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Einsam in der Fremde

Erstellt von Chonburi's Michael, 22.07.2004, 17:36 Uhr · 31 Antworten · 2.456 Aufrufe

  1. #1
    Chonburi's Michael
    Avatar von Chonburi's Michael

    Einsam in der Fremde

    Einsam in der Fremde

    Einsam wandere ich im Morgengrauen durch das Dorf. Einsam mit meinen Gedanken. Ein streunender Hund mit zersaussten Fell weicht von der Mitte der Strasse als er meine schleppende Schritte hoert. Er wedelt mit dem Schwanz als Guten Morgen Gruss und folgt mir einige Schritte. Er macht kehrt. Hat Angst wohin der Einsame Fremde seine Schritte lenkt. Ich winke den Streuner als Abschied.

    Einsam. Ich fuehle mich leer. Auch der Bananenstrauch am Wegesrand laesst die Blaetter haengen. Kleine gruene Bananen versuchen sich aufrecht zu halten. Das Tor zum Tempel weit offen. Ich werfe einen Blick voller Neugier hinein. Die Hunde haben sich eine Schlafmulde in den verstaubten Vorplatz gegraben. Sie blinzeln und legen die Schnauze wieder auf ihre Vorderpfoten. Nichts stoert sie. Einsame Ruhe und doch voller Leben.

    Was mache ich hier in der Fremde an einem Ort der mich Einsam fuehlen laesst.? Die Morgenschwuele durchnaesst mein Shirt. Schweissperlen brennen in meine Augen. Die Haende sind nass. Ich bin einsam. Der kleine Tempelteich ist gefuellt mit Wasserrosen die noch nicht ihre Blueten geoeffnet haben. Es scheint als verstecken sie sich vor mir. Vor mir, den Fremden. Einsam und nicht alleine und doch einsam.

    Ein Streuner schleicht sich vorsichtig naeher. Ich spuere seine Angst und Einsamkeit. Er kommt auf mich zu, in der Hoffnung das ich ihn beachte, und fuer einen Augenblick seine Einsamkeit vertreibe. Ich spreche kein Wort. Meine Hand die vor Angst zittert beruehrt sein borstiges Fell. Er leckt meine Hand, vorsichtig, als Dank. Einsam der Streuner und ich. Und fuer einen Augenblick sind wir eins. Eins mit den Gefuehlen.

    Einsam. Nur fuer einen Augenblick an einem Morgen in der Fremde.

    Chonburis Michael,
    geschrieben an einem Morgen im Mai 1996 in Khon Kaen.

  2.  
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  3. #2
    MrPheng
    Avatar von MrPheng

    Re: Einsam in der Fremde

    eine schöne Geschichte, klingt sehr poetisch, ;-D

    so müsste man schreiben können.
    Meine Bedenken richten sich an den Author:
    was wäre passiert, wenn der Hund gebissen hätte, wenn er gar die Tollwut gehabt hätte. Sind es diese Begegnungen wert, trotzdem solch ein Risko einzugehen?

    Gruß MrPheng

  4. #3
    Chonburi's Michael
    Avatar von Chonburi's Michael

    Re: Einsam in der Fremde

    Eine jede Begegnug hat was an sich das wir nicht vorhersehen koennen.

    Die Erfahrung kommt mit dem Tun. Das Lied der Einsamkeit machte uns vorsichtig und doch vertraut. Nicht der Hund ist gefaehrlich sondern der Biss.

    Es gruesst Michael der manchmal poetisch veranlang ist, doch fuer die grosse Kunst der Welt, ein unbedeutender "Streuner" ist. ;-D

  5. #4
    Marco
    Avatar von Marco

    Re: Einsam in der Fremde

    @Michael

    Und wieder eine sehr einfühlsame Geschichte von dir :bravo: .


    Zitat Zitat von Chonburi´s Michael",p="153338
    ....doch fuer die grosse Kunst der Welt, ein unbedeutender "Streuner" ist. ;-D
    Ich wäre dir aber äusserst dankbar, wenn du nicht in zwei verschiedenen Foren, zwei Teile von ein und demselben Gedanken posten würdest . Das wird mir sonst auf die Dauer zu stressig, alle Teile zusammenzusuchen .

    :byebye: Marco

  6. #5
    MrPheng
    Avatar von MrPheng

    Re: Einsam in der Fremde

    Marco, auf einen Klick mehr oder weniger kommst doch jetzt auch nicht mehr an. Entscheidend ist doch das ich den Klick überhaupt finde.

    es ist nicht Packmeck, es ist poetisch, und das zählt ;-D

  7. #6
    Avatar von FarangLek

    Registriert seit
    05.04.2004
    Beiträge
    1.335

    Re: Einsam in der Fremde

    Zitat Zitat von Chonburi's Michael",p="153315
    Einsam. Nur fuer einen Augenblick an einem Morgen in der Fremde.


    Noch mehr solcher Geschichten in diesem Stil und ich fange an zu Weinen...

    Gruß,
    farang-lek

  8. #7
    Avatar von abstinent

    Registriert seit
    22.02.2003
    Beiträge
    1.003

    Re: Einsam in der Fremde

    @ michael

    du hast da eine eindrucksvolle momentaufnahme recht treffend in worte verpackt! das können so markant nicht viele.
    große kunst ist es vielleicht nicht, aber ehrlich und nicht aus kommerziellen gründen bunt ausgekleidet!

    ich mag solche anekdoten sehr, nur weiter so!

    ciao

    "abstinent" , auch streuner

  9. #8
    Avatar von dawarwas

    Registriert seit
    30.10.2002
    Beiträge
    3.385

    Re: Einsam in der Fremde

    @MrPhaeng,

    "Meine Bedenken richten sich an den Author:
    was wäre passiert, wenn der Hund gebissen hätte, wenn er gar die Tollwut gehabt hätte. Sind es diese Begegnungen wert, trotzdem solch ein Risko einzugehen? "


    Was waere gewesen, der Mensch haette den Hund getreten, geschlagen oder sonst was? Das Risiko lag bei beiden.

    Die waren sich doch aehnlicher als man es zu denken wagt.

    Aber beide waren Einsam. Dann macht man schon manchx Sachen, die man sonst nicht machen wuerde.

    Schoen das auch jemand x die andere, die Kehrseite, von LOS (die Medallie) beschreibt. Ich glaube so fuehlen sich sehr viele Farangs dort.

    @CM,
    schoner Bericht. :bravo:

  10. #9
    Chonburi's Michael
    Avatar von Chonburi's Michael

    Re: Einsam in der Fremde

    Auf der Suche

    Uebermuedet, jeder Knochen schmerzt. Der Bus hat angehalten. Eine kurze Pause. 12 Stunden ein Gefuehl wie in einem Eischrank. 5.30 Uhr in der frueh. Raus aus dem Bus die steifen Glieder strecken. Die Luft ist kalt. Die Menschen im Bus erheben sich langsam. Folgen mir aus dem Bus. Eine Zigarette zum waermen angezuendet. Das open Restaurant ist eine Tankstelle um unsere Energie fuer den erwachenden tag aufzufuellen. Ein Service des Busunternehmens. Die WC’s sind hinter dem Restaurant. Eine lange Menschenschlange hat sich gebildet. Ich, der Auslaender, wird von einem aelteren Mann an einem Platz im Restaurant gefuehrt. Eine Reissuppe steht schon bereit. Darinn eine gekochte Artischocke und ein wenig gebratenes Schweinefleisch. Der Geschmack des geroesteten Knoblauch macht diese Suppe zum exotischen Essen. Exotisches Essen in einem exotischen Land. Ich gehe raus. Moechte die Natur und den Duft tief in mich verspueren. Ein Maedchen folgt mir. Ihr Alter schaetze ich auf sieben, acht oder neun. Ihre Haut dunkelbraun, die Augen sind zwei Sterne in einem Gesicht das gezeichnet von einer Hasenscharte ist. Sie steht da. Beobachtet mich wie ich meinen Blick zu den Bergen in der Ferne richte. Die Berge kriechen aus dem Morgennebel. Ich fliege. Ich fuehle. Ich traeume. Ihre Blicke brennen auf meinen Koerper den ich unter einer dicken Wolljacke verstecke.
    Sie schaut mich an. Ich laechle und sie laeuft von mir weg. Ich bin auf der Suche nach dem „Was ist was mich an Thailand faszieniert“. Ich hoffe hier in der Natur und weit weg vom Trubel eine Antwort zu finden.

    Die Menschen draengen mich in den Bus reinzusteigen. Wir haben noch eine 2 stuendige Fahrt vor uns. 2 Stunden auf dem Weg zu einem Platz, wo ich eine Antwort zu finden hoffe.

    Chonburi’s Michael
    geschrieben im Bus nach Mae Hong Son.

  11. #10
    Avatar von DisainaM

    Registriert seit
    15.11.2000
    Beiträge
    26.803

    Re: Einsam in der Fremde

    Wünsche Dir einen weiten Blick,

    wenn Du oben, beim Doi Kon Mu stehst.

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