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Eine Geschichte die das Leben schrieb!

Erstellt von Marco, 19.01.2004, 21:35 Uhr · 152 Antworten · 10.023 Aufrufe

  1. #31
    Marco
    Avatar von Marco

    Re: Eine Geschichte die das Leben schrieb!

    @quaxxs


    Auf der anderen Seite frage ich mich bei den Geschichten immer, ob ich noch zusammen bekomme, was vor einem Jahr geschah, geschweige den vor 10 - 15 Jahren...
    Diese Frage habe ich mir auch schon oft gestellt. Vor allem wenn ich mal wieder eine Biografie lese. Es ist aber erstaunlich, wieviele Detail in unserem Gehirn gespeichert sind. Parallel zum Schreiben schaue ich meine Urlaubsfotos an. Ist schon erstaunlich, wie man die Reise nochmals erlebt.
    Die Gefahr besteht darin, dass mein Gehirn unliebsames verdrängt und nicht wiedergibt.



    @Alle

    Danke für die Blumen, es geht gleich weiter. Muss erstmal meine Kinder trocknen (steigen eben aus der Badewanne)

    Khontingtong

  2.  
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  3. #32
    Avatar von nokopie

    Registriert seit
    22.06.2003
    Beiträge
    296

    Re: Eine Geschichte die das Leben schrieb!

    @Khontingtong

    Eine Supergeschichte :bravo: , mach weiter so. Bin schon gespannt. Hoffentlich sind die Kids bald aus der Wanne.

    MfG, Nokopie

  4. #33
    Marco
    Avatar von Marco

    Re: Eine Geschichte die das Leben schrieb!

    Eine Geschichte die das Leben schrieb! Teil IX
    Allein – zu zweit unterwegs!


    Am Flughafen angekommen versuchten wir das nächste Flugzeug nach Bangkok zu buchen. Für diesen Tag war jedoch alles ausgebucht. Die Dame am Schalter bot uns Tickets nach Phuket an. „Kennst Du Phuket?“ „Ja, Phuket liegt in Thailand. Ich war jedoch noch nie dort.“ „Nun, gehen wir also in ein Abenteuer, wo der Ausgang ungewiss ist.“ Die Tickets wurden gekauft und schon zwei Stunden später flogen wir gegen Thailand zu.

    Die Landung in Phuket war so hart, dass ich dachte das Flugzeug breche auseinander (die Landungen sind jeweils so hart, weil die Landebahn kurz ist und der Pilot möglichst früh aufsetzten muss um nicht über das Ende hinaus zu fahren. Habe ich bei meinem zweiten Phuket - Aufenthalt von einem Piloten erfahren).

    Vor dem Flughafen warteten einige wenige Taxis. Phet verhandelte mit einem Fahrer über den Preis. „Komm, der bringt uns nach Patong. Er kennt auch ein billiges Hotel.“ So fuhren wir los. Ich sah, dass wir einen Wald durchquerten. „Hast Du gesehen, dass alle Bäume in einer Reihe gepflanzt wurden?“ Fragte ich Phet. „Ja, der Taxifahrer sagt es seinen Gummibäume. Siehst Du die Schalen die an den Bäumen hängen? Dort läuft der Gummisaft raus.“ Das war interessant. Etwas später sind wir auf die Hauptstrasse eingebogen. Schon bald musste ich mich um mein Leben fürchten. Die Phuketianer fahren sehr schnell und ohne auf den Gegenverkehr Rücksicht zu nehmen. Äusserst Gefährlich wird es, wenn ein Farang nach europäischen Massstäben Auto fährt (Deshalb fahre ich immer nach Phuket – Style, was aber meine Mia nicht gefällt und mich mit – nicht druckbaren – Ausdrücken belegt).

    In Patong sind wir im Hotel Summer – Breeze abgestiegen. Es ist ein ruhiges Hotel vis a vis Hotel Swiss Garden. Erstmal duschten wir. Ich war gerade am Einseifen, als Phet zu mir unter die Dusche kam (eigentlich machen das die Thais nicht, also wertete ich es als besonderes Zeichen von Vertrauen und Zuneigung ). So muss sich also eine Body – Schaum – Massage anfühlen dachte ich. „Mach weiter, das ist das Beste, was ich je erlebt habe!“

    Nach diesem Erlebnis erkundeten wir die nähere Umgebung des Hotels. In unserer Seitenstrasse gab es viele kleine Bars. Da ich Durst hatte gingen wir in eine Bar, die Shark hiess. Die hübsche Bedienung brachte Phet eine Flasche Wasser und mir ein Singha. Ich sah einen älteren Mann die Bar betreten, der etwa 55 Jahre alt war. Er trug weisse Socken, Sandalen, kurze Shorts und ein schlampiges T-Shirt. Um seinen dicken Bauch hatte er eine Tasche gebunden. Er setzte sich auf den Barhocker und bestellte in Deutsch ein Bier. Die hübsche Bedienung (sie heisst Nam) verstand nur Bier und fragte deshalb zurück: „You wan Singh, Chang ol Tubolg?“ „Was laberst Du da, bring mir ein Pils, aber plötzlich!“ „Solly, me dont no“. Das Gesicht des Deutschen lief rot an und er fluchte: „Warum - Du - nicht - verstehen. Ihr solltet mal einen Deutschkurs machen, ihr Schlitzaugen.“ Nam, sah mich verstört an, als bitte sie mich um Hilfe. Das weckte den Beschützer in mir und ich wandte mich an den Gast: „Warum sind sie so unhöflich? Die Dame hat ihnen nicht getan.“ „Diese dreckige ..... wirste wohl nicht Dame nennen.“ Anstatt die Bar zu verlassen, habe ich mich mit diesem (entschuldigt) Idiot angelegt. „Sie sind ein verfre......, dum... Schwe..! Warum bleiben sie nicht zuhause. Dort würden sie sich nicht so aufführen. Sicherlich sind sie ein Angestellter, der von seinem Chef unterdrückt wird. Voller Komplexe. Und jetzt kommen Sie hierher und spielen den grossen Macker!“ „Du kriegst gleich was auf die Schnauze!“ Phet zog mich am Ärmel aus der Bar. Sie hatte erkannt, dass das Ganze in einer Schlägerei ausarten konnte. Schnell hatte sie unsere Getränke bezahlt.

    Draussen gingen wir Richtung Strand. Am Strand assen wir ghutiau (Nudelsuppe). Ich erzählte Phet, was der Deutsche gesagt hatte. Sie war ausser sich und sagte, dies sei eine grosse Beleidigung für Thailand. Er dürfe so was nicht sagen. (Etwa eine Woche später erzählte uns Nam [die süsse Bedienung] dass er sich mit ein paar jungen Thais angelegt hat und schwer verletzt in Spital eingeliefert wurde. Ich mag das keinem Gönnen, aber im ersten Moment habe ich geschmunzelt) Wir sind dann am Strand entlang gelaufen. Vermutlich habe ich mich damals in Phuket und in Patong besonders verliebt. Noch heute zieht es mich bei jedem Trip nach Thailand hierher. Sorry, ich bin wohl ein wenig abgeschweift.

    Am nächsten Morgen haben wir uns einen Wagen gemietet (Suzuki – Jeep) und sind nach Phang Nga gefahren. Nachdem wir die Stadt passiert hatten, fragte Phet nach dem Weg zum James Bond Felsen. Ein Junge führte uns zu einer Bootsanlegestelle. Phet sagte: „Steig in das Boot da, ich handle noch den Preis aus.“ Als ich das Boot betreten wollte, staunte ich nicht schlecht. „In diesem Boot fahre ich keinen Meter. Das wird in kurzer Zeit Leck schlagen und untergehen .“ Phet lachte. „Steig ein, die wissen schon was sie tun.“ Und los ging´s. Zuerst fuhren wir auf einem Fluss, der von Mangrovenwäldern gesäumt war. Am Ufer hatten die Dorfbewohner Holzhütten aufgestellt. Schäbig, schief und wackelig standen diese auf Pfählen. Doch so schäbig sie auch aussahen, jede Hütte hatte eine Fernsehantenne auf dem Dach.

    Jetzt fuhren wir aufs offene Meer. Vor uns erhoben sich riesige Felsen aus dem Wasser. Was für ein Schauspiel. Bis zu 300 Meter ragten die Berge senkrecht in die Höhe. Dies ist wohl der schönste, wunderbarste aber auch sonderbarste Ort, den ich jemals besucht habe. Das ist ein Naturschauspiel sondergleichen. Nachdem wir die James Bond Insel besucht haben (hey, der Felsen ist ja gar nicht hohl – die Glastüre ist auch nicht da!) sind wir weitergefahren.

    Das Mittagessen haben wir in einem Dorf der Seezigeuner eingenommen. Das Dorf ist im Meer, auf Pfählen gebaut. Die Seezigeuner sind Moslems. Sie haben auf einer Insel, gleich hinter dem Dorf eine Moschee gebaut. Wir hatten jedoch keine Zeit, diese zu besuchen. So fuhren wir mit dem Boot zurück. Die Rückfahrt mit dem Auto war wie immer ein eigenes Abenteuer (Phuket drives crazy).

    Am Abend assen wir im Patong Sea-Food Center. Das Restaurant liegt an der Thaweewong Road, die am Strand entlang läuft. Es ist das beste Restaurant in Patong (von den Preisen will ich hier nicht berichten). Phet bestellte Spaghetti und zum Nachtisch Banana – Fritter (und ich dachte, Thais essen ausschliesslich Thaifood. Jedesmal wenn wir hier sind bestellt Phet das Selbe). Ich weiss nicht mehr was ich als Hauptgang hatte. Das Dessert werde ich wohl nie mehr vergessen. Auch ich nahm Banana – Fritter. Plötzlich legte Phet mir ihre Hand auf meinen Unterarm und sah mir gaaaanz tieeeef in die Augen (macht sie heute noch, wenn sie etwas ganz furchtbar teures geschenkt bekommen will) und säuselte: „You mally me?“




    Und es kam anders als Ihr denkt! In der nächsten Folge.

  5. #34
    Rawaii
    Avatar von Rawaii

    Re: Eine Geschichte die das Leben schrieb!

    Und??? You Mally Her??? ;-D

    Wann gehts weiter?




    Gruss Rawaii

  6. #35
    Avatar von UweFFM

    Registriert seit
    06.08.2003
    Beiträge
    2.041

    Re: Eine Geschichte die das Leben schrieb!

    jetzt lass uns nicht solange warten . Gruß Uwe

  7. #36
    Chak
    Avatar von Chak

    Re: Eine Geschichte die das Leben schrieb!

    Es gibt doch tatsächlich Reihenweise Touristen, die sich beschweren, dass man auf der James-Bond-Insel gar nicht das im Film zu sehende Labor besichtigen kann.

  8. #37
    PETSCH
    Avatar von PETSCH

    Re: Eine Geschichte die das Leben schrieb!

    und manche suchen dort den "goldenen Colt" ;-D

  9. #38
    Kali
    Avatar von Kali

    Re: Eine Geschichte die das Leben schrieb!

    ..ich hatte mich auch gewundert, daß die Dreharbeiten von der 'Brücke am Kwai' bereits abgeschlossen waren...

  10. #39
    Marco
    Avatar von Marco

    Re: Eine Geschichte die das Leben schrieb!

    Eine Geschichte die das Leben schrieb! Teil X
    Und es kam anders als Ihr denkt!

    Was macht eine Thai, wenn sie auf eine Frage keine Antwort geben will? Sie lächelt. Auch ich habe gelächelt. Doch es nützte nichts. Phet fragte mich nochmals: „Tirak, you mally me?“

    Was tun? Wir kannten uns jetzt knapp zwei Wochen und doch kannte ich sie nicht wirklich (ich kenne sie bis heute nicht wirklich, denn sie überrascht mich auch nach über zehn Jahren noch). Auf der anderen Seite war ich nicht nur verliebt in Phet. Weshalb sonst habe ich mich in Koala Lumpur für und nicht gegen sie entschieden. Das erste Mal in meinem Leben, liebte ich eine Frau von Herzen, das erste Mal konnte ich es mir vorstellen eine Frau zu heiraten, mit ihr Kinder zu kriegen und mit ihr alt zu werden. Warum musste mir das passieren. Mir, der ich doch das Liebesleben so sehr genoss. Kein Rock war vor mir sicher. Stets behauptete ich, dass ich erst mit 40 heiraten werde. Und jetzt das, noch lange vor meinem 30ten befasse ich mich mit dem Heiraten und Kinderkriegen.

    „Deine Frage ehrt mich, doch kann und will ich Dir jetzt und heute keine Antwort geben. Das muss ich mir gut überlegen.“ Damit versuchte ich erstmal Zeit zu gewinnen. Phet liess jedoch nicht locker. „Warum willst Du mich nicht heiraten?“ „Das habe ich nicht gesagt. Ich will einfach ein wenig Zeit, um nachzudenken.“ „Liebst Du mich nicht?“ „Natürlich liebe ich Dich, sehr sogar. Aber bitte lass mir etwas Zeit, um meine Gefühle zu ordnen und über die Heirat nachzudenken.“ Phet hat es akzeptiert, musste aber das letzte Wort haben. So sagte sie: „Zuviel denken macht Kopfweh!“

    Die Nacht war unbeschreiblich und ihr werdet entschuldigen, wenn ich die Details überspringe. Am nächsten Morgen – es war bereits Nachmittag um genau zu sein – gingen wir an den Strand um auszuspannen und die Sonne zu geniessen. Phet schnitt das Thema Hochzeit nicht an und ich war froh darüber. Ich mietete einen Wasserbob und liess meiner überschüssigen Energie freien Lauf. Am Strand sprang der Vermieter händeringend auf und ab. Ständig rief er mir etwas zu. Doch das liess mich kalt. Ich genoss die Freiheit.

    Zurück am Strand assen wir einen kleinen Thaisnak, dann liefen wir Richtung Hotel zurück. Kurz vor dem Rock Hard A-go-go auf der linken Strassenseite, dort wo jetzt das Ocean Einkaufszentrum steht, fanden wir einen Beautysalon wo man sich massieren lassen konnte. Das muss ich mal erleben. „Phet, komm, wir lassen unsere Muskeln mal so richtig durchkneten.“ „Ja, das gefällt mir“. Die Massage war 1A. Die Masseurin ebenfalls. Hier kann man sich nicht nur von körperlichen Verkrampfungen erholen. Die Seele kann hier ebenfalls baumeln und neue Kraft schöpfen.

    Nach dem Nachtessen im Patong Seafood Center gingen wir ins Hard Rock Cafe und danach ins Rock Hard. Später gingen wir auf einen Schlummertrunk zu meiner Lieblingsbedienung (Mann ist die süss) in die Shark – Bar. Hier traf ich Roberto, ein italienischer Expat. Mit ihm bin ich schnell in’s Gespräch gekommen. Natürlich schwärmten wir von Thailand, den Thailadies und von natürlich Phuket. „Ja Roberto, Du hast es gut, Du arbeitest im Paradies. Da werde ich ja ganz neidisch.“ „Brauchst Du nicht, kannst ja auch hier her auswandern und Dir eine Existenz gründen.“ Meine Neugierde wurde geweckt. „Wie meinst Du das?“ „Schau, ich habe mir eine Bar gekauft und lebe mit den Einkünften wie ein Fürst.“ „Was? Du hast eine Bar? Eine Bier-Bar wo sich Thai – Frauen verkaufen müssen?“ Meine Bewunderung zu Roberto sackte schlagartig ab. Wie kann man seinen Lebensunterhalt mit den Leid der Thais verdienen (ja, ja, ich weiss, jetzt denkt Ihr ich sei ein Moralapostel). Trotz dieses kleinen Schockes kurbelte es gewaltig in meinem Grosshirn (das Grosshirn heisst wirklich so und hat nichts mit der Kapazität zu tun). Um Roberto nicht zu brüskieren machte ich erstmal auf small-talk. Als es Zeit war, das Bett aufzusuchen verabschiedeten ich mich bei Roberto mit einem Tarof (Tarof kommt aus dem Iran und bedeutet, dass man etwas sagt, was man nicht unbedingt so meint). „Ich werde dich in den nächsten Tagen mal an Deiner Bar besuchen. Dann kannst Du mir alles ganz genau erklären.“

    Auf die Gymnastikübungen im Bett werde ich nicht weiter eingehen – ich liebe Gymnastik!


    Geweckt wurde ich durch ein wohliges Gefühl zwischen meinen grossen Zehen. Phet hatte mal wieder eine gute Idee. Mitten im Liebesspiel dann der Hammer! „Jetzt will ich es aber wissen, heiraten wir?“ „..hm...äh...ja natürlich.“ Ups schon zu spät. Phet hatte mich im Halbschlaf und in Trance erwischt. Sie strahlte über beide Backen. „Das muss ich gleich meiner Mutter erzählen!“ Schon hatte sie den Telefonhörer in der Hand und verbreitete die Neuigkeit in alle Welt (ein Wunder, dass RTL nicht darüber berichtete). Nach der morgendlichen Dusche assen wir das Frühstück. „Jetzt kaufen wir gleich unsere Verlobungsringe.“ „Findest Du das nicht etwas übertrieben?“ „Liebst Du mich etwa nicht?“ fragte Phet und schaute mich mit dem typischen ‚schau mir in die Augen Kleiner’ an. „Natürlich liebe ich Dich, dass bedeutet aber nicht, dass wir schon heute Verlobungsringe kaufen müssen. Lass uns die Sache langsam angehen.“ Genau das wollte sie nicht hören und wenn Phet nicht zuhören will, dass hört sie nichts (she’s my boss). „Die Bedienung hat mir erklärt, wo man schöne Goldringe kaufen kann. Iss auf, dann gehen wir dorthin.“



    Verhängnisvolle Begegnung mit Mr. Ek! In der nächsten Folge.

  11. #40
    Marco
    Avatar von Marco

    Re: Eine Geschichte die das Leben schrieb!

    Eine Geschichte die das Leben schrieb! Teil XI
    Verhängnisvolle Begegnung mit Mr. Ek!


    Was soll man dazu noch sagen? Na ja hingehen und schauen kostet ja nichts (war wieder mal ein Fehler. Wenn meine Mia etwas sieht, dann muss es gekauft werden). Wir sind also die Bangla Road runtergelaufen bis zur Strandstrasse, der Thaweewong Road. Beim Phuket Cabana in einem kleinen Seitengässchen fand Phet den Patong Gold & Gems Shop. Etwas zögerlich betrat ich den Laden. Es ist schon erstaunlich, wie viel Gold man auf 6 Quadratmetern Verkaufsfläche ausstellen kann. Im Laden begrüsste uns ein etwa 40 jähriger Thai. „Hallo, ich bin Mr. Ek. Ich stehe Euch ganz zur Verfügung. Phet schaute sich im Laden um. Sie liess sich dutzende Halsketten (nicht Halskettchen sondern richtige Halsketten) geben. Ich habe sie noch nie so strahlen gesehen, als sie sich die Dinger anprobiert hat. Dann kamen die Handketten an die Reihe. Ich setzte mich in eine Ecke und schaute den beiden dabei zu. Mr. Ek sagte bei jedem Stück: „Das ist 5 Baht Gold, das 3 Baht Gold, das 4 ....“ Da fragte ich ihn: „Das ist aber billig, ist das echtes Gold?“ Phet und Mr. Ek lachten (habe ja schon immer gesagt, ich sei naiv). „Das ist echtes Thaigold. Das Baht ist die Gewichtsangabe des Goldes und der Preis wird nach dem aktuellen Goldpreis berechnet.“ Aha, wieder was gelernt.

    Endlich, etwa nach einer halben Stunde liess sich Phet die Ringe zeigen. Sie suchte sich einen Goldring mit drei Diamanten aus. Als ich nach dem Preis fragte, glaubte ich, ich sei im falschen Film. Ich sagte Phet, dass ich nicht aus einer reichen Bankiersfamilie sei. „Vergiss es. Soviel Geld habe ich nicht!“ „Du kannst mir Deiner Karte bezahlen, ich muss jedoch noch 4% drauf tun, wegen der Gebühren“ sagte Mr. Ek. Phet schaute mich mit ihrem lieben, treuen, bittenden, ja sogar flehenden, na-ihr-wisst-schon-welchen Blick an. Wer kann schon so schönen Mandelaugen widerstehen.

    Ich konnte es. War zwar hart, aber ich setzte mich durch (dies war eines der wenigen Male). Wir suchten uns dann zwei schöne gelbgold Ringe aus. Mr. Ek fragte mich richtiggehend aus: „Von wo kommst Du? Was arbeitest Du? Wie viel verdienst Du? Wie gefällt Dir Thailand?“ War richtiggehend ein Verhör. Durch die Bücher, die ich vor der Reise gelesen habe, wusste ich, dass das in Thailand zum ‚Beschnuppern’ gehört. Die Thais müssen Dich in ihr Hierarchiesystem einteilen können. Mr. Ek gefiel mir. Wir luden ihn zum Mittagessen ein. „Gehen wir ins Patong Seafood Center?“ „Nein, gleich beim Strand sind Garküchen, dort kannst Du mir eine Suppe spendieren.“

    Wir hatten schnell Freundschaft geschlossen. Zum Abschied tauschten wir unsere Visitenkarten aus.
    Phet war glücklich. Gleich nach dem Kauf steckten wir unsere Ringe an die Finger. Ab jetzt soll jede Frau sehen, dass der Farang vergeben ist. Den Nachmittag werde ich wohl nie mehr vergessen. Wir gingen in unser Hotelzimmer und Phet bedankte sich auf ihre eigene Art für die Verlobungsringe. Die Party unterbrachen wir nur, um an einer Garküche etwas zu essen und am Nachtmarkt Früchte zu kaufen.

    Am nächsten Morgen mieteten wir ein Moped und erkundeten die Insel. Wir fuhren dem Strand entlang nach Norden. Die Strasse war in schlechtem Zustand und plötzlich stieg sie so steil an, dass Phet und ich das Mofa raufschieben mussten das war noch ein richtiges Abenteuer. Heutzutage ist die Strasse gut ausgebaut und asphaltiert). Nach etwas einer Stunde kamen wir an einen wunderschönen Strand. Es war wie im Paradies. „Halt an, ich habe Hunger. Dort unten sehe ich ein Restaurant.“ „Aber es ist erst 10:00. Mittagessen gibt es erst ab 12:00. Das Restaurant hat bestimmt noch geschlossen.“ „Hey wir sind in Thailand. Das Restaurant hat bestimmt schon auf!“ Es hatte auf. Phet ass eine Kleinigkeit, ich schwamm erstmal im Meer. Es war einfach wunderbar. Die Beach ist die schönste auf Phuket. Ich sagte zu Phet, sie solle die Wirtin fragen, wie dieser Strand heisst. Surin Beach, antwortete diese. Einfach wunderbar.

    Wir sind bis Sonnenuntergang hier geblieben. Eigentlich bin ich keine Romantiker, aber diesen Sonnenuntergang.....unbeschreiblich. Die Rückfahrt ins Hotel war ein Abenteuer für sich, denn wir fuhren im Dunkeln. Im Hotel sagte man uns, Mr. Ek habe angerufen. Phet rief in zurück und sagte mir: „Ek lädt uns zum Nachtessen ein. Wir müssen um 20:00 in seinem Geschäft sein.“ „Es ist aber bereits 19:30. Das schaffst Du nie!“ Schaffte sie auch nicht, aber in Thailand ist Pünktlichkeit sowieso sehr selten. Als wir um 20:30 Ek’s Laden betraten, wurden wir herzlich begrüsst. „Wir gehen in eines der besten Restaurants der Insel. Ich zeige Euch meinen Geheimtipp.“ Wir fuhren mit Ek’s Wagen (ich musste fahren, denn Mr. Ek hat keinen Führerschein, dafür aber zwei Auto’s) zur Chalong Bucht. Dort ist das Restaurant direkt am Meer. „Hast Du schon mal Austern gegessen?“ „Nein, ich habe Seafood nicht gerne, das stinkt immer so nach Fisch.“ Da musst Du keine Angst haben. Die Waren hier sind alle frisch und riechen überhaupt nicht streng. Ich bestelle für Dich, er wird Dir schmecken.“

    Und wie es schmeckte. Ek bestellte Hummer, Krebse, Austern und Fisch. Eigentlich viel zu viel für uns drei. Das macht nicht dick und ist gut für die Potenz. Auch Phet hat es geschmeckt. Es verwunderte mich, dass sie nicht auch noch die Gräte der Fische ass. Glücklich und gesättigt trank ich meinen Kaffee. Selbstverständlich wollte ich die Rechung begleichen. Aber Ek hatte bereits bezahlt. „Ich mag Dich und Deine Frau. Deshalb habe ich Euch eingeladen. Zudem ist es hier sehr billig. Du kannst mich ja ins Patong Seafood Center einladen.“ „Wieviel hast Du bezahlt?“ „320 Baht, ist doch billig, in Patong bezahlst Du mehr als das doppelte für so ein Nachtessen.“

    Weit nach Mitternacht waren wir in Patong zurück. Was für ein verrückter Tag. „Wir sehen uns Morgen!“ „Morgen, wir reisen Morgen nach Bangkok. Um 10:00 gehen wir zum Flughafen.“ Ek lächelte, „O.K. ich hole Euch um 10:00 im Hotel ab.“ sagte es und liess uns mit vielen Fragen einfach stehen.

    Pünktlich um 10:00 wartete Ek in der Hotellobby. „Guten Morgen, seid ihr bereit?“ „Ja, wir können losfahren.“ Als Chauffeur hatte Ek seinen Bruden mitgebracht. Nach dem Check-In assen wir im Restaurant des Flughafens. Ek versprach uns, bei unserem nächsten Phuket Besuch, uns in die Geheimnisse der Insel einzuweihen. „Warum bist Du Dir so sicher, dass wir wiederkommen?“ „Das sehe ich euch an. Wenn ich das glänzen in Deinen Augen sehe, weiss ich, dass Du nicht nur Phet sondern auch Phuket liebst.“ Wie recht er doch hatte. „Chok dii, wir sehen uns wieder!“ Hatte ich hier einen guten Freund gefunden?

    Etwas 8 Monate später, Phet und ich waren schon verheiratet und wohnten in Zürich, läutete um 22:00 das Telefon. „Hallo, ich bin’s Mr. Ek. Ich mache in der Schweiz Ferien und suche eine Bleibe? Dürfen wir bei Euch übernachten?“ „Hallo Ek, natürlich kannst Du bei uns übernachten! Wann kommst Du in die Schweiz?“ „Ich bin schon da. In einer halben Stunde sind wir bei Euch.“ „Wir?“ „Ja, meine Mutter, meine Schwester und mein Freund Poh sind auch dabei, also bis dann.“ Klick, er hatte eingehängt. Jetzt hatten wir ein Problem. Wie soll man zu sechst in einer 3 ½ Wohnung übernachten? War kein Problem. Die Thais schliefen auf dem Sofa und am Boden. Sie blieben 2 Wochen und machten von unserer Wohnung aus Touren durch die ganze Schweiz. Seit diesen Tagen besteht zwischen uns eine dicke Freundschaft. Für Thais ist es nicht selbstverständlich, mit einem Farang Freundschaft zu schliessen. Deshalb bin ich sehr stolz, Ek zu meinen Freunden zählen zu dürfen. Falls jemand Gold oder Schmuck kaufen und dabei nicht über’s Ohr gehauen werden will, dem kann ich Mr. Ek nur empfehlen. Bitte richtet meine herzlichen Grüsse aus. Er ist im 2000 an eine neue Adresse umgezogen: Patong Gold & Gems 2, 143 Rat-u-Thit Road.

    Ich war auf dem Flug ganz still. Ständig musste ich an Phuket, Patong und Ek denken. Phet verstand mich uns versuchte mich zu trösten. Mein Herz war so schwer, als ob ich in Trauer währe. War dies ein Vorgeschmack auf meinen Abschied von Phet, wenn ich zurück in die Schweiz fliege?

    Am Flughafen stand ein Mann mit einem Schild in der Hand. Darauf stand „Mr. Marco“. „Sieh mal, bist Du da gemeint?“ „Sicher nicht. Ich kenne ja niemanden in Bangkok.“ Phet fragte den Mann, welchen Marco er denn suche. „Mr. Marco und Phet aus Phuket kommend. Ich heisse Poh. Ek ist mein Freund und hat mich gebeten, Eueren Aufenthalt in Bangkok so gemütlich wie möglich zu machen.“ Jetzt staunte ich nicht schlecht. Das ist wahre Gastfreundschaft. Oder steckte etwa Absicht dahinter?



    Bangkok, die Stadt der Engel (im wahrsten Sinne des Wortes)! In der nächsten Folge.

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