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Erinnerungen

Erstellt von Chang Nam, 19.05.2005, 09:10 Uhr · 42 Antworten · 4.137 Aufrufe

  1. #11
    Avatar von dulidirk

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    Re: Erinnerungen



    @ Chang Nam
    also bei dem Abschied hab ich es ja selbst schwer die Augen "trocken" zu lassen

    Ist wirklich klasse geschrieben und teilweise hab ich das Gefühl ich würde meine eigenen Erinnerungen lesen und wieder erleben!!

    Also lass dich bitte nicht aufhalten und kräftig weiter.

    Gruß dulidirk

  2.  
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  3. #12
    Avatar von pipe

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    Re: Erinnerungen

    wunderschön

  4. #13
    Avatar von Chang Nam

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    Re: Erinnerungen

    ich werde in den nächsten tagen versuchen noch einige bilder zu veröffentlichen. ist halt meist landschaft.
    mit dem bericht geht es dann am montag ebenfalls weiter.

    grüsse
    chang nam

  5. #14
    Avatar von Chang Nam

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    Re: Erinnerungen

    Es geht weiter...


    Zurück in Deutschland

    So, nun war ich wieder zurück. 17 Tage Thailand die mich unglaublich beeindruckt hatten obwohl ich von Land und Leuten eigentlich kaum etwas wusste. Aber alleine die Natur, das Klima und natürlich in erster Linie die Begegnung mit Oi hatten alles auf den Kopf gestellt was mir bisher wichtig gewesen war.
    Mein Bruder J. holte mich am Flughafen ab. Wir begrüßten uns und er sah gleich die Rosen in meiner Hand.
    ‚Hee, von wem sind die denn‘? fragte er. ‚Von Oi‘ sagte ich und strahlte über das ganze Gesicht! ‚Oh hoooo, na das ist aber nett. Zum Abschied bekommen oder was‘? ‚Ja, wir sind zusammen‘!
    Das war nun wirklich eine Überraschung für ihn. Er freute sich für mich.
    Auf dem Heimweg erzählte ich ihm was während seiner Abwesenheit noch alles passiert war.
    Ich spielte mit dem Gedanken im Mai, zu Oi’s Geburtstag, wieder hin zu fliegen. Das gefiel ihm auch, er ermunterte mich dazu und konnte es verstehen.
    Zwei Tage später musste ich wieder arbeiten. Montag. Kalt in Deutschland, nicht nur das Wetter.
    Alles und alle erschienen mir zu abgeklärt, zu gefühllos. Mir fehlte das Lachen, die Lebensfreude der Menschen die ich in den vergangenen 17 Tage erleben durfte. Und mir fehlte Oi. Es verging keine Minute in der ich nicht an sie dachte.
    Montag nachmittag, es waren erst 4 Arbeitsstunden vergangen. In der Mittagspause setzte ich mich in mein Auto und fuhr zum Reisebüro, bei dem ich den ersten Flug gebucht hatte.
    Ich buchte einen Flug nach Phuket. Für den Mai, 3 Tage vor Oi’s Geburtstag würde ich dort landen.
    Als ich die Buchungsbestätigung in Händen hielt hätte ich laut HURRA schreien können.
    Zurück im Büro schickte ich Heinrich ein Telefax. Ich teilte ihm mit dass ich wieder gebucht hätte und bat ihn, Oi zu informieren. Ungefähr 2 Stunden später kam ein Telefax von ihm zurück. Er hatte meine Nachricht weitergegeben und alle würden sich freuen, dass ich bald wieder komme. Besonders Oi. Im unteren Drittel der Seite war mit der Hand das Gesicht eines Mädchens aufgemalt, daneben ein Herz mit einem Pfeil hindurch. ‚Love You – Oi‘ stand daneben. Mir kamen die Tränen vor Glück! Ich tat als würde ich in einer der unteren Schreibtischschubladen etwas suchen, damit meine Kollegen nichts davon mit bekamen.

    Abends erzählte ich meinen Eltern, in deren Haus ich wohnte, dass ich im Mai wieder nach Thailand fliegen würde. Sie waren erstaunt, hatten nicht damit gerechnet. Als ich dann aber sagte dass ich wegen eines Mädchens wieder hinfliegen würde, waren sie um so überraschter. So kannten sie mich eigentlich nicht.
    Ich erzählte ihnen nun etwas mehr über die Sache und dann sagten sie dass sie sich freuten.
    War schön zu hören.

    In den folgenden Wochen zählte ich die Tage bis zum erneuten Abflug, strich sie auf einer Liste an meinem Arbeitsplatz ab. Ich telefonierte oft mit Heinrich und Hally, schickte ihnen Telefaxe. Jedes Mal, wenn das Gerät im Büro eine eingehende Nachricht signalisierte, ging ich schnell hin um zu sehen, ob es eine neue Nachricht aus Thailand war.

    Für die Sommerferien hatten mein jüngster Bruder mit seiner Familie sowie meine Eltern einen 14-tägigen Urlaub in Südspanien geplant. Sie fragten ob ich nicht mitkommen wolle. Nun, ich wäre viel lieber auch im Sommer nochmals nach Thailand geflogen. Andererseits hatten mich alle Familienangehörigen gefragt, ob ich Oi nicht für einen Urlaub in Deutschland einladen könne. Mir kam die Idee einfach beides zu verbinden! Oi sollte für 4 Wochen zu uns kommen, zwei davon würden wir zusammen in Spanien verbringen.
    Das gefiel allen! Nun wurde es hektisch. Wie stelle ich das an, was muss ich tun, Papiere, Anträge, Ticket?
    Es gab aber nichts Wichtigeres für mich in dieser Zeit.
    Per Telefax verständigte ich Heinrich. Am gleichen Tag kam ein Fax zurück an mich, Oi war einverstanden und freute sich darauf. Er schrieb dass sie sofort ganz hippelig wurde und gleich fragte, was sie denn alles tun müsse.
    Beim Ausländeramt erkundigte ich mich nach allem, was ich hier tun musste. Heinrich beauftragte ich, in Patong einen Flug für sie zu buchen. Nach einigen Wochen war soweit alles vorbereitet.
    Ich schickte die Unterlagen per Telefax zu Heinrich, die Originale würde ich im Mai dann noch mitnehmen.
    In Südspanien würden meine Eltern in der Wohnung von Bruder J. wohnen, der jüngste Bruder und ich mieteten ein zweistöckiges Haus mit Pool. Unten die große Wohnung würde R. mit Familie bewohnen, Oi und ich oben die kleinere.
    Die Zeit verstrich viel zu langsam. Noch 80 Tage bis Thailand, noch 70, 50...Es wurden unzählige Telefaxe hin- und her geschickt die ich alle gesammelt habe, sie füllen einen großen Leitz Ordner.

    2. Urlaub in Thailand

    Dann war es tatsächlich so weit. Ich flog wieder nach Phuket.
    Wieder mit der Singapore Airlines, gleiches Prozedere wie im Januar. Ich kannte mich ja nun aus...
    Mit Hally hatte ich telefoniert, er würde einen Jeep für mich mieten und mich am Flughafen abholen.
    Wohnen konnte ich in Heinrich‘s Bungalow da er just zu dieser Zeit für einige Wochen in Deutschland sein würde. Das war mir ganz recht. Er wohnte recht angenehm in Hanglage. Man musste gegenüber des kleinen Betonwerkes in Patong einen schmalen Pfad nach oben fahren und kam an die Häuser, die auf Betonpfählen an den Hang gebaut waren.
    Ankunft in Phuket. Beim Landeanflug sah ich, dass es stark regnete. Nach der Zollabfertigung ging ich durch die Empfangshalle, weder Hally noch Oi zu sehen. Ich ging auf den Ausgang zu, die Schiebetür öffnete sich. Draußen regnete es dass man fast keine 20 Meter weit sehen konnte!
    Einer der zahlreichen, auf Fahrgäste wartenden Taxifahrer sprach mich an. ‚Sir you wann Taxi‘? ‚No, thank you, a friend will come and pick me up‘ sagte ich.
    ‚Oh you heb ol Lady‘? sagte er. Das verstand ich nun gar nicht. Was wollte der denn? ‚Sorry, what do you mean‘? ‚You heb ol Lady?! kam es wieder. ‚No, ich have a very young lady!‘ sagte ich nun. Ich hätte prusten können vor Lachen, wie brachte der Typ mich in Verbindung mit einer alten Dame?
    Er ging weg und schüttelte mit dem Kopf.
    Da kam ein Jeep angefahren, Hally stieg aus. ‚Sorry, unterwegs steht dermaßen viel Wasser auf der Straße dass ich nicht schneller fahren konnte‘ sagte er. Ich hielt Ausschau nach Oi. Da ging die Beifahrertür auf und sie stieg aus. Ich ließ Hally stehen, ging ihr entgegen und nahm sie in den Arm. Oh Gott wie ich sie vermisst hatte! Ich küsste sie auf die Wange, drückte sie an mich. Sie blinzelte mich mit feuchten Augen an. ‚I missed you very much‘ sagte sie.
    Wir waren beide sehr glücklich, genossen den Augenblick. Der starke Regen, all die Menschen um uns herum störten mich nicht. Ich ging davon aus, dass die Anwesenden solche Szenen eh jeden Tag zu sehen bekamen, für sie war das nichts Besonderes.
    Wir luden mein Gepäck in den Jeep und fuhren Richtung Patong.
    Unterwegs hörte es auf zu regnen, wir stoppten an einer Tankstelle und tranken etwas. Ich hatte tierischen Durst
    und wollte nicht warten bis wir in Patong ankommen würden.
    Wir saßen an dem kleinen runden Tisch auf den Steinbänken und tranken Coke und Fanta. Ich erzählte Hally von dem Taxifahrer der mich wegen der ‚Ol lady‘ angesprochen hatte. ‚Already‘ sollte das heißen sagte er, ‚already‘!
    Ah ha, jetzt ergab das auch einen Sinn. Gar nicht so einfach hier mit der Sprache, an das Englisch musste ich mich wohl gewöhnen.
    Wir fuhren weiter, kamen an Heinrich’s Bungalow an. Hally schloss auf, wir trugen das Gepäck hinein.
    Zunächst kam man in das Wohnzimmer, ein Raum von ca. 30qm. Ein kleines Sofa mit einem niedrigen Tisch stand da, daneben auf einem Schränkchen das Faxgerät. Darüber in luftiger Höhe ein kleiner Buddhaschrein vor dem in einer kleine Vase Blumen standen, daneben zwei Schnapsgläser.
    Es gab einen großen Fernseher, eine Stereoanlage, jede Menge Videocassetten. Heinrich machte ein paar Baht damit diese an ‚Farang‘ zu vermieten. Die Sorte die in Thailand eigentlich verboten war ging am besten hatte er mir einmal erklärt. Teresa Orlowski war der Hit....
    Ein kleiner Flur führte nach hinten, rechts ging es ins Schlafzimmer. Es wurde dominiert vom großen Doppelbett das gemauert zu sein schien! Die stabile Matratze schloß an der oberen Kante der gefliesten Umrandung ab.
    Geradeaus nach hinten kam man ins Badezimmer. Recht groß, komplett gefliest, Toilettensitz. Aber ich vermisste die Brause. Dafür gab es in der Ecke eine große gemauerte Wanne die mit Wasser gefüllt war. ‚Typische Thaidusche‘ sagte Hally. Na ja, ob das so toll war? (Später stellte ich fest, dass man auf die Art wie die Einheimischen duschten, mit der Schöpfkelle, wesentlich mehr Wasser abbekam als mit der Brause und ich genoss es!)
    Die große Wohnküche war sehr aufgeräumt, sauber, es gab einen Tisch mit 4 Stühlen, eine saubere Spüle, Kühlschrank – alles da. An der Decke ein großer Ventilator. Also soweit schien alles klar zu sein. Es gefiel mir. War mir auch lieber als ein Hotelzimmer, man war doch mehr unter sich, konnte sich etwas ungezwungener bewegen.
    Hally fuhr los und wir vereinbarten, dass er uns 2 Stunden später wieder abholen sollte.
    Wir packten aus (Oi hatte nicht soviel Gepäck wie ich), räumten ein. Danach duschten wir und warteten auf Hally.

    Einige Wochen vor meinem Abflug hatte Hally mir geschrieben, dass Oi wieder zurück zu ihrer Familie nach Prajuabkirikhan gehen würde. Die Arbeit als Barkeeper machte ihr keinen Spaß, vor allem nicht die ewige Anmache der Gäste. Ich verstand das nur zu gut. Mich hatte es auch gestört, vor allem seit dem Zeitpunkt als wir uns näher gekommen waren beäugte ich jeden mit Argusaugen, der mit ihr sprach.
    Oi sagte sie habe einiges an persönlichen Utensilien zu transportieren, es sei auch eine große Kiste dabei die aber schwer war. Ich sagte wir würden uns das am nächsten Tag anschauen und entscheiden, wie wir verfahren.
    Die wichtigen Unterlagen für ihr Visa versteckte ich gut in einem Schrank, die durften auf keinen Fall weg kommen.
    Hally kam und wir fuhren los.
    Da war alles wieder. Die warme, schwüle Luft, die Düfte, die Geräusche, die kleinen Läden die allerlei Dinge anboten und in der Dunkelheit von Neonröhren in verschiedenen Farben ausgeleuchtet wurden. Herrlich wieder hier zu sein!
    Zunächst einmal etwas essen, gegenüber dem Paradise-Hotel. War das lecker, nach 4 Monaten wieder Thai-Food! Wir haben Tom Yam Thalee bestellt, Pla thord gratiam prik thai, gai thord.
    Danach fuhren wir zur Soi Eric, Hally musste schließlich seinen Geschäften nachgehen und Oi war ja immer noch bei ihm angestellt. ‚Mensch, wegen dir verliere ich die beste Barkeeperin die ich jemals hatte‘ sagte Hally. Aber er lachte dabei und sagte er würde sich für uns beide freuen. Hally ist ein sehr lieber Kerl. Manchmal ist die Wahl seiner Worte nicht ganz jugendfrei aber ich habe in all den Jahren, die ich ihn nun kenne, niemals erlebt dass er jemanden wirklich beleidigt oder beschimpft hatte. Anders als Heinrich... Er sprach auch sehr viel mehr Thai als Heinrich, kam mit den Menschen sehr gut zurecht. Jeder begrüßte ihn freundlich, einigte legten den Arm um ihn, machten Scherze. Er hatte sich sehr gut eingelebt.

    Wir verbrachten einen sehr schönen Abend mit einigen Bekannten die ich 3 Monate zuvor kennen gelernt hatte.
    Es wurde jedoch nicht allzu spät, ich war müde vom Flug. Zurück in Heinrich’s Bungalow duschten wir und gingen zu Bett. Dieses Mal blieb es nicht nur beim Schlafen, es wurde die schönste Nacht meines Lebens.

    Am nächsten Morgen fuhren wir nach dem Frühstück mit dem Jeep zu Oi’s Bungalow. Sie hatte bereits eine große, schwere Kiste mit allerlei Kram voll gepackt, das Teil war tierisch schwer. Die Kiste an sich war schon sehr massiv, mit großen Messingbeschlägen versehen.
    Mit Hally hatte ich besprochen dass wir mit dem Jeep den Umzug durchführen wollten, er würde sich einige Tage frei nehmen.’Das tut mir auch mal ganz gut, aus diesem Trubel heraus zu kommen’. Ich war froh dass er mitkommen würde. In keinem zweiten Urlaub gleich mit dem Auto hunderte von Kilometern durch dieses fremde Land zu fahren erschien mir etwas gewagt.
    Wir entschieden uns die Kiste zu einer Spedition zu bringen und nur den Rest per Jeep zu transportieren.
    Also haben wir Adressaufkleber in Englisch und Thai geschrieben, die Kiste beklebt und ab ging es Richtung Phuket Town. Hally war dabei, er kannte einen Transportunternehmer.
    Dort angekommen parkten wir den Jeep vor einem Lkw, der gerade beladen wurde. Zu meiner Überraschung war in der Verladehalle nicht eine einzige Palette oder Transportbox zu sehen, alle Stückgüter wurden in grobe Säcke gepackt und diese dann auf dem Lkw verstaut.
    Der Verlademeister erklärte uns, dass wir mit dem Abgeben unserer Kiste warten müssten bis der Lkw vollständig beladen sei. Es vergingen 10 Minuten in denen ich erstaunt zur Kenntnis nahm, wie die 2 Lagerarbeiter dem Fahrer, der auf Ladeflächenhöhe auf der Hebebühne seines Lkw stand, all die unförmig gepackten Säcke nach oben hievten und dieser sie im Laderaum verstaute.
    Ich fragte ob ich helfen dürfe, sie lachten und waren einverstanden. Die Säcke waren eigentlich gar nicht so schwer wie das ausgesehen hatte wenn die beiden sie nach oben gaben, die ersten 10 davon, die ich weitergab, flogen beinahe durch die Luft und der Fahrer hatte alle Mühe, sie unfallfrei abzunehmen.
    Sie machten mir nun Komplimente, fassten mir an die Oberarme und gingen umso motivierter an die Arbeit.

    Nach 15 Minuten war der Lkw voll und nun konnte unsere Kiste aufgegeben werden.
    4 Tage später sei sie am Bestimmungsort hieß es. Das war o.k., ich hatte mit Schlimmerem gerechnet.

    Wir fuhren zurück nach Patong. Verbrachten noch 2 wunderschöne Tage in denen wir an die verschiedenen Strände fuhren, unter den schattigen Bäumen am Meer saßen und unsere Liebe genossen.

    Dann kam der Tag des Umzugs. Hally sagte seine Freundin Wan und deren Schwester würden gerne mit fahren. Wan um mit uns einige Tage Ferien in Prajuabkirikhan zu verbringen, ihre Schwester wollte dort einen Bus nehmen und weiter nach Khon Kaen fahren.
    Also waren das 5 Personen plus jede Menge Gepäck für einen kleinen Suzuki Jeep.
    Um 17.00h waren wir bei Oi. Jede Menge Taschen, Kartons, Schüsseln, Töpfe, ein großer Spiegel mit Holzrahmen standen da. Nach ungefähr einer Stunde war es uns tatsächlich gelungen, all diese Dinge zu verstauen. Die drei Mädels saßen hinten, hatten teilweise die Füße auf Kartons stehen. Hally übernahm zunächst das Steuer, ich saß auf dem Beifahrersitz. Wir fuhren los. Die Klimaanlage funktionierte, wir hatten einen Cassetten Recorder dabei, ebenso eine kleine Kühlbox die wir mit Eiswürfeln gefüllt und mit Getränken bestückt hatten. Es ging herunter von der Insel, nach Phang Nga. Hally meinte er kenne sich einigermaßen aus, ich vertraute ihm. Was blieb mir auch anderes übrig?
    Die Mädchen waren gut gelaunt, redeten viel miteinander.
    Wir fuhren gelegentlich durch kleinere Ortschaften in denen ich die Menschen auf den Straßen beobachtete. Dies hatte mit allem was ich in Patong gesehen hatte nicht mehr gemein. Es gefiel mir sehr gut.
    Nach 3 Stunden Fahrt kamen von der Rückbank die ersten Beschwerden, man hatte Hunger!
    Also hielten wir an einem der zahlreichen Straßenlokale an. Das Essen war lecker. Scharf, aber genau die Schärfe die ich mochte. Wie die Gerichte hießen wusste ich nicht, Oi hatte für mich bestellt und sehr gut gewählt.
    Es ging weiter. Es war längst dunkel und wir waren immer noch in den südlichen Regionen zwischen Phuket und Surat Thani unterwegs. Hally gab zu dass er etwas die Orientierung verloren hatte und nicht mehr so ganz genau wusste, wo wir waren. Die Straßenschilder gaben auch nicht allzu viel her…Ich wurde leicht nervös. Wäre mir schon Recht gewesen genauer zu wissen, wo wir waren.
    Ein wenig später schaute ich auf die Tankanzeige, noch ¼ voll. ‚Was ist, wollen wir an der nächsten Tankstelle mal nachfüllen?’ fragte ich. ‚Nicht nötig, da ist noch jede Menge drin’ meinte Hally.
    Wir fuhren weiter, teilweise sehr lange durch Gebiete ohne Ansiedlungen. Wir machte noch einmal Rast in einem kleinen Ort. Keine Tankstelle…
    Weiter ging es, es war nun schon nach Mitternacht. Die Mädchen schliefen längst.
    Plötzlich begann der Jeep an zu ruckeln, stotterte, schließlich ging der Motor aus. ‚Jetzt ist uns der Saft ausgegangen’ sagte Hally. Ich hätte ihn umbringen können! ‚Warum haben wir nicht getankt als ich es sagte?’ fragte ich. ‚Na da war ja noch was drin’ meinte er. ‚Kein Problem, ganz ruhig bleiben.’
    Ich ruhig bleiben? Morgens gegen 2.00h, in einem fremden Land, der ‚Reiseführer’ weiß selbst nicht wo wir waren, kein Sprit mehr, ein voll beladenes Auto mit 3 schlafenden jungen Mädchen drin.
    Etwas 500 Meter weiter vorne sahen wir etwas Licht links neben der Straße. Da musste ein Haus sein.
    Was blieb uns also übrig? Einer lenkt, einer schiebt. Der ‚Schieber’ war ich. Eine unglaubliche Schwüle, ein schwerer Jeep, Lkw die laut hupend nur Zentimeter in einem Affenartigen Tempo an uns vorbei rauschten.
    In meiner Wut hätte ich vermutlich die Queen Elizabeth II anschieben können!
    Oi blinzelte durch das Rückfenster aus dem Jeep heraus, schaute mich ungläubig an.
    Wir kamen an das Haus. Ich war total am Ende, durchgeschwitzt, die Hände verdreckt.
    Alle stiegen aus. Bei dem vermeintlichen Haus handelte es sich um eine Art Sanatorium.
    Es war eingezäunt, am großen Rolltor saß ein Mann in Uniform in einem kleinen Holzhäuschen.
    Ich sagte Hally er solle sich bitte darum kümmern dass wir irgendwie zu Sprit kommen.
    Er ging zu dem Wachmann, sprach mit ihm. Kam zurück und sagte, dass der uns nicht helfen könne. Im Innern des Geländes stand ein alter VW-Bus und Hally hatte gefragt, ob man dort nicht etwas Sprit entnehmen könnte.
    Ging nicht, das war das Fahrzeug des Chefs von hier und der schlief. Na toll…
    Die Mädels saßen tief gehockt neben dem Jeep, schläfrige Augen. Ich war geladen wie ein E-Werk, Hally vollkommen entspannt. Guter Rat war teuer. Nach 20 weiteren Minuten kam ein Moped vorgefahren. Der Fahrer hatte eine grüne ärmellose Jacke an mit einer Nummer auf dem Rücken. Ein Mopedtaxi, unsere Rettung!!!
    Hally stieg hinten auf und sie fuhren davon. Nach einer halben Stunde kamen sie zurück. Hally hatte seine Arme etwas ausgespreizt, versuchte sich auf dem Moped zu halten und hielt in jeder Hand eine Öldose.
    ‚Da vorne in dem Kaff ist eine Tankstelle, 2 Liter habe ich schon mal dabei’! sagte er lächelnd.
    Wir füllten das Benzin ein, bezahlten den Mopedtaxifahrer und starteten den Jeep. Tatsächlich, er lief.
    Also alle wieder einsteigen. Es war mittlerweile fast 4.00h früh! Wir fuhren ca. 5 km und kamen in einen Ort an dessen Eingang gleich die Tankstelle zu sehen war. ‚Siehst du, ist doch alles halb so schlimm’ meinte Hally.

    Nach dem Tanken fuhren wir weiter und ich machte mir nun Gedanken, was mich in Prajuabkirikhan erwarten würde. Oi hatte gesagt dass das Haus, in dem ihre Familie wohnte, sicherlich nicht so schön und große wäre wie das meiner Eltern (ich hatte ihr Fotos mitgebracht). Ich hatte mich aber entschlossen alles zu akzeptieren was auf mich zukommen würde, selbst wenn die Leute in einer Holzhütte leben würden.
    Bei einem weiteren Stopp an einer Raststätte, an der wir frühstückten, rief Oi zu Hause an und kündigte unsere Ankunft für 2 Stunden später an. Inzwischen hatten wir auch wieder den richtigen Weg bzw. den Highway gefunden und waren recht froh darüber.
    So, gleich waren wir da. An den großen Hinweisschildern neben der Autobahn stand es. Noch 5 km.
    Dann bogen wir ab. Fuhren ungefähr 2 km, links neben der Straße erkannte ich ein Fußballstadion (heeee, Fußball hier . KLASSE!), rechts der Straße einige größere Häuser die im Erdgeschoss Läden beherbergten.
    Wir fuhren auf einen kleinen Berg zu auf dessen Gipfel ein Tempel zu erkennen war. Direkt davor bogen wir links ab. Wir sahen das Meer. Der Weg führte über eine kleine Brücke, es ging einige Hundert Meter am Meer entlang. Das Ufer war gesäumt von größeren Bäumen in deren Schatten etliche Grills und Garküchen für das leibliche Wohl der Einheimischen sorgten. ‚Da vorne links rein’ sagte Oi.
    Zwischen einer Häuserwand und einer Mauer, die einen großen Garten abgrenzte, fuhren wir den sandigen Weg nach hinten. Gerade mal ein wenig breiter als der Jeep.
    Da war das Haus. Sah doch ganz gut aus. Bungalow, weiß gestrichen, rotes Ziegeldach.
    Na das war doch gar nicht übel. Wir fuhren in den Hof. Große gemauerte Becken standen da, teilweise abgedeckt. Früher hatten hier Garnelenfischer gelebt die am Ende des Geländes, wo ein Meeresarm zu sehen war, ihre Farm hatten erklärte Oi.
    Wir stiegen aus.
    Eine Frau in Wickelrock stand da und schaute herüber. Ich grüßte freundlich. Wusste nicht wer sie war. Um Oi’s Mutter zu sein war sie aber zu jung. Das Haus hatte drei Eingänge, der Vorplatz war überdacht, an der Decke des Wellblechdachs drehte sich schwer ein Deckenventilator. Darunter stand ein runder Tisch mit 2 Steinbänken. Alles sauber, das war o.k.
    Oi bat uns hinein, erster Eingang. Die Wohnung ihrer Mutter. Ich achtete darauf nicht auf die Türschwelle zu treten, ich hatte gelesen dass das Unglück bringen würde.
    Eine dunkelhaarige Frau Mitte fünfzig saß auf dem Boden. Vor ihr lagen jede Menge Bananenblätter auf dem Boden verteilt, daneben eine Plastikschüssel mit einer weißen Masse.
    ‚Das ist meine Mutter’ sagte Oi, ‚sie macht gerade Khanom’. Ich verbeugte mich ein wenig, streckte ihr die Hand hin und sagte ‚Hallo’.
    Sie ergriff meine Hand, schüttelte sie leicht, lachte mich an und sagte ‚Hallo’.
    Pppuuuuhhhh, das war mal geschafft…

  6. #15
    Avatar von Pee Niko

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    Re: Erinnerungen

    Hallo Chang Nam,

    klasse Fortsetzung in gewohnt angenehmem Stil .

    Was meinst du mit "Prajuabkirikhan"? Ist das eine andere Schreibweise als "Prachuap Khiri Khan"?
    Wenn ja, dann sind Oi´s Eltern wahrscheinlich (in)direkte Nachbarn meiner Schwiegereltern.

    Gruß von Niko

  7. #16
    Avatar von Chang Nam

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    Re: Erinnerungen

    Hallo Pee Niko.

    Prajuabkirikhan oder Prajuap Kiri Khan, ich habe auch schon Prachuap Kirikhan gelesen. Also das ist es auf jeden Fall. Früher wohnten die Mutter (ist vom Vater seit langem gescheiden, er lebt bei Hua Hin, auf dem Weg Richtung Nam Tok Pala-U) und die Geschwister im Viertel Jomtai Prapas (wie in dem Bericht geschildert, die Landzunge hinter der die Garnelenzuchten waren), vor 7 Jahren wurde dann ein Neubauviertel erschlossen das 'Gadraksa Village' heisst wo unser Häuschen neben dem der Schwiegermutter steht.

    Grüße
    Chang Nam

  8. #17
    Avatar von Pee Niko

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    Re: Erinnerungen

    Hallo Chang Nam,

    so "nah" ist die Nachbarschaft wohl doch nicht. Die folgenden Angaben erfolgen ohne Gewähr, da du es mit einer geographisch Niete zu tun hasst .

    Das Haus meiner Schwiegereltern befindet sich etwa 8 km südlich von Pranburi. Den Highway nach Süden Richtung Sam Roi Yot, nach ca. 5 km per U-Turn erst zurück und dann scharf links abbiegen, gar nicht zu verfehlen, an der Ecke ist ein Strassenimbiss .
    Die geteerte Strasse geradeaus bis zum Ende, danach ungefähr 8 Feldwege links und 3 rechts, dann stehst du schon vor der Haustür. Leicht zu erkennen an den blauen Dachziegeln !
    Wie der Platz heißt, habe ich mal wieder vergessen, Asche auf meine Haupt .

    Nam Tok Pala-U kenne ich, auch die Strasse, die von Hua Hin nach dort führt. Aber weder Jomtai Prapas noch Gadraksa Village sagen mir was. Habe auch leider keine Karte dazu gefunden.

    Na ja, vielleicht laufen wir uns in der Ecke mal über den Weg, dann hau´ ich ein Beer Chang in die Runde .

    Gruß von Niko

  9. #18
    Avatar von Chang Nam

    Registriert seit
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    264

    Re: Erinnerungen

    Hi Pee Niko.

    Du hast Recht, das liegt doch ein wenig weiter entfernt von unserem Domizil. Wenn du vom Highway direkt nach Prajuab Kiri Khan reinfährst kommst du auf den Hügel zu auf dem der Tempel steht (nur über eine ewig lange und steile Treppe zu erreichen). Am Fuß des Hügels befindet sich an der Ecke ein Wasserbecken in das die dort spielenden Affen vom Fels aus hinein springen. Wenn man dann links an diesem Hügel vorbei fährt kommt man an diese kleine Brücke, der weitere Straßenverlauf nennt sich dann Jomtai Prapas. Die Straße führt weiter nach Ao Noi, falls du das kennst (Höhlentempel).
    Gadraksa Village ist dann wieder am ganz anderen Ende der Stadt. Mehr oder weniger im Hinterland der Air Base. Wäre aber sehr schwierig zu beschreiben, ich bin jedes Mal froh wenn ich den Weg selbst wieder finde...
    Beer Chang ist o.k., das trinke ich auch gerne. Wenn auch selten.
    Am 26.07.05 schlagen wir wieder dort auf. Am 28.07. hole ich in Hua Hin bei Budget den gemieteten Pick Up ab (die Zugfahrt von Prajuab nach Hua Hin für Baht 19,-- begeistert mich immer wieder!), auf dem Weg komm ich dann mehr oder weniger bei deinen Schwiegerleuten vorbei.

    Grüße
    Chang Nam

  10. #19
    UAL
    Avatar von UAL

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    Re: Erinnerungen

    @ Chang Nam, :-)

    einfach nur: :beifall: :beifall: :beifall:

    Klasse Beschreibung und Schreibstil, kommt alles "live" rüber.

    Ich freue mich auf die Bilder

  11. #20
    Avatar von Chang Nam

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    264

    Re: Erinnerungen

    Hi UAL.

    Ich werde mich bemühen in den nächsten Tagen die Bilder zu beschaffen. Musste erst die alten Negative hervor kramen...

    Grüße
    Chang Nam

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