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Eine kleine Erinnerung

Erstellt von Chonburi's Michael, 24.11.2004, 09:34 Uhr · 1 Antwort · 796 Aufrufe

  1. #1
    Chonburi's Michael
    Avatar von Chonburi's Michael

    Eine kleine Erinnerung

    Ich erinnere mich noch als ich das erste mal nach Thailand kam. Vom Flugzeug raus, uebermeudet doch aufgeregt ein neues Land zu erkunden. In der Ankunftshalle wimmelte es von Menschen aller Nationen. Der Laerm den die Menschen verursachten war nicht einzuordenen. Lachen, Rufe, Fragen all dies war so unwirklich. Menschen Umarmten sich, Schilder wurden in die hoehe geragt worauf Namen standen. Mein Name war nicht darauf, denn keiner erwartete mich.
    Am Geldwechselschalter tauschte ich fuer 7.000 Schillige, damals um die 20.000 Baht, um. Ich wusste nicht wieviel die 20.000 Baht an Kaufkraft wert sind. Raus aus dem Flughafen und schon war der Larm der Grossstadt in meinen Ohren. Taxifahrer wetteiferten mich als Fahrgast zu haben. Es war aufregend. Das strenge englisch die braunen Gesichter der trillerpfeifende Wachmann, alles kam mir wie in einem Film in dem ich eine Hauptrolle spielte vor.
    Dann im Taxi, die feuchte abgestandene Luft brach meine Euphorie des Urlaubsgefuehles nicht ab. Ich war wie ein kleiner Junge, der zum ersten mal eine Grossstadt sah. Die Haeuser schienen hoeher zu sein, die Strassen breiter und der Verkehr schleppender, als ich es von New York, Colombo, Wien oder Muenchen kannte. Ich hatte ein leicht flaues Gefuehl im Mage, da ich vieles ueber die Taxifahrer hoerte. Doch ich sagte mir: „Michael, das ist dein Urlaub, geniesse jede Minute. Nimm dir die Augenblicke des neuen in dich auf.

    Im Hotel beim einchecken. Schon zur Zufahrt des Hotels sah ich das ueberdimensionale Portal das mich erstaunen lies und ich dachte der Taxifahrer glaubt wohl ich sein Multimillionaer. Auch hier ein Wachmann mit der Trillerpfeife im Mund. Der Taxifahrer trug mein Gepaeck in das Hotel, sprach zur Rezeptionistin in einer Sprache die mir unwirklich vorkam und doch zauberte diese Sprache der schoenen Rezeptionistin ein Lachen ins Gesicht, das mich faszinierte. (Ich war ein Walk-In Gast).

    Der erste Ausflug. Die Umgebung des Hotels erkunden war ein Abenteuer. Ich ging, immer mutiger werdend, weiter weg vom Hotel, praegte mir markante Merkmale ein damit ich den Weg wieder zurueckfand. (Hab einen schlechten Orientierungssinn), desshalb nahm ich zur Sicherheit die Business Karte des Hotels mit.
    Tuk-Tuks blieben stehen und die Lachenden von der Sonne dunkelbraunen mit strahlenden weissen Zaehene die das laecheln angenehmer machten, versprachen mir eine wunderschoene Stadtbesichtigung. Ich stieg in einen Tuk-Tuk ein und ich war schon in Richtung Patpong. Der Fahrer hat wohl gedacht, das dies eine Attraktion die auf mich zugeschneidert ist.

    Bei der Fahrt wurde mir sehr flauig in der Magengegend. Der Fahrer ueberholte trotz Gegenverkehr. Fuhr ganz knapp an anderen Fahrzeugenvorbei. Abgaswolken erschwerten mein Atmen. Doch auch hier sah ich Menschen mit eionem Lachen im Gesicht. Einige winkten mir zu, ander boten mir waehrend der Rotphase der Ampeln, Waren an. Einer wollte mir sogar eine echte Rolex verkaufen. Zu einem Schnaepchenkauf kam es nicht, da ich keinen Bedarf an einer Uhr hatte. Die Menschen waren sehr in Eile, doch die Zeit fuer ein laecheln hatten sie.

    Auch wollte ich einmal Thaifood essen. Mein knurrender Magen erinnerte mich daran. So ging ich in ein Restaurant und bestellte das was ich kannte. Fried Rice. Ich kannte dies von meiner Heimat im China-Restaurant. Oh, wie hatte ich mich getaeuscht. Der Geschmack war ganz anders und fuer mich ueberhaupt nicht angehnehm. So ging ich ins MC Donald und verzehrte Lustlos einen Hamburger, der im Geschmack fuerchterlich war. Ein junger Mann merkte wohl meine Lustlosigkeit beim Essen, und zeigte mir einen Essenshop wo ich eine Nudelsuppe zu mir nahm. Auch dieser Geschmack welches das Gruenzeug mit sich brachte, konnte meine Stimmung auf ein Abenteuer nicht verderben.

    Das erste mal auf dem Land (Isaan) war schon eher meine Richtung. Alles ging gemaechlicher und fuer mich ueberschubarer zu. Der Motoradtaxistand unter einem Flugdach. Der Fahrer schlief auf der Holzpritsche. Aeltere Frauen sassen daneben und tratschten. Ihre von den bettelnuesse rotgefaerbten und zum Teil schon geschaerzten Zaehne, hatten auf mich eine mgische Wirkung. Ich starrte zu ihnen. Sie lachten und winkten. Ich schaute ganz schnell weg, damit sie meine Verlegenheit nicht sahen. Die kleinen Shops hatten alle dieselben Waren im Angebot. Die Luft war nicht so heiss und die Baeume spendeten schatten.

    Der Schmutz stoerte mich nicht, da ich gar keine Zeit hatte mich damit zu beschaeftigen. Ich hatte genug damit zu tun, das ich als alleinreisender klarkam.

    Heute nach fast zehn Jahren Thailand, wenn ich meine erste Zeit revue passieren lasse, muss ich oft an meine Tolpatschigkeit denken. Doch es war eine Zeit, in der ich viel lernte. Insbesondere ueber mich und mein Verhalten.
    Ich empfand damals Freude, Zufriedenheit und Neugierde, die sich bis heute nicht verringert haben, sondern haben sich durch den taeglichen Tagesablauf verstaerkt.


    :-)

  2.  
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  3. #2
    Avatar von Chang Nam

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    19.11.2004
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    264

    Re: Eine kleine Erinnerung

    Hallo!
    Meine erste Reise nach Thailand führte mich, wie wohl viele, gleich nach Phuket. Patong Beach. Mitten rein! Ich hatte ehrlich gesagt bis 3 Tage vor Abflug den Namen des Ortes noch nie gehört, wusste nur dass Phuket eine Insel ist und es nach den Erzählungen eines Bekannten, der dort lebte und meinen Bruder und mich animiert hatte ihn zu besuchen, das 'Paradies' sein sollte. Na ja. Eine Kollegin von mir, die Phuket 2 Jahre zuvor besucht hatte, fragte mich 3 Tage vor meiner Abreise wohin ich überhaupt ginge. Ich sagte PHUKET. Sie fragte 'und wohin da'? Ich sagte 'keine Ahnung, wir haben nur den Flug gebucht den Rest hat unser Bekannter erledigt.' Also den Bruder angerufen und nach der Adresse gefragt. PATONG BEACH hiess es...Ich sagte also 'Su, wir gehen nach Patong Beach'! AAAHHHA, DU BIST ALSO AUCH EINER VON DER SORTE!!! Ich war doch etwas erstaunt dass sie nur beim Nennen des Urlaubsortes schlagartig eine schlechte Meinung von mir bekam. 'Da geht es doch nur um EINS' sagte sie. DAS hätte ich von DIR nicht erwartet'. Aha, dachte ich. Das kann ja heiter werden...Also geflogen, mit Singapore Airline 12,5 Stunden bis Changi, 4 Stunden Aufenthalt, weiter mit der Silk Air nach Phuket. Wir kamen gegen 19.30h an. Beim Heraustreten aus der Glasschiebetür am Flughafen verschlug mir die Wärme und Schwüle erstmal den Atem. Abflug am Vortag bei -2 Grad, Ankunft bei ca. 34 Grad. Nach 1 Minute war der Hemdkragen feucht, die Knie etwas weich von Flug, Schlafentzug, Aufregung. Aaaah, da kam auch unser Bekannter, kurz hinter ihm folgte ihm eine etwas schüchtern wirkende Thailänderin. Er begrüsste uns und sagte zu seiner Freundin 'This man J.' und deutete dabei auf meinen Bruder, 'this man Axel'. Wieso redet der nicht in ganzen Sätzen mit ihr, dachte ich. Später sollte ich festsellen dass ich mich doch sehr umgewöhnen musste was das Englisch anging das ich spreche und dem, was ich dort als 'Englisch' zu hören bekam. Also ab ging es mit einem für uns gemieteten Jeep Richtung Patong Beach. Ich versuchte während der Fahrt einige Eindrücke von Landschaft und Umgebung zu erhaschen, sah aber nur überall bunte Lämpchen, Karren und Garküchen an denen es dampfte und jede Menge nach meinem Geschmack viel zu schnell fahrender Mopeds. Wir kamen also in Patong Beach an und unser Freund setzte uns am Hotel ab. Die Österreicher unter euch, die Patong kennen, werden das Hotel evtl. auch kennen. Es ist das Patong Penthouse Hotel. Ich fand's gut. Grosses Zimmer (Bungalow) inmitten eines tropischen Gartens, sehr ruhig. Also geduscht, eine Stunde später wurden wir wieder von unserem Freund abgeholt. 'Wir gehen essen' hiess es. Er fuhr los, bog einige Male ab und plötzlich sah ich links und rechts der Strasse nur noch leicht bekleidete Mädchen, Bars, bunte Lichter, viele Ausländer, einige davon offensichtlich schon ziemlich angetrunken. Der erfahrene Patong Besucher wird wissen was ich meine - Soi Bangla. Nach einigen hundert Metern bogen wir links ab in eine dieser Barstrassen. Vor dem Auto liefen Einheimische Mädchen über die Strasse was unseren 'Freund' sofort ausrasten liess. Er hatte allerhand üble Ausdrücke für sie parat was mich schockierte. Vor Monaten hatte der Typ uns in bunten Farben geschildert wie toll, harmonisch, liebenswert und entspannt es hier zuginge. Und dann lässt er kein gutes Haar an unschuldigen Menschen. Also das Auto abgestellt, einem jungen Thai wurden 50 Baht in die Hand gedrückt damit er 'aufpassen' sollte und los ging es. An der ersten Bar setzten wir uns hin, erster Drink. Hello 5exy maaaaannn...Oh je dachte ich, die gehen aber ran! Zugegeben, es war ganz nett so angesprochen zu werden. Am nächsten Tag stellte ich jedoch bereits fest dass es offensichtlich eine der Grundvokablen der Mädels hier sein musste da ich überall dieses '5exy man' zu hören bekam. Auch wenn damit Leute angesprochen wurden die den Zenit ihrer körperlichen Attraktivität vor vielen Jahren schon überschritten hatten. Also das erste Getränk bestellt. Ich ne Cola, die anderen Bier. Die viel zu laut dröhnende Musik aus den krachenden Boxen verhinderte eigentlich jede vernünftige Unterhaltung. Aber darauf kam es hier offensichtlich nicht unbedingt an. Es vergingen etwa 10 Minuten bis mein Bruder plötzlich näheren Kontakt zu einer der Damen hatte, man küsste sich...Vor MEINEN Augen! Wie konnte er das nur tun (verheiratet...)??? Nun konnte ich mir lebhaft vorstellen was zwei Jahre vorher, als er mit einem Bekannten schonmal für 10 Tage in Pattaya war, so abgegangen war. Also bezahlt, weiter ging es, vorbei an den Bars, den manchmal kreischenden und scheinbar überdrehten (siehst du wie gut die drauf sind - sagte unser Freund...) Mädchen. Jetzt essen wir was. Es ging in eine Nebenstrasse, wir setzten uns an einen wackligen Tisch mit Plastikhockern. Mitten auf der Strasse. Es roch irgendwie auch nicht so besonders, musste der Inhalt der Müllsäcke sein die in der Nachbarschaft bei über 30 Grad so vor sich gegärt haben. Wir bestellten Nudelsuppe. Schmeckte ganz gut, etwas ungewöhnlich halt. Ich hatte es bis zu dem Zeitpunkt immer abgelehnt Asiatische Speisen zu mir zu nehmen. Was der Bauer nicht kennt... Drei sehr erotisch wirkende Damen auf hochhackigen Schuhen stöckelten hinter uns vorbei. Wir schauten ihnen nach wie sie ihre in enge und kurze Röckchen verpackten Hinterteile schwangen. 'Habt ihr die drei Jungs gesehen? fragte unser Freund. JUNGS, wieso JUNGS? Wir waren ziemlich geplättet. Die ersten Kathoey meines Lebens. Erstmal geschluckt. Gut, das Essen wurde bezahlt und wir bewegten uns nun richtig mitten rein ins 'Vergnügen'. Mann, das war ja toll hier. So viele hübsche Mädchen, alle scheinbar lustig, voller Lebensfreude. Und es schien ihnen auch nichts auszumachen wenn die Männer, an denen sie teilweise wie Kletten hingen, dreimal so alt oder schwer bzw. betrunken und doch manche auch irgendwie etwas 'unsauber' waren. Also setzten wir uns an eine der Bars. Bestellen Getränke (ich wieder ne Coke da ich kaum Alkohol trinke, vor allem nicht wenn es brütend heiss und schwül ist), die anderen Bier bzw. Whisky/Cola. An der anderen Ecke der Bar saß ein junges Mädchen, sie dürfte 22 gewesen sein. Nach ca. 2 Minuten kam sie rüber, setzte sich neben mich und legte ihre Hand auf mein Knie! Was sollte das? Ich fragte sie auf Englisch was sie wolle, sie zuckte mit den Schultern und schaute hilfesuchend zur Bedienung hinter dem Tresen. Ich fragte diese also 'what does she want from me'? 'Oooh, she want go with you. Like you too much'. Aha, dachte ich. Sieht mich und nach einer Minute mag sie mich so furchtbar...Wo war ich nur hin geraten? Ich sagte meiner Übersetzerin dass ich keinerlei Interesse hätte und das Mädel sich bitte wider auf den ursprünglichen Sitzplatz zurück bewegen dürfe. 'No, no, she want go with you for sleeping'! Meine Fresse, was soll der Mist? Ich will hier nur was trinken und meinen ersten Abend in Ruhe verbringen. Ich sagte dann dass sie der Kleinen einen Drink auf meine Rechnung geben kann wenn die sich danach wieder auf ihren alten Platz setzt. Das war o.k., nach 5 Minuten sass sie wieder auf ihrem etwas wackligen Barhocker. Schien irgendwie traurig zu sein.
    Wir besuchten noch 3 oder 4 weitere Bars, der Lärnmpegel war unerträglich, eine Bar versuchte die andere mit Lautstärke übertreffen zu wollen. Und überall helles Lachen, Gegröhle von betrunkenen Männern, eine einzige riesige Party wie es schien.
    'Na, schon eine ausgesucht?' fragte mich unser Bekannter. 'Nein nein, ich will das nicht.' Wollte ich es wirklich nicht oder zögerte ich nur weil mein Bruder dabei war? Na ja, ER zögerte nicht...Ich war erstaunt. Der erste Abend neigte sich dem Ende, gegen 3.30h saßen wir an einem kleinen Lokal auf der Strasse, die meisten Bars waren schon geschlossen, vereinzelt stolperten offensichtlich angetrunkene Gestalten und Paare über die hohen Gehwege. Wir hatten wieder ein wenig Hunger. Der Chef sass bei uns, kurze Hose, Trägerunterhemdchen an, den etwa einjährigen Sohn auf dem Arm. Das Kind gehört doch ins Bett dachte ich. Na ja andere Länder, andere Sitten. Wir wollten gegrillte Hähnchenschlegel bestellen. 'Tsicken leg no heb! Heb Leis, heb Fit'! Ich sagte 'Henry, (unser 'Bekannter'), du kannst doch ein wenig Thai. Was sagte der Mann? Er sagte 'das war kein Thai, das war Englisch'. Er hat kein Hähnchen mehr, es gibt nur Fisch und Reis'. Oh hoooo. Der Wirt ging rein, weckte seine Frau und liess sie Fisch und Reis für uns zubereiten. Feiner Zug dachte ich. Nach dem Mahl gingen war dann zu Fuss zurück zum Hotel. Vorbei an Lokalen die noch oder schon wieder geöffnet waren, es saßen tatsächlich Leute drin die gegessen haben. In einer kleinen Mopedwerkstatt sass ein Mechaniker in tiefer Hocke auf dem Boden und hatte ein Werkstück vor sich an dem er etwas schweisste. Unglaublich, diese Eindrücke, dieses Leben hier! Todmüde legte ich mich ins Bett. Für den nächsten Morgen (bzw. es waren ja nur noch einige wenige Stunden) hatte wir uns für den ersten Ausflug mit Henry verabredet. Ich schlief ein. Thailand. Klasse. Anders. Komisch? Ich hatte viel zu lernen.
    Demnächst mehr...

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