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An einem Sonntag in Thailand...

Erstellt von Samuianer, 06.09.2003, 16:21 Uhr · 3 Antworten · 902 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Samuianer

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    An einem Sonntag in Thailand...

    ...War gerade mal wieder am Strand. Als ich los ging fing es an ein wenig windig zu werden. Drueben hinter den Bergen bildeten sich riesige tiefgraue, fast schwarze Wolkenberge die bedrohlich nach Mae Nam lugten. Dahinter und darueber bildeten sich noch hoehere und noch gewaltigere.Gleissend weisse Gewitterwolken tuermten sich dramatisch schnell zu einem gewaltigen Amboss, ich meinte ganz oben an der Kante dieses Gewitterwolken Ungetuems einen feinen silbrigen Rand auszumachen.Es war wie wenn dieses Ungetuem die Sonne mitsamt dem Tageslicht langsam verschlingen wuerde.

    Ich lief weiter, durch den Palmenhain runter zum Meer, ein frische Brise mit fein zerstaeubtem Salzgeschmack und Seegeruch begruesste meine Ankunft.

    Das mittlerweile sich grau - gruen verfaerbte Meer tobte, die Wellen trugen von Sturmboeen gepeitscht taenzelnd weisse Schaumkronen. Die Palmen bogen sich grazil im Wind. Hier und da war das typische dumpfe ´bumm, bumm´, gefolgt von dem leisen ´Zischen´ das entsteht wenn der aufgewirbelte Sand auf die trockene, durch den Sand rollende, Kokosnusshuelle zurueckrieselt. Abgetrocknete Palmwedel, von den Sturmboeen losgerissen, flogen raschelnd durch die Luefte. Hier und da reisst es mal eine der noch gruenen, unausgereiften Nuesse los, die durch ihr Gewicht den Boden erzittern lassen. Man koennte fast meinen es waere ferner Geschuetzdonner.

    Zersauste grau-weisse Wolkenfetzen trieben dahin bis sie am Horizont, wo das Meer und der Himmel miteinander in einen einzigen Farbton zu verschmelzen schienen, verschwanden. Regentroepfchen wurden fast waagerecht durch die Luft getrieben und liessen die tropische Feuchtigkeit noch ein wenig ansteigen, es spielte keine Rolle mehr ob mein T-Shirt vom Schweiss oder durch den staendigen Nieselregen feucht war.

    Dann ploetzlich eine heftige Boe, die den Sand vom Strand aufwirbelte alles was irgendwie nicht angewachsen oder befestigt war, flog durch die Luefte, ich rannte so schnell ich konnte hoch zum Palmenhain-gerade geschafft toste eine Wasserfront vorueber und setzte alles fuer Momente unter Wasser.

    So schnell wie der Regen gekommen war so schnell war er auch wieder voruebergegangen-einfach so.

    Nach wenigen Minuten war alles am dampfen-Tropensauna....die heftigen von der ankommenden kuehleren Luft des lang ersehnten Regens angetriebenen Boeen liessen nach, die Wolken zeigten sich in freundlicherem Weiss und nicht lange, da waren die ersten blauen Flecken zwischen der Wolkendecke auszumachen-irgendwie ging mir : "Ueber den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein, alle Aengste, alle Sorgen bleiben darunter verborgen....." durch den Kopf.

    Der Strand war, wie so oft, Menschenleer. Irgendwo, weit draussen, gerade noch mit dem blossen Auge auszumachen, duempelte ein Fischerboot in den Wellen. Die Wogen glaetteten sich langsam, es war als wenn ein Kurzdrama ueber die Buehne gezogen war, so dramatisch, wie kurz.

    Die ersten Sonnenstrahlen brachen ihre Bahnen durch die Wolkendecke und malten kleine goldene Inseln in den Sand.
    Da ertoente wieder dieses "dung, dung, dung ...dung, dung,...dung" eines Vogels der irgendwo drueben zwischen den Palmen im Dickicht sitzen musste.

    Warum gab es eigentlich keine Moeven fragte ich mich als die Seeschwalbe in kunstvollen Boegen dicht vor mir, ihre Nahrung suchend, Looping nach Looping vollzog.

    Das Meer beruhigte und glaettete sich immer mehr, da ploetzlich ein ganzer Schwarm kleiner, silbrig glaenzer Fische, knapp ueber der Wasseroberflaeche, tanzten sie Neptuns feuchtes Ballet frei nach dem unbekannten Choreographen.Waren sie vielleicht von einem fuer mich unsichtbaren Jaeger, der unter der Wasseroberflaeche seine toedlichen Kriese zog, aufgeschreckt?

    Der Tag neigte sich seinem unausweichlichen Ende zu. Die Wolken, die paar weissen Striche die davon noch uebrig waren, fingen sich an allmaehlich zu verfaerben. Von zarten Goldtoenen in grelles Orange, hinterlegt von matten Rose, Pink, Flieder, durch setzt von intensivstem Tuerkis, das sich allmaehlich in Purpur wandelte um als Violett immer tiefere Toene anzunehmen-die Toene der herannahenden Nacht.

    Ein groesser Vogel flog durch die atemberaubende Szene, es war ein stiller fast geisterhaft vorueberziehender schwarzer Schatten vor einer gewaltigen Leinwand-wer war der Kuenstler?

    Der Wind legte sich voellig um dem lauen tropischen Abend ein wenig mehr Wuerze zu geben. Zikaden zirpten um die Wette, irgendwo kreischte eine "Winkelschleiferzikade" mit ihrem ohrenbetaeubenden "ieiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitetetete" und wieder war dieses monotone "dung, dung - dung, dung, dung" zu hoeren - eine kleine Dschungelsymphonie.

    Venus, Mars der dieser Tage recht kraeftig Orange leuchtete und die ersten Sterne zeigten sich am Abendhimmel. Es war um Neumond und der Mond wuerde den Sternen die alleinige Regentschaft am Himmel ueberlassen. Nach kurzer Zeit glitzerte und schimmerte es ueber mir das ich faziniert fast nur noch meinen Blick auf den Himmel richtete und aufpassen musste wo ich hintrat. Drueben im Sueden war ganz deutlich, grad so knapp ueber dem Horizont schon das Kreuz des Suedens zu sehen.
    Es war wie wenn Millionen von Diamanten von unbekannter Hand auf ein dunkelblaues Samttuch gestreut wurden.

    Ich war wieder zurueck in meinem Garten. Ich entschied mich noch ein wenig draussen unter dem praechtigen Nachthimmel zu verbringen und ein paar Glaeschen zu geniessen - war es doch Sonntagabend. War es das? Dann ist hier fast immer Sonntag weil es fast jeden Tag so ist...leise plaetscherte der Wasserfall und ein Duft von wuerziger Erde und sattem Gruen lag in der Luft.


    Samuianer




    Annatta - or Not self - The impermanent enteties always change and never yield what we expect of them.
    -Bikkhu Buddhadasa-

  2.  
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  3. #2
    UAL
    Avatar von UAL

    Registriert seit
    23.08.2003
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    8.198

    Re: An einem Sonntag in Thailand...

    Hallo Samuianer - alter ......,

    nette Art einen zu quälen, beim lesen dachte ich zeitweilig ich wär dabei, hab sogar einen Hauch von Singha auf der Zunge geschmeckt.

    Wirklich schöne Dramaturgie, hilft die Zeit "davor" ein wenig zu überbrücken. :P

    Wünsche Dir noch viele solcher Sonntage im Dezember knappse ich mir auch einen ab

  4. #3
    PETSCH
    Avatar von PETSCH

    Re: An einem Sonntag in Thailand...

    @samuianer:
    :bravo:
    EIN GENUSS, Deine Eindrücke und das feeling!
    Kann mich gut reinversetzen - habe ähnliches
    auf Samui auch schon erlebt.
    Und Deine Entscheidung am "waterfall at harrys"
    noch den Ausklang mit ein paar Gläschen zu geniessen:
    ....ich wär zu gern dabei gewesen........: positiver Neid
    Einen schönen Sonntag am MaeNam: P+P!

  5. #4
    Avatar von Samuianer

    Registriert seit
    04.09.2003
    Beiträge
    17.303

    Re: An einem Sonntag in Thailand...

    Jau, wer´s kennt ist mit dabei-in der Zeitmaschine...von den Tagen an denen wochenlang strahlend blauer Himmel ist, an denen nur hier und da mal ein kleines weisses Woelkchen am endlos blauen Himmel dahin treibt wollte ich erst garnicht anfangen - das Bild kennen ja alle.



    Gruss & einen [highlight=yellow:3beccf5117]suuuper[/highlight:3beccf5117] Sonntag
    Samuianer

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