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Erinnerungen

Erstellt von Chang Nam, 19.05.2005, 09:10 Uhr · 42 Antworten · 4.134 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Chang Nam

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    Erinnerungen

    Hallo.

    Wie ich an anderer Stelle bereits angekündigt habe, stelle ich hier mal einen Bericht ein über viele meiner Erinnerungen an die ersten Kontakte und den ersten Aufenthalt in Thailand. Ich bin kein Schriftsteller, daher mag der ein oder andere, den es vielleicht langweilt, nicht allzu enttäuscht sein. Wenn es einigen von euch gefällt freut es mich. Ich denke viele haben ähnliche Dinge erlebt. Ich wollte das Ganze einfach einmal, eigentlich nur für mich selbst, niederschreiben. Jezt habt ihr aber alle teil. Los geht's:


    Erster Kontakt zu Thailand

    Im Frühjahr 1995 fragte mich mein ältester Bruder J. ob ich ihm bei einem Möbeltransport behilflich sein könnte. Ein Bekannter von ihm, gleichzeitig Geschäftspartner, würde nach Thailand auswandern und verkaufe seine Möbel. Er habe sich einiges gekauft bei ihm und wir müssten es abholen. Also fuhren wir mit einem LKW hin. Das Haus lag etwas am Hang, sehr große Wohnung, ruhige Lage. Der Bekannte der uns empfing war ein wenig älter als ich (damals Ende 30) und seine Art kam mir irgendwie ein wenig komisch vor. Ich kann nicht genau sagen was es war, er redete einfach ‚anders‘. Heinrich hieß er. Adliger Nachname, angeheiratet und wieder geschieden,. Den Namen hatte er behalten..
    Also schleiften wir einiges an Mobiliar aus der Wohnung. Mein jüngster Bruder R. war auch dabei. Da Heinrich noch mehr an Möbeln zu verkaufen hatte und R. Wohnzimmer- und Esszimmermöbel gebrauchen konnte, kaufte er ihm diese Dinge ab. Sah alles gut aus, waren einmal teuere Stücke gewesen. Nun ja, wir haben alles abtransportiert und das war es zunächst dann auch. Dass Heinrich nach Thailand auswanderte hat mich weder besonders interessiert noch beeindruckt.

    September 1995 – J. wird 40.

    Im September 1995 wurde J. 40. Er hatte das Clubhaus des Tennisvereins, in dem er spielt, gemietet und bei einem Partyservice diverse Speisen bestellt.
    Es war ein schönes Fest und Heinrich, der seit einigen Monaten in Thailand lebte, war zufälliger weise zu dem Zeitpunkt in Deutschland (er musste noch einiges an Behördenkram erledigen). Zu späterer Stunde standen wir zu dritt an der Theke. J., Heinrich und ich.
    Heinrich schwärmte in den höchsten Tönen von Thailand. Das Wetter, die Natur, die Mädels vor allem! Die seien ALLE total willig und DU (er sprach mich an) wärst der King da unten!
    Ich fragte ‚wie das‘? Er meinte dass die Thailänderinnen total auf etwas kräftigere bzw. korpulente Männer abfahren würden. Nun, schlank war ich noch nie gewesen, mein ganzes Leben lang hatte ich mit Übergewicht zu kämpfen. Einige Jahre hatte ich mit großem Einsatz im Fitneßstudio dagegen angekämpft und diesen Kampf auch fast gewonnen. Ich hatte von 115 kg auf 90 kg abgespeckt und dabei erheblich an Muskelmasse aufgebaut.
    Ich war stark wie ein Stier in dieser Zeit. 1989 wechselte ich den Arbeitgeber und hatte dann weniger Zeit und eigentlich auch keine Lust mehr, die weiten Wege auf mich zu nehmen.
    Also war es 1995 so, dass ich wieder etwas mehr Gewicht hatte, es waren um die 105 kg.
    Na ja, das hörte sich ja traumhaft an. Die Mädels dort flogen auf solche Leute wie mich!?
    Hier wurde man eigentlich nur als netter Mensch akzeptiert, guter Kumpel, aber mehr? Keine Chance. Jedenfalls nicht bei denen die mir gefallen hätten.
    So richtig geglaubt habe ich Heinrich das alles aber nicht. Er übertrieb bestimmt...
    ‚Warum kommst du nicht mal nach Phuket‘? fragte Heinrich mich. Nein, das wäre nichts für mich sagte ich. Alleine in Urlaub, habe ich noch nie gemacht, das ist nicht mein Ding!
    J. sagte spontan ‚also wenn du fliegst fliege ich mit‘! Er war 2 Jahre vorher schon einmal für 10 Tage in Pattaya gewesen und es schien ihm gefallen zu haben.
    Nun wurde es schon interessanter. Die Schilderungen von Heinrich hatten mich nun doch neugierig gemacht. Wir redeten noch eine ganze Weile über all die Vorzüge die Thailand mit sich brachte, dann entschieden J. und ich uns Heinrich zu besuchen. Im Januar 1996 sollte es ein.
    Einige Tage nach dem Fest kam ich mit einem Kollegen im Büro ins Gespräch. Er empfahl mir ein Reisebüro dessen Inhaber ein Bekannter von ihm war. Ich hatte gehört dass Singapore Airlines wohl das beste sein sollte was man in Punkto Service buchen konnte. Also nicht auf’s Geld geschaut und 2 Tickets gebucht. Ich wollte 17 Tage bleiben, J. nur 10 (er ist selbständig und kann keine allzu langen Urlaube machen).
    Im Büro erzählte ich natürlich meinen Kollegen/Innen von der geplanten Reise. Nur – wo oder was Phuket genau war wusste ich nicht! Ich hatte keine Ahnung dass es sich um eine Insel handelte und was dort so los war, hatte ich nur den Erzählungen von Heinrich entnommen.
    Der Abflug rückte näher und meine Kollegin Susanne, die 2 Jahre vorher dort war, fragte mich wohin ich eigentlich ginge. PHUKET sagte ich. Schon, aber WO auf der Insel? Ah ha, war also ne Insel...(Schande über mich dass ich nicht einmal DAS wusste!)

    ‚Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Habe nur die Flüge gebucht, den Rest (Hotel, Abholen am Flughafen etc.) hat unser Bekannter organisiert‘. Ich rief J. an und fragte wohin wir denn eigentlich genau gehen? Warte, sagte er, ich faxe dir die Adresse durch.
    Wenige Minuten später kam die Seite aus dem Fax. Die Adresse von Heinrich, der Ort hieß
    PATONG BEACH.
    Ich zeigte Susanne die Adresse. DUUUUU BIST ALSO AUCH SOOOO EINER?
    Ich sagte ‚Entschuldigung, was ist denn los‘? Na da geht es doch nur um (sie machte mit den Händen eindeutige Bewegungen die auf 5exuelle Tätigkeiten hinwiesen...)!
    Also davon weiß ich nichts, ich habe nur die Flüge gebucht, den Rest hat unser Bekannter erledigt. Wo der wohnt oder was er dort tut, keine Ahnung!
    Sie lächelte vielsagend...

    Erster Flug nach Thailand

    Am 26.01.1995 ging es los. Wir fuhren an den Flughafen Frankfurt (hat J’s Frau uns hingebracht? Ich glaube ja...). Die große, weite Welt der Flughäfen.
    Ich war bisher noch nicht so oft geflogen. Genau gesagt erst 4 Mal. Immer wieder erstaunlich wie viele Menschen hier täglich ankommen und abfliegen, von wo sie kommen, wohin sie fliegen. Nach dem Einchecken und dem üblichen Warten auf den Abflug saßen wir also in der Maschine. Alles sehr gepflegt, Boeing 747-400, sehr hübsche Stewardessen! Der Flug war sehr angenehm, das Essen und der Service hervorragend. Es ging zunächst ca. 13 Stunden nach Singapore (wir überflogen teilweise Thailand und Malaysia, also über unser Ziel eigentlich hinaus). Danach hieß es knapp 4 Stunden auf den Anschluss nach Phuket warten.
    Der Flughafen in Singapore ist recht weitläufig und es gab jede Menge zu sehen. Glücklicherweise alles klimatisiert! Beim Ausstieg aus der Maschine konnte man auf der Verbindungsbrücke zwischen Flugzeug und Flughafengebäude die Schwüle und Wärme spüren. Wir hatten etwas Hunger und Durst. Sahen an einer Ecke eine Art Schnellrestaurant.
    Wir setzen uns an einen der kleinen Tische. Am Nebentisch saßen einige junge Leute die aus Halbliter Gläsern dunkles Bier tranken. Sah lecker aus! Das wollten wir auch. Da ich sehr viel besser Englisch spreche als J. ging ich an die Theke und fragte, was die Leute da tranken. Roots Beer sei das hieß es. Also, ich bekomme auch 2 davon! Und 2 Hamburger.
    Wir freuten uns auf einen guten Zug frischen Biers. Setzen an – und mussten uns zusammen reißen um es nicht wieder auszuspucken! Was war DAS DENN? Meine Güte, das schmeckte wir irgend ein Wurzelextrakt, nach Medizin! Alles andere als Bier. Wir ließen beide das fast volle Glas stehen. Roots Beer, mein lieber Mann tranken die einen Mist hier! Nachdem wir die Hamburger verzehrt hatten nahmen wir unser Handgepäck wieder auf und gingen ein wenig durch das Gebäude. Da entdeckten wir eine kleine Theke auf der verschiedene Flaschen standen. Bier. Schien ‚richtiges‘ zu sein! Tiger Beer hieß eines davon. Wir nahmen zwei, tranken. Aaaaah, DAS war Bier. Und schön kühl. Wunderbar!
    Immer wieder schauten wir auf die Anzeige mit den Abflugplänen, es war nicht mehr lange bis zum Einchecken bei der Silk Air nach Phuket. Die Spannung wuchs...
    Was würde uns erwarten?


    Zum ersten Mal in Thailand

    Der Flug mit der Silk Air war relativ unspektakulär, eine Fokker 70 brachte uns sicher und nach ca. 90 Minuten Flugzeit nach Phuket.
    Der Flughafen war, im Vergleich zu Frankfurt und Singapore, natürlich fast lächerlich klein.
    Die Zollabfertigung war schnell und unkompliziert, nicht einmal die 3 Flaschen Wodka und Jägermeister, die Heinrich bei uns ‚bestellt‘ hatte, wurden reklamiert. (Wir hatten eigentlich damit gerechnet dass er uns den Sprit bezahlt, er sagte allerdings nur DANKE und das war es für ihn...).
    Also raus aus dem Flughafengebäude, die Schwüle und Wärme erschlug uns beinahe!
    Nach 2 Min. hatten wir ein nasses Hemd an! Ah, da kam Heinrich. Eine kleine Thailänderin dabei. Nicht mehr die jüngste aber nicht hässlich. Wir begrüßten uns. Er sagte zu seiner Freundin ‚This man J., this man Axel‘. (Konnte er nicht in ganzen Sätzen mit ihr sprechen?).
    Er fuhr los. Da wir erst gegen 20.00h gelandet waren war es bereits dunkel. Durch die teilweise beschlagenen Seitenscheiben des kleinen Jeep, den er für uns gemietet hatte, sah man fast nichts. Viele bunte Lichter, ab und zu Rauchsäulen von offenen Feuern, ziemlicher Verkehr auf den Straßen. Von Kathu ging es den Berg hoch Richtung Patong. Man war gerade dabei die Straße neu zu teeren, wir fuhren teilweise auf losem, roten Sand, gelegentlich spritzten Geröllbrocken von den Reifen. Links und rechts fuhren leicht bekleidete junge Leute auf Mopeds an uns vorbei. Kam mir aufgrund der Straßenverhältnisse ziemlich gefährlich vor.
    Der Jeep schaffte es nur noch im 1. Gang.
    ‚Ich habe euch im PATONG PENTHOUSE HOTEL‘ einquartiert sagte Heinrich, den seine Freundin (sie hieß Kiau) immer Henly nannte.
    Also die kurvige Strecke hoch, oben auf dem höchsten Punkt der Erhebung stand ein Tempel. Heinrich hupte einige Male, wie fast alle Verkehrsteilnehmer an dieser Stelle. ‚Das ist für den Buddha‘ meinte er‘ soll Glück bringen und uns vor Unfällen schützen‘.
    Na ja, andere Länder andere Sitten dachte ich.
    Die Straße wand sich in sehr kurvigem und steilen Verlauf wieder hinunter. An den Straßenrändern große Reklametafeln ‚HARD ROCK A-GO-GO‘ stand da drauf. Oder ‚FIRE HOUSE A-GO-GO – the hottest place in town!‘. Hhmmm, man darf gespannt sein...
    Wir hielten vor dem Hotel. Unter PENTHOUSE HOTEL hatte ich mir eigentlich ein höheres Gebäude vorgestellt. Zu meiner angenehmen Überraschung handelte es sich aber eher um eine Art Bungalowanlage mit einem sehr schönen ( so weit man das im Halbdunkel erkennen konnte) tropischen Garten. Mann, wie es da roch. So ganz anders als in Deutschland oder irgendwo sonst wo ich bisher gewesen war. Es duftete nach Blumen, nach fremden Früchten, diese ersten Eindrücke werde ich wohl nie vergessen. Wir gingen zur Rezeption. Eine kleinere Person mit modischem Kurzhaarschnitt (war es nun ein weiblich aussehender Mann oder eine männlich aussehende Frau – ich weiß es bis heute nicht?) gab uns die Schlüssel und begleitete uns an die Bungalows.
    Ich hatte einen gleich vorne links in der Anlage, nur 10 m. vom Swimmingpool entfernt. J. wohnte ‚um die Ecke‘.
    Heinrich sagte wir könnten uns einrichten und duschen, in einer Stunde käme er wieder uns dann gingen wir etwas essen.
    Das Zimmer war sehr geräumig, ein großes Doppelbett stand im Raum, sehr schön mit Ornamenten und Rattangeflecht verziert. Ich stellte mein Gepäck ab und ging sofort ins Bad. Da ich ein sehr ein reinlicher und äußerst penibler Mensch was Hygiene angeht bin, musste ich zunächst schauen ob Toilette und Dusche meinen Anforderungen entsprachen.
    Was ich sah gefiel mir sehr gut. Großer Raum mit Toilettensitz und Waschbecken, Spiegel, alles sauber. Dann ein Vorhang. Ich zog ihn zur Seite und war schlichtweg begeistert! Ein Duschraum der Platz bot damit 5 Personen gleichzeitig duschen konnten! In der Mitte eine Stange an der Duschschlauch- und Kopf angebracht waren, das sah fast aus wie im Umkleideraum eines Sportvereins! WELTKLASSE! Endlich mal Platz in einer Dusche, keine Angst dass man beim Einseifen mit dem Ellenbogen die Plexiglaswände einschlägt.
    Ich freute mich riesig. Also zunächst einmal die Klamotten ausgepackt, im Schrank aufgehängt, Wertsachen in den Tresor und geduscht. Herrlich! Endlich duschen, den Schweiß loswerden. Inzwischen waren immerhin fast 24 Stunden seit unserem Abflug vergangen.
    Die Klimaanlage im Zimmer arbeitete gut, es war wunderbar frisch so dass ich nach dem Duschen nicht einmal nachschwitzte.
    Wie verabredet kam Heinrich 1 Stunde später um uns abzuholen. Ich trat vor die Tür und sofort schlug mir wieder diese Schwüle entgegen.. Nach 1 Min. spürte ich schon dass mein Nacken wieder feucht war. Na ja, so ist es hier halt mal.
    Ich hatte ein schönes Hemd angezogen, eine Jeans, gute Schuhe. Wollte halt, wie zu Hause auch, einigermaßen gut aussehen. Trotz Übergewicht...
    Also rein in den Jeep. Heinrich war alleine gekommen, Kiau sei schon an einer Bar meinte er.
    Wir fuhren einige hundert Meter auf der Hauptstraße lang, bogen dann rechts ab, Richtung Strand.
    Dann bogen wir wieder links ab. Hier konnte man links und rechts der Straße schon einige offene Bars und Restaurants sehen. Sah gut aus. Die Restaurants hatten auf großen Holzgestellen frische Meeresfrüchte auf Eis liegen, dahinter in den offenen Küchen wirbelten die Köche mit großen Pfannen und Woks. Hier und da schossen Flammen hoch, sah klasse aus.
    Wir bogen wieder links ab. ‚Das ist die Soi Bangla‘ sagte Heinrich. ‚Hier geht die Post ab‘!
    Die Straße war gesäumt von Bars, einer an der anderen. Es standen hunderte von Mopeds auf der Straße und es waren jede Menge junger Thailändischer Mädchen und sehr viele ausländische Männer zu sehen. Nach ca. 200 m bog Heinrich links in eine kleine Straße ein. Ich hätte nicht vermutet dass man hier mit dem Auto überhaupt hinein fahren konnte. Man fuhr nur in einem Abstand von 2 Metern an den Bars vorbei. Es waren jede Menge Leute auf der Straße, natürlich auch vor dem Auto. ‚VERSCHWINDE DU AFFE‘ schrie Heinrich als ein Thai vor dem Auto die Straße überquerte. ‚Das sind alles Dummköpfe, diese Affen‘.
    Was ist mit dem los dachte ich? Wie kann der die Leute hier so beschimpfen? Komisch...
    Wir fuhren an all den Bars vorbei und kamen auf ein freies Stück Land das mit knie hohem Gras bewachsen war. Er parkte den Jeep, wir stiegen aus. Wieder diese Schwüle...
    Ein junger Thai kam heran und sprach mit Heinrich. Er gab ihm Geld. ‚Der passt auf das Auto auf hier‘ sagte er.
    Also ging es los. Wir rollten nun das Feld von hinten auf sozusagen. An der ersten Bar saßen einige Mädels, nicht besonders hübsch. Wir gingen vorbei. An der zweiten (verdammt, warum mussten die alle so furchtbar laute Musik spielen?) blieben wir kurz stehen. ‚Komm, hier trinken wir erstmal was‘ sagte J. Also hingesetzt. 3 Bier. Singha. 0,33 l Flasche in einer Styroporbox. Hatte ich noch nie gesehen. Es folgte ein bißchen Geschwätz, plötzlich nahm J. mit der Bedienung hinter der Theke näheren Kontakt auf...‘Oh you beautiful lady‘ sagte er. Hatte er was an der Birne? Er war seit fast 20 Jahren verheiratet, hatte mich, seinen jüngeren Bruder neben sich sitzen und machte der erst besten Komplimente? Ich war etwas irritiert. Plötzlich lehnte er sich über die Theke, das Mädel kam näher und sie küssten sich!!! Vor meinen Augen! Meine Irritation wurde größer. ‚Siehst du wie die hier rangehen‘ sagte Heinrich...
    Nachdem wir ausgetrunken hatten verließen wir die Bar. Von den anderen, an denen wir vorbei gingen, riefen uns die Mädels zu ‚Hallloooooooo, where you come from 5exy maaaaan‘?...Das konnte ja lustig werden.
    Überall an diesen Bars saßen oder standen junge, meist hübsche Mädchen, die männlichen Gäste waren oft sehr viel älter. Manche richtig alt, weit über 60 (die Männer in diesem Alter mögen mir für diese Aussage verzeihen...) Es gab auch einige die recht ungepflegt erschienen, verschwitzt, schlecht angezogen, unrasiert, ungehobelt, betrunken. Trotzdem gaben die Mädels sich mit ihnen ab. Sie schienen alle sehr gut gelaunt und etwas aufgedreht zu sein.
    Heinrich hatte nicht übertrieben in seinen Erzählungen...

    Wir haben dann die Soi Bangla überquert und gingen auf der anderen Seite in eine Nebengasse. ‚Da vorne essen wir eine Nudelsuppe‘ sagte Heinrich. Ich sah eigentlich kein Lokal wo man sich hätte hinein setzen können. Wir stoppten an einer Stelle wo 3 kleine Tische auf der Straße standen, Plastikhocker als Sitzgelegenheit dabei. An der Häuserfront gab es eine kleine Garküche zu der das Möbel wohl gehörte. Wir setzen uns. Ich mit nassem Kragen und der Angst, dass das bemitleidenswerte Plastikhockerchen evtl. meinem Gewicht nachgeben könnte und ich wie ein Maikäfer auf dem Rücken auf der Straße lande. Alleine dieser Gedanke brachte mich noch mehr zum Schwitzen! Heinrich bestellte 3 Nudelsuppen und etwas zum Trinken. 3 leicht bekleidete Mädels auf hochhackigen Schuhen gingen vorbei. Mann, das waren Geschütze! ‚Habt ihr die Jungs gesehen‘? fragte Heinrich. Welche Jungs meinte er? ‚Das waren 3 Kerle, Katoey nennt man die hier. Transvestiten bzw. Trans5exuelle‘ klärte er uns auf. Schluck, also das hätte ich jetzt auf den ersten Blick nicht erkannt.
    Wir bezahlten und es sollte nun an die Bar gehen, die Heinrich mit seinem Kumpel zusammen gehörte. Wir gingen in eine der Nebengassen hinein. ‚Soi Eric‘ stand am Eingang auf einer großen Leuchtreklame. Gleich vorne links ein Laden in dem sehr schöne Hand gemalte Bilder verkauft wurde. Rechts eine Apotheke (na die lag ja günstig, mitten im Vergnügungs- Viertel) und dann ging es links und rechts mit den offenen Bars los.
    Auffallend angenehm war zum einen die Sauberkeit hier. Der Boden gefliest, es lag nichts herum. Außerdem kam nur ein Lied aus den Boxen, an allen Bars das gleiche. Das war wesentlich besser als das wirre Getöse in der anderen Gasse wo wir zunächst waren.
    Wir steuerten auf die 3. Bar auf der linken Seite zu. Die Gäste standen in Zweierreihen hinter einander an der Theke, es war brechend voll! Allerdings keine Mädchen an der Bar. Nur eine kleine Thailänderin die hinter der Bar die Getränke machte und alle Hände voll zu tun hatte, die Bestellungen aufzunehmen und jeden schnellstmöglich zu bedienen. Ein Typ stand vor der Bar. Jogginghose an, ein weißes T-Shirt das sich über seinen etwas runden Bauch spannte, die Haare ganz kurz rasiert (wie Heinrich auch), Gummilatschen (heute sagt man Flip-Flops) an den Füßen. ‚Das ist Harry‘ stellte Heinrich ihn vor. Wir machten uns bekannt. An seinem Dialekt konnte ich erkennen, dass er aus dem Raum Pforzheim kommen musste. Es stellte sich später dann auch als wahr heraus.
    Wir bestellten etwas zu trinken. Das Mädel hinter der Theke war schwer am wirbeln, hatte aber immer ein Lächeln drauf und war wohl sehr nett. Sie sprach sogar einige Wörter Deutsch die Harry ihr beigebracht hatte. Es war sehr lustig anzuhören denn er hatte ihr die Dinge in seinem Dialekt beigebracht. ‚Das ist OI‘ sagte er. Aha ha. ‚Nice to meet you‘ sagte ich. In den Augen meines Bruders konnte ich schon wieder einen gewissen Glanz erkennen...
    Jagdtrieb.
    Nach zwei oder drei Getränken (ich hatte mich auf Cola festgelegt, da ich eigentlich sehr wenig Alkohol trinke und bei dieser Hitze am liebsten ganz darauf verzichte)
    schlug Heinrich vor, in eine andere Barstraße zu gehen, da würde auch irgendwo seine Freundin sitzen. Wir gingen durch einen schmalen Durchgang in die Soi Katoey, wie er sie nannte. Hier wieder das Gedröhne verschiedener Lieder, aus jeder Bar etwas anderes. Der Boden war hier auch nicht gefliest sondern nur grob betoniert, insgesamt sah es etwas ‚rustikaler‘ aus.
    Wir setzten uns an eine Bar. Heinrich schien die Frau hinter der Theke zu kennen. Sie begrüßten sich. Eine zweite Frau, jünger als die vermeintliche Chefin, fragte nach den Getränken. Wir bestellen. Heinrich und J. Whisky/Cola, ich Cola pur. Drei Barhocker neben mir saß einsam eine junge Thailänderin. Plötzlich stand sie auf und setzte sich neben mich. Legte mir ihre Hand auf den Oberschenkel. Hoppla, was war hier los? ‚What do you want‘ fragte ich sie. Keine Antwort, konnte offensichtlich kein Englisch. Sie wechselte einige Worte mit der ‚Chefin‘. Diese sagte nun ‚she like you too mut, wann go with you for sleeping‘! Zum einen musste ich fast etwas Lächeln wegen des recht amüsanten Englisch das sie sprach, zum anderen aufgrund der Tatsache, dass mich dieses Mädchen genau 3 Minuten gesehen hatte und mich dann so sehr mochte. ‚I don’t want her, thanks a lot‘ sagte ich höflich.
    Sie sagte etwas zu meiner Nachbarin, die etwas entgegnete. Alles in Thai. ‚Oh, she really like you, she go with you ip you wann‘. Not too mut money‘. Ich sagte nun etwas bestimmter ‚No thank you, i don’t want‘. Ich sagte ihr dass ich bereit sei dem Mädchen einen Drink zu bezahlen wenn sie dann wieder ihren ursprünglichen Platz drei Barhocker weiter einnehmen würde. Damit war sie einverstanden. Pffhhhh, geschafft.
    J. hatte sich in der Zwischenzeit etwas näher mit der jüngeren Bedienung befasst. Es war
    nun auch bereits nach 2 Uhr früh und die Bar würde bald schließen. Wir beschlossen, uns ein Tuk-Tuk (so etwas hatte ich ja noch nie gesehen, wie lustig...) zum Hotel zu nehmen. Die jüngere Bedienung folgte uns! Was war los? Ich fragte J. Er sagte die würde mit ihm kommen. ACH DU SCHANDE, was ist mit dem denn los? Hier, vor meinen Augen ne Tussie abzuschleppen, was treibt der denn? Ich war schockiert.
    Wir bestiegen also zu dritt das Tuk-Tuk und fuhren zum Hotel Ich ging in mein Zimmer und sah, immer noch mehr als verwundert, meinem Bruder hinterher der mit dem Mädel in seinem Bungalow verschwand.
    Ich duschte, trank noch eine kalte Cola aus dem Kühlschrank (die schmeckte irgendwie anders als bei uns) und legte mich hin.
    Thailand. So fremd, so anders, so aufregend. Was würde es noch bringen?
    Da ich total geschafft und übernächtigt war, schlief ich auch relativ schnell ein.

    Es muss gegen 6.30h gewesen sein als ich durch ein lautes Rufen geweckt wurde. Es hörte sich an als käme es aus einem Lautsprecher. Ich stand auf und ging zur Tür. Öffnete sie, lauschte nach draußen. Tatsächlich, das hörte sich an wie ein Muezin! Konnte doch nicht sein, wir waren doch im Buddhistischen Thailand! Am Nachmittag wurde ich dann von Heinrich aufgeklärt dass direkt hinter dem Hotel eine Moschee stand und es gerade im Süden Thailands doch recht viele Moslems geben würde. Ich hatte keinen blassen Schimmer davon gehabt. Wie von so vielem nicht was dieses Land anging...
    Ich legte mich also wieder hin. Um 10.00h wollte Heinrich uns abholen zu einem Ausflug auf eine Perleninsel. Ich war gespannt.

    J. und ich frühstückten gegen 9.30h auf der Terrasse der Bungalowanlage. Zwei junge, sehr hübsche und in Thailändischen Gewändern gekleidete Mädchen bedienten uns. Sehr schön, toller Morgen, Es war nicht ganz so schwül. Die Vögel im tropischen Garten sangen, wir aßen Toast, etwas Wurst, Käse, dazu Kaffee. Danach noch einen Teller mit frischem Obst. Aaaah war das lecker! Und so schön angerichtet.
    Um 10.00h kam Heinrich mit dem Jeep. Kiau war dabei. Er sagte uns dass wir etwas zu fahren hätten, dann auf ein Boot umsteigen und uns Koh Naka Yai anschauen.
    Während der Fahrt sprach er öfter einmal mit seiner Freundin, allerdings immer in sehr abgehackten Sätzen in furchtbar schlechtem Englisch. Ich empfand das irgendwie als peinlich da ich selbst sehr gut Englisch spreche und es sehr ungewohnt für mich klang. Außerdem redeten sie beiden oft vom ‚Bam bam‘ und ‚samoke cigar‘ und ähnliches Zeug. Ich konnte das nicht einordnen, seine Freundin kicherte jedenfalls immer, sie war sichtlich belustigt. Und Heinrich sagte immer wieder ‚die brauchen das JEDEN Tag, die sind so hier‘. Na ja. Ob das so stimmte?
    Wir kamen an einen Pier, parkten das Auto am Straßenrand. Es ging auf einen wackligen Holzsteg (verdammt, wenn die alten Bohlen mich nicht tragen krache ich durch und lande 3 Meter tiefer im Schlamm!!!) ca. 20 Meter über das Wasser. Hier gab es eine kleine Hütte in der Heinrich die Karten für die Überfahrt löste. Dann ging es auf dem Steg weiter nach vorne. Am Ende mussten wir eine wackelige Holzleiter nach unten klettern und stiegen in ein Longtailboot ein das soeben für uns vorgefahren war.
    Wir legten ab. Der Bootsführer, Heinrich, J. und ich. Mit einer Tasche über der Schulter in die ich vorsichtshalber mal ein Badetuch eingepackt hatte sowie Sonnencreme, Fotoapparat etc.
    Wir kamen zur Insel. Am Anlegepunkt gab es zunächst einige Holzgestelle die im Wasser versenkt waren. Hier hängen Muschelbänke sagte Heinrich, da werden die Perlen gezüchtet.
    Der Bootsführer manövrierte das Longtail vorsichtig und ohne große Probleme an den Kai.
    Wir stiegen aus (ich immer vorsichtig damit ich durch meine Gewichtsverlagerungen das Boot nicht zum kentern brachte!) und erklommen den Steg. Am Ende des Stegs, beim Betreten der Insel, erwarteten uns junge Mädchen mit kühlem Ananassaft. Das war herrlich nach der salzigen Luft auf dem Wasser. Zu Fuß ging es weiter an eine Anlage an der eine Vorführung stattfinden sollte. Man wartete etwas, es kamen noch mehr Touristen hinzu. Wir saßen auf kleinen Steinbänken. Dann kam ein Angestellter der Zuchtanlage und hielt einen Vortrag über die Perlenzucht, zeigte die angeblich größte Zuchtperle der Welt herum (etwa Golfball Größe) und animierte die Gäste zum Ansehen und Kauf verschiedener Produkte. Sah alles schön aus, ich brauchte aber nichts. Für wen auch?
    Danach hatten wir noch 2 Stunden Zeit zur freien Verfügung, die Rückfahrt auf das Festland war für 14.00h anberaumt. ‚Nach diesem Zeitpunkt darf sich niemand mehr hier aufhalten‘ sagte Heinrich.
    Die Insel war wunderschön, einsame Strände mit weißem, herrlichen Sand, Palmen die im 45 Grad Winkel ins Meer hinein ragten – Postkartenmotive.
    Wir gingen zurück zur Anlage wo ein Mittagessen bestellt war. Es gab eine sehr schmackhafte Suppe, danach fritierten Fisch. Hervorragend. Heinrich sagte es sei Barracuda. Keine Ahnung ob das stimmte.
    Nach dem Essen wieder zurück ins Boot, Überfahrt auf das Festland.
    Auf dem Holzsteg wieder meine Angst. Morsche Bohlen, ich krache durch und schlage im Schlamm ein...Wer sollte mich da wieder heraus holen?
    Der Jeep stand noch da, nicht aufgebrochen (in Spanien hatte ich da immer so meine Bedenken), eine Bullenhitze im Wageninnern.
    Wir fuhren zurück nach Patong.
    Heinrich machte in einer Nebenstraße an einem Lokal halt. Das wäre vor Monaten mal seines gewesen klärte er uns auf. Zwei hübsche junge Frauen bedienten. Nach dem ersten Getränk fragte die eine, sie hieß Ann, mit einem Lachen ‚who want me? 500 Baht!‘ Jesus Maria, jetzt geht das schon wieder los...‘No no thank you, we are too tired‘. Sie lachte laut!
    Nach ca. einer Stunde fuhr Heinrich uns zurück ins Hotel. Und legte uns eine Liste vor über seine Tourangebote die er so hatte. Tourangebote? Mussten wir für seine ‚Gastfreundschaft‘ bezahlen? So langsam wurde er mir ein wenig suspekt.
    Ich hatte bereits an diesem Tag beschlossen, auf jeden Fall wieder nach Thailand zu kommen! Alleine diese Überfahrt, der Besuch der Insel, das hatte mir dermaßen gut gefallen dass mein
    Entschluss fest stand.

    Am nächsten Tag stand ein Ausflug nach Kamala Beach an. Heinrich kannte dort eine Thai die mit einem Franzosen verheiratet war und ein kleines Lokal, direkt am Strand betrieb.
    Wir parkten den Jeep und gingen zu Fuß zwischen einigen kleinen Bungalows nach vorne zum Strand.
    Welch herrlicher Blick. Eine schöne Bucht, weißer Sand, kaum Menschen. Lediglich rechts, in ca. 50 Metern Entfernung, standen einige Liegestühle unter einem Baum im Schatten in denen es sich einige Touristen bequem gemacht hatten.
    Das Lokal bestand offensichtlich aus einem kleinen Schankraum und einer Küche. Davor hatte man 3 Tischgarnituren in den Sand gestellt, große Sonnenschirme dabei. Wir setzten uns. Ead, so hieß die Besitzerin, kam heraus. Sie war sehr schön, hatte blütend weiße Zähne, langes, leicht gelocktes Haar. Sie fragte was wir trinken wollten. 2 Bier, einmal Nam Sabparot für mich (das war das erste was ich in Thai gelernt hatte!).
    Wir nahmen die kühlen Getränke zu uns und genossen den Augenblick. Wärme, leichte Brise, das herrlich schimmernde Meer schwappte in leichten Wellen an den Strand. Unglaublich.
    Nach einer Weile beschlossen wir, etwas schwimmen zu gehen. Zogen uns aus, hängten die T-Shirts über die Stuhllehnen und gingen ins wunderbar warme und saubere Wasser. ‚In einem Meter Tiefe hat es hier 28 Grad‘ sagte Heinrich, der dies mit seiner Multifunktionsarmbanduhr geprüft hatte.
    Vom offenen Meer kam ein kleines Ruderboot herein. Als es näher kam erkannte Heinrich den Ehemann von Ead, den Franzosen. Er schipperte auf uns zu. ‚Was hast du gefangen‘? fragten wir ihn. Er deutete auf einen kleinen Eimer im Boot in dem einige Tintenfische lagen.
    Er ruderte ans Ufer, zog das Boot auf den Strand und ging mit seinen Angelutensilien in den Schankraum. Wir gingen nun auch wieder aus dem Wasser und setzten uns.
    J. und ich verspürten Hunger. Wir fragten was mit den Tintenfischen passieren würde. ‚Nichts, wollt ihr sie haben‘? fragte Ead. Das ließen wir uns nicht zweimal fragen.
    Sie rief in die Küche nach hinten und zwei weitere Frauen kamen heraus. Sie heizten einen kleinen Holzkohlegrill an, putzten die Tintenfische, würzten und grillten sie.
    Ead bereitete einen frischen Salat dazu, es schmeckte hervorragend. Den Damen gefiel es wie es uns schmeckte. Vor allem auch dass wir die scharfe Soße (Prik Nam Pla) nicht verachteten.

    Wir blieben noch ca. 1 Stunde und fuhren zurück nach Patong. Zunächst wieder ins Hotel um uns etwas hin zu legen, zu duschen und wieder frisch für den Abend zu sein.
    Das Abendessen nahmen wir gegenüber dem Paradise Hotel, auf dem ‚Nachtmarkt‘ ein. Fritierte Hähnchenteile, sehr lecker.
    Danach ging es wieder los Richtung Soi Bangla. Heinrich sagte er würde uns in eine A-Go-Go Bar bringen. Also haben wir solch einen Schuppen angesteuert.
    Es war angenehm kühl. Später wurde aus angenehm dann ‚sehr‘...An den Stangen tanzten einige Mädchen und schauten recht gelangweilt drein. Erst als wir direkt am Tresen zu ihren Füßen Platz nahmen kam etwas Leben in ihre Gesichtszüge (waren es Dollarzeichen?).
    Sie lachten, redeten miteinander, sahen zu uns her und lachten wieder. Lachten die uns AUS oder AN? Ich ging mal vom eher Positiven aus.
    Wir bestellten Getränke. Die etwas ältere Dame, die uns bediente, war verwundert dass ich kein Bier sondern Cola trank. Nachdem wir uns als Deutsche geoutet hatten schien dies um so erstaunlicher für sie zu sein.
    Kurz danach kam sie mit einer Art Menükarte. Was sollte das? Essen, hier?
    Heinrich sagte das wäre die Preisliste für die Mädels da oben. Das fand ich schon sehr diskriminierend, die als Handelsware auf einer Karte anzubieten! Wir lehnten ab und verließen kurz danach den Kühlraum.
    Es ging Richtung Soi Eric, zu Haaally wie ihn alle nannten. Die Mädchen hatten wohl leichte Probleme mit dem R in seinem Namen. Machte aber nichts, er hatte sich daran gewöhnt.
    An diesem Abend versuchte J. die kleine Oi anzumachen. Lächelte, machte Komplimente, gab einen aus. Hally kam zu ihm und sagte ‚verschwende deine Zeit nicht, DIE geht mit keinem! Meine Barkeeperin ist keine von den Käuflichen.‘ J. war enttäuscht. Der Arme.

    In den nächsten Tag suchten wir tagsüber die verschiedenen Strände Phukets auf, waren in der Schlangenfarm, im Aquarium, sahen uns den Sonnenuntergang auf Laem Promthep an.
    Die Abende glichen sich sehr. Soi Eric, Bar von Hally. Ich trank Eiskaffee, Nam Sabparot, Cola. Und widerstand der Fleischeslust.
    Ich hatte mir eine Yamaha V-Max gemietet, 145 satte PS. Ausfahren konnte ich sie jedoch nicht, das wäre zu gefährlich gewesen. Tagsüber fuhren wir damit zu den Stränden, für größere Ausflüge und die Fahrten an den Abenden nahmen wir den Jeep.

    Eines Abends nahm Harry mich zur Seite,. Er sagte ‚Mann, wieso bist du hier her gekommen? Du säufst nicht, du v.....t nicht, wieso bist du in Patong‘? Dass man auch seinen Spaß ohne Alkohol und Mädchen haben konnte war ihm irgendwie fremd.

    Ein Highlight des Aufenthaltes sollte der Ausflug in die Phang Nga Bay sein, nach James Bond Island.
    Wir fuhren eine gute Stunde mit dem Jeep, runter von der Insel. In einem kleinen Ort auf dem Festland bog Heinrich zwischen zwei Häuserfronten nach rechts ab, ein kleines handgemaltes Holzschild zeigte ‚James Bond Island‘ an. Wir fuhren ein wenig durch bewaldetes Gebiet, zwischen den Bäumen waren gelegentlich kleine Holzhütten zu sehen vor denen Frauen Wäsche zum Trocknen auf Leinen gehängt hatten. Dass hier jemand wohnen konnte, unter diesen Umständen...
    Wir kamen in den Ort an dem wir ein Boot besteigen sollten. Parkten den Jeep, gingen zu Fuß zum Pier. Wieder eine steile, wacklige Holztreppe nach unten, wieder meine Angst dass das Gebilde unter mir zusammenbricht und ich im brackigen Wasser lande. Alles ging gut.
    Das Longtailboot sah gut aus. Komplett mit einem gelben Sonnenschutzdach bespannt, ein großer Lkw-Motor der in der Sonne nur so blitzte, trieb den kleinen Propeller am Ende der langen Stange an. Der Bootsführer war sichtlich stolz darauf. Wir setzten uns. Nur Heinrich, J. und ich waren an Bord, Heinrich hatte das Boot für uns alleine reserviert.
    Nach einigen Minuten kamen wir an eine schmale Stelle die durch Mangroven führte. Hier war das Wasser so niedrig, dass der Bootsführer aussteigen und uns eine kurze Strecke durch das Siel ziehen musste. Ich hatte so meine Bedenken ob er nicht eventuell dem feigen Angriff einer Schlange zum Opfer fallen könnte. Es passierte zum Glück nichts.
    Als wir aus den Mangroven heraus kamen öffnete sich die Bucht vor uns. Phantastisch anzusehende hohe Kalksteinformationen, grün bewachsen, standen wie Mahnmale der Ewigkeit im Wasser. Ein Wahnsinns Bild. Über uns kreiste ein Weißkopfseeadler.
    Ich war überglücklich, konnte mich nicht satt sehen.
    Der Bootsführer gab nun etwas mehr Gas, die Gischt spritzte und der Fahrtwind wehte mir fast die Mütze vom Kopf. Wir umfuhren einige der Inseln, bei einer davon sind wir durch eine Art Durchbruch unten durchgefahren.
    Dann kamen wir an die so berühmte James Bond Island. Nun, nicht gerade so beeindruckend wie ich fand. Der Fels steht zwar schon recht eigenartig im Wasser aber ohne die durch den Film ausgelöste Publicity würde er nicht unbedingt weiter auffallen. Wir legten an, kletterten aus dem Boot. Auf dem recht kleinen Stück Land hatten sich viele Souvenirhändler breit gemacht. Verkauften allerlei Schund wie ich fand. Außerdem Muscheln von denen ich nicht überzeugt war, dass sie nicht unter Schutz standen, ich kaufe nichts.
    Wir hielten uns dann auch nicht lange auf und traten den Rückweg an. Zeitlich hatten wir es so eingerichtet, dass wir zum Mittagessen an einem im Wasser auf Stelzen gebauten Dorf Rast machten. Koh Panyi. Wir legten an einem der Bootsstege an und gingen die Schräge nach oben, direkt in ein großes Restaurant.
    Es waren außer uns keine Gäste da. Die großen Ausflugsgesellschaften waren bereits wieder weg, es war gegen 14.00h. Wir setzten uns an einen der ersten Tische, mit Blick auf die Bucht. Am Nebentisch saßen drei junge Thailänderinnen und ein ca. 15-jähriger Junge. Man lächelte uns an, wir lächelten zurück. Heinrich hatte wieder einige dumme Bemerkungen parat die mir nicht gefielen. Er ließ oft kein gutes Haar an den Menschen dort. Warum lebte er denn da? Sollte er doch wieder nach Hause gehen wenn die alle so schlecht waren!
    Wir bestellten etwas zum Essen und Getränke. Der Wunsch meines Bruders nach einem Bier wurde nicht erfüllt, es gab keins. Koh Panyi ist ein rein Moslemisches Dorf.
    Als wir mit dem Essen fertig waren kam der Junge an unseren Tisch und sprach mit Heinrich. J. und ich verstanden nicht worum es ging. Er setzte sich wieder. Heinrich sagte ‚er hat gefragt ob ihr nach dem Essen noch die Mädchen haben wollt‘! War das wahr??? Ich konnte und wollte es nicht glauben.
    Zurück in Patong, wieder das Abendprogramm.
    Die Abreise von J. rückte näher, 2 Tage später flog er zurück.
    Am vorletzten Tag unternahmen wir eine Angeltour.
    Am Abend davor war J. recht früh verschwunden (in Begleitung natürlich), ich saß bis spät in die Nacht bei Hally, versuchte so gut es geht unter einem der Deckenventilatoren Platz zu bekommen und trank weiter meinen Eiskaffee oder Ananassaft. Gegen 3.00h sagte Hally er würde nun schließen, habe aber noch keine Lust nach Hause zu gehen. ‚Gehst du mit in die Saloon Bar‘? fragte er mich. O.K., ich war dabei.
    Die Saloon Bar wurde ihrem Namen einigermaßen gerecht, es sah schon ein wenig aus wie in einem Western Saloon. Es war auch mehr oder weniger ein Musikclub, oft gab es Livemusik von Bands die recht gut Internationale Rocktitel nachspielten. Leider allzu oft Hotel California von den Eagles! Ich mag den Song eigentlich recht gerne aber wenn man ihn JEDEN ABEND zu hören bekommt kann es einen schon nerven. Nun gut, das ging auch wieder vorbei und die Band in dieser Nacht gab noch das ein oder andere zum Besten das meinem Geschmack entsprach.
    Hally und ich saßen an der Theke. Ein ca. 22-jähriges Mädchen kam zu uns. Sie redete Hally an. Er sagte zu mir dass er sie kenne. Sie sei Go-Go-Tänzerin. Sie sah klasse aus!
    ‚Willst du die mitnehmen heute‘ fragte er mich!
    Wie, was? Mitnehmen? Gerade so oder was? Äääh, nein, ich glaube nicht.
    Der Nichttrinker und Nichtv....r wieder.
    Wir blieben bis kurz vor 6.00h früh. Ich verabschiedete mich vom inzwischen betrunkenen Hally (leider setzte er in der Hauptsaison einen Großteil seiner Abendlichen Einnahmen gleich wieder in anderen Bars und bei Mädchen um....).
    Ich ging nach draußen, bestieg eines der wartenden Tuk-Tuk.
    Plötzlich stand sie da. Das Go-Go-Mädel von vorhin. ‚Can I come with you‘? fragte sie. Hmm, ppffhh, ‚up to you‘ sagte ich. Tatsächlich, ich sagte sie könne mitkommen.
    Mae hieß sie, war wirklich sehr schön, toller Körper. Und so jung.
    Wir kamen zum Hotel, ich bezahlte den Tuk-Tuk Fahrer und aufgeregt ging ich mit ihr zu meinem Zimmer. Das Herz pochte, ich merkte wie mir hinter den Ohren der Schweiß zu laufen begann. Ich schloss auf. Zuerst die Geldbörse in den Tresor, man weiß ja nie...
    ‚We shower first‘ meinte sie. Gott sei Dank, ich hatte schon Bedenken dass sie eventuell ungeduscht zu Bett gehen würde. Das war gut. Also duschten wir. Zusammen.. Platz genug war ja da.
    Die nächsten 3 Stunden werde ich nicht näher schildern, wir taten jedenfalls kein Auge zu.

    Gegen 9.30h klopfte es an die Tür. Ich fuhr hoch. Wer war das? Ich ging zur Tür, öffnete sie und blinzelte in die grelle Morgensonne. Heinrich stand da. ‚Wie sieht’s aus, fit? Wir gehen doch Fischen‘! Ach du Schande, das hatte ich vollkommen verpennt. ‚Ich komme in 20 Minuten nach, geht schon mal vor‘! Zu Mae sagte ich ‚please get up, i have to leave – sorry‘.
    Sie ging, verabschiedete sich höflich. Sagte aber kein Wort von Geld das sie haben wollte.
    Ich gab ihr trotzdem Baht 500,--. Sie bedankte sich mit einem Wai und ging nach draußen.

    Ich duschte, zog mich schnell an und fuhr mit der schweren Yamaha an den Strand. Die anderen warteten bereits und lächelten wissend, als sie mich etwas abgehetzt und übernächtigt sahen. Wir schleppten allerlei Zeug zum Boot das in den Wellen ein wenig auf und nieder wogte. Mir hatten sie die riesige Kühlbox mit etlichen Flaschen Bier und Softdrinks übergeben. War ganz schön schwer. Ich trug sie mit einer Hand zum Boot und gab sie am ausgestreckten Arm nach oben. Der Bootsführer nahm sie mit beiden Händen entgegen und wäre fast über Bord gegangen. Mit dem Gewicht hatte er nicht gerechnet. Er lachte laut und sagte ‚Falang bumbui heb too mut Power‘!
    Wir verbrachten einige Stunden auf dem Meer, in der gleißenden Sonne. Wir fingen auch etliche Fische von denen einige so schön waren, dass ich es als eine Schande empfand sie ihrem Element zu entreißen und zu töten.
    Nachdem wir alle Krebsrot von der Sonne und auch hungrig waren (in der Eile am Morgen hatte ich natürlich keine Zeit für ein Frühstück gehabt) beschlossen wir, mit dem Boot ein kleines Lokal in einer Bucht zwischen Patong und Karon anzusteuern. Wir legten an, brachten den Fang der Wirtin. Sie sagte sie würde sie zubereiten, es gibt Salat dazu. Die schönsten müsse sie aber weg werfen, die könne man nicht essen...
    Später kreuzten wir die Bucht von Patong, legten an und begaben uns alle zurück in unsere Zimmer bzw. Bungalows.
    Der Tag hatte mich ganz schön geschlaucht (die Nacht davor auch). Also schlief ich 2-3 Stunden. Mit J. hatte ich vereinbart dass wir gegen 20.00h wieder an Hally’s Bar gehen wollten.
    Es war der letzte Abend meines Bruders und er ließ es noch einmal so richtig krachen. Ich verspürte gegen 21.00h bereits ein komisches Gefühl im Magen- und Darmbereich.
    20 Minuten später war es kaum noch auszuhalten. Die kalten Getränke auf nüchternen Magen auf dem Boot tagsüber zeigten mir nun was eine Harke ist!
    Ich bestieg eiligst ein Tuk-Tuk, fuhr zurück zum Hotel und schaffte es gerade noch rechtzeitig auf die Toilette. Klasse. Freitag Abends mit Brechdurchfall im Hotel!
    Die Nacht war grausam. An der Rezeption bestellte ich einige Rollen Toilettenpapier nach und das nette Persönchen brachte sie mir sofort.
    Am nächsten Morgen, es war sein Abreisetag, schaute mein Bruder nach mir.
    Ich bat ihn, mir trockene Brötchen und Bananen zu besorgen. Wenig später kam er zurück. Mit Hamburger-Brötchen (diese teigigen, weichen Dinger mochte ich noch nie) und einer kleinen Staude ‚Fingerbananen‘. Die schmeckten gut, die Brötchen konnte ich nicht runter kriegen.
    Am Nachmittag verabschiedete er sich von mir, nicht ohne mir noch eine Handvoll Kondome auf den Tisch zu legen. ‚Für alle Fälle‘ meinte er grinsend. Ich nehme an es waren die Überreste einer 100-er Packung...
    Sonntags schaute Heinrich vorbei.
    ‚Was ist los, soll ich dir ein Mädel besorgen‘? Das schien seine einzige Sorge zu sein. Meine war’s nicht. ‚I’m not in the condition to f....! sagte ich in Anlehnung an den besoffenen Fregattenkapitän aus ‚Das Boot‘.
    Ich verbrachte noch den Sonntag sowie den ganzen Montag im Hotelzimmer. Kaum was gegessen, nur Cola getrunken (soll angeblich gut sein bei Magen/Darmproblemen).
    Gegen Abend traute ich mich wieder nach draußen. Wacklig auf den Beinen, immer noch einen Druck im Magenbereich.
    Es sollte der Abend sein der mein Leben veränderte.

    Fortsetzung folgt…

  2.  
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  3. #2
    Avatar von Stephan baaa

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    Re: Erinnerungen

    also, - klasse geschrieben. :bravo: Ich seh alles vor mir wie im Film.

    Mach blos fix weiter und verlier bitte nicht die Lust.

    Danke Stephan

  4. #3
    Avatar von hschub

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    Re: Erinnerungen

    Hallo Chang Nam,

    sehr unterhaltsam geschrieben
    weiter so,
    ein paar Bilder würden Deinen Bericht noch perfekt machen.

    Viele

  5. #4
    Smithy
    Avatar von Smithy

    Re: Erinnerungen

    Das Beste wäre, wenn Du gleich durchschreibst .

    Lass die Tastatur ruhig qualmen .

    Gruß, Smithy

  6. #5
    Avatar von Chang Nam

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    264

    Re: Erinnerungen

    Am Montag komtm der nächste Teil! Heute und morgen feiern wir ausgiebig den Geburtstag meiner Frau, Sonntag werde ich wieder in Erinnerungen schwelgen und weiter schreiben.

    Grüsse
    Chang Nam

  7. #6
    Avatar von bigchang

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    Re: Erinnerungen

    aber bitte nicht vergessen am montag
    klasse geschrieben,macht echt spass zu lesen

    gruesse matt

  8. #7
    Avatar von Chang Nam

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    264

    Re: Erinnerungen

    Es geht weiter...


    Ich fuhr mit einem Tuk-Tuk Richtung Soi Bangla. Vor der Soi Eric ließ ich mich absetzen.
    In den Bars war Betrieb wie immer. Musik, lachende, manchmal kreischende Mädchen, Männer die deren Gesellschaft genossen. Ich hatte eigentlich überhaupt keine Lust mich wieder in das Nachtleben zu stürzen, ich war matt, abgeschlagen, nicht wirklich gesund.
    An Hally’s Bar angekommen wurde ich von einigen Stammgästen, die mich nun bereits kannten, begrüßt. ‚Na, wieder unter den Lebenden’? Na ja, es ging gerade so.
    Oi freute sich sichtlich mich zu sehen. Fragte ob sie mir einen Tee machen sollte.
    Bei der Wärme konnte ich mir das aber nicht antun. Bestellte Apfelsaftschorle. Vermutlich war ich der erste der so etwas bestellte, Oi schaute mich mit großen Augen an.
    Apfelsaft hätten sie keinen. Aber sie könne besorgen! Sie verschwand für einige Minuten, kam zurück und hatte 3 kleine Dosen Apfelsaft besorgt. Wie nett von ihr!
    Ich sah dass die einige blaue Flecken im Gesicht hatte, am linken Arm ein großes Pflaster.
    Hatte ihr Freund/Mann sie etwa geschlagen?
    Ich fragte Hally. Er erklärte mir dass sie keinen Freund habe, von ihrem Thailändischen Mann war sie seit Jahren bereits geschieden. Die Verletzungen kamen von einem Sturz mit dem Moped in der vergangenen Nacht. Das beruhigte mich, auch wenn es für sie unangenehm war.
    Aber die Gewissheit, dass sie nicht von einem Kerl misshandelt worden war, rang dem Ganzen noch etwas Positives ab.
    Es war wieder ziemlich viel los an diesem Abend bei Hally. Ich wollte eigentlich etwas meine Ruhe haben. Klarer Fall, dafür war die Soi Bangla und all die Bars natürlich der falsche Platz. Aber ich hatte bisher kaum etwas anderes gesehen, also saß ich da wo ich Bekannte hatte.
    Nach einer Stunde wollte ich mich etwas umsehen, bezahlte und ging wieder in die ‚Soi Katoey’. Heinrich hatte mir erzählt dass seine Freundin Kiau früher in der ‚Sansibar’ gearbeitet hatte und die Mädchen dort nett seien. Ich ging hin. Eine ältere sowie zwei jüngere, hübsche Frauen standen hinter der Theke. Die ältere machte einen verhärmten Eindruck, harte Gesichtszüge, vom wohl schweren Leben gezeichnet. Sie hatte eine raue, unangenehme Stimme. Ich bestellte einen Drink. Eine der beiden Mädchen setzte sich mir gegenüber an den Tresen. Sie war sehr hübsch. Lange, dunkelbraune Haare, volle Lippen, ein Körper der die pure Sünde war, da stimmte alles!
    Sie fragte ob wir ein wenig spielen wollten. O.K., ich stimmte zu. Sie holte ein Würfelspiel unter der Theke hervor. Wir vereinbarten dass der Verlierer dem Gewinner einen ausgeben musste. Es machte Spaß, vor allem wie sich die Kleine freute wenn sie gewann. Sie machte kleine Sprünge, lachte, klatschte in die Hände. Wir machten 5 oder Spiele von denen ich zwei gewann. Danach bezahlte ich. Sie sagte ich solle auf jeden Fall wieder kommen. Was ich versprach. Sie gefiel mir, vor allem ihre fröhliche Art. Allerdings war es nicht ein Gefühl das eventuell in Liebe hätte münden können, es waren eher so etwas wie eine Zuneigung wie man sie zu lieben Kindern hat mit denen man spielt und sich an ihrer Unbekümmertheit erfreut.

    Ich ging zu Hally. Setzte mich wieder an die Theke. Oi fragte mich wo ich denn gewesen wäre. Ich sagte ich hätte in der Soi Katoey an der Sansibar etwas getrunken und ein wenig gewürfelt. Das schien ihr nicht zu gefallen…
    Der Abend verging, es ging bereits auf 3.00h zu. Die Bar würde bald schließen. Da ich keine Lust hatte nach Hause zu gehen, wagte ich es Oi zu fragen was sie nach Feierabend tun würde. Sie sagte sie ginge nach vorne in eine Bar eines Holländers den sie kenne, da laufe immer gute Musik. Ich solle doch auf sie warten und mitgehen. Das war mal ein Angebot!
    Oi rechnete mit Hally die Einnahmen ab, stieg auf ihr Moped das sie am Eingang der Soi Eric geparkt hatte und fuhr vor. Ich kam zu Fuß hinterher.
    Sie erwartete mich an der Bar des Holländers. Bob nannten sie ihn, er war ein netter Kerl.
    Schien nicht einer der etwas dubiosen Barbesitzer zu sein bei denen man oft dass Gefühl hatte, dass sie in Thailand weilten weil sie in ihrer Heimat von den Behörden gesucht wurden.
    Ich setzte ich neben Oi an die Bar. Sie hatte einen Jacky/Coke bestellt, ich trank Coke pur.
    Nach einer Weile des Wechselns belangloser Worte merkte ich, wie sie Luft holte um etwas zu sagen was ihr ein wenig schwer fiel. Sie kam heraus mit der Sprache. ‚Ich mag einen Mann sehr gerne, weiß aber nicht ob er mich auch mag!’ Ich war zunächst ein wenig getroffen da ich sie wirklich sehr gerne mochte. Sie war nicht nur sehr hübsch und nett, sie war ein wenig unnahbar, machte nur ihren harten Job hinter der Theke, war nicht käuflich. ‚Na ja, sagte ich, er merkt das nicht’? Sie sagte sie wisse es nicht genau. Ich fragte ‚Kenne ich ihn, wer ist es denn?’ Sie druckste herum. Na jaaaa, ähem – alsoooo DU bist es!
    Es traf mich wie ein Schlag! Das konnte nicht sein! ICH sollte dieses Glück haben? ICH?
    Ich weiß nicht mehr wie ich reagiert habe. Vermutlich sagte ich etwas wie ‚ah ha, ach so’. Jedenfalls stotterte ich herum bis ich die Fassung wieder gefunden hatte.
    Ich sagte ihr dass ich sie auch sehr gerne hätte und wir lachten beide. Es war sowohl für sie als auch für mich eine Erleichterung dass es heraus war.
    Sie sagte sie möge Männe die etwas kräftiger seien. 4 Monate vorher hatte sie sich von ihrem Ex-Freund, einem Amerikaner getrennt. Der war 1 ½ Jahre vorher als Schiffskoch auf einem Kreuzfahrtschiff nach Patong gekommen.
    Er blieb da, arbeitete als Techniker in verschiedenen Discotheken und später hatten sie zusammen ein kleines Lokal eröffnet. Leider war er immer wieder auf Überweisungen seiner Mutter aus den USA angewiesen da er Umsatz mit Gewinn verwechselte und mehr Geld ausgab, als sie einnahmen. Als dann plötzlich kein Geld mehr von Muttern kam ging er wieder in die Staaten zurück. Na ja, sie musste dann schauen dass sie wieder eine Arbeit bekam und durch ihre Schwester, die mit einem Deutschen verheiratet war, lernte sie Hally kennen der ihr den Job als Thekenfrau anbot.
    So, ein wenig wusste ich nun von ihr. Sie schlug vor in die Saloon Bar zu gehen um etwas Live-Musik anzuhören. Wir gingen hinüber, es waren nur wenige Meter.
    Wir setzten uns an eine der kleinen Tische. Die Band spielte ‚Hotel California’ (schon wieder!!!) Zwei Mädchen kamen an den Tisch, sie schienen Freundinnen von Oi zu sein. Die eine hieß Noi, die andere Saao. Sie setzten sich, bestellten Drinks. Oi sprach mit ihnen, alle lachten, die Mädchen taxierten mich genau. Nach einer Weile fragte Oi mich ob wir alle zusammen nach Karon Beach fahren wollten, da sei es ein wenig ruhiger.
    Ich stimmte zu, sagte ich würde ein Tuk-Tuk anhalten. Nein, sie wollten mit den Mopeds fahren und ich solle mein Motorrad im Hotel holen. Was, jetzt das Motorrad holen? Es war nach 4.00h früh. Sie bestand darauf. Also setzte ich mich in ein Tuk-Tuk, fuhr zum Hotel und holte die Yamaha. Nach 10 Minuten fuhr ich vor der Saloon Bar vor. Oi stieg hinten auf was ihr sichtlich Schwierigkeiten bereitete. Sie war kaum 1,50m groß.
    Noi und Saao bestiegen ein Moped und wir fuhren zusammen durch die laue Nacht nach Karon Beach. Dort angekommen steuerten wir eine Bar an. Wir bestellten. 3 Bier für die Girls, eine Coke für mich. Die Bedienung schien das zu amüsieren.
    Die Mädchen redeten viel miteinander, ich verstand kein Wort. Gelegentlich erklärte mir Oi worüber sie sich unterhielten. Ich wusste natürlich nicht ob es der Wahrheit entsprach, glaubte ihr aber da ich sie nicht so einschätzte dass sie mich anlügen würde.
    Nach etwa einer Stunde schloss die Bar, ich bezahlte unsere Getränke und wir fuhren zurück nach Patong. Die betrunkene Noi fuhr mit ihrem Moped fast schneller als ich mit der schweren Maschine. Ich dachte ‚lass sie nur, wenn es sie hinhaut muss ich halt Erste Hilfe leisten’. Glücklichweise kamen alle heil nach Patong zurück.
    Ich fragte Oi ob sie mit mir kommen wolle um bei mir zu übernachten. ‚Nein, das kommt nicht in Frage’ sagte sie. ‚Bringe mich bitte nach Hause’. Sie dirigierte mich durch einige Nebenstraßen bis wir vor einem kleinen Bungalow anhielten. Sie stieg ab und verabschiedete sich mit einem kleinen Winken.
    Ich drehte die schwere Maschine um und fuhr zum Hotel. Glücklich wie schon lange nicht mehr, mein Herz macht Sprünge, vermutlich saß ich breit grinsend auf dem Motorrad.
    Ich ging in mein Zimmer, duschte, legte mich hin. Einschlafen konnte ich zunächst nicht, zu viele Gedanken schossen mir durch den Kopf. Was war in den letzten Tagen alles geschehen? So viele schöne Dinge, so viele Eindrücke, Fremdartigkeiten. Und der Gipfel dann heute Abend, Oi mochte mich, war mit mir weg gewesen.
    Die Tatsache dass sie NICHT mit mir ins Hotel gekommen war sondern nach Hause wollte, zeigte mir, dass sie wohl wirklich so war wie Hally mir versichert hatte.
    Es machte mir nichts aus alleine im Bett zu liegen.
    Ich war verliebt.

    Nach einigen Stunden Schlaf stand ich auf, frühstückte im Hotel, fühlte mich großartig.
    Die Magenschmerzen hatten nachgelassen.
    Um 11.00h wollte Heinrich kommen, wir wollten nach Phuket Town fahren. Er mit seinem Moped, Kiau als Sozius. Ich mit der großen Maschine brav hinten drein.
    Wir fuhren durch die heiße Mittagssonne. Zwischen Kathu und Phuket Town fing die Yamaha an zu spinnen, spuckte, ruckte, nahm kein Gas mehr an. Heinrich fuhr 50 Meter vor mir und merkte nicht, dass ich zurück fiel. Die Tankanzeige zeigte noch gut ¼ an.
    Da stand ich. Maschine aus, Bullenhitze, Heinrich außer Sichtweite. Klasse.
    Links neben der Straße standen einige kleine Häuser, teilweise mit Wellblech gedeckt.
    Ich schob das sehr schwere Motorrad, der Schweiß rann in Strömen an mir herunter, mein T-Shirt war durchnässt. Da kam aus einer der kleinen Behausungen ein Thai heraus.
    Kurze Adidas-Hosen, ein T-Shirt das er offensichtlich schon einige Tage trug, unter dem linken Arm hatte es ein Loch. Er fragte mich was los sei. Ich sagte ich wisse es nicht, das Teil läuft nicht mehr. Gasoline? Fragte er. Nein, es müsse noch was drin sein. Wir schüttelten die Maschine so gut das ging bei dem Gewicht das es hatte. Man hörte kein Schwappen!
    Der Mann ging zurück in sein Haus. Er kam heraus und hatte zwei Limoflaschen mitgebracht die mit Benzin gefüllt waren! Ich öffnete den Tank, wir schütteten das Benzin hinein. Ein Druck auf den Anlasser, die Maschine sprang an!! Welches Glück! Ich fragte was er für das Benzin bekomme. ‚Nichts’ sagte er. Ich sagte das ginge nicht, er habe es doch auch bezahlen müssen. Das sei schon in Ordnung, er war glücklich dass er mir helfen konnte!
    Ich bedankte mich bei ihm und stieg auf. Solch eine nette Geste hatte ich lange nicht erlebt. Er, der in einem Haus lebte das in meiner Heimat maximal als Abstellmöglichkeit genutzt würde, hatte mir, dem ‚REICHEN’ Ausländer geholfen. Nur so, aus Nächstenliebe.
    Ich war tief beeindruckt.
    Da kam auch Heinrich zurück, irgendwo schien er im Rückspiegel gesehen zu haben dass ich nicht mehr hinter ihm war. Wir fuhren nach Phuket Town, gingen im ‚Robinson’ einkaufen.
    Am späten Nachmittag fuhren wir wieder nach Patong zurück.

    Später geht's weiter...

  9. #8
    Avatar von ChangLek

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    Re: Erinnerungen

    .....ein neuer und begnadeter Literat, weiter so. Bravo..... :bravo: :bravo: :bravo:

  10. #9
    Avatar von Pee Niko

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    2.792

    Re: Erinnerungen

    Suuuper geschrieben, man fühlt sich mitten im Geschehen .

    Ran an die Tastatur ..., wie geht´s weiter?

    Gruß von Niko

  11. #10
    Avatar von Chang Nam

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    264

    Re: Erinnerungen

    Weiter geht's...


    Am Abend begab ich mich wieder an Hally’s Bar. Tagsüber schaute ich immer wieder auf die Uhr , die Zeit bis zum Öffnen der Bar verging mir viel zu langsam. Ich musste Oi sehen.
    Sie war da, schon wieder mit dem Mixen von Cocktails beschäftigt. Es war eine sehr schöne Begrüßung, wir schauten uns in die Augen und ich glaubte in ihrem Blick die gleiche Freude zu erkennen wie ich sie selbst verspürte. Ich saß eine Weile da, würfelte ein wenig mit Hally und einigen Gästen. Dies hat mich so einige Runden gekostet, der Verlierer musste den anderen Mitspielern immer einen ausgeben. Hier hatte ich leider etwas weniger Glück als an der Sansibar.
    Wenig später beschloss ich, noch einmal in die Nebenstraße zu gehen und mein Versprechen einzulösen das ich dem Mädchen dort gegeben hatte. Sie begrüßte mich hoch erfreut. Schien ganz aufgedreht und glücklich zu sein mich zu sehen. Wir unterhielten uns ein wenig, machten einige Würfelspiele. Dann zeigte sie mir mit einer Bewegung des Zeigefingers dass ich mich ein wenig zu ihr über die Theke beugen sollte. Ich dachte sie will mir etwas ins Ohr sagen da die Musik wieder sehr laut war und man sich oft nicht richtig unterhalten konnte.
    Ich erhob mich ein wenig vom Barhocker, kam ihrem Gesicht näher. Da küsste sie mich! Leidenschaftlich, voller Hingabe. Damit hatte ich nun am wenigsten gerechnet! Ich war überrascht aber es war auch schön.
    Ich war ein wenig peinlich berührt, hatte sich dies doch vor sehr vielen Leuten abgespielt.
    ‚I like you too mut‘ sagte sie. ‚Please wait for me when i finit working‘. Das wollte ich nun wirklich nicht. Wie bereits erwähnt hegte ich für sie keine Gefühle der Liebe sondern eher der Väterlichen Zuneigung.
    Ich sagte ihr dass ich mit einem anderen Mädchen bereits befreundet sei und wieder zurück in die Soi Eric ginge.
    Sie sagte ich solle etwas warten. Ging weg. Kam nach einigen Minuten wieder und hatte 3 schön gebundene rote Rosen in der Hand. Die gab sie mir nun. Ich war perplex. Eine junge, hübsche Frau gab MIR Blumen?
    Meine Güte, wohin sollte das führen? Ich bedankte mich und verließ die Bar.
    Zurück an Hally’s Bar. Ich legte die Rosen auf die Theke. Oi saß mittlerweile mit einigen Freundinnen an einem Tisch, ihren Dienst hatte eine junge Frau übernommen die Hally als zweite Kraft einstellen wollte.
    Ich ging an den Tisch, die Mädels begrüßten mich. Ich fragte Oi ob wir nachher zusammen weg gehen würden. Ja, geht klar. Ich war sehr froh und setzte mich wieder an die Theke. Es war recht spät geworden und ich war müde. Ging wieder an den Tisch und sagte ich wolle gehen. ‚Ja ja, gleich‘ sagte Oi. Wieder wartete ich. Es verging noch einmal fast eine Stunde. Nun wurde es mir zu bunt, ich bezahlte, stand auf und ging die Soi Eric hinaus. Nahm mir ein Tuk-Tuk und fuhr zurück ins Hotel.
    Hatte sie doch nicht solch ein Interesse an mir dass sie mich ewig warten ließ und mich vergessen zu haben schien solange sie mit ihren Freundinnen redete?
    Ich saß auf dem Bett und versuchte meine Gedanken zu ordnen. Nach einigen Minuten klopfte es an der Tür. Ich öffnete und Oi stand da.
    Sie sagte Hally habe ihr gesagt wo ich wohne, fragte mich warum ich denn gegangen sei. Ich erklärte ihr dass es mir einfach nicht gefallen hatte dass sie mich links liegen ließ. Sie entschuldigte sich dafür, es war nicht ihre Absicht gewesen. Wir umarmten uns. Für sie unmerkbar kullerten mir einige Tränen herunter, ich schluckte schwer.
    Ich fragte sie ob sie hier bleiben wolle. Sie bejahte, sagte aber dass sie zwar BEI mir aber nicht MIT mir schlafen würde. Ich fand das o.k., nach wie vor. Wir duschten, nacheinander, legten uns nebeneinander ins Bett und schliefen.
    Früh am Morgen stand sie auf und fuhr nach Hause. Ich musste an diesem Tag das Motorrad zurück geben, der Mietvertrag endete gegen 12.00h. Ich fuhr zur Beach Road, stellte das gute Stück ab, erhielt meinen Pass zurück (den würde ich heute nicht mehr weg geben) und stand da. Was nun?
    Bruder zu Hause, keine Touren mehr geplant, kein fahrbarer Untersatz. Ich winkte einem Tuk-Tuk Fahrer.
    Er hielt an und fragte mich wohin es gehen sollte. Ich sagte ich kenne die Adresse nicht, ich würde ihn dirigieren, wenn wir dort seien sage ich ihm Bescheid. Ich MUSSTE sie sehen, auch wenn wir uns nur wenige Stunden zuvor voneinander verabschiedet hatten.
    Wir kamen nach wenigen Minuten an ihren Bungalow. Ich stieg aus, bezahlte, ging auf den Eingang zu.
    Der struppige Hund der Nachbarn kläffte mich an, er verteidigte sein Revier gegen den fremden Eindringling!
    Es war kein Klingelknopf an der Tür also klopfte ich an. Drinnen hörte ich schlürfende Schritte. Die Tür ging auf. Oi schaute mich an. ,DUUUUU, hier? Wie hast du mich denn gefunden?‘ Sie war überrascht dass ich den Weg noch kannte obwohl es nicht einfach zu finden war und ich sie ja einige Tage zuvor in der Dunkelheit nach Hause gebracht hatte. Sie bat mich hinein. Die Wohnung bestand aus einem Raum der ca. 20qm hatte, ein kleiner Flur führte nach hinten in ein Badezimmer. Im Schlaf- und Wohnraum stand ein großes Bett. Sie wohnte hier zusammen mit Noi sagte sie. Es war recht spartanisch, kaum möbliert aber sehr sauber. Das war wichtig für mich.
    Ich nahm auf einem kleinen Hocker Platz und wir redeten eine ganze Weile. Ich erklärte ihr dass es mich traurig mache dass ich 1 Tag später bereits nach Hause fliegen musste.
    Sie fragte mich wo in Deutschland ich lebte da ihre Schwester seit einigen Monaten mit ihrem Mann (sie hatten vor ihrer Abreise in Bangkok geheiratet) in der Nähe von Stuttgart wohnte. Das war schön für mich zu hören, gab es doch Kontakte in meine Heimat. Ich hatte unter Umständen eine Kontaktadresse wenn ich ihr schreiben oder etwas von ihr hören wollte. Sie gab mir die Adresse. Sehr schön. Den Ort kannte ich, nur 45 km von meinem Zuhause entfernt.
    Nach 2 Stunden fuhr ich wieder ins Hotel. Oi musste um 16.00h an der Bar sein um die Getränke- und Eislieferungen anzunehmen.
    Ich lag auf meinem Bett, es wurde stündlich schwerer an den nahenden Abschied zu denken. Wieder liefen mir die Tränen über das Gesicht, sie schmeckten salzig auf meinen Lippen.
    Am Abend saß ich wieder bei ihr. Machte keinen Schritt mehr von ihr weg, weder in die Soi Katoey noch sonst irgendwo hin.
    An diesem, dem letzten Abend, hängte Hally mir einen geflochtenen Blumenkranz um, als Abschiedsgeschenk sozusagen. Meine Güte wie die dufteten, herrlich!
    Nach Oi’s Feierabend gingen wir eine Kleinigkeit essen, tranken noch etwas bei Bob und gingen später zum Hotel. Sie würde wieder bei mir übernachten. Nur übernachten, sonst nichts.
    Die Nacht verging und ich schlief schlecht. Zuviele Gedanken rasten mir durch den Kopf, alles wurde wirr, ich wusste nicht wie ich den nächsten Tag und den Abschied überstehen sollte.
    Wir frühstückten gemeinsam und sie fuhr wieder zu sich nach Hause. Tagsüber streifte ich ein wenig durch die Läden, kaufte Souvenirs für meine Eltern und meine Neffen und Nichten ein (ich liebe sie als wären es meine eigenen Kinder), ging wieder zurück und packte.
    Hally hatte einen Jeep gemietet, gegen 16.00h würde er mich abholen und zum Flughafen bringen. Er versprach Oi mit zu bringen. Sie kamen, wir luden mein Gepäck ein. Ich setzte mich nach hinten zu Oi, ließ während der Fahrt nie ihre Hand los, ich wollte sie nie mehr im Leben los lassen!
    Am Flughafen angekommen checkte ich ein. Es war noch mehr als eine Stunde Zeit bis zum Abflug nach Singapore. Ich scherzte mit Hally, wollte meine unglaubliche Traurigkeit überbrücken.
    Wir tranken etwas, redeten über allerlei Dinge, ich ließ mir noch den Geburtstag von Oi nennen und Hally’s Telefon-Nummer damit ich sie auf jeden Fall anrufen konnte.
    So, nun war es soweit, ich musste gehen. Jesus Maria und Josef, lasst es mich überstehen!!!
    Ich versuchte zu verhindern dass mir die Gesichtszüge entglitten als ich Oi umarmte. Sie zog einen Strauß Rosen hinter ihrem Rücken hervor und gab in mir. Nun schossen mir die Tränen in die Augen, ich konnte nicht mehr sprechen, war am Ende. ‚I will come back‘ war das Einzige was ich noch hervor brachte. Oi lächelte aber es sah ebenfalls gequält aus, ihr wahren Gefühle zeigte sie nicht.
    Dann drehte ich mich um und strebte dem Gate zu. Versuchte einigermaßen gefasst zu wirken, es gelang mir sicherlich nicht.

    Bis zum Abflug saß ich im Warteraum, stellte mir vor was sie nun tun würde, wie das alles weitergehen sollte.
    Den Rosenstrauß ließ ich nicht mehr los, ich hielt ihn auf dem Flug von Phuket nach Singapore in der Hand, beim Flug von Singapore nach Frankfurt lag er neben mir auf dem frei gebliebenen Sitzplatz.
    Irgendwie überstand ich den Rückflug, meine Gedanken waren immer nur bei ihr. Einzig und alleine bei ihr.

    Nach der Landung in Frankfurt fragte mich eine Stewardess woher ich die schönen Blumen hätte. Ich sagte von einem Mädchen in Thailand. ‚Oooh, so cute‘ meinte sie. Ja, das war es.

    Zurück in Deutschland – folgt...

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