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Einen Monat im Isaan...

Erstellt von hello_farang, 26.12.2003, 18:46 Uhr · 84 Antworten · 5.264 Aufrufe

  1. #1
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Einen Monat im Isaan...

    Einen Monat im Isaan... (Teil 1)

    Eine meiner Reisen nach Siam fuehrte mich in das kleine Isaan-Dorf Ban Sam Kha. Dort lebt meine damalige Freundin, und ich besuchte sie und ihre Eltern fuer einen Monat. Ban Sam Kha liegt in der Naehe von Kuchinarai, und ist eines dieser typischen kleinen und armen Doerfer, wie man sie in der Region so oft findet. Im Zentrum befindet sich ein Wat, um das sich entlang einiger staubiger Strassen ca. 200 Haeuser gruppieren. 2 Suppenkuechen, ein kleines Restaurant mit einer Karaoke-Maschine, das schlichte Wat, und der in Zivil seinen Job versehende lustige Dorfpolizist sind die einzigsten highlights dort.

    Natuerlich sehr beeindruckend war das viertaegige Sonkran Fest, dem ich beiwohnen durfte. Das man mich damals als Gast darum bat, den Vogel fuer den Umzug zu entwerfen, empfand ich als eine grosse Ehre. Nach meinen Zeichnungen wurde die Figur aus Bambus, Blaettern, Tuechern und vielen Blumen von den wichtigen Maennern des Dorfes zusammengebaut, damit darauf spaeter die jungfraeulichen Sonkran-Prinzessinen Platz nehmen konnten.
    Der Bau zog sich ueber 2 Tage hin, und es war fuer mich eine gute Gelegenheit, den ewigen Wasserguessen in Verbindung mit dem Eingepudert-werden zu entgehen. Sehr zum Missfallen meiner Freundin hiess das aber, oft mit den alten Herren anstossen zu muessen, und zwar mit warmem Lau Khao. Da ich jedoch quasi die Aufsicht hatte ueber den Vogel, konnte sie nichts machen, und wurde vom Dorfvorsteher "Moo sip-dsched" des oefteren wieder nach Hause geschickt. Den liebenswerten alten Herren sieht man hier in der Mitte des Bildes.



    Er und seine Freunde haben mich auf lao zugetextet, obwohl ich kaum etwas verstand. Aber sofort war eine herzliche Stimmung zwischen uns, und so wurden es herrliche Tage. Bereits nach wenigen Stunden kannten mich saemmtliche Dorfbewohner, und alle schlossen mich in ihr Herz - was natuerlich auf Gegenseitigkeit beruhte. Staendig wurden Fruechte gereicht, sowie die unterschiedlichsten anderen Speisen. Da ich strenger Vegetarier bin, konnte ich wenigstens da mein rudimentaeres thai anwenden, und klarmachen, das ich "gin kao mang sawirat" (= vegetarisch esse). Mai mii pan haa, natuerlich gab es fuer mich dementsprechende Extra-Portionen. Zudem wurde genau darauf geachtet, das ich nicht in der Windfahne des gegrillten Fleisches sitzen musste, das hat mich tief beeindruckt...

    Wie gesagt, nach 2 Tagen war der Vogel fertig gebaut, und auf einem Pickup verstaut. Der stolze Besitzer des Wagens, hier rechts im Bild, fuhr erstmal dauerhupend durch´s ganze Dorf, damit alle Bewohner das Ergebnis begutachten konnten. Seine locker 2,0 Promille sieht man ihn an...?!



    Nach stundenlangem Schminken waren auch die Maedchen aus Ban Sam Kha bereit, auf dem Pickup Platz zu nehmen, um am grossen Umzug teilzunehmen.



    Zu meiner Ueberraschung trafen sich auf dem naherliegenden Schulgelaende nicht nur alle Bewohner von Ban Sam Kha, sondern es kamen auch die Einwohner 2er weiterer Doerfer in der Nachbarschaft hinzu, um sich zu einem langen Festzug zu vereinigen. Auch diese Doerfer hatten einige Wagen, und die waren ebenfalls sehr liebevoll geschmueckt.









    Bis alles zum Abmarsch bereit war, dauerte es eine ganze Weile. Es wurde auf weitere Gaeste gewartet, und die bereits Anwesenden -bestimmt 1000 an der Zahl- vergnuegten sich mit Erzaehlungen, Wiedersehensfreuden, und natuerlich wollte jedeR den farang sehen. Was fuer ein Sanuk, das der auch noch einen Fotoapperat dabei hatte! So musste ich sehr viele Menschen fotografieren, und bangte darum, das ich genug Filme dabei haette. Aber ein "mai khrap" waere niemals akzeptiert worden, also klickte es im Sekundentakt... Immerhin hatte das den prima Nebeneffekt, das man mich mehr oder weniger mit Eiswasserduschen verschonte. Die zentimeterdicke Puderkruste in meinem Gesicht muss aber gut angekommen sein, wenn ich mir meine Gegenueber so betrachte.







    Zunaechst geordnet, setzte sich der Tross langsam in Bewegung. Ein Fahrzeug hatte grosse Boxen sowie eine Verstaerkeranlage geladen, und mit lauter Musik ging es nun 4-5 Stunden lang durch die Doerfer, sowie auf den Verbindungsstrassen durch die Landschaft. Wer die wundervollen Klaenge des Isaan kennt, wird sie in Gedanken hoeren...









    Natuerlich blieb der eine oder andere Lau-Khao Bruder auf der Strecke, und sein Freund half ihm weiter...



    Irgendwann kamen wir wieder nach Ban Sam Kha, meine Freundin war pudelnass und ihr war kalt. Als die Thai, welche zu dem farang gehoerte, hatte sie besondern ausgibig "duschen" duerfen.



    "Thaii rak, jen maak maak. Bai baan maeae, o.k. khrap?!"

  2.  
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  3. #2
    irrlicht
    Avatar von irrlicht

    Re: Einen Monat im Isaan...

    :bravo:

  4. #3
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Einen Monat im Isaan...

    Eine Monat im Isaan... (Teil 2)

    Mittlerweile waren einige Tage seit Sonkran vergangen, und alle hatten sich mehr oder weniger erholt von den Feiern. Nicht, das die Lau Khao Brueder ihrem Hobby nicht mehr froehnten, aber die Mehrheit der Dorfgemeinschaft war sich doch wieder dem Ernst des Lebens bewusst. Zwar gab es immer noch kaum Arbeit, jedoch rueckte die Regenzeit naeher, und es musste einiges erledigt werden. Daecher flicken - denn es regnete durch, einige Kanaele auf den Reisfeldern in Ordnung bringen, die Kuehe auf die ´Weide´ treiben, und an der Strasse nach Kuchinarai tauchten BauarbeiterInnen auf, die sich eher vergeblich um die Reparaturen der Piste kuemmerten. Jeden Tag ein bis zwei schwere Regenguesse oeffneten immer neue Loecher, noch bevor die alten geschlossen waren. Nach einem Unwetter hielt es sie aber nicht davon ab, mit viel Spass ihre Arbeit zu verrichten. Bei 35-40°C grinsten unter schwarzen Wollmasken immer freundliche Augen hervor, wenn ich dort entlang kam. Oft kam ein freudiges "Hello Farang!" verbunden mit Winken, wenn es auf dem Moped im Schritttempo durch den Slalom der Schlagloecher ging. Ich bin zum Glueck nie in eine der Baustellen hineingerast, denn kurz vorher lagen Aeste als Hinweise mitten auf der Strasse.

    Ausserdem kannte ich den Weg mittlerweile recht gut durch die Tage des Sonkran, da hatten mich staendig Anwohner aufgehalten, um mir eine Wasserdusche zu verpassen, gefolgt von ausgiebigem Einpudern.
    Meist hatte ich dabei meine Freundin mit auf dem Moped, und sie ertrug diesen massiven Sanuk tapfer. Alle wurden damals mit viel Wasser bedacht, aber wenn der farang vorbeikam, gab es anscheindend immer gleich die doppelte Portion?! Zumal sie meine Freundin nie sahen, denn die sass ja hinter mir, und so verdeckte ich den Blick auf sie zunaechst. Ihr gut gemeintes Klopfen auf meine Schulter und der Spruch: "Thii rak, tscha tscha!" wird mir noch lange im Gedaechtnis bleiben. Aber auch ohne sie haette ich die Leute auf der Strasse bestimmt nicht ueber den Haufen gefahren. Mit breitem Grinsem empfingen wir das obligatorische Wasser, und die sich anschliessenden Puderwolken. Jedoch wurden wir jedesmal vorher durch Gesten und/oder Worte gefragt, ob man unser Gesicht beruehren duerfe?! "Khrap!" mit einem aufmunternden Daumenzeig nach hinten, worauf jeweils ein lachendes "Mai mai!" verbunden mit Trommeln auf meinen Ruecken folgte. Aber da war es eh schon zu spaet, und sowohl ich als auch meine Freundin waren dran...
    Ich kann mich auch noch gut an einige Nierenschlaege erinnern, mit den Worten "Bai, leo leo!", wenn es sich am Strassenrand um huebsche Maedels handelte, die sich mit leuchtenden Augen freuten, mir das Gesicht einzureiben. "Bai nai, farang?" "Leo leo!!!" kam die Antwort hinter mir, mittlerweile weniger belustigt, und ich musste wieder am Gashahn drehen.

    Wie gesagt, nach der Sonkran-Aktion kannten mich die Leute auf der 12 Kilometer langen Strecke nach Kuchinarai. Jedesmal kam das mir mittlerweile wohlvertraute "Hello Farang!" von links und rechts, aber mittlerweile ohne Wassersperren. Mal ein Zunicken, mal ein freundlicher Fingerzeig oder Winken von meiner Seite, und manchmal hielten wir auch an, wenn meine Freundin die Menschen kannte, und mit ihnen reden wollte.
    Bis nach Kuchinarai dauerte es nie unter einer halben/dreiviertel Stunde, auch wenn ich kraeftig Gas gab.
    Ab und zu kam auch ein Wasserbueffel ueber die Strasse getrottet, anscheinend den Verkehr komplett missachtend. Bevor ich da rein rausche, bremse ich lieber. Auch wenn das immer nur mit einem sehr gelangweilen Blick des Quai akzeptiert wurde. Meine gelegendlichen Fragen an die Tiere: "Du bist doch wohl voellig high?! Siehst Du nicht das ich komme?" musste ich dann erstmal meiner Freundin uebersetzen: "May you just smoked gunja or what?! You must see and hear that I come!" . Daraufhin dann ihre Antort: "Khun baa baa! You speak with the animal?!", begleitet von einigen Hieben auf meinen Ruecken. Waren es 3 Tiere oder mehr, dann bruellte sie aber selber etwas auf lao, und wundersamerweise trabten die Riesen rascher als vorher wieder von der Strasse.

    Irgendwann erreichten wir dann Kuchinarai, unser Ziel. Dreimal in der Woche gibt es dort einen Markt der Bauern, wohin wir zum Einkaufen wollten...

  5. #4
    Chak
    Avatar von Chak

    Re: Einen Monat im Isaan...

    In welchem Changwat liegt den Kuchinarai oder wie das heißt?

  6. #5
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Einen Monat im Isaan...

    Eine Monat im Isaan... (Teil 3)

    Angekommen in Kuchinarai, parken wir unser Moped an der Hauptstrasse, direkt am grossen Wochenmarkt. Es muss also Mittwoch sein..., oder Samstag, denn nur an diesen 2 Tagen ist der taalaat dort aufgebaut. Bevor wir shoppen gehen, ist erstmal eine Essenspause angesagt. Der oestlichen Rand des Marktplatzes ist durch eine Strasse begrenzt, in der sich einige Restaurants befinden. Das groesste ist fuer mich auch das beste, denn dort kocht der chinesische Chef persoenlich. Er ist -wie ich- Vegetarier, und hat daher natuerlich neben den ueblichen leckeren Speisen des Isaan auch ein Gespuer fuer vegetarische Kueche. Dort gibt es immer Tofu, und sobald man es bestellt, wird auf Beigaben wie nam plaa oder khai von vorneherein verzichtet. Des oefteren habe ich mich schon mit ihm unterhalten, und war verbluefft, das sein englisch sehr gut ist fuer die Gegend. Zudem kommen Polizisten, Militaers, die Verkaeuferinnen des Marktes, und viele andere Thais dorthin, um gut und guenstig zu essen. Fuer maximal 20 Baht wird man/frau wirklich satt, und das mit viel Sanuk. Der alte Herr hat immer einen lustigen Spruch auf den Lippen, sowohl auf thai, lao, oder englisch. ´Geht nicht, gibt´s nicht!´, das scheint auch sein Motto zu sein, denn oftmals wird eine Angestellte losgeschickt, wenn eine Zutat gerade nicht vorhanden ist. Nach spaetestens 10 Minuten bekommt man, was man bestellt hat, knackfrisch.

    Auf diese Art gut und ausreichend gestaerkt, laufen meine Freundin und ich ueber den Markt. Hier eine Bluse, dort ein Mitbringsel fuer Muttern, aber weit und breit keine Tiere? Dafuer sehe ich dann ploetzlich mehere Staende mit jede Menge alten deutschen und vietnamesichen Militaerjacken, sowie gebrauchte T-Sirts zu 5 (FUENF!) Baht das Stueck.Wahnsinn, die haben sogar XL?! Unter den etwas verstaendnislosen Blicken meiner Freundin durchstoebere ich die Staender mit den alten Shirts, und sammele die coolsten Stuecke auf meinem Arm. Alles zusammen 60 Baht, keine Frage - ist gekauft! Mit 2 dicken Tueten schlendern wir also zurueck Richtung Moped. Aber dann kommen wir an einem Stand vorbei, wo gigantische Haufen von Tabak liegen.
    Ich als Raucher natuerlich sofort stehengeblieben, und das hat der jungen Verkaeuferin sehr gut gefallen. Augenpaare von links und rechts begutachten den farang, der sich intensiv mit den verschiedenen Haufen auseinander setzt. Hieran riechen, daran mal schnuppern, jeweils die Konsitenz der Ware begutachtend fiel ich natuerlich auf wie ein bunter Hund. Warum, sollte ich einige Minuten spaeter feststellen: Man kauft dort Tabak Einkaufstuetenweise! Ich nahm eine pralle Tuete von dem wuerzigen Mitteldunklen, zu 60 Baht die Fuellung. Natuerlich nicht ohne vorher alle Sorten zu testen, mit in Palmblaettchen gedrehten Zigaretten...
    Als ich bei der 3ten Kippe war, merke ich, dass mittlerweile ca. 20 Menschen grinsend um den Stand herum stehen, um zu sehen, ob der farang den starken Tobak auch verkraftet. Mai mii pan haa, ich nehme davon, und zeige auf den mittelbraunen Haufen! "Aroi maak!", das hat wohl alle ueberzeugt, denn es kommen positive Rauner und das eine oder andere zustimmende Wort auf lao. Meine Freundin, mittlerweile mit 4 oder 5 Tueten bestueckt, grinst immer noch.

    Danach ist es ihr aber dann doch zuviel, und sie lotst mich zum Moped. "We go other market! Buy aahaan."...

  7. #6
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Einen Monat im Isaan...

    @Chak:
    Kuchinarai liegt so zirka nach 2/5 zwischen Kalasin und Mugdahan, als auf den Weg nach Osten an der Strasse 2042...



    hello_farang

  8. #7
    pef
    Avatar von pef

    Registriert seit
    24.09.2002
    Beiträge
    3.974

    Re: Einen Monat im Isaan...

    @hello-falang
    wirklich ausgezeichneter Bericht

  9. #8
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Einen Monat im Isaan...

    Eine Monat im Isaan... (Teil 4)

    Es heisst also mit bereits 5 prall gefuellten Tueten irgendwie das Moped zu fahren. Auch wenn die meine Freundin halten muss, beeintraechtigt das die Balance der Maschine. Geht erstaunlich gut, wenn man mal vom Verkehr um uns herum absieht, denn an einem Markttag ist auch in einer kleinen Provinzstadt maechtig viel los, vor allem, wenn es 2 Maerkte gleichzeitig sind. Der fuer die Nahrungsmittel wird 3 mal in der Woche abgehalten, und wir waren schon des oefteren dort. Es geht mal links, mal rechts herum durch schmale Gassen, die immer schlechter werden. Anscheinend waren die Regenfaelle plus das Sonkran-Wasser der vergangenen Tage keine gute Kombination fuer das letzte Stueck des Weges, denn die Sandpiste ist nunmehr eine einzige Berg- und Talfahrt, mit durch die Sonne hartgebackenen ueblen Spurrillen. Da heisst es richtig aufpassen, um die Freundin nicht vom Sozius zu verlieren, und dabei das Laecheln nicht zu vergessen.

    Je naeher wir dem Markt kommen, desto mehr scheint es mir, als wuerde ich bereits mitten durch den taalaat fahren, und deren Kundschaft. Die ersten kleinen Staende am Rand, Frauen voll bepackt mit Einkaeufen, Kids turnen in ihr neues Spielzeug vertieft quer ueber die Strasse, dazu reichlich Hunde und Katzen und Huehner nach Abfaellen streunend, da muss man erstmal laessig durchkommen... Aber alles geht gut, wie immer, und ich parke die Honda an einem der Zugaenge zum Markt. Neben uns steht eines der grossen Isaan-TukTuks, meine Freundin kennt den Fahrer. Ein kurzer Wortwechsel, und sie gibt ihm unsere bisherigen Einkaeufe. Prima, dann muessen wir damit nicht durch das Gewuehle, sondern koennen uns ganz den immer neuen Eindruecken widmen. Das Lenkradschloss lasse ich uneingerastet, denn es kommt oft vor, das dort ein Moped mal verschoben werden muss.

    Nun geht es also rein ins Gedraengel, und Essen kaufen fuer die Familie. Ich finde die thailaendischen Maerkte jedesmal aufs Neue sehr interessant, ob der angebotenen Nahrungsmittel. Im Isaan ist es jedoch besonders beeindruckend, was nicht alles zum Verkauf steht. Fleisch, Fisch, Obst und Gemuese, o.k., das kennt man ja. Aber Dinge wie in Blaetter gewickelter Klebreis mit Ameiseneiern incl. lebenden Ameisen, Gottesanbeterinnen - bereits geroestet oder noch zappelnd-, dicke Froesche denen die Beine zusammengebunden sind, Kaefer aller Art und Farbe, bestialisch stinkende grosse schwarze Fischkoepfe, oder gehaeutete Ratten sind dann doch etwas gewoehnungsbeduerftig fuer einen Vegi-farang.
    Meine Freundin hat sich auch immer einen Spass daraus gemacht, mir die kuriosesten Stuecke zum kosten anzubieten, sehr zum Sanuk der Umstehenden. "Mai ao khrap, im laeaeu!" ( = "Ich moechte nicht, danke. Ich bin satt.") mit einem gequaelten kopfschuettelnden Grinsen meinerseits sorgte stets fuer Lachsalven der Thais.

    An den Obst- und Gemuesestaenden uebernehme ich dann aber das Zepter, und alles was gut aussieht wird gekauft. Bekannt oder neu, egal - muss getestet werden. Mit grosser Ueberraschung entdecke ich irgendwo sogar 4 Kartoffeln, zwar mit einigen dunklen Stellen, aber die muessen mit! Etwas planlos guckt mich meine Freundin an: "What is it?" "Potato, aehh ´man farang´! Same same french fries. Aroi maak!" Mir wird beim Blick in ihre Augen klar, das sie noch nie Kartoffeln gekocht hat.

    Mit weiteren 6 Einkaufstueten verlassen wir den Markt, mittlerweile war noch eine grosse Portion kleiner schwarz-grauer Muscheln dazugekommen. Kurz vor dem Ausgang sehe ich einen T-Shirt-Stand, wo ´Diesel´ Klamotten haengen. Eines der Shirts nehmen wir mit, es zeigt einen Radlader und ist fuer meinen brother, der als Schweisser bei einer Baumaschinenfirma arbeitet. Somit bereits 7 Tueten, die wir neben den anderen 5 irgendwie nach Hause bekommen muessen...

  10. #9
    Avatar von Peanut

    Registriert seit
    01.09.2003
    Beiträge
    358

    Re: Einen Monat im Isaan...

    Tolle Erzaehlung.
    Bin selbst im Isaan verwurzelt, kann nur nachempfinden.
    Liebe Gruesse,
    Peanut

  11. #10
    hello_farang
    Avatar von hello_farang

    Re: Einen Monat im Isaan...

    Eine Monat im Isaan... (Teil 5)

    Bepackt wie Lastesel kommen wir also zum Ausgang. Was fuer eine Freude, als ich anstatt des TukTuks und unseres Mopeds dort einen grossen Pickup sehe, von dem gerade Steine fuer eine naheliegende Baustelle entladen werden?! Abgesehen von unserer roten Honda stehen natuerlich ueberall Mopeds, davon mindestens 30% in der selben Farbe. Oje, jetzt heisst es wohl erstmal suchen...
    Aber die Sache klaert sich schnell, denn schon kommt ein kleiner Junge angehuepft, der anscheinend darauf achten sollte, wann wir den Markt verlassen. Wild plappernd -ich verstehe nur ´farang´ und ´motobike´- lotst er uns 15 Meter weiter. Und da steht unser Gefaehrt, nebendran auf einem Maeuerchen die Plastiktueten vom anderen Markt. Der TukTuk Fahrer hatte Kunden gefunden, und war bereits losgefahren, jedoch nicht ohne sich vorher um unser Moped und die ihm anvertrauten Sachen zu kuemmern.

    Meine Freundin verlaed die ganzen Einkaeufe. Was nicht in den Korb vorne passt, und das ist der Grossteil, wird an die Griffstange des Sattels gebunden. Den Rest der Tueten behaelt sie in ihren Haenden, und wartet bis ich die nunmehr heftig schwankende Maschine aus der neuen Parkposition schiebe. "Tscha tscha", aber das haette sie sich auch sparen koennen, denn so beladen geht es eh nicht schneller. Ich bin ja schon froh, das mir der Bock nicht umfaellt dabei.
    Dem 8-jaehrigen Aufpasser druecke ich noch 15 Baht in die Hand, dann wird aufgesessen, links und rechts noch ´ne Tuete an den Lenker, und los geht der lustige Ritt zurueck nach Hause. Begleitet von guten Wuenschen der umstehenden Thais, die ich aber nur mit einem kurzen Nicken erwidere, denn die Honda wackelt doch maechtig hin und her.

    Kontrolliert im 2ten Gang geht es nun langsam um und durch die Krater des Weges, bis wir die Hauptstrasse erreichen. Ab da gebe ich mehr Gas, und somit erhoeht sich auch die Stabilitaet des Zweirad. Nach einigen Kilometern praesentieren sich auf der Landstrasse ploetzlich wieder Schlagloecher, von denen ich gerade noch 5 umfahren kann, dem sechsten kann ich aber nicht mehr ausweichen und rumpel voll durch. Ich koennte schwoeren, vor 3 Stunden waren die noch nicht da?! Im hohen Bogen verabschieden sich die 2 Ananas aus dem Korb am Lenker, und meine Freundin ruft: "Ui, tschaa tschaa! You not see?"
    "Doch Schatz, ich hab´s gesehen, und bei 50 km/h ist doch 1 von 6 ein guter Schnitt?" denke ich bei mir. Also erstmal stoppen, die Fruechte wieder einsammeln, und von nun an fahre ich deutlich langsamer, denn die Strasse wird immer schlechter. An einer Stelle muss ich sie sogar verlassen, und 200 Meter auf dem weichen Sandstreifen links daneben fahren, wobei sich die Karre maechtig aufschaukelt. Zum Glueck kommt gerade kein Quai wieder auf die dumme Idee, ausgerechnet jetzt auf die andere Seite wechseln zu muessen.
    "Uii, Ko-Ja!" lautet der aengstlich-vorwurfsvolle Kommentar von hinten.
    "Everything ist fine, sanuk maak maak!" lache ich zurueck.
    "Ko-Ja, khun baa!", wobei sie ja nichtmal Unrecht hat...

    Nach einer guten halben Stunde erreichen wir dann doch ohne weitere Probleme unser Dorf. Waerend meine Freundin mit ihrer Mutter die diversen Tueten vom Moped ablaed, bleibe ich darauf sitzen, um es mit den Beinen zu stabilisieren.

    Irgendwie haben wir anscheinend doch deutlich mehr eingekauft, als es ueblich ist, denn die NachbarInnen kommen herbei, um unsere Beute in Augenschein zu nehmen. Mutti strahlt natuerlich, besonders die Muscheln kommen sehr gut an. Noch bevor ich richtig eingeparkt habe, wirft sie schon den Gaskocher an, um die Tierchen in einem Topf zu garen. Mittlerweile haben sich die NachbarInnen vor dem Haus niedergelassen, in Erwartung einer leckeren Mahlzeit. Meine Freundin nimmt sich einer der verunfallten Ananas an, und mit schnellen Schnitten wird diese in mundgerechte Stuecke zerkleinert, auf einem Teller drapiert und mit Zahnstochern versehen. Dabei erzaehlt sie von dem Schlagloch, und das ich es nicht gesehen habe. Wieder einmal lachen alle belustigt, aber auch mir freundlich zublinzelnd in der typischen Thaiart, um den Verursacher vor einem Gesichtsverlust zu bewaren. Ich muss natuerlich auch grinsen, denn schliesslich ist ja nichts ernstes passiert.

    Kurze Zeit spaeter wird das grosse flache Holzpodest vor dem Haus mit Matten abgedeckt, und Teller, Loeffel, Klebreis, die Muscheln, sowie Gemuese mit Dtou-hu (=Tofu) fuer mich gebracht. Alle setzen sich im Kreis, und es wird ausgiebig zugelangt.

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