Seite 5 von 9 ErsteErste ... 34567 ... LetzteLetzte
Ergebnis 41 bis 50 von 85

Einen Monat im Isaan...

Erstellt von hello_farang, 26.12.2003, 18:46 Uhr · 84 Antworten · 5.254 Aufrufe

  1. #41
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Einen Monat im Isaan...

    Zitat Zitat von Chak",p="103523
    Wieso, ich hatte nie den Eindruck, das kurze Hosen ein Problem im Wat im Isaan sind.
    Hallo chak!

    Ich habe es auch als kein Problem erlebt, wenn ich mal in halblangen Hosen in ein Wat gegangen bin. Aber ich mache da keinen Unterschied, ob im Isaan, oder in Kanchanaburi, oder in Bangkok. Stets sind die Hosen bepflegt, sauber, und es gab nie Probleme. Viele Thais gehen auch in Turnhosen in ein Wat des Isaan, weil sie einfach nix anderes haben. Ich habe viele dieser Menschen kennengelernt, und niemandem von ihnen spreche ich den Respekt vor Buddha ab.

    Es gibt nur dieses eine Bild von mir, wo ich in einem Wat im Schneidersitz zu sehen bin. Und da ist mir eben aufgefallen, das es so nicht weitergeht. Daher seitdem immer nur noch in langen Hosen, um weder den Leuten, aber ganz im Besonderen nicht der Wuerde des Buddha und des Wat entgegenzutreten. Ich bin Besucher dieses Landes, und deren religioesen Einrichtungen, habe genug Geld fuer ein vernuenftiges Beinkleid, also ziehe ich es auch an. Egal wo.

    Tschuess, hello_farang

    p.s.: z.B. Eddy ist es ja aufgefallen, dass ich zu kurze Hosen an habe?!!

  2.  
    Anzeige
  3. #42
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Einen Monat im Isaan...

    Einen Monat im Isaan... (Teil 15)

    Ich lasse meine Freundin eine Stunde lang schlafen, trinke ein Bier, und dann wecke ich sie. Mutti hatte ihr zwischenzeitlich das Heft ueber den Buddha in Roi Et abgenommen, und fragt mich staendig nach irgendwas. Da ich sie nicht richtig verstehe, benoetige ich Uebersetzungshilfe, auch wenn wir beide mit meinem Woerterbuch bereits auch ganz gut klar kommen.
    Thii rak beginnt also, unseren Trip in allen Einzelheiten zu erzaehlen, und Mutti bekommt grosse Augen. Ich merke, das sie bestimmt auch gerne mitgekommen waere. Meine Freundin laesst selbstverstaendlich nicht aus, auch von den uniformierten fast-erwachsenen Schuelerinnen zu berichten, und ich bekomme von Muttern erstmal eine gewischt, aber natuerlich nur leicht auf die Schulter. Der Vater liegt nebendran in der Haengematte, und faengt an zu lachen. Zum Glueck ist auch die Cousine da und erklaert, das ich wirklich nur hoefliche Konversation gepflegt habe im LKW. Ich mache dann noch nach, wie meine Freundin sich an mich geklammert hat dabei, weil sie Angst hatte, das ich Dummheiten machen wuerde, und alle lachen.
    Es wird viel gelacht im Isaan, das ist mir in den Wochen aufgefallen. Oft aus purem sanuk, aber manchmal eben auch, um eine heikle Situation zu entschaerfen. Nicht immer bin ich mir sicher, so auch jetzt. Aber alles ist im Lot, zumal es ja heute noch etwas zu tun gibt.

    In Roi Et habe ich einige andere dieser CDs gekauft, welche neulich bei der Cousine liefen, und die sollen nun angeschaut werden. Vorher schnappt sich meine Freundin nochmal kurz das Moped, um etwas zu essen zu holen, und 2 Bier fuer mich. Nach 20 Minuten ist sie wieder da, wir anderen sind jedoch bereits im Haus der Cousine, und die erste brandneue CD dudelt schon. Ein kurzer -gespielt- verachtender Blick straft uns alle, sie stellt die Fresspakete und die Biere ab, aber marschiert in die Kueche und holt natuerlich Teller und Loeffel. Als kleine Rache bekomme ich erstmal die Tuete mit den geroesteten Kaefern hingestellt. "Aroi maak!" fordert sie mich auf den Beutel zu oeffnen, aber ich rieche wortwoertlich den Braten, und kann kontern: " Khun baa!" Fuer einen Augenblick gehoeren uns die Aufmerksamkeit und die Lacher, dann wenden sich alle wieder der Mattscheibe zu.
    Nachdem das ganze Essen auf verschiedenen Tellern verteilt ist, jedeR einen Loeffel hat oder auch nicht, beginnt das grosse Fressen vor dem Fernseher. Ich kaempfe hingegen wieder einmal mit dem kleinen Plastikbeutel, indem sich mein Prik Pon befindet. Es wird mir ein ewiges Raetsel bleiben, wie man die Sossen und Gewuerze so schnell verpacken kann, aber ein noch viel groesseres, wie man da wieder ran kommt?! Meine Freundin erloest mich, und mit zwei-drei Umdrehungen ist der Beutel offen. "Khoop khun na khrap!" raune ich ihr laechelnd zu, damit bloss niemand meine Unfaehigkeit mitbekommt, denn alle starren gebannt auf den TV. Beim Essen kleckert sich meine Freundin ihre Klamotten voll, und muss sich schon wieder umziehen. Um aber nicht allzuviel von der CD zu verpassen, nimmt sie sich ein (sauberes) Hemd des Freundes der Cousine, und zieht das eben an.

    So sitzen wir alle 3 Stunden zusammen, wobei sich nach und nach einige Leute verabschieden, auch Mutti. Es wird immer spaeter, mittlerweile liege ich schon auf der Couch, zwei Kinder der Nachbarn sowie die Mutter der Cousine schlafen auf dem Boden, ihr Freund ist laengst im Bett verschwunden, da erhebt sich ein ohrenbetaeubenes Bellen der Hunde des Dorfes. Alle schrecken kurz hoch, und merken das sie heim gehen sollten. Ohne grosses Verabschieden schleichen die Nachbarn aus dem Haus, und ich nutze ebenfalls die Chance, meine Freundin ´abzuschuetteln´, denn sie ist quasi auf mir eingepennt. Schnell merke ich, das die Eingangstuer unseres Hauses bereits durch das grosse Rollgitter gesichert ist, also gehe ich hinten herum durch die Kueche. Jedoch nur, um meine Fotokamera zu holen, weil ich noch ein Bild von meiner Freundin machen moechte. Als ich zurueck in das Haus der Cousine komme sehe ich, das thii rak einen Stellungswechsel vorgenommen hat. Dieses Motiv ist aber noch viel besser als das vorherige, also druecke ich ab. Ich passe zwar gut in solch einen bequemen Stuhl, aber darin zu pennen wuerde mir nicht einfallen.



    Ich habe bis heute nicht begriffen, wie sie davon aufwachen konnte, aber egal. Schnell die Kamera hinter dem Ruecken verstecken, und dezent auf die Couch fallen lassen. "We go baan maeae now, o.k?" "Khaa, we go" und zusammen schlichen wir nach Hause...

  4. #43
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Einen Monat im Isaan...

    Einen Monat im Isaan... (Teil 16)

    Mittlerweile kenne ich die Schlagloecher mit Namen auf der Strecke nach Kuchinarai, so oft fahren wir dorthin. Heute habe ich sogar das Vergnuegen, zweimal hin und her zu muessen, denn ich habe mein Geld zuhause liegen lassen. Mutti guckt erst verbluefft, dann beaengstigt, als ich alleine komme. Ich grinse, und meine nur kurz " Phom lueuem ngoen " (= Ich habe das Geld vergessen) und zeige in´s Haus. Schnell die Flip-Flops abgestreift, rein in das Zimmer, und ich hole mein Portemonait. Hinter mir hoere ich Mutti lachen, und als ich wieder rauskomme, meint sie nur:
    "Khun baa!" Ja faengt die jetzt auch schon damit an?

    Am Markt was meine Freundin unterdessen aktiv, und hat bereits alles zusammen gesammelt, es muss nur noch bezahlt werden. Diesesmal nur 4 Tueten mit Nahrungsmitteln, vielleicht hatte sie Angst ich komme nicht wieder. "Sii thung thaunan mai?" (= Nur 4 Tueten?) Ob das korrektes thai ist, weiss ich nicht, aber sie versteht mich, zumal ich unglaeubig gucke und so tue, als suche ich den Rest des Einkaufs. Als Antwort kommt erst ein breites Grinsen, dann ein Wortschwall, woraufhin die Verkaeuferinnen links und rechts mir lachend ihre Produkte entgegenstrecken. Es scheint also dem farang zu wenig zu sein, was seine Freundin gekauft hat...

    Solche kleinen lustigen Begebenheiten machen den Besuch auf einem taalaat fuer mich jedesmal zu einer tollen Sache. Ich lehne die Angebote dankend ab, und wir schlaengeln uns durch die Menschen Richtung Ausgang. Aber auf dem Weg dorthin entdecke ich einen Stand mit einigen Klamotten. Da ich immer auf der Suche nach T-Shirts mit thailaendischenm Aufdruck bin, muss ich dort kurz hin, und schon sticht mir ein Schriftzug ins Auge. Auf einer Bermudahose mit vielen Taschen steht etwas auf thai. Die will ich haben, zumal der Preis von 120 Baht wirklich o.k. ist, schliesslich wird hier eigendlich nur an Thais verkauft.
    Ich nehme also die Hose vom Kleiderstaender, und halte sie mir an. Sie passt zwar, aber die Verkaeuferin kommt, und faengt gleich an zu lachen. Meine Freundin -die den Aufdruck in dem Augenblick nicht sehen kann- guckt uns an. Als sie ihn dann erblickt, geht das halb lachend, halb ernst gemeinte Gemecker los. "Mai! Ko-Ja, you can not buy!" Baa faellt auch mal wieder, und noch so manches. Die Verkaeuferin kommt aus dem Grinsen nicht mehr raus. Alles klar, was steht da? bin ich nun neugierig geworden. Meine Freundin will es mir nicht uebersetzen, meint nur wieder, das ich die Hose nicht anziehen kann. Also frage ich die Verkaeuferin, die mir den Spruch zwar vorliest, aber damit kann ich auch nix anfangen, bei ihrer Aussprache. Ich blicke sie verstaendnislos an, und sie probiert es mit "Same same tschai sOd".
    Das verstehe ich, und muss nun auch breit grinsen, die Hose ist gekauft! Meine Freundin hingegen wird mittlerweile doch langsam boese, und meint das ginge nicht. Ich beruhige sie halbwegs, indem ich ihr versichere, das ich die Hose nur in joereman anziehen werde, und nicht hier. Tschai sOd heisst naemlich Junggeselle, und auf der Rueckseite der Hose steht auch noch "sOd", also ledig.



    Schliesslich bekomme ich doch noch erkaert, was genau draufsteht: "Khon mai mii faeaen", was in diesem Zusammenhang bedeutet: "Ich habe keine Freundin". Das mein thii rak da nervoes wird, ist mir voellig klar.

    Wir fahren mit den Sachen los, und mir faellt ein, das ich ja noch meine email checken muss, also folgt ein Abstecher zum einzigsten Internet-Laden von Kuchinarai. Es gibt dort 10 Computer, die eigendlich immer von Kids besetzt sind, die irgendwelche Ballerspiele gegeneinander spielen. So auch diesmal, ohrenbetaeubendes virtuelles Maschinengewehrfeuer empfaengt uns. Die Kurzen nehmen keine Notiz von mir, als ich mich an den einzigen noch freien Platz setze.
    Auf der Startseite von Yahoo fallen mir die Formel 1 -Qualifizierungs-Ergebnisse in Barcelona auf. Heute ist das Rennen! Oha, denke ich mir, wo kann ich das denn gucken? Irgendwelche Bars gibt es hier nicht, also auch kein Satteliten-Abend fuer Touristen wie ich es aus Phuket kenne.
    Schnell sind die email durchgesehen, einige auch beantwortet, dann fahren wir nach Hause. Auf dem Weg dorthin liege ich meiner Freundin die ganze Zeit in den Ohren mit dem Autorennen, und sie meint ich muesse ihre Cousine fragen. Die hat zwar auch keine Schuessel, kennt aber jemanden, der eine hat. Der waere sogar aus Deutschland, und lebt irgendwo ein paar Doerfer weiter.

    Kaum zurueck in Ban Sam Kha, ueberlasse ich die Damen des Hauses sich selbst, und gehe zur Cousine rueber. Sie ruft den Deutschen an und fragt, ob er die Sat-Schuessel noch hat, und das Rennen guckt, und ob wir dazu auch vorbei kommen koennten. Alles kein Problem, wir sind gern gesehen, das Rennen beginnt um 19:00 Uhr, laesst er sie noch wissen. Die Cousine erklaert mir, das wir bestimmt eine knappe Stunde dorthin fahren muessten, weil er mit seiner thailandischen Frau auf einer kleinen Farm ziemlich weitab vom Schuss wohnt.

    Also fahren wir rechtzeitig los, was sich auch als richtig erweisen soll. Die Strecke fuehrt fast ausschliesslich ueber Feldwege, durch Schlagloecher, und einige Male muessen wir nach dem Weg fragen. Aber schliesslich erreichen wir das Haus des Suedeutschen und seiner thailaendischen Frau. Eine nette Begruessung folgt, nachdem die Hundemeute der beiden uns endlich auf´s Gelaende gelassen hat. Normalerweise habe eh ich keine Probleme mit Hunden, aber die hier verstehen mich sogar etwas?! Neben "Bai!" reagieren sie auch auf "Aus!". Zum ersten Mal sehe ich in Thailand eine daenische Dogge, die jedoch noch mehr Angst vor uns hat, als wie meine Freundin vor ihr. Aber das Tier steht wirklich gut im Futter, und ist um einiges groesser als die Doggen in Deutschland, und ich verstehe meine Freundin. Ihr Kopf ist kleiner als der des Mondkalbs, aber fast auf gleicher Hoehe. Durch unerschrockenes Zugehen auf den Hund, der daraufhin reisaus nimmt, zeige ich ihr das er keinen Stress machen wird. So ganz geheuer ist mir zwar nicht dabei, bloss man muss den Koetern eben zeigen, wer das Sagen hat.

    Das Rennen wird geguckt, dabei unterhalten wir Maenner uns ueber Deutschland, das Leben im Isaan, und den Problemen in diesem Zusammenhang. Die Damen hingegen zeigen kein Interesse an der Formel 1, sondern sitzen vor dem Haus und kloenen auf thai. Der Sueddeutsche ist anscheinend sehr froh darueber, das er sich endlich mal wieder auf deutsch unterhalten kann, auch wenn ich als Preusse ihn genauso schlecht verstehe, wie er mich. Das Rennen ist eher nur Begleitung zu unseren Gespraechen, er lebt seit ueber 5 Jahren dort, und ist recht genervt von den Umstaenden. Sogar sein Haus bietet er mir an, zu einem Spottpreis, aber das laesst mich dann doch vorsichtig werden, und ich lehne dankend ab.

    Nach gut 2 Stunden machen wir uns auf den Heimweg, und der soll genauso lustig werden wie die Hinfahrt. Mittlerweile ist es dunkel, und die Strecke fordert wirklich jeden Teil unseres Sitzfleisches. Immer wieder hoere ich von hinten "Tschaa tschaa!", bloss viel langsamer kann ich nicht mehr fahren, denn sonst stehen wir, und fallen wir einfach um. Sobald die Strasse etwas besser wird, sie ist sogar geteert, gebe ich Gas. Sehr schnell merke ich aber, das dies ein Fehler ist, denn Unmengen von Insekten sind zwischen den Reisfeldern unterwegs. Staendig werde ich von den Kaefern getroffen, oder umgekehrt. Mir kommt ein fun-pic in den Sinn, welches zuhause auf meinem Rechner liegt:



    Also fahre ich wirklich mit nur 20 km/h, um weder die Insekten zu killen, noch um eines davon ins Auge zu bekommen, denn solch eine Brille wie auf dem Bild habe ich nicht. Ziehe mir das T-Shirt bis ueber die Nase, um die Kaefer nicht auch noch inhalieren zu muessen, waerend sich meine Freundin dicht an meinen Ruecken klammert. Weit voraus sehe ich ab und zu kurz das Bremslicht der Honda der Cousine und ihrem Freund aufflackern, und folge diesem roten Punkt so gut es geht. Dennoch muessen sie mehrfach auf uns warten. Eine Zweiradtour durch den Isaan in der Nacht ist etwas ganz besonderes, kein Vergleich zu den auch schon heftigen am Tage.
    Irgendwann verlassen wir die Insektenfelder, und es geht die naechsten 20 Kilometer ´normal´ voran, bis wir wieder zuhause sind. Ich frage mich dann, wie es 50% der Isaan-Bewohner schaffen, sowas ohne Licht am Moped und sturzbetrunken hinzubekommen?
    Wie auch immer, ich muss mir erstmal das Gesicht waschen, denn einige der Flieger sind doch am Helm und in meinem Gesicht zerschellt. Mein linkes Auge ist dadurch leicht geschwollen, und brennt ziemlich, was sich auch nicht mehr aendern laesst durch blosses Wasser.
    Mutti und Vati werden durch meine Freundin von meinem Fahrstil unterrichtet, auch von der Sandverwehung auf der Strasse, wo es uns wirklich fast geschmissen haette. Aber das Moped ist heil geblieben wie auch wir, und alles ist ´mai mii panhaa´. Wenn da nicht mein Triefauge waere, denn einer der Flieger hatte wohl etwas geladen, was nicht so mit der Fluessigkeit in meinem Auge korrespondierte, als er damit zusammenstiess.
    Mutti marschiert also los, und kommt nach ein paar Minuten mit einer handvoll Blaettern zurueck. Sie moersert diese klein, gibt etwas Wasser dazu, und traenkt damit ein sauberes Tuch. Dann reicht sie mir das Tuch, und macht mir klar, das ich es auf mein geoeffnetes Auge halten soll. "Mang sawirat mai?" frage ich, und sie nickt lachend. Also haue ich mir das Tuch auf´s Auge, und nach 10 Minuten, sowie einigen weiteren frischen Packungen, laesst das Brennen wirklich nach, und ich kann wieder richtig gucken. Zwar sehe ich noch so aus, als haette ich eine drauf bekommen, aber die Sache in meinem Gesicht beruhigt sich langsam. Im Abendland ist solches Wissen irgendwann verschwunden, denke ich bei mir, und bin Mutti sehr dankbar...

  5. #44
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Einen Monat im Isaan...

    Einen Monat im Isaan... (Teil 17)

    Gestern kam ein Anruf vom Ex-Mann meiner Freundin. Der gemeinsamen Tochter geht es angeblich schlecht, und er braucht Geld fuer ein Krankenhaus. Das merkwuerdige daran ist nur, das er sich in den letzten Jahren nie gemeldet hat, und meine Freundin sich nicht erklaeren kann, wie er an ihre neue Nummer gekommen ist. Vermutlich ueber eine Nachbarin, die sich verplappert hat. Fuer die Familie, die Nachbarn und auch mich riecht es nach einem Versuch, durch mich an Geld zu kommen. Allerdings laesst sich natuerlich nicht ausschliessen, das es der Tochter wirklich nicht gut geht. Also wird lange hin und her beraten, was nun zu tun ist.
    Das einfach Geld ueberwiesen wird, scheidet aus mehreren Gruenden aus. Zum einen ist meine Freundin strikt dagegen, Mutti auch. Zum anderen hat er gar kein Konto. Ausserdem habe ich dazu ueberhaupt keine Lust, denn was ich so ueber den Ex zu hoeren bekomme, laesst ihn in gar keinem guten Licht erscheinen. Irgendwas scheint an der Sache nicht zu stimmen.

    Ich mache also den Vorschlag, einfach hinzufahren und nachzusehen. Gegebenenfalls bringen wir die Tochter dann in ein Krankenhaus, und ich bezahle eine Behandlung. Das hoert sich fuer alle vernuenftig an, jedoch gibt es kleines Problem: Der Ex-Mann lebt mit seiner neuen Familie und der Tochter in Ban Sung, einem kleinen Dorf bei Prachin Buri. Das sind gute 460 Kilometer...
    Zudem sind alle dagegen, das ich mich mit meiner Freundin alleine dorthin aufmache. Also wird weiter diskutiert, wie man das Problem in den Griff bekommen kann. Waerenddessen telefoniere ich ein paar Mal, um mir die Handynummern eines hohen Militaerpolizisten zu besorgen, den ich kenne. Er arbeitet zwar in Bangkok, hat aber gute Kontakte und ausreichend Weisungsbefugnis, somit fuehle ich mich wohler mit seinen Nummern in der Tasche, sowohl der privaten wie auch der dienstlichen. Man kann ja nicht wissen, ob man sie demnaechst braucht.

    Irgendwann ist eine Loesung gefunden: Es wird ein Pickup gemietet, und einige Leute aus dem Dorf sowie meine Freundin und ich fahren zusammen nach Ban Sung.
    So steht also um 19:00 Uhr der Pickup vor unserem Haus, diesmal jedoch ein anderes Fahrzeug als sonst. In der Kabine haben lediglich der Fahrer und seine Frau -die beiden wechseln sich ab beim fahren- sowie noch ein Passagier Platz. Dafuer ist die Ladeflaeche aber deutlich laenger, und es gibt ein Blechdach darueber.
    Ungewoehnlich puenktlich sind alle da, die mitfahren: Meine Freundin, Mutti, die Cousine mit ihren Eltern und dem Freund, 2 Freundinnen meiner Freundin, ein 14-jaehriges Maedel aus der Nachbarschaft, und ich darf auch noch mit auf die Ladeflaeche. Also 9 Leute hinten im Pickup, und dazu natuerlich noch Essen, Getraenke, Kissen, Decken, 2 Regenplanen, und Geschenke fuer das Toechterchen. Auch wenn der Anlass fuer die Tour ja eher nicht zum Lachen ist, muss ich grinsen. Na, das kann ja ´ne kuschlige Angelegenheit werden?!!

    Von vielen Nachbarn verabschiedet, geht es dann auch bald los. Zunaechst bis zur 2042, dann nach Somdet. Dort biegen wir links ab, und fahren die 213 nach Kalasin, um von dort die 209 nach Khon Khaen zu nehmen. Hier erreichen wir die 2, welche nach Nakhon Ratchasima fuehrt. Wir umfahren Korat, und treffen auf die 304.
    Die Stimmung ist die ganze Zeit ueber sehr gut, es wird viel gelacht und geredet. Von Beruehrungsaengsten kann ich nichts entdecken, auch wenn ich die Freundinnen und den Teenager kaum kenne, aber es ist auch einfach zu eng, um auf Etikette zu achten. Kurz hinter Korat kommen wir in die Berge, und dort gibt es dann erstmal eine Essenspause in einem kleinen Restaurant. Mich freut weniger das Essen, sondern vielmehr die Bewegung nach den Stunden auf der Ladeflaeche.
    Bevor es weitergeht, holt der Fahrer die Regenplanen hervor, wir befestigen sie am Dach, und sichern sie an den Seiten der Bordwaende. Obwohl es nicht regnet, ist mir klar, das es bald anfangen wird, denn Thais machen sowas immer aus Erfahrung und mit irgendeinem Sinn.

    Und so soll es dann auch wenige Minuten spaeter, ein paar Kilometer weiter, wirklich wie aus Kuebeln anfangen zu schuetten. Es wird deutlich kuehler, wir kriechen alle neben- und uebereinander unter die Decken, um uns gegenseitig zu waermen.

    Die 304 trifft irgendwann auf die 33, und es geht Richtung Westen nach Prachin Buri. Dort kommen wir um 5:30 Uhr an, und es regnet immer noch. Irgendwie bin ich mir beim Aufwachen nicht sicher, wer denn nun meine Freundin ist unter den Decken, denn ich habe 2 junge Damen eng anliegen. Vorsichtig hebe ich also den blauen Wollstoff an, und sehe das mein thii rak rechts liegt, die andere ist eine ihrer Freundinnen. Scheint aber nicht weiter schlimm zu sein, denn ich ernte von beiden ein verschlafenes Laecheln.

    Nacheinander stolpern wir vom Nachtlager, natuerlich erstmal in das naechste Restaurant. Die Stimmung unter uns ist nicht mehr so locker, und auch das Fruehstueck will nicht so recht schmecken. Denn schliesslich dauert es nun nur noch eine Stunde, und wir werden bei der Tochter sein. Alle machen sich Sorgen, was mit ihr wohl los ist, und wie der Vater und seine neue Familie auf unser ploetzliches Auftauchen reagieren werden. Angekuendigt sind wir naemlich nicht, um eventuelle irrefuehrende Vorbereitungen von deren Seite auszuschliessen.
    Speziell meine Freundin ist sehr nervoes, und klammert sich an mich. Ich versuche sie zu beruhigen, obwohl auch mir immer mehr ungeordnete Gedanken durch den Kopf schiessen. Gerne wuerde ich jetzt in der Haengematte in Ban Sam Kha liegen, bloss nun sind wir hier, also wird die Sache auch durchgezogen.

    So rollen wir um kurz vor 7:00 Uhr auf den Hof, und treffen auf die neue Frau, welche offensichtlich komplett verbluefft ist ob dem morgendlichen Besuch so vieler Menschen. Sie weckt ihren Mann, der wenig spaeter aus dem Haus kommt, sieht wer da gekommen ist, und das ihm keine andere Moeglichkeit bleibt, als uns die Tochter zu zeigen.
    Die Kleine ist ziemlich ueberfordert, und heult. Aber meine Freundin nimmt sie in die Arme, und beruhigt sie. Alle aus unserem Dorf kommen dazu, und freuen sich wahnsinnig, sie endlich mal wieder zu sehen. Ich halte mich im Hintergrund, nachdem auch ich die Kurze begruesst habe. Es fliessen viele Traenen der Freude, und die Geschenke werden uebergeben. Von einer Krankheit der Tochter gibt es keine Spur, wie ich es mir schon gedacht hatte.

    Der Vater der Cousine uebernimmt den Part, mit dem Ex-Mann zu reden, und zu verhandeln. Es geht darum, die Tochter wieder mit nach Ban Sam Kha zu nehmen, damit sie bei ihrer leiblichen Mutter aufwaechst. Es ist in Thailand zwar ueblich, das bei Trennung der Eltern die Soehne bei der Mutter bleiben, und die Toechter beim Vater, aber wir -bzw. der alte Herr- versucht es trotzdem. Wie man es mir vorher bereits gesagt hatte, beginnt eine Ausloeseverhandlung. Mir faellt dafuer kein besseres Wort ein, um das zu beschreiben, was sich nun ueber zwei Stunden lang hinzieht.

    Der Vater der Tochter startet bei 50.000 Baht, mein Angebot steht bei 10.000 Baht. Es ist eine Situation, die mir auf´s aeusserste missfaellt. Um jedoch den Willen meiner Freundin zu erfuellen, ihre Tochter wiederzubekommen, bin ich dazu bereit zu bezahlen. Viermal erhoehe ich die Summe, bis das Limit von 30.000 Baht erreicht ist. Der Ex-Mann hingegen geht nicht herunter mit seinen Forderungen, im Gegenteil. Seine neue Frau mischt sich fleissig ein, und verlangt sogar noch mehr, die Rede ist mittlerweile sogar von einem Haus.

    Nach den Stunden des redens, diskutierens, und einiger Ruecksprachen mit mir steht fest, das die Verhandlungen gescheitert sind, und die Tochter bei ihrer neuen Familie bleiben wird. Es folgt ein kurzer, traenenreicher Abschied von der Tochter, die dann rasch von der neuen Frau ins Haus gebracht wird. Sie scheint mit der Moeglichkeit zu rechnen, das wir die Kleine einfach mitnehmen koennten. Wir steigen wieder in den Pickup, und verlassen Ban Sung.

    So paradox es mit verkommt, alle sind froh und gluecklich, die Kleine nochmal gesehen zu haben, und danken mir dafuer, und das Angebot sie "freizukaufen". Die Sache ist nun klar, und kein Problem mehr. Ich bin wieder einmal arg am Zweifeln, ob ich die Thai-Mentalitaet jemals begreifen werde. Nichts ist fuer mich in Ordnung, aber ich schlucke meinen Zorn und das Unverstaendnis ueber solche Gepflogenheiten herunter, denn ich bin Besucher dieses Landes und habe zu akzeptieren, wie es hier abgeht. Zudem sind meine Leute wirklich froh und gluecklich, die Kleine gesehen zu haben, und das moechte ich nicht durch eine Grundsatzdiskussion kaputt machen.

    Aber das "Is o.k. now, no problem!" meiner Freundin werde ich nie vergessen...

  6. #45
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Einen Monat im Isaan...

    Einen Monat im Isaan... (Teil 18)

    Die Fahrt zurueck in den Isaan beginnt also mit einem Fehlschlag, so sehe ich es zumindest. Wir haben es nicht geschafft, die Tochter mitzunehmen. Zwar wird mir in den naechsten 2 Stunden immer wieder versichert, es sei nun geklaert, und das Thema sei durch. Meinen nach wie vor verstaendnislosen und betruebt-aergerlichen Gesichtsausdruck versuchen alle auf der Ladeflaeche wegzutroesten. Ich schaffe es jedoch nicht, so rasch damit klar zu kommen, egal wieviele junge Damen meinen Bauch streicheln, mir die Schultern massieren, oder mich ueberzeugt (?) anlaecheln. Die scheinen wirklich gluecklich zu sein, das sie die Tochter nochmal gesehen haben, vermutlich zum letzten Mal in ihrem jetzigen Leben. Was daran o.k. sein soll, koennen mir weder das gute Zureden meiner Freundin und ihrer Mutter, noch die anerkennenden Streicheleinheiten von allen Seiten, noch meine schwirrenden Gedanken deutlich machen.
    Der farang ist ueberfordert ob dieses Inputs, und rollt sich in eine Decke am Boden der Ladeflaeche. Meine Freundin und ihre ´sisters´ merken das, und versuchen abermals durch Koerperkontakt und Erklaerungen, mich wieder froehlich zu stimmen. Es soll ihnen jedoch nicht gelingen, und ich schlafe fuer einige Stunden ein. Ich traeume von Regen, mir unbekannten Thais vor denen ich alleine stehe, und sehe immer wieder die Tochter. Des oefteren werde ich wach, weil wir ein Schlagloch getroffen haben, bleibe aber liegen, ohne mich zu bewegen.

    Irgendwann stoppt der Wagen, denn es ist Pause angesagt an einer Tankstelle. Ich stehe auf, gehe mir zwei Bier holen, und kippe die Flaschen nacheinander in wenigen Zuegen runter. Der anschliessende Restaurantbesuch interessiert mich nicht, und ich bleibe auf der Ladeflaeche sitzen, nachdem ich meiner Freundin 300 Baht in die Hand gedrueckt habe. Der Hunger ist mir schon lange vergangen, soll sie mir halt was mitbringen fuer spaeter...

    Meine Gedanken kreisen um die Situation heute frueh, und ich versuche irgendwo den Fehler in den Verhandlungen zu finden. Aber ich kann ihn nicht sehen, zumindest nicht bei mir. Was mich aber viel mehr verwirrt ist, das meine Thais nun wirklich guter Dinge sind, und die Zweifel des farang nicht recht begreifen. Nach dem Essen spricht Mutti lange mit mir -durch Uebersetzung meiner Freundin natuerlich- und erklaert mir ruhig, das es eine Art Schlussstrich war unter der Beziehung von meiner Freundin und ihrer Tochter. Die Kleine haette nun eine neue Familie, und wir koennen daran nichts mehr aendern. Was solle also meine Truebsal? Alle waeren gluecklich darueber, das Klarheit herrsche, und die Sache wirklich "Mai mii panhaa" ist. Sie sagt das alles so ruhig und ueberzeugend, das ich beginne, es zu glauben. Die Sache sei Geschichte, es war fuer alle eine grosse Freude, die Kurze zu sehen, und Mutti drueckt nochmals ihre grosse Dankbarkeit dafuer aus, das ich die Tour ueberhaupt moeglich gemacht habe.
    Der Skeptiker in mir glaubt es zwar immer noch nicht, aber ich gebe nach und akzeptiere diese harte Lehrstunden. Es ist eine der wenigen Situationen, an denen ich an Europa denke, und die Verhaeltnisse dort. Irgendwie hilft das merkwuerdigerweise weiter, denn so wird mir wieder einmal klar, das dies eben -noch- nicht meine Heimatkultur ist.

    Da die Rueckfahrt ja tagsueber stattfindet, im Gegensatz zur Hinfahrt, erfreue ich mich dann auch schliesslich an der wunderbaren Landschaft, und an den Zuwendungen der Thais, die mit mir reisen. Es hat aufgehoert zu regnen, sodass wir die Berge um Korat voll geniessen koennen. Die Strasse schlaengelt sich durch die Huegel, und immer wieder werden wahnsinnige Ausblicke weit ins Umland freigegeben. Allerdings ist die Fahrt durch eine Art Dauerhupen begleitet, denn staendig kommen wir an verunfallten Autos vorbei, und hier wird den "Vergangenen" auf diese Art Respekt gezollt. Viele der Wracks werden von den Behoerden ganz bewusst nicht geborgen, sondern eher noch effektiver plaziert, um die Verkehrsteilnehmer zu vorsichtiger Fahrt zu mahnen.

    Irgendwo dort in den Bergen machen wir eine Pause, an einer kleinen Garkueche mit einigen aus Holz gezimmerten Baenken und Tischen. Ich bestelle selber, was die Koechin sehr ueberrascht und freut. Das Bier oder die Cola fischt man sich einfach aus einer grossen Kuehlbox, ohne vorher darum zu bitten, abgerechnet wird am Schluss. Die kleinen Huetten, in denen wir sitzen, hat der Chef selber zusammengebaut, und er ist sehr stolz, als ich seine Arbeit bewundere als ehemaliger Angestellter einer Zimmerei. Meine Freundin erreicht die Grenze ihrer Englischkentisse, aber zum Glueck ist ja auch die Cousine und das junge Maedel dabei, denn deren englisch ist etwas besser. So wird der Stop zu einem Fachsimpeln ueber die Bauweise mit Holz, was mich ablenkt, und den Chef zu einer umfassenden Fuehrung durch sein kleines Reich veranlasst.

    Irgendwann gegen 21:00 Uhr erreichen wir dann wieder unser Dorf. Natuerlich kommen sofort viele Nachbarn und Verwandte zusammen, um zu sehen, wie die Reise ausgegangen ist. Ich haue mich in die Haengematte am Haus, ziehe mir ein Bier rein, und hoere nebenbei den Erzaehlungen von Mutti und meiner Freundin zu, auch die anderen Mitreisenden berichten wortreich. Es ist fast so wie immer, lao-thai schwebt durch die Luft, ich entspanne dabei ohne allzuviel zu verstehen, aber es ist unendlich schoen. Immer wieder wird mir anerkennend zugelaechelt, einige kommen auch extra rueber und streicheln mich, und so macht sich die Geschichte von der Tour auf den Weg durchs ganze Dorf. Auch wenn es nicht das Ergebnis ist, was ich und meine Freundin sich erhofften, scheint die Aktion doch von allen mit viel Respekt und Wohlwollen aufgenommen zu werden.

    Nachdem sich die Lage 2 Stunden spaeter beruhigt hat, sind wir wieder alleine. Ich bin sehr froh, das ich endlich etwas Zeit habe nur fuer meine Freundin. Mir brummt zwar noch der Kopf aufgrund der vielen Eindruecke, aber langsam kehrt wieder Ruhe ein. An diesem Abend gehe ich unaufgefordert gerne recht frueh schlafen...
    .

  7. #46
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Einen Monat im Isaan...

    Einen Monat im Isaan... (Teil 19)

    9:00 Uhr, ich bin gerade erst aufgestanden, trinke einen Kaffee, und beobachte meine Freundin beim Waesche waschen. Sie hockt barfuss auf einem kleinen Holztritt, und hat vor sich 2 grosse Plastikschuesseln. In der einen weicht die Waesche seit gestern Abend ein, in der anderen wird sie sauber geschrubbt. In einer 3ten Schuessel wird dann klargespuelt mit dem Wasserschlauch. Nebenbei muss meine Freundin immer wieder die Huehner verscheuchen, die in´s Haus wollen, oder ihr neugierig zu nahe kommen. Das hat etwas meditatives, jedoch wohl eher nur fuer mich, und bestimmt nicht fuer sie.



    Ich erinnere mich an Waschtage in den Sommerferien bei meinen Grosseltern auf dem Lande. Oder an meine eigenen klaeglichen Versuche, waerend einer Interrail-Tour irgendwo in Europa meine dreckigen Klamotten auf diese Art wieder sauber zu bekommen.

    Nachdem meine Freundin zwei Stunden spaeter fertig ist, faellt sie erstmal voellig geschafft in den Liegestuhl vor dem Haus. Ich lasse ihr etwas Zeit, dann hole ich den Mopedschluessel, und sage ihr, das wir jetzt nach Kuchinarai fahren. Dort angekommen halte ich jedoch nicht beim Markt, sondern vor einem Elektronikgeschaeft. Sie guckt mich fragend an, scheint aber etwas zu ahnen.
    Genau thii rak, wir kaufen Dir jetzt eine Waschmaschine!

    In aller Ruhe lassen wir uns die Modelle zeigen, und deren Vorzuege erklaeren. Da es jedoch mit dem Wasserdruck bei uns hapert, wird es nicht die groesste, sondern die fuer diesen Fall praktischste Maschine. Die Toplader-Ausfuehrung ist vor dem Waschgang mit Wasser zu befuellen, und arbeitet dann autark. Danach fliesst das schmutzige Wasser ab, und zum Klarspuelen muss nochmals nachgefuellt werden. Unter einer zweiten Klappe verbirgt sich die Schleuder zum Trocknen der Waesche. Im Preis von 6800 Baht ist natuerlich auch die Lieferung inbegriffen, denn fuer´s Moped ist sie doch etwas zu gross.
    Die Angestellten beginnen mit dem Verpacken, waerend wir noch schnell zum Markt fahren, um einzukaufen. Neben dem Ueblichen gibt es auch mal wieder Tofu im Angebot, und ich nehme gleich 3 dieser gelblich-weissen Stuecken mit. Was mich jedoch sehr erfreut ist, das ich zum zweiten Mal Kartoffeln entdecke. Die scheinen wirklich so selten wie gute Jobs zu sein im Isaan? Alle fuenf werden gekauft, auch wenn sie noch eigenartiger aussehen als die, welche ich vor 10 Tagen gekauft habe. Jede hat ´ihr eigenes Gesicht´, kein Vergleich zu den uniformen Dingern in Deutschland. Zudem haben sie nicht die hellgelbe Farbe, sondern sind leicht lila und deutlich suesser.

    Als wir zum Elektrogeschaeft zurueck kommen, steht die Neuerwerbung bereits auf dem Pickup. Zusammen geht es daraufhin in unser Dorf, wir mit dem Zweirad vorneweg, der Wagen hinterher.

    Dort angekommen, bringen die 2 Angestellten die Waschmaschine in die Kueche, und bauen sie auf. Ein Probelauf scheitert aber daran, das es mal wieder keinen Strom gibt. So wird nun von den Damen des Hauses erstmal ausgibig die Bedienungsanleitung studiert. Ausserdem muss eine Steckdose installiert werden, also wird ein Nachbar herangerufen, der sich darum kuemmert.

    Nachmittags ist der Strom wieder da, und die erste Ladung Waesche durchlaeuft das Programm, sehr zur Zufriedenheit aller. Mutti ist ganz von den Socken, das es so einfach geht. Sie braucht nur das Abwasser in einer Schuessel auffangen, und hinter´s Haus zu kippen. Auch die anwesenden Nachbarinnen finden die Maschine prima, und es wird immer wieder neugierig in die laufende Trommel geguckt.

    Mutti meint es sehr gut mit mir, und kocht alle Kartoffeln, ein hervorragendes sehr scharfes Chili-Gemuese-Misch-Masch, und Tofu in extra frisch gemachter vegetarischer Currypaste. Zwar ist die Portion -3 Schuesseln- viel zu gross, aber da es so gut schmeckt, esse ich alles auf. Nach einem Bier und einigen Baeuerchen, muss ich danach erstmal in der Haengematte chillen. Dabei merke ich, das der Tabak zur Neige geht, und ich will nochmal los, um welchen zu kaufen. Mutti hat in ihrem kleinen Shop leider nur Zigaretten, und die rauche ich nicht. Mein thii rak bekommt das natuerlich mit, und meint zu mir, ich solle liegen bleiben, sie besorgt welchen. Alles klar, 2 Packungen bitte, egal was hauptsache stark, sage ich ihr. Also marschiert sie los, zu einem der anderen Geschaefte im Dorf, und bringt mir 2 verschiedene Sorten.
    Zunaechst bewundere ich die Cover, dann die Preise. Der ´Red Bull´ Tabak kostet 3 Baht, der ´Braunbaer´ 5 Baht. Ich schnuppere an beiden, und entscheide mich dafuer, den Baren zu testen.



    Beim ersten Zug merke ich, das meine Freundin mich verstanden hat! Das Zeug brennt durch die Luftrohre in die Lungen, als wuerde man Baerenhaare inhalieren. Die in Deutschland leider verbotenen ´Gitane Mais´ sind dagegen etwas fuer Vorschulkinder! Nach einem kraeftigen Hustenanfall, der natuerlich fuer allgemeine Belustigung sorgt, rauche ich die Kippe aber auf. Danach wird mir regelrecht etwas schummerig, und ich merke deutlich den Nikotin-flash. Wow, das Kraut ist klasse!
    Vati konnte sich auch nicht zurueckhalten, und hat gelacht. So, denke ich, jetzt bist Du dran, und reiche ihm die Packung und Blaettchen rueber. Er versucht zwar abzuwimmeln, hat aber keine Chance. Ich bestehe darauf, das er sich auch eine dreht - und raucht. Er kennt den Tabak natuerlich, und raucht nicht direkt auf Lunge, ich mache ihm aber klar, das er einen tiefen Zug nehmen muss. Macht er dann auch, faengt genauso wie ich sofort an zu husten, und verzerrt dabei schmerzverzerrt sein Gesicht. Nun hat er die Lacher auf seiner Seite, auch meine.

    So sitzen wir noch einige Zeit vor dem Haus, reden, lachen und gucken eine Soap-opera im Fernsehen. Meine Freundin und ich bleiben bis nach 23:00 Uhr auf, denn bei der Cousine sehen wir noch eine VCD, ´Titanic´ mit Leonardo di Caprio. Zum Glueck auf englisch mit thailaendischen Untertiteln, sodass ich verstehe was gesagt wird. So schnulzig der Film auch ist, mit seiner Liebsten im Arm macht das sogar Spass. Wobei mich aber eher die Computertricks beeindrucken, und nicht der Sunnyboy...

  8. #47
    susan
    Avatar von susan

    Re: Einen Monat im Isaan...

    Hi Hello_Farang,
    wir "kennen" uns ja bereits...
    Nachdem Du mir den Link zukommen hast lassen, habe ich jezt grad Deinen gesamten Bericht gelesen und war fasziniert.
    Vielen Dank für dieses wunderschöne Erlebnis, man fühlt sich fast, als wär man selbst dabei.
    Schön, dass wir an Deinen Erfahrungen und Erlebnissen teilhaben dürfen.
    Die Erfahrung mit der Tochter Deiner Freundin hat mich sehr berührt, kann man die Mentalität der Thais wirklich irgendwann begreifen und erfassen?
    Ausserdem finde ich das Bild des grossen Buddhas in dieser fantastischen Abendstimmung gigantisch - grosse Klasse!
    Danke nochmals für diesen Bericht und Deine Eindrücke
    Alles Liebe
    Susan

  9. #48
    Chak
    Avatar von Chak

    Re: Einen Monat im Isaan...

    Wenn ich so deinen Bericht lese denke ich mit Wehmut an glückliche Tage zurück.

  10. #49
    darkrider
    Avatar von darkrider

    Re: Einen Monat im Isaan...

    @Hello-Farang:
    Meine Freundin stammt auch aus dem Isaan,
    ich muß jetzt unbedingt mit ihr dahin und ihre Heimat endlich kennenlernen !
    (Nachdem ich Deinen Bericht gelesen habe, bin ich wirklich gespannt darauf, denke, daß es mir dort gut gefallen wird)
    Leider spreche ich fast kein Thai :-(
    Wie hast Du die Panorama-Aufnahme vom Mekong gemacht, digital oder "herkömmlich" fotografiert ?
    so long
    darkrider

  11. #50
    Avatar von Sakon Nakhon

    Registriert seit
    25.09.2003
    Beiträge
    989

    Re: Einen Monat im Isaan...

    tolle story - komme mir fast vor wie zu hause. gottlob fliege ich in 18 tagen los und mach mein ban unsicher...

    eine frage: du schreibst immer von freundin, aber sie hat ja scheinbar einen ehering (foto).
    was isse denn nu?

Seite 5 von 9 ErsteErste ... 34567 ... LetzteLetzte

Ähnliche Themen

  1. Antworten: 175
    Letzter Beitrag: 13.12.13, 15:21
  2. Antworten: 5
    Letzter Beitrag: 12.03.12, 14:55
  3. 12 Kg Reis im Monat
    Von Hippo im Forum Sonstiges
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 31.03.08, 14:52
  4. Nur einmal im Monat
    Von Malivan im Forum Ehe & Familie
    Antworten: 18
    Letzter Beitrag: 28.04.06, 21:47