen, friedlichen Gesicht nicht satt sehen.

    Wir verbrachten eine sehr schöne erste Woche. Ich fuhr mit ihr in den nahe gelegenen Schwarzwald. Sie war begeistert von den Bäumen die so anders aussahen als in ihrer Heimat, von den rotbäckigen Äpfeln die schwer an den Ästen hingen, vom klaren Mummelsee. Wir fuhren von Nord nach Süd über die Schwarzwaldhochstraße an den Titisee.
    Machten eine Seerundfahrt auf dem oberen, offenen Deck eines kleinen Ausflugdampfers, hatten ein sehr gutes Mittagessen. Oi schwärmte noch lange von dem tollen Steak das sie dort bekam. Ich war heilfroh dass sie etwas gefunden hatte auf der Karte, als Moslem isst sie kein Schweinefleisch und da ist die Auswahl oft sehr begrenzt.

    Dann fuhren wir mit meinen Eltern nach Südspanien. Mein jüngster Bruder mit Frau und 3 Kindern war bereits eine Woche vorher gefahren. Nach einer 22-stündigen Fahrt kamen wir endlich an. Die 2 Wochen waren herrlich! Wir hatten ein sehr schönes Haus mit Pool, Oi kochte jeden Tag leckere Kleinigkeiten und es gefiel ihr sehr, dass wir auf dem Markt immer frische Meeresfrüchte kaufen konnten.
    Wir unternahmen Tagesausflüge nach Alicante, Elche, Cartagena und in das Andalusische Hinterland. Abends wurde meist gegrillt oder wir gingen in eines der idyllischen Lokale, teilweise in Orangen- und Zitronenhaine eingebettet, um die Spanische Küche zu genießen.

    Nach der anstrengenden Rückfahrt blieb uns nur noch 1 Woche. Wir trafen uns mit einigen meiner alten Freunde, machten Grillfeste, fuhren in den Pfälzer Wald. Oi gefiel es sehr gut, meine Familie war begeistert von ihr und es waren harmonische Tage.
    Am Vorabend ihrer Abreise hatte ich schon Probleme meine unendliche Trauer zu verbergen.
    Am nächsten Morgen wurde es dann richtig schlimm. Meine Mutter weinte, meine beiden Schwägerinnen, die zum Abschied gekommen waren, weinten. Oi ging alleine durch unseren großen Garten, roch noch einmal an den duftenden Rosen, strich sanft mit der Hand über die Blüten als wollte sie alles in sich aufsaugen und möglichst lange behalten.
    Meine Mutter sagte ‚sage ihr bitte sie soll wiederkommen und bleiben, mit ihren Jungs’.
    Oh Gott war das alles schwer an dem Tag...
    Ich fuhr sie an den Flughafen, noch 20 km nach der Abfahrt sah ich nur verschwommen, die Tränen liefen mir herunter wie einem kleinen Kind.
    Es war Ende August und ich würde sie erst wieder Ende Dezember sehen, am 30.12. war mein nächster Flug gebucht.


    Nun war ich wieder alleine. Oi so weit von mir entfernt, es waren 4 Monate bis zum Wiedersehen. Wir telefonierten sehr viel und meine Telefonrechnung nahm unglaubliche Höhen an.

    Die 4 Monate waren eine sehr lange Zeit und wir beschlossen, dass sie im folgenden Jahr für 3 Monate zu Besuch kommen würde.

    So folgte also ein Urlaub meinerseits im Dezember 1996/Januar 1997 in Thailand für
    4 Wochen. Im Mai 1997 flog ich wieder hin, wie feierten Oi’s Geburtstag und auf dem Rückflug saß sie neben mir in der Maschine, welches Gefühl!!!

    Ebenfalls in der Maschine saßen Heinrich und Hally.
    Eine Woche vor meinem Abflug hatte Heinrich mich zu Hause angerufen und gesagt, dass Hally einen sehr schweren Mopedunfall hatte. Man wisse nicht ob er überleben würde!
    Als ich in Phuket angekommen war fuhr ich mit Oi in das Bangkok-Phuket Hospital wo er schwerstverletzt lag. Offener Trümmerbruch des linken Schienbeins, Ober- und Unterkiefer gebrochen, Nase zertrümmert, Jochbeine zertrümmert, er sah als sei er unter einen Zug gekommen. Sein Gebiss war verdrahtet, er konnte nicht reden und atmete durch einen Luftröhrenschnitt! Die Ärzte stellten fest dass sie ihn hier nicht operieren konnten. Man schickte Röntgenbilder nach Deutschland und aus dem Klinikum in Pforzheim kam eine Antwort, dass er schnellstmöglich nach Deutschland geflogen werden müsse zur Operation.
    Aufgrund seiner schweren Verletzungen war nur die Thai Airways bereit ihn zu transportieren, allerdings musste eine Begleitperson dabei sein. Heinrich übernahm diesen Job.
    Natürlich Business Class, anders flog Heinrich nicht. Auf Hally’s Kosten.
    Er wurde in Pforzheim 7 Stunden lang operiert und sie flickten ihn wieder einigermaßen zusammen. Er war dem Tod noch mal von der Schippe gesprungen!

    Oi blieb die 3 Monate in Deutschland und wir hatten eine sehr schöne Zeit. Es gab, wie bei allen Paaren, auch den ein oder anderen Zwist aber das gehört nun mal dazu.
    Eines Tages fragte ich sie dann ob wir heiraten wollten. Sie stimmte zu und machte mich zum glücklichsten Mensch der Welt in diesem Moment!

    Zu dieser Zeit wurde in Prajuab Kiri Khan ein Neubaugebiet erschlossen und wir entschieden uns, eines der Häuser zu kaufen.
    Somit hatten wir ein Feriendomizil und etwas ‚für später’, wenn es denn soweit kommen sollte dass wir in Thailand leben.

    Wir kümmerten uns nach ihrem Aufenthalt um die erforderlichen Papiere. Am 02.01.1998 flog ich nach Bangkok wo sie mich am Flughafen erwartete. Wir heirateten am 07.01.1998 im Standesamt Bang Rak.
    Im Mai 1998 flog ich wieder nach Thailand um Oi und Em (er hatte dann 3 Jahre Schule hinter sich) zu holen. Alles klappte problemlos, wir waren eine Familie.
    Em’s kleiner Bruder lebte mittlerweile bei Oi’s Mutter. In den nächsten beiden Jahren verbrachten wir 3 Urlaube in Thailand, ich lernte mehr von der Kultur und vor allem von der Sprache und wir beschlossen auch Oi’s jüngeren Sohn ‚Pla Mük’ nach Deutschland zu holen, wenn er die ersten 3 Jahre Schule in Thailand hinter sich hatte.
    Das war dann im Mai 2001 der Fall. Meine Frau flog nach Thailand und kam 2 Wochen später mit dem Kleinen und ihrer Mutter zu uns. Wir hatten sie eingeladen. Zu unserer Kirchlichen Hochzeit im Mai 2001.
    Tja, seit 4 Jahren leben wir vier sehr glücklich zusammen. Ich liebe meine Frau, ich liebe die Kinder und sie geben mir alles hundertfach zurück.
    Die Jungs sind hervorragend in der Schule, sind höflich, zuvorkommend. Oft so ganz anders als viele ihrer Klassenkameraden. Einfach nur Klasse!


    Noch einige Anmerkungen zu den anderen Personen die in diesem Bericht genannt wurden.

    Wan, Hally’s Freundin.
    Er war 2 Jahre mit ihr zusammen. Warum wussten wir alle nicht. Sie war nicht hübsch, sie war ungebildet, sie trank, war unordentlich, vernachlässigte ihre kleine Tochter die sie nach einer Weile aus dem Isaan nach Phuket hatten nachkommen lassen.
    Eines Tages schrieb Hally mir dass Wan schwanger war. Bei meinem nächsten Aufenthalt in Phuket erzählte er mir, dass sie das Kind im 8. Monat verloren hatte. Sie hatte sich betrunken, wie sie oft war, auf der Toilette auf den Toilettensitzring gestellt, rutschte aus und knallte mit dem Unterleib auf die Kante. Im Krankenhaus konnten sie das Kind nicht retten.
    Hally bekam es in einer Plastiktüte eingepackt mit nach Hause. Er hatte die Tüte am Lenker seines alten Mopeds hängen als er nach Patong zurück fuhr. Brachte es in den Tempel wo es bestattet wurde.

    Heinrich.
    Er war 1995 mit einem kleinen Vermögen nach Thailand gekommen. Hally sagte er schätzte, dass Heinrich mindestens DM 400.000,-- hatte als sie umsiedelten. Ein Viertel davon hat er in den ersten Monaten gleich an seine erste Thailändische Freundin verloren. Er hatte sich ein Stück Strand gekauft und Liegestühle vermietet. Natürlich alles auf den Namen der Dame. Als er eines Tages von einem Kurzaufenthalt in Deutschland zurück kam war der Safe ausgeräumt, eine Menge Bargeld und eine dicke Goldkette weg. Der Strand war verkauft, die Lady hatte sich aus dem Staub gemacht.
    Seit diesem Zeitpunkt hatte Heinrich sich verändert. Er hasste alles und jeden, wollte aus allem nur noch Kapital schlagen, gönnte niemandem sein Glück. Er war verbittert, trank. Schon morgens um 9.00h ging es mit Wodka los.
    Heinrich starb im Juni 2003. Alkoholiker, Leber kaputt, abgemagert, ausgemergelt, enttäuscht, verarmt. Am Ende hatte er noch Schulden beim Vermieter seiner kleinen Wohnung.
    Hally kümmerte sich um die Formalitäten. Heinrich’s Angehörigen war es zu teuer, seinen Leichnam nach Deutschland fliegen zu lassen. Also ließ Hally ihn im Tempel einäschern. Die Asche wurde in der Andamanen See verstreut.

    Hally.
    Er versuchte zwei Jahre lang verzweifelt, sich mit der Bar über Wasser zu halten.
    In der Hauptsaison klappte das ganz gut, in der Low Season musste er oft von einer Päckchen Nudelsuppe pro Tag leben. Dann entschloss er sich für einen Tourunternehmer Jeepfahrten mit Touristen in die südlichen Regionen Thailands durchzuführen. Illegal, ohne Arbeitserlaubnis. Er lebte ganz gut davon aber letztes Jahr wurde ihm die Sache zu heiß. Zwei Kollegen von ihm wurden erwischt und des Landes verwiesen.
    Im Oktober letzten Jahres eröffnete er mit seiner Freundin, mit der er seit 3 Jahren zusammen ist, ein kleines Lokal in Patong. Es läuft gut, es geht ihm besser als je zuvor
    Freut mich für dich Hally, bist ein guter Kerl!!

  8. #27
    Avatar von derregulator

    Registriert seit
    10.03.2005
    Beiträge
    240

    Re: Erinnerungen

    @Chang Nam,
    Super Bericht , da bekommt man ja richtig Gänsehaut.
    Tja der Fall Heinrich, sie gibt es zuhauf in LOS, habe so was ähnliches auf Samui 1990 erlebt. Charlie, der Besitzer der damaligen Bamboo Bar in Lamai ist auch als Alkoholiker in die ewigen Jagdgründe eingegangen, er hat aber wenigstens noch Spaß am Leben gehabt.

  9. #28
    UAL
    Avatar von UAL

    Registriert seit
    23.08.2003
    Beiträge
    8.198

    Re: Erinnerungen

    @ Chang Nam, :-)

    bei der Schilderung Deiner Geschichte sind mir einiege Male die Tränen in die Augen geschossen...

    Ich hoffe, ihr habt eine schöne, zufriedene Zukunft

  10. #29
    Avatar von Chang Nam

    Registriert seit
    19.11.2004
    Beiträge
    264

    Re: Erinnerungen

    @ UAL

    Mir selbst ging es auch so, auch wenn diese Dinge teilweise schon etliche Jahre zurück liegen. Es waren doch sehr einschneidende Erlebnisse. Momentan zähle ich wieder die Tage bis zum Abflug, am 25.07.05 ist es endlich wieder so weit.

    Choak dee na khrap
    Chang Nam

  11. #30
    Avatar von ling

    Registriert seit
    07.02.2005
    Beiträge
    1.761

    Re: Erinnerungen

    @ Chang Nam:

    Ich fing gestern an, diesen Thread durchzulesen... Nach den ersten spannenden 20 Min musste ich unterbrechen, um den THX button zu drücken!

    Dann lies ich weiter... und weiter... musste dann dummerweise abbrechen, da ich mich für den Abend mit Freunden verabredet hatte. Ich musste oft an deine Geschichte denken, als wir gestern zusammen saßen. Irgendwie hat mich dieser Thread richtig berührt, weil er so -lieb und ehrlich geschildert ist! (Wie UAL schon sagte "live dabei" :bravo Man kann sich wirklich alles vorstellen, als hätte man das miterlebt! Thailandfeeling pur!...

    Zum "Nachwort":

    Jeder hat bekommen, was er verdient hat!

    - Du und Oi: Du hast Oi gefunden, (Freut mich echt riesig für dich! Deine Art, wie du geschrieben hast, zeigt, dass du ein herzensguter Mensch sein musst!! ) vice versa!
    - Wan: Wan hat sich ihr Karma versaut...
    - Heinrich: Heinrich musste mit seinem Leben (teuer) dafür bezahlen, dass er andere (Thais) nicht als Menschen ansah und nur noch sein blödes Geld im Kopf hatte, verbittert durchs Leben ging.
    - Hally: Hally hat, wie du sagst, mittlerweile (verdienterweise) Erfolg!
    - Naa: Naa hat mit dem Feuer gespielt und sich dabei verbrennt. Ob sies verdient hat, kann ich nicht sagen. Ich denk aber eher nicht... Auf der anderen Seite haben sich bestimmt einige (viele?!) Männer, die mit ihr 5ex hatten, bei ihr mit dem HIV-Virus infiziert und mussten (oder müssen) auch (noch) teuer dafür zahlen. Sie hatte es bestimmt nicht leicht gehabt! Naa tut mir echt Leid... Alle, die auf solche Weise sterben müssen, tun mir Leid! Aber das Leben ist nicht immer gerecht!


    Vielen Dank, dass du uns so detailiert an deiner "Lebensgeschichte" hast teilnehmen lassen. Wünsch dir und Oi alles alles Gute!

    Und noch was:

    Ich bin kein Schriftsteller
    der war gut!

    Mit viel Respekt:

    Ling


    PS: Eine Frage bleibt noch offen: In welcher Sprache habt ihr (du und Oi) euch unterhalten? Sprach sie von Anfang an Deutsch oder Englisch? (Falls, du das irgendwo geschrieben hast, ist es mir entgangen, pardon!)

Seite 3 von 5 ErsteErste 12345 LetzteLetzte

Ähnliche Themen

  1. Musik und Erinnerungen an alte Zeiten
    Von NAN im Forum Sonstiges
    Antworten: 193
    Letzter Beitrag: 02.06.17, 18:15
  2. Erinnerungen
    Von Chang Nam im Forum Treffpunkt
    Antworten: 15
    Letzter Beitrag: 19.05.05, 09:19
  3. Augenblicke der Erinnerungen
    Von Chonburi's Michael im Forum Literarisches
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 20.07.04, 15:39
  4. Erinnerungen an die blutigen Unruhen zwischen dem 17-19 Mai
    Von Otto-Nongkhai im Forum Treffpunkt
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 14.05.03, 00:33
  5. ...Erinnerungen anderer Art:
    Von Kali im Forum Sonstiges
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 05.06.02, 18:42