Seite 2 von 9 ErsteErste 1234 ... LetzteLetzte
Ergebnis 11 bis 20 von 85

Einen Monat im Isaan...

Erstellt von hello_farang, 26.12.2003, 18:46 Uhr · 84 Antworten · 5.258 Aufrufe

  1. #11
    Avatar von lacher

    Registriert seit
    28.10.2003
    Beiträge
    213

    Re: Einen Monat im Isaan...

    Hello Farang, :bravo:

    ich finde deine Geschichte echt nett :-) und schön geschrieben

    Es ist schön mal etwas vom Landleben da unten zu lesen

    Das mit den Einkaufstüten kommt mir irgendwie bekannt vor ;-D aber bei mir waren es nicht ganz so viele

    Bin gespannt auf die Vortsetzung deiner Geschichte :bravo:

    Servus
    Lacher

  2.  
    Anzeige
  3. #12
    Festus
    Avatar von Festus

    Re: Einen Monat im Isaan...

    Danke für diesen schönen, lebensnahen Bericht.

    So freue ich mich noch viel mehr auf meinen 6-wöchigen Urlaub am 6.3. ...

    In der Hoffnung ähnlich "Volksnahe" Erlebnisse zu erhalten - weiter so ...

  4. #13
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Einen Monat im Isaan...

    Eine Monat im Isaan... (Teil 6)

    Als der Vater meiner Freundin abends nach Haus kommt, denn er ist Bauarbeiter und hat somit als einer der wenigen im Dorf einen kontinuirlichen festen Job, bekommt auch er seine Portion frisch zubereiteter Muscheln. Spaeter gebe ich ihm die Haelfte des Tabaks, den ich auf dem Markt erstanden habe, und wir trinken noch 2 bia chang zusammen. So rundum gut versorgt, verschwindet er bald unter dem Mosquitonetz im Bett. Nach 8-10 Stunden Schufterei an einem Haus-Neubau ist er immer fix und fertig, und wir haben leider kaum Zeit fuereinander. Jeden morgen muss er frueh raus, und zur Baustelle laufen.

    Obwohl ich im Isaan oft bereits um 22:00 Uhr schlafen gehe, bleibe ich meistens bis 9:00 Uhr liegen. Da koennen die Haehne noch so markerschuetternd kraehen neben unserem Fenster, die Hunde noch so viel bellen, und die Besucher des winzigen ´Supermarktes´ der Familie sich noch so laut unterhalten und lachen, ich merke davon nix...
    Wenn ich mich dann endlich aufraffe, und den Weg ins Freie finde, steht meine Freundin schon seit langem gut gelaunt da, und verkauft Kleinigkeiten an die Kunden aus der Nachbarschaft.



    Es ist eher ein privater Kraemerladen, wo es nur Chips, einige Getraenke, getrocknete Fischsnacks, Zigaretten, Hygieneartikel, Waschmittel, und Suessigkeit gibt, aber irgendwie ist immer Betrieb. Vor allem die kleinen Kinder, welche noch nicht zur Schule gehen, turnen den ganzen Tag laermend rein und raus. Oft muss ich auf der Strasse mit ihnen Fussball spielen, oder sie auf den Schultern durch die Gegend tragen, damit sie sehen wie lang man werden kann als farang.

    Heute ist dazu aber wenig Zeit, denn nach der ersten Zigarette und 2 Tassen Nescafe, einem schnellen Teller Khau pad pak, und dem obligatorischen aab naam soll es wieder mal nach Kuchinarai gehen. Die Zeit draengt, weil wir es noch vor der Mittagspause schaffen wollen, zur Post zu kommen. Aber dafuer muss meine Freundin erst eine Rechnung finden, die sie dort einzahlen muss. Die Suche zieht sich, das ganze Haus wird auf den Kopf gestellt, aber die Handyabrechnung will einfach nicht auftauchen. Dann, es ist bestimmt eine gute halbe Stunde vergangen, entdeckt sie das Papier doch noch in einer selten gebrauchten Tasche. Nach der Aktion will ich doch erstmal sehen, was da so Wichtiges draufsteht. Ueber 900 Baht?! stutze ich, aber dann wird mir schnell klar, warum. Sie hatte mich in Vorbereitung meiner Reise oft in Deutschland angerufen, und das bequemerweise von ihrem Handy aus...

    Natuerlich schaffen wir es nicht, rechtzeitig am Postamt zu sein, so wird erstmal wieder das Restaurant am Marktplatz angesteuert. Mittlerweile habe ich mich an den thailaendischen Rythmus gewoehnt, alle 2 bis 3 Stunden etwas zu essen. Leider ist heute kein taalaat, dafuer spielen einige Maenner Fussball auf dem Platz, was aber auch interessant ist. Bis auf 2 alle barfuss, nicht gerade zimperlich beim Einsteigen in den Gegner, und um die Teams auseinanderhalten zu koennen, spielt die eine Manschaft ohne T-Shirts. Dadurch sieht man, das fast alle heilige Schutz- und Krafttattoos haben.
    Wir sitzen vielleicht seit 10 Minuten dort, als mehrere Offiziere der Marine kommen, um ebenfalls etwas zu essen. Schicke weisse Uniformen, auch 2 Frauen sind dabei. Wo bitte sind die denn stationiert, in den gefluteten Reisfelden??
    Der chinesisch staemmige Koch klaert uns auf: Es handelt sich um eine Delegation aus Bangkok, die in Kuchinarai an einem meeting von Militaers teilnimmt. Wieder kommt man schnell ins Gespraech, denn sie wollen wissen, wer ich bin, woher ich komme usw... Ihr gutes englisch macht die Sache fuer mich sehr viel leichter als ueblich.
    Nach einer halben Stunde ziehe ich mit meiner Freundin weiter, verabschiede mich voher aber mit Salutieren von den Marineleuten, ein leichtes Grinsen im Gesicht, denn ich habe nicht gedient. Und das mit dem Hacken zusammenschlagen funktioniert auch nicht so richtig in meinen Flip-Flops.
    Freundlich wird zurueck-salutiert, unter gegenseitigem Glueck wuenschen steigen wir auf unsere Honda. Eigentlich sind es nur ein paar hundert Meter bis zum Fotoladen, aber mittags bei 40°C laeuft niemand gerne in Thailand, auch ich nicht. Die Fussballspieler mal ausgenommen, bloss so wie die sich gegenseitig die Beine wegtreten, haben die eh schon laengst einen an der Waffel...?!

    Die Bilder vom Sonkran-Umzug sind fertig, und wie es in Thailand ueblich ist, bekommen wir die Fotos in kleinen Klappalben. Natuerlich werden erstmal alle durchgesehen, und oft laut aufgelacht. Auch die Angestellten des Fotoshops haben ihren Spass, denn alles 3 stehen um uns herum und gucken mit. Es war wohl schon beim Entwickeln aufgefallen, das es viele bekannte Gesichter zu betrachten gibt. 12 Kilometer sind im Isaan nix, und man kann sicher sein, das in diesem Umkreis Verwandte und Freunde wohnen. So kommt es also, das einer der Angestellten -er kommt mir irgendwie bekannt vor- sich speziell fuer eine Fotoserie interessiert, worauf einige Leute mehrfach zu sehen sind. Meine Freundin uebersetzt mir seine schuechterne Frage, ob er von 5 Bildern einen Abzug haben duerfe, da er seine Familie erkannt habe.
    "Khrap, mai mii pannhaa!" erwidere ich breit laechelnd, und er strahlt ueber das ganze Gesicht, bedankt sich mit einem dicken Wai. Dabei kommt mir der Gedanke, das ich die Bilder auch gleich 2mal entwickeln haette lassen sollen, und nun geht es richt los. Alle 4 Alben werden abermals durchgestoebert, und viele der Fotos muessen dubliziert werden. Dazu nimmt der Angestellte das jeweilige Index-Bild, steckt es in eine Folie, und die ausgesuchten Aufnahmen werden mit einem weissen Fettstift markiert.
    "Wie lange dauert es?" frage ich meine Freundin, und sie gibt es weiter.
    "Nueng tschua moong" (=1 Stunde) lautet die verblueffende Antwort, denn sonst dauern Fotoarbeiten hier immer nueng wan (=1 Tag).
    Also sind wir eine Stunde spaeter wieder da, und niemals habe ich irgendwo so wenig fuer so viele Fotos bezahlt. Kuchinarai scheint sich ausserdem als Hauptlager der Einkaufstueten in Thailand zu entpuppen, denn die Alben werden nach ´urspruenglich´ und ´nachbestellt´ in verschienen verpackt, damit wir auch ja nicht durcheinander kommen. Die Wartezeit hatten wir genutzt, um noch eine Bluse fuer meine Freundin, und einige Spielzeuge fuer die Kurzen im Dorf zu kaufen, also weitere 3 Tueten.

    Jetzt sollte aber die Post langsam mal wieder aufmachen, und wir starten einen erneuten Versuch dort...

  5. #14
    Avatar von Claus

    Registriert seit
    24.10.2001
    Beiträge
    192

    Re: Einen Monat im Isaan...

    :bravo:

    Danke, Kolja !!!

    Der Bericht kommt klasse !!!

  6. #15
    Chak
    Avatar von Chak

    Re: Einen Monat im Isaan...

    Nein, Kuchinarai ist nichts besonderes mit den Einkaustüten. Damit gehen die Thais im allgemeinen etwas verschwenderisch um. Eine Dose Cola oder die "Nation" werden auch gerne mal in eine Plastiktüte gepackt.

  7. #16
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Einen Monat im Isaan...

    Eine Monat im Isaan... (Teil 7)

    Die Hauptstrasse runter, an der grossen Kreuzung rechts abbiegen, dann links in eine Einfahrt. Zunaechst kommt dort die Polizeiwache, dann ein Schulgelaende, und schliesslich das Postamt. Leute gehen hinein, also ist wieder geoeffnet, prima. Ich parke die Honda, und wir betreten die kleine Schalterhalle. Da wir etwas warten muessen, schaue ich mich um. Ueberall haengen wunderschoene Briefmarken, zum Teil einzelne, aber auch ganze Serien. Unterteilt in Themenbereiche wie Tiere, Vegetation, Eisenbahn, Bauwerke, usw... Natuerlich gibt es auch welche zum Koenigshaus, die sogar in Bilderrahmen gefasst sind.
    Waerend ich schaue, merke ich wie meine Geldboerse aus der Gesaesstasche gezogen wird. Ein kurzer Blick, ein gespielt erstauntes: "Khun thalueng!" (= Du bist frech!"), denn meine Freundin ist an der Reihe und muss bezahlen. "Take your own money." schlage ich ihr vor, und einen Augenblick ueberlegt sie sogar, ob ich das jetzt ernst meine. Aber das Grinsen in meinen Augen verraet mich, sie muss lachen und laesst einen schnellen Wortschwall auf lao ab. Nun grinst auch der Beamte, und nickt mir zu. Das Einzahlen des Geldes nimmt erstaunlich viel Zeit in Anspruch, denn es muessen 2 Formulare ausgefuellt werden, und das sehr penibel.

    Ich habe mich waerenddessen fuer einen Briefmarkensatz entschieden, der im englischen Text erlaeutert, worum es sich handelt:
    "H.M. the King´s 6th Cycle Birthday Anniversary Commemorative Stamps (3rd Series) Date of Issure 21 October 1999"
    Auf 9 Briefmarken (zu 3x3 Baht, 3x6 Baht, und 3x12 Baht) sind Szenen aus dem Leben Seiner Majestaet dargestellt. Im Holzrahmen hinter Glas kostet das 199 Baht.



    Mit einer weiteren Tuete, dafuer um gut 1100 Baht aermer, verlassen wir das Postamt, um uns erstmal ein Augenblick aufzuwaermen. Man, war die Aircon auf ´polar´ eingestellt da drinnen?

    Mittlerweile knurrt der Magen schon wieder, und ich habe Durst, also wird nach kurzer Fahrt an einer kleinen Garkueche gehalten fuer einen snack und ein bia chang lek. Da wir uns am anderen Ende von Kuchinarai befinden, fahren wir anders als sonst nach Hause. Der Weg ist aber in seiner Substanz auch nicht besser als der uebliche. Gemuetlich zuckeln wir nach Ban Sam Kha, nicht ohne an einem Stand noch 2 Portionen som tham zu kaufen.

    Auf der Heimfahrt fallen mir die ersten grossen Wolkentuerme auf, die sich am Horizont erheben...

  8. #17
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Einen Monat im Isaan...

    Eine Monat im Isaan... (Teil 8)

    Die ganze Nacht ueber ist es maechtig am regnen und stuermen. Wir kommen kaum zum Schlafen, da das Blechdach ungeahnte Resonanzen verursacht unten den Unmengen von niederprasselndem Wasser. Zudem offenbaren sich einige Rostloecher, und man hoert es in den Raum tropfen, jedoch gluecklicherweise nicht ins Bett. Schon am Abend vorher hatte sich etwas angekuendigt, denn starker Wind kam auf und die Wolken wurden immer groesser und dunkler.



    Meine Freundin liegt bereits seit Stunden eng an meiner Seite, hellwach und deutlich irritiert, denn das maechtige Unwetter mit den vielen Blitzen und lautem Donnern kann nur bedeuten, das dort draussen gerade boese Geister zugange sind. Ich finde ein solchen Ausbruch der Natur ja immer interessant, und versuche daher mehrfach, die Vorhaenge etwas zu oeffnen, um besser sehen zu koennen, denn schlafen kann ich eh nicht mehr. Komplett falsch, denn jedesmal zieht sie meine Freundin sofort wieder zu, unter dem aengstlichen thai-lao-englischen Hinweis auf die schlimmen phie. Gut, also bewundere ich die Siluetten der zitternden Baeume, die auf den Stoff vor den Fenstern gezaubert werden, jedesmal wenn der naechste Blitz in der Nachbarschaft einschlaegt. Der darauf folgende Donner laesst das ganze Haus erbeben, und so langsam bekomme auch ich meine Zweifel...
    Irgendwann schlafe ich dann aber doch ein, um jedoch einige unruhige Stunden spaeter in einer Ueberraschung aufzuwachen. Es ist gegen 6:00 Uhr in der Fruehe, und ich steige aus unserem Doppelbett. Mitten hinein ins Nass! Das ganze Haus steht gut 2 cm hoch unter Wasser, denn da es etwas unterhalb des Strassenniveaus liegt, musste es wohl irgendwann volllaufen.
    Der Sturm hat sich zwar gelegt, aber es regnet immer noch. Mutti fegt das Wasser mit einem Besen in die Richtung der Hintertuer, wo es das Haus wieder verlaesst.
    Immerhin hat es auch sein Gutes, so frueh wach zu sein, denn ich kann mich mit dem Vater unterhalten, der immer noch ueberlegt, ob heute wohl gearbeitet wird. Er bittet mich um mein Handy, damit er bei seinem Chef nachfragen kann. Haette er besser lassen sollen, denn natuerlich gibt es genug zu tun, und er muss kurz danach durch den Regen zur Baustelle tappern. Diemals jedoch ohne gekochten Reis als Mittagsmahlzeit, denn seit gestern Abend gibt es keinen Strom mehr, und somit funktioniert der praktische Reiskocher nicht, und um das Getreide auf dem Gasherd zu kochen, fehlt die Zeit. Mutti hat genug damit zu tun, die Wassermassen mit ihrem Besen im Zaum zu halten, wobei mich ihre grenzenlose Geduld und Gleichmuetigkeit beeindruckt.

    Da es noch so frueh ist, mein Schatz noch schlaeft, bei dem Sauwetter keine Kunden kommen, und Mutti die Situation anscheinend im Griff hat, lege ich mich wieder hin. So um 10 Uhr wachen wir beide auf, weil es ploetzlich Nachrichten auf thai gibt, und ein deutlicher Wind aufkommt?! Der Strom ist wieder da, und somit springt auch der Fernseher an, sowie unser Ventilator am Bett. Die immer hoch angebrachten Steckdosen verhindern anscheinend einen Kurzschluss im Haus, wenn Wasser eindringt, man muss diese Zeichen nur zu lesen wissen...

    Der kurze Blick nach draussen in den grauen Himmel, sowie das unablaessige Trommeln auf´s Blechdach verraten uns aber, das es nicht aufgehoert hat zu regnen. Mutti hat mittlerweile das Haus trocken bekommen, ist dafuer nun aber vor dem Eingang damit beschaeftigt, weiteres Eindringen von Wasser zu verhindern. Im Minutentakt wischt sie es von dem Vorplatz mit ihrem Besen.

    Der Sturm hat die Planen am Vordach maechtig in Mitleidenschaft gezogen, und ich repariere das erstmal so gut es geht. Meine Freundin gesellt sich zu ihrer Mutter, und gemeinsam beobachten sie belustigt, das ich zum Abspannen keinen Stuhl benoetige. Die 43 cm Groessenunterschied werden mal wieder auffaellig. Mir hingegen entgeht nicht, das die Tochter des Hauses immer noch ihr Nachthemd an hat?!



    Naja egal, heute werden wir eh nirgends hin muessen, denke ich noch. Was meine Person angeht, sollte das auch stimmen. Wir sitzen also stundenlang vor dem Haus auf dem Holzpodest, und betrachten, wie der Regen faellt, mal ein Auto vorbei kommt, und abwechselnd fegen wir das Wasser vor dem Eingang weg. Wie alle Kinder hat auch der Knirps von gegenueber riesen Spass an den Pfuetzen, und flitzt den halben Tag mit seinen Freunden im warmen Regen rum.



    Nach dem Essen ist mit nach einem Bierchen, also schlendere ich zum Kuehlschrank. Der ist gut gefuellt mit allem Moeglichen, aber ein Bier suche ich darin vergebens. Also wieder nach vorne, und ich fordere meine Freundin mit einer Handbewegung auf:
    "Bia finish, gundschaeae motorbike" (frei uebersetzt: "Bier ist alle, gib mal den Mopedschluessel")
    "Mai motorbike!"
    "What? Here - motorbike!" verstehe ich nicht, und zeige auf die Maschine, welche direkt neben mir im Haus steht.
    "Uii, I clean the motorbike yesterday, you know? You can not go now with the motorbike!"
    Sie hatte es gestern nach unserer Ankunft wirklich blitzblank bekommen, und das ist der Grund. Wenn ich damit durch die Pampe auf der Strasse fahren wuerde, muesste sie es nochmal putzen.
    "Thii rak, phom mai pai supermarkt, it is raining!"
    "No problem, I go. What you want? Bia chang? Nueng, soong?"
    "Soong khuad bia chang yai na khrap"
    Ich gebe ihr 100 Baht, und mit Schirm und Jacke marschiert sie los. Erst als sie nach 5 Minuten wieder zurueck kommt, faellt mir auf, das sie ja im Nachthemd unterwegs ist?!! Irgendwie schaffe ich es, schnell meine Kamera zu schnappen, und davon ein Foto zu machen.


  9. #18
    Kali
    Avatar von Kali

    Re: Einen Monat im Isaan...

    Hallo Kolja, ein sehr schöner, einfühlsamer Bericht. :-)

  10. #19
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Einen Monat im Isaan...

    Eine Monat im Isaan... (Teil 9)

    Nachdem das Wetter in den letzten Tagen wieder deutlich besser wurde, haben wir uns gestern mittag dazu entschieden, heute einen Ausflug nach Mugdahan an den Mekong zu unternehmen. Nicht auf der Honda, sondern zusammen mit einer Cousine und ihrem Freund, sowie 2 Kids aus der Nachbarschaft. Sogar der Vater meiner Freundin hat frei, sodass er auch mitfahren kann, was mich ganz besonders freut. Alle freuen sich riesig, denn die Grosseltern kamen vor langer Zeit aus Laos nach Thailand, und das Ursprungsland der Familie wenigstens ueber den Fluss herueber zu sehen, macht alle ziemlich nervoes. Die gut 80 Kilometer stellen dann doch eine fast unueberwindliche Huerde dar fuer diese lieben Menschen.

    Um die Tour zu realisieren, haben wir den Pickup-Fahrer mit seinem Wagen angeheuert, der schon an Sonkran bei dem Dorfumzug im Einsatz war. Hoffentlich ist er nicht wieder so voll wie neulich?

    Frueh, sehr frueh stehen wir alle auf, und bereiten uns auf den Trip vor. Vati muss sich erstmal den Bart abrasieren, denn wir wollen in Mudgahan auch ein Wat besuchen, und mit seinem wilden Haar im Gesicht schickt sich sowas nicht. Er hockt sich also neben dem Haus vor einen kleinen Spiegel, und geht sorgfaeltig auch an diese Arbeit. Ich erkenne ihn danach kaum wieder. Selbst Mutti laesst sich zu einem lieben Scherz hinreissen, als sie das Ergebnis sieht: "Khun loo tschang loeoei!" (= "Du siehst sehr gut aus!")



    Jedoch behaelt sie ihn mit der Pistole in der Hand dabei genau im Auge, damit er nicht noch auf dumme Gedanken kommt ob der Komplimente, auch von den Nachbarinnen...


    (es ist nur ein Kinderspielzeug, keine Angst!)

    Um 9:00 Uhr ist dann unser Fahrer da, nuechtern und guter Dinge. Wir nehmen auf der Ladeflaeche platz, bis auf Vati der vorne sitzen darf. Vermutlich kann man die Gelegenheiten, wo er mal IN einem Auto sitzen durfte, an 2 Haenden abzaehlen, und dementsprechend freut er sich. Ich muss erst mehrfach energisch darauf bestehen, das er endlich einsteigen soll. Aircon, kein Fahrtwind, und Musik so laut das einem die Trommelfelle reissen, all das sind fuer mich gute Gruende, immer hinten ´open-air´ zu sitzen. Die Cousine und ihr Freund nehmen auch im Wageninneren Platz, wir anderen machen es uns im Freien gemuetlich mit Strohmatten, Wasserbehaelter plus Alutasse, 2 Bieren und reichlich Proviant fuer den kleinen Hunger. Wieder einmal kommt anscheinend das halbe Dorf zusammen, um uns zu verabschieden, dabei ist es doch nur ein Tagesausflug?! Beutelweise werden uns Fruechte, getrocknete Fische, und andere Sachen mitgegeben, natuerlich auch Behaelter mit reichlich Klebreis.
    "Na, es wird doch auch in Mugdahan hoffentlich ein Restaurant oder ´ne Garkueche geben?" denke ich bei mir, denn diese Fuersorge kommt mir etwas merkwuerdig vor...

    Auch unsere Nachbarin mit dem Kurzen kommt vorbei. Er schaut so aus, als wuerde er denken, das ich nie wieder mit ihm Ball spielen wuerde, und ist sehr aufgebracht und traurig. Alle lachen, aber er muss heulen und Trost bei seiner Mutter suchen. Was auch immer ihm meine Freundin uebersetzt hat, er faengt jedenfalls gleich nochmal an zu heulen, und streckt seinen Arm nach mir aus. Alle lachen wieder, aber der Stoepsel wird irgendwie beruhigt.



    Aber dann geht es doch endlich los, und bald sind wir auf der Landstrasse 2042 Richtung Mekong unterwegs. Es geht wesendlich schneller, als mit einem Zweirad, denn die Schlagloecher nimmt der Wagen mit 60 Sachen, und zwar ohne Probleme.



    Die 2042 befindet sich zum Teil noch im Ausbau, und mehrfach durchfahren wir Baustellen. Auf der Strasse erscheinen erst schraeg gelegte grosse Zweige, dann kommen riesige Baumaschinen in Sicht, und alles ist mit feinstem Sand bedeckt. Es faengt an, fuerchterlich zu stauben, besonders wenn ein Bus oder LKW entgegen kommt. Da heisst es dann nur noch: Hoch ueber den Kopf mit dem T-Shirt, Augen zu, und durch. Ansonsten gleicht soetwas naemlich einem Hardcore-peeling!!!
    Irgendwann tauchen auf der rechten Seite riesige Dinosaurier-Figuren auf, da sich dort eine Ausgrabungsstaette befindet, wo man alte versteinerte Knochen der Tiere gefunden hat. Wir fahren aber weiter durch diese herrliche gruene Landschaft, aus der sich mittelhohe bewaldete Berge erheben, immer weiter gen Osten.
    Mittlerweile sind alle schon wieder am essen, auch ich. Da Mutti mir morgens noch extra Gemuese mit Tofu gegart und dies gut verpackt hatte, nehme ich mir einen grossen Klumpen Klebreis, und versenke ihn in meiner Ego-Tuete. Aroi maak, das faellt mir beim Thema Essen in Thailand immer wieder ein. Sogar an einen kleinen Beutel mit Prik pon (= Chilipulver) hat Mutti fuer mich gedacht, denn sie weiss ja, das ich es sehr scharf mag. Diesen dunkelroten Schatz muss ich nun aber sowohl gegen die anderen, als auch gegen den Fahrtwind eisern verteidigen.
    Sanuk maak, ueberhaupt keine Frage das es eine gute Idee war, die Tour zu machen! Alleine schon, wenn ich die 2 Nachbarskinder betrachte, und sehe wie gut es ihnen gefaellt, dabei zu sein. Weiter als bis Kuchinarai waren sie vorher noch nie gekommen in ihrem Leben, und alles war genauso neu und beeindruckend fuer sie, wie fuer mich. Das Maedel ist zwar etwas ruhiger, aber dafuer brabbelt der 10-jaehrige ohne Ende, immer in irgendeine Richtung zeigend, wo er eben etwas neues entdeckt hat.

    Irgendwo bei Nong Sung kommen wir an eine Polizei-/Militaerkontrolle, denn schliesslich geht es in Richtung Grenze. Der Pickup wird ploetzlich deutlich langsamer, und stoppt schliesslich an der aufgebauten Sperre. Ich lehne mich kurz vorher heraus, und erkenne die rot rotierenden Blinklichter an den Absperrungen mitten auf der Strasse. Links und rechts stehen einige schwer bewaffnete Militaers und Polizisten, die sehr ernst dreingucken. ´Meine Thais´ werden schlagartig ziemlich ruhig, aber sobald die Uniformierten den farang erblicken, scheint alles klar zu sein.
    Nachdem unser Fahrer endlich den Lautstaerkeregler fuer die Anlage gefunden hatte -es droehnte hammerlaute Isaan Musik aus den nun geoeffneten Fenstern der Kabine des Pickup- werden wir sofort mit einem Laecheln weitergewunken. Alle anderen vor uns durften erstmal aussteigen, den Kofferraum oeffnen usw...
    Selbst Mutti kramt nun all ihr englisch zusammen, und meint "Good luck!", mir auf die Schulter klopfend. Anscheinend haben die Thais doch einen grossen Respekt vor Uniformen?!

    Ohne weitere Komplikationen erreichen wir Mugdahan, und recht schnell findet unser Fahrer auch das Kloster, wo wir hin wollen. Leider habe ich den Namen des Wat vergessen, aber der Buddha, welcher dort direkt am Mekong sitzt, und ueber den Fluss rueber nach Laos laechelt, ist wirklich beeindruckend.


  11. #20
    Avatar von Didel

    Registriert seit
    10.08.2002
    Beiträge
    910

    Re: Einen Monat im Isaan...

    Hallo Kolja, ein sehr schöner und gutgeschriebener Bericht.

    Weiter so, da liest man doch gerne.


Seite 2 von 9 ErsteErste 1234 ... LetzteLetzte

Ähnliche Themen

  1. Antworten: 175
    Letzter Beitrag: 13.12.13, 15:21
  2. Antworten: 5
    Letzter Beitrag: 12.03.12, 14:55
  3. 12 Kg Reis im Monat
    Von Hippo im Forum Sonstiges
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 31.03.08, 14:52
  4. Nur einmal im Monat
    Von Malivan im Forum Ehe & Familie
    Antworten: 18
    Letzter Beitrag: 28.04.06, 21:47